[0001] Die Erfindung betrifft einen Rollstuhl, der geeignet ist, Abduktionsmaßnahmen durchzuführen.
Dieser Rollstuhl weist einen zur Aufnahme eines eine Sitzebene ausbildenden Sitzes
vorgesehen Rahmen auf.
[0002] Ein solcher Rollstuhl ist beispielsweise aus der
DE 295 09 698 U1 bekannt. Für die Therapie von Rollstuhlpatienten, insbesondere von Kindern und Jugendlichen,
ist es häufig notwendig, die Beine zum Zwecke der Regulation zu spreizen. Hierzu wird
an den Beininnenseiten des Patienten ein Keil fixiert, der die Beine nach außen spreizt.
Um Druck- und Wundstellen beim Anstoßen und Reiben der abgespreizten Beine an den
seitlichen Rahmenteilen zu vermeiden, sind diese im vorderen Bereich gelenkig mit
den Rahmenrohren verbunden, so dass die Seiten nach außen aufgeweitet werden können,
wobei die Aufweitung individuell an den Patienten angepasst werden kann.
[0003] Die Abduktion, also die Winkelstellung der Beine, beginnt bereits an der Hüfte. Bei
dem bekannten Rollstuhl beginnt die Abduktion aber erst im Bereich der Knie des Patienten,
weil nur der vordere Bereich des Seitenrahmens einstellbar ist.
[0004] Auch ohne notwendige Therapiemaßnahmen ist die Einstellung der Abduktion hilfreich,
weil sie dem Patienten unter Umständen einen besseren seitlichen Halt bietet, wenn
dies notwendig sein sollte.
[0005] Um die Abduktion bereits im Hüftbereich beginnen zu lassen, ist es bekannt, eine
an den Winkel angepasste Sitzschale zu verwenden. Die Abduktion ist dann aber vorgegeben.
[0006] Aus der
DE 91 12 908 U1 ist ein Rollstuhlrahmen bekannt, bei dem die Seitenteile in Fahrtrichtung gekröpft
sind, so dass sich der Sitzbereich nach außen aufweitet. Auch hier ist die Abduktion
vorgegeben.
[0007] Von dieser Problemstellung ausgehend soll der eingangs beschrieben Rollstuhl verbessert
werden.
[0008] Zur Problemlösung zeichnet sich ein gattungsgemäßer Rollstuhl dadurch aus, dass beidseitig
zum Sitz angeordnete, lösbar mit dem Rahmen verbundene Seitenteile vorgesehen sind,
die zur Durchführung von Abduktionsmaßnahmen in ihrer Winkelstellung zum Sitz dadurch
einstellbar sind, dass sie um eine im Wesentlichen senkrecht zur Sitzebene verlaufende
vertikale Achse verschwenkbar sind.
[0009] Durch diese Maßnahme kann die Abduktion bereits im Hüftbereich beginnen, ohne eine
an den Winkel angepasste Sitzschale zu verwenden. Die Abduktion ist folglich leicht
veränderbar und auf den Genesungsfortschritt anzupassen.
[0010] Vorzugsweise erfolgt die Verbindung über zwei parallel zueinander angeordnete Stangen
erfolgt, die an ihrem Kopfende abgekröpft sind, und dass die Abkröpfungen im Wesentlichen
einander entgegengerichtet ausgebildet sind.
[0011] Durch diese Ausgestaltung können die Seitenteile wie üblich parallel zum Sitzrohr
bzw. parallel zum Sitzrohr angeordnet werden. Durch gleichzeitiges Drehen der beiden
Stangen kann jedes Seitenteil im Winkel individuell eingestellt werden. Da das Seitenteil
über seine volle Länge im Winkel einstellbar ist, erfolgt die Verbreiterung der Sitzbreite
(Abduktion) bereits ab der Hüfte, so dass eine anatomisch richtige Beinstellung des
Patienten eingehalten wird.
[0012] Vorzugsweise ist die eine Stange in Fahrtrichtung und die andere Stange entgegen
der Fahrtrichtung abgekröpft. Der einstellbare Winkel wird durch die diese Ausbildung
maximiert.
[0013] Die abgekröpften Kopfenden der Stangen können in einem Aufnahmeelement gelagert sein,
an dem das Seitenteil befestigbar ist oder unmittelbar in dem Seitenteil.
[0014] Mit ihrem Fußende sind die Stangen bevorzugt in einem mit dem Rahmen verbundenen
Befestigungselement gelagert. Um eine einfache Verdrehbarkeit der Stangen zu erzielen
und den Winkel stufenlos einstellen zu können, sind die Stangen im Querschnitt vorzugsweise
rund ausgebildet.
[0015] Mit Hilfe einer Zeichnung sollen Ausführungsbeispiel der Erfindung nachfolgend näher
erläutert werden. Es zeigt:
- Figur 1 -
- die Draufsicht auf einen Rollstuhl mit parallel stehenden Seitenteilen;
- Figur 2 -
- die Draufsicht auf den Rollstuhl nach Figur 1 mit eingestellter Abduktion der Seitenteile;
- Figur 3 -
- die Anordnung der Stangen in Seitenansicht;
- Figur 4 -
- die Ansicht nach Figur 3 gemäß Sichtpfeil IV;
- Figur 5 -
- die Figur 3 entsprechende Ansicht mit eingestelltem Winkel;
- Figur 6 -
- die Ansicht nach Figur 5 gemäß Sichtpfeil VI;
- Figur 7 -
- eine der Figur 3 entsprechende Darstellung mit einem Aufnahmeele- ment;
- Figur 8 -
- die Ansicht gemäß Sichtpfeil VIII nach Figur 7;
- Figur 9 -
- die Darstellung gemäß Figur 5 mit einem Adapter;
- Figur 10 -
- die Ansicht gemäß Sichtpfeil X nach Figur 9;
- Figur 11 -
- eine Teilseitenansicht gemäß Sichtpfeil XI nach Figur 1;
- Figur 12 -
- eine perspektivische Darstellung des Rollstuhls.
[0016] Der Rollstuhl besteht aus dem aus verschiedenen Rohren 1, 2, 3, 4, 5, 11 zusammengesetzten
Rahmen an dem die Hinterräder 8 und die lenkbaren Vorderräder 6 befestigt sind. Am
Rahmenrohr 4 ist die Fußstütze 7 befestigt. Die Sitzrohre 5 tragen den die Sitzebene
17 ausbildenden Sitz 16. An beiden Sitzrohren 5 ist je ein nach unten weisendes Rohr
11 befestigt, an dem über ein Befestigungselement 12 die beiden an ihrem Kopfende
abgekröpften, im Querschnitt runden Stangen 9, 10 befestigt sind.
[0017] Die Seitenteile 14 können, wie in Figuren 5 und 6 mit strichlierten Linien angedeutet,
unmittelbar mit den Kopfenden der Stangen 9, 10 oder wie in Figuren 7 und 8 dargestellt
über einen Adapter 13 verbunden sein. Um die Seitenteile (14) parallel zueinander,
bzw. parallel zu den Sitzrohren 5 auszurichten, werden die Stangen 9, 10 in dem Befestigungselement
so ausgerichtet, dass die Abkröpfungen der Kopfenden sich im Wesentlichen gegenüberliegen,
also die Abkröpfung der in Fahrtrichtung F vorderen Stange 9 in Fahrtrichtung F und
der hinteren Stange 10 entgegen der Fahrtrichtung F symmetrisch zur im wesentlichen
senkrecht zur Sitzebene 17 laufenden vertikalen Achse V eingestellt wird (vgl. Figuren
1, 3, 7). Die Kopfenden der Stangen 9, 10 sind drehbar im Adapter 13 bzw. den Seitenteilen
14 gelagert. Zum Einstellen der Abduktion werden die Schrauben 15 am Befestigungselement
12 gelöst und die Stangen 9, 10 gleichzeitig zueinander und um die Achse V verdreht,
so dass das Seitenteil 14 bzw. der Adapter im Winkel α zum Sitzrohr 5 steht. Der Abstand
der Stangen 9, 10 zueinander bleibt beim Drehen konstant. Die Drehung erfolgt um die
Achse V (Mittelachse) zwischen beiden Stangen 9, 10. Wenn der richtige Winkel α eingestellt
ist, werden die Befestigungsschrauben 15 wieder festgezogen.
Bezugszeichenliste
[0018]
- 1
- Rahmenrohr
- 2
- Rahmenrohr
- 3
- Rahmenrohr
- 4
- Rahmenrohr
- 5
- Sitzrohr
- 6
- Vorderrad
- 7
- Fußstütze
- 8
- Hinterrad
- 9
- Stange
- 10
- Stange
- 11
- Rohr
- 12
- Befestigungselement
- 13
- Adapter
- 14
- Seitenteil
- 15
- Schraube
- 16
- Sitz
- 17
- Sitzebene
- V
- Achse / Längsachse / Mittelachse
1. Rollstuhl mit einem zur Aufnahme eines Sitzes (16) vorgesehenen Rahmen (1, 2, 3, 4,
5, 11) und beidseitig zum Sitz (16) angeordneten lösbar mit dem Rahmen verbundenen
Seitenteilen (14), die zur Durchführung von Abduktionsmaßnahmen in ihrer Winkelstellung
zum Sitz (16) dadurch einstellbar sind, dass sie um eine im Wesentlichen senkrecht zur Sitzebene (17) verlaufende
vertikale Achse (V) verschwenkbar sind.
2. Rollstuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Verbindung jedes Seitenteils (14) zum Rahmen über zwei parallel zueinander angeordnete
Stangen (9, 10) erfolgt, dass die Stangen (9, 10) an ihrem Kopfende abgekröpft sind,
und dass die Abkröpfungen zur parallelen Ausrichtung der Seitenteile (14) im Wesentlichen
einander entgegengerichtet ausgebildet sind.
3. Rollstuhl nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die eine Stange (9) in Fahrtrichtung (F) und die andere Stange (10) entgegen der
Fahrtrichtung (F) abgekröpft ist.
4. Rollstuhl nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kopfenden der Stangen (9, 10) in einem Aufnahmeelement gelagert sind, an dem
das Seitenteil (14) befestigbar ist.
5. Rollstuhl nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kopfenden der Stangen (9, 10) in dem Seitenteil (14) gelagert sind.
6. Rollstuhl nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Stangen (9, 10) mit ihrem Fußende in einem mit dem Rahmen (11) verbundenen Befestigungselement
(12) gelagert sind.
7. Rollstuhl nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Stangen (9, 10) im Querschnitt rund sind.