[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Wiederverwertung von
Polyestermaterial, das vorzugsweise zum Herstellen von Polyesterformkörpern für Lebensmittelverpackungen
verwendet wird.
Stand der Technik
[0002] Die Wiederverwertung von Polyestermaterial, beispielsweise zerkleinerten gebrauchten
Getränkeflaschen, ist bekannt.
[0003] So beschreibt die
DE 195 03 055 das Aufschmelzen von zerkleinerten Polyesterabfällen unter Zusatz von wässrigen Lösungen
oder Suspensionen von Phosphor-, Kobalt- und/oder manganhaltigen Polyester-Stabilisatoren,
um eine Vergilbung bei der Herstellung neuer Flaschen zu verhindern. Dieses Verfahren
erlaubt eine für die spätere Wiederverwendung zwingend erforderliche Beeinflussung
des Polymerisationsgrades nur durch weitere, aufwendige Verfahrensschritte.
[0004] Die
US 5,503,790 offenbart ein einfaches Verfahren, in dem Altpolyester-Schnitzel und Frischpolyester
in einem Extruder gemeinsam aufgeschmolzen und zu Einweg-Artikeln geformt werden.
Dieses Verfahren ist zur Herstellung hochwertiger Artikel wie beispielsweise Getränkeflaschen
nicht geeignet, da Verunreinigungen nicht ausreichend entfernt werden und die Viskosität
des Produktes zu niedrig ist.
[0005] Die
DE 196 43 479 beschreibt die vollständige Spaltung von zerkleinerten Polyethylenterephthalat-Flaschen
mittels Ethylenglykol, im Folgenden "Glykolyse" genannt, in Anwesenheit eines Katalysators.
Das entstehende monomere BHET muß vor seiner weiteren Verwendung zur erneuten Polykondensation
aufwendig durch Kristallisation gereinigt werden. Dieses Verfahren erfordert viele
aufwendige Verfahrensschritte und Vorrichtungen zusätzlich zur üblichen Polyesteranlage.
[0006] Die
US 4,138,374 beschreibt ein Verfahren zur Wiederverwertung von Altpolyester, der direkt bei der
Produktion von Polyester-Formkörpern sortenrein anfällt. Dieser Altpolyester enthält
daher nicht die für einen bereits gebrauchten Formkörper üblichen Verunreinigungen
durch Lebensmittelreste, Etiketten, nicht bestimmungsgemäße Inhaltsstoffe wie Altöl,
Farbreste und ähnliches. Gemäß dem Verfahren der
US 4,138,374 kann daher der Altpolyester direkt in den letzten Abschnitt des letzten Polykondensationsreaktor
("Finisher") gegeben und dort mit dem Frischpolyester vermischt werden. In diesem
Verfahren wird ausdrücklich auf eine Glykolyse des Altpolyesters verzichtet, um die
Bildung von Etherverbindungen wie Diethylenglykol zu vermeiden. Auch andere Anpassungen
an die Viskosität des Altpolyesters sind nicht notwendig, da die Produktionsabfälle
üblicherweise stets gleich bleibende Qualität aufweisen. Für das Recycling von gebrauchten
Getränkeflaschen und anderen Altpolyester-Sorten mit undefinierbaren Verunreinigungen
eignet sich das Verfahren der
US 4,138,374 daher nicht.
[0007] Zur Wiederverwertung von Polyester mit Nahrungsmittelqualität schlägt die
EP 1084171 vor, zerkleinerten Altpolyester in einem Extruder aufzuschmelzen und entweder diese
Schmelze mit Schmelze aus Frischpolyester zu mischen und diese Mischung zu granulieren
oder beide Polyestersorten zunächst getrennt zu granulieren und anschließend die beiden
Granulatsorten zu mischen. Das jeweils erhaltene Granulat soll dann in einem Festphasenpolykondensationsschritt
("Solid State Polykondensation", SSP) bis zum gewünschten höheren Polymerisationsgrad
polykondensiert werden. Um ein Verkleben des Granulats in der SSP zu vermeiden, ist
zwischen Granulator und SSP eine Kristallisationsstufe notwendig, die nach dem Stand
der Technik üblicherweise eine Aufheizung des Granulates auf die Kristallisationstemperatur,
gegebenenfalls eine anschließende Abkühlung sowie eine weitere Aufheizung auf die
SSP-Temperatur erfordert.
[0008] Das in
EP 1084171 beschriebene Verfahren erfordert zur Entfernung von Verunreinigungen aus dem zerkleinerten
Altpolyester außerdem eine vorhergehende aufwendige Waschstufe.
[0009] Die Ausdrücke "Granulat" und "Chip" sollen im Folgenden die gleiche Bedeutung haben
und werden daher synonym verwendet.
[0010] Auch die
WO 2004/106025 beschreibt ein Verfahren zur Aufarbeitung von PET-Abfällen, insbesondere zerkleinerten
PET-Flaschen. Diese werden sorgfältig gewaschen, in einem Extruder aufgeschmolzen
und dabei durch Anlegen von Vakuum entgast, anschließend granuliert, mittels Heißluft
innerhalb mehrerer Stunden kristallisiert und anschließend unter Vakuum in der festen
Phase nachkondensiert. Die Verunreinigungen werden durch das mehrfache Anlegen von
Vakuum entfernt. Optional kann die I.V. durch Zugabe von Ethylenglykol in den Entgasungsextruder
beeinflusst werden, wobei die Ethylenglykolmenge aufgrund einer Viskositätsmessung
am Ausgang des Extruders geregelt wird. Die
WO 2004/106025 offenbart weiterhin die Möglichkeit, vor oder während des Extrusionsschrittes oder
am Ende des Recyclingprozesses PET-Neumaterial zuzumischen. Das in
WO 2004/106025 beschriebene Verfahren ist sowohl apparativ als auch energetisch sehr aufwendig,
da Entgasungsextruder teuer und schwer zu beherrschen sind, die stundenlange Kristallisation
mittels Heißluft große Apparate und viel Heizenergie benötigt und das mehrfache Anlegen
von Vakuum (in Extruder und FestphasenNachkondensation) viel Energie bei der Vakuumerzeugung
und lange Verweilzeiten zum Wegdiffundieren der Verunreinigungen erfordert.
[0011] Eine Festphasenpolykondensation (SSP) führt zu einer Erhöhung der I.V. im allgemeinen
um 0.05 - 0,4 dl/g und zu einer Absenkung des Acetaldehydgehaltes von etwa 25 - 100
ppm auf Werte < 1 ppm im PET (Polyethylenterephthalat). Dabei wird die mittlere Viskosität
so weit angehoben, dass die für das entsprechende Verwendungsgebiet notwendigen Festigkeiten
erreicht werden, der Acetaldehydgehalt bei Lebensmittelverpackungen entsprechend den
Anforderungen abgesenkt und der austretende Oligomerenanteil auf ein Mindestmaß reduziert
wird. Dabei ist es wichtig, dass außerdem der als Vinylester gebundene Acetaldehyd,
auch als Depot-Acetaldehyd bezeichnet, soweit abgebaut wird, dass bei der Verarbeitung
des Polyestergranulats zu Verpackungen, insbesondere zu Polyesterflaschen nach dem
Streckblas- und Spritzstreckblasverfahren, im Polyester nur eine minimale Acetaldehydmenge
nachgebildet wird. Speziell für die Abfüllung von Mineralwasser in Polyesterflaschen
sollten in der Flaschenwand aus Polyethylenterephthalat weniger als 2 ppm Acetaldehyd,
bevorzugt sogar weniger als 1 ppm Acetaldehyd enthalten sein.
[0012] In der SSP wird eine Kettenvertängerung der Polyester in fester Phase, um die in
einer Schmelze stärker auftretenden Nebenreaktionen möglichst gering zu halten, und
eine Entfernung der schädlichen Nebenprodukte erreicht. Mit dieser Kettenverlängerung,
die sich in einer Erhöhung der I.V. ausdrückt, können Produkte wie Flaschen oder Reifencord,
die eine höhere Festigkeit und Formstabilität erfordern, hergestellt werden. Da Polyester
jedoch teilkristalline Thermoplaste sind, weisen sie je nach Art einen mehr oder weniger
großen amorphen Anteil auf. Diese Tatsache bereitet bei der Durchführung der SSP Schwierigkeiten,
da die amorphen Anteile bei den für die SSP notwendigen Temperaturen zu Verklebungen
führen, die bis zum Stillstand der Produktionsanlage führen können.
[0013] Daher ist es außerdem bekannt, als Vorstufe zur SSP eine Kristallisation der teilkristallinen
Chips aus der Schmelzepolykondensation zur Vermeidung der Klebeneigung unter Stickstoff-
oder Luftatmosphäre, bei Temperaturen zwischen 160-210 °C durchzuführen, wie in den
US-Patenten 4,064,112,
4,161,578 und
4,370,302 beschrieben.
[0014] In der
WO 94/17122 wird eine 2-stufige Kristallisation mit Vorheizung und Zwischenkühlung vor der SSP
zur Vermeidung von Verklebungen offenbart. Die beschriebene SSP-Temperatur liegt bei
Temperaturen zwischen 205 und 230 °C.
[0015] Zur Verbesserung der Qualität der Chips kann, wie in
JP 09249744 oder
US 5,663,290 beschrieben, mit feuchtem Inertgas vor oder während der SSP gearbeitet werden oder,
wie in dem
US-Patent 5,573,820 offenbart, können die Chips vorher mit heißem Wasser oder direkt mit Wasserdampf
intensiv bei Temperaturen bis zu 200°C vor der Kristallisation behandelt werden. In
diesem Fall ist aber bereits bei den üblichen Temperaturen von > 190 °C mit einem
starken unerwünschten Abfall der I.V. durch Hydrolyse im PET zu rechnen.
[0016] Ein weiteres Verfahren ist die Behandlung der zu kristallisierenden Chips mit gereinigtem
ungetrocknetem Stickstoff aus der SSP im Gegenstrom in einer 2. Kristallisationsstufe,
wie in
EP 222 714 dargelegt. Der dort beschriebene Effekt zur Reduzierung des Acetaldehydgehaltes wird
eher als geringfügig bewertet.
[0017] Neben der SSP sind Verfahren zur Dealdehydisierung von Polyethylenterephthalat durch
Behandlung mit Stickstoff oder mit trockener Luft, wie im
US-Patent 4,230,819 beschrieben, bekannt. Um den geforderten niedrigen Acetaldehydgehalt im Material
zu erhalten, werden Temperaturen bis etwa 230°C verwendet, während bei niedrigeren
Temperaturen zwischen 170 und 200°C unbefriedigend hohe Acetaldehydgehalte im Granulat
verbleiben. Bei Verwendung von Luft ist bei derart hohen Temperaturen mit einem starken
thermooxidativen Abbau des Polyesters zu rechnen. Beim Einsatz von Stickstoff erhöhen
sich die Kosten für das Gas und die aufwendige Reinigung.
[0018] Verarbeiter dieses Granulates sind vor allem Hersteller von Hohlkörpern. Häufig werden
in nach dem Spritzgussverfahren arbeitenden Preformmaschinen Vorformlinge, so genannte
Preforms, hergestellt, aus denen wiederum in einem weiteren Schritt Polyesterflaschen
in einem Blasformverfahren produziert werden. Auch andere Formgebungen für Polyestergranulat,
beispielsweise in Maschinen zur Film- und Folienherstellung sind möglich.
[0019] Inzwischen wurden auch Verfahren zur direkten Herstellung eines Formkörpers aus Polyesterschmelze
mit der gewünschten hohen Viskosität unter Vermeidung einer SSP oder Dealdehydisierung
entwickelt. So wird beispielsweise in der
DE 195 03 053 ein Verfahren beschrieben, in dem die aus dem Polykondensationsreaktor austretende
Schmelze in einer mit statischen Mischelementen versehenen Strecke mit einem Inertgas
und einer AA-reduzierenden schwerflüchtigen Amidverbindung versetzt wird und unter
Vakuumentgasung in kürzestmöglicher Zeit und unter geringstmöglicher Scherung der
Schmelze einer Formgebungsvorrichtung zur Herstellung von Preforms zugeführt wird.
[0020] In der
DE 195 05 680 wird der Polykondensationsschmelze mit einer IV = 0,5-0,75 dl/g ein Inertgas zugesetzt,
die Schmelze in einem Nachkondensationsreaktor unter Vakuum bis zu einer Viskosität
von 0,75-0,95 dl/g polykondensiert und die Schmelze danach sofort in ein Spritzgusswerkzeug
geleitet.
[0021] Die
EP 0 842 210 nennt eine andere Möglichkeit zur Vermeidung der SSP. Dort wird die Schmelzepolykondensation
bis zu einer Viskosität von 0,65-0,85 dl/g durchgeführt, der Polyester gekühlt und
granuliert, wieder aufgeschmolzen und danach unter Bildung einer großen Oberfläche
in einer geeigneten Vorrichtung durch Spülen mit einem geeigneten Spülmittel von flüchtigen
Substanzen wie AA befreit.
[0022] Wird die Polyesterschmelze nicht direkt von einer Formgebungseinheit abgenommen,
so wird sie im Allgemeinen granuliert, um ein lager- und transportfähiges Zwischenprodukt
zu erhalten.
[0023] Für die Granulierung von Kunststoffen ist unter anderem das Verfahren der Stranggranulation
in den Markt eingeführt. Dieses Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass in kontinuierlicher
Betriebsweise relativ lange Kunststoffstränge durch eine Lochplatte gepresst und anschließend
frei hängend nach einer kurzen Transportstrecke durch Luft durch ein Wasserbad hindurchgeleitet
werden. Wegen der geringen Oberfläche eines Kunststoffstranges im Vergleich zum Granulat
kann hierbei eine Wasseraufnahme in engen Grenzen gehalten werden. Die abgekühlten
Stränge werden getrocknet und einem Granulator zugeführt. Bei diesem Verfahren erfolgt
die Granulierung im festen Zustand. Im Anschluss daran findet üblicherweise eine nochmalige
Trocknung statt, beschrieben beispielsweise in
DE 43 14 162 oder im Kunststoffhandbuch. Bei Nutzung dieses Granulierverfahrens ist die Möglichkeit
einer starken punktuellen Temperaturerhöhung im Strang und somit erhöhter Abbauerscheinungen
im Polymer und ungleichmäßigen Kristallisationsgrade von Chip zu Chip sehr groß. Bei
dieser Technologie findet die Abkühlung im Chip von außen nach innen statt.
[0024] Eine weitere Möglichkeit der Granulierung von Polymerschmelze nach der Polykondensation
ist heute vor allem die Unterwassergranulation, bei der die Schmelze direkt nach Austritt
aus Düsen / Lochplatten des Granulators in einer anschließenden Wasserkammer mit Schneidmessern
abgetrennt wird. Die abgetrennten Granulate sind noch plastisch und verformen sich
durch die Oberflächenspannung beim Abschrecken im kalten Wasser, wobei die Abkühlung
ebenfalls von außen nach innen stattfindet und nehmen eine annähernd runde bis linsenförmige
Kontur an. Die abgekühlten Granulate werden mit dem Wasserstrom in einem Wasserabscheider
von diesem getrennt und getrocknet und dann in Big Bags verpackt oder in Silos zur
Weiterverarbeitung gefördert (
DE 35 41 500,
DE 199 14 116,
EP 0 432 427,
DE 37 02 841). Die auf diese Weise hergestellten Chips weisen einen gleichmäßigen Kristallisationsgrad
unter 10 % auf.
[0025] In
US 4,436,782 wird wiederum ein Verfahren zur Granulierung und Weiterbehandlung von PET zu Pellets
beschrieben, in dem bei Temperaturen zwischen 260 °C und 280 °C ein Oligomerengemisch
der Viskosität von 0,08 - 0,15 durch Düsen gepresst wird, so dass Tropfen entstehen,
die durch einen Kühlbereich mit Inertgasatmosphäre in ein Wasserbad oder auf ein Transportband
fallen und die Tropfen zu amorphen Pellets erstarren. Auch in diesem Verfahren entstehen
Pellets mit einem hohen Anteil amorpher Strukturen.
[0026] Bei allen beschriebenen Verfahren werden Granulate mit niedrigem Kristallisationsgrad,
üblicherweise unterhalb 12 %, erhalten. Um die Kristallinität der polymeren Granulate
zum Beispiel als Vorstufe zur SSP zu erhöhen, sind bekanntermaßen kostenintensive
Reaktionsstufen notwendig. Hohe Betriebskosten entstehen unter anderem dadurch, daß
die mit Umgebungstemperatur ankommenden Granulate zuerst auf die Kristallisationstemperatur
aufgeheizt werden müssen.
[0027] In
WO 01/81450 werden ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Vertropfung von Vorprodukten thermoplastischer
Polyester und Copolyester beschrieben, die den Nachteil der oben beschriebenen Granulierverfahren
die Kristallinität betreffend überwinden, eine Verfahrensverkürzung herkömmlicher
Granulierverfahren beschreiben und auf bisher bekannten Verfahrensschritten und Vorrichtungen
aufbauen, um oberflächenkristallisierte, vertropfte Vorprodukte in Form von Monomeren,
Oligomeren, Monomer-Glykolgemischen oder von teilweise polykondensierten Materialien
herzustellen. Dazu wird das Produkt in ein gasförmiges Medium eingebracht, wobei das
gasförmige Medium nach dem Eintritt des vertropften Vorproduktes in das gasförmige
Medium den Kristallisationsvorgang des Vorproduktes beschleunigt und den Kristallisationszustand
beschleunigt herbeiführt, indem es das vertropfte Vorprodukt auf einer Temperatur
> 100 °C und unter seinem Schmelzpunkt für einen begrenzten Zeitraum hält, bis eine
ausreichende Kristallisation in der Oberfläche des Tropfens abgeschlossen ist. Auch
hier liegt also eine stärker kristallisierte Außenschicht vor. Damit wird eine nicht
klebende Oberfläche erhalten, die eine unmittelbare Weiterbehandlung zu hochpolymerem
Polykondensat verspricht. Ein derart hergestelltes Material hält allerdings den notwendigen
mechanischen Belastungen nur bedingt stand. Die Sprödigkeit gegenüber einem amorphen
Chips nimmt zu. Ein weiterer Nachteil.dieser Kristallinitätserzeugung im niedrigmolekularen
Bereich ist ein nach der abgeschlossenen SSP vollkommen durchkristallisierter Chip
mit starr ausgerichteten Kristallstrukturen, zu deren Zerstörung während des Aufschmelzvorganges
bei der Herstellung beispielsweise von Preforms im Spritzgießverfahren ungleich höhere
Energie aufgewendet werden muss. Durch die notwendige hohe Aufschmelztemperatur von
mindestens etwa 300 °C steigt die Acetaldehydreformation in den Preforms stark an
und die Qualität verschlechtert sich, vor allem auch durch verstärkte Abbaureaktionen.
Außerdem besteht die Gefahr, dass der Ablauf der SSP durch die Unbeweglichkeit der
Kettenenden beim Ansteigen der Viskosität behindert oder sogar gestoppt wird.
[0028] Ein weiteres Granulierverfahren zur Herstellung von kristallisierten Chips während
des Granulationsprozesses wird in
WO 01/05566 beschrieben. Schmelzeflüssige, aus Düsen austretende Kunststoffstränge werden unmittelbar
in einem temperierten flüssigen Medium auf einer Kristallisationsstrecke teilkristallisiert,
wobei in diesem flüssigen Medium Temperaturen über der Glasübergangstemperatur der
Kunststoffstränge gehalten werden. Im Anschluss an die Kristallisationsstrecke folgt
die Granuliervorrichtung. Durch die Kristallisation im Mantel des Kunststoffes ist
eine ausreichende Festigkeit vorhanden, um anschließend nach kurzer Temperierungsstrecke
in der Granulieranlage ohne vorherige Trocknung die Kunststoffstränge zu Pellets zu
zerteilen. Auch hier liegt also eine stärker kristallisierte Außenschicht vor. Nachteilig
ist, dass nach der Granulierung der Kunststoffe ein Gemisch aus Granulat und flüssigem
Medium vorliegt, und somit eine Trocknung der Granulate mit bekannten Mitteln vorgenommen
werden muss.
[0029] In der deutschen Patentanmeldung
DE 103 49 016 A1 sowie in der
WO 2005/044901 A1 wird beschrieben, dass direkt nach einer Unterwassergranulation die gerade hergestellten
Pellets sehr schnell vom Wasser befreit werden und unter Nutzung der Eigenwärme trocknen
und kristallisieren. Um ein Verkleben der Chips zu vermeiden, werden die Pellets unmittelbar
nach dem Abschleudern des Wassers über einen Vibrations- oder Schwingförderer nach
einer ausreichenden Verweildauer zu einer nachgeschalteten Abfüllanlage oder einer
Weiterverarbeitungsanlage gefördert. Mit dieser Technologie erfolgt der Kristallisationsvorgang
von innen nach außen im Pellet unter Ausnutzung der Eigenwärme, womit eine gleichmäßigere
Kristallisation über den Durchmesser des Granulates erreicht wird.
[0030] Die mittels diesem Verfahren hergestellten Chips können beispielsweise gemäß der
DE 102004015515 A1 in einer herkömmlichen Anlage zur Festphasendealdehydisierung weiterbehandelt werden,
um den Acetaldehydgehalt auf einen gewünschten Wert zu verringern. Die nach der Kristallisation
noch 140°C warmen Chips müssen dabei zur Festphasendealdehydisierung auf über 210°C
aufgeheizt werden. Auf diese Weise lässt sich der Acetaldehydgehalt im Chip beispielsweise
von 43 ppm auf 0,9 ppm verringern.
[0031] Die
DE 19811280 beschreibt ein Rezyklierungsverfahren für aufgeschmolzene Polymerabfälle, bei dem
Additive zum Einsatz kommen. Die
DE 1911692 beschreibt ein Rezyklierungsverfahren von PET unter Einsatz eines Schneckenextruders
sowie einer Depolymerisation, wobei die erhaltenen Spaltprodukte dann mit einem Prepolymer
vermischt und kondensiert werden. Die
US 4,230,819 beschreibt die Dealdehydisierung von Polymeren mit Hilfe von trockenem Inertgas.
Die
WO 04/106025 beschreibt ein Rezyklierungsverfahren für Polyester. Die
WO 98/44029 beschreibt ein Verfahren zur Dekondimination von verunreinigten Polymeren bei mindestens
150 °C.
Nachteil bekannter Verfahren
[0032] Zusammenfassend bestehen die oben genannten Nachteile der bekannten Verfahren, die
einen Anteil an Altpolyester einsetzen, darin, dass sie entweder einfach sind, aber
die für Lebensmittelverpackungen geforderte Produktqualität nicht erreichen oder aufwendige
Verfahrensschritte, insbesondere zur Erreichung der notwendigen I.V. und Entfernung
von Verunreinigungen erfordern.
[0033] So sind für die bekannten Verfahren zur Festphasendealdehydisierung zum einen mehrere
Behandlungsapparate erforderlich, nämlich mindestens ein Granulator, ein Kristallisator,
der gegebenenfalls zweistufig ausgeführt sein kann, sowie ein Reaktor, in dem die
Festphasendealdehydisierung ausgeführt wird. Zusätzlich werden Einrichtungen zum Weitertransport
der Chips zwischen den einzelnen Stufen sowie Temperierungseinrichtungen zur Einstellung
der für den jeweiligen Verfahrensschritt erforderlichen Temperaturen in den Chips
benötigt. Das mehrfache Abkühlen und Aufheizen bedingt außerdem einen hohen Energieverbrauch
der Anlage.
[0034] Ein weiterer, erheblicher Nachteil der herkömmlichen Verfahren besteht darin, dass
als Behandlungsgas teurer, gegebenenfalls gereinigter, Stickstoff erforderlich ist.
Dies ist erforderlich, weil zum Aufheizen der Chips das Behandlungsgas mit einer Temperatur,
die höher als die eigentlich notwendige Granulat-Temperatur bei der Dealdehydisierung
ist, zugeführt wird, um einen Wärmeübergang vom Gas auf die Chips zu erreichen. Würde
in diesem Fall Luft als Behandlungsgas eingesetzt, würden durch die hohen Temperaturen
oxidative Schädigungen auftreten und ein zu hoher Acetaldehydgehalt oder eine zu hohe
Acetaldehydreformation (d. h. Nachbildung von Acetaldehyd) wären die Folge.
Zu lösende Aufgabe:
[0035] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung
eines Formkörpers aus einer Mischung von Altpolyester und Frischpolyester zur Verfügung
zu stellen, das apparativ vereinfacht sowie mit geringen Betriebskosten zu betreiben
ist und mit dem gleichzeitig die besonders hohen Qualitätsansprüche an den Polyester
für Verpackungen bezüglich Viskosität, Farbe, Acetaldehydgehalt , Acetaldehydreformation,
Aufschmelzverhalten sowie spezieller Anforderungen an Lebensmittelverpackungen, beibehalten
oder sogar verbessert werden. Die genannten Nachteile des Standes der Technik sollen
damit vermieden werden.
[0036] Diese Aufgabe wird durch die Ansprüche 1 bis 14 gelöst.
[0037] Die Lösung der Aufgabe ist ein Verfahren zur Herstellung eines Formkörpers aus einer
Mischung von Altpolyester und Frischpolyester, mit folgenden Schritten:
- a) Aufschmelzen des gewaschenen Altpolyesters in einer Aufschmelzvorrichtung,
- b) Zugabe von Diol zur Schmelze des Altpolyesters in oder nach der Aufschmelzvorrichtung,
- c) Vermischen der Schmelze des Altpolyesters mit einer Schmelze von Frischpolyester
aus einem Schmelzereaktor,
- d) Polykondensation der Schmelzemischung in einem Hochviskos-Schmelzereaktor unter
reduziertem Druck,
- e) Granulierung der Polyesterschmelze in einem Unterwassergranulator bei einer Wassertemperatur
zwischen 90 und 99°C,
- f) Abtrennen des Wassers vom Granulat unter möglichst geringer Abkühlung des Granulates,
- g) Überführen des so erhaltenen wasserarmen Granulates nach der Wasserabtrennung direkt
oder mittels eines Dosierorgans, besonders bevorzugt mittels einer Zellenradschleuse,
in einen Dealdehydisierungsbehälter,
- h) Behandeln des Granulates im Dealdehydisierungsbehälter mittels eines Spülluftstroms,
wobei die Eintrittstemperatur des Spülluftstroms zwischen 180°C und 200°C liegt und
die Verweilzeit 3 bis 20 Stunden beträgt.
[0038] Ein Altpolyestermaterial, beispielsweise aus gebrauchten Getränkeflaschen, mit einer
IV von 0,5 bis 0,9 dl/g wird auf bekannte Weise zerkleinert und gewaschen. Dieser
ungetrocknete oder auch auf bekannte Weise getrocknete Altpolyester wird mit einer
gravimetrischen oder volumetrischen Dosierung einer Aufschmelzeinheit, z.B. einem
Doppelschneckenextruder zudosiert. Der Doppelschneckenextruder enthält eine oder mehrere
Vakuumzonen zur Entgasung. Das Vakuum wird mit Vakuumpumpen erzeugt und mit Hilfe
der Ansteuerung des Motors bzw. mit Hilfe von Regelventilen geregelt. Vor den Vakuumpumpen
befindet sich ein Kondensator/Abscheider zum Kondensieren niedermolekularer Bestandteile
wie z.B. Abbauprodukte von PET und Wasser.
[0039] Der Doppelschneckenextruder kann auch ohne Vakuumzonen eingesetzt werden. Statt einer
Doppelschnecke kann auch ein Compounder, ein Planetenwalzenextruder oder ein Einschneckenextruder
mit oder ohne nachgeschaltete Zahnradpumpe mit oder ohne entsprechende Zonen zur Vakuumentgasung
verwendet werden.
[0040] Hinter der Entgasungszone ist in der Aufschmelzeinheit eine Dosierstelle zum Einspeisen
von Diol, beispielsweise Ethylenglykol angeordnet. Das Diol wird mit Hilfe einer Pumpe
zudosiert. Diese Pumpe kann beispielsweise eine Zahnradpumpe, Kolbenpumpe, Kolbenmembranpumpe,
Kreiselpumpe mit Regelventil oder eine Doppelzahnradpumpe sein. Alternativ ist auch
der Einsatz von Wasser möglich, so dass der Altpolyester einer Hydrolyse unterworfen
wird. Besonders bevorzugt ist der Einsatz eines Gemisches aus Diol, bevorzugt Ethylenglyzol
und Wasser (10 : 90 bis 90 : 10), so dass der Altpolyester einer Glykolyse/ Hydrolyse
unterworfen wird. Dies erfordert ggf. eine Vortrocknung des Altpolyesters auf Feuchtewerte
von 2.000 ppm Wasser oder weniger. Der Vorteil des Einsatzes einer Diol/ Wasser-Mischung
ist eine stärker mögliche Kontrolle/ Steuerung der Depolymerisierung (Glykolyse/ Hydrolyse),
so dass mehr störende Stoffe entfernt werden können.
[0041] Mit Hilfe des Diols wird der Altpolyester einer partiellen Glykolyse unterzogen,
die die Viskosität des Produkts auf den gewünschten I.V.-Wert verringert. Mittels
der partiellen Glykolyse werden die hochmolekularen Polyesterketten gespalten und
gleichzeitig der Altpolyester einem Reinigungsprozess unterzogen. Unerwünschte Abbauprodukte
und aus dem Altpolyester stammende Verunreinigungen können auf diese Weise den Prozess
schnell verlassen und somit die Qualität des Polyesters mit Altpolyesterzusatz erheblich
verbessern. Diese Verbesserung ist vor allem am Farbewert b erkennbar.
[0042] Optional könnte auch ohne Zuführung von Ethylenglykol gearbeitet werden, falls der
Altpolyester bereits geeignete Eigenschaften aufweist.
[0043] Hinter dem Doppelschneckenextruder sind bevorzugt Filter angeordnet. Die Filter können
sich zusammensetzen aus einem feinmaschigem Schmelzefilter oder einer Kombination
aus einem grobmaschigem Schmelzevorfilter und einem sich anschließenden feinmaschigem
Schmelzefilter. Vor den Schmelzefiltern oder vor dem zweiten Schmelzefilter oder vor
dem ersten Schmelzefilter befindet sich eine Zahnradpumpe zum Fördern der Schmelze
durch die Filtrationseinrichtung und zum Einspeisen in den PET-Schmelzestrom. Als
Schmelzefilter können sämtliche am Markt verfügbaren Filter für heiße Schmelze verwendet
werden, die für die entsprechenden Temperatur- und Druckbereiche und Feinheiten üblich
sind.
[0044] Eine Frischpolyesterschmelze wird auf herkömmliche Weise in einer mehrstufigen Polykondensationsanlage
mit einer I.V. von 0,2-0,85 dl/g hergestellt. Der aus dem letzten Frischpolyester-Reaktor
austretenden Schmelze wird die Altpolyesterschmelze nun in einer an sich bekannten
Mischvorrichtung in Konzentrationen von bis zu 50% (max. 100%) bezogen auf den gesamten
Schmelzestrom zugespeist. Die zusammengeführten Schmelzeströme werden gut durchmischt,
in einen an sich bekannten Hochviskos-Schmelzereaktor, der im Folgenden auch als Endreaktor
bezeichnet werden soll, eingespeist und dort die I.V. auf die gewünschte Ziel-IV von
0,6 -1,1 dl/g angehoben. Dabei werden gleichzeitig unerwünschte Nebenprodukte wie
z.B. Acetaldehyd unter Vakuum der Schmelze entzogen.
[0045] Im Anschluss an den Endreaktor wird das Produkt über möglichst kurze Produktleitungen
in die entsprechenden Anlagenteile verteilt und zu Granulat verarbeitet. Ein Teil
der so erzeugten Polyesterschmelze kann auch ohne zwischenzeitliche Verfestigung direkt
zu Formgebungseinheiten weitergeleitet werden.
[0046] Als Endreaktor wird ein Polykondensationsreaktor für die Herstellung von hohen Intrinsischen
Viskositäten in der Schmelze ("HVSR") eingesetzt, wie er beispielsweise in
EP 0320586 beschrieben ist. Dieser enthält Abstreifelemente zur ständigen Abreinigung von Schmelze,
die an den Rührelementen haftet. Ebenso ist auch ein sogenannter "Double-Drive"-Reaktor
(Hersteller: Zimmer AG), der beispielsweise in
US 3,617,225 beschrieben ist, als Endreaktor geeignet. Dieser enthält statt einer durchgehenden
Welle eine geteilte Welle, auf der die Rührelemente sitzen. Die beiden Halbwellen
werden jeweils durch eigene Antriebe bewegt. Dadurch ist eine Anpassung der Drehzahl
an die Reaktionsbedingungen, insbesondere an die Viskosität der Polymerschmelze, uneingeschränkt
möglich.
[0047] Die Polyesterschmelze mit der gewünschten I.V. wird aus dem Endreaktor über entsprechende
Schmelzeleitungen direkt einer Unterwasser-Granuliereinrichtung zugeführt, in der
der Schmelzestrang unter möglichst geringer Abkühlung geschnitten wird. Die Temperatur
des Schmelzestrangs beim Eintritt in den Granulator sollte bei PET zwischen 270 und
290°C, bevorzugt 280 - 285°C, betragen. Durch die Unterwasser-Granulierung entsteht
hierbei ein kugelförmiges Granulat. Hierfür geeignete Granulatoren sind beispielsweise
von den Herstellern BKG, Gala Industries und Rieter erhältlich.
[0048] Das Granulat wird durch den Wasserstrom zu einer Vorrichtung geführt, in der Wasser
und Granulat möglichst weitgehend voneinander getrennt werden. Besonders gut ist hierfür
eine Zentrifuge geeignet. Die Auswahl geeigneter Zentrifugen ist dem Fachmann bei
Kenntnis der vorliegenden Erfindung ohne weiteres möglich.
[0049] Um, wie nachfolgend beschrieben, eine übermäßige Abkühlung des Polyestermaterials
in diesem Verfahrensschritt zu vermeiden, ist die Verweilzeit des Polyestermaterials
in der Unterwassergranulierung bevorzugt so kurz wie möglich, beispielsweise 30 Sekunden
oder weniger, stärker bevorzugt 15 Sekunden oder weniger, weiter bevorzugt 5 Sekunden
oder weniger, und insbesondere von 1 bis 0, 1 Sekunden.
[0050] Das Granulat wird durch den Wasserstrom zu einer Vorrichtung geführt, in der Wasser
und Granulat möglichst weitgehend voneinander getrennt werden, wobei die Kontaktzeit
zwischen Wasser und Granulat minimiert werden muss. Besonders gut ist hierfür eine
Zentrifuge geeignet. Die Auswahl geeigneter Zentrifugen ist dem Fachmann bei Kenntnis
der vorliegenden Erfindung ohne weiteres möglich.
[0051] Wesentlich für die Durchführbarkeit der vorliegenden Erfindung ist, dass die bis
hierhin beschriebenen Vorrichtungen und Verfahrensschritte so ausgeführt werden, dass
das aus der Zentrifuge austretende Granulat eine Temperatur von mindestens 130°C,
bevorzugt mehr als 140°C und besonders bevorzugt mindestens 170°C aufweist. Die Abkühlung
ist daher möglichst gering zu halten. Dies wird vor allem durch Verwendung von heißem
Wasser im Unterwassergranulator erreicht. Um den Polyester nicht zu sehr abzukühlen,
sollte die Wassertemperatur mindestens 90°C betragen. Um Verdunstungsverluste zu begrenzen,
sollte eine Wassertemperatur von 98°C nicht überschritten werden.
[0052] Das vom Wasser im Wesentlichen befreite Granulat wird anschließend direkt in einen
Reaktionsbehälter gegeben. Im günstigsten Fall fällt das Granulat aus der Zentrifuge
nur aufgrund der Schwerkraft direkt in den Reaktionsbehälter. Abhängig von seiner
Temperatur weist das Granulat nach der Zentrifuge noch einen Wassergehalt von 200
bis 2000 ppm auf.
[0053] Um eine kontrollierte kontinuierliche Zuführung zu erreichen, kann ein Dosierorgan
dazwischengeschaltet sein. In jedem Fall muß das Dosierorgan so gestaltet sein, dass
das Granulat nicht wesentlich abgekühlt wird. Es kann beispielsweise thermisch gegenüber
der Umgebung isoliert und/oder beheizt sein. Dieses Dosierorgan ist bevorzugt eine
Zellenradschleuse. Alternativ kann ein Schieber verwendet werden, der das Granulat
im Austrag des Granulators kurz anstaut und in regelmäßigen Zeitintervallen öffnet,
um das Granulat in den Reaktionsbehälter fallen zu lassen.
[0054] Der Reaktionsbehälter ist bevorzugt ein stehender zylindrischer Behälter mit einem
Einlaß für das Granulat an der Oberseite und einem Auslaß für das dealdehydisierte
Granulat an der Unterseite. Die Unterseite ist bevorzugt als konischer Boden ausgeführt,
um eine gleichmäßige Entleerung zu ermöglichen. Der Reaktionsbehälter kann statische
Einbauten zur Erhöhung seiner mechanischen Stabilität und/oder zum Abstützen des statischen
Drucks der Granulatsäule aufweisen. Weiterhin kann er Rührorgane zum Bewegen des Granulates
enthalten.
[0055] Weiterhin enthält der Reaktionsbehälter auf der Auslassseite mindestens einen Gaseinlaß,
durch den das zur Dealdehydisierung erforderliche Spülgas zugeführt wird. Bevorzugt
befindet sich dieser Gaseinlaß bereits im konischen Boden, um eine möglichst lange
Kontaktzeit zwischen Granulat und Spülgas zu erreichen. Das Spülgas kann den Reaktionsbehälter
an seiner Oberseite entweder durch den Granulateinlaß oder bevorzugt durch einen separaten
Gasauslaß verlassen.
[0056] Der Reaktionsbehälter sollte so ausgelegt sein, dass die Verweilzeit des Granulates
dort zwischen 3 und 20 Stunden, bevorzugt zwischen 10 und 14 Stunden beträgt.
[0057] Der Reaktionsbehälter kann eine Temperierungseinrichtung, beispielsweise einen Doppelmantel,
aufweisen, mit der dem Reaktorinhalt Wärme zu- oder abgeführt werden kann.
[0058] Der Reaktionsbehälter besitzt weiterhin eine Füllstandsmessung (LC) und am Granulataustritt
befindet sich eine Zellenradschleuse mit Antriebseinheit (M) zum Austragen des dealdehydisierten
Granulates. Der Füllstand des Reaktionsbehälters wird mit Hilfe der Austragszellenradschleuse
mit Antriebseinheit (M) geregelt.
[0059] Das Granulat fällt im Anschluß an die Austragszellenradschleuse in einen Granulatkühler
und im Anschluß in ein Silo oder direkt in einen Sack oder Big Bag.
[0060] Als Spülgas kann jedes für diesen Zweck bekannte Inertgas, beispielsweise Stickstoff
oder getrocknete Luft eingesetzt werden. Aus wirtschaftlichen Gründen wird jedoch
bevorzugt Luft eingesetzt, die aus der Atmosphäre entnommen werden kann. Diese wird
vor Eintritt in den Reaktionsbehälter soweit getrocknet, dass sie einen Taupunkt kleiner
als 30°C, bevorzugt kleiner als -20°C und besonders bevorzugt kleiner als -50°C aufweist.
Die Trocknung erfolgt bevorzugt nach allgemein bekannten Methoden mit Molekularsieb,
beispielsweise Zeolith oder auch anderen geeigneten Absorbentien.
[0061] Über den in der Trocknung eingestellten Taupunkt, d. h. Wassergehalt des Spülgases
kann der im erfindungsgemäßen Verfahren auftretende Anstieg oder Abfall der intrinsischen
Viskosität beeinflusst werden. Einzelheiten hierzu sind in der
DE 102004010680 A1 beschrieben.
[0062] Das Luft-Chip-Verhältnis beträgt bevorzugt 4:1 bis 0,4:1 (m:m); das bedeutet, dass
in einer Zeiteinheit pro 1 kg Granulat, das in den Reaktor eintritt, zwischen 4 und
0,4 kg Luft zugeführt werden. Besonders bevorzugt ist der Bereich von 0,7:1 bis 0,4:1
(m:m). Größere Luftmengen erfordern unnötig große Gebläse, Rohre, Trocknungseinrichtungen
und ähnliche Vorrichtungen sowie unnötig großen Energieeinsatz und sind daher nicht
wirtschaftlich.
[0063] Die verwendete Luft kann teilweise oder vollständig im Kreislauf geführt werden.
In diesem Fall muß die bereits gebrauchte Luft vor erneutem Eintritt in den Reaktor
aufbereitet werden. Dabei werden Acetaldehyd und überschüssiges Wasser mittels Absorption
an Molekularsieb oder ähnlichen, dem Fachmann bekannten Substanzen und Verfahren entfernt.
Acetaldehyd zerfällt bei den erfindungsgemäß angewendeten Gastemperaturen in Wasser
und Kohlendioxid.
[0064] Das Spülgas wird vor dem Eintritt in den Reaktionsbehälter auf eine definierte Temperatur,
die zwischen 180 und 200°C liegt, erwärmt. Außerhalb dieses Temperaturbereichs ist
eine wirtschaftlich vorteilhafte Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens nicht
mehr möglich.
[0065] Die Produkttemperatur des Granulates im Reaktionsbehälter soll zwischen 170 und 195°C
liegen. Für eine wirtschaftlich zu betreibende Dealdehydisierung sollten die Eintrittstemperatur
des Spülgases und die Produkttemperatur des Granulates eine möglichst geringe Differenz
haben. Die maximale Temperaturdifferenz sollte hier 30 K, bevorzugt maximal 10 K betragen.
[0066] Dies ist möglich, da das Granulat bereits mit der beschriebenen hohen Temperatur
aus der Zentrifuge in den Reaktionsbehälter eintritt. Im Reaktionsbehälter findet
neben der Dealdehydisierung, für die Energie aufgewendet werden muß, auch die notwendige
Kristallisation der Polyesterketten im Granulat statt, um Verklebungen vorzubeugen.
Diese Kristallisation setzt Wärmeenergie frei wird. Überraschenderweise wurde festgestellt,
dass diese Vorgänge sich bei den genannten Verfahrensbedingungen so überlagern, dass
nur wenig zusätzliche Wärmeenergie über das Spülgas zugeführt werden muß.
[0067] Da das heiße Spülgas von unten nach oben durch die gesamte Granulatschüttung strömt,
trocknet es zusätzlich das in der obersten Schicht im Reaktor befindliche Granulat,
das nach dem Abzentrifugieren noch einen Wassergehalt von bis zu 2000 ppm aufweist.
Während der Dealdehydisierung wird die Trocknung des Granulates bis auf Werte um 30
ppm Wassergehalt fortgesetzt.
[0068] Das mit dem erfindungsgemäßen Verfahren erzeugte Polyestergranulat weist für die
weitere Verwendung sehr günstige Eigenschaften auf. Aufgrund der beschriebenen Verfahrensführung
verändert sich die intrinsische Viskosität (I.V.) des Polyesters zwischen dem Eintritt
in die Zerteilungseinrichtung in Schritt a. und dem Austritt aus dem Dealdehydisierungsbehälter
in Schritt d. nur wenig, gesteuert in Abhängigkeit von der Produkttemperatur, der
Verweilzeit, dem Taupunkt und der Temperatur des Spülgases sowie der Größe der Chips.
Bei optimaler Einstellung wird im Reaktionsbehälter maximal eine I.V.-Erhöhung von
0,1 dl/g erreicht.
[0069] Ein besonderer Vorteil der vorliegenden Erfindung ist somit, dass auf übliche Kristallisationsstufen
bei der Herstellung des Polyestergranulats verzichtet werden kann, wodurch sich die
gesamte Verfahrenszeit deutlich verkürzt und der apparative Aufwand deutlich vereinfacht
wird.
[0070] Ein Acetaldehydgehalt von < 1 ppm ist erreichbar, so dass das Granulat problemlos
beispielsweise zur Herstellung von Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden kann.
Überraschenderweise kann das Granulat in den hierbei verwendeten Formgebungseinrichtungen,
beispielsweise Spritzgießmaschinen zur Herstellung von Flaschenpreforms, bei vergleichsweise
niedrigen Temperaturen von maximal 275°C, vorzugsweise sogar maximal 255°C verarbeitet
werden. Diese niedrigen Temperaturen in Verbindung mit den schonenden Bedingungen
des erfindungsgemäßen Verfahrens haben zur Folge, dass der Polyester im Verlauf der
weiteren Verwendung nur maximal 0 bis 8 ppm Acetaldehyd-Reformation (neu gebildeter
Acetaldehyd) aufweist. Es ist sogar möglich, mit erfindungsgemäß hergestelltem Granulat
mit einem höheren AA-Gehalt, z. B. bis 3 ppm, in die Preformherstellung zu gehen und
so ein Preform herzustellen, der nicht mehr als 3 ppm AA aufweist.
[0071] Die so hergestellten Granulate haben eine sehr einheitliche Kern- Mantel- Struktur.
Die im Polarisationsmikroskop sichtbaren Spärolithe sind groß und durchgängig über
den Querschnitt des Granulats verteilt. Es gibt keine wesentlichen I.V.- Unterschiede
über den Querschnitt und keine feste Mantelstruktur im Vergleich zu Standard- SSP-
Chips, die nach dem traditionellen Verfahren hergestellt wurden.
[0072] Der Kristallisationsgrad in den Chips untereinander ist sehr gleichmäßig und liegt
beim Ausgang aus dem DAH-Reaktor unter 52%, die HOF (Heat of Fusion) als Maß für die
zum Aufschmelzen der Chips notwendige aufzubringende Energie liegt unter 50 kJ/kg.
[0073] Es wurde überraschenderweise festgestellt, dass durch das erfindungsgemäße Verfahren
alle Verunreinigungen aus dem Polyester so weitgehend entfernt werden konnten, dass
das erhaltene Granulat die für Lebensmittelverpackungen erforderliche Qualität aufwies
und beispielsweise den sogenannten "Challenge-Test" bestand.
[0074] Die wichtigsten Merkmale des nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Polyestergranulates
lassen sich also folgendermaßen zusammenfassen:
- Das erfindungsgemäße Polyestergranulat mit einem Kristallisationsgrad < 52 %, bevorzugt
< 48 % und einer Heat of Fusion (HOF) < 50 kJ/kg kann bei einer Barreltemperatur von
maximal 275 °C, bevorzugt maximal 255 °C und minimal etwa 250 °C, zu Flaschenpreforms
weiterverarbeitet werden.
- Das erfindungsgemäße Polyestergranulat mit einem Kristallisationsgrad < 52 %, bevorzugt
< 48 % und einer Heat of Fusion (HOF) < 50 kJ/kg weist bei der Weiterverarbeitung
zu Flaschenpreforms mit einer Barreltemperatur von maximal 275 °C und minimal etwa
250 °C eine Acetaldehydreformation von 0 bis 8 ppm, bevorzugt maximal 0 bis 2 ppm
auf.
- Das erfindungsgemäße Polyestergranulat zeigt unabhängig vom Kristallisationsgrad keine
Verklebung.
[0075] Bevorzugt bestehen sowohl der Altpolyester als auch der Frischpolyester zu mindestens
95 mol-% aus Ethylenterephthalat-Einheiten und das Diol ist Ethylenglykol.
[0076] Die Diol-Zugabemenge wird in einer bevorzugten Ausführungsform aufgrund der I.V.
im Hauptstrom gesteuert. Dazu ist nach dem Schmelzefiltrationssystem ein Online-Viskosimeter
zur Ermittlung der Schmelzeviskosität angeordnet. Abhängig von dieser Viskosität wird
die Menge des zugespeisten Diols geregelt.
[0077] In einer alternativen Ausführungsform wird durch die so gemessene Viskosität anstelle
der Diol-Zugabemenge das Vakuum des Extruders geregelt, wodurch ebenfalls die I.V.
des Altpolyesters beeinflusst werden kann.
[0078] Bevorzugt wird als Aufschmelzeinrichtung ein Extruder eingesetzt.
[0079] Das Granulat wird im Dealdehydisierungsbehälter bei einer Granulattemperatur von
170 bis 195°C, über eine Verweilzeit von 3 bis 20 h mittels eines Spülluftstroms mit
einer Eintrittstemperatur zwischen 180°C und 200 °C behandelt.
[0080] Die Spülluft weist bevorzugt einen Taupunkt Tp von kleiner als 30°C, bevorzugt kleiner
als -20°C und besonders bevorzugt kleiner als -50°C auf.
[0081] Die Differenz zwischen Granulattemperatur und Eintrittstemperatur der Spülluft beträgt
maximal ± 30 K, bevorzugt maximal ±10 K.
[0082] Die Differenz zwischen der intrinsischen Viskosität (I.V.) des Polyesters zwischen
dem Eintritt in die Zerteilungseinrichtung in Schritt a. und dem Austritt aus dem
Dealdehydisierungsbehälter in Schritt d. beträgt maximal ± 0,10 dl/g.
[0083] Die Luft wird vor der Einleitung in den Dealdehydisierungsbehälter bevorzugt mittels
Molekularsieb oder anderer Absorbentien getrocknet.
[0084] Eine zusätzliche Aufgabe der Erfindung ist es, eine Vorrichtung zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Verfügung zu stellen.
[0085] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zur Herstellung eines Formkörpers aus einer Mischung
von Altpolyester und Frischpolyester besteht aus
- a) Einem Extruder zum Aufschmelzen des Altpolyesters mit einer Diol-Dosiervorrichtung,
- b) Einer Schmelzemischeinrichtung zum Mischen des Altpolyesters und Frischpolyesters,
- c) Einem Hochviskos-Schmelzereaktor
- d) Einem Unterwassergranulator,
- e) Einer Zentrifuge und
- f) Einem Dealdehydisierungsbehälter, der an der Oberseite mindestens eine Granulateinlassöffnung
und an der Unterseite eine Granulatauslassöffnung sowie mindestens eine Spülgaseinlassöffnung
und mindestens eine Spülgasauslassöffnung aufweist,
wobei der Granulatauslass der Zentrifuge mit dem Granulateinlass des Dealdehydisierungsbehälters
nur durch eine passive Leitungseinrichtung und eine Dosiereinrichtung verbunden ist.
[0086] Näheres zur erfindungsgemäßen Vorrichtung ist bereits bei der Beschreibung des erfindungsgemäßen
Verfahrens erläutert.
[0087] Die Dosiereinrichtung ist bevorzugt eine Zellenradschleuse.
[0088] Der Dealdehydisierungsbehälter enthält bevorzugt Einbauten.
[0089] Der Dealdehydisierungsbehälter enthält bevorzugt ein Rührorgan.
[0090] Die Figur zeigt schematisch eine Anlage zur Durchführung der vorliegenden Erfindung
mit der mehrstufigen Frischpolyestersynthese (bestehend aus dem Pastenansatzbehälter,
der Veresterung und der Prepolymerisation), der Aufschmelzeinheit für Flaschenschnitzel
(Scrap) und dem Hochviskos- Schmelzereaktor. Die aus diesem letzten Reaktor austretende
Polyesterschmelze kann entweder direkt einer Spritzgießmaschine zur Herstellung von
Formkörpem, beispielsweise Flaschenvorformlingen ("Preforms"), Fasern oder Folien
zugeführt werden oder zu einer Granuliereinrichtung geleitet werden. Das dort erzeugte
Granulat wird erfindungsgemäß direkt anschließend mittels Latentwärme kristallisiert
und dann dealdehydisiert.
[0091] Die vorliegende Erfindung ermöglicht es unter Einsatz von rezyklilerten Material
sowie Verwendung einer Schmelze von Frischpolyester ein stabiles Verfahren für die
Herstellung von Polyesterendprodukten zur Verfügung zu stellen, die die strengen Anforderungen
auch für die Nahrungsmittelindustrie erfüllen, so dass die vorliegende Erfindung ein
Mischpolyestermaterial zur Verfügung stellt, das in seinem Produkteigenschaften identisch
mit vollständig frisch kondensiertem Polyestermaterial ist. Durch den Einsatz einer
gewissen Menge an Altpolyester (Recyclingmaterial) ermöglicht die vorliegende Erfindung
allerdings eine äußerst ökonomische und ökologische Verfahrensausgestaltung. Insbesondere
kann das Verfahren der vorliegenden Erfindung auf den Zusatz von weiteren Additiven,
wie er beispielsweise im Stand der Technik als notwendig erachtet wird, verzichten,
was ebenfalls positiv im Hinblick auf die Frage der ökologischen als auch ökonomischen
Verfahrensausgestaltungen ist.
Beispiele
[0092] Die Erfindung wird nunmehr anhand einiger, in keiner Weise die Erfindung beschränkender
Ausführungsbeispiele näher beschrieben. Die angegebenen Eigenschaftswerte wurden hierbei
wie folgt ermittelt:
[0093] Die Intrinsic-Viskosität (I.V.) wurde bei 25°C an einer Lösung von 500 mg Polyester
in 100 ml eines Gemisches aus Phenol und 1 2-Dichlorbenzol (3:2 Gew.-Teile) gemessen.
[0094] Die Messung der Farbwerte L und b erfolgte nach HUNTER. Die Polyesterchips wurden
zunächst im Trockenschrank bei 135 ± 5 °C während einer Stunde kristallisiert. Die
Farbwerte wurden danach ermittelt, indem in einem Dreibereichfarbmeßgerät der Farbton
der Polyesterprobe mit drei Fotozellen, denen je ein Rot-, Grün- und Blaufilter vorgeschaltet
war, gemessen wurde (X-, Y- und Z-Werte): Die Auswertung erfolgte nach der Formel
von HUNTER, wobei
L= 10√Y und

ist.
[0095] Der Acetaldehydgehalt (AA) wurde bestimmt, indem der Acetaldehyd durch Erhitzen in
einem geschlossenen Gefäß aus dem Polyester ausgetrieben wurde und der Acetaldehyd
im Gasraum des Gefäßes gaschromatographisch mit dem Headspace-Injektionssystem H540
von Perkin Eimer (Trägergas: Stickstoff; Säule: 1,5 m Edelstahl; Füllung: Poropack
Q, 80 - 100 mesh; Probemenge: 2g; Heiztemperatur: 150 °C. Heizdauer: 90 min) bestimmt
wurde.
[0096] Das Produkt wurde eingewogen und von einer Anfangstemperatur um 35 °C mit einer Heizrate
von 10 K / min auf 300°C erwärmt und anschließend der Schmelzpunkt und die für den
Aufschmelzvorgang benötigte Schmelzenergie ermittelt (DSCO- entspricht der DSC (Differential
Scanning Calorimetry)- Methode, jedoch ohne vorheriges Aufschmelzen der Probe).
[0097] Zur Bestimmung des Kristallisationsgrades α (= KTG) wurde dreimal die Dichte ρ von
30 Chips in einem Dichtegradienten mit einem Tetrachlorethan/Heptan-Gemisch bei 23
°C ermittelt und daraus α berechnet nach

wobei
die Dichte von 100 % kristallinem PET: pc = 1,455 und
die Dichte von amorphem PET: pa = 1,332 ist.
[0098] Die Ermittlung der Schmelzenthalpie ("Heat of Fusion"; HOF) erfolgte in einem DSC-Gerät
der Fa. Mettler entsprechend der ASTM E 793 der American Society for Testing of Materials
mit einer Heizrate von 50 K / min von 100 auf 200 °C, 5 min Halten auf dieser Temperatur
und anschließend mit einer Heizrate von 10 K / min bis auf 300 °C; die verbrauchte
Energie wurde in kJ/kg bestimmt.
Beispiel 1:
[0099] Zur Herstellung von Granulat nach dem DHI-Verfahren wurden dem Prozess 50% ungetrocknete
Flaschenschnitzel zugeführt. Im Beispiel betrug die Flaschenschnitzel -Menge 20 kg/h.
Die Flaschenschnitzel wurden ungetrocknet eingesetzt und wiesen eine I.V. von 0,76
dl/g und einem Wasssergehalt von 1811 ppm auf. Diese Flaschenschnitzel wurden mittels
einer gravimetrischen Dosierung von SCHENCK einem Doppelschneckenextruder von COPERION
ZSK 26Mcc zugeführt. Das aufgeschmolzene Material wurde in der Vakuumzone des Doppelschneckenextruders
bei einem Vakuum von 100 mbar entgast. Die verwendete Vakuumpumpe von BUSCH wurde
mit Hilfe eines Inverters in Abhängigkeit des Vakuumsollwerts drehzahlgeregelt. Vor
der Vakuumpumpe war ein Kühler zum Kondensieren von niedermolekularen Komponenten
installiert. Es wurde kein Ethylenglykol zudosiert. Der Doppelschnekkenextruder wurde
auf 260°C beheizt. Das aufgeschmolzene Produkt wurde anschließend mit Hilfe eines
GNEUSS Schmelzefiltersystems filtriert.
Das Schmelzefiltersystem hatte folgenden Aufbau: Manueller Siebwechsler Typ HSS-Mprimus
45 mit Filter 315 µm, Schmelzepumpe Barmag GCB51 K-1-101Z (Möglichkeit der Druckdrehzahlreglung
in Abhängigkeit des Vordrucks, in diesem Fall von Hand betrieben), vollautomatischer,
druckkonstant arbeitender Schmelzefilter RSFgenius45 mit 30 µm Filterelementen. Das
Schmelzefiltersystem wurde elektrisch beheizt.
[0100] Nach dem Schmelzefilter wurde mit einem Online-Viskosimeter Typ Feinprüf die Schmelzeviskosität
gemessen. Die mittlere I.V., gemessen über die Lösungsviskosität, nach dem Schmelzefilter
betrug 0,61 dl/g. Dieses Produkt wurde mit einer Produkttemperatur von 286°C dem auf
bekannte Weise hergestellten Hauptschmelzestrom (Frischpolyester) aus dem Prepolymerisationsreaktor
zugeführt, der eine mittlere I.V. von 0,72 dl/g hatte.
[0101] Die vereinigten Schmelzeströme wurden in einen DHI - Reaktor eingespeist und über
eine Zeit von 33 min bei einem mittleren Vakuum von 2,0 mbar auf eine Viskosität auf
0,76 dl/g. polykondensiert.
[0102] Das Produkt wurde nach ca. 15 min Verweilzeit in der Förderleitung granuliert und
mittels Latentwärme kristallisiert und in einem Dealdehydisierungsbehälter behandelt.
Der eingesetzte Granulator war ein Unterwassergranulator Master 300 von der Fa. BKG.
Das Endprodukt hatte eine IV von 0,81 dl/g und einen Acetaldehydgehalt von < 1 ppm.
Beispiel 2:
[0103] In diesem Beispiel wurde mit dem Aufbau/Ablauf wie unter Beispiel 1 gearbeitet mit
dem Unterschied, daß in den Doppelschneckenextruder nach der Vakuumzone 42,9 ml/h
Ethylenglykol (EG) zudosiert wurden. Die Viskosität nach der Schmelzefiltration lag
bei 0,44 dl/g und die Produkttemperatur bei 285°C. Die Viskosität wurde mit Hilfe
der zugegebenen EG-Menge geregelt: War die gemessene Viskosität des Online-Viskosimeters
höher als der vorgegebene Sollwert, wurde die Zugabemenge EG erhöht und umgekehrt.
Das EG wurde mit Hilfe einer Kolbenmembranpumpe dosiert, die am Austritt mit einem
Durchflußmengenmesser ausgerüstet war. Die Regelung wurde zum einen so betrieben,
dass das Viskosimeter direkt ein Stellsignal auf die Kolbenmembranpumpe gab, optional
wurde dass Signal an den Sollwert des Durchflussmengenmessers geleitet, der entsprechend
die Hubfrequenz und/oder die Hubweglänge der Pumpe steuerte. Der Hauptschmelzestrom
(Frischpolyester) hatte eine Viskosität von 0,72 dl/g. Das Vakuum im DHI-Reaktor wurde
auf 0,6 mbar geregelt.
Das Produkt nach dem DHI - Reaktor hatte eine I.V. von 0,69 dl/g.
Das Endprodukt hatte eine I.V. von 0,76 dl/g und einen Acetaldehydgehalt von < 1 ppm.
Der Farbwert b war in diesem Versuch deutlich besser als in Beispiel 1, so dass sich
das nach Beispiel 2 erzeugte Material eindeutig besser für die Wiederverwendung als
Lebensmittelverpackung eignete als das nach Beispiel 1 erzeugte Material.
Beispiel 3:
[0104] In diesem Beispiel wurde zur Herstellung von Preforms der Aufbau gemäß Beispiel 1
verwendet, ebenfalls ohne EG-Zugabe. Es wurden 10% Flaschenschnitzel, bezogen auf
einen Hauptschmelzestrom von 20 kg/h in den Extruder eingespeist. Die Produkttemperatur
nach dem Schmelzefiltersystem lag bei 287°C, die I.V. bei 0,57 dl/g. Der Hauptstrom
hatte eine I.V. von 0,73 dl/g. Nach dem Reaktor hatte das Schmelzeprodukt eine IV
von 0,87 dl/g. Das Vakuum im DHI-Reaktor wurde auf einen Sollwert von 0,8 mbar geregelt.
Das so erzeugte Schmelzeprodukt wurde zur Spritzgießmaschine geleitet. Vor der Spritzgießmaschine
wurden 1000 ppm AA-Scavenger mit der Bezeichnung HAAA von der Fa. Coca Cola zudosiert.
Die hergestellten Preforms hatten eine I.V. von 0,78 dl/g und einen Acetaldehydgehalt
von 5 ppm.
1. Verfahren zur Herstellung eines Formkörpers aus einer Mischung von Altpolyester und
Frischpolyester, mit folgenden Schritten:
a) Aufschmelzen des gewaschenen Altpolyesters in einer Aufschmelzvorrichtung ,
b) Zugabe von Diol zur Schmelze des Altpolyesters in oder nach der Aufschmelzvorrichtung,
c) Vermischen der Schmelze des Altpolyesters mit einer Schmelze von Frischpolyester
aus einem Schmelzereaktor,
d) Polykondensation der Schmelzemischung in einem Hochviskos-Schmelzereaktor unter
reduziertem Druck,
e) Granulierung der Polyesterschmelze in einem Unterwassergranulator bei einer Wassertemperatur
zwischen 90°C und 99°C,
f) Abtrennen des Wassers vom Granulat in einer Zentrifuge, wobei das aus der Zentrifuge
austretende Granulat eine Temperatur von mindestens 130°C aufweist,
g) Überführen des so erhaltenen wasserarmen Granulates nach der Wasserabtrennung direkt
oder mittels eines Dosierorgans, besonders bevorzugt mittels einer Zellenradschleuse,
in einen Dealdehydisierungsbehälter,
h) Behandeln des Granulates im Dealdehydisierungsbehälter mittels eines Spülluftstroms,
wobei die Eintrittstemperatur des Spülluftstroms zwischen 180°C und 200°C liegt und
die Verweilzeit 3 bis 20 Stunden beträgt.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei sowohl der Altpolyester als auch der Frischpolyester
zu mindestens 95 mol-% aus Ethylenterephthalat-Einheiten besteht und das Diol Ethylenglykol
ist.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Diol-Zugabemenge aufgrund der I.V. im Hauptstrom
gesteuert wird.
4. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Aufschmelzeinrichtung ein Extruder ist.
5. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei das Granulat im Dealdehydisierungsbehälter bei einer
Granulattemperatur von 170 bis 195°C, über eine Verweilzeit von 3 bis 20 h mittels
eines Spülluftstroms mit einer Eintrittstemperatur zwischen 180°C und 200°C behandelt
wird.
6. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Spülluft einen Taupunkt Tp von kleiner als 30°C,
bevorzugt kleiner als -20°C und besonders bevorzugt kleiner als -50°C aufweist.
7. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Differenz zwischen Granulattemperatur und Eintrittstemperatur
der Spülluft maximal ± 30 K, bevorzugt maximal ± 10 K beträgt.
8. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Differenz zwischen der intrinsischen Viskosität
(I.V.) des Polyesters zwischen dem Eintritt in die Zerteilungseinrichtung in Schritt
e) und dem Austritt aus dem Dealdehydisierungsbehälter in Schritt h) maximal ± 0,10
dl/g beträgt.
9. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Luft vor der Einleitung in den Dealdehydisierungsbehälter
mittels Molekularsieb oder anderer Absorbentien getrocknet wird.
10. Vorrichtung zur Herstellung eines Formkörpers aus einer Mischung von Altpolyester
und Frischpolyester, bestehend aus:
a) einem Extruder zum Aufschmelzen des Altpolyesters mit einer Diol-Dosiervorrichtung,
b) einer Schmelzemischeinrichtung zum Mischen des Altpolyesters und Frischpolyesters,
c) einem Hochviskos-Schmelzereaktor,
d) einem Unterwassergranulator,
e) einer Zentrifuge und
f) einem Dealdehydisierungsbehälter, der an der Oberseite mindestens eine Granulateinlassöffnung
und an der Unterseite eine Granulatauslassöffnung aufweist, sowie mindestens eine
Spülgaseinlassöffnung und mindestens eine Spülgasauslassöffnung, wobei der Granulatauslass
der Zentrifuge mit dem Granulateinlass des Dealdehydisierungsbehälters nur durch eine
passive Leitungseinrichtung und eine Dosiereinrichtung verbunden ist.
11. Vorrichtung gemäß Anspruch 10, wobei die Dosiereinrichtung eine Zellenradschleuse
ist.
12. Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 10 oder 11, wobei der Dealdehydisierungsbehälter
Einbauten enthält.
13. Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 10 bis 12, wobei der Dealdehydisierungsbehälter
ein Rührorgan enthält.
1. Procédé destiné à la production d'un corps moulé à partir d'un mélange de vieux polyester
et de polyester neuf, comprenant les étapes suivantes:
a) fusion du vieux polyester lavé dans un dispositif de fusion,
b) ajout de diol à la masse fondue de vieux polyester, à l'intérieur ou en aval du
dispositif de fusion,
c) mélange de la masse fondue de vieux polyester avec une masse fondue de polyester
neuf issue d'un réacteur de fusion,
d) polycondensation du mélange de masses fondues dans un réacteur de fusion à viscosité
élevée, sous pression réduite,
e) granulation de la masse de polyester fondu dans un granulateur sous eau, à une
température de l'eau comprise entre 90°C et 99°C,
f) séparation de l'eau et du granulat dans une centrifugeuse, et le granulat sortant
de la centrifugeuse à une température d'au moins 130 °C,
g) transfert du granulat pauvre en eau ainsi obtenu après la séparation de l'eau,
directement ou avec un organe de dosage, de manière particulièrement préférée au moyen
d'une écluse à roue cellulaire, dans un contenant de désaldéhydisation,
h) traitement du granulat dans le contenant de désaldéhydisation au moyen d'un flux
d'air de lavage, la température d'entrée du flux d'air de lavage étant comprise entre
180°C et 200°C et le temps de séjour étant de 3 à 20 heures.
2. Procédé selon la revendication 1, aussi bien le vieux polyester que le polyester neuf
étant constitués d'au moins 95 % en moles d'unités de téréphtalate d'éthylène et le
diol étant de l'éthylène glycol.
3. Procédé selon la revendication 1, la quantité de diol ajouté étant commandée sur la
base de la viscosité intrinsèque (VI) dans le flux principal.
4. Procédé selon la revendication 1, le dispositif de fusion étant une extrudeuse.
5. Procédé selon la revendication 1, lors duquel on traite le granulat dans le contenant
de désaldéhydisation à une température du granulat de 170 à 195°C, sur une durée de
séjour de 3 à 20 h, au moyen d'un flux d'air de lavage, avec une température d'entrée
comprise entre 180°C et 200°C.
6. Procédé selon la revendication 1, l'air de lavage présentant un point de rosée Tp
inférieur à 30°C, de préférence inférieur à -20°C et de manière particulièrement préférée,
inférieur à -50°C.
7. Procédé selon la revendication 1, la différence entre la température du granulat et
la température d'entrée de l'air de lavage étant d'un maximum de ± 30 K, de préférence,
d'un maximum de ± 1 0 K.
8. Procédé selon la revendication 1, la différence entre la viscosité intrinsèque (VI)
du polyester entre l'entrée dans le dispositif de désolidarisation dans l'étape e)
et la sortie du contenant de désaldéhydisation dans l'étape h) étant d'un maximum
de ± 0,10 dl/g.
9. Procédé selon la revendication 1, lors duquel, avant l'introduction dans le contenant
de désaldéhydisation, on fait sécher l'air au moyen d'un tamis moléculaire ou d'autres
absorbants.
10. Dispositif destiné à la production d'un corps moulé à partir d'un mélange de vieux
polyester et de polyester neuf constitué
a) d'une extrudeuse pour faire fondre le vieux polyester, avec un dispositif de dosage
de diol,
b) d'un dispositif mélangeur de masses fondues pour mélanger le vieux polyester et
le polyester neuf,
c) d'un réacteur de fusion à viscosité élevée,
d) d'un granulateur sous l'eau,
e) d'une centrifugeuse et
f) d'un contenant de désaldéhydisation qui sur la face supérieure comporte au moins
un orifice d'entrée de granulat et sur la face inférieure un orifice de sortie de
granulat, ainsi qu'au moins un orifice d'entrée de gaz de lavage et au moins un orifice
de sortie de gaz de lavage, la sortie de granulat de la centrifugeuse étant reliée
à l'entrée de granulat du contenant de désaldéhydisation uniquement par un dispositif
de conduits passif et par un dispositif de dosage.
11. Dispositif selon la revendication 10, le dispositif de dosage étant une écluse à roue
cellulaire.
12. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 10 ou 11, le contenant de désaldéhydisation
contenant des éléments encastrés.
13. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 10 à 12, le contenant de désaldéhydisation
comprenant un organe agitateur.