[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung einer wasserunlöslichen Mikrocellulose für
Streichfarbendispersionen zur Beschichtung von Druckträger, insbesondere für Papier
und Karton.
[0002] Grafische Papiere machen einen wichtigen Teil der Papierproduktion aus und nehmen
hinsichtlich der Nutzung durch die Gesellschaft einen der vorderen Plätze ein: sie
sind Übertragungsmedium für Information, Unterhaltung und Werbung. Ihre Entwicklung
wird in großem Masse davon abhängen, ob sie sich durch optimale Leistungsmerkmale
gegenüber anderen Kommunikations- und Werbemedien behaupten können.
[0003] Um eine gute Rentäbitität zu erzielen, muss der Wert eines Produktes steigen, während
gleichzeitig die Produktionskosten sinken. Diese teilweise gegensätzlichen Forderungen,
wie zum Beispiel Qualitätssteigerung, Reduzierung der flächenbezogenen Masse bei zunehmenden
Produktionsgeschwindigkeiten, lassen sich mit konventionellen Veredelungsmethoden
sicht mehr, oder nur mit erhöhten Kosten, erfüllen.
[0004] Um wettbewerbsfähig zu bleiben; müssen die Papierhersteller die Kostenstruktur ihres
gesamten Herstellungsprozesses immer wieder optimieren. Die größten Kostenfaktoren
sind unschwer auszumachen: der Gesamt-Energieverbrauch und die Rohstofflcosten. Während
die Energiekosten aber auch Rohstoffkosten wie Streichpigmente, Binder und sonstigen
Additive in den letzten 2 Jahren erhebliche Kostenerhöhungen mit sich brauchten, ist
seit den 80iger Jahren ein stetiger Abwärtstrend bei den realen Papierpreisen zu registrieren.
[0005] Diese Entwicklungskosten fordern Kosteneinsparung bei der Papierherstellung mit spezialisierter
Herstellungstechnologie, wenn möglich online ohne Gefahr von Störungen, die von maßgeschneiderten
Streichfarben von hohem Feststoffgehatt bedient wird.
[0006] Um den Energieverbrauch wirklich zu senken, müssen sowohl Maschinentechnik als auch
Steuerung und Rohstoffe in die Optimierung einbezogen werden.
[0007] Bei der Oberflächenbehandlung hat der Trend zum berührungsärmeren oder - freien Oberflächenauftrag
die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens insgesamt verbessert.
Durch bessere Nutzung des vorhandenen chemischen Potentials sind ebenfalls noch erhebliche
Einsparungen möglich.
[0008] Während in den Anfangszeiten der Papierstreicherei nur die optischen Qualitäten des
gestrichenen und bedruckten Papiers von Wichtigkeit waren, kommt jetzt den Laufeigenschaften
beim Streichprozess eine immer größer werdende Bedeutung zu. Um wirtschaftlich konkurrenzfähig
zu bleiben, müssen die Erzeuger von gestrichenen Papieren und Kartons nicht nur ihre
Einsatzstoff-und Formulierungskosten senken, sondern auch ihre Produktivität erheblich
erhöhen. Der einfachste Weg zur Produktionserhöhung ist die Steigerung der Bahngeschwindigkeit,
da dieser Schritt meist ohne große technologische Investitionen erfolgen kann. Daher
ist es verständlich, dass die Bahngeschwindigkeit für die gestrichenen Massenpapiere
(zum Beispiel für LWC-Rollenoffset und - Tiefdruck) heute- noch vor einigen Jahren
unvorstellbare - 1700 m/min erreicht hat. Die technologische Entwicklung zur Erhöhung
der Maschinengeschwindigkeit geht unvermindert weiter.
[0009] Um diesen technologischen Fortschritt zu begleiten, müssen Streichfarben ein sehr
gutes Laufverhalten aufweisen. Nicht nur steigende Bahngeschwindigkeiten sondern auch
höhere Feststoffgehalte und neuartige Pigmente mit rheologischen problematischer Teilchenmorphologie
(zum Beispiel PCC) und höherem shape factor (zum Beispiel Talkum) gestalten das Laufverhalten
äußerst schwierig und sind eine echte Herausforderung bei der Rezeptoptimierung.
[0010] Die gestiegenen Anforderung an Produktivität und Prozessfähigkeit bei der Herstellung
der gestrichenen Papiere und Kartons einerseits und an Qualität, Aussehen und Bedruckbarkeit
des Endprodukts andererseits haben bewirkt, dass eine große Zahl von verschiedenen
Additiven Eingang in die Papierherstellung gefunden hat, die jedoch in manchen Bereichen
den Anforderungen nicht mehr im vollen Umfang gerecht werden.
[0011] So zeigen zum Beispiel bisher bewährte Cobinder und Verdicker wie wasserlösliche
Stärke und CMC bei höheren Schereinwirkungen beziehungsweise Bahngeschwindigkeiten
und die bei der Online-Fahrweise bedingten höheren Temperatur der Streichfarbe unzureichende
Wasserretention, was zu erheblichen Lauf- und Qualitätsproblemen führt wie übermäßiges
Wegschlagen des Wassers und damit verstärkte Penetration von Bindern, Cobindern und
sonstigen Additiven, Schwächung des Fasergefüges, Absacken der Streichfarbe, drastische
Änderung der Rheologie, Strichgewichtsschwankungen, Anstieg des Feststoffgehaltes
in Streichfarbenkreislauf, erhöhte Schaberdrücke beim Blade-Streichen, abnahme des
Strichvolumens und ungleichmäßige Bindemittelverteilung (Mottling im Offsetdruck).
[0012] Wird die Wasserretention durch erhöhte Mengen CMC oder synthetische Verdicker angehoben,
muss durch den starken Viskositätsanstieg der Feststoffgehalt mit all seinen nachteiligen
Folgen reduziert werden.
[0013] Der Weißgrad beziehungsweise die Helligkeit der Papiere ist ein wesentlicher technischer
Parameter des Endproduktes und mehr denn je ein sehr kräftiger Marketinginstrument.
[0014] Um höchste Weißgrade sowie Helligkeit zu erzielen, werden heute verstärkt optische
Aufheller eingesetzt.
[0015] Aufheller müssen bekanntlich an geeignete Trägermaterialen (Carrier, wie zum Beispiel
PVA, CMC) gebunden werden, die jedoch wegen eines möglichen Viskositätsanstieg mit
eventueller Feststoffgehaltsreduzierung nur im begrenzten Umfang eingesetzt werden
können. In der Praxis kann deshalb - vor allem bei hohen Aufhellermengen - nicht mehr
das optimale Aufheller/Carrier-Verhältnis eingestellt werden, was zu einer schlechteren
Aufhellerwirkung und zu einer Vergrauung, einer schlechteren Lichtechtheit und verstärkten
Ausbluten führt. Mit einer speziell für Streichfarben hergestellten Mikrocellulose
mit enger Teilchenverteilung ergeben sich auch bei hohen Bahngeschwindigkeiten und
hohen Temperaturen sehr gute Wasserretentionswerte bei gleichzeitig höheren Feststoffgehalte
der Streichfarbe. Neben der Eigenwasserretention der Mikrocellulose kommt es durch
Mikrocelluloseteilchen zu einer Barriereschicht beziehungsweise schnellen Immobilisierung
der Streichfarbe an der Rohpapiergrenzfläche, was ein zu schnelles Wegschlagen des
Wassers sowie Binder, Cobinder und sonstigen Additiven verhindert.
[0016] Das bedeutet neben einer Verbesserung der Laufeigenschaften auch bei hohen Bahngeschvirihdigkeiten
und auch bei hohen Temperaturen (Online-Fahrweise) durch eine geringere Penetration
von Wasser, Binder und sonstigen Additiven - bedingt durch den höheren Feststoffgehalt
sowie Barrierewirkung der Mikrocellulose auch eine Einsparung von Bindern und sonstigen
Additiven bei gleichzeitiger Glanz- und Glättesteigerung.
[0017] Besonders muss hierbei die Einsparung der Trocknungsenergie durch die höheren Feststoffgehalte
hervorgehoben werden.
[0018] Bei hohen Aufhellerdosierungen lassen sich durch Teilersatz von PVA durch Mikrocellulose
ohne Feststoffgehaltsreduzierung durch Optimierung des Aufheller-Carrierverhältnises
bessere Aufhellerwirkung, Lichtechtheiten mit ausgezeichneter Ausblutechtheit erzielen.
[0019] Femer wird die Herstellung hochqualitativer, kostengünstiger Inkjet-Papiere mit kationisierter
Mikrocellulose ohne und mit Pigment beschrieben.
In Gegensatz zu den wasserlöslichen Cobindem ergeben bei der Streichfarbenrückführung
beziehungsweise Ausschussverarbeitung die wasserunlösliche Mikrocellulose keine Kreislauf
- und Abwasserbelastung durch CSB.
Stand der Technik
[0020] Für die "Runabitity" einer Streichfarbe sind Feststoffgehalt, Viskosität und Wasserretention
die wichtigsten Steuergrößen, die vorwiegend durch Cobinder und Verdicker reguliert
werden. Die Abstimmung dieser Streichfarbenkriterien auf das jeweilige Auftragsverfahren,
Basispapier und die Arbeitsgeschwindigkeiten ist eine notwendige Maßnahme zur Erzielung
guter Laufeigenschaften und optimaler Striche.
[0021] Die Hauptfunktion der Cobinder und Verdicker besteht darin, dass sie der Streichfarbe
die erwünschte Viskosität und das nötige Wasserrückhattevermögen auch bei höherer
Temperatur (Online-Fahrweise) und höheren Scherbeanspruchungen das heißt höheren Produktionsgeschwindigkeiten
verleihen.
[0022] Schon ab dem ersten Kontakt mit der mehr oder wenigen saugfähigen Oberfläche des
Papiers beziehungsweise Kartons verliert die Streichfarbe erhebliche Mengen an Wasser
durch Kapillardruck des Substrats. Die Wasserabgabe wird zusätzlich verstärkt durch
Dnickverhältnisse, die sowohl bei der Auftragswalze als auch unter dem Rakel herrschen.
Dem muss durch Cobinder und Verdicker entsprechend entgegengewirkt werden.
[0023] Bei dem PTS-Seminar 2006 in München Herstellung und Beurteilung von Streichfarben"
Manuskript SK 659 2006 wird über die Herstellung und Beurteilung von Streichfarben
ausführlich berichtet wobei sich der Beitrag von H. Hanciogullari explizit mit Additiven
zur gezielten Beeinflussung von Lauf- und Qualitätseigenschaften befasst.
[0024] Mann kann Cobinder und Verdicker grob in "natürliche" und "synthetische" Produkte
einteilen. Bei den sogenannten natürlichen Produkten (das heißt auf natürlicher Rohstoffbasis)
unterscheidet man zwischen Proteinen und Polysacchariden.
[0025] Casein (aus Kuhmilch) und Soja-Protein (aus Samen der Sojapflanze) gehören zu den
Proteinen, während Stärke (oxidativ beziehungsweise enzymatisch abgebaute Stärken
unterschiedlicher Herkunft), Carboxymethylcellulose (= CMC) Hydroxyethylcellulose
(=HEC) Alginate (aus bestimmten Meeresalgen) zu den Polysacchariden gezählt werden.
Sowohl CMC als auch HEC werden durch chemische Derivatisierung der Cellulose gewonnen.
Die meisten natürlichen Produkte werden in Pulver- oder Granulatform geliefert. Oft
müssen diese Produkte in separaten Vorbereitungsschritten zunächst aufgelöst und erst
danach zu der Streichfarbe zudosiert werden.
[0026] Stärke, Soja-Protein und Casein fanden in der Anfangsphase der Papierstreicherei
als Bindemittel Verwendung. Diese Produkte zeichneten sich dadurch aus, dass neben
ihrer Bindekraft für die Pigmente auch die nötige Verdickungswirkung und Wasserretention
verfügten. Auf Grund dieser Eigenschaften werden Protein und insbesondere Stärke heute
noch neben den moderneren synthetischen Bindemittel als Cobinder eingesetzt.
[0027] Die synthetischen Produkte beinhalten Polyvinylalkohol (=PVOH), Acrylatcopolymere
und assoziative Verdicker. Polyvinylalkohol wird durch Polymerisation von Vinylacetat
mit anschließender Hydrolyse hergestellt. Acrylatcopolymere werden durch Polymerisation
von geeigneten Monomeren wie Acrylsäure und Methacrylsäure sowie deren Ester, Acrylnitril,
Vinylacetat usw. produziert. Die sogenannten "Assoziativ-Verdicker" sind hydrophob
modifizierte Acrylatcopolymere mit einigen ausgeprägten Eigenschaften.
[0028] Die Hauptfunktion dieser Produkte besteht darin, dass sie der Streichfarbe die erwünschte
Viskosität und das nötige Wasserrückhaltevermögen verleihen. Um diese Effekte zu zeigen,
muss ein Cobinder beziehungsweise Verdicker eine starke Wechselwirkung mit Wassermolekülen
(für Wasserretention) und anderen Rezeptbestandteilen, insbesondere mit Pigmenten
(für Verdickungswirkung) aufweisen. Man erwartet außerdem eine ausgeprägte Strukturviskosität
(= Pseudoplatizität) im rheologischen Verhalten. Erst die Kombination dieser Faktoren
ergibt eine gute Ausgangsbasis für gute Laufeigenschaften. Unabhängig davon, in welcher
Form und auf welcher chemischen Basis diese Produkte zur Verfügung stehen, müssen
sie einige Hauptanforderungen erfüllen, um überhaupt als Cobinder beziehungsweise
Verdicker eingesetzt werden.
[0029] Die Hauptanforderungen und Hauptfunktionen an Verdicker sind:
Wechselwirkung mit Wasser: Wasserretention
- Vermeidung übermäßiges Wegschlagen des Wassers (Penetration wasserlösliche Binder,
Cobinder und Additive)
- keine Schwächung des Fasergefüges
Das Papiergefüge wird durch die aufgenommene Wassermenge schwächer, die Papierbahn
kann dann unter Zugbeanspruchung leicht reißen.
- Keine drastische Änderung der Rheologie zunehmender Feststoffgehalte und zunehmende
Viskositäten bei niedriger Wasserretention führen zu dilatanten Fließverhalten und
somit zu Rakelstreifen, Bartbildung am Blade etc.
- Kein anstieg des Feststoffgehaltes im Streichfarbenkreislauf
Der Feststoffgehalt der Streichfarbe im Kreislauf erhöht sich innerhalb weniger Stunden,
da übermäßige Wasserabgabe an das Papier auch eine Verarmung an wasserlöslichen Polymere
in der Streichfarbe bedeutet. Insbesondere bei Vorstrichen ist dieses Phänomen oft
anzutreffen. Außerdem kommt es zu einer Bindemittelverarmung, was zu Verdruckbarkeitsproblemen
führen kann. Mit der Erhöhung des Feststoffgehaltes der Streichfarbe wird ein konstanter
Strichauftrag immer schwieriger; oft muss man den Blade-Druck erhöhen, um das Strichgewicht
zu halten.
Wechselwirkung mit Pigmenten: Verdickungswirkung
[0030] Die Wechselwirkung mit Wasser ist nicht nur für Wasserretention unerlässlich, sondern
beeinflusst darüber hinaus die Viskosität in der Wasserphase erheblich. Neben den
hydrodynamischen Effekt gibt es noch einige andere Möglichkeiten, die Mobilität der
Wasserphase zu begrenzen.
[0031] Sowohl hohes Molekulargewicht als auch höhere Strukturordnung erhöhen das hydrodynamische
Volumen der gelösten Polymeren erheblich.
[0032] Gestreckte, steife Polymerketten setzen die Mobilität der Wasserphase ebenso herab
wie die leichte Vernetzung dieser Polymeren untereinander. Das Maximum der inneren
"Vernetzung" erreicht man schließlich mit den assoziativen Wechselwirkungen durch
hydrophobe Seitenketten. Atlen diesen Effekten ist gemeinsam, dass sie durch Mobilitätssenkung
infolge der intra- und intermolekularen Vernetzung sowie der Volumenzunahme die Viskosität
in der Wasserphase erhöhen.
[0033] Verdicker sollen bevorzugt folgende Funktionen aufweisen:
- Keine Migration des Verdickers im Rohpapier
- Leichte Strukturbildung
- Prozessfähigkeit
[0034] Zur Entfaltung ihrer Verdickerwirkung müssen die Hydrokolloide in gelöste Form vorliegen.
[0035] Während man die meisten natürlichen Produkte durch Erhitzen und Kochen in eine wässrige
Lösung bringen muss, basiert der Auflösungsvorgang der Acrylat-Copolymeren auf den
in der Streichfarbe vorhanden Alkali-lonen.
[0036] Strukturviskoses, rheologisches Verhalten:
Niedrige high Shear-Viskosität.
[0037] Eine exakt eingestellte und ausreichende Wasserretention sind noch keine Garantie
für gute Laufeigenschaften. Die Streichfarbe muss darüber hinaus eine insgesamt günstige
Rheologie aufweisen. Insbesondere die modernen Streichprozesse mit hohen Feststoffgehalten
und Bahngeschwindigkeiten erfordern eine ausgeprägte Strukturviskosität, das heißt
abnehmende Viskosität bei höheren Scherraten.
[0038] Folgende Funktionen sollen durch niedrige high-shear-Viskositäten erzielt werden:
- Gute Laufeigenschaften bei hohen Bahngeschwindigkeiten
- Niedriger Blade-Druck
- Leichte Kontrolle des Strichgewicht.
[0039] Bei hohen Feststoffgehalten kann die geringste Erhöhung des Feststoffgehaltes bei
unzureichender Wasserretention zu einer ausgeprägten Dilatanz bei der gleichen Streichfarbenformulierung
führen.
[0040] Da beim Kartonstreichen der warme Rohkarton sehr saugfähig ist und die Streichfarbe
im Dauerkontakt mit dem warmen Karton bis auf 60 °C erwärmt wird, benötigt man eine
sehr hohe Wasserretention um eine gute Strichqualität zu gewährleisten, Stärke aber
auch CMC erfüllen bei den hohen Temperaturen und Scherung diese Vorgabe nur bedingt.
Der Einfluss von Stärke auf die Wasserretention bei solchen Bedingungen wird oft überschätzt
und so wird der Anstieg es Feststoffgehaltes im Streichfarbenkreislauf während der
Produktion von 5 - 7 % als normal und unvermeidlich angesehen. Die Folge davon ist
eine verstärkte Penetration von Binder und sonstigen Additiven (Verarmung an Binder
und Additive in der Streichfarbe) Schlechtes Coating-Holdout, Matt- und Glanzstellen
durch ungleichmäßige Biridemittelverteilung sowie Mottling im Offsetdruck.
[0041] Mit der Zugabe von synthetischen Verdickern lassen sich die Bedingungen etwas verbessern,
die jedoch wegen der starken Zunahme der Viskosität begrenzt sind.
[0042] Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass CMC bei niedrigen Streichgeschwindigkeiten
und niedrigen Temperaturen die Runability verbessert (starke statische Wasserretention)
jedoch mit zunehmender Scherung beziehungsweise Streichgeschwindigkeit und Temperatur
was heute vielfach bei der Online-Fahrweise mit der Filmpresse stand der Technik ist,
an Wirksamkeit verliert und vielfach so gar zu Problemen führen kann.
[0043] Die schlechte dynamische Wasserretention sowie die kolloidalen Wechselwirkungen von
CMC mit den Pigmenten führt zu den beschriebenen Problemen beim Streichen.
[0044] Außerdem ergeben größere Mengen CMC neben der Wasserretention einen zu starken Viskositätsanstieg
der unter Umständen Feststoffgehaltsemiedrigung erfordert.
[0045] Unter den unterschiedlichsten Streichfarben-Additiven nehmen diejenigen zur gezielten
Verbesserung der Oberflächeneigenschaften der gestrichenen Erzeugnisse eine besondere
Stellung ein, denn sie beeinflussen genau die Charakteristika der Papiere und Kartons,
die zur Wertstellung bei den Druckereien und scliließlich bei den Endverbrauchern
eine sehr gewichtige Rolle spielen. Weißgrad, Helligkeit, Glätte und Glanz gehören
zu optischen Eigenschaften, die vom Menschen unmittelbar über Sinnesorgane wahrgenommen
werden.
Der Trend zu hochweißen Papieren hält besonders in Europa und zunehmend auch in Südostasien
unvermindert an.
[0046] Um höchste Weißgrade sowie Helligkeit bei einer Verschiebung des Farbtons zuverlässig
und ökonomisch zu erzielen, sind optische Aufheller heute nicht mehr wegzudenken.
[0047] Die Weißgrad erhöhende Wirkung der hierfür meist eingesetzten Derivate der Diaminöstilbendisulfonsäuren
beruht auf deren Fähigkeit, Licht aus dem nicht sichtbaren ultravioletten Bereich
des Tageslicht (350nm) zu adsorbieren und bei höheren Wellenlängen (440 nm) zu emittieren
beziehungsweise fluoreszieren.
[0048] Der Weißgrad wird auch durch die Verschiebung des Farbtons von gelb- nach blaustichig
erhöht. Zusätzlich wird dabei auch die Helligkeit des Papiers gesteigert.
[0049] Die aufhellende Wirkung tritt jedoch nur dann ein, wenn der optische Aufheller auf
einem geeigneten Trägermaterial oder Carrier fixiert wird beziehungsweise "aufziehen"
kann.
[0050] Die wichtigsten Cobinder, die neben anderen Eigenschaften vor attem eine "Carrier"-Funktion
erfüllen sind Polyvinylalkohol, Carboxymethylcellulose (CMC), Polyäthylenglykol (PEG),
Polyvinylpyrrolidon (PVP) Stärke, Casein, MF-Harze und Styrol-Acrylat-Copolymere.
[0051] Es gibt einige Faktoren, die die optischen Aufheller in ihrer Wirkung stark beeinträchtigen
können. Einerseits können diese wasserlöslichen Produkte mit dem Wasser in das Rohpapier
migrieren, wo sie von den UV-Strahlen kaum noch erreicht werden können. Andererseits
können sich die Moleküle des optischen Aufhellers aneinander anlagern und sich gegenseitig
"quentschen", das heißt unwirksam machen. Diese Aufheller-Agglomerate können selbst
den Farbort nach grün verschieben (Vergrauung / Vergrünung).
[0052] Bei den derzeitigen Trend der verstärkten hohen Zugabemengen von optischen Aufheller
ohne entsprechende notwendige Carrier-Anteile - wegen Viskositätsanstieg beziehungsweise
Feststoffgehaltsemiedrigung - kommt es zu Vergrauungs - und Vergrünungserscheinungen,
verminderter Lichtechtheit und zunehmender Ausblutverhalten.
[0053] Aus der
EP 0 499 578 B1 wird eine mikrokristalline Cellutose mit einer durchschnittlichen Teilchengröße von
1 bis 100 µm für die Aufhellerverbesserung von optischen Aufhellern vorgeschlagen.
[0054] Dieser Vorschlag scheiterte in der Praxis vor allem an den groben Faserteilen, die
zu Verarbeitungproblemen führten.
[0055] Ferner werden in der Literatur und Patentschriften Mehrzweckschrift- und Druckpapiere
beschrieben, die zum Kopieren verwendet und/oder mittels Offset-und Inkjet Druckverfahren
bedruckt werden.
[0056] Es wird erwartet, dass der Bedarf an Inkjet-Druckpapieren ansteigt. Entsprechend
wird auch dies für den Einsatz von Laserdruckern und Kopiergeräten erwartet
[0057] Die Qualitätsansprüche an Inkjet-Papieren nimmt weiter zu, gleichzeitig werden jedoch
Kostensenkungen erwartet.
[0058] Aus
EP 0 710 742 A2 ist eine Streichfarbe für einen Druckträger nach dem Tintenstrahl-Druckverfahren
bekannt, die im wesentlichen dadurch gekennzeichnet ist, dass ein Dreischichtsilikat
durch saure Aktivierung eines Alkali- oder Erdalkalismektits oder durch Einbau von
Metalloxid-Brücken in dessen Schichtstruktur modifiziert ist und etwa 10 - 50 Gew.
Teile, vorzugsweise 20 bis 25 Gew.-Teile Bindemittel und sonstige Additive enthält.
[0059] Aus der
US-A-4792487 ist eine Streichfarbe für einen Druckträger nach dem Tintenstrahl-Druckverfahren
bekannt, die im wesentlichen aus einem Montmorillonit mit einem hohen Quellvermögen
besteht und die gegebenenfalls ein Pigment mit einer hohen Oberfläche, wie synthetische
Kieselsäure oder Calciumcarbonat, und ein wasserunlösliches Bindemittel enthält. Durch
die hohe Mikrokapillarität beziehungsweise spezifische Oberfläche der Pigmentteilchen
wird eine ausgezeichnete Inkjet-Bedruckbarkeit bei farbigen Ausdrucken mit guter Farbbrillanz,
optischer Dichte der Farben und Punktschärfe erzielt. Diese Papiere zeichnen sich
außerdem durch eine schnelle Farbtrocknung und höhere Wasserbeständigkeit aus.
[0060] Die sauren anionischen, wasserlöslichen Tinten werden dabei von Inkjet bevorzugt
an kationischen Grenzflächen durch eine schnelle Adsorption verankert. Zusätzlich
unterstützt die hohe Kapillarität der Pigmente das Separieren von Farbstoffen und
Flüssigkeit durch Chromatografieeffekt. Die größeren Farbstoffmoleküle bleiben an
der Pigmentoberfläche, während kleinere Moleküle, vor allem Wasser und Additive, durch
die Kapillarkräfte in das Innere der Pigmente gezogen werden. Dies setzt eine hohe
Mikrokapillarität mit definiertem Porenradius und/oder verbesserte Wasserbeständigkeit
voraus.
Aufgrund ihrer hohen spezifischen Oberfläche von den heute verwendeten, sehr teuren
Silikaten ist ihr Bindemittelbedarf sehr hoch (bis 30 - 40 Teile Binder). Bindemittel
wiederum sind ebenfalls teuer und belegen ihrerseits einen großen Teil der Oberfläche,
so dass die aktive Oberfläche verringert wird.
[0061] Die Herstellung von kationischen Streichfarben wird in
EP 0 307 795 A2 beschrieben.
Aufgabenstellung
[0062] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung eine Streichfarbendispersion für das Streichen
von Papier und Karton hezustellen, die vor allem bei hohen Maschinengeschwindigkeiten
und hohen Temperaturen die Laufeigenschaften verbessert neben Kostenvorteilen wie
Bindemittel- und Energieeinsparung auch qualitative Verbesserungen im Hinblick der
Glanzentwicklung und Bedruckbarkeitsverbesserung ermöglicht.
Ferner werden mit kationisierter Mikrocellulose mit und ohne Pigmente ohne Bindemittel
kostengünstige Inkjetpapiere mit hohen Qualitätsansprüchen beschrieben.
[0063] Erfindungsgemäß enthält eine Streichfarbendispersion zum Streichen von Papier und
Karton eine für den Streichprozess speziell entwickelte Mikrocellulose mit enger Teilchenverteilung
und einem mittleren Teilchendurchmesser (d 50 %) von ca. sowie einer schwach anionische
Grenzflächenladung (Zeta-Potentiale von -17 bis - 20mV)
[0064] Die hohe Wasserretention auch bei Schereinwirkung und zunehmenden Temperaturen wirkt
bedingt durch die physikalischen Eigenschaften des wasserunlöslichen globularen wasseraffinen
"organischen Streichpigments" mit enger Teilchengrößenverteilung den beschriebenen
Penetrationsvorgängen in das Rohpapier und dem Migrationsvorgang bei der Trocknung
mit den beschriebenen Nachteilen entgegen, während wasserlösliche Cobinder wie Stärke,
CMC, PVA etc. mit dem Wasser in das Rohpapier beziehungsweise Karton penetriert.
[0065] Neben der hohen Eigenwasserretention der Mikrocellulose kommt es durch die wasseraffinen
Mikrocelluloseteilchen zu einer Barriereschicht beziehungsweise schnellen Immobilisierung
der Streichfarbe an der Rohpapiergrenzfläche, was ein zu schnelles Wegschlagen des
Wassers sowie Binder und sonstigen Additive verhindert. Wie alle Hydrokolloide bindet
die Mikrocellulose erhebliche Mengen Wassermoleküle an ihre Grenzfläche, so dass ihr
Durchmesser und Volumen zunimmt und sie mehr Platz in der wässrigen Phase der Streichfarbe
beanspruchen.
[0066] Die beschriebenen Vorgänge erklären auch die tendenzmäßig niedrigen Wasserretentionswerte
bei Labormethoden (statische Wasserretention).
[0067] Aus den Untersuchungen geht hervor, dass sowohl die Viskosität bei niedrigen Scherraten
(Low Shear) als auch bei höheren Scherraten (High Shear) mit Mikrocellulose im Vergleich
zu Stärke und CMC in der Streichfarbe abnimmt. Die Untersuchungen zeigen weiter eine
niedrigere dynamische Viskosität als bei Formulierungen mit Stärke und CMC.
[0068] Die oszillatorische Messung ermöglicht es zwischen elastischen und plastischem Fließverhalten
zu unterscheiden. Die Belastung-auf die Streichfarbe wird durch die oben genannte
Steigerung der Auslenkungsamplitude vergrößert. Dadurch werden die Partikel gegeneinander
bewegt.
[0069] Die so erzeugte, sinusförmige Vorgabe der Schubspannung bewirkt ein phasenverschobenes
Antwortsignal. Ein vollelastisches System zeigt einen Verschiebungswinkel von 0 °;
ein vollplastisches System einer Phasenverschiebung von 90 °.
[0070] Niedrige Werte von G' entsprechen einer hohen Mobilität mit erheblich verringerten
Kräften zwischen den Partikeln. Je niedriger der Wert von G', desto höher die Nasspackungsdichte
und desto schneller die Bildung der initialen Sedimentschicht, die die Penetration
von Binder und Feinstoffen in das Substrat verhindert.
[0071] Das niedrige Speichermodul G' entspricht den bisherigen Erfahrungen das heißt durch
eine schnelle Immobilisierung und Barrierewirkung der wasserunlöslichen Mikrocellulose
an der Papier - und Kartongrenzfläche wird sowohl ein Absacken der Streichfarbe durch
sterische Hinderung als auch ein verstärktes Penetrieren von Bindern und sonstigen
Additiven verhindert. Je niedriger der Wert von G', desto höher die Mikrocellulosepackungsdichte
und umso schneller die Bildung der Sediment- beziehungsweise Barriereschicht, die
die genannten negativen Penetrationsvorgänge verhindern.
[0072] Die restliche Streichfarbe über der Barriereschicht bleibt dagegen mobil, d. h. sie
lässt sich gut egalisieren.
[0073] Beim Streichen mit hoher Geschwindigkeit (Blade-Streichen) entstehen vor der Bladekante
hohe Druckgradienten. Die Sperrgeometrie des Blade muss daher so eingestellt werden,
dass die hydraulische Einpressung der Streichfarbe in das Rohpapier minimiert und
übermäßige Wirbelbildung vermieden wird.
[0074] Während sich polymere Zusätze einschließlich Bindemittel auf Stärkebasis nachteilig
auswirken, wirkt sich Mikrocellulose durch den beschriebenen Wirkungsmechanimus auch
bei äußerst kurzen Einwirkungen von Druckimpulsen positiv auf den beschriebenen Vorgang
aus.
[0075] Für die künftige Entwicklung des Blade-Streichens bei hohen Geschwindigkeiten ergeben
sich daraus zwangsläufig Folgerungen zur Verwendung von Rezepturen mit entsprechenden
Pigmenten und Pigmentkombinationen beziehungsweise Produkten wie Mikrocellulose die
in der Lage sind, der Entwässerung unter Druck zu widerstehen.
[0076] Daraus ergeben sich folgende Vorteile der Laufeigenschaften:
Verringerung des Schaberdruckes (geringes Absacken beziehungsweise Eindrücken der
Streichfarbe in die Unebenheiten des Rohpapiers, Verringerung des Durchschlagens der
Streichfarbe, geringere Strichgewichtsschwankungen und des Blade-Verschleißes)
Verringerung der Wasserabgabe an das Streichrohpapier (geringere Schwächung des Fasergefüges
beziehungsweise der Festigkeit, Faserquellung und Fibre Liftung)
Vermeidung von starken Viskositätserhöhungen beziehungsweise Feststoffgehaltszunahmen
durch Wasserverlust bei der Rezirkulation der Streichfarbe (Dilatanzneigung, Rakelstreifen,
Bartbildung beziehungsweise Schaberüberkochen.
[0077] Daneben wird durch die Verringerung der Penetrationsvorgänge eine Einsparung an Binder
und sonstigen Additiven erzielt.
[0078] Wie bereits erwähnt, nimmt sowohl die Viskosität bei niedrigen Scherraten (Low Shear)
als auch bei höheren Scherraten (High-Shear) mit Mikrocellulose im Vergleich zu CMC,
Stärke und PVA ab.
[0079] Die erwähnten Penetrationsvorgänge werden bei Ersatz oder Teilersatz von Stärke,
CMC und PVA durch Mikrocellulose durch die sich daraus ergebenen höheren Feststoffgehalte
zusätzlich entsprechend verringert.
[0080] Durch die Möglichkeit den Feststoffgehalt mit Mikrocellulose anzuheben, ergeben sich
qualitative und wirtschaftliche Vorteile wie Bindemitteleinsparung, Verbesserung der
Wirkung von Additiven wie Cobinder, Vernetzer, optische aufheller oder deren Einsparung,
Glätte- und Glanzerhöhung, Verbesserung des Wegschlagvefialtens der Druckfarbe, geringere
Mottlingneigung und vor allem Einsparung von Trocknungsenergie.
[0081] Bevorzugt werden bekanntlich zur Oberflächenleimung Stärkeprodukte eingesetzt. Mit
zusätzlichen Additiven werden bestimmte Effekte angestrebt. So kann durch Kombination
mit Mikrocellulose die filmbildende Wirkung der Stärke durch Verringerung der Eindringtiefe
wirksam verbessert beziehungsweise eine Einsparung der Stärke erzielt werden.
[0082] Gegenüber CMC, das bisher als Regulator für die Eindringtiefe von Stärkeleimpressenformulierungen
verwendet wurde, zeigt die Mikrocellulose auch bei höheren Temperaturen eine gute
Wasserretention und bewirkt zusätzlich durch die sterische Hinderung der wasserunlöslichen
Teilchen eine Barriere an der Papiergrenzfläche, die ein verstärktes Eindringen der
Stärke in das Rohpapier verhindert beziehungsweise entsprechend steuert.
[0083] Auf Grund des hohen Wirkungsgrades hat sich das beidseitige "Online" Filmoressen-Streichen
bei neuen Produktionsanlagen durchgesetzt. Dabei zeigte sich, dass bei höheren Geschwindigkeiten
verstärkt Prozessprobleme wie zum Beispiel zu hoher Rakelanpressdruck, Spritzen und
Bartbildung am Rakel, Farbspritzer, Nebeln beziehungsweise "Misting" und Orangenschaleneffekt
je nach Rohpapierbeschaffenheit, Streichfarbe.neigenschaften und Auftragsbedingungen
mehr oder weniger stark auftreten können
Mit Mikrocellulose konnte bei 1700 m/min problemlos das heißt ohne Spritzen oder Nebeln
Pilotversuche durchgeführt werden.
[0084] Darüber hinaus weist Mikrocellulose eine sehr hohe Substantivität für optische Aufheller
(Carrierwirkung), sehr gute Wasserfestigkeit sowie eine Verbesserung der Abriebfestigkeit
(Scheuerfestigkeit) auf.
[0085] PVA ist wegen seiner ausgezeichneten Carrierwirkung für optische Aufheller einer
der meist verwendeten Carrier in der Papierindustrie, der allein oder in Kombination
mit CMC eingesetzt wird. Allerdings ist ein optimales Verhältnis zwischen Aufheller
und Trägermaterial (Carrier) eine Vorraussetzung für den effizienten Einsatz von optischen
Aufhellern. Durch den zunehmenden Trend zu höheren Papierweißgraden kommt es mehr
und mehr zu höheren Zugabemengen von optischen Aufhellern, verbunden mit hohen Carriereinsatzmengen,
was zu sehr starken Viskositätserhöhungen in der Streichfarbe führt. Dem wird derzeit
durch Verdünnen mit wasser (Feststoffgehaltserniedrigung) entgegengewirkt oder vielfach
zu geringe Carriermengen in Relation zum optischen Aufheller zugegeben um die Viskositätsanstiege
zu vermeiden, was allerdings zu einer unzureichenden Ausnutzung des Aufhellerpotentials,
mangelnder Lichtechtheit und Ausblutechtheit führt.
[0086] Wenngleich die Mikrozellulose kein vollkommen gleichwertiger Ersatz von PVA ist,
lassen sich dennoch sehr hohe Carriermengen und Aufhellermengen ohne Viskositätsefiöhung
oder Verdünnung der Streichfarbe durch den kombinierten Einsatz von PVA und Mikrozellulose
mit den Vorteilen einer hohen Lichtechtheit, einer hohen Aufhellerwirkung und vor
allem einer hohen Ausblutechtheit umsetzen, da die wasserunlösliche Mikrozellulose
aus sterischen Gründen die Penetrations- und Migrationsvorgänge, die zum Ausbluten
führen nicht mitmachen kann.
[0087] Bekanntlich erzielen die nicht an einen Carrier gebundenen freien optischen Aufheller
die schlechtesten Lichtechtheiten. Wird bei einer Carrierkombination PVA und CMC das
CMC durch Mikrozellulose ersetzt, so kommt es wegen der geringeren Penetration des
Aufhellers in das Rohpapier (Barrierewirkung, höherer Feststoffgehalt) zu einer Verbesserung
der Aufhellerwirkung. Bei gestrichenen Digitaldruckpapieren (zum Beispiel Farblaserdruckpapieren)
kommt es vielfach zu mangelnder Tonerübertragung beziehungsweise Tonerhaftung. Mit
Mikrocellulose zeigte sich bei entsprechenden Satinagebedingungen eine deutliche Verbesserung
der Tonerhaftung.
[0088] Bei Offsetpapieren werden mit Mikrozellulose im Vergleich zu CMC oder Stärke eine
offenere Strichstruktur beziehungsweise ein schnelleres und gleichmäßigeres Wegschlagen
der Druckfarbe erzielt. Die gleichmäßigere und geringere Bindemittelmigration an die
Strichoberfläche ergibt ein gleichmäßigeres Druckbild' beziehungsweise geringeres
Mottling. Im Tiefdruck wurde keinerlei Beeinträchtigung der Bedruckbarkeit festgestellt,
während sich Stärke und CMC in Form von Missing Dots (fehlenden Rasterpunkten) negativ
auswirken.
[0089] Gegenstand der Erfindung ist ferner ein Verfahren zur Herstellung einer kationischen
Mikrozellulosedispersion, die bevorzugt für Spezialpapiere wie Inkjetpapiere zur Anwendung
kommt.
[0090] Im allgemeinen wird das Verfahren der Kationisierung so durchgeführt, dass man die
anionische Mikrozellulose in einem wässrigen Medium vorlegt und diesem Medium unter
Rühren ein oder mehrere kationische Additive je nach gewünschter Ladungsdichte zugibt.
Es ergeben sich je nach verwendetem Polymer und Zugabemenge ein Zetapotential von
+ 5 mV bis + 90 mV. Die kationschen oder kationisierten wasserlöslichen Polymere sind
im allgemeinen dadurch gekennzeichnet, dass die in der Hauptkette und/oder in den
Seitenketten quaternäre Stickstoffatome enthalten. Beispiele für derartige Verbindungen
sind polymere Diallyverbindungen, Melamin-Formaldehyharze, Epichlorhydrinharze, Dicyandiamidharze,
quartemäre Acrylate sowie anorganische Polymere wie Polyaluminiumhydroxychlorid (PAC),
kationisch modifizierte Polyacrylamide (PAA), Polyamidamine (PAAM), Polyamine (PA)
und Polyethylenimin (PEI). Besonders hat sich hierbei Poly-(Diallyldimethylammoniumchlorid)
(Poly-DADMAC) bewährt, das vorzugsweise ein Molekulargewicht von 60.00 bis 120.000
aufweist.
[0091] Die so hergestellte kationische Mikrozellulose kann in der vorliegenden Form auf
das Rohpapier aufgetragen werden oder in Mischung mit verschiedenen Pigmenten ohne
Binderzugabe wie zum Beispiel Kaolin, GCC, PCC, gefällten Silikaten, Bentoniten oder
andern Pigmenten aufgetragen werden. Bezogen auf Pigment werden bei der Herstellung
von konventionellen anionischen Streichfarben gemäss der Untersuchungen 0,05 bis 3
Teile, bevorzugt zwischen 0,1 bis 1,0 Teile Mikrozellulose trocken auf trocken (otro)
gerechnet zur Streichfarbe zudosiert. Bei kationischen Formulierungen können bis zu
100 Teile der kationischen Mikrozellulose zum Einsatz kommen. Der Wirkstoffgehalt
kann individuell nach Kundenwunsch eingestellt werden und liegt bei den Anwendungsbeispielen
bei 10% Trockensubstanz. Als Streichpigmente kommen handelsübliche Pigmente und deren
Mischungen wie zum Beispiel Kaolin, gemahlenes Calciumcarbonat (GCC), präzipidiertes
Calciumkarbonat (PCC), Talkum, gefällte Silikate, Titandioxid und Aluminiumhydroxide
zum Einsatz. Sowohl die Basisbinder als auch die Spezialbirider sind Polymerdispersionen
(Hersteller zum Beispiel BASF AG oder Dow Chemical), die auf dem Markt mit den verschiedensten
Produkteigenschaften anzutreffen sind. Man findet Kombinationen und Mischpolymerisate,
die mit sehr unterschiedlichen Ausgangsstoffen (Monomeren) hergestellt wurden (zum
Beispiel Butadienstyrol, Acrylsäureesterstyrol, Acrylsäureestervinylacetat etc.).
Als Cobinder können die in der Patentschrift beschriebenen Produkte zum Einsatz kommen.
Als optische Aufheller eignen sich Derivate der Diaminostilbensulfonsäuren, die bevorzugt
in der Papierindustrie eingesetzt werden. Es kommen sowohl Disulfo-, Tetrasutfo-oder
Hexasulfoaufheller zum Einsatz (Hersteller Clariant AG, Bayer oder Ciba Geigy). Als
Vernetzer werden bevorzugt modifizierte Glyoxalprodukte, Epoxyharze, Hamstoff- und
Melaminformaldehyd Harze sowie Zirkoniumderivate verwendet. Als klassische Verlaufmittel
(Lubricant) kommen vorwiegend Dispersionen von Calciumstearaten, Amoniumstearaten,
Wachsemulsionen und PEG zur Anwendung.
[0092] Als Basispapier eignet sich holzfreies, holzhaltiges und bis zu 100 % Altpapier enthaltenes
Streichrohpapier beziehungsweise -karton. Der Druckträger besitzt eine flächenbezogene
Masse zwischen 30 g/m
2 otro und 350 g/m
2 otro. Der Auftrag der Streichfarbendispersion erfolgt gemäß der vorliegenden Erfindung
innerhalb (online) und/oder außerhalb (offline) der Papiermaschine. Als Auftragseinrichtungen
werden die aus dem Stand der Technik bekannten Auftragseinrichtungen verwendet, welche
beispielsweise. Filmpressen, Curtain-Coater, Sprühauftrag, Walzenstreichverfahren,
Rackelstreichverfahren, Blade-Coater, Speed-Coater, Massey-Verfahren, Flooded-Nip
und dergleichen beinhaltet. Die Auftragsgeschwindigkeit der Streichfarbendispersion
erfolgt mit einer Geschwindigkeit zwischen 150 m/min und 2000 m/min. Die gestrichenen
Papiere eignen sich für eine Vieizahl von Druckverfahren, so wie sie im Stand der
Technik bekannt sind. Dies können beispielsweise das Offset-Druckverfahren, das Tiefdruckverfahren,
Inkjet-Verfahren, Flexo-Druckverfahren, Heat-Set-Verfahren, Cold-Set-Verfahren, Laserdruckverfahren
und dergleichen sein. Ein weiterer Aspekt der Erfindung ist, dass das erfindungsgemäße
gestrichene Papier ein hervorragendes Recyclingverhalten aufweist.
Ausführungsbeispiel 1
[0093] Herstellung eines gestrichenen Offsetpapiers mit wasserlöslichem Cobinder (Hydrokolloiden)
und eines erfindungsgemäßen Entwicklungsproduktes einer Mikrocellulose. Bei diesen
ersten Untersuchungen sollte ermittelt werden, inwieweit die wasserunlösliche Mikrocellulose
handelsübliche, wasserlösliche Cobinder in ihrer Funktion erfolgreich und mit Vorteilen
ersetzen kann.
[0094] Als Rohpapier diente ein 46 g/m
2 holzhaltiges Streichrohpapier sowie ein 42g/m
2 Streichrohpapier, das mit 100% Altpapier hergestellt wurde.
[0095] Für die Herstellung der Streichfarbe wurde ein Hochleistungsdispergiergerät verwendet.
Zur der GCC-Slurry (Omya) wurden Binder (BASF), Cobinder, Mikrocellulose und sonstige
Additive unter Rühren nacheinander eingetragen, mit NaOH der pH-Wert eingestellt sowie
mit Restwasser die Viskosität eingestellt.
Die Mikrocellutose-Produkte sind in der Firmenschrift J. Rettenmaier u. Söhne, Rosenberg
ausführlich beschrieben.
Durchführung der Versuches
[0096] Feststoffgehalt nach DIN ISO 787 Teil 2, pH-Wert nach DIN ISO 787 Teil 9, Low Shear
Viskosität nach Brookfield bei 100 U/min nach DIN ISO 2555.
Die Streichfarben wurden mittels eines motorisierten Handrakels (Erich K Control Coater)
auf hotzhaltige beziehungsweise AP-haltige Streichrohpaiere mit einer Auftragsmenge
von 10 g/m
2 appliziert. Das so gestrichene Papier wird in einem Laborkalander unter folgenden
Bedingungen satiniert.
| Walzenobertlächentemperatur: |
95 °C |
| Linienkraft: |
200 N/mm |
| Geschwindigkeit: |
10 m/min |
| zahl der Durchgänge |
4 |
| |
V1 |
V2 |
V3 |
| Pigment: |
|
|
|
| CaCO3 |
|
|
|
| (GCC-Slurry) |
100 |
100 |
100 |
| Binder/Cobinder |
|
|
|
| Additive |
|
|
|
| Synthetische Binder |
|
|
|
| (Styrol-Acrylat) |
11 |
11 |
11 |
| PVA (4-98) |
0,6 |
0,6 |
0,6 |
| CMC |
0,5 |
- |
0,2 |
| Stärke |
3 |
3 |
1 |
| optischer Aufheller |
0,5 |
0,5 |
0,5 |
| Mikrocellulose |
- |
0,4 |
0,6 |
| (Versuchsprodukt) |
|
|
|
| Feststoffgehalt |
68,0 |
69,8 |
69,2 |
| pH |
8,9 |
8,8 |
8,9 |
| Viskosität |
1130 |
1050 |
1080 |
| (Brookf. 100 U/min) |
|
|
|
[0097] Die Untersuchungen zeigten, dass die Mikrocellulose im Hinblick auf Viskositätsverhalten,
Aufhellerentwicklung, Coating-Hold-Out aber vor allem die Möglichkeit der Feststoffgehaltserhöhung
gegenüber handelsüblichen Cobinder wie Stärke oder CMC Vorteile aufweist Die gestrichenen,
satinierten Papiere mit Mikrocellulose (Versuchsprodukt) zeigten jedoch Rakelstreifen
die nach entsprechenden Untersuchungen von größeren Mikrocellulose-Teilchen berührten.
Die weiteren Versuche befassten sich daher mit einer Optimierung der Mahlung der Mikrocellulose
(engeres Komband, keine groben Faseranteile etc.)
Bei Wiederholung der Versuche mit einer durch entsprechende Mahlbedingungen optimierten
Mikrocellulose zeigten sich keinerlei Strichmarkierungen beziehungsweise Rakelstreifen.
Ausführungsbeispiel 2
[0098] Aufhellerentwicklung mit Mikrocellulose durch Substitution von handelsüblichen Co-Bindern.
Mit dieser Versuchsreihe sollte neben der Wasserretention, Viskositäts- und Feststoffgehaltsentwicklung
vor allem die Carrierfunktion der Mikrocellulose für optische Aufheller im Vergleich
zu handelsüblichen Carrier ermittelt werden. Dazu wurden 2 unterschiedliche Zugabemengen
eines Tetrasulfo-Aufheliers mit unterschiedlichen Carriermengen verwendet. Zur Herstellung
der Streichfarben sowie Messung der rheologischen Eigenschaften, Auftrag mit dem Handrakel
und Satinage wurden die im Ausführungsbeispiel 1 genannten Methoden verwendet. Die
Messungen wurden bei 40 ° C durchgeführt. Weißgradmessung (Reflexionsfaktors R 457).
Die Messung der Ausblutechtheit erfolgte nach DIN EN 648. Es wurde ein Schnelltest
(10 min) mit dem Medium Wasser durchgeführt und ausgewertet.
Rezepturen, Kenndaten der Streichfarben und Messergebnisse der gestrichenen Papiere.
| |
V1 |
V2 |
V3 |
V4 |
V5 |
V6 |
V7 |
| Pigment: |
|
|
|
|
|
|
|
| CaCO3(GCC) |
100 |
100 |
100 |
100 |
100 |
100 |
100 |
| Binder/Co-Binder |
|
|
|
|
|
|
|
| Additive Synth. Binder |
9,5 |
9,5 |
9,5 |
9,5 |
9,5 |
9,5 |
9,5 |
| PVA(4-98) |
0,6 |
0,6 |
- |
1,0 |
1,0 |
- |
1,0 |
| CMC |
0,45 |
- |
- |
0,45 |
- |
0,45 |
- |
| Stärke |
2 |
1,5 |
0,8 |
2 |
1,5 |
2,0 |
0,8 |
| Mikrocellulose |
- |
0,45 |
0,75 |
- |
0,45 |
0,75 |
0,75 |
| Stearat |
0,3 |
0,3 |
0,3 |
0,3 |
0,3 |
0,3 |
0,3 |
| optischer Aufheller |
0,3 |
0,3 |
0,3 |
0,6 |
0,6 |
0,6 |
0,6 |
| Feststoffgehalt(%) |
68,6 |
70,2 |
72,1 |
67,2 |
68,8 |
69,1 |
69,5 |
| pH |
8,8 |
8,6 |
8,7 |
8,8 |
8,7 |
8,7 |
8,8 |
| Viskosität (mPas) |
1240 |
1120 |
1180 |
1220 |
1140 |
1220 |
1130 |
| Brookf. 100U/min |
|
|
|
|
|
|
|
| Wasserretention |
|
|
|
|
|
|
|
| (Rheolab) |
34 |
36 |
25 |
39 |
37 |
40 |
38 |
| Glanz Tappi 75 |
26,5 |
27,5 |
30,0 |
22 |
25 |
24 |
26 |
| Weißgrad R 457 |
|
|
|
|
|
|
|
| (mit UV) |
95,5 |
95,8 |
94,8 |
98,7 |
99,2 |
97,0 |
98,8 |
| Ausblutechtheit |
- |
- |
- |
gut |
sehr gut |
gut |
sehr gut |
[0099] Aus den Versuchen V1 - V3 geht deutlich hervor, dass man durch den Ersatz oder Teilersatz
von Co-Binder wie Stärke, CMC und PVA mit der Mikrocellulose höhere Feststoffgehalte
erzielbar sind ohne Viskositätsänderungen und Wasserretentionseinbußen. Bei den niedrigen
Aufhellermengen sind auch keine Weißgradeinbußen erkennbar, wenn man von dem geringen
Weißgradverlust, bei völligen Ersatz von PVA absieht. PVA ist von der optischen Aufhellem
her als Carrier der Maßstab. Durch die Feststoffgehatlserhöhung sowie durch den Ersatz
von glanzminderten Mittel wie Stärke, CMC und PVA durch Mikrocellulose ergibt sich
auch eine Glanzverbessserung. Bei den Versuchen V4-V/7 mit höheren Aufheller- und
PVA-Anteilen ergeben sich hinsichtlich Feststoffgehalt, Viskositätsverhalten, Wasserretention
und Glanzentwicklung die gleichen Tendenzen wie bei V1-V3. Es zeigten sich jedoch
bei dem völligen Ersatz von PVA (mit höheren Aufhelleranteil) noch stärkere Einbußen
bei der Aufhellerentwicklung (Weißgrad).
[0100] Die Messergebnisse der optischen Eigenschaften der Glasfaserpads, die zur Bestimmung
der Ausblutechtheit verwendet wurden, zeigten mit Mikrocellulose in Verbindung mit
PVA die besten Ergebnisse. Es ist anzunehmen, dass bei noch höheren Aufhelleranteilen
mit der wasserunlöslichen Mikrocellulose gegenüber den wasserlöslichen Carrier wie
Stärke, CMC, PVA, PEG etc. noch stärkere Differenzierungen auftreten.
Ausführungsbeispiel 3
[0101] Substitution von handelsüblichen Cobindem durch Mikrocellulose bei
Offsetrezepturen mit
einem Pigmentgemisch Calciumcarbonat und Kaolin.
[0102] Bei den Untersuchungen sollte ermittelt werden inwieweit die erfindungsgemäße Mikrocellulose
durch Erhöhung des Feststoffgehaltes im Vergleich zu anderen handelsüblichen Cobindem
eine Bindemitteleinsparung ohne Beeinträchtigung der
sonstigen
Funktionen von Cobindem zuläßt.
Als Rohpapier wurde ein 46 g/m2 holzhaltiges Rohpapier verwendet. Zur
Herstellung der
Streichfarben sowie Messung der rheologischen Eigenschaften, Auftrag mit dem
Handrakel
und Satinage sowie optischen Papierprüfungen wurden die im Ausführungsbeispiel 1 und
2 genannten Methoden verwendet.
[0103] Der Strichauftrag beträgt 12 g/m
2.
Die Glätte nach Bekk sec. erfolgte nach DIN 53107. Die Beurteilung der Bedruckbarkeit
wurde mit dem Probedruckgerät der Fa. Prüfbau (Mehrzweckprobedruckgerät) durchgeführt.
[0104] Wegschlagtestfarbe 520068 M. Huber München, Rupftestfarbe 408001 Farben Huber München
Druckgeschwindigkeit 1,5 m/s (1,0m/s ist Standard)
[0105] Offset-Strichfarbenrezptur mit und ohne Mikrocellulose.
| |
V1 |
V2 |
V3 |
V4 |
V5 |
| Pigment: |
|
|
|
|
|
| Calciumcarbonat |
70 |
70 |
70 |
70 |
70 |
| (GCC) |
|
|
|
|
|
| Streichkaolin |
30 |
30 |
30 |
30 |
30 |
| Binder/Cobinder |
|
|
|
|
|
| Additive: |
|
|
|
|
|
| (Styrol-Acylat) |
10 |
10 |
9 |
10 |
9,5 |
| PVA (4-98) |
2,0 |
2,0 |
2,0 |
2,0 |
1,5 |
| Ca- Stearat |
0,15 |
0,15 |
0,15 |
0,15 |
0,15 |
| CMC |
0,4 |
- |
- |
- |
- |
| Stärke |
- |
- |
- |
3,0 |
1,0 |
| optischer Aufheller |
0,6 |
0,6 |
0,6 |
0,6 |
0,6. |
| Mikrocellulose |
- |
0,3 |
0,4 |
- |
0,6 |
| Feststoffgehalt (%) |
66,2 |
67,9 |
67,7 |
65,6 |
67,2 |
| pH |
8,7 |
8,8 |
8,7 |
8,8 |
8,9 |
| Viskosität (mPas) |
1420 |
1350 |
1420 |
1310 |
1580 |
| Brookf. 10U/min |
|
|
|
|
|
| UV Weißgrad |
|
|
|
|
|
| R 457 % |
84,5 |
84,9 |
85,1 |
83,8 |
84,2 |
| Glanz Tappi 575 |
72,1 |
73,8 |
74,2 |
71,4 |
73,2 |
| Glätte Bekk sec. |
1290 |
1385 |
1420 |
1310 |
1380 |
[0106] Die Untersuchungsergebnisse bestätigen die im Ausführungsbeispiel 2 festgestellten
Möglichkeiten einer Einstellung von höheren Feststoffgehalten mit Mikrocellulose auch
mit Pigmentgemischen ohne Einbußen der sonstigen Funktionen von Cobindem. Vielmehr
wird eine leichte Verbesserung der Weiße und Glätte, aber vor allem eine Glanzerhöhung
festgestellt.
Bei der Bedruckbarkeitsbeurteilung ergab sich ein positiv einzuschätzendes etwas schnelleres
Wegschlagverhalten der Druckfarbe mit den Formulierungen der Mikrocellulose gegenüber
den CMC- und Stärkeformulierungen. Vom Wegschlagvorgang Druckfarbe- Bedruckstoff werden
u.a. beeinflusst, wie Farbannahme, Rupfverhalten, Mottling und Scheuerfestigkeit.
Trotz einer Bindereinsparung bei Rezeptur V3 und V5 zeigte sich mit Mikrocellulose
kein Rupfen. Unter Rupfen versteht man die Beschädigung der Papieroberfläche durch
die von der Druckfarbe beim Trennvorgang ausgeübten Zugkräfte.
Dabei können unterschiedliche Formen des Rupfens beobachtet werden wie zum Beispiel
vereinzelte Strichausbrechen, Faserausriss, Aufreißen des Papiers oder Ablösen der
Cellulosedecke bei Karton.
[0107] Die Bindereinsparung, die je nach Rezeptur und Feststoffgehaltserhöhung bis über
2 Teile Binder betragen kann, wird über die geringere Penetration des Binders durch
den höheren Feststoffgehalt sowie über die Barrierewirkung der Mikrocellulose an der
Grenzfläche des Papiers ermöglicht.
Ausführungsbeispiel 4
Mikrocellulose in Tiefdruckrezeptur
[0108] Aus ULWC-Papiere (Ultra-Light-Weight-Coated FG 35 - 48 g/m
2) und an LWC (Light-Weight Coated FG 51 - 72g/m
2) werden durch die geringen Strichauftragsmenge und den hohen Auftragsgeschwindigkeiten
besonders hohe Ansprüche an das rheologische Verhalten gestellt. Die erzielbaren Feststoffgehalte
liegen daher nur bei ULWC bei ca. 46 - 49% und bei LWC bei 56 - 60 %. Dabei zeigt
sich auch hier ein verstärkter Trend zu sogenannten aufgebesserten LWC-Papieren, das
heißt vor allem gestrichene Papiere mit höherer Weiße. Dies kann z.T. nur noch über
optische Aufheller realisiert werden, sodass seit kurzer Zeit auch im Tiefdruck LWC
optische Aufheller verwendet werden.
[0109] Da Carrier für optische Aufheller wie CMC und Stärke im Tiefdruck wegen der Beeinträchtigung
der Bedruckbarkeit (missing dots = fehlende Rasterpunkte) nicht verwendet werden können
und PVA zusätzlich zu Viskositätsanstiegen führt, sucht man nach alternativen Carrier
beziehungsweise Cobinder zum Beispiel Mikrocellulose. Die Streichversuche wurden mit
einem 36 g/m
2 holzhaltigem Streichrohpapier durchgeführt.
[0110] Zur Herstellung der Streichfarben sowie der rheologischen Eigenschaften, Auftrag
mit dem Handrakel und Satinage wurden die im Ausführungsbeispiel 1 genannten Methoden
verwendet. Gleichzeitig wurden mit dem Haake-Viskosimeter Messungen im höheren Scherbereich
durchgeführt. Das Rotationsviskosimeter mit einem koaxialem Zylindersystem ermöglicht
Messungen im definierten Scherspalt. Durch die Wahl der Drehzahl des Rotationskörpers
und der Ausmessungen des Scherspaltes lässt sich dabei das Schergefälle im weiten
Bereich bis. max. 4 10
4 s
-1 variieren.
[0111] Das Strichauftragsgewicht beträgt 10 g/m
2.
LWC-Tiefdruck-Rezeptur
[0112]
| |
V1 |
|
V2 |
|
V3 |
|
V4 |
| Pigment: |
|
|
|
|
|
|
|
| Streichkaolin |
70 |
|
70 |
|
70 |
|
70 |
| (hoher aspect ratio) |
|
|
|
|
|
|
|
| Calciumcarbonat (GCC) |
15 |
|
15 |
|
15 |
|
15 |
| Talkum (50 % < µm) |
|
15 |
|
15 |
|
15 |
15 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
| Binder/Cobinder |
|
|
|
|
|
|
|
| Additive |
|
|
|
|
|
|
|
| Synthetische Binder |
4,5 |
|
4,5 |
|
4,5 |
|
4,5 |
| PVA |
- |
|
- |
|
0,8 |
|
0,5 |
| Mikrocellulose |
- |
|
0,2 |
|
- |
|
0,3 |
| Synthetischer Verdicker |
0,5 |
|
0,3 |
|
0,35 |
|
0,2 |
| Ca-Stearat |
0,8 |
|
0,8 |
|
0,8 |
|
0,8 |
| optischer Aufheller |
- |
|
- |
|
0,5 |
|
0,5 |
| Feststoffgehalt % |
57,5 |
|
58,8 |
|
56,2 |
|
57,8 |
| Brookfield Viskosität |
|
|
|
|
|
|
|
| 100 U/min (mPas) |
950 |
|
890 |
|
1050 |
|
1020 |
| Weißgrad R 457 mit UV |
76,1 |
|
75,9 |
|
82,6 |
|
82,0 |
[0113] Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass auch bei Tiefdruckfarben mit Mikrocellulose
Feststoffgehaltserhöhungen - mit den bereits beschriebenen Vorteilen - ohne Viskositätsanstieg
oder sonstiger nachteilige Auswirkungen möglich ist.
[0114] Die Haake-Viskosität der einzelnen Formulierungen korrelieren mit der Brookfieldviskosität,
wobei die Formulierungen mit der Mikrocellulose tendenzmäßig etwas niedriger liegen.
[0115] Beim Streichen mit hoher Geschwindigkeit entstehen vor der Bladekante hohe Druckgradienten.
Durch die physikalischen Eigenschaften der Mikrocellulose wie gute Wasserretention
bei hoher Scherung, rheologischem Verhalten und der Barrierewirkung an der Papiergrenzfläche
beziehungsweise Funktion als "organisches Streichpigment" wird eine Verringerung des
Schaberdruckes sowie eine Verringerung der Wasserabgabe an das Streichrohpapier (geringere
Schwächung des Fasergefüges) erzielt, sowie einer hydraulischen Einpressung der Streichfarbe
in das Rohpapier entgegenwirkt.
Ausfühnrngsbeispiel 5
Verbesserung des Inkjet
[0116] Durch die hohe kationische Grenzflächenladung (Zeta-Potential) und Mikrokapillarität
der Mikrocellulose werden die anionischen, wasserlöslichen Tinten von Inkjetfarben
an der Oberfläche durch eine schnelle Adsorption verankert.
Zusätzlich unterstützt die Kapillarität der Mikrozellulose das Separieren von Farbstoffen
und Flüssigkeit durch den Chromatographieefffekt. Kationische Mikrozellulose weist
ein hervorragendes Wasserretentionsvermögen auf, was sich entsprechend positiv auf
die Qualitätseigenschaften vor allem von pigmentierten kationischen Strichen auswirkt.
[0117] Zur Herstellung der kationischen Streichfarben sowie Messung der rheologischen Eigenschaften,
Auftrag mit Handrakel und Satinage wurden die im Ausführungsbeispiel 1 genannten Methoden
verwendet. Die Ladungsmessung (Zeta-Potential) erfolgte mit einem Zeta-Meter, das
auf dem Prinzip der Mikroelektrophorese beruht.
Strichrezepturen für kationische Streichfarben:
[0118]
| |
V1 |
V2 |
V3 |
V4 |
V5 |
| Streichpigmente: |
|
|
|
|
|
| Streichkaolin |
- |
- |
100 |
|
|
| mod. CaCO3 |
- |
- |
- |
100 |
100 |
| Binder/Cobinder |
|
|
|
|
|
| Additive |
|
|
|
|
|
| Synth. Binder (kat.) |
- |
- |
- |
18 |
18 |
| Mikrocellulose |
85 |
70 |
35 |
- |
2 |
| kationische Mittel |
15 |
30 |
15 |
9 |
9 |
| Vemetzer |
0,2 |
0,2 |
0,2 |
0,5 |
0,5 |
| Streichfarbeneigenschaften |
|
|
|
|
|
| Feststoffgehalt(%) |
10,5 |
10,0 |
15,6 |
26,0 |
27,2 |
| Viskosität Brookf. |
940 |
640 |
620 |
540 |
450 |
| (mPas) |
|
|
|
|
|
| Zeta-Potential(MV) |
+64 |
+90 |
+93 |
+82 |
+85 |
| pH-Wert |
7,3 |
8,2 |
5,9 |
8,6 |
8,7 |
[0119] Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass durch die kationischen Streichfarben mit
Mikrocellulose eine ausgezeichnete Inkjetbedruckbarkeit bei farbigen Ausdrucken sowohl
mit HP CP 1160, HP 895 Cxi, HP 950, Epson C 80 und Canon J750 erzielen lässt, die
sich deutlich von konventionell gestrichenen und oberflächengeleimten Papieren im
Hinblick auf Farbbrillanz, optische Dichte der Farben, Punktschärfe, Bleeding und
Mottling unterscheiden. Die Streichfarben zeichnen sich außerdem durch eine schnelle
Farbtrocknung (Erhöhung der Wischfestigkeit) und höhere Wasserbeständigkeit aus. Bedingt
durch das ausgezeichnete Wasserretentionsvermögen der kationischen Mikrocellulose
sind auch bei pigmentierten, kationischen Streichfarben mit hohen Inkjet-Qualitätsmerkmalen
mit 1-2 Teilen kationisierte Mikrocellulose noch weitere Qualitätsverbesserungen bei
allen Druckern im Hinblick auf Farbbrillanz, Bleeding und Mottling erzielbar.
Ausführungsbeispiel 6
Pilotversuch mit Offset-Rezepturen für gestrichene Digitaldruckpapiere (Laserdruck).
[0120] Mit diesen Untersuchungen sollte eine Verbesserung der Laufeigehschaften von gestrichenen
papieren in digitalen Druckstraßen (Laserdruck) erzielt werden. Gestrichene Papiere
weisen häufig in der Ablage oder beim Durchlaufen der Nachbearbeitungsmaschinen noch
Restladungen auf und erzeugen dadurch Papierstaus und Ablagefehler.
Bei einem Pilotversuch wurde bei Versuchen auch Mikrocellulose eingesetzt. Zur Einstellung
des Durchgangs- und Oberflächenwiderstandes, der Auf- und Entladevorgänge wurde u.
a. NaCl mit eingesetzt. Als Streichrohpapier wurde ein holzfreies Papier mit einer
flächenbezogenen Masse von 138 g/m
2 eingesetzt. Zur Durchführung der Versuche stehen folgende Maschinen und Einrichtungen
zur Verfügung:
- Streichfarbenaufbereitung mit 3 Rotor-Stator-Systemen (GAW VST "Variable Shear Technology)
- Batch- und Jet-Kocher zur Stärkeaufbereitung
- Streichmaschine (Breite 59 cm) mit Walzen- und Düsenauftragssystem mit Stiff oder
Bent Blade oder Rollrakel sowie mit Filmpresse mit allen gängigen Vordosiersystemen
für Streichgeschwindigkeiten zwischen 50 m/min und 2500 m/min.
Technische Beschreibung:
[0121]
| Ab-, Aufrollung |
Jagenberg |
| Antrieb |
Siemens Master Drives |
| Qualitätsleitsystem |
Measurex |
| Prozessleitsystem |
GAW/M + R |
| Zugmessung |
ABB, beidseitig |
| Bahnkantensteuerung |
Erhardt & Leimer |
| Trocknung |
Krieger INFRA-AIR-Trockner CB-AIR-Trockner |
[0122] Als Auftragsaggregat wurde das Düsenauftragsaggregat Jetflow F mit Stiff Blade eingesetzt.
[0123] Strichauftragsgewicht 12 g/m
2.
[0124] Die gestrichenen Papierrollen wurden im Anschluss am 12-Walzen-Superkalander (Fa.
Voith Sulzer) kalandriert. Die eingestellten Parameter für die Satinage der Papiermuster
V1, V2 und V3 waren:
- Arbeitsgeschwindigkeit: 400 m/min
- Walzentemperatur H1/H2: 60°C, 60 °C
- Linienkraft: 180N/mm
- Nip: 2
[0125] Zur Untersuchung des Einflusses der Satinagebedingungen auf die Laufeigenschaften
der Papiermuster an einer digitalen Druckstraße wurde das Papiermuster V4 zu einem
Drittel nicht kalandriert (Einstellung 1) sowie mit zwei unterschiedlichen Satinageeinstellungen
(Einstellung 2 und 3) kalandriert.
[0126] Folgende Einstellungen wurden insgesamt vorgenommen:
| Einstellung |
1 |
2 |
3 |
| Arbeitsgeschwindigkeit |
- |
300 m/min |
500 m/min |
| Walzentemperatur H1/H2 |
- |
90 °C/ 90 °C |
90 °C/ 90 °C |
| Linienkraft |
- |
110 N/mm |
300 N/mm |
| Nip |
- |
3 |
11 |
[0127] Die Satinage gemäß der Einstellung 2 entsprach den Satinagebedingungen eines Offsetpapiers
sowie die Einstellung 3 den Satinagebedingungen eines Tiefdruckpapiers. Das nicht
kalandrierte Papiermuster (Einstellung 1) wurde mit V4, das mit der Einstellung 2
kalandrierte Papiermuster mit V4 ! sowie das mit der Einstellung 3 kalandrierte Papiermusten
mit V4II gekennzeichnet.
Strichrezepturen für den Pilotversuch.
[0128]
| |
V1 |
V2 |
V3 |
V4 |
| Pigment: |
|
|
|
|
| Calciumcarbonat (GCC) |
70 |
70 |
70 |
70 |
| Streichkaolin |
30 |
30 |
30 |
30 |
| |
|
|
|
|
| Binder/Co-Binder |
|
|
|
|
| Additive: |
|
|
|
|
| Synth. Binder 1 |
12,0 |
12,0 |
- |
- |
| (Styrol-Acrylat) |
|
|
|
|
| Synth. Binder 2 |
- |
- |
9,0 |
9,0 |
| (Styro-Acrylat) |
|
|
|
|
| PVA 4-98 |
- |
- |
2,5 |
2,5 |
| CMC |
0,4 |
0,4 |
- |
- |
| optischer Aufheller |
0,5 |
0,5 |
0,5 |
0,5 |
| NaCl |
- |
2,0 |
- |
2,0 |
| Mikrocellulose |
- |
- |
0,5 |
0,5 |
[0129] Die wichtigsten Kenndaten aus den Streichversuchen sind in der nachfolgenden Tabelle
ersichtlich:
(Streichfarbenviskosität, Feststoffgehalt, pH-Wert siehe Beispiel 1)
Kenndaten der Streichfarben V1 - V4
[0130]
| |
V1 |
V2 |
V3 |
V4 |
| Streichgeschwindigkeit (m/min) |
900 |
1400 |
1400 |
1400 |
| Strichauftragsgewicht (g/m2) |
12,2 |
12,0 |
12,0 |
12,4 |
| Streichfarbenviskosität |
|
|
|
|
| Brookfield 100 (mPas) |
1550 |
2980 |
740 |
2420 |
| Feststoffgehatt (%) |
68 |
62 |
66,6 |
65,0 |
| pH-Wert |
8,8 |
8,8 |
8,9 |
8,8 |
Bestimmungsmethoden für Papierprüfung und Bedruckbarkeitsbeurteilung:
[0131]
- Bestimmung der flächenbezogenen Masse (DIN EN ISO 536)
- Bestimmung der absoluten Feuchte (DIN EN 20287)
- Messung des Reflexionsfaktors R 457 (Weißgradmessung)
- Messung des Glanzes nach ZM V/22/72
- Bedruckbarkeitsprüfung mit dem Offsetprobedruckgerät
[0132] Folgende Bedruckbarkeitsprüfungen werden dabei durchgeführt (siehe dazu "Testmethoden
im Offset für Druckfarben und Bedruckstoffe Michael Huber München 2 Auflage):
- Wegschlagtest (Wegschlagverhalten von Farben)
- Rupftest (Ermittlung der Rupffestigkeit)
- Nassrupftest (Berücksichtigung der Feuchtung von Offsetdruckpapieren)
- Bestimmung des elektrostatischen Auf- und Entladeverhalten (Static Charge Analyser
Fa. Monroe Elektronics)
Physikalische Papierprüfung der gestrichenen und satinierten Papiere V1-V4
[0133]
| |
V1 |
V2 |
V3 |
V4 |
V4I |
V4II |
| Flächenbezogene Masse (g/m2) |
95,1 |
93,2 |
92,9 |
93,2 |
93,6 |
94,5 |
| Dicke (µm) |
81 |
81 |
81 |
95 |
86 |
73 |
| absolute Feuchte (%) |
4,3 |
4,5 |
4,3 |
4,8 |
4,8 |
4,6 |
| Glätte (PPS m) |
1,4/1,8 |
2,0/2,1 |
2,4/2,3 |
4,8/4,9 |
2,9/3,0 |
1,4/1,4 |
| Weißgrad R 457(%) OS |
97,1 |
97,5 |
100,3 |
100,5 |
100,3 |
99,4 |
| US |
97,5 |
98,5 |
100,3 |
100,7 |
100,6 |
99,6 |
| Glanz 75° (%) OS |
61,3 |
49,3 |
46,3 |
24,0 |
38,0 |
70,9 |
| US |
58,4 |
45,7 |
44,0 |
21,4 |
35,1 |
68,9 |
[0134] Die Prüfung der Trockenrupffestigkeit mit dem Prüfbau
Mehrzweckprobedruckmaschine MZ II erfolgte gemäß den Angaben
| Druckfarbe |
Rupftestfarbe 40 8002, normale Zügigkeit |
| Geschwindigkeit |
3 m/s |
| Druckkraft |
150 N/cm |
| Farbauftrag |
200 mg(= ca. 1,5 g/m2) |
| Verteilzeit |
30 s |
| Einfärbezeit Druckwalze |
30 s |
| Druckform |
Gummi |
Trocken- und Nassrupffestigkeit V1-V4
[0135]
| Papiermuster |
Trockenrupffestigkeit |
Nassrupffestigkeit |
| V1-OS |
einwandfrei |
starkes Aufbauen |
| V1-SS |
einwandfrei |
starkes Aufbauen |
| V2-OS |
einwandfrei |
starkes Aufbauen |
| V2-SS |
einwandfrei |
starkes Aufbauen |
| V3-OS |
einwandfrei |
kein bis leichtes Abstoßen |
| V3-SS |
einwandfrei |
kein bis leichtes Abstoßen |
| V4-OS |
einwandfrei |
kein bis leichtes Abstoßen |
| V4-SS |
einwandfrei |
kein bis leichtes Abstoßen |
| V4I-OS |
einwandfrei |
leichtes Abstoßen |
| V4I-SS |
einwandfrei |
leichtes Abstoßen |
| V4II-OS |
einwandfrei |
starkes Abstoßen |
| V4II-SS |
einwandfrei |
starkes Abstoßen |
- Abstoßen:
- Das aufgetragene Feuchtmittel wird nicht ausreichend von der Strichoberfläche adsorbiert,
die Druckfarbe wird auf Grund dessen in dieser Zone nicht vollständig von der Papieroberfläche
angenommen und verbleibt auf der Druckform.
- Aufbauen:
- Der Papierstrich wird durch das aufgetragene Feuchtmittel angelöst beziehungsweise
in seiner Oberflächenfestigkeit herabgesetzt und lagert sich beim Druckprozess auf
Grund der Zugkraft in seiner Zone auf der Druckform an.
[0136] Die Farbdichtewerte und das Farbwegschlagverhalten sind als normal anzusehen, wobei
V2 und V4I und V4II ein langsameres Farbwegschlagverhalten aufweisen. V3 mit Mikrocellulose
zeigt das schnellste Farbwegschlagverhalten.
[0137] Aus den Untersuchungsergebnissen geht hervor, dass sich mit Mikrocellulose neben
den guten Laufeigenschaften trotz etwas geringeren Binderanteil keine Bedruckbarkeitsprobleme
hinsichtlich des Rupfens ergibt.
[0138] Vielmehr ergeben sich mit Mikrocellulose Vorteile im Offset im Hinblick auf Abstoßen
der Druckfarbe. Nur bei starker Tiefdrucksatinage (V4 II), die im Offset nicht üblich
sind, kommt es zum abstoßen der Druckfarbe.
Trotz der stärker verdickender Wirkung beziehungsweise stärkeren
Viskositätsanstieg von PVA
gegenüber den synthetischen Bindern ergeben sich Vorteile mit Feststoffgehaltsentwicklung.
Aus den Untersuchungen ist weiter zu entnehmen, dass die Kombination PVA/ Mikrocellulose
eine gute Weißgradentwicklung beziehungsweise gute Carrierwirkung für optische Aufheller
aufweist.
Die Druck- und Verarbeitungsversuche mit den Versuchspapieren V1-V4 wurden mit einer
digitalen Druckstrasse der Firma Océ durchgeführt. Dabei kann es bei 1000 Seiten pro
Minute bei beidseitigem Druck bei der Offsetrezeptur V1 wegen der hohen statischen
Aufladung zu Laufproblemen kommen. Besonders zeichnen sich die mit Mikrocellulose
hergestellten gestrichenen Papiere im Hinblick auf Tonerhaftung aus.