[0001] Die Erfindung betrifft ein wärmeempfindliches Aufzeichnungsmaterial mit einem Substrat,
das auf seiner ersten Seite mindestens eine wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht
und auf seiner zweiten Seite eine Rückseitenbeschichtung trägt. Die wärmeempfindliche
Aufzeichnungsschicht weist mindestens einen Farbstoffvorläufer und mindestens einen
Farbakzeptor auf, die unter Einwirkung von Wärme farbbildend miteinander reagieren.
[0002] Ein wärmeempfindliches Aufzeichnungsmaterial der vorstehend angegebenen Art ist aus
der
DE-C-38 36 660 bekannt. Die Rückseitenbeschichtung kann hier aus wasserlöslichen Hochpolymeren,
wie Stärke, Gelatine, Styrolmaleinsäureanhydrid-Copolymer-Hydrolysaten oder Polyvinylalkohol
sowie aus wasserunlöslichen Polymeren, wie Latices, gebildet werden. Die Polymere
werden dabei allein oder als Mischung verwendet. Mit der bekannten Rückseitenbeschichtung
soll verhindert werden, dass bei der Verwendung des bekannten Aufzeichnungsmaterials
als Etikett insbesondere Weichmacher, die auf einem mit dem Etikett zu versehenden
Blatt vorhanden sind, von der Rückseite aus in die Aufzeichnungsschicht eindringen
können und so eine Schwächung bzw. Löschung eines möglichen Schriftbildes bewirken.
[0003] Eine vergleichbare Schutzwirkung erhofft sich die
DE-A-37 20 171 für die rückseitig aufgebrachte Sperrschicht eines vorgeschlagenen wärmeempfindlichen
Aufzeichnungsmaterials, das eine gefärbte Fluorezenzfarbstoffzusammensetzung in seiner
Aufzeichnungsschicht aufweist. Die Sperrschicht umfasst im wesentlichen wasserlösliche
Polymermaterialien, wie Polyvinylalkohol, verschiedene Zelluloseether, Stärke, Gelatine,
Kasein und Polyvinylpyrolidon sowie in Wasser dispergierte Harze, wie beispielsweise
Polystyrolemulsionen. Die Funktion der Sperrschicht besteht im Schutz vor Materialien,
wie Öle und Weichmacher, von denen bekannt ist, dass sie zur Verund/oder Entfärbung
der in der Aufzeichnungsschicht entwickelten Bilder führen können.
[0004] Die gewünschte rückseitige Bedruckung eines wärmeempfindlichen Aufzeichnungsmaterials
im Offset- und Flexodruckverfahren ist Grund für die gestellte Aufgabe in der
WO 99 / 14056 A1 nach einer Rückseitenbeschichtung, die gegenüber den im Offset- und Flexodruck verwendeten
Substanzen, insbesondere organischen Lösungsmitteln, sowie gegenüber Weichmachern,
Ölen und Fetten eine gute Sperrwirkung aufweist. Zur Lösung weist die Rückseitenbeschichtung
des bekannten Aufzeichnungsmaterials eine Mischung auf, die Stärke, ein keine Styrol-
oder Vinylacetatkomponenten umfassendes Acrylatcopolymer mit einer Filmbildungstemperatur
kleiner 5°C und bevorzugt kleiner 2°C sowie einen alkalischen Katalysator, wie beispielsweise
Calciumcarbonat, enthält.
[0005] Gerade aus der zuletzt gewürdigten Schrift ist es also bekannt, die Rückseite von
wärmeempfindlichen Aufzeichnungsmaterialien als Träger für Offset-Bedruckungen zu
nutzen. Die aus dem Stand der Technik bekannten Aufzeichnungs-materialien haben sich,
was die Sperrwirkung gegenüber den hierbei zum Einsatz kommenden Chemikalien betrifft,
durchaus bewährt. Sind hingegen hochwertige, pigmenthaltige Rückseitenbeschichtungen
beispielsweise zur vollflächigen Darstellung von Vielfarbdrucken gewünscht, mussten
in der Vergangenheit teilweise größere Schwierigkeiten beim eigentlichen Druckvorgang
mit seinen Anforderungen an die zu bedruckende Oberfläche beobachtet werden, da Ablagerungen
auf dem Gummituch eine störungsfreie und somit effektive Bedruckung erschweren. Gegenstand
der vorliegenden Aufgabe ist es daher, der Öffentlichkeit ein wärmeempfindliches Aufzeichnungsmaterial
mit einer Rückseitenbeschichtung zur Verfügung zu stellen, die eine Sperrwirkung gegenüber
im Offset- und Flexodruck verwendeten Substanzen und insbesondere gegenüber organischen
Lösungsmitteln, Weichmachern, Ölen und Fetten aufweist und die gleichzeitig im Offset-
und Flexodruckverfahren ohne Probleme gut zu bedrucken ist.
[0006] Das hier vorgeschlagene wärmeempfindliche Aufzeichnungsmaterial mit frontseitig angeordneter
wärmeempfindlicher Aufzeichnungsschicht soll bevorzugt
□ zum einen als Ticket, für dessen Gestaltung verstärkt Anforderungen nach einer beidseitigen
Bedruckung aufgestellt werden,
□ und/oder zum anderen als Fahrschein, dessen Ausgestaltung zunehmend mindestens eine
hervorragende rückseitige Bedruckbarkeit im Offset- und Flexodruck und frontseitig
eine sehr gute Bestempelbarkeit und Entwertbarkeit erfordert,
eingesetzt werden können. Eine gute Bestempelbarkeit und Entwertbarkeit gilt dann
als gegeben, wenn aufgestempelte Entwerterzeichen nach ca. 10 Sekunden weder trocken
noch genässt vollständig weggewischt werden können.
[0007] Soll, wie hier gegeben, bei der Aufgabenstellung in bevorzugter Weise ein wärmeempfindliches
Aufzeichnungsmaterial berücksichtigt werden, das neben der rückseitigen Bedruckbarkeit
frontseitig auch eine gute Bestempelbarkeit und Entwertbarkeit aufweist, muss bedacht
werden, dass die front- und rückseitigen Beschichtungen eines mittig positionierten
Substrates gegenseitig aufeinander Einfluss nehmen. Zur Lösung einer derart gestalteten
Aufgabe ist der Fokus der Erfindung nicht nur auf die Rückseite des neuen Aufzeichnungsmaterials,
sondern auch auf seine Vorderseite, das bedeutet auf seine wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht
und/oder seine die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht abdeckende Schutzschicht
zu richten. Aus wirtschaftlichen Überlegungen soll zwar das neue Aufzeichnungsmaterial
möglichst ohne jede weitere Schutzschichtabdeckung auskommen, jedoch ist alternativ
dazu auch ein Aufzeichnungsmaterial denkbar, das mit einer ebenfalls vorgeschlagenen,
einfach konstruierten Schutzschicht gegebenenfalls auf einer völlig neuen Aufzeichnungsschicht
auskommt.
[0008] Zur Lösung dieser anstehenden Aufgaben wird ein wärmeempfindliches Aufzeichnungsmaterial
mit einem Substrat vorgeschlagen,
- das auf seiner ersten Seite mindestens eine wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht
mit mindestens einem Farbstoffvorläufer und mindestens einem Farbakzeptor trägt, wobei
Farbstoffvorläufer und Farbakzeptor unter Einwirkung von Wärme farbbildend miteinander
reagieren,
- und das auf seiner zweiten Seite eine pigmenthaltige Rückseitenbeschichtung trägt,
- wobei die Rückseitenbeschichtung mindestens eine als Vernetzer wirkende Komponente
auf Polyurethanbasis enthält.
[0009] Die Erfinder erkannten, dass die beobachteten Druckprobleme auf den Rückseiten der
bekannten Aufzeichnungsmaterialien mit einer zu geringen Wasserresistenz der zu bedruckenden
Oberflächen einhergeht. Kommt es dann während des Druckprozesses im Offset-Verfahren
zunächst zu einer Kontaktierung der zu bedruckenden Oberflächen mit dem feuchten Gummituch
und anschließend zu einem schnellen, abrupten Abziehen des Gummituchs von diesen Druckoberflächen,
was insbesondere bei schnell laufenden, modernen Druckmaschinen gegeben ist, wirken
höchste Adhäsionskräfte auf diese Druckoberflächen, also auf jene Rückseiten der bekannten
Aufzeichnungsmaterialien. Lose bzw. angelöste Teile der Rückseitenbeschichtungen können
so auf den Gummitochern der Qffset-Druckwerke ablegen. Nach dem Erkennen dieser -
vereinfacht dargestellten - Zusammenhänge wurden verschiedene, als Vernetzer wirkende
Komponenten getestet, ohne dass die Mindestanforderungen an eine solche Komponente,
nämlich
- wirkungsvolles Vernetzen der zur Ausbildung der Rückseitenbeschichtung zu benutzenden
Streichfarbe,
- geringe Viskositätserhöhung bei Einbringen in die Streichfarbe und
- langsame Entfaltung der vernetzenden Wirkung innerhalb der Streichfarbe,
von den zunächst getesteten und bekannten Komponenten erfüllt werden konnten. Gerade
die beiden letzten Punkte sind dabei von elementarer Wichtigkeit, was die Handhabbarkeit
in der produktionstechnischen Umsetzung einer Streichfarbe angeht: die Streichfarbe
muss problemlos zusammengemischt und zum Streichwerk gefördert werden können, muss
einheitlich ohne Aufbau von Verkrustungs- und Schmutznestern mit dem Streichwerk verarbeitbar
sein und darf nicht schon während der Misch- und Verarbeitungsphase anfangen, auszuhärten.
Die nun erfindungsgemäß gefundenen Komponenten auf Polyurethanbasis konnten überzeugen
und helfen, eine Rückseitenbeschichtung für wärmeempfindliche Aufzeichnungsmaterialien
zur Verfügung zu stellen, die den vollen an sie gestellten Anforderungskatalog erfüllt,
wobei die derart ausgebildete Rückseitenbeschichtung insbesondere eine hervorragende
Bedruckbarkeit im Offset- und Flexodruck aufweist.
[0010] Neben den drei oben aufgelisteten Mindestanforderungen an eine als Vemetzer wirkende
Komponente war es den Erfindern, auch mit Blick auf die Notwendigkeit, eine möglichst
große Ftexibilität im Produktionsprozess von wärmeempfindlichen Aufzeichnungsmaterialen
zu gewährleisten, wichtig, dass diese Komponente hilft, eine Streichfarbe für die
Rückseitenbeschichtung auszubilden, die über einen vergleichsweise langen Zeitraum
stabil ist, was bedeutet, das sie nicht übermäßig bakteriell befallen wird und/oder
eindickt. Das erfindungsgemäße Aufzeichnungsmaterial weist eine Rückseitenbeschichtung
aus einer Streichfarbe auf, die vor ihrem Auftrag über 5
1/
2 Tage bei mäßigem Rühren lagerungsstabil ist und dabei auch nicht beginnt, auszuhärten.
Bei der nunmehr vorgeschlagenen, als Vernetzer wirkenden Komponente war es den Erfindern
zudem wichtig, dass die Komponente keine größeren Auswirkungen auf den pH-Wert der
Streichfarbe hat, da eine solche Änderung des pH-Wertes stets, gegebenenfalls nicht
gewünschte bzw. nicht planbare Auswirkungen auf die Oberflächeneigenschaften des Striches
hat. Schließlich ist es ein wichtiger Aspekt für die hier vorgeschlagenen als Vernetzer
wirkenden Komponenten, dass sie nicht als Gefahrstoffe einzuordnen sind, was ihre
Handhabbarkeit innerhalb des Herstellungsprozesses der erfindungsgemäßen Aufzeichnungsmaterialien
unkritisch macht und womit von diesen Komponenten allenfalls eine vernachlässigbare
Gefährdung für Mensch und Umwelt ausgeht.
[0011] Als Pigmente in der Rückseitenbeschichtung haben sich insbesondere Calciumcarbonat
- bevorzugt mit einer Teilchengröße in einem kolloidalen Bereich von 60% < 2 µm bis
90% < 2 µm - und/oder Magnesiumcarbonat als geeignet erwiesen. Auch die folgenden
Pigmente konnten mit positiven Ergebnisse überzeugen:
- natürliches wie kalziniertes Kaolin, bevorzugt im kolloidalen Teilchengrößen-Bereich
von 60% bis 90% < 2 µm,
- Clay, Kieselsäure, Siliziumoxid, letzteres mit einer bevorzugten mittleren Teilchengröße
in einem Bereich von 6 bis 10 µm,
- Aluminiumhydroxid und Böhmit, letzteres mit möglichen mittleren Teilchengrößen bis
hin zu 0,5 bis 3 µm, wobei jedoch ganz besonders bevorzugt solche Böhmitprodukte sind,
die eine mittlere Teilchengröße in einem Bereich von 10 bis 100 nm aufweisen.
- sowie in einem besonderen Maße Talkum mit einer bevorzugten mittleren Teilchengröße
in einem Bereich von 1 bis 10 µm.
In zahlreichen, den dieser Erfindung zugrunde liegenden Versuchen wurden auch Mischungen
insbesondere der hier genannten Pigmente erfolgreich eingesetzt.
[0012] Neben den Pigmenten und der vernetzend wirkenden Komponente auf Polyurethanbasis,
wobei hier bevorzugt ein anionisches Polyurethan in wässriger Lösung (beispielsweise
Eka SP AP 29, Eka Chemicals AB, 32301 Düren) ist, umfasst die Rückseitenbeschichtung
Bindemittel und hier insbesondere Stärke, Styrolbutadienlatex und gegebenenfalls Carboxy-Methyl-Cellulose.
Auch die Mischung verschiedener Bindemittel in mitunter stark divergierenden Mischungsverhältnissen
ist möglich und bevorzugt. Ferner sind optische Aufheller, Entschäumer sowie Komponenten
zur Viskositätsregelung nach den jeweiligen Erfordernissen übliche Zuschlagstoffe.
[0013] Es ist bevorzugt, dass die Rückseitenbeschichtung
■ zu 75 bis 90 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt zu 77 bis 85 Gew.-% Pigmente,
■ zu 5 bis 25 Gew.-% Bindemittel,
■ sowie zu 0,5 bis 8 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt zu 1,5 bis 3,5 Gew.-% Vernetzer
auf Polyurethanbasis enthält.
Liegt das Bindemittel entsprechend vorherstehender Ausführungen als Mischung vor,
weist die Rückseitenbeschichtung bevorzugt zu 1 bis 5 Gew.-% Stärke und dabei besonders
bevorzugt Mais-Stärke und zu 4 bis 20 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt zu 12 bis 19
Gew.-%, Styrol butadien latex auf.
[0014] In den dieser Erfindung zugrunde liegenden Versuchsreichen wurde herausgefunden,
dass ein Rückseitenstrich mit
■ einem Pigment-Bindemittel-Verhältnis von 10:1 bis 2:1 und besser zwischen 7,5:1
bis 3:1 sowie
■ einem Bindemittel-Vemetzer-Verhältnis von 20:1 bis 1:1 und besser zwischen 10,5:1
bis 5:1
die an ihn gestellten Anforderungen besonders gut erfüllt.
[0015] Besonders positive Ergebnisse lassen sich mit einem Auftragsgewicht für die Rückseitenbeschichtung
in einem Bereich von 2 bis 15 g/m
2 erreichen. Je nach verfügbaren Streichwerken und avisierten Einsatzzwecken des erfindungsgemäßen
Aufzeichnungsmaterials ist einerseits ein Bereich für das Auftragsgewicht der Rückseitenbeschichtung
von 2,5 bis 4,5 g/m
2, andererseits auch ein Bereich von 8,5 bis 12 g/m
2 ganz besonders bevorzugt. Als zum Auftrag der Rückseitenbeschichtung besonders geeignete
Streichwerke kommen insbesondere egalisierende Auftragsvorrichtungen wie Streichmesser-
und (Roll-) Rakelstreichwerke sowie Walzenstreichwerke in Betracht, ohne darauf in
irgendeiner Art und Weise beschränkt zu sein.
[0016] Die Erfinder erkannten, dass sich ein besonders hochwertiges Druckbild auf der Rückseite
des erfindungsgemäßen wärmeempfindlichen Aufzeichnungsmaterials gewinnen lässt, wenn
die Rückseitenbeschichtung in zwei Lagen ausgebildet ist, von denen die erste, zur
Substratschicht hin orientierte Lage als reiner Bindemittel-Pigmentstrich ausgebildet
sein kann, während die zweite außen liegende Lage die als Vernetzer wirkende Komponente
auf Polyurethanbasis enthält. In diesem Fall ist es möglich, dass nur eine Lage mit
einer egalisierenden Auftragsvorrichtung aufgetragen ist, während sich für die zweite
Lage als Auftragsvorrichtung auch Luftbürste und Curtain-Coater anbietet.
[0017] Hinsichtlich der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht erkannten die Erfinder mit
Bezug auf die gestellte Aufgabe, dass die Aufzeichnungsschicht zunächst grundsätzlich
alle bekannten Farbstoffvorläufer beinhalten kann, wobei auch Kombinationen mehrerer
Farbstoffvorläufer möglich sind. Als Farbstoffvorläufer sind insbesondere bevorzugt:
- 6'-(dipentylamino)-3'-methyl-2'-(phenylamino)-spiro[isobenzofuran-1(3H),9'-[9H]xanthen]-3-one
sowie
- Spiro[isobenzofuran-1(3H),9'-[9H]xanthen]-3-one-6'-(diethylamino)-3'-methyl-2'-(3-tolylamino)
und solche, ausgewählt aus der Gruppe der Fluoranverbindungen, wie insbesondere
- 3-diethylamino-6-methyl-7-Anilinofluoran,
- 3-dibutylamino-6-methyl-7-Anilinofluoran,
- 3-(N-methyl-N-propyl)amino-6-methyl-7-Anilinofluoran,
- 3-(N-ethyl-N-isoamyl)amino-6-methyl-7-Anilinofluoran,
- 3-(N-methyl-N-cyclohexyl)amino-6-methyl-7-Anilinofluoran,
- 3-(N-ethyl-N-tolyl)amino-6-methyl-7-Anilinofluoran und
- 3-(N-ethyl-N-tetrahydrofuryl)-amino-6-methyl-7-Anilinofluoran.
[0018] Die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht des des erfindungsgemäßen wärmeempfindlichen
Aufzeichnungsmaterials kann genauso auch grundsätzlich alle zu den möglichen wie insbesondere
zu den bevorzugt aufgeführten Farbstoffvorläufern im einzelnen passenden Farbakzeptoren,
insbesondere organische Farbakzeptoren beinhalten. Bevorzugt weist die wärmeempfindliche
Aufzeichnungsschicht mindestens einen Farbakzeptor auf, ausgesucht aus der Liste,
umfassend: 2,2 bis (4-hydroxyphenyl)-Propan, 4-[(4-(1-methylethoxy)phenyl)sulfonyl]-Phenol,
4-hydroxy-4'-isopropoxydiphylsulfon, 4,4'-Dlhydroxy-Diphenylsulfon, 2,4'-Dihydroxy-Diphenylsulfon,
N-(2-hydroxyphenyl)-2-[(4-hydroxyphenyl)thio]-Acetamid, N-(p-toluensulphonyl)-N'-3-(p-toluensulphonyl-Oxy-phenyl)-hamstoff
gemäß der folgenden Formel (1):

sowie Harnstoff-Urethan-Verbindungen gemäß der folgenden Formel (2):

Erste besonders bevorzugte Ausführungsvariante für die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht:
[0019] In einer hinsichtlich der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht ganz besonders
bevorzugten ersten Ausführungsvariante weist diese Aufzeichnungsschicht eine Kombination
von zwei speziellen Farbakzeptoren auf, das sind: N-(p-toluensulphonyl)-N'-3-(p-toluensulphonyl-Oxy-phenyl)-harnstoff
gemäß Formel (1) sowie Harnstoff-Urethan-Verbindungen gemäß Formel (2). Weitere Farbakzeptoren
sind in der Aufzeichnungsschicht nicht vorhanden.
[0020] Es zeigte sich in zahlreichen Versuchsreihen, die der vorliegenden Schrift zugrunde
liegen, dass das auf Gew.-% in der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht bezogene
Verhältnis der beiden Farbakzeptoren N-(p-toluensulphonyl)-N'-3-(p-toluensulphonyl-Oxy-phen
yl)-harnstoff gemäß Formel (1) zu der Harnstoff-Urethan-Verbindung gemäß Formel (2)
zur Erzielung bester Ergebnisse in einem Bereich von 2 : 1 bis 1 : 3 , noch besser
in einem Bereich von 1 : 1,25 bis 1 : 2 liegt. Zur Erzielung möglichst hoher Weißegrade
der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht ist es notwendig, die Harnstoff-Urethan-Verbindungen
gemäß Formel (2) vor ihrer Vermischung mit dem anderen Farbakzeptor und/oder mit anderen
Komponenten der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht auf 60° C zu erwärmen und
diese Wärmebehandlung 24 Stunden ununterbrochen fortzusetzen.
[0021] Bezogen auf das Gesamtgewicht der Aufzeichnungsschicht, können die beiden Farbakzeptoren
der Formal (1) und der Formal (2) bis zu 60 Gew.-%, bevorzugt jedoch einen Anteil
in einem Bereich von 25 bis 35 Gaw.-% der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht
ausmachen. Der Effekt, den die Mischung aus den beiden Farb-akzeptoren in ihrer Gesamtheit
bewirkt, ist eine Kombination, die sich aus den Eigenheiten der beiden einzelnen Farbakzeptoren
ergibt: Während N-(p-toluensulphonyl)-N'-3-(p-toluensulphonyl-Oxy-phenyl)-hamstoff
gemäß Formel (1) als ein Farbakzeptor nach zahlreichen Einzel- und Kreuzversuchen
erkannt wurde, der eine hohe Empfindlichkeit der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht
auf Energieeinwirkung erwarten lässt, können Harnstoff-Urethan-Verbindungen gemäß
der Formel (2) eher als solche Farbakzeptoren beschrieben werden, bei denen das durch
Energieeinwirkung induzierte Druckbild eine hohe Stabilität insbesondere gegenüber
Umwelteinflüssen aufweist. Werden beide Farbakzeptoren in einem Mischungsverhältnis
in der Aufzeichnungsschicht eingesetzt, wie es von den Erfindern erkannt wurde, ist
das Ergebnis ein schnell ansprechendes wärmeempfindliches Aufzeichnungsmaterial, das
zu wenig Hintergrundvergrauung neigt, ein gegenüber Umwelteinflüssen stabiles Wärme
induziertes Druckbild aufweist und eine gute Bestempelbarkeit und Entwertbarkeit gewährleistet.
[0022] Ganz allgemein und nicht beschränkt auf die erste undloder zweite besonders bevorzugte
Ausführungsvariante für die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht kann die Aufzeichnungsschicht
des erfindungsgemäßen wärmeempfindlichen Aufzeichnungsmaterials zur Erhöhung der thermischen
Ansprechempfindlichkeit bevorzugt auch Sensibilisatoren mit einem Schmelzpunkt idealerweise
von 60°C bis 180°C, besonders bevorzugt mit einem Schmelzpunkt von 80°C bis 140°C,
enthalten. Derartige Sensibilisatoren sind beispielsweise: Benzyl-p-benzyloxy-benzoat,
Stearamid, N-Methylolstearamid, p-Benzylbiphenyl, 1,2-Di(phenoxy)-ethan, 1,2-Di(m-methylphenoxy)ethan,
m-Terphenyl, Dibenzyloxalat, Benzyl-naphthylether, Diphenylsulfon und 2-(2H-benzotriazol-2-yl)-p-cresol,
wobei Benzylnaphthylether, Diphenylsulfon, 1,2-Di(m-methylphenoxy)ethan und 1,2-Di(phenoxy)-ethan
als bevorzugt gelten.
Zweite besonders bevorzugte Ausführungsvariante für die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht:
[0023] In einer bezogen auf die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht besonders bevorzugten
zweiten Ausführungsvariante weist die Aufzeichnungsschicht als alleinigen Sensibilisator
2-(2H-benzotriazol-2-yl)-p-cresol mit der folgenden Formel (3) auf:

[0024] In Kombination mit diesem Sensibilisator weist die Aufzeichnungsschicht it. zweiter
besonders bevorzugten Ausführungsvariante für die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht
als Farbakzeptor N-(p-toluensulphonyl)-N'-3-(p-toluensulphonyl-Oxy-phenyl)-harnstoff
gemäß Formel (1) auf. Dieser Farbakzeptor kann entweder in Kombination mit anderen
Farbakzeptoren, bevorzugt jedoch als alleiniger Farbakzeptor in der wärmeempfindlichen
Aufzeichnungsschicht eingebunden sein.
[0025] Als auf Gew.-% (atro) bezogenes Verhältnis des Sensibilisators gemäß Formel (3) zum
Farbakzeptor gemäß Formel (1) gilt ein Bereich von 5 : 10 bis 9 : 10 als besonders
bevorzugt, wobei dieses Verhältnis unabhängig von der Tatsache, ob der Farbakzeptor
gemäß Formel (3) allein oder in Kombination eingesetzt ist, einzustellen ist. Bei
Realisierung eines derartigen Verhältnisses des Sensibilisators gemäß Formel (3) zum
Farbakzeptor gemäß Formel (1) weist die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht neben
einer guten Bedruckung auch eine hervorragende Beständigkeit gegenüber Licht auf.
[0026] Aus kommerziellen Gründen gilt 3-dibutylamino-6-methyl-7-Anilinofluoran als der am
meisten geeignete Farbstoffvorläufer innerhalb der zweiten besonders bevorzugten Ausführungsvariante,
ohne jedoch auf ihn in irgendeiner Art und Weise beschränkt zu sein. So können auch
die im Absatz [0017] exemplarisch genannten Farbstoffvorläufer einzeln oder in Kombination
zueinander in die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht it. der auf die wärmeempfindliche
Aufzeichnungsschicht bezogenen und hier diskutierten zweiten Ausführungsform eingebunden
sein.
[0027] Geeignete Bindemittel zur Einbindung in die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht
gleich welcher auf die Aufzeichnungsschicht bezogenen Ausführungsformen und -Varianten
sind beispielsweise wasserlösliche Bindemittel wie Stärke, Hydroxyethylzellulose,
Methylzellulose, Carboxymethylzellulose, Gelatine, Kasein, Polyvinylalkohole, modifizierte
Polyvinylalkohole, Natriumpolyacrylate, Acrylamid-AcrylatCopolymere, Acrylamid-Acrylat-Methacrylat-Terpolymere,
Alkalisalze von Styrol-Maleinsäure-anhydrid-Copolymeren oder Ethylen-Maleinsäureanhydrid-Copolymeren,
die allein oder in Kombination untereinander eingesetzt werden können; auch wasserunlösliche
Latexbinder wie Styrol-Butadiene-Copolymere, Acrylnitril-Butadien-Copolymere und Methyl-Acrylat-Butadien-Copolymere
bieten sich als Bindemittel zur Einbindung in die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht
an. Im Sinne der vorliegenden Erfindung gelten Polyvinylalkohol in Verbindung mit
Acrylat-Copolymer als besonders bevorzugte Bindemittel, die zusammen, bezogen auf
das Gesamtgewicht der Aufzeichnungsschicht, in einem Bereich von 12 bis 21 Gew.-%
in die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht eingebunden sind.
[0028] Zur Vermeidung des Klebens an einem Thermokopf und zur Vermeidung einer übermäßigen
Abnutzung des Thermokopfes kann die Beschichtungsmasse zur Ausbildung der wärmeempfindlichen
Aufzeichnungsschicht gleich welcher Ausführungsformen und -varianten weiterhin Gleit.-
und Trennmittel enthalten wie Metallsalze höherer Fettsäuren, zum Beispiel Zinkstearat,
Kalziumstearat und Wachse, wie zum Beispiel Paraffin, oxidiertes Paraffin, Polyethylen,
Polyethylenoxid, Stearamide und Kastorwachs. Weitere Bestandteile der Aufzeichnungsschicht
sind beispielsweise Pigmente, bevorzugt anorganische Pigmente wie beispiels-weise
Aluminium(hydr)oxid, Kieselsäure und Kalziumkarbonat, wobei hier insbesondere Kalziumkarbonat,
das bevorzugt in einer Menge von 10 bis 18 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der
Aufzeichnungsschicht, in die Aufzeichnungsschicht eingebunden sein soll, als bevorzugt
gilt.
[0029] Als bevorzugt gilt, wenn in der Aufzeichnungsschicht unter Einwirkung von Wärme ein
permanentes Farb- bzw. Schriftbild ausgebildet werden kann.
[0030] Die flächenbezogene Masse der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht gleich welcher
Ausführungsformen und -varianten liegt bevorzugt zwischen 2,5 und 12 g/m
2 und besonders bevorzugt zwischen 3 und 6,5 g/m
2. Als Streichwerk zum Auftrag der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht bieten sich
insbesondere Streichmesser- und (Roll-) Rakelstreichwerk, Curtain-Coater und Luftbürste
an.
[0031] Als bevorzugt gilt, wenn die zur Ausbildung der Aufzeichnungsschicht genutzte Streichfarbe
wässerig ist. Die anschließende Trocknung der Streichfarbe kann mittels Mikrowellenbestrahlung
geschehen. Üblicherweise und bewährt ist es genauso, Wärme zuzuführen, wie es durch
Heißluft-Schwebetrockner oder auch Kontakttrockner geschieht. Auch denkbar ist eine
Kombination aus den aufgeführten Trockenverfahren.
[0032] Als weiterhin bevorzugt gilt die Ausbildung einer pigmenthaltigen Zwischenschicht
zwischen der Substratschicht und der Aufzeichnungsschicht gleich welcher auf die Aufzeichnungsschicht
bezogenen Ausführungsformen und -varianten. Als Pigmente der Zwischenschicht haben
sich sowohl organische Hohlraum-Pigmente wie auch anorganische Pigmente bewährt, letztere
bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe, umfassend natürliches wie kalziniertes Kaolin,
Siliziumoxid und hier besonders Bentonit, Kalziumkarbonat sowie Aluminiumhydroxid
und hier besonders Böhmit. Eine solche Zwischenschicht kann zum einen positiven Beitrag
zur Egalisierung der Grundschichtoberfläche leisten, womit sich die Menge an notwendigerweise
aufzubringender Streichfarbe für die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht reduziert.
Aus diesem Grund bieten sich zum Auftrag der Zwischenschicht egalisierende Streichwerke
an, wie beispielsweise Walzenstreichwerke, Streichmesser- und (Roll-) Rakelstreichwerke.
Zum anderen können die Pigmente dieser Zwischenschicht die durch Hitzeeinwirkung verflüssigten
Wachsbestandteile der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht bei der Schriftbildausbildung
aufnehmen und begünstigen so eine sichere und schnelle Funktionsweise der wärmeinduzierten
Aufzeichnung. Die flächenbezogene Masse der pigmentierten Zwischenschicht liegt bevorzugt
zwischen 5 und 20 g/m
2 und noch besser zwischen 7 und 11 g/m
2.
[0033] Das erfindungsgemäße Aufzeichnungsmaterial kann eine Schutzschicht aufweisen, die
auf die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht gleich welcher Ausführungsformen und
-varianten aufgetragen ist und diese ganz oder teilweise abdeckt. Die Schutzschicht
nimmt dabei eine Aufgabe wahr, wie sie auch teilweise von der Rückseitenbeschichtung
erfüllt werden muss, nämlich zum einen den Schutz der unter ihr angeordneten Aufzeichnungsschicht
vor Umwelteinflüssen wie Öle, Fette, Wasser und Weichmacher und zum anderen der Verbesserung
der Bedruckbarkeit insbesondere im Offset- und Flexodruck.
[0034] Bevorzugt weist die Schutzschicht als Bindemittel ein wasserunlösliches, selbstvernetzendes
Acrylpolymer, ein Vernetzungsmittel und als Pigment überwiegend einen alkalisch aufbereiteten
Bentonit auf, wobei
- das Pigment der Schutzschicht aus einem oder mehreren anorganischen Pigmenten besteht
und mindestens 80 Gew.-% aus einem hoch gereinigten alkalisch aufbereiteten Bentonit
gebildet sind,
- das Bindemittel der Schutzschicht aus einem oder aus mehreren wasserunlöslichen, selbstvemetzenden
Acrylpolymeren besteht,
- und das Bindemittel-/Pigmentverhältnis in einem Bereich zwischen 7 : 1 und 9 : 1 liegt.
[0035] Als selbstvernetzendes Acrylpolymer innerhalb der Schutzschicht gemäß hier beschriebener
bevorzugter Ausführungsform ist ein selbstvernetzendes Bindemittel zu verstehen, ausgewählt
aus der Gruppe umfassend Styrol-Acrylsäureester Copolymerisat, ein Acrylamidgruppen
enthaltendes Copolymerisat aus StyrollAcrylsäureester sowie ganz bevorzugt ein Copolymer
auf Basis von Acrylnitril, Methacrylamid und Acrylester. Neben dem alkalisch aufbereiteten
Bentonit kann als Pigment auch naturliches oder gefälltes Calciumcarbonat, Kaolin,
Kieselsäure, Aluminiumhydroxid oder Titanoxid in die Schutzschicht eingebunden sein.
Hinsichtlich der Vernetzungsmittel sind insbesonders solche bevorzugt, die ausgewählt
sind aus der Gruppe umfassend
- zyklischen Harnstoff,
- Methylolharnstoff,
- Amoniumzirkoniumkarbonat und
- Besonders bevorzugt Polyamidepichlorhydrinharz.
[0036] Durch die Wahl eines wasserunlöslichen, selbstvemetzenden Acrylpolymers als Bindemittel
und dessen Verhältnis einerseits zum Pigment in einem Bereich zwischen 7 : 1 und 9
: 1, andererseits und besonders bevorzugt zum Vernetzungsmittel größer als 5 : 1 ist
schon bei einer Schutzschicht mit relativ geringer flächenbezogener Masse eine hohe
Umweltresistenz des vorgeschlagen Aufzeichnungsmaterials gegeben.
[0037] Die Schutzschicht selbst kann mittels üblicher Streichwerke aufgetragen sein, wofür
unter anderem eine Streichfarbe nutzbar ist, wie sie oben beschrieben ist und für
die eine flächenbezogene Masse in einem Bereich von 1,5 bis 4,5 g/m
2 bevorzugt ist, oder die Schutzschicht kann alternativ auch aufgedruckt sein. Verarbeitungstechnisch
und hinsichtlich ihrer technologischen Eigenschaften besonders geeignet sind solche
Schutzschichten, die mittels aktinischer Strahlung härtbar sind. Unter dem Begriff
"aktinische Strahlung" sind UV- oder ionisierende Strahlungen, wie Elektronenstrahlen,
zu verstehen.
[0038] Eine alternativ zur oben beschriebenen Ausführungsvariante ganz besonders bevorzugte
Variante für eine die wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht ganz oder teilweise abdeckenden
Schutzschicht sieht als Bindemittel einen Polyvinylalkohol, Zinkstearat, als Pigment
Aluminiumhydroxid oder alternativ auch Siliciumdioxid sowie einen oder mehere Vernetzer
vor, wobei besonders bevorzugte Mengen für eine solche Schutzschicht in der nachfolgenden
Tabelle 1 wiedergegeben sind:
Tabelle 1:
| Produkt |
Gew.-% [otro] |
| Alumininhydroxid |
10 - 25 |
| Polyvinylalkohol |
55 - 70 |
| Zinkstearat |
7 - 9 |
| Vernetzer |
6 - 7 |
[0039] Da die vorgeschlagene Rückseitenbeschichtung des erfindungsgemäßen wärmeempfindlichen
Aufzeichnungsmaterials sehr gut zu trocknen ist, kann in einem einzigen Arbeitsgang
beispielsweise innerhalb einer Streichmaschine sowohl die Rückseitenbeschichtung wie
auch die wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht einschließlich der sie vollständig
abdeckenden Schutzschicht aufgetragen und getrocknet werden.
[0040] Zu diesem Zweck kann eine solche Streichmaschine (a) eine Abrollvorrichtung, (b)
ein erstes Streichwerk, beispielsweise ein Curtain Coater, eine Luftbürste oder ein
Rollrakel-Streichwerk zur Auftragung der wärmeempfindlichen Aufzeichnungsschicht,
(c) einen ersten kontaktlosen Schwebetrocknerkanal, (d) ein Curtain Coater oder eine
Luftbürste zur Auftragung der Schutzschicht, (e) optional und je nach Bauart ein kontaktloses
Bahnführungssystem, (f) ein Filmaufragswerk zur Auftragung der Rückseitenbeschichtung,
(g) einen zweiten kontaktlosen Schwebetrocknerkanal, (h) eine Nachtrockenpartie mit
mehreren Trockenzylindern, (i) eine Rückbefeuchtungsanlage bzw. eine Beschichtungsanlage
wie ein Filmauftragswerk zur Optimierung der Planlage bzw. zur Reduzierung der Roll-Neigung,
(j) ein IR-Trocknungssystem, (k) ein oder mehrere Glättwerke mit jeweils einem oder
mehreren Pressnips insbesondere unter Verwendung von zonenregelbaren- und/oder Schuhpresswalzen
bzw. Bandkalander sowie (I) eine Aufrollvorrichtung vorsehen.
[0041] Ferner ist es vorstellbar, wenn zwischen der Abrollvorrichtung und dem ersten Streichwerk
(a, b) ein weiteres Streichwerk (b'), ausgeführt beispielsweise als Streichmesser-Auftragswerk
mit zugeordneter Trocknungsapparatur (b"), das können Schwebetrocknerkanal und/oder
Trockenzylinder sein, vorgesehen ist.
[0042] Auch wenn nicht auf Papier als Substrat beschränkt, ist Papier das Substrat, die
sich am Markt auch mit Blick auf die gute Umweltverträglichkeit wegen der guten Recyclingfähigkeit
durchgesetzt hat und die im Sinne der Erfindung bevorzugt ist.
[0043] Die in Beschreibung und Patentansprüchen gemachten Angaben zur flächenbezogenen Masse,
zu Gew.-% (Gewichts-%), zu Gew.-Teilen (Gewichts-Teilen) und zu Komponentenverhältnissen
beziehen sich, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt, jeweils auf das "atro"-Gewicht,
d.h. absolut trockene Gewichtsteile. Die Abkürzung "lutro" steht für lufttrocken,
und bedeutet, sofern genutzt, dass die so gekennzeichneten Komponenten in ihrer handelsüblichen
Lieferform beschrieben werden.
[0044] Die nachfolgende Beispiele und Vergleichsbeispiele werden die Erfindung weiter verdeutlichen:
[0045] Auf einer Langsieb-Papiermaschine wird als Substratschicht eine Papierbahn aus gebleichten
und gemahlenen Laub- und Nadelholzzellstoffen mit einer flächenbezogenen Masse von
67 g/m
2 unter Zusatz üblicher Zuschlagstoffe in üblichen Mengen hergestellt. Frontseitig
wird online innerhalb der Streichmaschine mit einem Rollrakel-Streichwerk eine hauptsächlich
kalziniertes Kaolin als Pigment, Styrolbutadienlatex als Bindemittel und Stärke als
Cobinder aufweisende Zwischenschicht von 8 g/m
2 aufgebracht.
[0046] Unter Verwendung einer Streichmaschine, wie sie in Absatz [0040] in ihrem Aufbau
beschrieben ist, werden auf die Zwischenschicht in dieser Reihenfolge mittels Rollrakel-Streichwerk
eine Farbbildner und Farbakzeptoren enthaltende wärmeempfindliche Aufzeichnungsschicht
mit einer flächenbezogenen Masse von 5,4 g/m
2, mittels Luftbürste eine Schutzschicht von 2,0 g/m
2, mittels Walzenstreichwerk mit nachgeschaltetem Rollrakel eine Rückseitenbeschichtung
von 3 g/m
2 aufgetragen.
[0047] Im Rahmen der folgenden erfindungsgemäßen Beispiele 1, 5, 7, 9 und 12 bis 14, in
den Tabellen 2 und 3 durch graue Hinterlegung markiert, sowie der Vergleichsbeispiele
2 bis 4, 6, 8, 10 und 11 werden zur Ausbildung der Rückseitenbeschichtung die Rezepturen
entsprechend der folgenden Tabelle 2 benutzt. Die wesentlichen Ergebnisse sind ebenfalls
der Tabelle 3, hier in der letzten Zeile, zu entnehmen.
[0048] Neben den pH-Werten wird die Viskosität der zusammengemischten Streichfarben nach
Brookfield (Spindel 3 / 100 rpm / 23 °C), letztere nach einer mit angegebenen Rührzeit
von einer Stunde (h), von einem Tag (d) und von zwei Tagen, bestimmt, um so Aussagen
über die Lagerfähigkeit der verschiedenen Streichfarbenproben zur Ausbildung der Rückseitenbeschichtung
zu erhalten. Hier fällt insbesondere der Vernetzer auf Epichlorhydrinharzbasis auf,
bei dessen Verwendung die Gefahr einer stark erhöhten Viskosität bis hin zur Verfestigung
wie im vorliegenden Fall beobachtet werden kann. Die Verwendung eines Vernetzers auf
Oxalaldehydbasis kann die Gefahr der Agglomerat- und Fraktionsbildung mit sich bringen.
Ferner ist bezüglich der Vernetzer auf Epichlorhydrinharz- bzw. Oxalaldehydbasis anzumerken,
dass sie beide Gefahrstoffe sind und somit allein schon aus Gründen der Umwelt- und
Humangefährdung kritisch zu beurteilen sind. Eine weiterer möglicher Vernetzer, das
ist Ammoniumzirkoniumcarbonat, wurde bei den dieser Erfindung zugrunde liegenden Versuchsreihen
wegen seiner extrem starken Geruchsbelästigung nach Ammoniak nicht berücksichtigt.
[0049] Der erfindungsgemäße Vernetzer auf Polyurethanbasis kann in punkto geringe Viskositätserhöhung
und verzögerte Entfaltung der vernetzenden Wirkung in allen Beispielen vollständig
überzeugen. Die Wirksamkeit der in den Beispielen eingesetzten Vernetzer wird untersucht,
indem 3 Tage nach Herstellung der Aufzeichnungsmaterialproben diese auf ihrer Rückseite
mit wenigen Tropfen Wasser auf einer Messfläche benetzt werden und mit einem Finger
unter mäßigem Druck in kreisender Bewegung auf der so angefeuchteten Messfläche gerieben
wird. Als gut ist zu bewerten, wenn die Messfläche jeweils oberflächenglatt bleibt
und keine Partikel ausgelöst werden, schlecht sind solche Proben, bei denen Partikel
aus der Oberfläche ausgelöst werden oder sich gar die ganze Oberfläche auflöst. Auch
hier kann einzig der versuchte Vernetzer auf Polyurethanbasis überzeugen. Die anderen
Vernetzer haben in einigen Beispielen kaum ergebnissteigernde Wirkung.
[0050] Die vorstehend beschriebenen Versuche schildern so in anschaulicher Weise die überlegenen
Eigenschaften des erfindungsgemäßen Aufzeichnungsmaterials.
Tabelle 3:
| Versuch |
pH-Wert |
Viskosität
[Brookfield (Spindel 3/100 rpm /23 °C)] |
Fingerwischtest
(nach 3 Tagen) |
Kommentare |
| |
|
nach 2 h |
nach 1 d |
nach 2 d |
|
|
| 1 |
8,4 |
22 |
24 |
16 |
Gut |
|
| 2 |
--- |
fest |
fest |
fest |
--- |
Streichfarbe fest |
| 3 |
7,4 |
18 |
44 |
ca. 4.000 |
Nicht ausreichend *1 |
Agglomerat- und Fraktionsbildung |
| 4 |
8,4 |
22 |
24 |
16 |
Schlecht |
|
| 5 |
7,0 |
50 |
--- |
--- |
Mäßig gut |
|
| 6 |
7,0 |
48 |
--- |
--- |
Schlecht |
|
| 7 |
6,4 |
44 |
--- |
--- |
Gut |
|
| 8 |
6,4 |
44 |
--- |
--- |
Schlecht |
|
| 9 |
--- |
450 |
--- |
--- |
Gut |
|
| 10 |
--- |
450 |
--- |
--- |
Schlecht |
|
| 11 |
--- |
--- |
-- . |
--- |
Schlecht |
|
| 12 |
--- |
--- |
--- |
--- |
Mäßig gut |
|
| 13 |
--- |
--- |
--- |
--- |
Sehr gut |
|
| 14 |
--- |
--- |
--- |
--- |
Sehr gut |
|
| *1) das bedeutet leicht verbessert gegenüber Ergebnis ohne Vernetzerzugabe |