[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft die Herstellung eines Gussbauteils mit integrierten
Funktionselementen. Die Erfindung ermöglicht die Integration von Funktionselementen
in metallische Gussteile (während des Gießprozesses) als Permanentkern. Es wird die
Möglichkeit eröffnet, die Funktion von Gussstücken von der individuellen Kennzeichnung
bis hin zur integrierten Belastungsüberwachung zu erweitern.
[0003] Aus der Veröffentlichung "The 28th Conference on Senior Engineering Design Projects"
(www.wmich.edu/engineer/sdp_28th-04.htm) geht unter der Überschrift "Remote Identification
and Fiber Optic Sensing of Metal Casting" hervor, dass ein Minimumwert für ein feuerfestes
Material zum Schutz von RFID und Faserglaskabeln in Gussbauteilen während dem Eingießen
bestimmt werden. Dies hat das Ziel, die Funktionsfähigkeit von eingegossenen RFIDs
und faseroptischen Kabeln zu testen, die vollständig in das gegossene Bauteil eingebunden
sind.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Bautell anzugeben, in
dem Funktionselemente eingegossen sind, die auch nach dem Vergießen der Metallschmelze
noch funktionstüchtig sind.
[0005] Diese Aufgabe wird durch das Bauteil nach Anspruch 1 gelöst. Unteransprüche geben
vorteilhafte Weiterbildungen an. Anspruch 4 lehrt eine vorteilhafte Verwendung der
erfindungsgemäßen Bauteile.
[0006] Die erfindungsgemäßen Bauteile zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein oder mehrere
eingegossene Funktionselemente enthalten, dass das Funktionselement als RFID ausgebildet
ist, und dass das in das Bauteil eingegossene Funktionselement vollständig bis auf
einen dielektrischen Spalt vom vergossenen Material umgeben ist. Die zu integrierenden
Funktionselemente werden vor dem Abguss in einer Gussform positioniert und während
des Gießvorgangs durch die Metallschmelze umhüllt.
[0007] Als Funktionselemente kommen des weiteren adaptronischen Sensoren und/oder adaptronischen
Aktoren (z. B. Piezokeramiken) sowie temperaturempfindliche Funktionselemente in Betracht.
Diese Funktionselemente können beispielsweise auch elektronische Baugruppen sein,
die aktiv oder passiv mit Energie versorgt werden, z.B. über Induktion, eine integrierte
Batterie, einen Kondensator oder über eine mechanische, autarke Bewegungseinheit.
Die Verbindung zum Empfänger/Sender oder einer externen Energiequelle außerhalb des
Gussstückes kann dabei insbesondere ohne direkte Kabeiverbindung (telemetrisch/wireless)
erfolgen.
[0008] Die Funktionselemente können einzeln oder in Kombination integriert werden; neben
Bauteilen mit integrierten Funktionselementen für eine Bauteilidentifizierung, sensorischen
Bauteilen und aktorischen Bauteilen sind auch intelligente Bauteile mit integrierter
Datenerfassung, Verarbeitung und Regelung herstellbar.
[0009] Einsatzgebiete für die erfindungsgemäßen Bauteile sind zum Beispiel hochbelastete
Sicherheitsbauteile, deren Belastungszustand und Belastungsgeschichte mit den enthaltenen
Funktionselementen permanent erfasst und beeinflusst werden kann. Damit kann eine
erhöhte Sicherheit gegen Bauteilversagen im Betrieb erzielt werden und ein Leichtbau
durch Anpassung von Sicherheitsfaktoren an die realen Umstände erfolgen. Als Beispiele
sind Anwendungen in Kraftfahrzeugen und der Luftfahrt zu nennen, etwa Motorblöcke
oder Fahrwerksteile von Kraftfahrzeugen oder Flugzeugen. Hier können mit Sensoren
die im Betrieb aufkommenden Belastungen erfasst und gespeichert werden, um z.B. eine
Meldung bei einsetzender Bauteilschädigung, oder bei Überlastung des Bauteils über
Funk oder Induktion an die Fahrzeugelektronik gemeldet werden. Bei Einsatz von Aktoren
können gezielt Schwingungen in das Bauteil eingebracht werden. Durch Kombination mit
Sensoren und elektronischen Reglern lassen sich dadurch Bauteilschwingungen unterdrücken.
Durch die Kombination mit einem Speichermodul wird es möglich die Lebensgeschichte
des Bauteils zu erfassen.
[0010] Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Prüftechnik von Bauteilen und die Bauteilentwicklung,
da durch die Integration der Funktionselemente auftretende Kräfte direkt im Bauteil
erfasst und aufgezeichnet werden können.
[0011] Zur Vermeidung einer Beschädigung der zu integrierenden Elemente durch einen zu hohen
Wärmeeintrag stehen - falls erforderlich - verschiedene Möglichkeiten entsprechend
der eingesetzten Elemente zur Auswahl.
[0012] Funktionselemente, die von Haus aus eine hohe kurzzeitige Temperaturbelastung tolerieren,
insbesondere elektronische oder piezoelektrische Elemente, können mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren üblicherweise direkt ohne weitere Maßnahmen eingegossen werden.
[0013] Sind die Spitzentemperaturen, wie sie z.B. beim Aluminium- und Magnesiumguss auftreten,
zu hoch oder ist die Temperaturempfindlichkeit des einzugießenden Funktionselements
zu groß, so kann der Wärmeeintrag in die zu integrierenden Komponenten reduziert werden,
indem - insbesondere in den Bereichen, in denen sich Funktionselemente befinden -
über die Gießform die Wärme durch geeignete Temperierungsmaßnahmen, wie Kühlelemente
oder Heiz-Kühlgeräte abgeführt wird.
[0014] Alternativ oder zusätzlich kann zum Schutz der Funktionselemente eine Umhüllung aus
einem thermisch isolierenden Material (thermische Kapselung) vorgenommen werden bzw.
ein derartig umhülltes Funktionselement für das erfindungsgemäße Verfahren verwendet
werden. Hierdurch wird der Wärmeeintrag in die zu integrierenden Elemente unter die
max. zulässige Wärmemenge reduziert. Als Schutzschicht wird bevorzugt eine Masse mit
geringer Wärmeleitfähigkeit eingesetzt. Geeignete Schutzschichtmaterialien sind insbesondere
Kunststoff, Keramik oder niedrigschmelzende Metalllegierungen (d.h. Legierungen deren
Schmelzpunkt bzw. deren Solidustemperatur und bevorzugt auch deren Liquidustemperatur
unterhalb der Temperatur liegt, ab der die Funktionselemente in ihrer Funktion durch
die eingebrachte Energie dauerhaft beeinträchtigt werden). Als niedrigschmelzende
Metalllegierungen sind z.B.
[0015] Legierungen, die Bismut (bevorzugt mehr als 50 Gew.-%) enthalten geeignet. Die Schutzschicht
kann sich während des Gussvorgangs und gegebenenfalls auch des Erstarrungsvorgangs
in der vergossenen Metallschmelze auflösen (insbesondere eine Schutzschicht aus einer
niedrigschmelzenden Metalllegierung) oder dispergieren (insbesondere wenn bei schnelleren
Strömungsgeschwindigkeiten der vergossenen Metallschmelze Partikel der Schutzschicht
mitgerissen werden), sie kann aber auch - zumindest zum Teil - auf der Oberfläche
des Funktionselements verbleiben oder sich zersetzen.
[0016] Die Schichtdicke der Schutzschicht kann z.B. mittels Simulationsprogrammen anhand
der Materialdicke des Metalls, das das Funktionselement umgibt, der Temperatur der
Schmelze, dem Wärmeinhalt und der Wärmeabfuhr über die Gussform berechnet werden.
Bevorzugt wird die Schichtdicke dabei so gewählt, dass sie möglichst dünn ist, da
die im fertigen Bauteil verbleibende Schutzschicht bzw. Reste hiervon in ungünstigen
Fällen unerwünschte "Sollbruchstellen" im Bauteil darstellen können. Die Schutzschicht
kann das Funktionselement auch nur teilweise umhüllen - etwa nur in Bereichen, die
besonders temperaturempfindlich sind oder in denen aufgrund der Geometrie des herzustellenden
Bauteils ein größerer Wärmeeintrag aus der zu vergießenden Metallschmelze zu erwarten
ist.
[0017] Die sensorischen oder aktorischen Funktionselemente werden aber bevorzugt ohne Schutzschicht
vergossen, da durch einen direkten Stoffschluss zwischen Bauteilmaterial und Sensor/Aktor
Fehlerquellen reduziert werden können. Wird dennoch eine Schutzschicht benötigt, so
wird diese bevorzugt aus Materialien mit bekannten mechanischen Eigenschaften ausgeführt,
die eine rechnerische Korrektur ermöglichen. Hier kommen insbesondere keramische Schichten
in Frage.
[0018] Unter Metallschmelze wird erfindunggemäß jedes Material verstanden, das ein oder
mehrere Metalle bzw. Legierungen enthält oder aus diesen besteht und das mit den erfindungsgemäß
anwendbaren Gießverfahren vergießbar ist (also z.B. auch tixotrope Materialien). Werden
Schmelzen eingesetzt, die nicht aus reinem Metall bzw. Legierung oder Gemischen hieraus
besteht, so beträgt der Anteil der restlichen Zuschlagstoffe (z.B. keramische Bestandteile)
bevorzugt nicht mehr als 40%.
[0019] Die erfindungsgemäßen Funktionselemente werden wie herkömmliche Permanentkerne in
der Formkavität positioniert und anschließend vergossen. Als Gießverfahren kommen
alle Verfahren in Betracht, die eine hinreichend schnelle Temperaturabfuhr ermöglichen.
Hier ist insbesondere der Warmkammer- und Kaltkammerdruckguss, einschließlich des
Squeeze Casting und Thixocasting zu nennen. Ebenso kommen die Schwerkraft-, Niederdruck-
und Kipp- oder Schwenk-Kokillengießverfahren für den Einsatz in Betracht, da durch
die metallische Form eine gute Temperierung gewährleistet ist. Für den Einsatz in
konventionellen Sandgussverfahren, wie dem hand- oder maschinengeformten Schwerkraft-
und Niederdrucksandgussverfahren, wie dem Kernpaketverfahren, dem Vollformgießverfahren
und dem Lost Foam-Verfahren muss die thermische Kapselung entsprechend der geringeren
Wärmeabfuhr über den Formstoff erhöht werden oder eine ausreichende Wärmeabfuhr durch
Kühlelemente gewährleistet sein.
[0020] Im Folgenden wird - ohne Einschränkung der Allgemeinheit - das erfindungsgemäße Bauteil
näher anhand von Abbildungen und einem Beispiel erläutert. Es zeigen:
- Figur 1:
- Musterbauteil (1) ohne eingegossene Funktionselemente
- Figur 2:
- Musterbauteil (1) mit RFID (2) und dielektrischem Spalt (3)
- Figur 2a:
- Detailansicht von Figur 2
- Figur 3:
- Musterbauteil mit Piezokeramik(4), Elektronik (6) und RFID (2)
Beispiel:
[0021] Durchgeführt wurde das Gussverfahren zur Herstellung eines Bauteils gemäß Figur 2
bis 3 auf einer Kaltkammer-Druckgießmaschine vom Typ Bühler SC/N 66. Als Gießwerkstoff
kam AlSi9Cu3 zum Einsatz.
[0022] Es wurden RFIDs und Piezokeramiken mit einem der Form angepassten Halter in der Kavität
der Druckgussform positioniert. Der Einsatz wurde so gewählt, dass er nicht durch
das schnell anströmende Metall verrückt oder zerstört wird.
[0023] Die Bereiche im Bauteil, die für die Aufnahme eines Einlegeteils geeignet sind, sind
individuell in Abhängigkeit der Bauteilgeometrie sowie der Anschnitte zu wählen. Ist
eine bestimmte Position vorgegeben, müssen ggf. konstruktive Änderungen an Anschnitt
bzw. Bauteilgeometrie vorgenommen werden. Im vorliegenden Fall wurden die RFIDs und
Piezokeramiken an den Positionen, die den Figuren 2 bis 4 zu entnehmen sind, vergossen.
[0024] Nach der Positionierung der Funktionselemente wurde die Form geschlossen und der
Schuss ausgelöst. Die Formfüllung erfolgte innerhalb von 25 ms. Das Gusstück wurde
sofort nach der Entnahme aus der Form mit Luft oder Wasser abgekühlt; die Funktionselemente
waren voll funktionstüchtig und konnten bestimmungsgemäß verwendet werden.
1. Mittels eines Gussverfahrens hergestelltes Bauteil (1) aus Metall, das ein oder mehrere
Funktionselemente (2) enthält,
wobei das Funktionselement (2) als RFID ausgebildet ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass das in das Bauteil (1) eingegossene Funktionselement (2) vollständig bis auf einen
dielektrischen Spalt (3) von vergossenem Metall umgeben ist.
2. Bauteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Funktionselement (2) für eine Bauteilidentifizierung vorgesehen ist oder intelligente
Bauteile mit integrierter Datenerfassung, Verarbeitung und Regelung umfasst.
3. Bauteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Funktionselement (2) und dem vergossenen Metall zumindest teilweise
eine thermisch isolierende Schutzschicht oder die Reste einer thermisch isolierenden
Schutzschicht vorhanden sind.
4. Bauteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzschicht aus einem Kunststoff oder einer Keramik oder einer niedrigschmelzenden
Metalllegierung besteht.
5. Verwendung eines Bauteils nach den Ansprüchen 1 bis 4 in Kraftfahrzeugen oder in der
Luftfahrt, insbesondere In Motorblöcken oder Fahrwerken.
1. Metal component part (1) produced by means of a casting process and containing one
or more function elements (2),
wherein the function element (2) is configured as RFID,
characterised in that the function element (2) cast into the component part (1) is completely surrounded
by cast metal except for a dielectric gap (3).
2. Component part according to claim 1, characterised in that the function element (2) is provided for a component identification or comprises
intelligent components with integrated data capture, processing and control.
3. Component part according to claim 1, characterised in that a thermally insulating protective layer or the residues of a thermally insulating
protective layer are provided at least partially between the function element (2)
and the cast metal.
4. Component part according to claim 1, characterised in that the protective layer is made from a plastic or a ceramic or a low-melt metal alloy.
5. Use of a component part according to claims 1 to 4 in motor vehicles or in aviation,
in particular in engine blocks or running gear.
1. Pièce de fonderie (1) en métal comportant un ou plusieurs éléments fonctionnels (2),
cet élément fonctionnel (2) étant réalisé sous la forme d'un élément RFID,
caractérisée en ce que
l'élément fonctionnel (2) intégré dans la pièce (1) est entouré complètement de métal
fondu jusque sur un intervalle diélectrique (3).
2. Pièce selon la revendication 1,
caractérisée en ce que
l'élément fonctionnel (2) est destiné à l'identification de composants ou comporte
des composants intelligents avec intégration de saisie de données, de traitement et
de régulation.
3. Pièce selon la revendication 1,
caractérisée en ce qu'
entre l'élément fonctionnel (2) et le métal fondu, il est prévu au moins en partie
une couche protectrice thermiquement isolante ou les résidus d'une couche protectrice
thermiquement isolante.
4. Pièce selon la revendication 1,
caractérisée en ce que
la couche protectrice est en une matière plastique ou en une matière céramique ou
en un alliage métallique à faible point de fusion.
5. Utilisation d'un composant selon les revendications 1 à 4, dans des véhicules automobiles
ou pour la construction aéronautique, notamment dans des blocs-moteurs ou des châssis.