[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Antasten eines Oberflächenpunktes
an einem Werkstück, insbesondere zum Bestimmen einer Raumkoordinate des Oberflächenpunktes,
mit den Schritten:
- Bereitstellen eines Tastkopfes mit einer Tastkopfbasis und mit einem Taststift, der
relativ zu der Tastkopfbasis beweglich ist, wobei der Taststift eine definierte Ruhelage
relativ zu der Tastkopfbasis besitzt, und
- Verfahren des Tastkopfes relativ zu dem Werkstück, bis der Taststift den Oberflächenpunkt
mit einer definierten Antastkraft berührt.
[0002] Die Erfindung betrifft ferner eine Vorrichtung zum Antasten eines Oberflächenpunktes
an einem Werkstück, insbesondere zum Bestimmen einer Raumkoordinate des Oberflächenpunktes,
mit einem Tastkopf mit einer Tastkopfbasis und einem Taststift, der relativ zu der
Tastkopfbasis beweglich ist, wobei der Taststift eine definierte Ruhelage relativ
zu der Tastkopfbasis besitzt, und mit zumindest einem Antrieb zum Verfahren des Tastkopfes
relativ zu dem Werkstück, um den Oberflächenpunkt mit dem Taststift und mit einer
definierten Antastkraft zu berühren.
[0004] Die Erfindung betrifft vor allem das Gebiet der Koordinatenmesstechnik, das heißt
der ein-, zwei- oder dreidimensionalen Vermessung von Werkstücken mit Hilfe von Messwerkzeugen,
die die Bestimmung von Raumkoordinaten der Werkstücke an ausgewählten Messpunkten
ermöglichen. Ein typisches Koordinatenmessgerät besitzt einen Messkopf, der relativ
zu dem Werkstück verfahren werden kann. Der Messkopf trägt einen Sensor, mit dessen
Hilfe der Messkopf in eine definierte Position in Bezug zu einem Oberflächenpunkt
an dem Werkstück gebracht werden kann. Häufig wird der Oberflächenpunkt mit Hilfe
eines Taststiftes angetastet bzw. berührt. Dementsprechend wird der Messkopf bei solchen
Koordinatenmessgeräten üblicherweise als Tastkopf bezeichnet. Die Raumkoordinaten
des angetasteten Oberflächenpunktes lassen sich nach dem Antasten aus der Stellung
des Tastkopfes im Messvolumen und, wenn möglich, aus der Auslenkung und Verformung
des Taststiftes bestimmen. Durch Antasten mehrerer Oberflächenpunkte an einem Werkstück
können geometrische Abmessungen und Formverläufe erfasst werden.
[0005] Die Erfindung ist jedoch nicht auf Koordinatenmessgeräte im engeren Sinne beschränkt.
Sie kann auch bei Werkzeugmaschinen oder bei anderen Maschinen eingesetzt werden,
bei denen ein Oberflächenpunkt an einem Werkstück mit einem Taststift angetastet wird,
sei es zu Messzwecken oder aus anderen Gründen.
[0006] Für Anwendungen, bei denen eine hohe Messgenauigkeit gefordert ist, muss man auch
elastische Verformungen des Taststiftes und sogar des Koordinatenmessgerätes beim
Antasten berücksichtigen. Zu diesem Zweck muss die Antastkraft, das heißt die Kraft,
mit der der Taststift auf den Oberflächenpunkt drückt, bekannt sein bzw. bestimmt
werden. Einerseits ist eine geringe Antastkraft wünschenswert, um die elastischen
Verformungen am Taststift, am Koordinatenmessgerät und auch am Werkstück gering zu
halten. Andererseits wird eine gewisse Antastkraft benötigt, um sicherzustellen, dass
der Taststift den ausgewählten Oberflächenpunkt auch "richtig" berührt. Auch beim
Vermessen bzw. Antasten von weichelastischen Werkstücken, die der Antastbewegung ausweichen,
ist eine exakt definierte Antastkraft wünschenswert.
[0007] Den Fachleuten auf diesem Gebiet ist bekannt, dass die definierte Ruhelage eines
beweglichen Taststiftes an seiner Tastkopfbasis bis zu einem gewissen Grad von den
früheren Auslenkungen des Taststiftes abhängt. Dies ist auf verschiedene Effekte oder
Einflüsse, wie etwa Reibung, magnetische Remanenz oder Materialspannungen, zurückzuführen.
Insgesamt weist der Taststift ein Hystereseverhalten auf, das zwar gering sein kann,
sich jedoch bei hohen Messgenauigkeiten auswirkt.
[0008] Es sind verschiedene Vorschläge gemacht worden, um die Auswirkungen des Hystereseverhaltens
zu minimieren. In der eingangs erwähnten
DE 10 2004 007 968 A1 wird vorgeschlagen, den Oberflächenpunkt des Werkstücks mehrfach hintereinander anzutasten,
wobei verschiedene, wechselnde Antastkräfte eingestellt werden. Es wird in diesem
Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die Einstellung der Antastkräfte ebenfalls einer
gewissen Hysterese unterworfen ist. Ungeachtet dessen ermöglicht das vorgeschlagene
Verfahren, die Messgenauigkeit durch eine Mittelung der erhaltenen Messwerte zu erhöhen.
Nachteil dieser Vorgehensweise ist allerdings, dass der Oberflächenpunkt mehrfach
mit wechselnden Antastkräften angetastet werden muss, was einerseits die Messzeit
verlängert und andererseits bei weichelastischen Werkstücken schwierig ist.
[0010] DE 102 29 824 A1 schlägt ein Verfahren zum Betrieb eines Koordinatenmessgerätes vor, das in zumindest
zwei verschiedenen Betriebsarten verwendet werden kann. In einer ersten Betriebsart
wird der Tastkopf CNC-gesteuert verfahren, das heißt automatisch. In einer zweiten
Betriebsart wird der Tastkopf manuell verfahren, wobei ein Bediener ein Steuerpult
oder dergleichen bedient. Es wird vorgeschlagen, das Antasten des Oberflächenpunktes
in beiden Betriebsarten mit jeweils gleichem Richtungssinn durchzuführen, um unterschiedliche
Messergebnisse aufgrund unterschiedlicher Hystereseeffekte zu vermeiden.
[0011] Aus
JP 9-141815 ist es bekannt, Steuersignale für einen Gravierstichel zum Gravieren eines Druckzylinders
in Abhängigkeit von Bilddaten anzusteuern, die an bereits gravierten Positionen aufgenommen
werden, um Ungenauigkeiten bzw. Verfälschungen der Gravuren aufgrund von Hystereseeffekten
zu reduzieren.
[0012] Vor diesem Hintergrund ist es eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine weitere
Alternative anzugeben, um Hystereseeffekte beim Antasten eines Werkstücks zu minimieren.
Insbesondere soll die Antastkraft beim Antasten des Oberflächenpunktes mit einer hohen
Genauigkeit eingestellt und/oder angezeigt werden können.
[0013] Gemäß einem Aspekt der Erfindung wird diese Aufgabe durch ein Verfahren der eingangs
genannten Art gelöst, bei dem ein Korrekturdatensatz bereitgestellt wird, der ein
Hystereseverhalten des Taststiftes in Bezug auf die Ruhelage repräsentiert, und bei
dem die Antastkraft unter Verwendung des Korrekturdatensatzes bestimmt wird.
[0014] Nach einem anderen Aspekt der Erfindung wird diese Aufgabe durch eine Vorrichtung
der eingangs genannten Art gelöst, mit einem Speicher, in dem ein Korrekturdatensatz
bereitgestellt ist, der ein Hystereseverhalten des Taststiftes in Bezug auf die Ruhelage
repräsentiert, und mit einer Recheneinheit, die dazu ausgebildet ist, die Antastkraft
unter Verwendung des Korrekturdatensatzes zu bestimmen.
[0015] Das neue Verfahren und die neue Vorrichtung verwenden also einen Korrekturdatensatz,
in dem das Hystereseverhalten des Taststiftes niedergelegt ist. Der Korrekturdatensatz
basiert auf Messwerten, was bevorzugt ist, oder auf rechnerisch ermittelten Korrekturwerten,
die das Hystereseverhalten des Taststiftes beschreiben. Bevorzugt basiert der Korrekturdatensatz
auf Messwerten, die für den entsprechenden Tastkopf in einem vorherigen Kalibriervorgang
ermittelt wurden. Dies kann für jeden Tastkopf individuell erfolgen oder es können
charakteristische Messwerte für eine Familie typgleicher Tastköpfe verwendet werden.
Es ist weiter bevorzugt, wenn der Korrekturdatensatz fest in dem Speicher abgespeichert
ist und für alle Antastungen gleichermaßen verwendet wird.
[0016] Die Bereitstellung und Verwendung eines solchen Korrekturdatensatzes ermöglicht es,
Hystereseeffekte rechnerisch weitgehend zu korrigieren. Eine rechnerische Korrektur
von Fehlereffekten wird bei Koordinatenmessgeräten teilweise schon verwendet, um beispielsweise
Führungsfehler zu korrigieren, die durch mangelnde Geradlinigkeit und/oder Rechtwinkligkeit
von Führungsbahnen des Koordinatenmessgerätes verursacht werden. Zur Korrektur von
Hystereseeffekten wurde eine rechnerische Korrektur bislang allerdings nicht in Betracht
gezogen. Vielmehr wurde im Stand der Technik bislang versucht, Hystereseeffekte durch
eine geeignete Konstruktion des Tastkopfes und der Lagerung des Taststiftes zu minimieren.
[0017] Die rechnerische Korrektur von Hystereseeffekten ermöglicht sehr hohe Genauigkeiten,
insbesondere in Bezug auf die Antastkraft, mit der der Taststift auf den Oberflächenpunkt
drückt. In einem Versuchsaufbau, den die Anmelderin der vorliegenden Erfindung erstellt
hat, ließen sich Genauigkeiten bei der Einstellung der Antastkraft erreichen, die
bislang nicht erreichbar waren.
[0018] Das neue Verfahren und die neue Vorrichtung besitzen darüber hinaus den Vorteil,
dass die Korrektur von Hystereseeffekten prinzipiell unabhängig von der Konstruktion
des Tastkopfes bzw. der speziellen Lagerung des Taststiftes ist. Daher können das
neue Verfahren und die neue Vorrichtung sowohl bei aktiven Tastköpfen als auch bei
passiven Tastköpfen eingesetzt werden, wobei abhängig vom jeweils verwendeten Tastkopf
lediglich die individuellen Korrekturdatensätze ausgetauscht werden müssen. Die prinzipielle
Vorgehensweise kann jedoch in beiden Fällen gleich sein.
[0019] Des Weiteren ermöglichen die neue Vorrichtung und das neue Verfahren eine Minimierung
von Hystereseeffekten auf sehr kostengünstige Weise, da geeignete Recheneinheiten
häufig schon zur Steuerung des Tastkopfes und/oder zur Bestimmung der Raumkoordinaten
des angetasteten Oberflächenpunktes benötigt werden und dementsprechend vorhanden
sind. In besonders bevorzugten Ausgestaltungen der Erfindung lässt sich das neue Verfahren
lediglich durch eine Softwareänderung bzw. -ergänzung realisieren. Damit kann die
vorliegende Erfindung sehr einfach und kostengünstig auch bei älteren Koordinatenmessgeräten
nachgerüstet werden.
[0020] Die oben genannte Aufgabe ist daher vollständig gelöst.
[0021] In einer weiteren Ausgestaltung wird unter Verwendung des Korrekturdatensatzes eine
Sollantastkraft bestimmt, und der Taststift wird in Abhängigkeit von der Sollantastkraft
aus seiner definierten Ruhelage ausgelenkt, um die definierte Antastkraft zu erzeugen.
[0022] Diese Ausgestaltung lässt sich einfach und kostengünstig in die Steuerung bekannter
Koordinatenmessgeräte integrieren, weil die vorhandenen Steuerungsmechanismen zum
Einstellen der definierten Antastkraft unverändert übernommen werden können. Lediglich
die Sollvorgabe wird unter Verwendung des neuen Korrekturdatensatzes bestimmt. Diese
Ausgestaltung der Erfindung eignet sich für Tastköpfe mit einer aktiven Messkraftaufschaltung
und insbesondere für passive Tastköpfe, bei denen die Antastkraft durch eine definierte
Auslenkung des Taststiftes relativ zur Tastkopfbasis eingestellt wird.
[0023] In einer weiteren Ausgestaltung wird mit Hilfe eines Aktors eine Kraft auf den Taststift
aufgebracht, wobei der Aktor in Abhängigkeit von der Sollantastkraft angesteuert wird.
[0024] Als Aktor wird insbesondere eine Tauchspule verwendet, die so zwischen der Tastkopfbasis
und dem Taststift angeordnet ist, dass sich die Auslenkung des Taststiftes relativ
zur Tastkopfbasis mit Hilfe eines Steuerstroms durch die Spule einstellen lässt. Diese
Ausgestaltung ist vorteilhaft, weil sich die definierte Antastkraft sehr exakt und
unabhängig von der Auslenkung des Taststiftes einstellen lässt. Es kann auch schon
bei kleinen Auslenkungen eine große Antastkraft eingestellt werden, was von Vorteil
ist, um die Hystereseeffekte an sich zu minimieren.
[0025] In einer weiteren Ausgestaltung wird der Tastkopf in Abhängigkeit von der Sollantastkraft
relativ zu dem Werkstück verfahren.
[0026] Diese Ausgestaltung eignet sich vor allem für passive Tastköpfe, die nicht über einen
Aktor der oben erwähnten Art verfügen. Sie ist jedoch grundsätzlich auch bei aktiven
Tastköpfen anwendbar. Mit dieser Ausgestaltung kann das neue Verfahren auf einfache
und kostengünstige Weise in Verbindung mit passiven Tastköpfen genutzt werden.
[0027] In einer weiteren Ausgestaltung wird unter Verwendung des Korrekturdatensatzes eine
Istantastkraft bestimmt, die zur Ausgabe auf einer Anzeige bereitgestellt wird.
[0028] Diese Ausgestaltung ist von Vorteil, weil sie eine genauere Anzeige der tatsächlich
ausgeübten Antastkraft ermöglicht. Der Anwender der neuen Vorrichtung erhält damit
eine genauere Kontrollmöglichkeit.
[0029] In einer weiteren Ausgestaltung repräsentiert der Korrekturdatensatz eine definierte
Hysteresekraft in Abhängigkeit von einer Auslenkung des Taststiftes relativ zu der
Tastkopfbasis, wobei die Antastkraft in Abhängigkeit von der definierten Hysteresekraft
bestimmt wird.
[0030] In dieser Ausgestaltung wird das Hystereseverhalten mit Hilfe einer Hysteresekraft
repräsentiert, die der Taststift beim Antasten aufgrund seines Hystereseverhaltens
auf den Objektpunkt ausübt. Diese Ausgestaltung ist bevorzugt, weil sie eine sehr
schnelle Echtzeitkorrektur der Antastkraft ermöglicht. Außerdem lässt sich das Hystereseverhalten
des Taststiftes mit Hilfe von Hysteresekräften sehr einfach und genau erfassen, indem
man beispielsweise einen Kraftsensor als Antastobjekt verwendet.
[0031] Wenn unter Verwendung des Korrekturdatensatzes eine Sollantastkraft bestimmt wird,
wird der im Korrekturdatensatz abgespeicherte Korrekturwert, vorzugsweise in Form
einer Hysteresekraft, von einer vom Anmelder gewünschten Antastkraft subtrahiert,
um die Sollantastkraft zu bilden. Für die Anzeige der Istantastkraft wird der Korrekturwert
(Hysteresekraft) aus dem Korrekturdatensatz zu der gemessenen Antastkraft addiert.
Dies erleichtert die Einstellung und Anzeige der tatsächlichen Antastkraft unter Berücksichtigung
des Hystereseverhaltens des Taststiftes.
[0032] In einer weiteren Ausgestaltung wird der Taststift aus einer Ruhelage in zumindest
einer ersten und einer gegenüberliegenden zweiten Raumrichtung ausgelenkt, wobei der
Korrekturdatensatz eine Vielzahl von Korrekturdaten beinhaltet, mit deren Hilfe die
Antastkraft bestimmt wird, wobei ein individueller Korrekturwert in Abhängigkeit von
einer maximalen Auslenkung des Taststiftes in der ersten Raumrichtung ausgewählt wird,
und wobei der gewählte individuelle Korrekturwert beibehalten wird, bis der Taststift
in der zweiten Raumrichtung ausgelenkt wird.
[0033] In dieser Ausgestaltung wird ein Korrekturwert aus dem Korrekturdatensatz ausgewählt,
nachdem der Taststift in der ersten Raumrichtung ausgelenkt wurde. Der gewählte Korrekturwert
wird so lange beibehalten, bis der Taststift in die entgegengesetzte, zweite Raumrichtung
ausgelenkt wird. Solange der Taststift also "nur" in seine Ruhelage zurückkehrt, nachdem
er in der ersten Raumrichtung ausgelenkt wurde, wird der gewählte Korrekturwert beibehalten.
Diese Ausgestaltung ermöglicht eine einfache und effiziente Realisierung des neuen
Verfahrens und der neuen Vorrichtung, wobei das Hystereseverhalten des Taststiftes
mit hoher Genauigkeit korrigiert wird. Ein neuer Korrekturwert wird erst dann ausgewählt,
wenn der Taststift nach einer Auslenkung in der einen Richtung über seine Ruhelage
hinaus in die entgegen gesetzte Raumrichtung bewegt wurde.
[0034] In einer weiteren Ausgestaltung wird der gewählte individuelle Korrekturwert beibehalten,
bis der Taststift um eine definierte minimale Auslenkung in der zweiten Raumrichtung
ausgelenkt wird.
[0035] In dieser Ausgestaltung wird ein gewählter Korrekturwert so lange beibehalten, bis
man davon ausgehen kann, dass der Hystereseeffekt aufgrund einer entgegen gesetzten
Auslenkung kompensiert bzw. umgekehrt wurde. Die Korrekturwerte werden hiernach also
in einem Schwellenwertverfahren bzw. einer Schwellenwertentscheidung ausgewählt. Dies
ermöglicht eine einfache Realisierung, die mit relativ wenigen Korrekturwerten auskommt
und geringe Anforderungen an den Speicherbedarf der neuen Vorrichtung stellt.
[0036] Vorteilhafterweise wird eine weitere Reduzierung des Speicherbedarfs erreicht, indem
individuelle Korrekturwerte aus dem Korrekturdatensatz durch Interpolation von Korrekturwerten
bestimmt werden, die in dem Korrekturdatensatz vorhandenen sind.
[0037] In einer alternativen Ausgestaltung wird der gewählte individuelle Korrekturwert
reduziert, sobald der Taststift in der zweiten Raumrichtung ausgelegt wird.
[0038] In dieser Ausgestaltung wird ein neuer bzw. angepasster Korrekturwert verwendet,
sobald die Auslenkung des Taststiftes einen Richtungswechsel erfährt, ganz gleich
wie weit der Taststift in der entgegen gesetzten zweiten Raumrichtung ausgelenkt wird.
Mit dieser Ausgestaltung lässt sich schneller und exakter auf ein verändertes Hystereseverhalten
reagieren, das aus einer Richtungsumkehr des Taststiftes resultiert.
[0039] In einer weiteren Ausgestaltung ist der Taststift in zumindest einer ersten und einer
quer dazu verlaufenden zweiten Achsrichtung beweglich, wobei für die erste Achsrichtung
ein erster Korrekturdatensatz und für die zweite Achsrichtung ein zweiter Korrekturdatensatz
bereitgestellt werden, und wobei die Antastkraft für jede der Achsrichtungen unter
Verwendung des zugehörigen Korrekturdatensatzes bestimmt wird. Besonders bevorzugt
ist es, wenn jeder Korrekturdatensatz alle Achsabhängigkeiten des Taststiftes repräsentiert,
beispielsweise also das Hystereseverhalten des Taststiftes in x-Richtung in Abhängigkeit
von einer vorherigen Auslenkung des Taststiftes in x-, y- und/oder z-Richtung.
[0040] Diese Ausgestaltung ermöglicht eine besonders exakte Korrektur des Hystereseverhaltens.
Durch individuelle Korrekturdatensätze für jede Achsrichtung lassen sich achsabhängige
Hystereseeffekte einfach und mit hoher Genauigkeit kompensieren.
[0041] In einer weiteren Ausgestaltung wird in Abhängigkeit von der Antastkraft eine Verformung
des Taststiftes beim Antasten des Oberflächenpunktes bestimmt. Vorzugsweise wird außerdem
auch eine Verformung des Verschiebegestells für den Tastkopf und/oder das Werkzeug
in Abhängigkeit von der Antastkraft bestimmt.
[0042] Diese Ausgestaltung nutzt die erfindungsgemäße Korrektur von Antastkräften, um die
Mess- bzw. Positioniergenauigkeit zu erhöhen. Damit eignet sich diese Ausgestaltung
besonders für Koordinatenmessgeräte, die besonders hohe Anforderungen an die Messgenauigkeit
erfüllen sollen.
[0043] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen
Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden
Erfindung zu verlassen.
[0044] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und werden in
der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine vereinfachte Darstellung eines Koordinatenmessgerätes gemäß einem Ausführungsbeispiel
der Erfindung;
- Figur 2
- eine vereinfachte Darstellung eines Tastkopfes aus dem Koordinatenmessgerät aus Figur
1;
- Figur 3
- eine grafische Darstellung eines Korrekturdatensatzes, der in dem Koordinatenmessgerät
aus Figur 1 abgespeichert ist;
- Figur 4
- ein vereinfachtes Flussdiagramm zur Erläuterung eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen
Verfahrens; und
- Figur 5
- ein vereinfachtes Flussdiagramm zur Erläuterung eines Verfahrens zum Aufnehmen des
Korrekturdatensatzes aus Figur 3.
[0045] In Figur 1 ist ein Koordinatenmessgerät als ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel für
eine erfindungsgemäße Vorrichtung in seiner Gesamtheit mit der Bezugsziffer 10 bezeichnet.
Das Koordinatenmessgerät 10 ist hier in Portalbauweise dargestellt, was ebenfalls
beispielhaft zu verstehen ist. Die Erfindung ist nicht auf einen bestimmten Gestellaufbau
beschränkt und sie kann beispielsweise auch bei Koordinatenmessgeräten in Horizontalarm-Bauweise
eingesetzt werden. Darüber hinaus kann die Erfindung auch bei Maschinen eingesetzt
werden, bei denen ein Werkstück relativ zu einem feststehenden Tastkopf verfahren
wird, weil es im Rahmen der vorliegenden Erfindung allein auf die relative Bewegung
zwischen dem Tastkopf und dem Werkstück ankommt.
[0046] Das Koordinatenmessgerät 10 besitzt eine Basis 12, auf der ein Portal 14 mit einem
Antrieb 15 angeordnet ist. Das Portal 14 kann mit Hilfe des Antriebs 15 entlang einer
Achsrichtung verfahren werden, die üblicherweise als y-Achse bezeichnet wird.
[0047] Am oberen Querträger des Portals 14 ist ein Schlitten 16 angeordnet, der in x-Richtung
verfahren werden kann. Der Schlitten 16 trägt eine Pinole 18, die in z-Richtung verfahren
werden kann. Am unteren freien Ende der Pinole 18 befindet sich ein Tastkopf 20 mit
einem Taststift 22. Der Taststift 22 besitzt an seinem freien Ende eine Tastkugel
23 (Figur 2), die dazu dient, einen Oberflächenpunkt 24 an einem Werkstück 26 anzutasten.
[0048] Mit den Bezugsziffern 28, 30, 32 sind Linearmaße bezeichnet, die parallel zu den
Achsrichtungen des Koordinatenmessgerätes 10 angeordnet sind. Beispielsweise handelt
es sich hier um Glasmaßstäbe, die mit Hilfe von geeigneten Sensoren (hier nicht dargestellt)
abgelesen werden, um die Verfahrpositionen des Portals 14, des Schlittens 16 und der
Pinole 18 zu bestimmen. Mit Hilfe dieser Messwerte lässt sich die Position des Tastkopfes
20 im Messvolumen des Koordinatenmessgerätes 10 bestimmen. Aus der Position des Tastkopfes
kann die Raumkoordinate eines angetasteten Oberflächenpunktes 24 bestimmt werden.
[0049] Mit der Bezugsziffer 34 ist eine Auswerte- und Steuereinheit bezeichnet, die über
Leitungen 36, 38 mit den Antrieben und Sensoren des Koordinatenmessgerätes 10 verbunden
ist. Des Weiteren ist die Auswerte- und Steuereinheit 34 in diesem Ausführungsbeispiel
mit einem Steuerpult 40 und einer Tastatur 42 verbunden. Das Steuerpult 40 ermöglicht
eine manuelle Steuerung des Koordinatenmessgerätes 10. Die Tastatur 42 ermöglicht
die Eingabe von Betriebsparametern und die Auswahl von Messprogrammen etc.
[0050] Die Steuereinheit 34 besitzt hier eine Anzeige 44, auf der Messergebnisse, Parameterwerte
u.a. ausgegeben werden können. Des Weiteren besitzt sie einen Prozessor 46 und einen
Speicher 48, der hier vereinfacht mit zwei Speicherbereichen 48a, 48b dargestellt
ist. In den Speicherbereichen 48a, 48b sind Korrekturdatensätze abgespeichert, mit
deren Hilfe sich Hystereseeffekte des Taststiftes beim Antasten des Oberflächenpunktes
24 minimieren lassen. In dem bevorzugten Ausführungsbeispiel ist ein Korrekturdatensatz
für jede Achsrichtung abgespeichert, in der der Taststift 22 ausgelenkt werden kann.
[0051] Figur 2 zeigt den Tastkopf 20 des Koordinatenmessgerätes 10 mit weiteren Details,
allerdings in einer stark vereinfachten Darstellung.
[0052] Der Taststift 22 ist an einem beweglichen Teil 50 befestigt, das über zwei Blattfedern
52, 54 mit einer Tastkopfbasis 56 verbunden ist. Aufgrund der Blattfedern 52, 54 kann
sich das bewegliche Teil 50 mit dem Taststift 22 relativ zu der Tastkopfbasis 56 bewegen,
wobei die zwei zueinander entgegengesetzten Bewegungsrichtungen mit den Pfeilen 58,
60 angedeutet sind.
[0053] Die Fachleute auf diesem Gebiet werden erkennen, dass der in Figur 2 dargestellte
Tastkopf 20 eine Auslenkung des Taststiftes 22 in nur einer Achsrichtung 58, 60 ermöglicht,
was auf die vereinfachte Darstellung zurückzuführen ist. Für eine Auslenkung des Taststiftes
22 in den zwei weiteren Achsrichtungen können weitere Blattfedern 52, 54 vorhanden
sein, wie dies den Fachleuten auf diesem Gebiet bekannt ist.
[0054] Mit der Bezugsziffer 62 ist ein Aktor bezeichnet, mit dessen Hilfe das Teil 50 relativ
zu der Tastkopfbasis 56 ausgelenkt werden kann. Im dargestellten Ausführungsbeispiel
ist der Aktor 62 eine Tauchspule, die zwischen zwei Schenkeln 64, 66 angeordnet ist.
Der Schenkel 64 ist mit dem beweglichen Teil 50 verbunden, der Schenkel 66 ist mit
der Tastkopfbasis 56 verbunden. Der Aktor 62 ist in der Lage, die Schenkel 64, 66
auseinander zu drücken oder gegeneinander zu ziehen, wodurch der Taststift 22 mit
dem Teil 50 in die Raumrichtung 58 oder in die Raumrichtung 60 ausgelenkt wird.
[0055] Mit der Bezugsziffer 68 ist ein Sensor bezeichnet, der ebenfalls zwischen den beiden
Schenkeln 64, 66 angeordnet ist. Der Sensor 68 ist hier mit einer Skala 70 dargestellt,
die es ermöglicht, eine aktuelle Auslenkung X des Taststiftes 22 (dargestellt bei
Bezugsziffer 22') messtechnisch zu erfassen. Der Sensor 68 kann eine Tauchspule, ein
Hall-Sensor, ein optische Sensor oder ein anderer geeigneter Positions- oder Längensensor
sein.
[0056] Die Fachleute auf diesem Gebiet werden erkennen, dass der Tastkopf 20 aufgrund des
Aktors 62 ein aktiver Tastkopf ist, bei dem der Taststift 22 mit Hilfe des Aktors
62 ausgelenkt werden kann, um eine definierte Antastkraft zu erzeugen. Abweichend
hiervon kann die Erfindung auch bei passiven Tastköpfen eingesetzt werden, die keinen
Aktor 62 aufweisen.
[0057] In Figur 3 ist ein Korrekturdatensatz, der in dem Speicher 48 der Steuereinheit 34
gespeichert ist, in seiner Gesamtheit mit der Bezugsziffer 74 bezeichnet. Der Korrekturdatensatz
74 ist hier in Form einer Hysteresekurve dargestellt. Auf der Abszisse 76 des zugrunde
liegenden Koordinatensystems sind die Auslenkungen des Taststiftes 22 in den Bewegungsrichtungen
58, 60 angegeben. Auf der Ordinate 78 sind die Hysteresekräfte angegeben, die der
Taststift 22 nach einer entsprechenden Auslenkung auf einen Oberflächenpunkt 24 eines
Werkstücks 26 ausübt. In dem dargestellten Ausführungsbeispiel sind die Auslenkungen
des Taststiftes 2 auf der Abszisse 76 in mm angegeben. Die Hysteresekräfte auf der
Ordinate 78 sind in mN angegeben.
[0058] Mit den Bezugsziffern 80, 82, 84, 86, 88 sind verschiedene Korrekturwerte des Korrekturdatensatzes
74 bezeichnet. Die angegebenen Korrekturwerte wurden als Stützstellen des Korrekturdatensatzes
74 messtechnisch ermittelt, wie weiter unten anhand Figur 5 erläutert ist. Des Weiteren
sind die angegebenen Korrekturwerte (zusammen mit weiteren, hier nicht ausdrücklich
bezeichneten Korrekturwerten) in dem Speicher 48 der Steuereinheit 34 abgespeichert.
Zwischen den abgespeicherten Korrekturwerten liegende Korrekturwerte werden von der
Steuereinheit 34 vorteilhafterweise durch Interpolation ermittelt.
[0059] Der Korrekturdatensatz 74 in Figur 3 ist beispielhaft für Auslenkungen des Taststiftes
22 in x-Richtung (negativ und positiv) angegeben. Es versteht sich, dass ähnliche
Korrekturdatensätze auch für die beiden anderen Achsrichtungen y und z in dem Speicher
48 der Steuereinheit 34 abgespeichert sind.
[0060] Die Antastkräfte, mit denen der Taststift 22 einen Oberflächenpunkt 24 an dem Werkstück
26 antastet, werden mit Hilfe des Korrekturdatensatzes 74 wie folgt korrigiert. Nach
der ersten oder erneuten Inbetriebnahme des Koordinatenmessgerätes 10 wird angenommen,
dass der Taststift in einem hysteresefreien Zustand ist. Es erfolgt zunächst keine
Korrektur, bis der Taststift 22 zum ersten Mal um 0,5 mm (oder mehr) aus seiner Ruhelage,
die dem Koordinatenursprung 90 entspricht, ausgelenkt wird. Nun sei angenommen, dass
der Taststift 22 in positiver x-Richtung um 1 mm ausgelenkt wird. Für eine solche
Auslenkung lässt sich aus dem Korrekturdatensatz 74 eine Hysteresekraft von etwa 3
mN ablesen. Mit diesem Korrekturwert (Bezugsziffer 82) werden alle nachfolgenden Antastkräfte
korrigiert, und zwar so lange, bis der Taststift 22 weiter als 1 mm in positiver x-Richtung
ausgelenkt wird, oder bis der Taststift 22 in negativer x-Richtung um 0,2 mm ausgelenkt
wird (Bezugsziffer 92). Im erstgenannten Fall "wandert" der Korrekturwert auf der
Kurve 74 in Richtung des Korrekturwertes 84. Im zuletzt genannten Fall wird der Korrekturwert
82 beibehalten, bis der Taststift den Punkt 92 auf der Kurve 74 erreicht.
[0061] Abweichend hiervon kann der Korrekturwert (hier also die Hysteresekraft von 3 mN)
auch schon reduziert werden, wenn der Taststift 22 in negativer x-Richtung ausgelenkt
wird, jedoch noch nicht den Punkt 92 auf der Kurve 74 erreicht hat. Beispielsweise
kann eine Reduzierung des zuvor gewählten Korrekturwertes 82 prozentual in Abhängigkeit
davon erfolgen, wie weit der Taststift 22 in der negativen x-Richtung ausgelenkt wurde.
[0062] Wie man aus dem Kurvenverlauf des Korrekturdatensatzes 74 erkennt, liegt die maximale
Antastkorrektur hier bei etwa 4,5 mN (Korrekturwerte 84). Selbst wenn der Taststift
22 mehr als 2,5 mm ausgelenkt wird, erfolgt hier keine stärkere Korrektur der Antastkraft.
[0063] Wie man aus dem Kurvenverlauf in Figur 3 weiterhin ersehen kann, liegt der Korrekturwert
88, der einer Antastkraftkorrektur von Null (keine Korrektur bzw. Hysteresekraft gleich
null) entspricht, auf der Abszisse 76 etwas vor dem Korrekturwert 80. Ein solcher
Kurvenverlauf ist vorteilhaft, weil er dafür sorgt, dass die Korrektur der Antastkraft
frühzeitig reduziert bzw. zurückgenommen wird und im Vergleich dazu erst später einsetzt.
Hierdurch wird eine zu starke Korrektur, die ihrerseits Messfehler erzeugen kann,
vermieden.
[0064] Figur 4 zeigt ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel des neuen Verfahrens anhand eines
vereinfachten Flussdiagramms. Gemäß Schritt 96 wird zunächst die vom Anwender gewünschte
Antastkraft DF als Parameterwert eingelesen. Der Anwender kann die gewünschte Antastkraft
DF beispielsweise mit Hilfe der Tastatur 42 in die Steuerung 34 eingeben.
[0065] Zu Beginn des Messablaufs wird gemäß Schritt 98 die Hysteresekraft HF (X
max) aus dem Speicher 48 ausgelesen. Mit anderen Worten wird in Abhängigkeit von einer
zuvor detektierten Auslenkung des Taststiftes 22 ein geeigneter Korrekturwert aus
dem Korrekturdatensatz 74 geholt. Nach Inbetriebnahme des Koordinatenmessgerätes 10
wird zunächst ein Korrekturwert HF = 0 verwendet.
[0066] Anschließend wird gemäß Schritt 100 eine Sollantastkraft als Differenz der gewünschten
Antastkraft DF und der Hysteresekraft HF aus dem Korrekturdatensatz 74 berechnet.
Mit anderen Worten wird die gewünschte Antastkraft um die Hysteresekraft, die aufgrund
von Hystereseeffekten vorhanden ist, reduziert. Sofern es sich um einen passiven Tastkopf
handelt, wird gemäß Schritt 102 eine Sollauslenkung des Taststiftes 22 in Abhängigkeit
von der Sollantastkraft bestimmt. Bei einem aktiven Tastkopf wird der Aktor 62 mit
der Sollantastkraft als Vorgabewert angesteuert.
[0067] Gemäß Schritt 104 wird der Oberflächenpunkt 24 mit der Sollantastkraft angetastet,
wobei die tatsächliche Antastkraft aufgrund der vorhandenen Hysteresekraft der gewünschten
Antastkraft DF entspricht.
[0068] Gemäß Schritt 106 wird die Auslenkung X des Taststiftes 22 bestimmt. Die Auslenkung
X wird sowohl zur Bestimmung der X-Raumkoordinate des Oberflächenpunktes 24 als auch
für die erfindungsgemäße Korrektur der Antastkraft benötigt.
[0069] Gemäß Schritt 108 wird bei einem aktiven Tastkopf außerdem die vom Aktor 62 erzeugte
Antastkraft bestimmt. Wenn als Aktor eine Tauchspule verwendet wird, kann beispielsweise
der Strom gemessen werden, der durch die Tauchspule fließt.
[0070] Gemäß Schritt 110 wird die Istantastkraft als Summe der messtechnisch erfassten Aktorkraft
und der Hysteresekraft HF bestimmt. Es versteht sich, dass die Differenzbildung in
Schritt 100 und die Summenbildung 110 vorzeichenrichtig durchgeführt werden, wobei
die Vorzeichen hier gemäß der Darstellung in Figur 3 gewählt werden.
[0071] Gemäß Schritt 112 kann die Istantastkraft auf der Anzeige 44 angezeigt werden. Gemäß
Schritt 114 wird mit Hilfe der Istantastkraft ferner eine Verformung des Taststiftes
22 bestimmt. Anschließend wird gemäß Schritt 116 die Raumkoordinate des angetasteten
Oberflächenpunktes 24 bestimmt, wobei vorzugsweise die Verformung des Taststiftes
22 infolge der Istantastkraft berücksichtigt wird. Die bestimmte Raumkoordinate kann
auf der Anzeige 44 ausgegeben werden.
[0072] Gemäß Schritt 118 erfolgt als nächstes eine Abfrage, ob die Auslenkung des Taststiftes
22 beim Antasten des Oberflächenpunktes 24 größer war als die jüngste maximale Auslenkung
X
max in gleicher Raumrichtung. Wenn dies nicht der Fall ist, wird gemäß Schleife 120 der
zuletzt verwendete Korrekturwert für die Antastkraft beibehalten. Andernfalls wird
gemäß Schritt 122 die jüngste Auslenkung X als neue maximale Auslenkung X
max übernommen, und es wird gemäß Schritt 98 ein neuer, entsprechend angepasster Korrekturwert
aus dem Korrekturdatensatz 74 ausgewählt. Anschließend erfolgt gemäß Schleife 124
der nächste Messvorgang unter Verwendung des neuen Korrekturwertes.
[0073] Figur 5 zeigt ein vereinfachtes Flussdiagramm zur Erläuterung eines Ausführungsbeispiels,
mit dessen Hilfe der Korrekturdatensatz 74 aus Figur 3 aufgenommen werden kann.
[0074] Gemäß Schritt 126 wird der Taststift 22 zunächst in einen Ausgangszustand versetzt,
der als hysteresefrei angenommen wird. Anschließend wird gemäß Schritt 128 ein Oberflächenpunkt
an einem Kraftsensor (hier nicht dargestellt) angetastet. Der Kraftsensor fungiert
dabei als Kalibrierwerkstück. Mit Hilfe des Kraftsensors wird gemäß Schritt 130 eine
erste Antastkraft TF1 bestimmt. Die Antastkraft TF1 wird als Referenzwert für eine
(zumindest angenommen) hysteresefreie Auslenkung verwendet.
[0075] Gemäß Schritt 132 wird der Taststift anschließend um einen Wert x in eine Raumrichtung
ausgelenkt. Anschließend wird derselbe Oberflächenpunkt an dem Kraftsensor erneut
angetastet (Schritt 134), und es wird gemäß Schritt 136 die Antastkraft TF2(x) bestimmt.
Typischerweise unterscheiden sich die Antastkräfte TF1 und TF2(x) voneinander, was
auf das Hystereseverhalten des Taststiftes 22 zurückzuführen ist.
[0076] Gemäß Schritt 138 wird die Differenz der Antastkräfte TF2(x) - TF1 als Hysteresekraft
HF(x) bzw. als Korrekturwert im Korrekturdatensatz 74 gespeichert (Schritt 140). Anschließend
wird gemäß Schleife 142 ein nächster Korrekturwert des Korrekturdatensatzes 74 bestimmt.
[0077] Vorteilhafterweise wird der Korrekturdatensatz 74 mit den Korrekturwerten 80-88 in
einem Kalibriervorgang aufgenommen und in dem Speicher 48 des Koordinatenmessgerätes
10 dauerhaft abgespeichert, so dass ein identischer Korrekturdatensatz 74 für alle
nachfolgenden Antastungen verwendet wird.
1. Verfahren zum Antasten eines Oberflächenpunktes (24) an einem Werkstück (26), insbesondere
zum Bestimmen einer Raumkoordinate des Oberflächenpunktes, mit den Schritten:
- Bereitstellen eines Tastkopfes (20) mit einer Tastkopfbasis (56) und mit einem Taststift
(22), der relativ zu der Tastkopfbasis (56) beweglich ist, wobei der Taststift (22)
eine definierte Ruhelage relativ zu der Tastkopfbasis (56) besitzt, und
- Verfahren des Tastkopfes (22) relativ zu dem Werkstück (26), bis der Taststift (22)
den Oberflächenpunkt (24) mit einer definierten Antastkraft berührt,
dadurch gekennzeichnet, dass ein Korrekturdatensatz (48; 74) bereitgestellt wird, der ein Hystereseverhalten des
Taststiftes (22) in Bezug auf die Ruhelage repräsentiert, und dass die Antastkraft
unter Verwendung des Korrekturdatensatzes (48; 74) bestimmt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass unter Verwendung des Korrekturdatensatzes (48; 74) eine Sollantastkraft bestimmt
wird (100), und dass der Taststift (22) in Abhängigkeit von der Sollantastkraft aus
seiner definierten Ruhelage ausgelenkt wird (102, 104), um die definierte Antastkraft
zu erzeugen.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass mit Hilfe eines Aktors (62) eine Kraft auf den Taststift (22) aufgebracht wird, wobei
der Aktor (62) in Abhängigkeit von der Sollantastkraft angesteuert wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Tastkopf (20) in Abhängigkeit von der Sollantastkraft relativ zu dem Werkstück
(26) verfahren wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass unter Verwendung des Korrekturdatensatzes (48; 74) eine Istantastkraft bestimmt wird
(110), die zur Ausgabe auf einer Anzeige (44) bereitgestellt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Korrekturdatensatz (74) eine definierte Hysteresekraft (78) in Abhängigkeit von
einer Auslenkung (76) des Taststiftes (22) relativ zu der Tastkopfbasis (56) repräsentiert,
wobei die Antastkraft in Abhängigkeit von der definierten Hysteresekraft bestimmt
wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Taststift (22) in zumindest einer ersten und einer gegenüberliegenden zweiten
Raumrichtung (58, 60) aus seiner Ruhelage ausgelenkt wird, wobei der Korrekturdatensatz
(74) eine Vielzahl von Korrekturwerten (80, 82, 84, 86, 88) beinhaltet, mit deren
Hilfe die Antastkraft bestimmt wird, wobei ein individueller Korrekturwert (82) in
Abhängigkeit von einer maximalen Auslenkung des Taststiftes (22) in der ersten Raumrichtung
(58) ausgewählt wird, und wobei der gewählte individuelle Korrekturwert (82) beibehalten
wird, bis der Taststift in der zweiten Raumrichtung (60) ausgelenkt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der gewählte individuelle Korrekturwert (82) beibehalten wird, bis der Taststift
(22) um eine definierte minimale Auslenkung (92) in der zweiten Raumrichtung (60)
ausgelenkt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der gewählte individuelle Korrekturwert (82) reduziert wird, sobald der Taststift
(22) in der zweiten Raumrichtung ausgelenkt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Taststift (22) in zumindest einer ersten und einer quer dazu verlaufenden zweiten
Achsrichtung (x, y, z) beweglich ist, wobei für die erste Achsrichtung ein erster
Korrekturdatensatz (48a) und für die zweite Achsrichtung ein zweiter Korrekturdatensatz
(48b) bereitgestellt werden, und wobei die Antastkraft für jede der Achsrichtungen
unter Verwendung des zugehörigen Korrekturdatensatzes bestimmt wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass in Abhängigkeit von der Antastkraft eine Verformung des Taststiftes beim Antasten
des Oberflächenpunktes bestimmt wird (114).
12. Vorrichtung zum Antasten eines Oberflächenpunktes (24) an einem Werkstück (26), insbesondere
zum Bestimmen einer Raumkoordinate des Oberflächenpunktes, mit
- einem Tastkopf (20) mit einer Tastkopfbasis (56) und einem Taststift (22), der relativ
zu der Tastkopfbasis (56) beweglich ist, wobei der Taststift (22) eine definierte
Ruhelage relativ zu der Tastkopfbasis (56) besitzt, und mit
- zumindest einem Antrieb (15) zum Verfahren des Tastkopfes (20) relativ zu dem Werkstück
(26), um den Oberflächenpunkt (24) mit dem Taststift (22) und mit einer definierten
Antastkraft zu berühren,
gekennzeichnet durch einen Speicher (48), in dem ein Korrekturdatensatz (74) bereitgestellt ist, der ein
Hystereseverhalten des Taststiftes (22) in Bezug auf die Ruhelage repräsentiert, und
durch eine Recheneinheit (46), die dazu ausgebildet ist, die Antastkraft unter Verwendung
des Korrekturdatensatzes (74) zu bestimmen.
1. A method for contacting a surface point (24) on a workpiece (26), in particular for
determining a spatial coordinate of the surface point, the method comprising the steps
of
- providing a probe head (20) having a probe head base (56) and a stylus (22) which
is moveable relative to the probe head base (56), the stylus (22) having a defined
rest position relative to the probe head base (56), and
- moving the probe head (22) relative to the workpiece (26) until the stylus (22)
touches the surface point (24) with a defined contacting force,
characterized in that a correction data record (48; 74) is provided which represents a hysteresis behavior
of the stylus (22) with respect to the rest position, and the contacting force is
determined using the correction data record (48; 74).
2. The method of claim 1, characterized in that a desired contacting force (100) is determined by using the correction data record
(48; 74), and the stylus (22) is displaced (102, 104) from its defined rest position
depending on the desired contacting force in order to generate the defined contacting
force.
3. The method of claim 1 or 2, characterized in that a force is applied to the stylus (22) by means of an actuator (62) which is driven
as a function of the desired contacting force.
4. The method of claim 2 or 3, characterized in that the probe head (20) is moved relative to the workpiece (26) as a function of the
desired contacting force.
5. The method of one of claims 1 to 4, characterized in that an actual contacting force is determined (110) by using the correction data record
(48; 74), said actual contacting force being provided for output on a display (44),
6. The method of one of claims 1 to 5, characterized in that the correction data record (74) represents a defined hysteresis force (78) as a function
of a deployment (76) of the stylus (22) relative to the probe head base (56), the
contacting force being determined as a function of the defined hysteresis force.
7. The method of one of claims 1 to 6, characterized in that the stylus (22) is displaced from its rest position in at least a first and an opposite
second spatial direction (56, 60), the correction data record (74) comprising a plurality
of correction values (80, 82, 84, 86, 88) by means of which the contacting force is
determined, wherein an individual correction value (82) is selected depending on a
maximum deployment of the stylus (22) in the first spatial direction (58), and the
selected individual correction value (82) is kept until the stylus is displaced in
the second spatial direction (60).
8. The method of claim 7, characterized in that the selected individual correction value (82) is kept until the stylus (22) is displaced
by a defined maximum displacement (92) in the second spatial direction.
9. The method of claim 7, characterized in that the selected individual correction value (82) is reduced as soon as the stylus (22)
is displaced in the second spatial direction.
10. The method of one of claims 1 to 9, characterized in that the stylus (22) can be moved in at least a first and a second axial direction (x,
y, z) extending transversely to the first axial direction, with a first correction
data record (48a) being provided for the first axial direction and a second correction
data record (48b) being provided for the second axial direction, and the contacting
force being determined for each of the axial directions by using the associated correction
data record.
11. The method of one of claims 1 to 10, characterized in that a deformation of the stylus when contacting the surface point is determined (114)
as a function of the contacting force.
12. A device for contacting a surface point (24) on a workpiece (26), in particular for
determining a spatial coordinate of the surface point, the device comprising:
- a probe head (20) having a probe head base (56) and a stylus (22) which is moveable
relative to the probe head base (56), the stylus (22) having a defined rest position
relative to the probe head base (56), and
- at least one drive (15) for moving the probe head (20) relative to the workpiece
(26) in order to touch the surface point (24) with the stylus (22) and with a defined
contacting force,
characterized by a memory (48) in which a correction data record (74) is provided, which correction
data record represents a hysteresis behavior of the stylus (22) with respect to the
rest position, and by a computation unit (46) designed to determine the contacting
force using the correction data record (74).
1. Procédé de palpage d'un point de surface (24) sur une pièce à travailler (26), en
particulier pour déterminer une coordonnée spatiale du point de surface, comprenant
les étapes consistant à :
- fournir une tête de palpage (20) avec une base de tête de palpage (56) et avec une
tige de palpage (22) mobile par rapport à la base de tête de palpage (56), ladite
tige de palpage (22) possédant une position de repos définie par rapport à la base
de tête de palpage (56), et
- déplacer la tête de palpage (20) par rapport à la pièce à travailler (26) jusqu'à
ce que la tige de palpage (22) entre en contact avec le point de surface (24) avec
une force de palpage définie,
caractérisé en ce qu'un enregistrement de données de correction (48 ; 74) est fourni qui représente un
comportement d'hystérésis de la tige de palpage (22) par rapport à la position de
repos, et
en ce que la force de palpage est déterminée en utilisant l'enregistrement de données de correction
(48 ; 74).
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'en utilisant l'enregistrement de données de correction (48 ; 74), une force de palpage
théorique est déterminée (100), et en ce que la tige de palpage (22) est déviée (102, 104) de sa position de repos définie, en
fonction de la force de palpage théorique, afin de générer la force de palpage définie.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce qu'à l'aide d'un actionneur (62), une force est exercée sur la tige de palpage (22),
l'actionneur (62) étant piloté en fonction de la force de palpage théorique.
4. Procédé selon la revendication 2 ou 3, caractérisé en ce que la tête de palpage (20) est déplacée en fonction de la force de palpage théorique
par rapport à la pièce à travailler (26).
5. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 4,
caractérisé en ce qu'en utilisant l'enregistrement de données de correction (48 ; 74), une force de palpage
réelle est déterminée (110) qui est fournie pour être sortie sur un affichage (44).
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 5,
caractérisé en ce que l'enregistrement de données de correction (74) représente une force d'hystérésis
(78) définie en fonction d'une déviation (76) de la tige de palpage (22) par rapport
à la base de tête de palpage (56), la force de palpage étant déterminée en fonction
de la force d'hystérésis définie.
7. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 6,
caractérisé en ce que la tige de palpage (22) est déviée dans au moins une première direction spatiale
et une deuxième direction spatiale opposée (58, 60) à partir de sa position de repos,
dans lequel l'enregistrement de données de correction (74) comprend une pluralité
de valeurs de correction (80, 82, 84, 86, 88) à l'aide desquelles la force de palpage
est déterminée, dans lequel une valeur de correction individuelle (82) est sélectionnée
en fonction d'une déviation maximale de la tige de palpage (22) dans la première direction
spatiale (58), et dans lequel la valeur de correction individuelle sélectionnée (82)
est maintenue jusqu'à ce que la tige de palpage soit déviée dans la deuxième direction
spatiale (60).
8. Procédé selon la revendication 7, caractérisé en ce que la valeur de correction individuelle (82) est maintenue jusqu'à ce que la tige de
palpage (22) soit déviée d'une déviation minimale définie (92) dans la deuxième direction
spatiale (60).
9. Procédé selon la revendication 7, caractérisé en ce que la valeur de correction individuelle (82) est réduite dès que la tige de palpage
(22) est déviée dans la deuxième direction spatiale.
10. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 9,
caractérisé en ce que la tige de palpage (22) est mobile dans au moins une première direction axiale et
une deuxième direction axiale s'étendant transversalement à celle-ci (x, y, z), un
premier enregistrement de données de correction (48a) étant fourni pour la première
direction axiale et un deuxième enregistrement de données de correction (48b) étant
fourni pour la deuxième direction axiale, et dans lequel la force de palpage pour
chacune des directions axiales est déterminée en utilisant l'enregistrement de données
de correction associé.
11. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 10,
caractérisé en ce qu'en fonction de la force de palpage, une déformation de la tige de palpage est déterminée
lors du palpage du point de surface (114).
12. Dispositif de palpage d'un point de surface (24) sur une pièce à travailler (26),
en particulier pour déterminer une coordonnée spatiale du point de surface, comprenant
- une tête de palpage (20) avec une base de tête de palpage (56) et avec une tige
de palpage (22) mobile par rapport à la base de tête de palpage (56), ladite tige
de palpage (22) possédant une position de repos définie par rapport à la base de tête
de palpage (56), et
- au moins un dispositif d'entraînement (15) pour déplacer la tête de palpage (20)
par rapport à la pièce à travailler (26) afin de toucher le point de surface (24)
par la tige de palpage (22) et avec une force de palpage définie,
caractérisé par une mémoire (48) dans laquelle est fourni un enregistrement de données de correction
(74) qui représente un comportement d'hystérésis de la tige de palpage (22) par rapport
à la position de repos, et par une unité de calcul (46) qui est réalisée pour déterminer
la force de palpage en utilisant l'enregistrement de données de correction (74).