[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft Verfahren zum Steuern einer Spinnmaschine, insbesondere
Ringspinnmaschine, mit einem Streckwerk, einer Spindel zur Aufnahme einer Garnspule
und einem Ringrahmen und/oder einer Spindelbank, wobei das Streckwerk, die Spindel,
der Ringrahmen und/oder die Spindelbank über dazugehörige Antriebe durch eine Maschinensteuerung
koordiniert in Betrieb gehalten werden, und mit einer Festhaltevorrichtung für das
Garn.
[0002] Eine Spinnmaschine dieser Gattung ist aus der europäischen Patentpublikation
EP 0 462 467 A1 bekannt. Die Festhaltevorrichtung ist eine unterhalb des Kopses an der Spindel angebrachte
Klemmeinrichtung, welche es ermöglicht, mit einer vergleichsweise kurzen Garnlänge
für die Unterwindung auszukommen.
[0003] Bei einer Ringspinnmaschine mit einer Festhalteeinrichtung für das Garn, sei es nun
eine Unterwinde- oder Klemmeinrichtung müssen die einzelnen Betriebsparameter der
Spinnmaschine genau aufeinander abgestimmt werden. Es kann erforderlich sein, die
Garneigenschaften beim Abspinnen, im Zusammenhang eines Kopswechselprozesses und/oder
beim Anspinnen gezielt zu beeinflussen, um einen störungsfreien Betrieb zu gewährleisten.
Einerseits sollen Fadenbrüche während des Abspinnens, des Kopswechselvorganges und
während des Anspinnens vermieden werden. Andererseits soll das Garn für den Kopswechselvorgang
reiss- bzw. schneidfähig sein, gegebenenfalls unter Einsatz entsprechender Hilfsmittel
wie Schneideinrichtungen, Abreisskanten an der Festhalteeinrichtung etc.. Dies trifft
insbesondere für Garne mit hoher Festigkeit oder Dehnung zu. Hier muss z. B. die Reissfestigkeit
oder Dehnung durch Veränderung in der Garndrehung und Garnfeinheit gezielt geändert
werden.
[0004] Aus der deutschen Publikationsschrift
DE 100 37 513 A1 ist bekannt, die Drehzahlen der Spindeln bzw. des Streckwerks beim Abspinnvorgang
individuell zu steuern, so dass die Feinheit des Garns und die Garndrehung verändert
wird und den Erfordernissen an die Unterwindung bzw. Klemmung angepasst sind.
[0005] In der deutschen Publikationsschrift
DE 10 2006 003941 A1 wird die Beeinflussung des Spinnprogramms beschrieben, wobei das Spinnprogramm derart
verändert wird, dass unter Berücksichtigung der augenblicklichen Produktionsbedingungen
vorübergehend die Drehung und/oder der Verzug des Faserverbands oder Fadens in Abweichung
von der Vorgabe durch das normale Spinnprogramm zur Erreichung hoher Betriebssicherheit,
insbesondere ununterbrochener Produktion, verändert eingestellt ist.
[0006] Der an sich sehr wichtige Abspinnprozess wird heute jedoch nach wie vor dem Spinnereipersonal
überlassen, welches die entsprechenden Einstellungen für einen optimalen Abspinnvorgang
selbst vornehmen muss. Dazu benötigt der Bediener ein umfangreiches Wissen sowie viel
Erfahrung, sind doch für verschiedene Spinnprogramme unterschiedliche Einstellungen
für den Abspinnprozess vorzunehmen. So macht es z. B. einen grossen Unterschied, ob
reine Baumwolle oder eine Mischung aus Baumwolle und Chemiefasern verarbeitet wird.
Im weiteren spielt es auch eine Rolle, ob das Spinnprogramm ein Feingarn, ein Grobgarn,
ein normales Garn oder gar ein Effektgarn vorsieht. Ferner muss der Bediener auch
Kenntnisse über die aktuellen Maschineneinstellungen haben, insbesondere wenn er mit
einem Spinnprogramm fährt, welches im Grenzbereich dessen liegt, wofür die Spinnmaschine
konfiguriert ist. Dies, um zu verhindern, dass die Spinnparameter für den Abspinnprozess
derart verändert werden, dass diese in einem nicht mehr zulässigen Bereich liegen,
für welchen die Maschine ursprünglich nicht konfiguriert wurde.
[0007] Die Aufgabe vorliegender Erfindung ist es daher, ein Verfahren mit einem hohen Grad
an Automation vorzuschlagen, welches die oben aufgeführten Mängel behebt und sich
durch eine hohe Betriebssicherheit und Produktivität, d.h. möglichst wenig Fadenbrüche,
auch während des Abspinnvorganges, auszeichnet.
[0008] Die Aufgabe wird dadurch gelöst, dass in der Maschinensteuerung eine Mehrzahl von
Kopswechselprozess-Programmen abgelegt sind und von der Maschinensteuerung oder von
einem Bediener über eine Eingabeeinheit aus der Mehrzahl von Kopswechselprozess-Programmen
in Abhängigkeit von:
- der versponnenen Rohstoffe und/oder
- des gesponnenen Garntyps bzw. Garnart und/oder
- der gesponnenen Garnfeinheit (Ne, Nm, tex) und/oder
- der Garndrehung (α) und/oder
- der Maschinenkonfiguration
ein zutreffendes Kopswechselprozess-Programmen auswählt wird, wobei das Kopswechselprozess-Programm
eine gezielte Änderung der Garneigenschaften während des Kopswechselprozesses gegenüber
dem gemäss Spinnprogramm erzeugten Garn ausführt, um eine für den Abspinnprozess,
den Spulenwechselvorgang und/oder den nachfolgenden Anspinnprozess optimal angepasste
Garneigenschaften, insbesondere Garnfestigkeiten, zu erreichen.
[0009] Das Kopswechselprozess-Programm umfasst bevorzugt ein im Zusammenhang mit dem Kopswechsel
ausgeführtes Abspinnprogramm und/oder ein Anspinnprogramm. Das Kopswechselprozess-Programm
kann nur eines der beiden genannten Programme oder beide Programme zusammen beinhalten
bzw. daraus bestehen. Der Kopswechselprozess umfasst den Abspinnprozess, den Spulenwechselvorgang
und/oder den nachfolgenden Anspinnprozess.
[0010] Das Kopswechselprozess-Programm kann auch ein so genanntes Vorlauf-Programm beinhalten,
wie es in der
DE-B-195 16 091 beschrieben ist. Ein solches Vorlauf-Programm steuert eine Ringspinnmaschine im Zeitraum
nach Fertigstellung des Kopses bis zum Anspinnen. Mittels dieses Vorlauf-Programms
wird das Garn in einer Unterwindung um die Spindel gelegt oder geklemmt und mittels
einer Fadenführungseinrichtung am Umfang der Spindel mittels eines Läufers auf einem
Spinnring gehalten. Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass vor dem raschen
Anlaufen der Spindel zur Herstellung einer neuen Wicklung auf einer neu aufgesteckten
Hülse die Spindel im Langsamlauf in normaler Drehrichtung der Spindel gedreht wird,
wobei die Geschwindigkeit der Drehbewegung der Spindel und die Dauer dieses Vorganges
so gewählt werden, dass der Läufer auf dem Spinnring in Drehrichtung der Spindel hinter
dem Auflaufpunkt des Garns auf dem Umfang der Spindel positioniert wird, wobei der
Läufer spätestens mit Beendigung des Langsamlaufs in die für den nachfolgenden Anlauf
zum Bewickeln einer neuen Hülse erforderliche Schrägstellung gebracht wird. Für weitere
technische Ausführungen zu diesem Verfahren wird auf die oben genannte Patentschrift
verwiesen.
[0011] In das Vorlauf-Programm können ebenfalls Garnparameter, wie Garnfeinheit, Ausgangsrohstoff
der Fasern oder die Garnart einfliessen. Das Vorlaufprogramm kann mit einem Ab- und/oder
Anspinnprogramm kombiniert oder als separates Programm ausgeführt sein.
[0012] Auswählen eines Kopswechselprozess-Programmes kann auch heissen, dass sich die Maschinensteuerung
aus abgespeicherten Programmmodulen ein Kopswechselprozess-Programm selbst zusammenstellt.
Dies kann z. B. durch das Selektionsmodul erfolgen.
[0013] Der Abspinnprozess wird eingeleitet entweder durch die Erstellung der Ober-und/oder
der Hinterwindung am Ende der Bewicklung einer Garnspule, insbesondere eines Kopses,
insbesondere zum Zeitpunkt, wenn die Ringbank von ihrer obersten Bewicklungsstelle
an der Garnspule in die Unterwindestellung unterhalb der Garnspule heruntergefahren
wird.
[0014] Eine optimale Garnfestigkeit ist insbesondere wichtig für den Hinterwinde- und Unterwindevorgang
beim Abspinnprozess, sowie für den Garnreiss- oder Garnschneidevorgang und für das
Doffen beim Spulenwechsel, sowie auch für den nachfolgenden Anspinnprozess.
[0015] Gemäss einer bevorzugten Ausführungsform wählt die Maschinensteuerung aus einer Mehrzahl
von in der Maschinensteuerung hinterlegten Kopswechselprozess-Programme in Abhängigkeit
von:
- der versponnenen Rohstoffe und/oder
- des gesponnenen Garntyps bzw. Garnart und/oder
- der gesponnenen Garnfeinheit (Ne, Nm, tex) und/oder
- der Garndrehung (α) und/oder
- der Maschinenkonfiguration
über eine Selektionsroutine das zutreffende Kopswechselprozess-Programm automatisch
aus und leitet zum gegebenen Zeitpunkt das besagte Kopswechselprozess-Programm automatisch
ein.
[0016] Die Spinnprogramme sind zweckmässig in der Maschinensteuerung bereits hinterlegt.
Das oder die Spinnprogramme können jedoch auch unmittelbar vor dem Spinnprozesse in
die Maschinensteuerung eingelesen werden. Der Benutzer bestimmt über eine Eingabeeinheit
das gewünschte Spinnprogramm. Die Maschinensteuerung wählt daraufhin aus einer Mehrzahl
von in der Maschinensteuerung gespeicherten Kopswechselprozess-Programmen in Abhängigkeit
vom ausgewählten Spinnprogramm und der Maschinenkonfiguration sowie gegebenenfalls
weiteren Kriterien über eine Auswahl- bzw. Selektionsroutine, welche ebenfalls vorzugsweise
in der Maschinensteuerung abgelegt ist, das zutreffende Kopswechselprozess-Programm
aus und führt dieses zum gegebenen Zeitpunkt automatisch aus.
[0017] Im übrigen kann ein Bediener diese Auswahl auch manuell treffen. Die Maschinensteuerung
kann dem Bediener überdies ein oder eine Auswahl von optimalen Kopswechselprozess-Programmen
auch vorschlagen. Dieser kann den Vorschlag bestätigen bzw. eine Auswahl treffen oder
verwerfen.
[0018] Der Bediener kann z. B. auch ein anderes Kopswechselprozess-Programm wählen oder
er kann gewisse, dem vorgeschlagenen Programm zugrunde liegende Parameter, wie Garnfeinheit
oder Garndrehung einzeln ändern. So kann der Bediener z. B. die beim Abspinnen gewünschte
Garnfeinheit und/oder Garndrehung selber eingeben, wenn aus bestimmten Gründen eine
Abweichung von der Vorgabe gewünscht ist.
[0019] Die Maschinensteuerung leitet dann zum gegebenen Zeitpunkt das ausgewählte Kopswechselprozess-Programm
automatisch ein. Ferner kann die Maschinensteuerung auch so konfiguriert sein, dass
ein Bediener den Kopswechselprozess manuell einleiten bzw. das Kopswechselprozess-Programm
manuell aufrufen muss, z.B. durch Quittierung einer Aufforderung durch die Spinnmaschine.
[0020] Es ist auch möglich, dass ein Bediener die Parameter des Spinnprogrammes über eine
Eingabeeinheit vorab manuell eingibt und in der Maschinensteuerung hinterlegt. Das
Spinnprogramm kann auch über ein Eingabegerät vorab elektronisch von einem (mobilen)
Datenträger eingelesen und in der Maschinensteuerung abgelegt werden.
[0021] Das Spinnprogramm kann eine Vielzahl von Parameter umfassen. So z. B. die Garnfeinheit
(Ne, N
m, Tex), den Garntyp, z. B. glattes Garn, Effektgarn, wie Flammgarn, Noppengarn, Kreppgarn
etc., die Garndrehung (α). Weitere Parameter können durch die verwendeten Rohstoffe
definiert sein, z. B. natürliche Fasern, wie Baumwolle, chemische Fasern, anorganische
Fasern, Mischfasern etc.. Ferner können auch die verwendeten Hülsenlängen und -durchmesser,
die gewünschte Kopsgrösse bzw. sein Durchmesser, der Ringtyp und/oder der Ringdurchmesser
als Spinnparameter definiert sein.
[0022] Die Maschinenkonfiguration beinhaltet z. B. Ringdurchmesser, Läufergewicht, Streckwerksgeometrie
oder die Streckwerksübersetzung, welche die oberen und unteren Grenzwerte der Walzendrehzahlen
festlegt. Durch die Berücksichtigung der Maschinenkonfiguration bei der Auswahl des
Kopswechselprozess-Programmes wird z. B. sichergestellt, dass die Streckwerkswalzen
ausschliesslich in dem durch die eingesetzte Steckwerksübersetzung vorgegebenen Drehzahlbereichen
betrieben werden, und die Drehzahlen der Streckwerkswalzen durch die Veränderung der
Lieferung oder des Gesamtverzuges beim Kopswechselprozess, insbesondere beim Abspinnen,
nicht in einen unzulässigen Drehzahlbereich verschoben werden.
[0023] Die Maschinenkonfiguration kann ferner auch die Art der Einrichtung zur Übergabe
der vollen Kopse beinhalten. So kann es z. B. bei Erstellen der Hinterwindung eine
Rolle spielen, ob die von der Spindeln abgezogenen vollen Kopse über eine Kopssammeleinrichtung
einem Sammelbehälter übergeben werden, oder ob die Kopse über ein Link-Einrichtung
auf so genannten Pegtrays direkt einer Spulmaschine zugeführt werden. Enthält die
Spinnmaschine eine Kopssammeleinrichtung, so empfiehlt es sich, eine grössere Anzahl
von Hinterwindungen mit kleinerem Umwindewinkel zu erzeugen, damit die Hinterwindungen
der im Sammelbehälter deponierten Kopse nicht durch gegenseitige Reibung abgelöst
werden. Bei der Link-Einrichtung hingegen werden die Kopse über Transportteller einzeln
zur Spulstation geführt. Hier genügt eine geringere Anzahl von Hinterwindungen mit
steilerem Umwindewinkel, da die Kopse an ihrer Oberfläche keiner bedeutenden mechanischen
Beanspruchung ausgesetzt sind.
[0024] Ausgehend vom gewählten Spinnprogramm, werden durch die Maschinensteuerung mit Hilfe
einer Recheneinheit die Fahrprogramme für den bzw. die Streckwerksantrieb(e), den
oder die Spindelantrieb(e) und den Ringrahmenantrieb berechnet und gegebenenfalls
in einem Speicher, z. B. in der Maschinensteuerung oder bei den Antrieben bzw. den
Umrichtern, abgelegt.
[0025] Gleiches gilt für das Kopswechselprozess-Programm, welches die Basis zur Berechnung
der Fahrprogramme des Streckwerksantriebs oder der Streckwerksantriebe, des Spindelantriebs
oder der Spindelantriebe und des Ringrahmenantriebs für den Kopswechselvorgang bzw.
Abspinnvorgang am Ende der Garnkörperbewicklung durch die Maschinensteuerung legt.
Diese Fahrprogramme bestimmen unter anderem die produzierte Garnfeinheit, Garntyp
und Garndrehung im Kopswechselprozess, insbesondere in der Abspinnphase.
[0026] Je nach dem herzustellenden Garn ergeben sich für die Berechnungen der Fahrprogramme
im Kopswechselprozess unterschiedliche Daten. Das Kopswechselprozess-Programm rechnet
die Daten des Fahrprogrammes so, dass aufgrund der Einhaltung der textiltechnologischen
Grenzwerte möglichst wenig Fadenbrüche in der letzten Phase der Garnkörperbildung
bzw. während des Kopswechselprozesses, insbesondere während des Abspinnens, während
des Doffens bzw. Spulenwechsels und beim neuerlichen Anspinnen einer neuen Garnspule
entstehen. Ferner sorgt das Kopswechselprozess-Programm bzw. Abspinnprogramm auch
dafür, dass die Garneigenschaften derart verändert werden, dass sich das Garn optimal
Klemmen bzw. Unterwinden und beim Spulenwechsel trennen bzw. schneiden lässt.
[0027] Auf einer Ringspinnmaschine kann z. B. eine Garnfeinheit im Bereich von Ne 10 - 100
gefahren werden. Dieser Garnfeinheitsbereich kann nun in Teilbereiche von z. B. Ne
10 - 20, Ne 21-50, Ne 51 - 70 und Ne 71 - 100 aufgeteilt werden. Zu jedem dieser Garnfeinheitsbereiche
können nun ein oder mehrere Kopswechselprozess-Programme hinterlegt, welche auf diese
Garnfeinheitsbereiche abgestimmt sind. So kann z. B. für das Kopswechselprozess-Programm
eines bestimmten Feinheitsbereich, z. B. Ne 21-50, die mittlere Garnfeinheit, z. B.
Ne 35 zugrunde gelegt werden. Das heisst, das Kopswechselprozess-Programm ist auf
ein Garn der genannten mittleren Feinheit, z. B. Ne 35, ausgelegt. Da die Garnfeinheiten
aus dem genannten Feinheitsbereich nicht allzu sehr von dieser mittleren Garnfeinheit
abweichen, lässt sich das auf die mittlere Garnfeinheit abgestimmte Kopswechselprozess-Programm
auch problemlos auf die anderen Garne aus dem genannten Feinheitsbereich anwenden.
Auf diese Weise muss nicht für jede Garnfeinheit ein separates Kopswechselprozess-Programm
erstellt werden. Dieselbe Vorgehensweise kann auch für die Garndrehung angewendet
werden.
[0028] Werden nun noch Spinnparameter wie Rohstoff, Garndrehung, Garntyp sowie Maschinenmodifikation
berücksichtigt, so verbleibt am Schluss ein einziges passendes Kopswechselprozess-Programm,
welches von der Maschinensteuerung aufgrund der besagten Auswahlkriterien durch die
Selektionsroutine ermittelt wird. Die Selektionsroutine kann ein Softwareprogramm
sein, in welchem ein entsprechender Algorithmus zur Selektion des am besten geeigneten
Kopswechselprozess-Programmes auf Grundlage der vorgenannten Parameter implementiert
ist.
[0029] Ein Kopswechselprozess-Programm, welches für den Feinheitsbereich Ne 10 - 20 vorgesehen
ist, also für ein eher grobes Garn, zeichnet sich unter anderem durch eine Erhöhung
der Garnfeinheit mittels Erhöhung des Gesamtverzuges und/oder Anpassen der Garndrehung
aus, um das Reissen des starken Garnes zu ermöglichen. Ein Kopswechselprozess-Programm,
welches für den Feinheitsbereich Ne 71 - 100 vorgesehen ist, also für ein eher feines
Garn, weist in der Abspinnphase eine Verringerung der Garnfeinheit mittels Reduktion
des Gesamtverzuges in der Kopswechselphase auf, um ein zu schnelles Reissen des feinen
Garnes zu verhindern.
[0030] Das Kopswechselprozess-Programm sieht also eine Änderung der Garneigenschaften in
der Kopswechselphase und insbesondere in der Abspinnphase vor. Diese Änderung wird
vorzugsweise durch eine Änderung der Garnfeinheit und/oder durch eine Änderung der
Garndrehung angestrebt. Die Änderung der Garnfeinheit wird z. B. durch Änderung des
Gesamtverzuges erreicht. Eine Änderung der Garndrehung kann durch Änderung der Garnlieferung
erzielt werden. Die Garnlieferung wird analog zum Verzug durch die Drehzahl der Streckwerkswalzen
gesteuert.
[0031] So kann die Drehung des Garns bzw. der Drehungsbeiwert (α) von einem bestimmten Zeitpunkt
durch das Kopswechselprozess-Programm bzw. Abspinnprogramm so verändert werden, dass
sich möglichst günstige Bedingungen im Bereich der Klemmvorrichtung und der Unterwindkrone
für das Einlegen, das Klemmen oder das Reissen bzw. Schneiden des Garns beim Abziehen
der Garnspulen ergeben. Das Garn soll dabei keine allzu starke Drehung aufweisen,
damit dieses optimal reiss- bzw. schneidfähig ist. Andererseits soll das Garn auch
nicht eine allzu schwach ausgebildete Drehung aufweisen, damit des Garn beim Abspinnen
und beim neuerlichen Anspinnen nach dem Spulenwechsel nicht unerwünscht reisst.
[0032] So kann vorgesehen sein, dass die Festigkeit des Garn in der Abspinnphase durch die
oben genannten Massnahmen herabgesetzt wird, und die Garnfestigkeit in der Anspinnphase
nach dem Kopswechel durch entsprechende Massnahmen im Verzug und/oder der Drehung
wieder erhöht wird.
[0033] Die entsprechenden Steuerwerte gemäss Kopswechselprozess-Programm werden bevorzugt
vor dem eigentlichen Kopswechselprozess an die Antriebe bzw. die dazugehörigen Umrichter
des Streckwerks, der Spindeln und der Ringbank etc. übermittelt, so dass spätestens
zum Zeitpunkt der Hinterwindung oder während der Hinterwindung ein Garn mit den gewünschten
Kopswechseleigenschaften, insbesondere Abspinneigenschaften, produziert wird. Dies
geschieht durch entsprechende Parametrisierung der Umrichter der genanten Antriebe.
Hierbei werden den Antrieben die für den Kopswechselprozess notwendigen Steuerwerte
eingespielt, welche sich, z. B. im Fall des Streckwerks, entsprechend auf die Drehzahlen
der Streckwerkswalzen auswirken und somit auf die Lieferung und den Gesamtverzug.
[0034] Das Kopswechselprozess-Programm wird also bevorzugt vor oder zu Beginn der Erstellung
der Hinterwindung am Ende der Bewicklung einer Garnspule durch die Maschinensteuerung
gestartet. Das Kopswechselprozess-Programm kann jedoch auch nach Beginn der Hinterwindung
aufgerufen werden. Das Spinnsystem mit Spindeln, Streckwerk und Ringrahmen bzw. Spindelbank,
bzw. die dazugehörigen Antriebe, beginnt also vorzugsweise mit Beginn der Hinterwindung
oder kurz zuvor bzw. wenn der Ringrahmen die Position "Garnspule voll" (vor der Hinterwindung)
erreicht hat, mit der Kopswechsel-Parametrisierung zu laufen.
[0035] Die Festhaltevorrichtung kann eine Unterwinde- und/oder Klemmeinrichtung umfassen.
Bei der Unterwindeeinrichtung wird das Garn um eine, insbesondere rauhe, Oberfläche
gewunden und ohne Klemmung gehalten. Bei der Klemmvorrichtung wird das Garn festgeklemmt,
wobei das Garn auch in der Klemmvorrichtung als Unterwindung, insbesondere als Teilumwindung,
vorliegen kann.
[0036] Die Festhaltevorrichtung für das Garn ist vorzugsweise, d.h. insbesondere bei Ringspinnmaschinen,
in einer Position unterhalb der Garnspule an der Spindel angeordnet. Während des Abspinnprozesses
wird die Ringbank von ihrem obersten Bewicklungspunkt unter Erstellung der Hinterwindung
nach unten auf die Höhe der Festhaltevorrichtung gefahren. Während der Abwärtsbewegung
des Ringrahmens können die Liefergeschwindigkeit im Streckwerk und die Drehzahl der
Spindel so koordiniert reduziert, dass die gewünschte Garndrehung und Garnfeinheit
zunächst erhalten bleibt und der Fadenlauf auf der Garnspule möglichst steil wird.
Das Kopswechselprozess-Programm kann jedoch die Lieferung bzw. den Verzug des Streckwerks
während der Erstellung der Hinterwindung derart verändern, dass ein Garn mit einer
veränderten Garnfeinheit entsteht, sodass sich weniger Störungen vor, beim und nach
dem Unterwinden insbesondere beim Abziehen der Garnspulen mit dem damit verbundenen
Abreissen des Garns, sowie beim Wiederanlauf des Spinnprozesses nach dem Doffen ergeben.
[0037] Der Ringrahmen verharrt während einer bis mehreren Umdrehungen der Spindel in der
untersten Stellung bei der Festhaltevorrichtung. Bei einer Klemmvorrichtung verharrt
der Ringrahmen bevorzugt nur so lange, bis das Garn über die halbe bis dreiviertel
Umfangslänge bzw. weniger als eine Umfangslänge im Wickelbereich gelegt und geklemmt
ist. Anschliessend wird der Ringrahmen wieder in eine Stellung oberhalb der Festhaltevorrichtung
angehoben, worauf dann zuerst das Streckwerk bzw. der Streckwerksantrieb und dann
der Spindelantrieb oder beide gleichzeitig zum Stillstand kommen. Das Streckwerk kann
nach Erstellung der Unterwindung noch für eine kurze Zeitspanne in Betrieb gehalten
werden, um eine Garnlänge nachzuliefern.
[0038] In einer besonderen Ausführung der Erfindung soll das Kopswechselprozess-Programm
die Absenkgeschwindigkeit des Ringrahmens nach Fertigstellung der Garnspule zwischen
der Oberwindung und der Unterwindung in Relation zur Drehzahl der Spindel und/oder
der Liefergeschwindigkeit im Streckwerk so variieren, dass an der Garnspule zwischen
0.5 und 5 Hinterwindungen, also Umschlingungen mit Garn, zu liegen kommen. Das Kopswechselprozess-Programm
bzw. Abspinnprogramm kann ferner die Spindel nach dem Anhalten des Streckwerksantriebs
noch für eine kurze Zeitspanne weiterdrehen lassen, oder gleichzeitig mit dem Streckwerk
anhalten.
[0039] Oberhalb der entlang der Spindel verschiebbaren Klemmvorrichtung ist eine Unterwindekrone
bzw. ein Schneidring ortsfest an der Spindel befestigt, wobei die Anordnung so gestaltet
ist, dass in der Klemmstellung für das Garn die Klemmvorrichtung an der Unterwindkrone
anliegt. Die Klemmvorrichtung wird vom unteren Teil der Spindel her durch eine Feder
nach oben gedrückt und kann durch eine separate Betätigungsvorrichtung oder direkt
durch den Ringrahmen bei dessen Bewegung in die tiefste Stelle nach unten, d.h. in
Öffnungsstellung, verschoben werden.
[0040] Bei Herstellung relativ grober Garne beeinflusst nun das Kopswechselprozess-Programm
das Streckwerk, insbesondere durch Erhöhung des Gesamtverzuges, dahingehend, dass
in der Abspinnphase ein feineres Garn produziert wird. Ein höherer Verzug des vorgelegten
Fasermaterials wird z. B. durch Erhöhung der Drehzahl der Auslaufwalzen und/oder durch
eine Herabsetzung der Drehzahl der Einlaufwalzen des Streckwerks erreicht.
[0041] Entsprechend wird bei der Herstellung relativ feiner Garne vorzugsweise ein kleinerer
Gesamtverzug des vorgelegten Fasermaterials in der Abspinnphase durch ein Herabsetzen
der Drehzahl der Auslaufwalzen und/oder durch eine Heraufsetzen der Drehzahl der Einlaufwalzen
des Streckwerks angestrebt.
[0042] Bei der Herstellung eines Garns mit einer vorgegebenen Garnfeinheit mit einem Drehungsbeiwert
α
1 kann das Kopswechselprozess-Programm die Drehung auf einen anderen Drehungsbeiwert
α
2 erhöhen bzw. erniedrigen, bei welchem die Bruchlast des Garns den günstigsten Wert
erreicht.
[0043] Das Kopswechselprozess-Programm kann z. B. während der Erstellung der Hinterwindung
oder der Unterwindung bei der Herstellung von Trikotgarnen dem Faserverband eine Zusatzdrehung
erteilen, und bei der Herstellung von Kreppgarnen die Garndrehung verringern.
[0044] In einer speziellen Ausführungsform der Erfindung soll das Kopswechselprozess-Programm
während der Erstellung der Hinterwindung, der Unterwindung und/oder während des Anfahrens
die Bedingung

einhalten,
mit T = Anzahl Drehungen, m = Längeneinheit, α
m = Drehungsbeiwert, N
m = Garnfeinheit, N = Spindeldrehzahl in Umdrehungen pro Minute, L = Lieferung in Meter
pro Minute, wobei der Verlauf der Lieferung L über der Zeit oder die Drehzahl N vorgegeben
sind und die Drehzahl N beim Hinter- bzw. Unterwindvorgang davon abhängig bzw. die
Lieferung L davon abhängig berechnet wird.
[0045] Bei einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15 kann bei der Erstellung der
Hinterwindung am Ende der Bewicklung einer Garnspule das Kopswechselprozess-Programm
die Maschinensteuerung so betrieben werden, dass in Abweichung von der theoretisch
berechneten Spindeldrehzahl N über die Zeit mit einer verringerten oder erhöhten Drehzahl
N (t) gefahren wird.
[0046] Bei einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15 oder nach den oben genannten
Ausführungen, kann das Kopswechselprozess-Programm, insbesondere bei der Herstellung
von Trikotgarnen, vor oder bei der Erstellung der Hinterwindung und/oder der Unterwindung
dem Faserverband eine Zusatzdrehung erteilen.
[0047] Bei einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15 oder nach den oben genannten
Ausführungen, kann das Kopswechselprozess-Programm, insbesondere bei der Herstellung
von Kreppgarnen oder Core-Garnen, die Garndrehung vor oder bei der Erstellung der
Hinterwindung und/oder der Unterwindung reduzieren.
[0048] Bei einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15 oder nach den oben genannten
Ausführungen, kann bei der Herstellung von Effektgarn oder Spinnzwirn (Siro) das Kopswechselprozess-Programm
vor oder bei der Erstellung der Hinterwindung und/oder der Unterwindung die Drehzahl
des Streckwerks bzw. die Lieferung L derart konstant halten, dass in der Ab- und/oder
Anspinnphase glattes Garn ohne Effekte entsteht.
[0049] Bei einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15 oder nach den oben genannten
Ausführungen, kann das Kopswechselprozess-Programm die Absenkgeschwindigkeit des Ringrahmens
nach Fertigstellung der Garnspule zwischen der Oberwindung und der Unterwindung in
Relation zur Drehzahl der Spindel und/oder der Liefergeschwindigkeit im Streckwerk
so variieren, dass an der Garnspule weniger als eine Umwindung, insbesondere zwischen
0.5 bis 0.75 Hinterwindungen mit Garn, zu liegen kommen.
[0050] Bei einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15 oder nach den oben genannten
Ausführungen, kann das Kopswechselprozess-Programm die Spindel nach dem Anhalten des
Streckwerksantriebs noch für eine kurze Zeitspanne weiterdrehen lassen, oder gleichzeitig
mit dem Streckwerk anhalten.
[0051] Ferner kann bei der Erstellung der Hinterwindung am Ende der Bewicklung einer Garnspule
das Kopswechselprozess-Programm die Maschinensteuerung so betreiben, dass in Abweichung
von der theoretisch berechneten Spindeldrehzahl N über die Zeit mit einer verringerten
respektive erhöhten Spindeldrehzahl N (t) gefahren wird.
[0052] Bei der Herstellung von Effektgarnen, wie Flammen- oder Noppengarnen, soll das Kopswechselprozess-Programm
spätestens vom Zeitpunkt der Erstellung der Hinterwindung die Drehzahl des Streckwerks
bzw. die Lieferung L konstant halten, so dass in der Kopswechselphase, insbesondere
in der Abspinn-, Unterwinde- und Klemmphase, glattes Garn ohne Effekte entsteht.
[0053] Das Kopswechselprozess-Programm kann das Fahrprogramm der einzelnen Antriebe während
der Kopswechselphase, insbesondere während der Ab- und Anspinnphase, nicht nur zur
Veränderung der Garnfeinheit und der Drehzahl beeinflussen, sondern auch andere, z.
T. oben bereits erwähnte Aspekte des Ab- und Anspinnprozesses in das Fahrprogramm
einfliessen lassen. Solche Aspekte können sein: die Aufrechterhaltung des Fadenballons
bzw. einer bestimmten Garnspannung während der Ab- und/oder Anspinnphase, der oder
die Zeitpunkte der Veränderung der Garnfeinheit oder Garndrehung während des Ab- und/oder
Anspinnprozesses (die Garneigenschaften können über die verschiedenen Phasen des Ab-
und/oder Anspinnprozess, wie Oberwindung, Hinterwindung, Unterwindung, auch mehrmals
geändert werden) oder die Steilheit der abgelegten Garnwindungen im Hinterwindebereich.
Sämtliche in der erwähnten Patentpublikation
DE 100 37 513 A1 ausführlich beschriebenen Vorgänge während des Kopswechselprozesses können auch in
das Kopswechselprozess-Programm einfliessen. Der Inhalt der
DE 100 37 513 A1 ist daher diesbezüglich integraler Bestandteil der vorliegenden Patentanmeldung.
[0054] Das erfindungsgemässe Verfahren findet bevorzugt Anwendung in Ringspinnmaschinen.
Das Verfahren kann jedoch auch in Trichter-, Glocken-, oder Schlaufenspinnmaschinen
Einsatz finden. Die Garnablage erfolgt anstelle mit einer bewegten Ringbank mit einer
bewegten Spindelbank. Eine kombinierte Bewegung von Ringbank und Spindelbank ist auch
denkbar. Mit entsprechend zusätzlichen Anpassungen eignet sich das Verfahren auch
für Topfspinnverfahren. Die Spindeln bzw. die Streckwerkswalzen können jeweils einzeln
oder durch einen gemeinsamen Antrieb, gegebenenfalls mit Übersetzungsgetriebe, angetrieben
werden.
[0055] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Zeichnungen im Detail beschrieben. Es
zeigen:
- Fig. 1:
- eine schematische Darstellung der Spinnstelle einer Ringspinnmaschine;
- Fig. 2:
- eine schematische Darstellung des Programmablaufs in der Maschinen- steuerung.
[0056] Für die koordinierte Bewegung des Ringrahmens 5, der Spindel 13 und der Streckwerkswalzen
im Streckwerk 3 sind die betreffenden Antriebe wie Streckwerksantrieb 4, Ringrahmenantrieb
7 und Spindelantrieb 12, wie in Fig. 1 dargestellt, an die Maschinensteuerung 2 angeschlossen.
Das Streckwerk 3 enthält ein Einlaufwalzenpaar 15, ein Mittelwalzenpaar 16 und ein
Auslaufwalzenpaar 17.
[0057] Nach Fertigstellung des Kopses 9 wird, falls vorgesehen, in dessen Oberteil zunächst
die sogenannte Oberwindung und anschliessend, während des Herabfahrens des Ringrahmens
5, die Hinterwindung und zum Abschluss die Unterwindung unterhalb des Kopses 9 auf
der Spindel 13 aufgebracht, worauf das sogenannte Doffen, das Abziehen des Kopses
bzw. einer Vielzahl von Kopse in der Spinnmaschine erfolgt. Anstelle eines klassischen
Unterwindens, bei welchem eine bis mehrere Garnumschlingungen um einen Unterwindebereich
an der Spindel vorgenommen werden, kann auch ein Garnabschnitt um einen Teil des Spindelumfangs
gelegt und in einer Klemmeinrichtung, insbesondere Klemmkrone, geklemmt werden. Diese
Phase angefangen mit dem Hinterwinden ist als kritisch anzusehen, da beim Übergang
vom normalen Spinnbetrieb auf den Stillstand der Maschine vor dem Doffen und dem anschliessenden
Start der Spinnmaschine die meisten Fadenbrüche auftreten bzw. Störungen wie das Ausfädeln
des Garnes 14 aus dem Ringläufer 6 auftreten können, wenn keine optimalen Bedingungen
vorliegen. Beim raschen Absenken der Spindeldrehzahl N während der letzten Phase der
Kopsreise wird der Fadenballon 8, der sich zwischen dem Streckwerksausgang und dem
Ringläufer 6 um den Kops 9 herum ausbildet, die Tendenz haben, unter Verlust der Spannung
zusammenzubrechen, da die Fliehkraft am Garn zurückgeht. Dies muss durch gleichzeitige
Reduktion der Lieferung L vom Streckwerk 3 und durch eine geeignete Bewegung des Ringrahmens
5 nach unten abgefangen werden.
[0058] Fig. 2 zeigt den erfindungsgemässen Programmablauf in der Maschinensteuerung 21.
Ein Bediener wählt über ein Eingabemodul 22, z. B. eine Tastatur mit Bildschirm, aus
einer Mehrzahl in der Maschinensteuerung 21 hinterlegten Spinnprogrammen das gewünschte
Spinnprogramm 23 aus. Alternativ zu dieser Vorgehensweise kann der Bediener die Spinnparameter
eines Spinnprogrammes 23 auch manuell eingeben oder elektronisch einlesen und in der
Maschinensteuerung 21 hinterlegen.
[0059] Die Maschinensteuerung 21 berechnet zu Beginn des Spinnprozesses anhand des gewählten
Spinnprogrammes 23 bzw. der eingegebenen Spinnparameter und der Maschinenkonfigurationsdaten
24 das Fahrprogramm der jeweiligen Antriebe. Erfindungswesentlich ist nun, dass in
der Maschinensteuerung eine Mehrzahl von Kopswechselprozess-Programmen hinterlegt
sind. Je nach dem, welches Spinnprogramm gefahren wird und wie die Maschinenkonfiguration
lautet, wird mittels eines Auswahl- bzw. Selektionsmoduls 25 durch die Maschinensteuerung
21 das geeignete Kopswechselprozess-Programm 26 ausgewählt.
[0060] Zur Einleitung des Abspinnprozesses am Ende des Kopsfüllungsprozess oder (kurz) davor
startet die Maschinensteuerung 21 das ausgewählte Kopswechselprozess-Programm und
arbeitet es ab, bzw. fährt das aus dem Kopswechselprozess-Programm berechnete Fahrprogramm
für die Antriebe. D.h. die Maschinensteuerung arbeitet in dieser Betriebsphase nicht
mehr nach dem Spinnprogramm, sondern nach dem ausgewählten Kopswechselprozess-Programm.
Das besagte Kopswechselprozess-Programm ersetzt also in dieser Phase das eigentliche
Spinnprogramm.
[0061] Es kann vorgesehen sein, dass ein Bediener das Kopswechselprozess-Programm 26 aus
einer Mehrzahl von Kopswechselprozess-Programm manuell auswählt. Es kann auch vorgesehen
sein, dass die Maschinensteuerung dem Bediener eine entsprechende Empfehlung zur Auswahl
abgibt.
[0062] Wird das erfindungsgemässe Verfahren auf einer Trichter-, Glocken-, oder Schlaufenspinnmaschine
angewendet, so tritt anstelle der bewegten Ringbank die bewegte Spindelbank. Zusätzlich
kommt beim Kopswechselprozess-Programm noch die Steuerung der Trichtermotoren hinzu.
Auch bei Ringspinnmaschinen kann zusätzlich oder alternativ zur bewegten Ringbank
die Bewegung der Spindelbank hinzukommen.
[0063] Das erfindungsgemässe Verfahren weist den Vorteil auf, dass das Kopswechselprozess-Programm
bereits in der Maschinensteuerung abgelegt ist. Der Bediener braucht nicht mehr Kopswechselparameter
nach eigener Erfahrung in die Maschinensteuerung einzugeben.
[0064] Der Kopswechselprozess ist vielmehr automatisiert und kann ohne Zutun einer Bedienperson
von der Maschinensteuerung selbst vorgenommen werden. Das erfindungsgemässe Verfahren
stellt dadurch sicher, dass die Maschinensteuerung immer und ohne Eingriff in die
Steuerung durch eine Bedienperson einen optimierten Abspinnprozess ausführt.
[0065] Da im nachfolgenden Umspulprozess die ersten rund zwei Meter Garn grundsätzlich immer
weg geschnitten werden, ist es zweckmässig, zu jedem Spinnprogramm standardmässig
ein Kopswechselprozess-Programm laufen zu lassen, bei welchem die Garneigenschaften
gezielt verändert werden. Das Kopswechselprozess-Programm ist demzufolge primär darauf
ausgerichtet den Spinnprozess in der Kopswechselphase trotz veränderter Betriebsparameter
stabil zu halten, d.h. Fadenbrüche und anderweitige Betriebsstörungen zu vermeiden,
sowie den Garnendabschnitt für den Kopswechselvorgang und den nachfolgenden Anspinnprozess
optimal zu präparieren.
[0066] Dabei spielt es aus oben genannten Gründen keine Rolle, dass die während des Kopswechselprozesses
produzierte Garnlänge nicht den Vorgaben des Spinnprogrammes entspricht, und daher
nicht verwertbar ist. Trotzdem soll diese Garnlänge so gering wie möglich gehalten
werden.
[0067] Grundsätzlich kann wie bereits erwähnt auch der Anspinnprozess als Teil des Kopswechselprozesses,
welcher vor dem eigentlichen Spinnprogramm gefahren wird, in analoger Art und Weise
durch die Maschinensteuerung abgewickelt werden. Dazu können eine Mehrzahl von Anspinnprogramme
auf dem Rechner abgelegt sein. Die Maschinensteuerung wählt mittels Selektionsprogramm
automatisch das optimale Anspinnprogramm aufgrund eines vom Bediener vorgegebenen
Spinnprogramms und der Maschinenkonfiguration aus. Auch hier kann der Bediener als
Alternative das Anspinnprogramm manuell auswählen, gegebenenfalls mit entsprechender
Empfehlung durch die Maschinensteuerung.
[0068] Es versteht sich von selbst, dass die Kopswechselprozess-Programme auch in einer
der Maschinensteuerung übergeordneten Steuerung abgelegt und von dieser aufgerufen
und der Maschinensteuerung zur Ausführung überspielt werden können.
[0069] Ferner ist es auch möglich das die Betriebsparameter des Kopswechselprozess für den
Streckwerksantrieb nicht erst kurz vor Einleitung des Kopswechselprozesses dem Streckwerksantrieb
übermittelt werden, sondern bereits vorgängig in einem Speicher beim Streckwerksantrieb
abgelegt werden und bei oder vor Einleiten des Kopswechselprozesses durch die Maschinensteuerung
entsprechend aufgerufen werden.
1. Verfahren zum Steuern einer Spinnmaschine, insbesondere Ringspinnmaschine, mit einem
Streckwerk (3), einer Spindel (13) zur Aufnahme einer Garnspule (9), einem Ringrahmen
(5) und/oder einer Spindelbank, wobei das Streckwerk (3), die Spindel (13), der Ringrahmen
(5) und/oder die Spindelbank über dazugehörige Antriebe (4, 7, 12) durch eine Maschinensteuerung
(2, 21) koordiniert in Betrieb gehalten werden, und mit einer Festhaltevorrichtung
(10) für das Garn (14),
dadurch gekennzeichnet, dass
in der Maschinensteuerung (2, 21) eine Mehrzahl von Kopswechselprozess-Programmen
abgelegt sind und von der Maschinensteuerung (2, 21) oder von einem Bediener über
eine Eingabeeinheit aus der Mehrzahl von Kopswechselprozess-Programm in Abhängigkeit
von:
- der versponnenen Rohstoffe und/oder
- des gesponnenen Garntyps bzw. Garnart und/oder
- der gesponnenen Garnfeinheit (Ne, Nm, tex) und/oder
- der Garndrehung (α) und/oder
- der Maschinenkonfiguration
ein zutreffendes Kopswechselprozess-Programm (26) auswählt wird, wobei das Kopswechselprozess-Programm
eine gezielte Änderung der Garneigenschaften während des Kopswechselprozesses gegenüber
dem gemäss Spinnprogramm (23) erzeugten Garn ausführt, um eine für den Abspinnprozess,
den Spulenwechselvorgang und/oder den nachfolgenden Anspinnprozess optimal angepasste
Garneigenschaften zu erreichen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Maschinensteuerung (2, 21) aus einer Mehrzahl
von in der Maschinensteuerung (2, 21) gespeicherten Kopswechselprozess-Programmen
in Abhängigkeit von:
- der versponnenen Rohstoffe und/oder
- des gesponnenen Garntyps bzw. Garnart und/oder
- der gesponnenen Garnfeinheit (Ne, Nm, tex) und/oder
- der Garndrehung (α) und/oder
- der Maschinenkonfiguration
über eine, vorzugsweise in der Maschinensteuerung abgelegte, Selektionsroutine das
zutreffende Kopswechselprozess-Programm (26) automatisch auswählt und zum gegebenen
Zeitpunkt automatisch aufruft.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei die Maschinensteuerung (2, 21)
aus einer Mehrzahl von in der Maschinensteuerung (2, 21) gespeicherten Kopswechselprozess-Programmen
in Abhängigkeit vom aktuellen Spinnprogramm (23) und der Maschinenkonfiguration (24)
über eine Selektionsroutine (25) oder ein Bediener mittels Eingabegerät (22) das zutreffende
Kopswechselprozess-Programm (26) auswählt, wobei das Spinnprogramm (23) die Garnfeinheit
(Ne), den Garntyp und/oder die Garndrehung (α) festlegt, und die Maschinensteuerung
(2, 21) zum gegebenen Zeitpunkt das ausgewählte Kopswechselprozess-Programm (26) automatisch
einleitet.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei das Kopswechselprozess-Programm
(26) eine Veränderung der Garnfeinheit durch Änderung des Gesamtverzuges vorsieht.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei das Kopswechselprozess-Programm
(26) eine Veränderung der Garndrehung durch Änderung der Garnlieferung und/oder durch
eine Änderung der Spindeldrehzahl vorsieht.
6. Verfahren nach Anspruch 5, wobei die Drehung des Garns bzw. der Drehungsbeiwert (α)
und/oder die Garnfeinheit von einem bestimmten Zeitpunkt an durch das Kopswechselprozess-Programm
(26) so verändert wird, dass sich möglichst optimale Garneigenschaften für das im
Bereich der Festhaltevorrichtung abgelegte Garn ergeben.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei das Kopswechselprozess-Programm
(26) vor dem Beginn des Abspinnprozesses durch Parametrisierung der Umrichter der
Antriebe, insbesondere der Streckwerksantriebe, aufgerufen wird.
8. Verfahren nach Anspruch 4, wobei bei der Herstellung relativ grober und reissfester
Garne das Kopswechselprozess-Programm (26) das Streckwerk (3) durch Veränderung, insbesondere
durch eine Erhöhung, des Gesamtverzuges und/oder durch Drehungsreduktion dahingehend
beeinflusst, dass in der Abspinnphase ein feineres bzw. reissfähiges Garn produziert
wird.
9. Verfahren nach Anspruch 4, wobei bei der Herstellung relativ feiner Garne das Kopswechselprozess-Programm
(26) das Streckwerk (3) durch Veränderung, insbesondere durch eine Herabsetzung, des
Gesamtverzuges und/oder durch Anpassung der Drehung dahingehend beeinflusst, dass
in der Abspinnphase ein gröberes Garn produziert wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, wobei das Kopswechselprozess-Programm
(26) zwecks Änderung des Verzuges in der Abspinnphase eine Änderung der Drehzahl des
Einlauf- (15), und/oder Auslaufwalzenpaares (17) vornimmt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, wobei das Kopswechselprozess-Programm
(26) zwecks Änderung der Lieferung in der Abspinnphase eine Änderung der Drehzahl
des Einlauf- (15), Mittel- (16) und/oder Auslaufwalzenpaares (17) vornimmt.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, wobei die Festhaltevorrichtung für das
Garn in einer Position unterhalb der Garnspule (9) an der Spindel (13) angeordnet
ist, und während des Abspinnprozesses die Ringbank von ihrem obersten Bewicklungspunkt
unter Erstellung einer Hinterwindung nach unten auf die Höhe der Festhaltevorrichtung
gefahren wird, und an der Festhaltevorrichtung eine Unterwindung aufgebracht und/oder
ein Garnabschnitt geklemmt wird, und der Ringrahmen (5) anschliessend wieder in eine
Stellung oberhalb der Klemmvorrichtung (10) angehoben wird, worauf dann zuerst das
Streckwerk (3) bzw. der Streckwerksantrieb (4) und dann der Spindelantrieb (12) oder
beide gleichzeitig zum Stillstand kommen.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, wobei bei der Herstellung eines Garns
(14) mit einer vorgegebenen Garnfeinheit mit einem Drehungsbeiwert α1 das Kopswechselprozess-Programm (26) die Drehung auf einen anderen Drehungsbeiwert
α2 erhöht bzw. erniedrigt, bei welchem die Bruchlast des Garns (14) den günstigsten
Wert erreicht.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, wobei das Kopswechselprozess-Programm
(26) den Verzug des Streckwerks (3) während der Erstellung der Hinterwindung so verändert,
dass ein Garn einer veränderten Feinheit entsteht, sodass sich weniger Störungen vor,
während und nach dem Unterwinden, dem Klemmen und/oder während dem Abziehen der Garnspule
(9) von der Spindel und dem damit verbundenen Abreissen des Garns (14), ergeben.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 14, wobei das Kopswechselprozess-Programm
(26) vor oder spätestens bei der Erstellung der Hinterwindung und/oder der Unterwindung
die Bedingung

einhält, mit T = Anzahl Drehungen, m = Längeneinheit, α
m = Drehungsbeiwert, N
m = Garnfeinheit, N = Spindeldrehzahl in Umdrehungen pro Minute, L = Lieferung in Meter
pro Minute, wobei der Verlauf der Lieferung L über die Zeit oder die Drehzahl N vorgegeben
sind und die Drehzahl N beim Hinter- bzw. Unterwindevorgang davon abhängig bzw. die
Lieferung L davon abhängig berechnet wird.