[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Werkzeug zum Umformen eines Hohlformteils
mit einer ersten Matrize sowie einer zweiten, verstellbaren Matrize, die in mehrere
bewegliche, insbesondere in unterschiedliche Richtungen verschieblich gelagerte Segmente
unterteilt ist. Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zum Umformen eines Hohlformteils,
bei dem in einem ersten Verfahrensschritt ein Hohlformteil in eine erste Matrize eingesetzt
wird, die das Hohlformteil in einem Stützbereich entlang seiner Mantelfläche ringförmig
umschließt und abstützt, und bei dem in einem zweiten Verfahrensschritt das Hohlformteil
in Richtung seiner Hauptachse derart gestaucht wird, dass das Hohlformteil in einem
von der ersten Matrize nicht abgestützten Umformbereich plastisch umgeformt wird.
Die vorliegende Erfindung betrifft ferner ein durch ein derartiges Verfahren hergestelltes
Hohlteil.
[0002] Das erfindungsgemäße Umformwerkzeug gehört zu einer Gattung von Werkzeugsystemen,
bei denen beispielsweise gemäß der
EP 1 611 973 A1 eine mehrteilige Matrize zum außenseitigen Abstützen eines Hohlformteils vorgesehen
ist, an dem mittels plastischer Umformung ein Flansch geformt werden soll. Dabei ist
die Matrize in axialer Richtung in zwei Matrizenteile geteilt, die während eines plastischen
Umformvorgangs relativ zueinander verstellbar sind. Dabei wird das umzuformende Hohlformteil
einem Axialpressvorgang unterworfen, der das grundlegende Problem des Knickens mit
sich bringt, so dass nur vergleichsweise dünne Flansche an dem Hohlformteil herstellbar
sind.
[0003] Das erfindungsgemäße Verfahren, welches bevorzugt mit einem erfindungsgemäßen Umformwerkzeug
aufzuführen ist, gehört zur Gattung der Querfließpressverfahren, mit deren Hilfe breite,
flanschartige Verdickungen an Hohlformteilen herstellbar sind. Dabei besteht ein typischer
Effekt darin, dass sich bei axialer Stauchung eines Hohlformteils, insbesondere eines
Rohrelements, das Material größtenteils nach außen bewegt. Somit ergibt sich bei breiteren
Verdickungen bzw. höheren Umformgraden das Problem, dass sich die Wandung des Hohlformteils
nach außen wölbt, wobei sich im Inneren des Hohlformteils ggf. eine Innenfalte ergibt.
Eine derartige Konfiguration verursacht eine Schwächung der (dynamischen) Festigkeit
des Hohlformteils, die im Allgemeinen nicht hingenommen und auch nicht ohne weiteres
durch eine Vergrößerung der Wandstärke des Hohlformteils kompensiert werden kann.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein Umformwerkzeug bereitzustellen, mit dem eine
möglichst breite Wandverdickung durch plastische Umformung an einem Hohlformteil herstellbar
ist. Aufgabe der Erfindung ist es ferner, ein Verfahren der eingangs genannten Art
zur Verfügung zu stellen, bei dem an einem Hohlformteil auf besonders einfache Weise
durch Querfließpressen eine möglichst breite Wandverdickung ohne eine Innenfalte herzustellen.
[0005] Die Aufgabe wird gelöst mittels eines Umformwerkzeugs, bei dem einer ersten Matrize
eine zweite verstellbare Matrize zugeordnet ist, die in mehrere bewegliche, insbesondere
in unterschiedliche Richtungen verschieblich gelagerte Segmente unterteilt ist, die
ein umzuformendes Hohlformteil während einer plastischen Umformung desselben an mehreren
Seiten, insbesondere in radialer Richtung abstützen und die insbesondere während einer
plastischen Umformung des Hohlformteils insbesondere in radialer Richtung verstellbar
sind. Bevorzugt bilden die Segmente der zweiten Matrize dabei in einer Arbeitsposition
einen mehrteiligen Ring um das umzuformende Hohlformteil. Während einer bevorzugt
mittels eines Axialpressvorganges ausgelösten plastischen Umformung des Hohlformteils
lässt sich die zweite Matrize insbesondere bezogen auf eine Hauptachse des umzuformenden
Formteils in radialer Richtung bewegen, so dass dem Formteil während des Umformvorgangs
ein sukzessiv oder kontinuierlich vergrößerbarer Raum zur Verfügung gestellt werden
kann. Optional kann die Bewegung der Segmente mit konstanter oder schwellender Kraft
gebremst werden, indem ein entsprechend ansteuerbarer Antriebs-, Verstellund/oder
Bremsmechanismus mit den Segmenten gekoppelt ist.
[0006] In Ausgestaltung der Erfindung sind mehrere Segmente jeweils entlang einer zugeordneten
Geraden translatorisch verschieblich gelagert sind, wobei die jeweils zugeordneten
Geraden mehrerer Segmente in einer gemeinsamen, insbesondere senkrecht zu einer Hauptachse
des umzuformenden Hohlformteils orientierten Ebene angeordnet sind. Jedem Segment
ist dabei ein Verschiebeweg entlang der zugeordneten Geraden gegeben, wobei sich die
zugeordneten Geraden bevorzugt in einem Punkt auf der Haupt- bzw. Rotationsachse des
Hohlformteils schneiden.
[0007] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist mehreren Segmenten ein gemeinsames Abstütz-,
Betätigungs-, und/oder Ansteuerungselement, insbesondere ein gemeinsames Antriebselement
zugeordnet. Mit einem derartigen gemeinsamen Abstütz-, Betätigungs-, und/oder Ansteuerungselement
lassen sich auf die betreffenden Segmente beispielsweise die gleichen Beschleunigungs-
oder Bremskräfte ausüben. Ferner lassen sich den betreffenden Segmenten gleiche Verschiebeweg-Längen
zuordnen. Alternativ lassen sich die Segmente entsprechend einer frei definierbaren
Kraft-, Weg- oder Beschleunigungskurve mittels eines Rechners gemeinsam ansteuern.
Die einzelnen Segmente sind bevorzugt über ein gemeinsames, weitgehend starres Getriebe
mit einem Abstütz-, Betätigungs-, und/oder Ansteuerungselement gekoppelt.
[0008] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist mehreren Segmenten ein gemeinsames Getriebeelement
zugeordnet, über das im wesentlichen gleich große Kräfte zwischen den Segmenten und
einem gemeinsamen Betätigungs-, Ansteuerungs- und/oder Abstützelement übertragbar
sind. Das Getriebeelement setzt dabei bevorzugt eine vorgebbare Kenngröße, beispielsweise
ein Moment bzw. eine Gesamt-Stützkraft in weitgehend gleiche Einzelkräfte um, wobei
jede Einzelkraft auf ein zugeordnetes Segment einwirkt.
[0009] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist mehreren Segmenten ein im wesentlichen
unelastisches Kurven-Getriebe zugeordnet, welches ein Ringelement aufweist, über das
die Segmente vorzugsweise in radialer Richtung abstützbar sind. Das Ringelement ist
bevorzugt drehbar um eine Rotationsachse gelagert, die weiter bevorzugt mit einer
Symmetrie- und/oder Hauptachse des Hohlformteils zusammenfällt. An dem Ringelement
sind beispielsweise mehrere weitgehend identische, kurvige Führungsflächen vorgesehen,
die jeweils mit einem korrespondierenden Segment zusammenwirken. Insbesondere kann
vorgesehen sein, dass die Segmente an den Führungskurven in wenigstens eine Richtung
mit kleinem Reibwert gleitend abstützbar sind. Ferner kann vorgesehen sein, dass hauptsächlich
eine in Richtung des Verschiebewegs des zugeordneten Segments wirkende Stützkraft
auf das Segment ausgeübt wird.
[0010] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung weisen mehrere, insbesondere alle Segmente
eine gleiche Dicke quer zu ihrer Verschieberichtung auf, die dem zwei- bis zwanzigfachen,
insbesondere dem drei- bis zehnfachen Wert der (Ausgangs-)Wandstärke des umzuformenden
Hohlformteils entspricht. Auf diese Weise lassen sich in Axialrichtung des Hohlformteils
besonders breite Flansche an dem Hohlformteil im Rahmen eines vergleichsweise einfachen
Axialstauchvorgangs herstellen.
[0011] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung bilden die Segmente in einer Arbeitsposition
einen elastischen und/oder mehrteiligen Dorn innerhalb des umzuformenden Hohlformteils.
Auf diese Weise können in axialer Richtung breite Flansche innerhalb des Hohlformteils
erzeugt werden.
[0012] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung bilden die Segmente in einer ersten Arbeitsposition
einen mehrteiligen Ring um das Hohlformteil oder in dem Hohlformteil. Ein derartiger
Ring weist in einer zweiten Arbeitsposition einen gegenüber der ersten Arbeitsposition
geänderten Durchmesser auf. Dabei können in beiden Arbeitspositionen insbesondere
in Umfangsrichtung gewisse Abstände bzw. Spalte zwischen den Segmenten vorgesehen
sein. Die Abstände bzw. deren Durchlassquerschnitte sind bevorzugt kleiner als die
Berührflächen der Segmente, die mit dem Hohlformteil zusammenwirken.
[0013] Die Aufgabe wird ferner durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 9 gelöst,
wobei das Hohlformteil im Umformbereich von einer zweiten, in ihrer Geometrie verstellbaren
Matrize außenseitig abgestützt wird. Die zweite Matrize ergänzt dabei die erste Matrize,
in dem sie das Hohlformteil im Umformbereich also derart abstützt, dass während des
Umformschritts eine Kraft von außen auf das Hohlformteil einwirkt. Zugleich ist die
zweite Matrize nachgiebig ausgeführt, indem sie insbesondere elastisch verformbar
bzw. federnd und/oder während des Umformschritts verstellbar gestaltet ist. Dem Hohlformteil
wird zunächst nicht der von der zu formenden Verdickung insgesamt einzunehmende Raum,
sondern ein kleinerer Raum zur Verfügung gestellt, so dass der Materialfluss beim
Umformschritt vergleichmäßigt und sowohl nach innen als auch nach außen gerichtet
wird.
[0014] Weitere Vorteile, Merkmale und vorteilhafte Weiterbildungen des Erfindungsgegenstandes
ergeben sich aus der anschließenden Beschreibung, den Zeichnungen sowie den Ansprüchen.
Hierzu zeigen
[0015]
- Fig. 1
- in einem schematischen Längsschnitt ein erstes Ausfüh- rungsbeispiel des erfindungsgemäßen
Umformwerkzeugs,
- Fig. 2
- in einem schematischen Querschnitt in Richtung der Linie II-II das Umformwerkzeug
nach Fig. 1,
- Fig. 3
- in einem schematischen Längsschnitt ein zweites Aus- führungsbeispiel des erfindungsgemäßen
Umformwerkzeugs mit einer zweiten Matrize,
- Fig. 4a und 4b
- in schematisierten Längsansichten die Seg- mente der zweiten Matrize gemäß Fig. 3
in zwei Arbeits- positionen,
- Fig. 5a und 5b
- in schematisierten Längsansichten ein drittes Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen
Umformwerk- zeuges in zwei Arbeitspositionen,
- Fig. 6a und 6b
- jeweils in einer Längsansicht und einem teil- weisen Längsschnitt ein erfindungsgemäß
umgeformtes Hohlformteil,
- Fig. 7
- in einer Prinzipskizze eine Gegenüberstellung von erfindungsgemäß umgeformtem Hohlformteil
und einer fertigen Getriebewelle sowie
- Fig. 8
- in einem schematischen Längsschnitt ein viertes Aus- führungsbeispiel des erfindungsgemäßen
Umformwerk- zeuges.
[0016] Ein erfindungsgemäßes Umformwerkzeug zum Umformen eines insbesondere metallischen
Hohlformteils 1 mit vorzugsweise kreiszylindrischer Mantelfläche umfasst in einem
ersten Ausführungsbeispiel gemäß den Fig. 1 und 2 eine erste Matrize 2a, 2b, wobei
die Matrize 2a, 2b quer zu einer Hauptachse 4 des Werkzeugs derart geteilt ist, dass
sich zwei unabhängige Matrizenteile 2a, 2b ergeben. In einem bevorzugten Ausführungsbeispiel
sind die Matrizenteile 2a, 2b ihrerseits nochmals jeweils in axialer Richtung geteilt
ausgeführt. Die Matrize umfasst also insbesondere ein erstes ringförmiges Matrizenteil
2a und ein zweites ringförmiges Matrizenteil 2b, in die das Hohlformteil 1 vorzugsweise
passgenau eingesetzt wird und die zunächst voneinander beabstandet positioniert sind.
Zwischen den Matrizenteilen ist ein Umformbereich U gebildet, der von den Matrizenteilen
2a, 2b nicht abgestützt ist.
[0017] Zwischen dem ersten Matrizenteil 2a und dem zweiten Matrizenteil 2b ist eine zweite
in ihrer Geometrie verstellbare bzw. veränderbare Matrize 3 angeordnet, die das Hohlformteil
1 in dem Umformbereich U bevorzugt anfänglich mit einem gewissen Abstand umgreift.
Die zweite Matrize 3 ist in Richtung einer oder mehrerer parallel zur Hauptachse 4
des Hohlformteils 1 orientierter Ebenen und/oder in Richtung einer oder mehrerer die
Hauptachse 4 des Hohlformteils enthaltender Ebenen E1, E2 in vier Segmente 3a, 3b,
3c, 3d unterteilt (vgl. Fig. 2). Die Segmente sind in nicht näher dargestellter Weise
an einem oder mehreren Trägern beweglich, insbesondere federnd und/oder verstellbar
gelagert. Die Segmente bilden gemeinsam einen mehrteiligen kreiszylindrischen Ring.
In einem modifizierten Ausführungsbeispiel weist wenigstens ein Segment eine innenseitig
von der Kreiszylinderform abweichende Geometrie auf.
[0018] In einem weiteren modifizierten Ausführungsbeispiel ist die zweite Matrize 3 als
elastisch verformbarer, geschlossener, das Hohlformteil 1 umschließender Ring, insbesondere
als Federband oder als hydraulischer Druckschlauch ausgeführt.
[0019] In einem ersten Verfahrensschritt des erfindungsgemäßen Umformverfahrens wird das
Hohlformteil 1 in die Matrizenteile 2a, 2b eingesetzt. Matrize 2a, 2b und Hohlformteil
1 werden derart positioniert, dass die erste Matrize 2a, 2b das Hohlformteil 1 in
einem Stützbereich S entlang seiner Mantelfläche 1' ringförmig umschließt und abstützt
(vgl. Fig. 1). Innenseitig kann das Hohlformteil über einen nicht näher dargestellten
Dorn abgestützt sein. In einem modifizierten Ausführungsbeispiel kann das Hohlformteil
1 in einem vorgeschalteten Verfahrensschritt über Raumtemperatur hinaus (theoretisch
bis nahe an die Solidustemperatur des Werkstoffs) erwärmt werden und in warmem Zustand
den nachfolgenden Verfahrensschritten unterworfen werden.
[0020] In einem zweiten Verfahrensschritt (Umformschritt) wird das Hohlformteil 1 mit Hilfe
einer nicht näher dargestellten Pressvorrichtung in Richtung seiner Hauptachse 4 derart
gestaucht, dass das Hohlformteil 1 in dem von der ersten Matrize 2a nicht abgestützten
Umformbereich U plastisch deformiert wird, wobei das Hohlformteil im Umformbereich
U von der zweiten Matrize 3 zumindest nach einer gewissen Umformbewegung außenseitig
abgestützt wird. Dabei kann Material des Hohlformteils 1 in radialer Richtung nach
außen und/oder nach innen fließen, wobei der Materialfluss mittels der zweiten Matrize
3 und ggf. mittels eines Dornes steuerbar ist. Die genannte Umformbewegung ist insbesondere
dann beendet, wenn das Material des Hohlformteils den zur Verfügung gestellten Freiraum
innerhalb der Matrizen 2, 3 und ggf. um den Dorn vollständig ausgefüllt hat.
[0021] Anschließend wird die zweite Matrize 3 während des Umformschritts in einer Richtung
quer zur Hauptachse des Hohlformteils 1 bewegt (Pfeil 5); insbesondere wird sie kontinuierlich
und/oder stufenweise in radialer Richtung geöffnet. Letzteres ist in Fig. 1 mittels
gestrichelter Linien und in Fig. 2 mit Pfeilen 7 schematisch dargestellt.
[0022] Während des Umformvorganges, in dem Material des Hohlformteils 1 weiter nach außen
fließt, kann einer kontinuierlichen und/oder stufenweisen Öffnungsbewegung der zweiten
Matrize 3 eine oszillierende Bewegung einzelner Segmente 3a, 3b, 3c, 3d der zweiten
Matrize überlagert sein. Bevorzugt wird die zweite Matrize 3 während des Umformvorgangs
oder während eines zeitlichen Teils des Umformvorgangs mit einer vorbestimmten Kraft
und/oder einem vorbestimmten Kraftverlauf gegen das Hohlformteil 1 gedrückt. Alternativ
oder ergänzend wird die zweite Matrize 3 während des Umformvorgangs oder eines Teils
des Umformvorgangs entlang eines vorbestimmten Weges und/oder mit einem vorbestimmten
Geschwindigkeitsverlauf bevorzugt in radialer Richtung bewegt. Damit lässt sich dem
fließenden Material sukzessive mehr Raum zur Verfügung stellen, den dieses faltenfrei
einnehmen kann. Optional werden die zweite Matrize 3 und/oder das Hohlformteil 1 und/oder
einzelne Segmente während des Umformschritts um die Hauptachse 4 des Hohlformteils
gedreht; dies erfolgt bevorzugt bei einer vollständig kreiszylindrischen und rotationssymmetrischen
Werkstückgestaltung. In einem modifizierten Ausführungsbeispiel lassen sich einzelne
Matrizenteile zusätzlich um eine (bzw. mehrere verschiedene) parallel zur Hauptachse
4, jedoch von dieser beabstandet angeordneten Achse(n) drehen. Damit lassen sich in
jeder Arbeitsposition besonders kleine radiale Spalte zwischen den Segmenten erzielen.
[0023] In einer bevorzugten Variante werden das erste Matrizenteil 2a und das zweite Matrizenteil
2b der ersten Matrize 2 während des Umformvorganges in Richtung der Pfeile 6 aufeinander
zu bewegt, wodurch ein Materialfluss nach außen unterstützt wird. In einem modifizierten
Ausführungsbeispiel werden das erste Matrizenteil 2a und das zweite Matrizenteil 2b
der ersten Matrize 2 während des Umformvorganges entgegen der Richtung der Pfeile
6 auseinander gefahren, so dass ein Materialfluss in axialer Richtung ermöglicht wird.
In allen Fällen lässt sich einer kontinuierlichen Bewegung des ersten Matrizenteils
2a und des zweiten Matrizenteils 2b eine (ggf. oszillierende) Axialbewegung der Matrizenteile
und/oder des Hohlformteils 1 überlagern. In einem weiteren modifizierten Ausführungsbeispiel
wird der radialen und/oder axialen Bewegung der Matrizenteile eine (ggf. oszillierende)
Rotationsbewegung bzw. eine Bewegung in Umfangsrichtung überlagert.
[0024] Ein zweites Ausführungsbeispiel gemäß den Fig. 3 und Fig. 4a, 4b entspricht im wesentlichen
demjenigen gemäß den Fig. 1 und 2, weshalb auf die vorstehende Beschreibung vollumfänglich
Bezug genommen werden kann und gleichwirkende Bauteile mit gleichen Bezugszeichen
versehen sind.
[0025] Das Umformwerkzeug umfasst im zweiten Ausführungsbeispiel wiederum eine erste Matrize
2a, 2b, die wiederum ein erstes ringförmiges Matrizenteil 2a und ein zweites ringförmiges
Matrizenteil 2b, in die das Hohlformteil 1 eingesetzt wird. Zwischen den Matrizenteilen
ist ein Umformbereich U gebildet, der von den Matrizenteilen 2a, 2b nicht abgestützt
ist. Zwischen dem ersten Matrizenteil 2a und dem zweiten Matrizenteil 2b ist eine
zweite in ihrer Geometrie verstellbare Matrize 3 angeordnet, die das Hohlformteil
1 in dem Umformbereich U umgreift. Die zweite Matrize 3 ist in Richtung dreier die
Hauptachse 4 des Hohlformteils 1 enthaltender Ebenen E1, E2, E3 in sechs Segmente
3a - 3f unterteilt (vgl. Fig. 4a, 4b). Die Segmente sind über mechanische Schraubenfedern
10 an einem Träger 9 federnd gelagert.
[0026] Die Segmente 3a - 3f bilden gemeinsam einen mehrteiligen näherungsweise kreiszylindrischen
Ring, der in einer ersten Arbeitsposition gemäß Fig. 4a das Hohlformteil 1 vollständig,
d.h. ohne wesentliche Zwischenräume umgreift. Das Hohlformteil 1 wird während eines
Umformschritts bzw. während mehrerer Umformschritte von einer dritten Matrize in Form
eines in das Hohlformteil eingreifenden, zylindrischen Dorns 8a, 8b innenseitig abgestützt.
[0027] Wie schon mit Bezug auf das erste Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 1 und 2 beschrieben,
wird das Hohlformteil in einem Umformschritt einem Axialpressvorgang unterworfen.
Dabei wird das Hohlformteil 1 mit Hilfe einer Pressvorrichtung 11 in Richtung seiner
Hauptachse 4 derart gestaucht, dass das Hohlformteil 1 in dem von der ersten Matrize
2a nicht abgestützten Umformbereich U plastisch deformiert wird, wobei das Hohlformteil
im Umformbereich U von der zweiten Matrize 3 außenseitig mit einer durch die Federn
10 definierten Kraft abgestützt wird. Dabei kann Material des Hohlformteils 1 in radialer
Richtung nach außen fließen, wobei der Materialfluss mittels der zweiten Matrize 3
voreingestellt steuerbar ist. In bevorzugter Weise wird mittels der Federn 10 eine
Flächenbelastung von 10 N/mm
2 bis 100 N/mm
2 zwischen dem Hohlformteil und den das Hohlformteil berührenden Kontaktflächen der
Segmente 3a - 3f eingestellt. In einem modifizierten Ausführungsbeispiel werden als
Flächenbelastungen zwischen den Segmenten und dem Hohlformteil ca. 10 % bis 30 % der
Fließspannung des Werkstoffs des Hohlformteils eingestellt. Die Federkennlinien können
linear, aber auch progressiv oder degressiv gewählt werden.
[0028] Im Rahmen dieses Umformvorgangs werden die Segmente 3a - 3f der zweiten Matrize 3
in unterschiedlichen Richtungen quer zur Hauptachse des Hohlformteils 1 bewegt (Pfeile
5). Jedem Segment ist dabei ein eigener Bewegungsweg in radialer Richtung zugeordnet,
wobei sich die Geraden der Bewegungswege in einem Punkt M auf der Hauptachse 4 schneiden.
Somit kann die Matrize 3 wiederum kontinuierlich, stufenweise oder oszillierend in
radialer Richtung geöffnet werden. In Fig. 4b ist eine zweite Arbeitsposition der
Segmente 3a - 3f dargestellt, die bevorzugt nach einem (ersten) Umformschritt eingenommen
wird und in der die zweite Matrize zumindest annähernd geöffnet ist.
[0029] In einem modifizierten Ausführungsbeispiel lässt sich ein verstellbarer und/oder
elastisch deformierbarer Dorn 8a, 8b vorsehen. Damit lassen sich unter Ausnutzung
des oben geschilderten Prinzips auf analoge Weise Innenbunde herstellen oder innenseitige
Ausnehmungen erzeugen.
[0030] Die vorstehend beschriebenen Verfahrensschritte und -merkmale lassen sich nahezu
beliebig kombinieren, wobei sich jeweils ein Fließpressverfahren ergibt, das eine
Ausbildung eines besonders breiten, zugleich sehr festen und nachbearbeitbaren Flansches
an einem metallischen Hohlformteil ermöglicht. Mögliche Ergebnisse des erfindungsgemäßen
Umformverfahrens sind den Fig. 6a und 6b zu entnehmen. Eine Bildung einer Innenfalte
wird vermieden, so dass dynamisch belastbare Hohlteile (z.B. Zahnradwellen für Getriebe
und dergleichen) mit geringer Wandstärke und breitem Flansch aus dem erformten Hohlformteil
herstellbar sind. Dazu ist in einem sich an die beschriebenen Umformschritte anschließenden
Verfahren beispielsweise eine Spanabhebende Bearbeitung vorgesehen. Ein mögliches
Endprodukt in Form einer Getriebewelle ist schematisch in Fig. 7 dargestellt. Aus
Fig. 7 ist ersichtlich, dass eine (axiale) Breite d des Flansches größer ist als die
dreifache Ausgangswandstärke t des Hohlformteils.
[0031] In den Fig. 5a und 5b ist ein drittes Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen
Umformwerkzeugs in zwei unterschiedlichen Arbeitspositionen dargestellt. Der Aufbau
des Umformwerkzeugs entspricht im Prinzip den zuvor beschriebenen Ausführungsbeispielen,
so dass wiederum für gleichwirkende Bauteile gleiche Bezugszeichen verwendet werden
und im übrigen zu einer möglichen Ausführung der Vorrichtung und des Umformverfahrens
vollumfänglich auf die vorigen Ausführungsbeispiele Bezug genommen werden kann.
[0032] Das Umformwerkzeug umfasst im dritten Ausführungsbeispiel wiederum eine erste Matrize,
in die das Hohlformteil 1 eingesetzt wird. Innerhalb der ersten Matrize ist ein Umformbereich
gebildet, der von der ersten Matrize nicht abgestützt ist. In diesem Umformbereich
ist wiederum eine zweite in ihrer Geometrie verstellbare Matrize 3 angeordnet, die
das Hohlformteil 1 in dem Umformbereich U umgreift. Die zweite Matrize 3 umfasst vier
Segmente 3a - 3d, die innerhalb einer Führungseinrichtung 12 in radialer Richtung
linear verschieblich gelagert und mit einem Getriebe 13 gekoppelt sind.
[0033] Die Segmente 3a - 3d bilden gemeinsam mit der Führungseinrichtung einen mehrteiligen
Ring, der in einer ersten Arbeitsposition gemäß Fig. 5a das Hohlformteil 1 umgreift.
Die Dicke der Segmente in Pressrichtung entspricht bevorzugt im wesentlichen der Breite
des zu erzeugenden Flansches. Die Segmente 3a - 3d passen sich im übrigen auf der
inneren Seite jeweils durch eine konkave Zylinderfläche an das Hohlformteil 1 an,
wobei der Radius der konkaven Zylinderflächen bevorzugt dem außenseitigen Radius des
fertig geformten Hohlformteils entspricht. In einem modifizierten Ausführungsbeispiel
weisen die Segmente 3a - 3d im Bereich ihrer inneren, konkaven Zylinderflächen seitliche
Fortsätze auf. Die seitlichen Fortsätze sind bevorzugt jeweils einstückig mit dem
zugehörigen Segment ausgeführt und erstrecken sich bevorzugt in Richtung wenigstens
eines benachbarten Segments. Bevorzugt greift jeder seitliche Fortsatz zwischen die
innere, konkave Zylinderfläche des benachbarten Segments und die Außenoberfläche des
Hohlformteils ein. Somit ergibt sich quasi eine Überlappung der das Hohlformteil berührenden
Flächen der Segmente, so dass auch bei einem radialen Auseinanderfahren der Segmente
die Spalte gemäß Fig. 4b im Bereich der inneren, konkaven Zylinderflächen vermieden
bzw. überbrückt werden. Ähnliches kann auch mit ineinandergreifenden Segmenten mit
tropfenförmigem Querschnitt erreicht werden, die in der Art einer Fotoblende betätigt
werden.
[0034] Das Hohlformteil 1 wird während eines Umformschritts bevorzugt von einer dritten
Matrize in Form eines Dorns innenseitig abgestützt.
[0035] Das Getriebe 13 umfasst im wesentlichen vier radial geführte Kappenabschnitte 3a',
3b', 3c', 3d', die einerseits mit den Segmenten 3a - 3d verbunden sind und an der
radial äußeren Seite jeweils eine konvexe Zylinderfläche aufweisen. Die Kappenabschnitte
3a' - 3d' stützen sich mit ihren konvexen Zylinderflächen in einem Ring 14 jeweils
auf einer zugeordneten zylindrischen Führungsfläche 14a, 14b, 14c, 14d ab. Die Mittelpunkte
Ma, Mb, Mc Md der konvexen Zylinderflächen liegen dabei bevorzugt auf den radialen
Verschiebevektoren der Segmente 3a - 3d.
[0036] Der Ring 14 ist drehbar gelagert um den Schnittpunkt M der radialen Verschiebevektoren
der Segmente 3a - 3d, wobei der Schnittpunkt M der Verschiebevektoren wiederum bevorzugt
auf der Hauptachse 4 des Hohlformteils liegt. Die Mittelpunkte Xa, Xb, Xc, Xd der
zylindrischen Führungsflächen 14a - 14d liegen nicht auf den radialen Verschiebevektoren
der jeweils zugeordneten Segmente 3a - 3d, sondern mit jeweils identischem Abstand
dazu. Die Kappenabschnitte 3a' - 3d' und der Ring kontaktieren einander deshalb jeweils
versetzt um eine Distanz Y im Bereich einer Kontaktlinie N (in Fig. 5a beispielhaft
eingezeichnet für Segment 3b, Kappenabschnitt 3b' und zugeordneter Führungsfläche
14b).
[0037] Schließlich ist an dem Ring 14 ein Kraftgebendes Element 15 zugeordnet, das in den
Fig. 5a und 5b rein schematisch dargestellt ist. Das Kraftgebende Element 15 weist
eine (passive) mechanische, pneumatische oder hydraulische Feder 19 auf, die über
einen Hebelarm 20 mit dem Ring 14 verbunden ist. Anstelle der passiven Feder 19 kann
jedoch auch ein ansteuerbarer Hydraulikzylinder vorgesehen sein, der als Antriebs-
bzw. Bremsaggregat dient zur gezielten Verstellung des Rings. Dabei kann eine Verstellung
des Rings 14 über eine Einstellung der Kraft bzw. des Drehmoments und/oder über eine
Einstellung von Weg bzw. Drehwinkel und/oder Geschwindigkeit bzw. Winkelgeschwindigkeit
und/oder Beschleunigungen bzw. Winkelbeschleunigungen erfolgen. In einem modifizierten
Ausführungsbeispiel kommt als Kraftgebendes Element 15 bzw. anstelle der Feder 19
ein elektrischer Servomotor zum Einsatz.
[0038] Um möglichst geringe Getriebebelastungen zu erhalten, ist der Reibbeiwert zwischen
den Kappenabschnitten 3a' - 3d' und den Führungsflächen möglichst niedrig gewählt,
nämlich ca. 0,05 bis 0,25 (bevorzugt jedoch unter 0,15). Als Werkzeugwerkstoffe des
Getriebes sind Einsatzstähle, Kugellagerstähle (Typ 100Cr6) und alle Arten von Kalt-
und Schnellarbeitsstählen vorgesehen. Die Oberflächen-Härte dieser Konstruktionselemente
liegt bevorzugt oberhalb von 60 HRC. In einem modifizierten Ausführungsbeispiel sind
zwischen gegeneinander gleitenden Flächen Rollen zwischengeschaltet.
[0039] Durch ein Plastifizieren des Hohlformteils 1, welches im Zuge des erfindungsgemäßen
Umformverfahrens eine lokale radiale Ausdehnung des Hohlformteils 1 im Umformbereich
bewirkt, ergibt sich nun eine Radialkraft F auf die konkaven Innenflächen der Segmente
3a - 3d. Bei einer resultierenden radialen Verschiebung der Segmente 3a - 3d ergibt
sich ein auf den Ring wirkendes Drehmoment. Dieses ergibt sich aufgrund des Abstands
Y zwischen der jeweiligen Kontaktlinie N und dem Bewegungsweg des jeweiligen Segments
(z.B. hier Segment 3b).
[0040] Wenn der Abstand Y ausreichend groß und/oder die Reibung zwischen Kappenabschnitten
3a' - 3d' und den Führungsflächen 14a - 14d ausreichend klein ist, wird eine Selbsthemmung
des Getriebes 13 vermieden. In diesem Fall ergibt sich während des Stauchprozesses
ohne Zufuhr weiterer Antriebsenergie eine radiale Öffnungsbewegung der Segmente infolge
der Formänderung des Hohlformteils 1. Das Getriebe 13 setzt die Öffnungsbewegung der
Segmente 3a - 3d um in eine Drehbewegung des Ringes um die Rotationsachse M. Dieser
Drehung wirkt nun das Kraftgebende Element 15 entgegen.
[0041] Somit steuert das Kraftgebende Element 15 die Radialkräfte auf die Segmente 3a -
3d bevorzugt derart, dass diese mit 10% bis 30% der Fließspannung des umzuformenden
Werkstoffs gegen das Hohlformteil drücken. Knicken oder Beulen des Hohlformteils 1
wird so verhindert.
[0042] Ein viertes Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 8 entspricht dem Prinzip nach den vorherigen
Ausführungsbeispielen, weshalb auf die vorstehende Beschreibung vollumfänglich Bezug
genommen werden kann und gleichwirkende Bauteile mit gleichen Bezugszeichen versehen
sind.
[0043] Das Umformwerkzeug umfasst im vierten Ausführungsbeispiel wiederum eine erste Matrize
2a, 2b, die wiederum ein erstes ringförmiges Matrizenteil 2a und ein zweites ringförmiges
Matrizenteil 2b, in die das Hohlformteil 1 eingesetzt wird. Zwischen den Matrizenteilen
ist ein Umformbereich U gebildet, der von den Matrizenteilen 2a, 2b nicht abgestützt
ist. Zwischen dem ersten Matrizenteil 2a und dem zweiten Matrizenteil 2b ist eine
zweite verstellbare Matrize 3 angeordnet, die das Hohlformteil 1 in dem Umformbereich
U umgreift. Die zweite Matrize 3 ist in mehrere Segmente 3a, 3b unterteilt, wobei
die Segmente 3a, 3b an einem gemeinsamen, parallel zur Hauptachse 4 verschieblichen
Ring 14 mit einer trichterförmigen Gleitfläche 14e abgestützt sind. Dazu weisen die
Segmente korrespondierende kegelabschnittsförmige Außenflächen auf. In einem modifizierten
Ausführungsbeispiel sind anstelle des Rings 14 mehrere einzelne Keilelemente mit ebenen
Keilflächen vorgesehen, die wiederum in Richtung der Hauptachse 4 verschieblich gelagert
sind. In einem weiteren modifizierten Ausführungsbeispiel ist ein Ring mit mehreren
innenseitigen ebenen Gleitflächen vorgesehen.
[0044] Der Ring 14 ist optional um die Hauptachse 4 drehbar gelagert, er ist auch und gerade
in diesem Fall in axialer Richtung unterteilt. Der Ring 14 oder ein ringförmiger Teil
desselben bildet eine mehr oder weniger steife Einheit mit mehreren Hydraulik-Stößeln
16, die wiederum in Hydraulikzylindern 17 geführt sind (Pfeil 18). Die Hydraulik-Stößel
16 sind samt den Hydraulikzylindern 17 Bestandteile einer gemeinsamen Abstütz-, Betätigungs-,
und/oder Ansteuerungseinheit, wobei mehrere Hydraulikzylinder bevorzugt rotationssymmetrisch
um die Hauptachse 4 des Systems herum angeordnet sind. Ergänzend oder anstelle einer
hydraulischen Antriebseinheit sind in einem modifizierten Ausführungsbeispiel eine
oder mehrere Hydraulikfedern vorgesehen (analog zum Kraftgebenden Element 15 im dritten
Ausführungsbeispiel), die in Richtung des Pfeils 18 auf den Ring 14 wirken
[0045] Schließlich ist den Hydraulikzylindern optional ein aktiver Antrieb in Form einer
Hydraulikpumpe samt Flüssigkeitskreislauf oder eine passive mechanische, pneumatische
oder hydraulische Feder zugeordnet. Insbesondere der Antrieb dient zur gezielten Verstellung
des Rings 14. Dabei kann eine Verstellung des Rings 14 über eine Einstellung der Kraft
und/oder des Wegs und/oder der Geschwindigkeit und/oder der Beschleunigungen der Hydraulik-Stößel
erfolgen.
[0046] Um möglichst geringe Getriebebelastungen zu erhalten, ist der Reibbeiwert zwischen
den Segmenten 3a, 3b und den Führungsflächen möglichst gering gewählt, nämlich ca.
0,05 bis 0,15. Als Werkzeugwerkstoffe des Getriebes sind Einsatzstähle, Kugellagerstähle
(Typ 100Cr6) und alle Arten von Kalt- und Schnellarbeitsstählen vorgesehen. Die Oberflächen-Härte
dieser Konstruktionselemente liegt bevorzugt oberhalb von 60 HRC. Optional kann auch
eine aktive oder passive Schmierung der Gleitflächen zwischen den Segmenten 3a, 3b
und dem Ring 14 mit Öl, Fett oder Reibungsvermindernden Oberflächenbeschichtungen
vorgesehen sein.
[0047] Das Hohlformteil 1 wird während eines Umformschritts bzw. während mehrerer Umformschritte
von einer dritten Matrize in Form eines in das Hohlformteil eingreifenden, zylindrischen
Dorns 8a, 8b innenseitig abgestützt.
[0048] Wie schon mit Bezug auf die vorher geschilderten Ausführungsbeispiele beschrieben,
wird das Hohlformteil in einem Umformschritt einem Axialpressvorgang unterworfen.
Dabei wird das Hohlformteil 1 mit Hilfe einer Pressvorrichtung 11 in Richtung seiner
Hauptachse 4 derart gestaucht, dass das Hohlformteil 1 in dem von der ersten Matrize
2a nicht abgestützten Umformbereich U plastisch deformiert wird, wobei das Hohlformteil
im Umformbereich U von der zweiten Matrize 3 außenseitig abgestützt wird.
[0049] Im Rahmen dieses Umformvorgangs werden die Segmente 3a, 3b der zweiten Matrize 3
in unterschiedlichen Richtungen quer zur Hauptachse des Hohlformteils 1 bewegt (Pfeile
5). Jedem Segment ist dabei ein eigener Bewegungsweg in radialer Richtung zugeordnet,
wobei sich die Geraden der Bewegungswege in einem Punkt M auf der Hauptachse 4 schneiden.
Somit kann die Matrize 3 wiederum kontinuierlich, stufenweise oder oszillierend in
radialer Richtung geöffnet werden.
[0050] Das erfindungsgemäße Umformwerkzeug erlaubt die Anordnung von wenigen (2 < n < 5),
aber auch von vielen (n > 5) Segmenten bei gleichmäßiger Belastung auf kleinstem Raum,
da die Wirkung eines einzigen Kraftelementes mechanisch über ein Kurvengetriebe auf
n Segmente übertragen und über die Geometrie der Anordnung verstärkt wird. Die Lastverstärkung
ermöglicht eine sehr kleine Dimensionierung des Kraftgebenden Elements 15 z.B. als
Hydraulikzylinder, der für ein Prototyp-Getriebeteil nach Fig. 6a, Fig. 6b eine Kraft
von 8 kN aufwies. Je mehr Segmente, umso geringer sind bei radialem Öffnen die Spalte,
in die beim Stauchen Werkstoff einfließt und die als einen axialsymmetrischen, unrunden
Stauchbund bewirken (Fig. 6a, Fig. 6b). Ein Stauchverfahren mit segmentierter Matrize
erfordert eine besondere Gleichmäßigkeit der Stützlast, da bei asymmetrischer Last
ein Biegen des Stauchteiles zu der Seite mit geringer Stützwirkung und damit die Eulersche
Knickung eingeleitet wird.
[0051] Das Zeitverhalten eines mechanisch nahezu starren Kurvengetriebes ist im wesentlichen
verzögerungsfrei. Das Zeitverhalten eines Hydrauliksystems mit kleinen Ölmengen (Steuerkraft
ist wegen des Mechanismus klein) ist quasi ideal. Daher ist ein weiterer Vorteil darin
zusehen, dass durch sehr schnelles Verändern des Kraft-Zeitverlaufes auf der Hydraulikseite
das Abstützverhalten von n Stützsegmenten gleichmäßig auch bei sehr kleinen Umformzeiten
simultan mit der Umformung zu beeinflussen ist. Das System kann als passives Ölverdrängersystem
mit kontrolliertem Gegendruck oder auch aktiv über eine Pumpe und damit dem Stoff-Fluss
definiert voreilend angetrieben werden.
[0052] Hieraus resultieren zahlreiche weitere Neuerungen, die das neue Werkzeugsystem bietet:
- 1. Die Ausbildung der Wandstärke bei Rohrstauchprozessen kann über die Höhe und den
Zeitverlauf der Stützkraft gesteuert werden. Das System ermöglicht damit das Führen
eines flexiblen Stauchprozesses, bei dem über ein Steuerungsprogramm und nicht über
Werkzeughardware die Durchmessergeometrie eines Stauchteiles in weitem Rahmen verändert
werden kann (Fig. 6b)
- 2. Der Prozess kann bei sich ändernden knickrelevanten Parametern wie Zunahme der
Wand-Stärke und abnehmender Werkstofftemperatur im Verlauf der Stauchung durch Veränderung
der Stützkraft geregelt werden beispielsweise bzgl. des Faserverlaufes im Bund
- 3. Auf den bauteilseitigen Segmentflächen können Vertiefungen eingearbeitet sein,
die während des Stauchens zu Hinterschnitten führen. Damit wird das Bauteil beim Öffnen
der Presse immer formschlüssig und reproduzierbar auf der Maschinenseite festgehalten,
auf der die Segmentmatrize aufgebaut ist. Vor dem Auswerfen aus dieser Seite kann
durch aktives Öffnen der Segmente über Pumpenantrieb der Hinterschnitt freigegeben
werden.
- 4. Wegen der sehr schnellen Zeitcharakteristik ist das System auch auf schnell laufenden
mechanisch angetriebenen Maschinen einsetzbar, was für den wirtschaftlichen Einsatz
bei der Warmumformung von sehr großem Vorteil ist (Wärmeübergang und damit Aufheizung
der Werkzeuge nimmt mit der Druckberührzeit extrem ab)
- 5. Das System baut sehr Platz sparend, wenn bevorzugt nur ein Kraftelement integriert
und angesteuert wird. Damit ist es als Zusatzsystem in den heute vorhandenen Maschinen,
die stets mit sehr geringem Platzangebot im Arbeitsraum gekennzeichnet sind, nachrüstbar.
- 6. Wegen des geringen System-Platzbedarfes kann das System als schwimmende Matrize
betrieben werden, mit dem auf einer einfachwirkenden Presse eine beidseitige Stauchbewegung
entsprechend dem Prinzip in Fig 3 auf das Pressteil bewirkt werden kann.
1. Umformwerkzeug mit einer ersten Matrize (2a, 2b), der eine zweite verstellbare Matrize
(3) zugeordnet ist, die in mehrere bewegliche, insbesondere in unterschiedliche Richtungen
verschieblich gelagerte Segmente (3a, 3b, 3c, 3d) unterteilt ist, die
- ein umzuformendes Hohlformteil (1) während einer plastischen Umformung desselben
an mehreren Seiten, insbesondere in radialer Richtung abstützen und die
- insbesondere während einer plastischen Umformung des Hohlformteils insbesondere
in radialer Richtung verstellbar sind.
2. Umformwerkzeug nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
mehrere Segmente (3a, 3b, 3c, 3d) jeweils entlang einer zugeordneten Geraden (Verschieberichtung)
translatorisch verschieblich gelagert sind, wobei die jeweils zugeordneten Geraden
mehrerer Segmente in einer gemeinsamen, insbesondere senkrecht zu einer Hauptachse
des umzuformenden Hohlformteils orientierten Ebene angeordnet sind.
3. Umformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
mehreren Segmenten (3a, 3b, 3c, 3d) ein gemeinsames Abstütz-, Betätigungs- und/oder
Ansteuerungselement, insbesondere ein gemeinsames Antriebselement zugeordnet ist.
4. Umformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
mehreren Segmenten (3a, 3b, 3c, 3d) ein gemeinsames Getriebeelement zugeordnet ist,
über das im wesentlichen gleich große Kräfte zwischen den Segmenten und einem gemeinsamen
Abstütz-, Betätigungs-, und/oder Ansteuerungselement übertragbar sind.
5. Umformwerkzeug nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
mehreren Segmenten (3a, 3b, 3c, 3d) ein im wesentlichen unelastisches Kurven-Getriebe
zugeordnet ist, welches ein Ringelement aufweist, über das die Segmente vorzugsweise
in radialer Richtung abstützbar sind.
6. Umformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
mehrere, insbesondere alle Segmente (3a, 3b, 3c, 3d) eine gleiche Dicke quer zu ihrer
Verschieberichtung aufweisen, die dem zweibis zwanzigfachen, insbesondere dem drei-
bis zehnfachen Wert der (Ausgangs-)Wandstärke des umzuformenden Hohlformteils (1)
entspricht.
7. Umformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Segmente (3a, 3b, 3c, 3d) in einer Arbeitsposition einen elastischen und/oder
mehrteiligen Dorn innerhalb des umzuformenden Hohlformteils (1) bilden.
8. Umformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
• die Segmente (3a, 3b, 3c, 3d) in einer ersten Arbeitsposition einen mehrteiligen
Ring um das Hohlformteil oder in dem Hohlformteil bilden und dass
• der mehrteilige Ring in einer zweiten Arbeitsposition einen gegenüber der ersten
Arbeitsposition geänderten Durchmesser aufweist.
9. Verfahren zum Umformen eines Hohlformteils, insbesondere zur Anwendung mittels eines
Umformwerkzeugs nach einem der vorherigen Ansprüche, bei dem
- in einem ersten Verfahrensschritt ein Hohlformteil (1) in eine erste Matrize (2)
eingesetzt wird, die das Hohlformteil in einem Stützbereich entlang seiner Mantelfläche
ringförmig umschließt und abstützt, und bei dem
- in einem zweiten Verfahrensschritt (Umformschritt) das Hohlformteil in Richtung
seiner Hauptachse derart gestaucht wird, dass
- das Hohlformteil (1) in einem von der ersten Matrize (2) nicht abgestützten Umformbereich
(U) plastisch umgeformt wird, wobei
- das Hohlformteil im Umformbereich von einer zweiten, in ihrer Geometrie verstellbaren
bzw. veränderbaren Matrize (3) außenseitig abgestützt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
die zweite Matrize (3) während des Umformschritts in einer Richtung quer zur Hauptachse
(4) des Hohlformteils bewegt wird, insbesondere kontinuierlich und/oder stufenweise
in radialer Richtung geöffnet wird.
11. Verfahren nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, dass
während des Umformschritts einer kontinuierlichen und/oder stufenweisen Öffnungsbewegung
der zweiten Matrize (3) eine oszillierende Bewegung der zweiten Matrize (3) überlagert
ist.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
die zweite Matrize (3) während des Umformschritts mit einer vorbestimmten Kraft und/oder
einem vorbestimmten Kraftverlauf gegen das Hohlformteil (1) gedrückt wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 12,
dadurch gekennzeichnet, dass
die zweite Matrize (3) während des Umformschritts entlang eines vorbestimmten Weges
und/oder mit einem vorbestimmten Geschwindigkeitsverlauf bewegt wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13,
dadurch gekennzeichnet, dass
die zweite Matrize (3) und/oder das Hohlformteil (1) während des Umformschritts um
die Hauptachse (4) des Hohlformteils gedreht werden.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 14,
dadurch gekennzeichnet, dass
die zweite Matrize (3) in Richtung einer oder mehrerer parallel zur Hauptachse (4)
des Hohlformteils (1) orientierter Ebenen und/oder in Richtung einer oder mehrerer
die Hauptachse (4) des Hohlformteils enthaltender Ebenen in Segmente (3a, 3b, 3c,
3d) unterteilt ist.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, dass
mehrere Segmente (32, 3b, 3c, 3d) der zweiten Matrize (3) während des Umformschritts
über ein gemeinsames Getriebeelement mit im wesentlichen gleich großen Kräften beaufschlagt
werden.
17. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 16,
dadurch gekennzeichnet, dass
die erste Matrize (2) mehrteilig ausgeführt ist, wobei ein erstes Matrizenteil (2a)
und ein zweites Matrizenteil (2b) im ersten Verfahrensschritt voneinander beabstandet
positioniert sind und wobei das erste Matrizenteil (2a) und das zweite Matrizenteil
(2b) während des Umformschritts aufeinander zu bewegt werden, insbesondere kontinuierlich
zueinander gefahren werden.
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 17,
dadurch gekennzeichnet, dass
die erste Matrize (2) mehrteilig ausgeführt ist, wobei ein erstes Matrizenteil (2a)
und ein zweites Matrizenteil (2b) im ersten Verfahrensschritt voneinander beabstandet
positioniert sind und wobei das erste Matrizenteil (2a) und das zweite Matrizenteil
(2b) während des Umformschritts voneinander entfernt werden, insbesondere kontinuierlich
auseinander gefahren werden.
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 17 bis 18,
dadurch gekennzeichnet, dass
einer kontinuierlichen Bewegung des ersten Matrizenteils (2a) und des zweiten Matrizenteils
(2b) eine oszillierende Bewegung der Matrizenteile und/oder des Hohlformteils (1)
überlagert ist.
20. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 19,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Hohlformteil (1) während des Umformschritts von einer dritten Matrize in Form
eines in das Hohlformteil eingreifenden, insbesondere verstellbaren und/oder elastisch
deformierbaren Dorns innenseitig abgestützt wird.
21. Hohlteil, insbesondere Getriebe-, Motor- und/oder Antriebswelle,
dadurch gekennzeichnet, dass
es unter Zuhilfenahme eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 9 bis 20 aus einem
Hohlformteil hergestellt wird.