[0001] Aus der
DE 10 2005 036 419 A1 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung eines Ausbuchtungen (Nebenformen)
aufweisenden Werkstückes mittels eines Druckmediums bekannt (Innenhochdruckumformung).
Dabei weist das aus zwei quer zur Längsachse des Werkstückes geteilten Werkzeughälften
bestehende Innenhochdruckumformwerkzeug eine der späteren Endform des Werkstückes
entsprechende Gravur/Negativform auf, wobei das zu verformende, hohlprofilförmige
Werkstück in das Werkzeug eingelegt und durch eine auf dessen Enden wirkende axiale
Druckkraft gestaucht wird. Während des Stauchvorganges greifen die Enden des Werkstückes
in eine einen Konus umschließende Ausnehmung des Innenhochdruckumformwerkzeuges dichtend
ein, wobei nachfolgend durch eine in der ersten Werkzeughälfte vorgesehene Zuführung
ein Druckmedium zur Erzeugung eines Innendruckes im zu verformenden, hohlprofilförmigen
Werkstück eingespeist wird. Zu dieser direkten Druckbeaufschlagung ist zur Erhöhung
des Innendruckes ein entsprechender Druckübersetzer erforderlich. Dabei fahren die
Werkzeughälften unter Druckbeaufschlagung weiter zusammen bis das Werkzeug geschlossen
ist, wodurch sich das Werkstück zur Realisierung seiner Endform an die Gravur/Negativform
des Werkzeuges angelegt hat. Letztlich ist in der zweiten Werkzeughälfte eine Entlüftungsbohrung
für das Druckmedium befindlich, welches eine praktisch inkompressible Flüssigkeit,
beispielsweise Wasser oder ein Wasser-Ölgemisch, sein kann.
[0002] Nachteilig bei dieser Lösung ist, dass die Befüllung des Werkstückhohlraumes mit
dem Druckmedium als eigenständiger, die Taktzeit erhöhender Vorgang erst nach dem
Einlegen des Werkstückes in das Werkzeug erfolgen kann, wobei sich die Enden des Werkstückes
durch Zusammenfahren der Werkzeughälften bereits in ihrer Dichtposition in der Ausnehmung
der Werkzeughälften befinden müssen. Dabei besteht die Gefahr, dass das Werkstück
ausknickt und in der Teilungsebene zwischen den Werkzeughälften zu liegen kommt. Außerdem
ist ein serienstabiles Einlegen der Werkstücke nicht gewährleistet, da die Konen allein
nicht ausreichend zur orthogonalen Führung des Werkstückes beitragen. Letztlich bereitet
die Entnahme der Werkstücke Schwierigkeiten dahingehend, weil sich diese in der Ausnehmung
einer der beiden Werkzeughälften verklemmen können. Zur Erhöhung des Innendruckes
ist für die direkte Druckbeaufschlagung ein Druckübersetzer notwendig.
[0003] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, eine Lösung vorzuschlagen, bei der auf das
Befüllen des Hohlraumes des Werkstückes mit dem Druckmedium als separater, die Taktzeit
erhöhender Vorgang ebenso verzichtet werden kann, wie auf die bereits zu diesem Zeitpunkt
erforderliche Realisierung der Dichtposition an den Enden des Werkstückes. Außerdem
sollen ein Ausknicken des Werkstückes ausgeschlossen, die Voraussetzungen für ein
serienstabiles Einlegen des Werkstückes geschaffen und die problemlose Entnahme des
Werkstückes ermöglicht werden. Letztlich soll auf die Verwendung eines Druckübersetzers
verzichtet werden können. Außerdem soll für die Erhöhung des Innendruckes kein Druckübersetzer
erforderlich sein.
[0004] Diese Aufgabe wird bei einem gattungsgemäßen Verfahren mit den im Kennzeichen des
Patentanspruchs 1 angegebenen Merkmalen gelöst, wobei dessen Ausgestaltung aus Patentanspruch
2 ersichtlich ist.
Eine Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geht aus Patentanspruch
3 hervor, wobei deren vorteilhafte Weiterbildungen in den Patentansprüchen 4 bis 7
offenbart sind.
[0005] Die Vorteile der Erfindung bestehen darin, dass auf das Befüllen des Hohlraumes des
Werkstückes mit dem Druckmedium als separater, die Taktzeit erhöhender Vorgang verzichtet
werden kann, weil dieses beim Einlegen in die sich bereits im Druckmedium des Behälters
befindliche untere Werkzeughälfte der Vorrichtung vollständig mit dem Druckmedium
gefüllt wird. Außerdem ist zu diesem Zeitpunkt die Realisierung der Dichtposition
an den Enden des Werkstückes nicht erforderlich. Darüber hinaus werden ein Ausknicken
des Werkstückes verhindert, die Voraussetzungen für ein serienstabiles Einlegen der
Werkstücke geschaffen und die problemlose Entnahme der Werkstücke ermöglicht. Letztlich
kann zur Erhöhung des Innendruckes auf die Verwendung eines Druckübersetzers verzichtet
werden, da die Druckerzeugung über die beim Stauchvorgang erfolgende Reduzierung des
das Werkstück einschließenden Volumens und/ oder durch das weitere Eindringen der
Stempel in den Hohlraum des Werkstückes vorgenommen wird.
[0006] Die Erfindung soll nachfolgend an einem Ausführungsbeispiel und zugehöriger Zeichnungen
näher erläutert werden.
[0007] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine geschnittene Seitenansicht des prinzipiellen Aufbaus der erfindungsgemäßen Vorrichtung
zur Herstellung eines Ausbuchtungen aufweisenden Werkstückes mittels eines Druckmediums
in geöffnetem, mit dem Werkstück bereits beschickten Zustand
- Fig. 2
- eine geschnittene Seitenansicht der erfindungsgemäßen Vorrichtung, bei der die Dichtposition
der Stempel unmittelbar vor der Umformung eingenommen worden ist
- Fig. 3
- eine geschnittene Seitenansicht der erfindungsgemäßen Vorrichtung, in der die Vorrichtung
vollständig geschlossen (Endposition) und die Umformung des Werkstückes erfolgt ist
[0008] In der Fig. 1 ist eine Vorrichtung 1 zur Herstellung eines Ausbuchtungen 2 (Fig.
3) aufweisenden Werkstückes 3 mittels eines Druckmediums 11 dargestellt. Diese Vorrichtung
1 besteht aus zwei quer zur Längsachse 4 des Werkstückes 3 geteilten Werkzeughälften,
der unteren Werkzeughälfte 5 und der oberen Werkzeughälfte 6, welche eine der späteren
Endform des Werkstückes entsprechende Gravur/Negativform 7 aufweisen. Den Werkzeughälften
5, 6 sind Distanzfedern 8 zugeordnet, über die diese jeweils mit einer unteren Werkzeuggrundplatte
9 und einer oberen Werkzeuggrundplatte 10 verbunden sind.
Die Werkzeuggrundplatten 9, 10 wirken mit einer nicht gezeigten Presse zusammen. Der
unteren Werkzeuggrundplatte 9 ist ein mit einer als Druckmedium 11 verwendeten inkompressiblen
Flüssigkeit, vorzugsweise Wasser, gefüllter Behälter 12 zugeordnet, in dem zumindest
das Werkstück 3 vollständig eintaucht. Außerdem weisen die untere und obere Werkzeuggrundplatte
9, 10 jeweils einen (unteren bzw. oberen) Stempel 14, 15 für den beiderseitigen Eingriff
in den Hohlraum 13 des Werkstückes 3 auf. Für ein nicht dargestelltes Überdrückventil
ist in der unteren Werkzeuggrundplatte 9 und deren Stempel 14 ein Kanal 16 angeordnet.
Außerdem beinhaltet die untere Werkzeuggrundplatte 9 einen Zu- und Ablauf 17 für die
als Druckmedium 11 verwendete inkompressible Flüssigkeit. Dieser Zu- und Ablauf 17
kann auch am Behälter 12 angeordnet sein. Letztlich ist mindestens eine der Werkzeughälften
5, 6 mit einem Verdrängungskanal 18 für das Druckmedium 11 ausgestattet, wodurch das
flüssige Druckmedium 11 aus dem Raum zwischen Werkstück 3 und Gravur/Negativform 7
entweichen kann. Vorzugsweise ist dieser Verdrängungskanal 18 in der Teilungsebene
zwischen den beiden Werkzeughälften 5, 6 angeordnet.
[0009] Nachfolgend soll die Funktionsweise des erfindungsgemäßen Verfahrens und der danach
arbeitenden Vorrichtung erläutert werden:
Gemäß Fig. 1 wird das umzuformende, hohlprofilförmige und beispielhaft als Rohr ausgeführte
Werkstück 3, z. B. mittels entsprechender Handhabungstechnik, in die geöffnete Vorrichtung
1 unter lagebestimmter Aufnahme durch den unteren Stempel 14 in die untere Werkzeughälfte
5 eingelegt, wobei sich diese Werkzeughälfte 5 bereits in dem mit der als Druckmedium
11 verwendeten inkompressiblen Flüssigkeit (Wasser) gefüllten Behälter 12 befindet,
so dass zumindest das Werkstück 3 vollständig mit der Flüssigkeit gefüllt und umgeben
wird. Durch das anschließende Zusammenfahren der Werkzeughälften 5, 6 erfolgt eine
Abdichtung der Enden des Werkstückes 3. Dabei wird durch eine Presse eine axiale Druckkraft
auf das Werkstück 3 aufgebracht, so dass über die an den Werkstückenden in den Hohlraum
13 abdichtend eingreifenden und an der unteren und oberen Werkzeuggrundplatte 9, 10
vorgesehenen unteren und oberen Stempel 14, 15 die Verdrängung des Druckmediums 11
einsetzt. Damit zu diesem Zeitpunkt aufgrund eines zu hohen Innendruckes im Hohlraum
13 ein Ausknicken des Werkstückes 3 unterbunden werden kann, findet über den im Stempel
14 vorgesehenen Kanal 16 in Verbindung mit dem Überdrückventil ein Druckausgleich
statt. In dieser Phase des Verfahrens werden die Werkzeughälften 5, 6 durch die Distanzfedern
8 in einem Abstand zur unteren und oberen Werkzeuggrundplatte 9, 10 gehalten (Fig.
2). Durch die weiterhin gegen die Distanzfedern 8 aufgebrachte Presskraft und den
damit beginnenden Stauchvorgang gelangen die Werkzeughälften 5, 6 miteinander sowie
mit ihrer jeweils zugeordneten Werkzeuggrundplatte 9, 10 in Kontakt, so dass durch
die fortlaufende Verdrängung und damit einhergehenden Druckerhöhung des sich im Hohlraum
13 des Werkstückes 3 befindlichen Druckmediums 11 der Umformvorgang zur Realisierung
der Endform des Werkstückes 3 abgeschlossen wird, indem sich das Werkstück 3 zur Erzeugung
der Ausbuchtungen 2 an die Gravur/Negativform 7 des Umformwerkzeuges anlegt (Fig.
3). Dabei entweicht das zwischen Werkstück 3 und Gravur/ Negativform 7 vorhandene
Druckmedium über die sich in der Teilungsebene beider Werkzeughälften 5, 6 befindlichen
Verdrängungskanäle 18. Nach dem Öffnen der Werkzeughälften 5, 6 kann das umgeformte,
Ausbuchtungen 2 aufweisende Werkstück 3 entnommen werden. Es versteht sich von selbst,
dass die Vorrichtung 1 auch für die Aufnahme einer Vielzahl von Werkstücken 3 ausgelegt
werden kann, die dann auch gemeinsam die vorstehend geschilderte Umformung gleichzeitig
erfahren.
Aufstellung der verwendeten Bezugszeichen
[0010]
- 1
- Vorrichtung
- 2
- Ausbuchtungen
- 3
- Werkstück
- 4
- Längsachse
- 5
- untere Werkzeughälfte
- 6
- obere Werkzeughälfte
- 7
- Gravur/Negativform
- 8
- Distanzfeder
- 9
- untere Werkzeuggrundplatte
- 10
- obere Werkzeuggrundplatte
- 11
- Druckmedium
- 12
- Behälter
- 13
- Hohlraum
- 14
- unterer Stempel
- 15
- oberer Stempel
- 16
- Kanal
- 17
- Zu- und Ablauf
- 18
- Verdrängungskanal
1. Verfahren zur Herstellung eines Ausbuchtungen aufweisenden Werkstückes mittels eines
Druckmediums, wobei das zu verformende, hohlprofilförmige Werkstück in ein aus zwei
quer zur Längsachse des Werkstückes geteilten Werkzeughälften bestehendes Umformwerkzeug,
welches eine der späteren Endform des Werkstückes entsprechende Gravur/Negativform
aufweist, lagebestimmt eingelegt wird, nach dem Zusammenfahren der Werkzeughälften
eine Abdichtung der Enden des Werkstückes realisiert sowie eine axiale Druckkraft
auf das Werkstück aufgebracht wird, und durch Druckerhöhung eines sich im Hohlraum
des Werkstückes befindlichen Druckmediums aus einer inkompressiblen Flüssigkeit sich
das Werkstück zur Realisierung seiner Endform an die Gravur/Negativform des Umformwerkzeuges
anlegt,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Werkstück (3) in die eine Werkzeughälfte (5) des Umformwerkzeuges eingelegt wird,
wobei sich diese Werkzeughälfte (5) bereits in einem mit der als Druckmedium (11)
verwendeten inkompressiblen Flüssigkeit gefüllten Behälter (12) befindet, so dass
zumindest das Werkstück (3) vollständig mit der Flüssigkeit gefüllt und umgeben wird,
anschließend fahren die Werkzeughälften (5, 6) zusammen, so dass über die an den Enden
des Werkstückes (3) in der Hohlraum (13) abdichtend eingreifenden und an einer unteren
und oberen Werkzeuggrundplatte (9, 10) vorgesehenen Stempel (14, 15) die Verdrängung
des Druckmediums (11) einsetzt, wobei die Werkzeughälften (5, 6) jeweils durch Distanzfedern
(8) in einem Abstand zur unteren und oberen Werkzeuggrundplatte (9, 10) gehalten werden,
durch eine weiterhin gegen die Distanzfedern (8) aufgebrachte Presskraft gelangen
die Werkzeughälften (5, 6) miteinander sowie mit ihrer jeweils zugeordneten Werkzeuggrundplatte
(9, 10) in Kontakt, so dass durch die weitergehende Verdrängung des Druckmediums (11)
der Umformvorgang zur Realisierung der Endform des Werkstückes (3) abgeschlossen wird.
2. Verfahren nach Patentanspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass als flüssiges nahezu inkompressibles Druckmedium (11) Wasser verwendet wird.
3. Vorrichtung zur Herstellung eines Ausbuchtungen aufweisenden Werkstückes mittels eines
Druckmediums, bestehend aus zwei quer zur Längsachse (4) des Werkstückes (3) geteilten
Werkzeughälften (5, 6), welche eine der späteren Endform des Werkstückes (3) entsprechende
Gravur/Negativform (7) aufweisen,
dadurch gekennzeichnet,
dass den Werkzeughälften (5, 6) Distanzfedern (8) zugeordnet sind, über die diese mit
einer unteren und einer oberen Werkzeuggrundplatte (9, 10) verbunden ausgestaltet
sind, wobei der unteren Werkzeuggrundplatte (9) ein mit einer als Druckmedium (11)
verwendeten, inkompressiblen Flüssigkeit gefüllter Behälter (12) zugeordnet ist, in
das zumindest das Werkstück (3) vollständig eintaucht und die untere und obere Werkzeuggrundplatte
(9, 10) einen Stempel (14, 15) für einen Eingriff in den Hohlraum (13) des Werkstückes
(3) aufweisen.
4. Vorrichtung nach Patentanspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der unteren Werkzeuggrundplatte (9) und deren Stempel (14) ein Kanal (16) für
ein Überdruckventil angeordnet ist.
5. Vorrichtung nach Patentanspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die untere Werkzeuggrundplatte (9) oder der Behälter (12) einen Zu- und Ablauf (14)
für die als Druckmedium (11) verwendete inkompressible Flüssigkeit aufweist.
6. Vorrichtung nach Patentanspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens eine der Werkzeughälften (5, 6) einen Verdrängungskanal (18) für das Druckmedium
(11) beinhaltet.
7. Vorrichtung nach Patentanspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Verdrängungskanal (18) in der Teilungsebene zwischen den beiden Werkzeughälften
(5, 6) vorgesehen ist.