[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben einer Kettenwirkmaschine mit einer
durch einen Hauptwellenantrieb angetriebenen Hauptwelle, bei dem man mindestens einen
Folgeantrieb in Abhängigkeit von einer Leitachse steuert.
[0002] Ferner betrifft die Erfindung eine Kettenwirkmaschine mit einer von einem Hauptwellenantrieb
angetriebenen Hauptwelle, mindestens einem Folgeantrieb und einer Steuereinrichtung
zur Ansteuerung des Folgeantriebs in Abhängigkeit von einer Leitachse.
[0003] Ein Verfahren und eine Kettenwirkmaschine dieser Art sind aus
DE 42 15 798 C2 bekannt. Die Hauptwelle ist durch einen Hauptwellenantrieb angetrieben. Durch die
Hauptwelle einer Kettenwirkmaschine werden üblicherweise verschiedene Elemente der
Wirkmaschine angetrieben, beispielsweise eine Wirknadelbarre oder Schwenkhebel für
Legebarren. Andere Elemente der Wirkmaschine werden durch Folgeantriebe angetrieben.
Beispielsweise werden Legebarren, insbesondere Musterlegebarren, durch Folgeantriebe
angetrieben. Auch Kettbäume der Wirkmaschine werden von Folgeantrieben angetrieben,
um die für den Wirkvorgang benötigten Fadenmengen zur Verfügung zu stellen. Der Folgeantrieb
oder die Folgeantriebe müssen mit der Hauptwelle synchron betrieben werden. So müssen
beispielsweise die Bewegungen der Musterlegenadeln auf die Bewegungen der Wirknadeln
abgestimmt sein, um die gewünschten Muster in der Wirkware zu erzeugen und um Kollisionen
zwischen den Wirknadeln und den Legenadeln zu vermeiden.
[0004] Eine Vorgehensweise, wie sie in der oben genannten
DE 42 15 798 C2 beschrieben ist, hat sich grundsätzlich bewährt. Die Folgeantriebe werden in Abhängigkeit
von der Drehwinkellage der Hauptwelle betrieben. Die Hauptwelle, genauer gesagt die
Signale, die ihre aktuelle Drehwinkellage darstellen, bildet sozusagen eine "reale
Leitachse". Der oder die Folgeantriebe bilden dann jeweils eine Folgeachse.
[0005] Allerdings kann man beobachten, dass mit einer derartigen Vorgehensweise nur bestimmte
Betriebsgeschwindigkeiten möglich sind. Wenn die Geschwindigkeit erhöht wird, ergeben
sich an den Folgeachsen Motortemperaturen in einer Höhe, die durch den normalen Betrieb
an und für sich nicht zu erwarten wäre. Darüber hinaus steigt die Geräuschemission
an. Die mögliche Produktivität der Kettenwirkmaschine wird damit begrenzt.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Kettenwirkmaschine mit hoher Produktivität
bereit zu stellen. Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art
dadurch gelöst, dass man eine virtuelle Leitachse erzeugt und den Folgeantrieb in
Abhängigkeit von der virtuellen Leitachse steuert.
[0007] Bei dieser Lösung geht man davon aus, dass die Hauptwelle im Dauerbetrieb zwar mit
einer konstanten Drehzahl rotiert. Dementsprechend müsste auch der oder die Folgeantriebe
entsprechend gleichmäßig arbeiten können. Die Drehzahl oder die Drehgeschwindigkeit
der Hauptwelle ist aber nur im Mittel konstant. Tatsächlich unterliegt die Hauptwelle
während einer Umdrehung bestimmten Geschwindigkeitsänderungen. Dies ist möglicherweise
darauf zurückzuführen, dass sich die Belastung der Hauptwelle bei einer Umdrehung
verändert. Wenn die Hauptwelle oder damit verbundene Teile in einem Abschnitt der
Umdrehung beispielsweise die Wirknadelbarre anheben muss, dann wird sich die Hauptwelle
in diesem Abschnitt der Umdrehung kurzzeitig langsamer als im Mittel drehen. Wenn
hingegen in einem anderen Abschnitt der Umdrehung die Wirknadelbarre wieder abgesenkt
wird, dann wird sich hier eine kurzzeitige Geschwindigkeitserhöhung der Hauptwelle
ergeben. Diese durch Last- oder Drehmomentänderungen an der Hauptwelle verursachten
Geschwindigkeitsänderungen der Hauptwelle werden an den oder die Folgeantriebe weitergegeben
mit der Folge, dass der jeweilige Folgeantrieb entsprechende Beschleunigungs- oder
Bremsvorgänge ausführen muss. Damit sind entsprechende Stromspitzen verbunden. Dabei
steigen die Amplituden der Stromspitzen mit wachsender Maschinendrehzahl. Diese Beschleunigungen
und Stromspitzen führen bei dem oder den Folgeantrieben zu höheren Motortemperaturen,
einer erhöhten mechanischen Belastung der Übertragungselemente sowie einer erhöhten
Geräuschemission. Wenn man nun eine virtuelle Leitachse erzeugt und den Folgeantrieb
in Abhängigkeit von der virtuellen Leitachse steuert, dann eliminiert man die Drehzahländerungen
der Hauptwelle und hält sie damit von den Folgeantrieben fern. Die Folgeantriebe können
also wesentlich gleichmäßiger betrieben werden. Sie müssen keine unnötigen Beschleunigungs-
oder Bremsvorgänge mehr ausführen. Der Betrieb der Kettenwirkmaschine im Übrigen wird
durch die virtuelle Leitachse nicht negativ beeinflusst. Eine virtuelle Leitachse
lässt sich relativ einfach erzeugen, beispielsweise durch einen Leitachsengenerator
oder durch entsprechende Hard- und Softwarekomponenten. Die virtuelle Leitachse bildet
dann sozusagen die Basis für die Bewegungssteuerung der angetriebenen Teile der Kettenwirkmaschine.
[0008] Hierbei ist bevorzugt, dass man den Hauptwellenantrieb in Abhängigkeit von der virtuellen
Leitachse steuert. Damit ist es auf einfache Weise möglich, eine Synchronisierung
zwischen der Umdrehung der Hauptwelle und der Bewegung der übrigen durch Folgeantriebe
angetriebenen Teile der Kettenwirkmaschine zu erreichen. Wenn diese angetriebenen
Teile durch Folgeantriebe angetrieben werden, die sich nach der virtuellen Leitachse
richten, dann erreicht man im Grunde das gleiche Ergebnis, wie wenn man die Folgeantriebe
in Abhängigkeit von einer realen Leitachse betreibt, die durch die Bewegung der Hauptwelle
erzeugt wird. Allerdings kann man die virtuelle Leitachse frei von den Oberschwingungen
halten, die sich im realen Betrieb der Kettenwirkmaschine ergeben und die damit automatisch
in der von der Hauptwelle bislang erzeugten realen Leitachse enthalten sind.
[0009] Vorzugsweise erzeugt man mit Hilfe der Hauptwelle eine reale Leitachse. Man verwendet
also nach wie vor eine Geberanordnung an der Hauptwelle, die fortlaufend Auskunft
über die aktuelle Drehwinkellage der Hauptwelle gibt. Dies ist ein Sicherheitsmerkmal.
Darüber hinaus kann man diese reale Leitachse in eine Lageregelung für die Hauptwelle
einbinden.
[0010] Hierbei ist bevorzugt, dass man die reale Leitachse und die virtuelle Leitachse fortlaufend
miteinander vergleicht. Man erreicht damit auf einfache Weise die Überwachung der
Synchronisierung zwischen der virtuellen Leitachse und der realen Leitachse. Man kann
beispielsweise durch einfache Versuche ermitteln, welches Geschwindigkeitsprofil die
Hauptwelle in einer Umdrehung hat. Dementsprechend kann man zulässige Abweichungen
zwischen der virtuellen Leitachse und der realen Leitachse im Grunde für jede Drehwinkelposition
der Hauptwelle definieren. Damit ist es möglich, zu überwachen, ob die virtuelle Leitachse
und die reale Leitachse so weit miteinander übereinstimmen, dass ein störungsfreier
Betrieb der Kettenwirkmaschine ermöglicht wird.
[0011] Vorzugsweise steuert man die Ansteuerung des Folgeantriebs von der virtuellen Leitachse
auf die reale Leitachse um. Dies ist beispielsweise eine einfache Möglichkeit, um
die Kettenwirkmaschine aus dem Stand auf die gewünschte Nenndrehzahl zu bringen oder
die Drehzahl der Kettenwirkmaschine zu verändern. Die virtuelle Leitachse ist insbesondere
in Situationen von Vorteil, in denen es hauptsächlich darauf ankommt, in einem Dauerbetrieb
ein möglichst gleichmäßiges, also von Oberschwingungen freies Signal zu erzeugen,
das die Drehwinkellage der Hauptwelle erzeugt. In anderen Situationen ist dieses "glatte"
Signal unter Umständen entbehrlich.
[0012] Bevorzugterweise verwendet man als Kriterium für das Umschalten einen Fehler. Hierbei
gibt es verschiedene Fehler, die man als Kriterium verwenden kann. Ein Fehler wäre
zum Beispiel ein zu starkes Auseinanderlaufen von virtueller Leitachse und realer
Leitachse, also ein "Schleppfehler", der einen vorbestimmten Grenzwert überschreitet.
Der Grenzwert des Schleppfehlers kann auch parametrierbar sein, also sich mit Betriebsbedingungen
der Kettenwirkmaschine ändern. Ein anderer Fehler wäre ein Spannungsausfall. In diesem
Fall müssen die Folgeantriebe dem Hauptwellenantrieb bis zum Stillstand der Maschine
folgen. Die Umschaltung auf die reale Leitachse vereinfacht diesen Betriebszustand.
Gleiches gilt für die Betriebsart "Not-Aus".
[0013] Vorzugsweise bildet man die virtuelle Leitachse durch Signale, die Gebersignalen
entsprechen. In diesem Fall kann man den oder die Folgeantriebe praktisch unverändert
übernehmen. Diese reagieren dann genauso, wie bisher auf die Ausgangssignale von Gebern
auch.
[0014] Vorzugsweise verwendet man zum Erzeugen der virtuellen Leitachse ein Drehzahlprofil
mit veränderbarer Drehzahl. Man kann der Maschinendrehzahl nun mit einfachen Mitteln
einen so genannten sequenziellen Betrieb vorgeben. Mit anderen Worten kann man die
Drehzahl der Hauptwelle als zusätzliches Mittel verwenden, um die Herstellung einer
Wirkware zu beeinflussen.
[0015] Hierbei ist bevorzugt, dass man die Drehzahl in vorbestimmten Musterabschnitten absenkt.
Vorbestimmte Musterabschnitte können beispielsweise solche Musterabschnitte sein,
bei denen die Musterlegenadeln einen großen Versatzweg haben. Wenn man die Drehzahl
der Hauptwelle in diesem Bereich absenkt, dann steht mehr Zeit zur Verfügung, in der
die Musterlegenadeln den entsprechenden Versatzweg zurücklegen können. Sobald der
vorbestimmte Musterabschnitt durchlaufen ist, kann die Drehzahl wieder erhöht werden
und eine Überlastung der an kritischen Musterübergängen beteiligten Folgeantriebe
wird vermieden.
[0016] Vorzugsweise erzeugt man an Punkten der virtuellen Leitachse, die vorbestimmten Drehwinkelpositionen
der Hauptwelle entsprechen, Schaltsignale. Mit Hilfe der virtuellen Leitachse kann
man so genannte "Triggerpunkte" als Software-Schaltmarken an bestimmten Winkelpositionen
der Hauptwellenumdrehung erzeugen und hieraus entsprechende Steuerbefehle für die
Maschinensteuerung ableiten. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass auf
einfache Weise ein so genanntes "winkelsynchrones Nockenschaltwerk" realisiert werden
kann.
[0017] Die Aufgabe wird bei einer Kettenwirkmaschine der eingangs genannten Art dadurch
gelöst, dass die Steuereinrichtung einen Leitachsengenerator zur Erzeugung einer virtuellen
Leitachse aufweist.
[0018] Mit dieser Ausgestaltung kann man in der Kettenwirkmaschine eine virtuelle Leitachse
erzeugen, die frei von Oberschwingungen ist, die bei einer realen Leitachse auf Grund
von Schwankungen in der Drehmomentbelastung der Hauptwelle unvermeidlich sind. Wenn
man die virtuelle Leitachse dann als Leitachse für den oder die Folgeantriebe verwendet,
dann werden diese Folgeantriebe wesentlich schonender angesteuert, so dass sie weitaus
weniger unnötige Beschleunigungs- und Bremsvorgänge ausführen müssen. Damit kann die
Motortemperatur niedrig gehalten werden. Auch wird die Geräuschemission niedrig gehalten.
[0019] Vorzugsweise ist der Hauptwellenantrieb als Folgeantrieb in Abhängigkeit von der
virtuellen Leitachse betreibbar. Man verwendet die virtuelle Leitachse also nicht
mehr nur als Basis für die Bewegung der Folgeachsen, d.h. der Folgeantriebe, sondern
auch für den Antrieb der Hauptwelle. Damit ist es auf einfache Weise möglich, die
Hauptwelle und die von dem oder den Folgeantrieben angetriebenen weiteren Teilen der
Wirkmaschine zu synchronisieren.
[0020] Vorzugsweise weist die Hauptwelle eine Geberanordnung auf, mit der die Drehwinkellagen
der Hauptwelle erfasst werden. Man gewinnt also nach wie vor fortlaufend Informationen
über die Drehwinkellage der Hauptwelle. Diese Informationen kann man verwenden, um
die Drehwinkellage der Hauptwelle durch einen Lageregelkreis zu regeln. Man kann diese
Informationen der Geberanordnung aber auch verwenden, um eine reale Leitachse zu erzeugen.
[0021] Hierbei ist bevorzugt, dass die Steuereinrichtung eine Überwachungseinrichtung aufweist,
die eine Abweichung zwischen der realen Leitachse und der virtuellen Leitachse ermittelt.
Die reale Leitachse wird von der virtuellen Leitachse abweichen, bildet also einen
Schleppfehler. Dies ist in gewissen Grenzen auch zulässig. Man kann nun anhand des
Vergleichs zwischen der realen und der virtuellen Leitachse überwachen, ob die Kettenwirkmaschine
noch in einem zulässigen Bereich arbeitet oder ob ein Fehler zu befürchten ist.
[0022] Vorzugsweise ist die Steuereinrichtung zwischen der realen und der virtuellen Leitachse
umschaltbar. Damit ist man nicht nur auf die virtuelle Leitachse angewiesen, sondern
kann auch bei Bedarf die reale Leitachse verwenden.
[0023] Vorzugsweise weist die Steuereinrichtung eine Fehlererkennungseinrichtung auf, in
Abhängigkeit von deren Ausgangssignal sie zwischen realer und virtuelle Leitachse
umschaltbar ist. Eine Fehlererkennungseinrichtung kann beispielsweise einen Spannungsausfall
oder ein Not-Aus erfassen. Es ist auch möglich, dass die Fehlererkennungseinrichtung
ein Fehlersignal ausgibt, wenn die Abweichung zwischen der realen Leitachse und der
virtuellen Leitachse zu groß wird. In diesem Fall wird man sich auf die reale Leitachse
stützen, der dann die Folgeantriebe folgen müssen.
[0024] Vorzugsweise erzeugt der Leitachsengenerator Gebersignale. Gebersignale, beispielsweise
Signale von Inkremental-, Absolut-, SinCos - Gebersignale oder dergleichen haben im
Allgemeinen definierte Formen, an die die Folgeantriebe angepasst sind. Man kann nun
den Leitachsengenerator so ausgestalten, dass er gleichartige Signale erzeugt, so
dass man die Folgeantriebe ohne größere Änderungen weiter verwenden kann.
[0025] Vorzugsweise ist dem Leitachsengenerator ein Drehzahlprofilgeber zugeordnet. Der
Drehzahlprofilgeber steuert die Drehzahl, die durch die virtuelle Leitachse bestimmt
wird, in Abhängigkeit von einem bestimmten Programm, das für eine Wirkware vorgegeben
wird. Man kann beispielsweise hier bestimmte Drehzahländerungen vornehmen. Wenn die
Wirkware beispielsweise einen Musterabschnitt aufweist, in dem eine komplizierte Bemusterung
notwendig wird oder eine Bemusterung mit großen Versatzwegen der Wirknadeln, dann
kann man in einem derartigen Musterabschnitt die Drehzahl der Hauptwelle verringern,
um genügend Zeit für die Bewegung der Musterlegenadeln zur Verfügung stellen zu können.
Der Drehzahlprofilgeber kann aber auch bestimmte Rampen und Übergänge steuern, so
dass auch bei einer Drehzahländerung der Hauptwelle die Folgeantriebe nicht übermäßig
belastet werden.
[0026] Vorzugsweise erzeugt der Leitachsengenerator an vorbestimmten Winkelpositionen der
Hauptwelle Triggersignale. Damit erhält man auf einfache Weise das oben erwähnte "winkelsynchrone
Nockenschaltwerk". Die Triggersignale können dann als Steuerbefehle für die Maschinensteuerung
verwendet werden oder man kann die Steuerbefehle davon ableiten.
[0027] Die Erfindung wird im Folgenden anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels in
Verbindung mit einer Zeichnung beschrieben. Hierin zeigt die
- einzige Figur:
- ein schematisches Diagramm einer Steuerung einer Kettenwirkmaschine.
[0028] Eine nur sehr schematisch dargestellte Kettenwirkmaschine 1 weist eine Hauptwelle
2 auf, die von einem Hauptwellenantrieb 3 angetrieben ist. Der Hauptwellenantrieb
3 wird durch einen Antriebsverstärker 4 gesteuert. Der Antriebsverstärker 4 wiederum
ist mit einem Winkelkodierer 5 verbunden, der fortlaufend die Drehwinkellage des Hauptwellenantriebs
3 ermittelt.
[0029] Die Hauptwelle 2 ist ebenfalls mit einem Winkelkodierer 6 verbunden, der fortlaufend
die Drehwinkellage der Hauptwelle ermittelt.
[0030] Die Kettenwirkmaschine 1 weist auch noch mehrere Folgeantriebe 19 - 21 auf, beispielsweise
zum gesteuerten Bewegen einer Musterlegebarre oder eines Kettbaums. Beispielhaft sind
hier drei derartige Folgeantriebe 19 - 21 dargestellt, wobei das jeweils angetriebene
Element einfach als "Folgeachse" 7 - 9 bezeichnet wird. Jede Folgeachse 7 - 9 ist
von einem Motor 10 - 12 angetrieben. Jeder Motor 10 - 12 ist mit einem Winkelkodierer
13 - 15 verbunden, der die aktuelle Drehwinkellage des Motors 10 - 12 an einen Antriebsverstärker
16 - 18 weiter meldet. Der Antriebsverstärker 16 - 18 steuert den Motor 10 - 12, der
dann die entsprechende Folgeachse 7 - 9 in Übereinstimmung mit der Bewegung der Hauptwelle
2 bewirkt.
[0031] Die Hauptwelle 2 treibt in nicht näher dargestellter Weise weitere Elemente der Kettenwirkmaschine
1 an, beispielsweise eine Wirknadelbarre oder Schwenkhebel für Legebarren. Die Hauptwelle
2 soll im stationären Betrieb zwar mit einer konstanten Drehzahl betrieben werden.
Aufgrund der Belastungsänderungen während einer Umdrehung kommt es jedoch unvermeidlicherweise
zu Drehgeschwindigkeitsänderungen, d.h. die Hauptwelle 2 dreht sich beispielsweise
etwas langsamer, wenn sie die Wirknadelbarre anheben muss. Sie dreht sich schneller,
wenn sie die Wirknadelbarre absenkt. Auch wenn diese Drehzahländerungen während einer
Umdrehung nur klein sind, können sie ohne zusätzliche Maßnahmen doch dazu führen,
dass die Folgeantriebe 19 - 21 diese Drehzahlschwankungen ebenfalls erhalten und die
Folgeachsen 7 - 9 entsprechend ansteuern müssen. Dies führt zu unnötigen Stromspitzen
in den Folgeantrieben 19 - 21. Diese Stromspitzen beschränken die Folgeantriebe 19
- 21 in ihrer Leistungseffizienz und somit die Kettenwirkmaschine 1 in ihrer Produktivität.
In erster Näherung kann man davon ausgehen, dass bei höherer Maschinendrehzahl die
Anzahl und die Amplitude der Stromspitzen in den Folgeantrieben 19 - 21 steigt.
[0032] Die gesamte Antriebssteuerung der Kettenwirkmaschine erfolgt über eine auch als "Maschinensteuerung"
bezeichnete Steuereinrichtung 22. Um die mit den oben geschilderten Drehzahlschwankungen
verbundenen Nachteile zu vermeiden, weist die Steuereinrichtung 22 einen Leitachsengenerator
23 auf, der eine virtuelle Leitachse erzeugt. Die virtuelle Leitachse ist ein Signal,
das die Drehbewegung der Hauptwelle 2 abbildet, wobei man dieses Signal so gestalten
kann, dass es die theoretisch ideale Drehbewegung der Hauptwelle 2 abbildet. In Abhängigkeit
von der virtuellen Leitachse 24 können dann die Folgeantriebe 19 - 21 gesteuert werden.
Die virtuelle Leitachse 24 kann frei von Drehgeschwindigkeitsänderungen gehalten werden.
Sie gibt deswegen ein oberschwingungsfreies oder oberschwingungsarmes Signal an die
Folgeantriebe 19 - 21 weiter.
[0033] Die Steuereinrichtung 22 weist eine Einstelleinrichtung 25, hier in Form eines Potentiometers,
auf, um die Drehzahl der Hauptwelle 2 einzustellen. Die Umwandlung des Signals von
der Einstelleinrichtung 25 in ein Signal, das für die Steuereinrichtung 22 verständlich
ist, erfolgt über eine Schnittstelleneinrichtung 26.
[0034] Das Signal von der Einstelleinrichtung 25 wird über eine Normierungseinrichtung 27
einem Drehzahlprofilgeber 28 zugeführt, der eine sequenzielle Sollwertänderung für
den Leitachsengenerator 23 durchführen kann. Im Drehzahlprofilgeber 28 kann für ein
bestimmtes Muster ein Drehzahlverlauf für die Hauptwelle 2 eingestellt werden. Beispielsweise
kann die Hauptwelle 2 bei bestimmten Musterungsvorgängen langsamer gedreht werden,
um für diese Musterungsvorgänge in der Wirkware mehr Zeit zur Verfügung zu stellen.
Wenn dann der entsprechende Musterungsvorgang abgeschlossen ist, kann die Drehzahl
der Hauptwelle 2 wieder erhöht werden, so dass man insgesamt eine hohe Produktivität
erreichen kann.
[0035] Der Antriebsverstärker 4 des Hauptwellenantriebs 3 wird durch einen Lageregler 29
mit Steuersignalen versorgt. Der Lageregler 29 bekommt als Soll-Wert die virtuelle
Leitachse 24. Als Ist-Wert wird die aktuelle Drehwinkellage der Hauptwelle 2 zugeführt,
die über den Winkelkodierer 6 ermittelt wird. Der Lageregler sorgt also dafür, dass
die Hauptwelle 2 als "reale Leitachse" der virtuellen Leitachse 24 folgt.
[0036] Die virtuelle Leitachse 24 wird auch Lagereglern 30 - 32 der Folgeantriebe 19 - 21
zugeführt. Die Lageregler 30 -32 erhalten als Ist-Werte entsprechende Informationen
aus den Antriebsverstärkern 16 - 18, die diese wiederum aus den Winkelkodierern 13
- 15 gewinnen. Da die virtuelle Leitachse 24 aber frei von Oberschwingungen gehalten
werden kann, müssen die Lageregler 30 - 32 wesentlich weniger unnötige Beschleunigung-
und Bremsvorgänge ansteuern.
[0037] Die reale Leitachse 33 dient nicht nur als Ist-Wert für den Lageregler 29, sondern
sie wird auch einer Vergleichseinrichtung 34 zugeführt. Die Vergleichseinrichtung
34 vergleicht fortlaufend die virtuelle Leitachse 24 mit der realen Leitachse 33.
Diese beiden Leitachsen 24, 33 werden nicht deckungsgleich übereinstimmen. Aufgrund
der oben geschilderten Belastungsänderungen bei einer Umdrehung können sich Abweichungen
ergeben. Solange diese Abweichungen, der so genannte "Schleppfehler", in einem bestimmten
Bereich bleiben, sind sie zulässig. Sollte der Schleppfehler jedoch einen Grenzwert
überschreiten, dann wird der Betrieb der Kettenwirkmaschine 1 durch einen Schalter
35 umgeschaltet, so dass nicht mehr die virtuelle Leitachse 24, sondern die reale
Leitachse 33 als Vorgabe für die Folgeantriebe 19 - 21 verwendet wird. Ein Schalter
36 übernimmt in diesem Fall das Drehzahlsignal von der Einstelleinrichtung 25, so
dass die Hauptwelle 2 mit der vorgegebenen Geschwindigkeit weiter betrieben werden
kann. Im Übrigen kann die Kettenwirkmaschine 1 dann gegebenenfalls herunter gefahren
werden.
[0038] Der Grenzwert für den Schleppfehler kann parametrierbar sein, d.h. man kann ihn an
unterschiedliche Betriebsbedingungen, wie Drehzahlen, anpassen.
[0039] Eine weitere Fehlerüberwachungseinrichtung 37 ist vorgesehen. Diese überwacht beispielsweise,
ob eine Betriebsspannung vorhanden ist. Bei Ausfall der Betriebsspannung oder bei
Betätigung eines "Not-Aus" wird die Kettenwirkmaschine 1 ebenfalls vom Betrieb mit
der virtuellen Leitachse 24 auf den Betrieb mit der realen Leitachse 33 umgeschaltet.
[0040] Die reale Leitachse 33 wird noch an eine Betriebsdaten- und Maschinendaten-Erfassung
38 weitergeleitet, so dass der Betrieb der Kettenwirkmaschine 1 auf der Basis des
Verhaltens der Hauptwelle 2 protokolliert werden kann.
[0041] Die virtuelle Leitachse 24 wird auch an den Drehzahlprofilgeber 28 zurück gemeldet,
so dass der Drehzahlprofilgeber 28 beispielsweise in Abhängigkeit von den durchgeführten
Umdrehungen der Hauptwelle 2 die Drehzahl einstellen kann. Üblicherweise steht jede
Umdrehung der Hauptwelle 2 für eine Maschenreihe in der Wirkware. Da man bei bestimmten
Mustergebungen in der Wirkware weiß, an welcher Maschenreihe eine kompliziertere Bemusterung
erfolgt, kann man genau an dieser Maschenreihe oder an den entsprechenden Maschenreihen
die Drehzahl der Hauptwelle 2 herabsetzen.
[0042] Man kann den Leitachsengenerator 23 auch so ausrüsten, dass er an vorbestimmten "Drehwinkellagen"
der Leitachse 24, die entsprechenden Drehwinkellagen der Hauptwelle 2 entsprechen,
Triggersignale erzeugt, die dann für die Erzeugung von hauptwellenpositionsabhängigen
Steuerbefehlen genutzt werden können. Damit wird ein "winkelsynchronisches Nockenschaltwerk"
nachgebildet.
[0043] Die Schalter 35, 36 können auch durch Software-Schalter realisiert werden, die in
Abhängigkeit von den Betriebszuständen und Service-Einstellungen umgeschaltet werden.
Auch die Lageregler 29 - 32 und gegebenenfalls auch andere Elemente können durch programmgesteuerte
Mikroprozessoren realisiert werden.
1. Verfahren zum Betreiben einer Kettenwirkmaschine (1) mit einer durch einen Hauptwellenantrieb
(3) angetriebenen Hauptwelle (2), bei dem man mindestens einen Folgeantrieb (19-21)
in Abhängigkeit von einer Leitachse (24) steuert, dadurch gekennzeichnet, dass man eine virtuelle Leitachse (24) erzeugt und den Folgeantrieb (19-21) in Abhängigkeit
von der virtuellen Leitachse (24) steuert.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man den Hauptwellenantrieb (3) in Abhängigkeit von der virtuellen Leitachse (24)
steuert.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass man mit Hilfe der Hauptwelle (2) eine reale Leitachse (33) erzeugt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass man die reale Leitachse (33) und die virtuelle Leitachse (24) fortlaufend miteinander
vergleicht.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass man die Ansteuerung des Folgeantriebs (19-21) von der virtuellen Leitachse (24) auf
die reale Leitachse (33) umschaltet.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass man als Kriterium für das Umschalten einen Fehler verwendet.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass man die virtuelle Leitachse (24) durch Signale bildet, die Gebersignalen entsprechen.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass man zum Erzeugen der virtuellen Leitachse (24) ein Drehzahlprofil mit veränderbarer
Drehzahl vorgibt.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass man die Drehzahl in vorbestimmten Musterabschnitten absenkt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass man an Punkten der virtuellen Leitachse (24), die vorbestimmten Drehwinkelpositionen
der Hauptwelle (2) entsprechen, Schaltsignale erzeugt.
11. Kettenwirkmaschine (1) mit einer von einem Hauptwellenantrieb (3) angetriebenen Hauptwelle
(2), mindestens einem Folgeantrieb (19-21) und einer Steuereinrichtung (22) zur Ansteuerung
des Folgeantriebs (19-21) in Abhängigkeit von einer Leitachse, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (22) einen Leitachsengenerator (23) zur Erzeugung einer virtuellen
Leitachse (24) aufweist.
12. Kettenwirkmaschine nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Hauptwellenantrieb (3) als Folgeantrieb in Abhängigkeit von der virtuellen Leitachse
(24) betreibbar ist.
13. Kettenwirkmaschine nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Hauptwelle (2) eine Geberanordnung (6) aufweist, mit der die Drehwinkellage der
Hauptwelle (2) erfasst wird.
14. Kettenwirkmaschine nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (22) eine Überwachungseinrichtung (34) aufweist, die eine Abweichung
zwischen der realen Leitachse (33) und der virtuellen Leitachse (24) ermittelt.
15. Kettenwirkmaschine nach Anspruch 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (22) zwischen realer und virtueller Leitachse (33, 24) umschaltbar
ist.
16. Kettenwirkmaschine nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (22) eine Fehlererkennungseinrichtung (37) aufweist, in Abhängigkeit
von deren Ausgangssignal sie zwischen realer und virtueller Leitachse (33, 24) umschaltbar
ist.
17. Kettenwirkmaschine nach einem der Ansprüche 11 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass der Leitachsengenerator (23) Gebersignale erzeugt.
18. Kettenwirkmaschine nach einem der Ansprüche 11 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass dem Leitachsengenerator (23) ein Drehzahlprofilgeber (28) zugeordnet ist.
19. Kettenwirkmaschine nach einem der Ansprüche 11 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass der Leitachsengenerator (23) an vorbestimmten Winkelpositionen der Hauptwelle (2)
Trägersignale erzeugt.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 137(2) EPÜ.
1. Verfahren zum Betreiben einer Kettenwirkmaschine (1) mit einer durch einen Hauptwellenantrieb
(3) angetriebenen Hauptwelle (2), bei dem man mindestens einen Folgeantrieb (19-21)
in Abhängigkeit von einer Leitachse (24) steuert, dadurch gekennzeichnet, dass man eine virtuelle Leitachse (24) erzeugt und den Hauptwellenantrieb (3) und den
Folgeantrieb (19-21) in Abhängigkeit von der virtuellen Leitachse (24) steuert.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man mit Hilfe der Hauptwelle (2) eine reale Leitachse (33) erzeugt.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass man die reale Leitachse (33) und die virtuelle Leitachse (24) fortlaufend miteinander
vergleicht.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass man die Ansteuerung des Folgeantriebs (19-21) von der virtuellen Leitachse (24) auf
die reale Leitachse (33) umschaltet.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass man als Kriterium für das Umschalten einen Fehler verwendet.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass man die virtuelle Leitachse (24) durch Signale bildet, die Gebersignalen entsprechen.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass man zum Erzeugen der virtuellen Leitachse (24) ein Drehzahlprofil mit veränderbarer
Drehzahl vorgibt.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass man die Drehzahl in vorbestimmten Musterabschnitten absenkt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass man an Punkten der virtuellen Leitachse (24), die vorbestimmten Drehwinkelpositionen
der Hauptwelle (2) entsprechen, Schaltsignale erzeugt.
10. Kettenwirkmaschine (1) mit einer von einem Hauptwellenantrieb (3) angetriebenen Hauptwelle
(2), mindestens einem Folgeantrieb (19-21) und einer Steuereinrichtung (22) zur Ansteuerung
des Folgeantriebs (19-21) in Abhängigkeit von einer Leitachse, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (22) einen Leitachsengenerator (23) zur Erzeugung einer virtuellen
Leitachse (24) aufweist und der Hauptwellenantrieb (3) als Folgeantrieb in Abhängigkeit
von der virtuellen Leitachse (24) betreibbar ist.
11. Kettenwirkmaschine nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Hauptwelle (2) eine Geberanordnung (6) aufweist, mit der die Drehwinkellage der
Hauptwelle (2) erfasst wird.
12. Kettenwirkmaschine nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (22) eine Überwachungseinrichtung (34) aufweist, die eine Abweichung
zwischen einer realen Leitachse (33), die von der Hauptwelle (2) erzeugt ist, und
der virtuellen Leitachse (24) ermittelt.
13. Kettenwirkmaschine nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (22) zwischen realer und virtueller Leitachse (33, 24) umschaltbar
ist.
14. Kettenwirkmaschine nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (22) eine Fehlererkennungseinrichtung (37) aufweist, in Abhängigkeit
von deren Ausgangssignal sie zwischen realer und virtueller Leitachse (33, 24) umschaltbar
ist.
15. Kettenwirkmaschine nach einem der Ansprüche 10 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass der Leitachsengenerator (23) Gebersignale erzeugt.
16. Kettenwirkmaschine nach einem der Ansprüche 10 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass dem Leitachsengenerator (23) ein Drehzahlprofilgeber (28) zugeordnet ist.
17. Kettenwirkmaschine nach einem der Ansprüche 10 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass der Leitachsengenerator (23) an vorbestimmten Winkelpositionen der Hauptwelle (2)
Trägersignale erzeugt.