[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Patrone für eine Handfeuerwaffe mit einem einen
vorderseitigen Kopf und einen Träger umfassenden Projektil, einem Gehäuse und einem
eine Treibladung umfassenden Antriebselement.
[0002] Es sind eine Vielzahl von subletalen bzw. nicht-letalen Projektilen als Trägern kinetischer
Energie bekannt, die für relativ kurzreichweitige Auseinandersetzungen konzipiert
sind, welche sich üblicherweise in einem Bereich zwischen 7 und 15 m bewegen. Um eine
hohe Trefferwahrscheinlichkeit bei einem Zielobjekt zu erreichen, ist bei diesen Reichweiten
eine hohe ballistische Präzision nicht erforderlich. Es ist vielmehr durchaus möglich,
eine ausreichende Trefferwahrscheinlichkeit auch mit einem aerodynamisch unstabilen
Projektil zu erreichen. Jedoch sinkt die Trefferwahrscheinlichkeit erheblich, wenn
dieser Reichweitenbereich überschritten wird. Dieser Umstand basiert auf inkonsistenten
aerodynamischen Kräften, die durch unstabile Projektilformen hervorgerufen werden.
[0003] Eine andere Kategorie nicht-letaler Projektile besteht aus einem einzigen oder mehreren
kreisförmigen zylindrischen Körpern, die allgemein als Gummigeschosse bezeichnet werden
und die typischerweise aus einem harten Gummi, aus einem Schaumstoff, Kunststoff oder
Holz hergestellt sind. Es ist zwar möglich, mit einem derartigen Geschoss aerodynamische
Stabilität zu erreichen, aber nur, wenn ihm der richtige Drehimpuls aufgeprägt wird.
Jedoch wird die Mehrzahl dieser Geschosse aus einem Lauf mit einer glatten Innenwand
herausgeschossen, so dass sie während des Flugs eine taumelnde instabile Bewegung
zeigen. Zusätzlich weisen diese Geschosse eine flache vordere Seite auf, die ebenfalls
negative Wirkung auf die Stabilität der Flugbahn hat.
[0004] Aus der
US 6 041 712 ist eine nicht-letale Patrone mit einem spinstabilisierten Projektil bekannt; durch
seine Form soll dieses Projektil auch auf höheren Reichweiten wirksam sein. Eine weitere
Maßnahme besteht darin, dass es eine zusammendrückbare Vorderseite aufweist, die zur
Aufnahme von Energie zusammengedrückt wird, wenn sie mit einem Gegenstand zusammenstößt.
[0005] Als nicht-letal bzw. subletale Patrone wird hierbei eine Patrone verstanden, welche
insbesondere bei Körpertreffern, wie sie beispielsweise bei Verwendung einer solchem
Munition bzw. Patrone gegen Menschen vorkommen, in der Regel nicht tödlich sind. Es
sind jedoch auch bei der Verwendung solcher Patronen Umstände denkbar, in welchen
auch eine solche Patrone und das damit verschossenen Projektile zu Verletzungen beim
Zielobjekt führt, welche tödlich sein können.
[0006] Das Projektil besteht aus einem hohlzylindrischen, nach hinten offenen Träger, auf
dessen vorderer stirnseitiger Wandung der zusammendrückbare Kopf aufgesetzt ist. Der
Träger ist an seinem hinterseitigen Ende so geformt, dass ein im Wesentlichen ebenfalls
hohlzylindrisches Gehäuse auf das Ende aufsetzbar ist. Das hohlzylindrische Gehäuse
ist an seinem vorderen, mit dem Träger verbindbaren Ende offen und an seinem hinteren
Ende nach Aufnahme einer Treibladung in einer Öffnung in seiner hinteren stirnseitigen
Wand ebenfalls geschlossen, so dass durch die Verbindung zwischen dem Träger und dem
Gehäuse eine geschlossene Kammer entsteht, in die hinein die Verbrennungsgase der
Treibladung eindringen, um das Projektil aus dem Lauf der Handfeuerwaffe herauszutreiben.
[0007] Es ist die Aufgabe der Erfindung, eine Patrone zu schaffen, deren Projektil bei geringerer
Verletzungsgefahr bzw. einem vorgegebenen Verletzungspotential über einen großen Reichweitenbereich
eine hohe Wirksamkeit aufweist.
[0008] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe bei einer Patrone der eingangs genannten Art dadurch
gelöst, dass das Projektil eine an eine gleichmäßige Abgabe der in der Schusswaffe
aufgenommenen kinetischen Energie angepasste Oberfläche aufweist.
[0009] Die erfindungsgemäß zum Einsatz kommenden Patronen haben Projektile mit hoher Treffsicherheit
bei gleichzeitig geringer Streuung, d. h. Abweichung im Zielpunkt bei vorgegebener
Entfernung der Projektile. Diese vermögen gegenüber herkömmlichen Projektilen durch
ihre windschnittige Form erheblich größere Entfernungen zurückzulegen bei gleichzeitigem
Erhalt der Zielgenauigkeit auch bei großen Strecken.
[0010] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen,
der Beschreibung und den Zeichnungen.
[0011] Mit Vorteil ist vorgesehen, dass der Kopf aus einem elastischen Material gebildet
ist. Dadurch wird über einen weiten Entfernungsbereich bei einem Zusammenstoß mit
einem Objekt, die Kraft des Zusammenstoßes reduziert, im Falle eines menschlichen
Ziels die Gefahr von Verletzungen, insbesondere Hautverletzungen, Knochen- oder Organschäden,
gemindert. Der elastisch ausgebildete Kopf modifiziert auch den Impuls, der auf das
Objekt ausgeübt wird, indem dieser gegenüber herkömmlichen Geschossen über einen längeren
Zeitraum einwirkt, wobei sich gleichzeitig die Stärke des Impulses reduziert.
[0012] Als nützlich erweist es sich gemäß einer Weiterbildung der Erfindung auch, wenn der
Kopf aus einem Kunststoff, insbesondere einem Hartkunststoff, einem Gummi, insbesondere
einem Moosgummi, und/oder einem kompressiblen Material, insbesondere einem schaumförmigen
Material, Kombinationen hiervon und dergleichen gebildet ist. Hierdurch wird die gleichmäßige,
über einen Zeitraum verteilte Energieabgabe an das Objekt ermöglicht, auf welches
das Geschoss auftrifft.
[0013] Vorzugsweise ist der Kopf des Projektils auf seiner in Flugrichtung des Projektils
vorderen Seite abgerundet, insbesondere halbkugelförmig. Dadurch wird einesteils eine
aerodynamisch optimierte Form geschaffen, die einen gleichmäßigen Flug ermöglicht,
andererseits ist dies eine für das Auftreffen auf dem Zielobjekt besonders geeignete
Form.
[0014] In besonders vorteilhafter Weise ist vorgesehen, dass der Kopf des Projektils auf
seiner Oberfläche Vertiefungen, wenigstens auf seiner in Flugrichtung vorderen Seite,
aufweist. Diese sind insbesondere als Gruben, Dellen oder Dimples ausgebildet. Durch
die Vertiefungen wird u. a. neben der Spinstabilisierung eine weitere Stabilisierung
des Projektils bewirkt, die eine große Flugruhe des Projektils erzeugt und damit erheblich
größere Reichweiten ermöglicht, als sie bei Projektilen gemäß dem Stand der Technik
ermöglicht werden. Durch die Anordnung der Gruben wird erreicht, dass der Kopf des
Projektils während des Flugs und somit auch beim Auftreffen präzis nach vorn gerichtet
ist. Erst durch diese Maßnahme lässt sich mit Sicherheit bewirken, dass der Impuls
des Geschosses definiert über den Kopf und möglichst ausschließlich durch diesen an
das Zielobjekt abgegeben wird. Durch diese Maßnahme wird somit wirksam verhindert,
dass der Träger des Projektils, der gewöhnlich aus einem weniger elastischen Material
als der Kopf besteht, den Impuls an das Zielobjekt abgibt, wodurch wenigstens erhöhte
Verletzungen hervorgerufen werden könnten.
[0015] Vorzugsweise ist auch der Träger des Projektils ebenfalls aus einem Kunststoff gebildet.
Dadurch lässt sich das Projektil insgesamt mit einem relativ geringen Gewicht fertigen,
was eine große Geschossreichweite begünstigt und die Verletzungsgefahr durch das Projektil
weiter reduziert.
[0016] Von besonderem Vorteil ist der Einsatz eines Projektils, dessen Träger an seinem
hinteren Ende Finnen, Flossen oder andere Stabilisierungselemente aufweist. Die Finnen
oder Flossen tragen wie die gesamte Form der äußeren Kontur des Projektils dazu bei,
eine Spinstabilisierung des Projektils zu erzielen. Unter anderem wird durch die Drehung
um sich selbst und die Oberflächenstruktur des Projektils eine Energie verzehrende
und die Luftreibung erheblich erhöhende Taumelbewegung des Geschosses vermieden.
[0017] In besonders vorteilhafter Weise ist hierbei vorgesehen, dass sich die Flossen im
Wesentlichen in Längsrichtung des Projektils erstrecken und nicht über den äußeren
Umfang des Trägers des Projektils herausragen. Auch durch diese Maßnahme wird der
Windwiderstand des Projektils reduziert.
[0018] Beispielsweise ragen die Flossen sägezahnförmig nach hinten. Hierbei kann mit Vorteil
vorgesehen werden, dass die Flossen jeweils eine erste Flanke mit großer Steigung
und eine zweite Flanke mit geringer Steigung aufweisen.
[0019] Als geeignet erweisen sich Formen der Flossen, bei denen die ersten Flanken sich
jeweils wenigstens annähernd parallel zur Längsachse des Trägers des Projektils erstrecken.
Die zweiten Flanken können eine konvexe Form aufweisen.
[0020] Die Patrone lässt sich durch verschiedene Formen von Treibladungen antreiben. Beispielsweise
kann die Treibladung in Form einer Platzpatrone, vorzugsweise mit einem Treibmittel
aus der Gruppe von Schwarzpulver, Nitrocellulose, Kombinationen hieraus und dergleichen,
ausgestaltet sein. Schwarzpulver kann beispielsweise durch eine durch Schlag zündbare
Zündladung entzündet werden. Die geringe Masse und der Umstand, dass das Projektil
nicht-letal ist, beschränken den Arbeitsdruck für das Entzünden der Treibladung auf
einen Druck, bei dem rauchlose, heute übliche Treibmittel nicht vollständig in Brand
gesetzt werden, was dann zu großen Abweichungen in der Geschwindigkeit an der Mündung
des Laufs der Schußwaffe führt. Auch kann teilweise unverbranntes Pulver in dem Lauf
verbleiben. Hier hat Schwarzpulver den Vorteil einer guten und vollständigen Verbrennung,
allerdings den Nachteil, dass es stark korrodierende Rückstände im Lauf der Schusswaffe
hinterlässt, die eine sorgfältige Reinigung erfordern und das Metall der Schusswaffe
angreifen. Aus diesen Gründen kann die erfindungsgemäße Patrone auch durch andere
Treibladungen angetrieben werden, insbesondere durch Nitrocellulose oder durch Gemische,
die Nitrocellulose enthalten.
[0021] Entsprechend einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist der
Aufbau der Patrone so gewählt, dass die Verbrennungsgase der Treibladung einen maximalen
Druck von 250 bar durch eine Düse, die zwischen der Treibladung und dem Projektil
angeordnet ist, aufbauen. Diese Verbrennungsgase bilden dann einen Hochenergiestrom,
welcher das Projektil im Wesentlichen in dem Lauf der Handfeuerwaffe antreibt.
[0022] Die Patrone ist vorzugsweise so ausgestaltet, dass das Gehäuse auf der Rückseite
eine Ausnehmung zur Aufnahme der Treibladung beispielsweise in der Form einer Platzpatrone
aufweist.
[0023] Vorzugsweise ist die Patrone so zusammengesetzt, dass das Projektil kein Bestandteil
einer geschlossenen Druckkammer ist; es wird nicht durch die Druckkraft angetrieben,
sondern durch den von einem offenen Explosionsstrahl übertragenen Impuls. Da jedoch
die von der Treibladung ausgestoßenen Explosionsgase in dem Lauf der Handfeuerwaffe
verbleiben, bis das Geschoss die Mündung des Laufs verlassen hat, erhöhen sie den
Gesamtbetrag an Gasen in dem geschlossenen Volumen des Laufs und somit den Druck in
dem Lauf.
[0024] Wenn das Geschoss beispielsweise in einer vom Anmelder hergestellten Schusswaffe
B&T GL-08 (mit einer Geschossbahn von 240 mm) abgefeuert wird, erzeugt der hochenergetische
Gasstrom 80 % der kinetischen Energie des Geschosses und der sich in dem Lauf aufbauende
Gasdruck die restlichen 20 %. Da mit der zunehmenden Menge des Gases auch das zur
Verfügung stehende Volumen durch die Vorwärtsbewegung des Geschosses anwächst, bleibt
der Gasdruck in dem Lauf auf dem verhältnismäßig niedrigen Niveau von 5 bar mit einem
Maximum von etwa 10 bar zu Beginn des Prozesses.
[0025] Ein positiver Nebeneffekt dieses besonderen internen ballistischen Vorgangs besteht
darin, dass die Patrone eine sehr geringe Geräuschentwicklung zeigt, was sich in Hinblick
auf die Sicherheit des Benutzers, das Umweltbewusstsein und die Diskretion beim Einsatz
der Waffe usw. als erheblicher Vorteil bei vielen taktischen Einsätzen erweist.
[0026] Mit Vorteil ist somit vorgesehen, dass der Antrieb des Projektils im Wesentlichen
durch einen Hochenergietreibstrahl der Treibladung bewirkt wird. Hierbei wird bevorzugt
der Hochenergietreibstrahl durch die Anordnung einer Düse zwischen der Treibladung
und dem Projektil bewirkt. Sonach ergibt sich in vorteilhafter Weise, dass der Antrieb
des Projektils in einem Verhältnis von ca. 80 % durch den Hochenergietreibstrahl und
zu ca. 20 % durch einen Gasdruck beiwirkt wird.
[0027] Weiterhin ist vorgesehen, dass das Projektil durch eine Eigendrehung um die Längsachse
und/oder durch die Oberflächenstruktur stabilisiert wird.
[0028] Durch die Ausgestaltung und die Form der Oberflächenstruktur ergibt sich, dass sich
eine dünne turbulente Zwischenschicht zwischen der Oberflächenstruktur des Projektils
und der laminaren Luftströmung bildet, welche das Projektil während seines Fluges
umgibt.
[0029] Insgesamt ist gemäß der Erfindung vorgesehen, dass die Projektilenergiedichte im
Sinne einer nichtletalen Munition so gewählt ist, dass das Projektil nicht in der
Lage ist, in die Oberfläche eines Zieles einzudringen.
[0030] Vorzugsweise wird das Projektil mit einer die Energiedichte des Projektils zwischen
0,001 J/mm
2 und 1 J/mm
2, vorzugsweise zwischen 0,01 J/mm
2 und 0,1 J/mm
2 und besonders bevorzugt zwischen 0,065 J/mm
2 und 0,095 J/mm
2, aus dem Lauf der Schusswaffe herausgeschossen, so dass die Zielentfernung vorzugsweise
zwischen 0 und 60 m liegt.
[0031] Insgesamt zeichnet sich ein von der Patrone gemäß der Erfindung umfasstes Projektil
dadurch aus, dass es um seinen Kopf herum eine turbulente Grenzschicht erzeugt, die
viel enger an dem Körper des Projektils anliegt und diesem näher und besser folgt
als dies eine Grenzschicht bei einem Geschoss nach dem Stand der Technik zu tun vermag.
Als weitere Maßnahme sind die Flossen am hinteren Ende des Projektils zur Führung
des Luftstroms in den hinteren Bereich des Geschosses ausgebildet und reduzieren daher
die verlangsamende Wirkung der sog. Luftströmung um das Projektil herum.
[0032] Nachstehend wird die Erfindung in einem Ausführungsbeispiel anhand der Zeichnungen
näher erläutert.
[0033] Dabei zeigen:
- Fig. 1
- eine Schnittansicht einer nicht-letalen Patrone mit einem Projektil, einem das Projektil
vor dem Abschuss tragenden Gehäuse und einem von dem Gehäuse aufgenommenen Antriebssystem
gemäß der Erfindung entlang einer Schnittlinie I - I aus Fig. 2,
- Fig. 2
- eine perspektivische Ansicht auf die Patrone gemäß Fig. 1, wobei das Projektil, das
Gehäuse und das Antriebssystem getrennt voneinander dargestellt sind,
- Fig. 3
- eine Schnittansicht durch den Lauf einer Handfeuerwaffe mit einer Patrone nach der
Explosion einer von dem Antriebssystem umfassten Treibladung,
- Fig. 4
- einen Vergleich der Aerodynamik eines Geschosses nach dem Stand der Technik (oben
dargestellt) und einem Geschoss gemäß der Erfindung (unten dargestellt),
- Fig. 5
- eine Tabelle mit den Werten der Höhe während des Flugs des Projektils gegenüber der
durch die Null-Lage von Kimme und Korn gegebenen Höhe des Laufs,
- Fig. 6
- eine ballistische Kurve entsprechend den Werten aus Fig. 5 und
- Fig. 7
- eine Tabelle mit den Werten von Entfernungen, den jeweils zugehörigen Geschwindigkeiten,
den zugehörigen Energien, Energiedichten und den zugehörigen Durchmessern von Kreisen
mit Trefferwahrscheinlichkeiten von 99 %.
[0034] Eine für eine Handfeuerwaffe, d. h. eine Schusswaffe wie eine Pistole oder ein Gewehr,
geeignete und einsetzbare Patrone 1 (Fig. 1, 2) umfasst ein Projektil oder Geschoss
2, ein Gehäuse 3 und ein Antriebssystem 4, welches im Wesentlichen eine Treibladung
umfasst, die sämtlich vor der Aktivierung der Patrone 1 durch eine mechanische Einwirkung
auf das Antriebssystem 4 in einander gesteckt sind.
[0035] Das Projektil 2 umfasst seinerseits einen Kopf 5 und einen Träger 6. Der Kopf 5 besteht
aus einem elastischen und/oder wenigstens teilweise kompressiblen Material, beispielsweise
einem Gummi, insbesondere einem Hartgummi, einem Kunststoff, einem Schaumstoff, einem
schwammförmigen Material und dgl. oder einem Gemisch derartiger Materialien. Der Kopf
5 weist ferner an seinem in Flugrichtung vorderen Ende eine wenigstens im Wesentlichen
halbkugelförmig ausgebildete Form auf, die nach hinten in eine zylindrische, an den
Träger 6 anschließende Form übergeht. Ferner ist der Kopf 5 mit Gruben 7, Vertiefungen,
oder Dimples ausgestattet, die in einer Ausführungsform unmittelbar aneinandergrenzen,
die aber auch unter Abständen zueinander, wie in Fig. 1 dargestellt, angeordnet sein
können. Die Gruben 7 sind konkave Ausnehmungen in der Kugeloberfläche des Kopfes 5
und bilden beispielsweise Kugelabschnitte aus. Die Gruben 7 tragen in erheblichem
Umfang dazu bei, dass das Projektil 2 eine hohe Reichweite bei gleichzeitig stabilem
Flug und einer gleichmäßigen Abgabe seiner kinetischen Energie während des Flugs und
eine hohe Lagestabilität aufweist.
[0036] Ebenso trägt auch die Form des Trägers 6 zu diesen Eigenschaften bei. Der Träger
6 hat eine zur Erreichung eines Spins oder Eigendrehimpulses angepasste äußere Wandform.
Diese weist beispielsweise einen umlaufenden Wulst 8 auf. An ihrem hinteren Ende weist
der Träger 6 einen sich in Längsrichtung erstreckenden Flansch 9 auf. Dieser umfasst
eine sich in radialer Richtung nach außen erstreckende Verdickung 10. Die Verdickung
10 hat im Wesentlichen die Aufgabe, eine rastende Verbindung zwischen dem Träger 6
und dem Gehäuse 3 zu ermöglichen, das seinerseits einen in Richtung zu dem Träger
6 weisenden zylindrischen Vorsprung 11 aufweist. Der Vorsprung 11 hat eine mit der
Verdickung 10 zusammenwirkende und korrespondierende Ausnehmung 12, so dass vor der
Explosion der Treibladung eine derart stabile Verbindung zwischen dem Gehäuse 3 und
dem Projektil 2 besteht, dass sie allein durch die Explosion auftrennbar ist.
[0037] Von seiner, bezogen auf die Flugrichtung des Projektils 2, hinteren Stirnseite ist
das Antriebssystem 4 in das Gehäuse 3 derart eingebracht, dass eine Explosion der
von dem Antriebssystem umfassten Treibladung das Gehäuse 3 und das Projektil 2 auseinandertreibt
und die in der Treibladung enthaltene chemische Energie auf das Projektil 2 wenigstens
im Wesentlichen nahezu vollständig bzw. in vorgegebenem Umfang übertragen wird.
[0038] Das Projektil 2 ist zur Unterstützung der Stabilität seiner Flugbahn an seinem hinteren
Ende mit Vorsprüngen, Flossen 13 oder Finnen ausgestattet, die sich wenigstens im
Wesentlichen in Längsrichtung des Projektils 2 erstrecken. Die Flossen 13 springen
nach hinten keil- oder zackenartig hervor. Sie können aber auch durch kerbenförmigen
Materialabtrag am rückseitigen Ende des Trägers 6 bewirkt sein. Die Flossen 13 weisen
daher im Wesentlichen jeweils eine in Längsrichtung verlaufende Flanke 14, eine geneigte
Flanke 15 und ein im Wesentlich rechtwinklig zur Längsrichtung des Trägers 6, d. h.
in tangentialer Richtung, verlaufendes Zwischenstück 16 zwischen den beiden Flanken
14, 15 auf.
[0039] Im Augenblick nach der Auslösung des Antriebssystems 4 bleibt das Gehäuse 3 mit einer
äußeren Hülle 16 (Fig. 3) des Antriebssystems 4 in dem Lauf 17 der Handfeuerwaffe
zurück, während das Projektil 2 den Lauf 17 an dessen Mündung verlässt. Dabei erfolgt
der Antrieb, wie auch in Figur 3 dargestellt im Wesentlichen durch einen hochenergetischen
Gasstrahl 19, welcher bei der Verbrennung bzw. Explosion des Treibmittels erzeugt
wird. Zur Erzeugung des hochenergetischen Treibstrahls dient unter anderem eine Düse
20, welche zwischen der Treibladung und dem Projektil angeordnet ist und insbesondere
auch die Fokussierung und Ausrichtung des Treibstrahls in Bezug auf die Projektilunterseite
21 bewirkt.
[0040] Es versteht sich, dass die Innenfläche des Laufs 17 in an sich bekannter Weise so
ausgeformt sein kann, dass die Ausbildung eines Spins des Projektils 2 gefördert wird.
Das Geschoss 2 weist somit vorzugsweise auch eine Spinstabilisierung auf und gewährleistet
auch hierdurch eine hohe Trefferwahrscheinlichkeit. Wie bei allen anderen nicht-letalen
oder subletalen Patronen ist die Makroform des Projektils 2 an die Ballistik in Zielnähe
optimiert und darauf abgestimmt, dass ihre externe Ballistik an ihre Mikrostruktur
angepasst und fokussiert ist.
[0041] Hierzu wird um das Projektil 2 herum durch den Kopf 5 eine turbulente Grenzschicht
18 (Fig. 4 unten) erzeugt, die viel enger an dem Körper des Projektils 2 anliegt und
diesem besser folgt als dies eine laminare Grenzschicht 18' (Fig. 4 oben) bei einem
Geschoss 2' nach dem Stand der Technik zu tun vermag. In Fig. 4 zeigen die Pfeile
A die dem Flug der Projektile 2, 2' entgegengerichtete Luft an.
[0042] Als weitere Maßnahme sind die Flossen 13 am hinteren Ende des Projektils 2 zur Führung
des Luftstroms in den hinteren Bereich des Geschosses 2 ausgebildet und reduzieren
daher die verlangsamende Wirkung der Luftströmung 18. Das obere Geschoss 2' nach dem
Stand der Technik hat bei gleicher Makroform wie das Projektil 2 nach der Erfindung
im Unterschied zu diesem ein flaches hinteres Ende, während das Projektil 2 sich durch
seinen mit Gruben 7 ausgestatteten Kopf 5 und seine Heckflossen 13 auszeichnet und
dadurch einem reduziertem Luftwiderstand ausgesetzt ist. Gleichzeitig wird die Flugstabilität
erhöht, so dass gewährleistet wird, dass der Kopf 5 des Projektils 2 möglichst zuerst
geradlinig und nicht etwa geneigt auf das Zielobjekt auftrifft und dadurch eine in
weit geringerem Maße als nach dem Stand der Technik möglich eine verletzende Wirkung
entfaltet.
[0043] Das Grundprinzip der in Fig. 4 dargestellten Aerodynamik besteht darin, dass, je
mehr Energie ein fliegendes Geschoss darauf verwenden muss, um die umgebende Luft
aus seiner Flugbahn zu verdrängen, es um so mehr Impuls und Energie verliert. Da das
Geschoss 2' nicht nur sein eigenes Volumen zu verdrängen hat, sondern auch ein erhebliches
Volumen der umgebenden Luft, welche das Geschoss 2' mit sich führt, verliert das Geschoss
2' nach dem Stand der Technik seine Energie viel schneller als das Projektil 2 gemäß
der Erfindung, das eine deutlich reduzierte Wirbelluftströmung mit sich führt. Diese
führt weniger Partikel mit sich und hat dadurch auch eine viel geringere Empfindlichkeit
gegenüber Querströmungen oder einem Wind in einer Richtung oder einer Richtungskomponente
senkrecht zur Flugbahn des Geschosses 2, ist also viel unempfindlicher gegenüber Kräften,
die es aus seiner gewünschten Bahn ablenken könnten.
[0044] Durch die Erfindung wird somit ein gegenüber Seitenkräften und sonstigen Einflüssen
wenigstens im Wesentlichen stabileres Projektil 2 geschaffen, das auf die durch die
Treibladung vermittelte kinetische Energie reagiert. Aufgrund seiner geringen Energiedichte
kann es vorzugsweise nicht ein lebendes Zielobjekt, wie beispielsweise die Haut eines
Menschen, durchdringen und gibt vorzugsweise seine gesamte Energie an der Oberfläche
des Zielobjekts ab. Ein geringer Anteil der Energie wird dafür verwandt, den Kopf
5 des Projektils 2 zu verformen. Der übrige, überwiegende Anteil verformt die äußere
Wandung oder Haut des Zielobjekts. Wenn dieses Ziel ein Mensch ist, erzeugt das Geschoss
2 genügend Schmerz, um den Aggressor zu entmutigen und von seinem Vorhaben abzubringen.
Die Energie des Geschosses 2 ist vorzugsweise nicht genügend groß, um insbesondere
den Kopf 5 zu zerstören oder zu fragmentieren, wenn das Geschoss 2 auf eine Wand aus
Beton abgeschossen wird.
[0045] Eine Tabelle (Fig. 5) zeigt beispielhaft den Verlauf der Höhe H, gemessen in Millimetern
[mm], des Projektils 2 in Abhängigkeit von der Entfernung D, gemessen in Metern [m].
Fig. 6 zeigt die ballistische Kurve oder Trajektorie, die sich mit diesen Werten ergibt,
wobei wieder die Höhe H, gemessen in Zentimetern [cm], als Funktion der Entfernung
D, gemessen in Metern [m], aufgetragen ist. Hierbei ergibt sich ein Zielpunkt 0 in
einer Entfernung von 30 m. Der Umstand, dass dem Mündungspunkt des Laufs 17 der Schusswaffe
eine Höhe von -55 mm entspricht, folgt aus der Höhendifferenz zwischen Kimme und Korn
einerseits und dem Lauf 17 andererseits.
[0046] In einer weiteren Darstellung (Fig. 7) sind für verschiedene Werte von Entfernungen,
gemessen in Metern [m], Geschwindigkeiten v [m/s], die Energien E, gemessen in Joule
[J], die Energiedichten ED, gemessen in [J/mm
2], und die Durchmesser d von Kreisen mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von 99 %
für ein Projektil 2 gemäß der Erfindung wiedergegeben.
1. Patrone (1) für eine Handfeuerwaffe mit einem einen vorderseitigen Kopf (5) und einen
Träger (6) umfassenden Projektil (2), einem Gehäuse (3) und einem eine Treibladung
(4) umfassenden Antriebselement, dadurch gekennzeichnet, dass das Projektil (2) eine an eine gleichmäßige Abgabe der in der Schusswaffe aufgenommenen
kinetischen Energie angepasste Oberfläche aufweist.
2. Patrone (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Kopf (5) aus einem elastischen Material gebildet ist.
3. Patrone (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Kopf (5) aus einem Kunststoff, insbesondere einem Hartkunststoff, einem Gummi,
insbesondere einem Moosgummi, und/oder einem kompressiblen Material, insbesondere
einem schaumförmigen Material, Kombinationen hiervon und dergleichen gebildet ist.
4. Patrone (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Kopf (5) auf seiner in Flugrichtung des Projektils (2) vorderen Seite abgerundet,
insbesondere halbkugelförmig, ist.
5. Patrone (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Kopf (5) auf seiner Oberfläche Vertiefungen (7), wenigstens auf seiner in Flugrichtung
vorderen Seite, aufweist.
6. Patrone (1) nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Vertiefungen Gruben (7), Dellen oder Dimples sind.
7. Patrone (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Träger (6) des Projektils (2) ebenfalls aus einem Kunststoff gebildet ist.
8. Patrone (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Träger (6) des Projektils (2) an seinem hinteren Ende Finnen (13), Flossen oder
andere Steuerungselemente aufweist.
9. Patrone (1) nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Flossen (13) im Wesentlichen in Längsrichtung des Projektils (2) erstrecken
und nicht über den äußeren Umfang des Trägers des Projektils (2) herausragen.
10. Patrone (1) nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Flossen (13) sägezahnförmig nach hinten ragen.
11. Patrone (1) nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Flossen (13) jeweils eine erste Flanke (14) mit großer Steigung und eine zweite
Flanke (15) mit geringer Steigung aufweisen.
12. Patrone (1) nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die ersten Flanken (14) sich jeweils wenigstens annähernd parallel zur Längsachse
des Trägers (6) des Projektils (2) erstrecken.
13. Patrone (1) nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass die zweiten Flanken (15) eine konvexe Form aufweisen.
14. Patrone (1) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Treibladung in Form einer Platzpatrone, vorzugsweise mit einem Treibmittel aus
der Gruppe von Schwarzpulver, Nitrocellulose, Kombinationen hieraus und dergleichen,
ausgestaltet ist.
15. Patrone (1) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Gehäuse (3) auf der Rückseite eine Ausnehmung zur Aufnahme der Treibladung aufweist.
16. Patrone nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Projektil kein Bestandteil einer geschlossenen Druckkammer ist.
17. Patrone (1) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb des Projektils (2) im Wesentlichen durch einen Hochenergietreibstrahl
der Treibladung bewirkt wird.
18. Patrone (1) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Hochenergietreibstrahl (19) durch die Anordnung einer Düse (20) zwischen der
Treibladung und dem Projektil (2) bewirkt wird.
19. Patrone (1) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb des Projektils (2) in einem Verhältnis von ca. 80 % durch den Hochenergietreibstrahl
und zu ca. 20 % durch einen Gasdruck beiwirkt wird.
20. Patrone (1) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Projektil (2) durch eine Eigendrehung um die Längsachse und/oder durch die Oberflächenstruktur
stabilisiert wird.
21. Patrone (1) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächenstruktur eine dünne turbulente Zwischenschicht zwischen der Oberflächenstruktur
des Projektils (2) und der laminaren Luftströmung, welche das Projektil (2) während
seines Fluges umgibt, bildet.
22. Patrone (1) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Projektilenergiedichte so gewählt ist, dass das Projektil (2) nicht in der Lage
ist, in die Oberfläche eines Ziels im Sinne einer nichtletalen Waffen einzudringen.
23. Patrone (1) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Energiedichte des Projektils (2) zwischen 0,001 J/mm2 und 1 J/mm2, vorzugsweise
zwischen 0,01 J/mm2 und 0,1 J/mm2 und besonders bevorzugt zwischen 0,065 J/mm2 und
0,095 J/mm2 für eine Zielentfernung zwischen 0 und 60 m liegt.