[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Stanzteiles mit vergrößerter
Funktionsfläche, insbesondere Feinschneiden eines Werkstücks aus einem Bandstreifen,
bei dem der Bandstreifen zwischen einem aus einem Schneidstempel, einer Führungsplatte
für den Schneidstempel, einer an der Führungsplatte angeordneten Ringzacke und einem
Ausstosser zusammengesetzte Oberteil und einem aus Schneidplatte und Auswerfer bestehenden
Unterteil beim Schließen eingespannt und die Ringzacke in den Bandstreifen eingedrückt
wird.
[0002] Die Erfindung betrifft weiterhin Vorrichtungen zum Herstellen eines Stanzteiles mit
vergrößerter Funktionsfläche, insbesondere Feinschneiden eines Werkstücks aus einem
Bandstreifen, mit einem zweiteiligen Werkzeug, das Mindestens ein Schneidstempel,
eine Führungsplatte für den Schneidstempel, eine an der Führungsplatte angeordnete
Ringzacke, einen Ausstosser, eine Schneidplatte und einen Auswerfer umfasst, wobei
der Bandstreifen zwischen Führungsplatte und Schneidplatte eingespannt ist und die
Ringzacke in den Bandstreifen eingedrückt ist.
Stand der Technik
[0003] In der Feinschneid- und Umformtechnik werden vorwiegend Stähle verarbeitet. Dabei
erstreckt sich die Vielfalt verwendeter Werkstoffe von einfachen Baustählen bis hin
zu hochfesten Feinkornstählen. Die Ressource "Werkstoff" hat in den letzten Jahren
stark an Bedeutung gewonnen. Mit einer optimalen Werkstoffausnutzung lassen sich die
Herstellkosten eines Bauteiles wesentlich beeinflussen. Die hochfesten Stähle ermöglichen
dünnwandigere Bauteile bei gleichem Festigkeitsverhalten.
In den meisten Fällen wirkt die Schnittfläche beim Feinschneiden als Funktionsfläche,
weshalb der Einzug einen Kostenfaktor darstellt.
[0004] Typische Merkmale von Feinschnittteilen sind der Kanteneinzug und der Schnittgrat.
Insbesondere in Eckenpartien stellt sich der Einzug ein, der mit kleiner werdendem
Eckenradius und steigender Blechdicke zunimmt. Die Einzugstiefe kann rd. 30% und die
Einzugsbreite etwa 40% der Blechdicke oder mehr betragen (siehe DIN 3345, Feinschneiden,
Aug. 1980). Der Einzug ist damit abhängig von Materialdicke und -qualität, so dass
seine Steuerung nur begrenzt möglich ist und oft eine Einschränkung der Teilefunktion,
beispielsweise durch eine fehlende Scharfkantigkeit der Ecken bei Verzahnungsteilen
oder durch die hervorgerufene Änderung der Funktionslänge der Teile, mit sich bringt.
Der Stanzeinzug reduziert deshalb die Teilefunktion, und zwingt den Hersteller zur
Verwendung eines dickeren Ausgangsmaterials.
[0005] Es sind eine ganze Reihe von Lösungen bekannt, die versuchen, den Kanteneinzug entweder
durch Nachschneiden (
CH 665 367 A5), Nachschaben (
DE 197 38 636 A1) oder Verschieben von Material während des Schneidens (
EP 1 815 922 A1) zu beseitigen.
Die bekannten Lösungen nach
CH 665 367 A5 und
DE 197 38 636 A1 reduzieren nicht den Kanteneinzug, sondern bearbeiten die Teile aufwändig nach, so
dass einerseits erhebliche Kosten für zusätzliche Bearbeitungsvorgänge und Werkzeuge
erforderlich sind, und andererseits entsprechender Materialverlust durch die Notwendigkeit
des dickeren Materialeinsatzes eintritt.
Bei der bekannten Lösung gemäß
EP 1 815 922 A1 wird das Werkstück in einer einstufigen Anordnung in mindestens zwei zeitlich aufeinander
abfolgenden Schrittfolgen in unterschiedlichen Schnittrichtungen bearbeitet, wobei
in einem ersten Schneidvorgang in vertikaler Arbeitsrichtung ein auf die Werkstückgeometrie
abgestimmtes Halbfertigfabrikat mit einem geringen Einzug ausgeschnitten und in mindestens
einem weiteren Schneidvorgang in entgegengesetzter Arbeitsrichtung das Teil fertiggeschnitten
wird. Der Einzug des ersten Teilschritts soll dabei zumindest im Eckbereich wieder
aufgefüllt werden. Mit diesem bekannten Verfahren wird vorwiegend jedoch der vorstehende
Stanzgrat vermieden.
Auch bei dieser bekannten Lösung wird der Einzug letztendlich nicht beseitigt und
Materialvolumen entlang der Schnittlinie verschoben, was mit einem erhöhten Risiko
einer Rissbildung einhergeht.
Aufgabenstellung
[0006] Bei diesem Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, den Kanteneinzug
gezielt durch Erzeugen eines dem Volumen entsprechenden Einzugs innerhalb der Teilegeometrie
bei gleichzeitiger Beibehaltung der Funktionsflächen an dünneren Feinschneidteilen
unter Einsparung von Material weitgehend zu vermeiden, ohne dass das Material entlang
der Schnittlinie bewegt wird.
[0007] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren der eingangs genannten Gattung mit den kennzeichnenden
Merkmalen des Anspruchs 1 und durch eine Vorrichtung mit den kennzeichnenden Merkmalen
der Ansprüche 10 und 11 gelöst.
[0008] Vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens und der Vorrichtung sind den Unteransprüchen
entnehmbar.
[0009] Die erfindungsgemäße Lösung zeichnet sich dadurch aus, dass es erstmals möglich wird,
das Feinschneidverfahren auf Teile, beispielsweise Verzahnungsteile mittlerer und
größerer Dicke mit scharfen Kanten ohne Nachbearbeitung und Materialverschiebung entlang
der Schnittlinie wirtschaftlich anzuwenden.
[0010] Dies wird dadurch erreicht, dass vor Beginn des Schnitts am eingespannten unbehandelten
Bandstreifen entgegen der Schneidrichtung mit einem Vorformelement ein zur Schnittrichtung
negatives Vorformen durchgeführt wird, das dem erwarteten Kanteneinzug beim Schneiden
in die Schneidplatte in Größe und Geometrie zuzüglich einer Zugabe entspricht und
ein Materialvolumen in gespiegelter Form an der Einzugsseite erzeugt. Mit Beginn und
während des Schnitts wird der so vorgeformte Bereich des eingespannten Bandstreifens
durch das Vorformelement abgestützt.
[0011] Von besonderem Vorteil ist, dass die Prozessparameter für das Vorformen, beispielsweise
die Geometrie und das Werkstoffvolumen des vorzuformenden Bereichs, in Abhängigkeit
von Materialart, Form und Geometrie des Werkstücks durch eine virtuelle Umformsimulation
bestimmt werden. Dies führt zu einer schnellen praxisnahen Auslegung der Vorformelemente,
insbesondere der Bestimmung der Vorformwinkel an den Vorformelementen.
Die Prozessparameter für das Vorformen lassen sich aber durch Vermessen an real hergestellten
Feinschnittteilen iterativ bestimmen, ohne die Erfindung zu verlassen.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren ist variabel einsetzbar. So kann das Vorformen in
einer separaten Vorstufe innerhalb eines Werkzeugs als Folgeschnitt durchgeführt werden.
Es ist aber auch im Komplettschnitt unproblematisch ausführbar, wenn der Auswerfer
zugleich als Vorformelement verwendet wird, wobei der Komplettschnitt nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren besonders vorteilhaft für dünnere Teile anwendbar ist.
Das erfindungsgemäße Verfahren deckt somit das Feinschneiden von Teilen in einem breiten
Abmessungsbereich, beispielsweise Teile bis zu mittleren Dicken und kleinere bis mittlere
Abmessungen im Komplettschnitt und Teile bis zu großen Dicken und Abmessungen im Folgeschnitt,
ab.
[0013] Die erfindungsgemäßen Vorrichtungen haben einen einfachen und robusten Aufbau. Im
Falle des Einsatzes des Folgeschnitts ist mindestens ein entgegen der Schneidrichtung
wirkender, der Schneidstufe vorgeordneter Prägestempel zum negativen Vorformen eines
an den erwarteten Kanteneinzug angepassten Materialvolumens an der Einzugsseite vorgesehen,
wobei der Prägestempel an seiner Aktivseite eine Kontur bzw. einen Vorformwinkel aufweist,
die bzw. der der Geometrie des erwarteten Kanteneinzugs zuzüglich einer Zugabe entspricht.
Für den Komplettschnitt ist mindestens ein entgegen der Schneidrichtung wirkender,
der Schneidstufe zugeordneter Auswerfer zum negativen Vorformen eines an den erwarteten
Kanteneinzug angepassten Materialvolumens an der Einzugsseite vorgesehen, wobei der
Auswerfer an seiner Aktivseite eine Kontur bzw. einen Vorformwinkel aufweist, die
bzw. der der Geometrie des erwarteten Kanteneinzugs zuzüglich einer Zugabe angepasst
ist, wobei der Auswerfer den vorgeformten Bereich beim Schneiden abstützt.
[0014] Die Vorformwinkel für den Prägestempel bei Folgeschnitt und den Auswerfer beim Komplettschnitt
betragen etwa zwischen 20° und 40°.
[0015] Weitere Vorteile und Einzelheiten ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen.
Ausführungsbeispiel
[0016] Die Erfindung soll nachstehend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden.
Es zeigt
[0017] Fig. 1 eine schematische Darstellung der erfindungsgemäßen Vorrichtung mit einer
separaten Vorstufe zum Vorformen der Einzugsgeometrie bei zwischen Ober- und Unterteil
geklemmtem Bandstreifen im geschlossenen Werkzeug,
[0018] Fig. 2 eine vereinfachte schematische Darstellung der erfindungsmäßen Vorrichtung
nach Fig. 1 am durchgeschnittenen Bandstreifen im geschlossenen Werkzeug,
[0019] Fig. 3 eine vergrößerte Darstellung des Prägestempels mit Vorformwinkel,
[0020] Fig. 4a und 4b eine schematische Darstellung der Geometrie des Kanteneinzugs eines
nach dem Stand der Technik und nach dem erfindungsgemäßen Vorformen,
[0021] Fig. 5 eine schematische Darstellung der Abstimmung zwischen Prägestempel und dem
vorgeformten Bereich des Bandstreifens und
[0022] Fig. 6 ein Beispiel eines nach dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellten Getriebeteils
mit und ohne Vorformung.
[0023] Die Fig. 1 zeigt den grundsätzlichen Aufbau der erfindungsgemäßen Vorrichtung, die
ein Oberteil 1 und ein Unterteil 2 umfasst. Zum Oberteil 1 gehört eine eine Ringzacke
3 aufweisende Führungsplatte 4, ein Schneidstempel 5, der in der Führungsplatte 4
geführt ist, und ein Ausstosser 6. Das Unterteil 3 ist gebildet aus einer Schneidplatte
7 und einem Auswerfer 9. Der Bandstreifen 10 aus legiertem rostfreien Stahl mit einer
Dicke von 4,5 mm, aus dem nach dem erfindungsgemäßen Verfahren ein Getriebeteil 11
mit Verzahnung 12, gefertigt werden soll, ist nach dem gezeigten Stellungszustand
des Werkzeugs zwischen Führungsplatte 4 und Schneidplatte 7 eingeklemmt und die Ringzacke
3 ist bereits in den Bandstreifen 10 eingedrungen, wodurch der Werkstoff infolge der
einwirkenden Ringzackenkraft am Nachfließen während des Schneidens gehindert wird.
[0024] Die Vorstufe wird gebildet durch einen im Unterteil 2 geführten als Vorformelement
V ausgebildeten Prägestempel 13, der auf seiner Aktivseite 14 einen zuvor durch eine
virtuelle Umformsimulation bestimmten Vorformwinkel α aufweist und mit einer Kontur
15 versehen ist, die der Geometrie des erwarteten Einzugs mit einer aus Erfahrungswerten
resultierenden Zugabe entspricht. Das Vorformen des zwischen Ober- und Teil 1 bzw.
2 eingeklemmten Bandstreifens erfolgt durch den Prägestempel 13, dessen Wirkrichtung
entgegen der Schneidrichtung SR des Schneidstempels 5 verläuft. Der Prägestempel 13
verformt bei seiner Vorschubbewegung den Bandstreifen 10 soweit, dass sich die Kontur
15 der Aktivseite 14 des Prägestempels mit seinem Vorformwinkel α in das Material
des Bandstreifens um einen an die Geometrie des Einzugs angepassten Betrag hineinbewegt
und eine Verformung des Bandstreifens 10 auf der Einzugsseite bewirkt, die dem Volumen
des erwarteten Einzugs entspricht.
Fig. 3 zeigt ein Beispiel eines Prägestempels 13 mit einer entsprechenden Kontur 15
an seiner Aktivseite. Es ist zu erkennen, dass diese Kontur der Geometrie des Einzugs
genau entspricht.
[0025] Die Prozessparameter für das Vorformen, beispielsweise die Geometrie, d.h. die Einzugshöhe
und Einzugsbreite, und das Werkstoffvolumen, d.h. Einzugsvolumen, wird in Abhängigkeit
von Materialart, Form und Geometrie des Werkstücks durch eine virtuelle Umformsimulation
bestimmt, in der der Werkstofffluss im Umformprozess dargestellt, Dehnungen und Vergleichsspannungen
analysiert werden, um festzustellen, ob die Formänderung machbar und die Belastungen
durch die Werkzeugelemente getragen werden können. Die Prozessparameter für das Vorformen
können aber auch am realen Feinschneidteil durch individuelle Vermessung der Einzugshöhe,
Einzugsbreite und Bestimmung des Einzugsvolumens ermittelt werden. Dazu bedarf es
eine Reihe von Versuchen und deren Auswertung, um auf dieser Grundlage den Prägestempel
13 entsprechend auslegen zu können.
[0026] Anstelle der separaten, hier näher beschriebenen Vorstufe, ist natürlich auch möglich,
den Auswerfer 9 als Vorformelement für das Vorformen des eingeklemmten Bandstreifens
entsprechend der erwarteten Geometrie des Kanteneinzugs zu nutzen.
[0027] Die Zusammenhänge zum Verständnis für das erfindungsgemäße Verfahren sind in den
Fig. 4a, 4b, 5 und 6 gezeigt.
Die Fig. 4a zeigt den sich ausbildenden Einzug an einem Feinschneidteil, das ohne
Anwendung der Erfindung gefertigt wurde. Dieser Einzug E ist nach DIN 6930 und VDI-Richtlinie
2906 durch die Kanteneinzugshöhe h und Kanteneinzugsbreite b und der sich einstellende
Grat durch Schnittgrathöhe und Schnittgratbreite definiert. Es ist gesicherte Erkenntnis,
dass das Gratvolumen um ein Vielfaches gegenüber dem Einzugsvolumen V kleiner ist.
Gewissermaßen ist also Volumen verloren gegangen. Dieses Volumen wandert einerseits
deutlich hinter die Aussenkontur des Teils und andererseits geht ein geringer Betrag
aufgrund der Verfestigung des Materials verloren.
Beim Scherschneiden werden Zugkräfte in das Material eingebracht, welche letztendlich
grösser werden als die zusammenhaltenden Kräfte im Atomgitter. Dies führt zu einem
Abgleiten zwischen den benachbarten Ebenen von Schneidstempel 5 und Schneidplatte
7. Vor dem eigentlichen Scheren finden jedoch plastische Verformungen statt, die zum
Kanteneinzug E führen.
[0028] Für jede Geometrie eines nach dem erfindungsgemäßen Verfahren herzustellenden Teils
werden die Abmessungen und das Volumen V des zu erwartenden Kanteneinzugs bestimmt.
Dies kann wie im Abschnitt [0028] beschrieben entweder durch eine Umformsimulation
oder durch eine direkte Vermessung am realen Teil geschehen.
In Fig. 4b ist schematisch verdeutlicht, dass der so bestimmte Kanteneinzug E in der
Gegenrichtung in gespiegelter Form an der Einzugsseite abgebildet wird. Dies erfolgt
durch ein entsprechendes Vorformen mit dem Prägestempel 13, der mit einer an die geometrischen
Verhältnisse des erwarteten Kanteneinzugs E angepassten Kontur 15 mit Vorformwinkel
α versehen ist.
Aus der Fig. 5 ist die besonders gute Abstimmung zwischen der Kontur 15 am Prägestempel
13 und der vorgeformten Partie des Bandstreifens 10 ersichtlich. Während auf der Auswerferseite
die vorgeformte Partie durch die Kontur 15 am Prägestempel 13 gestützt wird, entsteht
auf der Führungsseite ein Hohlraum, da der Schneidstempel 5 um die Einzugshöhe h zurücksteht.
Die Folge dieser Abstimmung ist ein Hohlraum H, der jedoch auf Grund des deutlich
gegenüber dem Volumen des Einzugs geringeren Volumens des Grats nicht komplett aufgefüllt
werden kann. Infolge der seitlichen Begrenzung durch die Schneidplatte 4 wird das
Material am Ausweichen gehindert und entsprechend umgeformt, was zu einer zusätzlichen
Verfestigung der Einflusszone im Bereich des Einzugs E führt.
[0029] Fig. 6 zeigt das Beispiel eines nach dem erfindungsgemäßen Verfahren gefertigten
Getriebeteils 11, bei der eine an der Zahnspitze gemessene Reduktion der Einzugstiefe
um 36% erzielt wurde.
Bezugszeichenliste
[0030]
| Oberteil des Feinschneidwerkzeugs |
1 |
| Unterteil des Feinschneidwerkzeugs |
2 |
| Ringzacke |
3 |
| Führungsplatte |
4 |
| Schneidstempel |
5 |
| Ausstosser |
6 |
| Schneidplatte (Matrize) |
7 |
| Auswerfer |
9 |
| Bandstreifen |
10 |
| Getriebeteil |
11 |
| Verzahnung |
12 |
| Prägestempel/ Auswerfer |
13 |
| Aktivseite von 13 |
14 |
| Kontur von 13 |
15 |
| Kanteneinzug |
E |
| Kanteneinzugsbreite |
b |
| Kanteneinzugshöhe |
h |
| Hohlraum |
H |
| Schneidrichtung |
SR |
| Einzugsvolumen |
V |
| Vorformwinkel |
α |
1. Verfahren zum Herstellen von Stanzteilen mit vergrößerter Funktionsfläche, insbesondere
Feinschneiden eines Werkstücks aus einem Bandstreifen, bei dem der Bandstreifen zwischen
einem aus einem Schneidstempel, einer Führungsplatte für den Schneidstempel, einer
an der Führungsplatte angeordneten Ringzacke und einem Ausstosser zusammengesetzte
Oberteil und einem aus Schneidplatte, Auswerfer und einem Innenformstempel bestehenden
Unterteil beim Schließen eingespannt und die Ringzacke in den Bandstreifen eingedrückt
wird, dadurch gekennzeichnet, dass vor Beginn des Schnitts am eingespannten unbehandelten Bandstreifen entgegen der
Schneidrichtung mit einem Vorformelement ein negatives Vorformen durchgeführt wird,
das dem erwarteten Kanteneinzug beim Schneiden in die Schneidplatte in Größe und Geometrie
zuzüglich einer Zugabe entspricht und ein Materialvolumen in gespiegelter Form an
der Einzugsseite erzeugt, und dass mit Beginn und während des Schnitts der vorgeformte
Bereich des eingespannten Bandstreifens durch das Vorformelement abgestützt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Prozessparameter für das Vorformen im vorzuformenden Bereichs, beispielsweise
die Geometrie und das Werkstoffvolumen des Kanteneinzugs, in Abhängigkeit von Materialart,
Form und Geometrie des Werkstücks durch eine virtuelle Umformsimulation bestimmt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Prozessparameter für das Vorformen im vorzuformenden Bereichs, beispielsweise
die Geometrie und das Werkstoffvolumen des Kanteneinzugs, in Abhängigkeit von Materialart,
Form und Geometrie des Werkstücks durch Vermessen an mindestens zwei realen Feinschnittteilen
iterativ bestimmt werden.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Vorformen in einer separaten Vorstufe oder vor Beginn des Schneidvorgangs in
einer gemeinsamen Stufe erzeugt wird, deren Prozessparameter jeweils nach dem ermittelten
Kanteneinzug eingestellt werden
5. Verfahren nach Anspruch 1 und 4, dadurch gekennzeichnet, dass als Vorformelement ein Prägestempel verwendet wird.
6. Verfahren nach Anspruch 4 und 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Vorformen in Richtung Führungsplatte und das Ausschneiden im Folgeschritt an
Teilen mit einer Dicke bis zu 10 mm, vorzugsweise 3 bis 5 mm und kleinen und großen
Abmessungen durchgeführt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1 und 4, dadurch gekennzeichnet, dass als Vorformelement der Auswerfer des Feinschneidwerkzeugs verwendet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 4 und 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Vorformen in Richtung Stempel und das Ausschneiden im Komplettschnitt an Teilen
mit einer mittleren Dicke, vorzugsweise 3 bis 7 mm, und kleinen und mittleren Abmessungen
durchgeführt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass entlang der von Schneidplatte und Schneidstempel bestimmten Schnittlinie kein Material
bewegt wird.
10. Vorrichtung zum Herstellen eines Stanzteiles mit vergrößerter Funktionsfläche, insbesondere
Feinschneiden eines Werkstücks aus einem Bandstreifen, zur Durchführung des Verfahrens
nach Anspruch 1, mit einem zweiteiligen Werkzeug, das mindestens ein Schneidstempel
(5), eine Führungsplatte (4) für den Schneidstempel (5), eine an der Führungsplatte
angeordnete Ringzacke (3), einen Ausstosser (6), eine Schneidplatte (7) und einen
Auswerfer (9) umfasst, wobei der Bandstreifen zwischen Führungsplatte (4) und Schneidplatte
(7) eingespannt ist und die Ringzacke in den Bandstreifen eingedrückt ist, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein in entgegen der Schneidrichtung (SR) wirkender, der Schneidstufe vorgeordneter
Prägestempel (13) zum negativen Vorformen eines an den erwarteten Kanteneinzug (E)
angepassten Materialvolumens (V) an der Einzugsseite vorgesehen ist, wobei der Prägestempel
(13) und der Auswerfer in der Schneidstufe jeweils an ihrer Aktivseite eine Kontur
(15) bzw. einen Vorformwinkel (α) aufweisen, die bzw. der an die Geometrie des erwarteten
Kanteneinzugs zuzüglich einer Zugabe angepasst ist, wobei der Auswerfer (13) den vorgeformten
Bereich beim Schneiden abstützt.
11. Vorrichtung zum Herstellen eines Stanzteiles mit vergrößerter Funktionsfläche, insbesondere
Feinschneiden eines Werkstücks aus einem Bandstreifen, zur Durchführung des Verfahrens
nach Anspruch 1, mit einem zweiteiligen Werkzeug, das mindestens ein Schneidstempel
(5), eine Führungsplatte (4) für den Schneidstempel (5), eine an der Führungsplatte
angeordnete Ringzacke (3), einen Ausstosser (6), eine Schneidplatte (7) und einen
Auswerfer (9) umfasst, wobei der Bandstreifen zwischen Führungsplatte (4) und Schneidplatte
(7) eingespannt ist und die Ringzacke in den Bandstreifen eingedrückt ist, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein in entgegen der Schneidrichtung (SR) wirkender, der Schneidstufe zugeordneter
Auswerfer (13) zum negativen Vorformen eines an den erwarteten Kanteneinzug (E) angepassten
Materialvolumens (V) an der Einzugsseite vorgesehen ist, wobei der Auswerfer (13)
an seiner Aktivseite eine Kontur (15) bzw. einen Vorformwinkel (α) aufweist, die bzw.
der an die Geometrie des erwarteten Kanteneinzügs zuzüglich einer Zugabe angepasst
ist, wobei der Auswerfer den vorgeformten Bereich beim Schneiden abstützt.
12. Vorrichtung nach Anspruch 9 und 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Vorformwinkel (α) am Prägestempel und Auswerfer (13) 20° bis 90°, vorzugsweise
30° beträgt.