[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Applikation von funktionalen
Elementen auf Druckbogen in einer Bogenrotationsdruckmaschine nach dem Oberbegriff
von Anspruch 1.
[0002] Es ist bekannt in Bogenrotationsdruckmaschinen eine Aufklebevorrichtung für funktionale
Elemente zu installieren. Funktionale Elemente sind Elemente, die dem Druckprodukt
eine Funktionalität verleihen, die über den rein visuellen Eindruck hinausgehen. Dies
können zum Beispiel RFID-Transponder, 1-bit-Transponder für den Warenschutz, Hologramme,
oder auf Etiketten gedruckte Codes sein, die eine zusätzliche Funktionalität in der
Warenwirtschaft, in der Interaktion mit dem Kunden und mobilen und webbasierten Medienwelt
oder im Feld des Markenschutzes liefern. Aufklebevorrichtungen in Bogenrotationsdruckmaschinen
spenden ein Etikett auf den Druckbogen, das meist von einer Rolle abgelöst und zugeführt
wird. Das Etikett kann aber auch aus einem Stapelvorrat als Einzeletikett auf dem
Bedruckstoff zugeführt werden.
[0003] Aus der
DE 195 48 253 A1 ist als gattungsmäßigen Vertreter bekannt zur Korrektur von Winkelabweichungen im
Druck von Teilbildern das Umfangs- Seiten- und Diagonalregister zu verfahren, um die
in den einzelnen Druckwerken gedruckten Teilbilder zur Deckung zu bringen. Zusätzlich
offenbart diese Patentschrift eine Autoregistersteuerung anhand von auf dem Druckbogen
aufgedruckten Passmarken. Umfangs-, Seiten- und Diagonalregisterkorrekturen lassen
sich aber auch auslösen, wenn die erforderlichen Passerkorrekturen durch den Nutzer
am Leitstand eingegeben werden.
[0004] Über die visuelle Bestimmung der Passdifferenzen hinaus sind automatisierte Messgeräte
bekannt, die mit speziell ausgebildeten Messmarken zusammenwirken und durch fotoelektrische
Abtastung die Passdifferenz zu ermitteln. Passmarken und entsprechende Abtastgeräte
sind z.B. in der
DE 3 709 858 A1 und der
DE 3 719 766 A1 offenbart.
[0005] Die
EP 0 452 700 B1 beschreibt ein Verfahren, bei dem die Passerdifferenzen an den Druckbildstellen eines
Mehrfarbenoffsetdrucks mittels einer Farbvideokamera erfasst werden, wobei die Druckbildstelle
eine Kontur umfasst, die durch den Übereinanderdruck von wenigstens zwei verschiedenen
Druckfarben erzeugt ist und die Bestimmung der Passerdifferenzen aus einer Ermittlung
des Versatzes der Konturen der einzelnen Farbauszüge relativ zueinander erfolgt.
[0006] Den Einsatz von Videotechnik mit Bildverarbeitung zur Bestimmung von Passerdifferenzen
an Passkreuzen zeigen die Gegenstände der
EP 0 177 885 A1 und der
EP 0 221 472 A2. Die Bestimmung von Passerdifferenzen erfolgt interaktiv und halbautomatisch, indem
die per Videokamera aufgenommenen und auf einem Monitor vergrößert dargestellte Passkreuze
von einer Bedienperson über eine Cursorsteuerung aktiviert werden.
[0007] Die oftmals notwendigen Passerkorrekturen zur Korrektur von Passerabweichungen führen
aber dazu, dass bei einer starr gelagerten Aufklebevorrichtung das aufgeklebte Etikett
nach Durchführung von Passerkorrekturen nicht mehr passgenau zum Druckbild steht.
Dies kann zu unschönen und störenden Druckstörungen führen, die einmal den visuellen
Eindruck des Druckbildes stören und zusätzlich gegebenenfalls die Funktionalität des
aufgeklebten Elements, zum Beispiel durch eine teilweise Überdruckung, beeinträchtigen.
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es, das während des Druckdurchlaufs durch die Bogenrotationsdruckmaschine
ein mittels einer Aufklebevorrichtung zugeführtes Etikett passgenau zu dem Druckbild
zu positionieren.
[0009] Die Aufgabe wird gelöst durch die Merkmale des Anspruchs 1 und durch ein Verfahren
mit den Merkmalen nach Anspruch 7.
[0010] Weiterbildungen ergeben sich aus den jeweiligen Unteransprüchen.
[0011] Die Druckmaschine weist in der erfindungsgemäß gefundenen Lösung einen oder mehrere
Spender auf, die ein Etikett während des Drucklaufs durch die Bogenrotationsdruckmaschine
auf den Druckbogen applizieren. Das Etikett kann dabei zum Beispiel von einer Trägerfolie,
die vorzugsweise in Rollenform von einer Abwickeleinrichtung abgewickelt wird, abgelöst
werden, wobei das Etikett mit einem Haftvermittler beschichtet ist, der für die Anhaftung
auf dem Druckbogen sorgt. Die Trägerfolie wird nach dem Spendevorgang des Etiketts
wieder aufgerollt.
[0012] Das Etikett kann aber auch als Einzeletikett vorliegen und aus einem Stapelvorrat
auf den Druckbogen gespendet werden. Alternativ kann auch der Druckbogen an den Stellen,
an denen das Etikett anhaften soll mit einem Haftvermittler versehen sein. Der Haftvermittler
kann dabei über eine Sprühvorrichtung, über ein Druck- oder Lackwerk oder über einen
weiteren Spender als Klebeband auf den Druckbogen appliziert werden.
[0013] Die Aufklebevorrichtung ist dabei mit einer Vorrichtung versehen, die es ermöglicht
den Spender in X-Richtung über die Bogenbreite exakt zu verstellen. Die Verstellung
kann dabei mit mechanischen Mitteln erfolgen. Dabei weisen die Stellmittel eine Skala
auf, die eine möglichst genaue Positionierung zulässt. Dies kann zum Beispiel durch
eine möglichst große Übersetzung eines Verstellgetriebes erfolgen. Alternativ kann
die Verstellung motorisch, mit einem Linearantrieb oder anderen Aktuatoren erfolgen.
Zusätzlich kann der Spender (Zuführvorrichtung) mit einer Stellmöglichkeit versehen
sein, um ihn schräg zu verstellen (diagonal). Dies kann zum Beispiel geschehen, indem
der Spender (Zuführvorrichtung) auf einem beweglichen Drehteller montiert ist. Auch
hier kann die Verstellung sowohl mechanisch als auch motorisch erfolgen, wobei dies
über einen Linearantrieb oder andere geeignete Aktuatoren vorgenommen werden kann.
[0014] Diese beschriebenen Varianten ermöglichen eine Anpassung des Zuführvorgangs des Etiketts
in X-Richtung und in diagonaler Richtung.
[0015] In Druckumfangsrichtung zu den entsprechenden Bogen führenden Elementen kann eine
Passeranpassung des Zuführvorgangs erfolgen, indem das Triggersignal zur Zuführung
des Etiketts analog zu dem Passerversatz zeitlich versetzt erfolgt, so dass das Etikett
wieder lagerichtig auf dem Druckbogen zur Lage und damit zum Anhaften kommt. Das Triggersignal
zur Zuführung des Etiketts kann von einem Drehwinkelgeber, der mit der Maschine verbunden
ist, erfolgen oder von durch einen Geber, der eine aufgedruckte Registermarke erfasst
werden.
[0016] Eine weitere Möglichkeit der Anpassung besteht darin, dass der Spender (Zuführvorrichtung)
der Aufklebevorrichtung in Druckumfassungsrichtung radial gemäß des Passerversatzes
motorisch oder mit einem anderen geeigneten Aktuator verfahren bzw. mechanisch verstellt
wird.
[0017] Die Stellbefehle für die automatische Lageanpassung an die Aufklebevorrichtung erfolgen
dann, wenn über eine Leitstandsangabe oder über ein automatisches Registersystem nachfolgende
Verstellbefehle an die Registerstelleinrichtung eines Druckwerkes oder Veredelungswerkes
erfolgen. Diese Befehle oder aus den Stellbefehlen abgeleitete Stellgrößen werden
auch entsprechend an die Aufklebevorrichtung weitergegeben, so dass das zugeführte
Etikett und das auf dem Druckbogen vorhandene Druckbild wieder lagerichtig zueinander
passen.
[0018] Die exakte Lage des Zuführungsorts des Etiketts auf dem Druckbogen kann auch bestimmt
werden, indem eine oder mehrere gedruckte Registermarken durch einen bzw. mehrere
Geber ausgewertet werden, die ein Ansteuersignal für die Zuführvorrichtung auslösen.
Das Steuersignal beinhaltet dabei Lageinformationen des Triggerelements / Registerelements
die zur richtigen Positionierung der Zuführvorrichtung dienen, so dass das Etikett
lagerichtig zu dem Druckbild auf dem Bogen positioniert wird. Als Triggerelement können
dabei Registermarken Verwendung finden, die auch zur automatischen Registereinstellung
innerhalb des oder im Zusammenhang mit dem Druckbild dienen. Weiterhin können auch
aufgedruckte Passkreuze verwendet werden. Das Triggerelement, kann aber auch ein spezielles
Registerelement sein, das zur Ansteuerung der Zuführvorrichtung dient. Vorzugsweise
wird ein solches Triggerelement oder Registerelement nach dem Aufkleben durch das
Etikett abgedeckt.
[0019] Die Informationen für die lagegerechte Zuführung des Etiketts können auch gewonnen
werden, indem die Lage des Etiketts zu dem Druckbild, zum Beispiel durch die Auswertung
von Konturen des Druckbildes, mittels Bildverarbeitung erfasst wird. Auch daraus können
erforderlichenfalls entsprechende Korrekturmaßnahmen abgeleitet werden.
Dies kann in einem einfachen Fall dadurch erfolgen, indem mittels eines Bildinspektionssystems
die Lage des Etiketts auf einem Bildschirm dargestellt wird und der Drucker daraus
Stellinformationen ableitet, die er über den Leitstand der Maschine oder ein separates
Bedienpult an die Aufklebevorrichtung weitergibt. Die Verstellung kann auch automatisch
erfolgen, indem aus dem mit dem Bildinspektionssystem aufgenommen Bild mittels bildanalytischer
Methoden die Abweichung des zugeführten Etiketts von dem Druckbild ermittelt wird
und daraus Steuersignale zur Positionierung des Etiketts abgeleitet werden.
[0020] Die Korrektur kann auch erfolgen, indem das Bedienpersonal die Abweichungen des Etiketts
von seiner Solllage in dem Druckbild visuell ermittelt und die Korrektursignale zur
Verstellung der Aufklebevorrichtung über den Maschinenleitstand oder ein separates
Bedientableau oder Bedienpult eingegeben werden. Bei mehreren Aufklebevorrichtungen
kann in sinnvoller Weise jede einzelne Aufklebevorrichtung an der Eingabeeinrichtung
selektiert werden und dann die Stellbefehle eingegeben werden.
1. Bogenrotationsdruckmaschine, vorzugsweise Bogenoffsetdruckmaschine mit mindestens
einem Druckwerk, gegebenenfalls einem Veredelungswerk, und mindestens einer Appliziervorrichtung
zur Zuführung eines Etiketts auf den Druckbogen während des Druckdurchlaufs durch
die Druckmaschine,
gekennzeichnet dadurch,
dass die Appliziervorrichtung Stellmittel aufweist, die es erlauben die Appliziervorrichtung
relativ zu Lageinformationen des während des Druckbildes aufgebrachten Druckbildes
zu verstellen, so dass das zugeführte Etikett und das Druckbild lagerichtig zueinander
positioniert sind.
2. Bogenrotationsvorrichtung nach Anspruch 1,
gekennzeichnet dadurch, dass das oder die Stellmittel so vorgesehen sind, dass die Appliziervorrichtung (Zuführvorrichtung) in Richtung parallel zur Zylinderachse
(X-Richtung) des zur Zuführung der Etiketten dienenden Bogen führenden Zylinders der
Druckmaschine verstellbar sind.
3. Bogenrotationsvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
gekennzeichnet dadurch, dass die Verstellung in X-Richtung manuell erfolgt, wobei das Verstellmittel eine möglichst
feine Maßskalierung oder Messuhr aufweist, die einen Rückschluss auf den manuellen
Stellweg erlaubt, oder, dass die Verstellung in X-Richtung motorisch, über einen oder
mehrere Linearantriebe oder durch geeignete Aktuatoren, wie Piezoaktuatoren, erfolgt.
4. Bogenrotationsvorrichtung nach Anspruch 1,
gekennzeichnet dadurch, dass mit dem Stellmittel oder den Stellmitteln die Appliziervorrichtung (Zuführvorrichtung)
diagonal zur Zylinderachse des Bogen führenden Zylinders (X-Richtung) der Druckmaschine
verstellbar ist.
5. Bogenrotationsvorrichtung nach Anspruch 4, gekennzeichnet dadurch, dass die Verstellung in Diagonalrichtung manuell oder motorisch, über Linearantriebe oder
durch einen anderen geeigneten Aktuator erfolgt.
6. Bogenrotationsvorrichtung nach Anspruch 1,
gekennzeichnet dadurch,
dass die Lage des zugeführten Etiketts in Förderrichtung des Druckbogens (Y-Richtung)
relativ zu dem Druckbogen verlagerbar ist.
7. Verfahren zum Betrieb einer Vorrichtung in einer Bogenrotationsdruckmaschine, vorzugsweise
Bogenoffsetdruckmaschine, mit mindestens einem Druckwerk, gegebenenfalls einem Veredelungswerk,
und mindestens einer Appliziervorrichtung (Zuführvorrichtung) zur Zuführung eines
Etiketts auf den Druckbogen während des Druckdurchlaufs durch die Druckmaschine, nach
Anspruch 1,
gekennzeichnet dadurch,
dass die Lage des zugeführten Etiketts in Förderrichtung des Druckbogens (Y-Richtung)
auf dem Druckbogen bestimmt wird, indem eine oder mehrere auf den Druckbogen aufgedruckte
Messmarken / Registermarken durch einen in Bogenförderrichtung der Appliziervorrichtung
(Zuführvorrichtung) vorgeschalteten Geber ausgewertet werden und daraus ein Triggersignal
für die Appliziervorrichtung (Zuführvorrichtung) abgeleitet wird, derart, dass eine
lagerichtige Positionierung des Etiketts relativ zum Druckbild erzielt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
gekennzeichnet dadurch, dass eine oder mehrere Messmarken / Registermarken durch den Geber erfasst werden und
diese nach der Applizierung (Zuführung) des Etiketts durch dieses abgedeckt werden.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8,
gekennzeichnet dadurch,
dass eine oder mehrere Messmarken / Registermarken durch den Geber erfasst werden, wobei
die Messmarken / Registermarken gleichzeitig der automatischen Registerregelung des
Druckbildes dienen.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
gekennzeichnet dadurch,
dass die Triggerung der Ausrichtung in Y-Richtung des Etiketts durch ein Signal erfolgt,
das von einem Drehwinkelgeber erzeugt oder aus diesem abgeleitet wird, der mit der
Druckmaschine verbunden ist.
11. Verfahren nach Anspruch 7 bis 10,
gekennzeichnet dadurch,
dass bei einer manuellen Eingabe zur Korrektur des Druckmaschinenregisters am Leitstand
oder einem anderen Bedientableau der Druckmaschine in Umfangs-, Seiten- und/oder Diagonalrichtung
ein äquivalentes Signal oder ein abgeleitetes Signal an die Verstelleinrichtungen
der Appliziervorrichtung (Zuführvorrichtung) erfolgt, wobei zumindest in einer Verstellrichtung
eine automatische Verstellung erfolgt.
12. Verfahren nach Anspruch 7 bis 10,
gekennzeichnet dadurch,
dass die Registerregelung des Druckbildes vollständig oder teilweise mit einem Autoregistersystem,
wie durch eine automatische Auswertung von Registermarken mit Gebern oder mittels
Bildverarbeitung, erfolgt und gleichzeitig zu den gewonnen Verstellsignalen zur Verstellung
des Druckmaschinenregisters ein äquivalentes Signal oder ein abgeleitetes Signal an
die Verstelleinrichtungen der Appliziervorrichtung erfolgt, wobei zu mindestens in
einer Verstellrichtung eine automatische Verstellung erfolgt.
13. Verfahren nach Anspruch 7 bis 10,
gekennzeichnet dadurch, dass die Lage des abgesetzten Etiketts durch eine Bildinspektionseinrichtung bestimmt
und die Abweichung des Etiketts zum Druckbild oder einer Messmarke oder einer Druckbogenkante
durch bildanalytische Methoden ermittelt wird und daraus Stellsignale für die Verstelleinrichtung
der Appliziervorrichtung (Zuführvorrichtung) abgeleitet werden und, dass die Bildinspektion
des auf gespendeten Etiketts gleichzeitig mit der Druckbildinspektion bei dem Drucklauf
durch die Bogenrotationsdruckmaschine erfolgt.
14. Verfahren nach Anspruch 7 bis 10,
gekennzeichnet dadurch, dass die Verstellung der Appliziervorrichtung (Zuführvorrichtung) erst dann erfolgt, wenn
der Verstellweg eine vorbestimmte Größenordnung überschreitet oder wenn die Abweichung
über das Mittel mehrerer aufeinander folgender Bogen innerhalb einer Schwankungsbreite
konstant ist.
15. Druckbogen bestehend aus einem Druckbild und mindestens einem zugeführten Etikett,
hergestellt nach einem Verfahren nach Anspruch 7 bis 14, gekennzeichnet dadurch, dass Etiketten mit RFID-Transponder, Warenschutzetiketten mit 1-bit-Transponder, Etiketten
mit Logistikfunktion, Hologramme, Etiketten als Schutz vor Produktfälschungen oder
Etiketten mit individualisierten Aufdruck angebracht sind, wobei der Druckbogen mit
auf gespendetem Etikett Ausgangsmaterial oder Bestandteil einer Verpackung ist.