[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Anker für eine Uhrenhemmung mit Hemmungsrad
einer mechanischen Uhr gemäss Oberbegriff des Patentanspruches 1.
[0002] Die Grundzüge der Funktion einer mechanischen Uhr sind heute allgemein bekannt und
gut dokumentiert. Die Uhrwerke der mechanischen Uhren schöpfen im allgemeinen ihre
Energie aus einer Feder, meist einer Spiralfeder, der Aufzugsfeder beziehungsweise
der so genannten Barillet. Diese Energie wird auf ein Zahnradgetriebe abgegeben, welches
wiederum über Zeigerelemente, zum Beispiel die Information für die Anzeige der Stunde
wiedergibt, bis zum letzten Element, der so genannten Hemmung. Letztere hat drei Funktionen,
nämlich die Anzahl der Oszillationen der Unruh zu zählen, das heisst die Zeit zu messen,
die Energie des Räderwerks während des zusätzlichen Drehweges der Unruh zu blockieren
und der Unruh einen Impuls zu übermitteln um ihre oszillierende Bewegung zu erhalten.
Die so genannte Schweizer Ankerhemmung, wo jede der im Anker gehaltenen Paletten alternativ
einen Impuls vom Hemmungsrad erhält um ihn an die Unruh weiterzugeben, ist das am
meisten benutzte in der Uhrenindustrie.
[0003] Wie jedes mechanische System ist der Kraftfluss mit Reibung behaftet. Die Energie,
die in der Aufzugsfeder gesammelt wurde erfährt Verluste bei der Übertragung von der
Aufzugsfeder über das Getriebe bis zum letzten Element, der Unruh. Dies hat mehrere
Nachteile. Zur Kompensation der Energieverluste muss die Aufzugsfeder vergrössert
werden um eine genügende Funktionsdauer der Uhr sowie der Ablaufreserve zu erhalten.
Um den Einfluss der Reibungsverluste relativ zu reduzieren, liesse sich die Schwingfrequenz
oder die Trägheit der Unruh erhöhen. Die so erzielte Verbesserung der Ganggenauigkeit
müsste man sich aber wiederum mit der Vergrösserung der Unruh oder der Aufzugsfeder
erkaufen, was unerwünscht ist.
[0004] Ein Teil der Energie, die in der Aufzugsfeder gespeichert wurde, geht durch Reibung
im Zahneingreifvorgang und beim Drehen des Räderwerkes in deren Lager verloren. Typisch
hat jede Stufe des Räderwerks einen Wirkungsgrad von ungefähr 90% bis 95%. Der Zahneingreifvorgang
und das Profil der Zähne wurden in Folge dessen optimiert.
[0005] Ein anderer Teil der Energie geht an der Hemmung, vor allem durch Gleitreibung, verloren.
Typisch beträgt der Wirkungsgrad letzterer ungefähr 40%. Die Verluste an der Hemmung
können in mehreren Teilen getrennt werden:
■ Übertragung der Energie des Hemmungsrades an die Paletten des Ankers;
■ Führung des Ankers durch seine Achse in den Lagersteinen;
■ Übertragung der Energie des Ankers an die Unruh und Reibungsverluste der Lagerung
der Spindel der Unruh in einem entsprechenden Lagerstein.
[0006] Um den Wirkungsgrad der Hemmung zu verbessern, wurden viele Lösungen vorgeschlagen,
bei der Anpassungen vorgenommen wurden um die energiesparendste Möglichkeit der Übertragung
vom Hemmungsrad auf die Paletten des Ankers zu erreichen. So offenbaren die Dokumente
CH-570644-A und
CH-342897-A, das Dokument
CH-342897 oder auch die
WO-2007/003539 Lösungen, die auf die optimierte Geometrie der Palette Bezug nehmen.
[0007] Andere Dokumente, wie die
DE-2050013-A und die
CH-510285-A richten sich auf die Verbesserung der Übertragung der Energie vom Anker auf die Unruh.
[0008] Die Lagerung und Führung des Ankers beziehungsweise ihrer Achse in Lagersteinen (meist
Rubinen) ist seit den ersten Uhren mit Ankerhemmungen wesentlich verbessert worden.
Man hat natürliche Rubine und später synthetische Rubine als Werkstoff genommen, um
die Reibung und den Verschleiss der Lagerzapfen der Achsen zu reduzieren. Man hat
auch die Durchmesser der Lagerzapfen der Achse des Ankers reduziert und angepasst.
Ebenfalls wurden Schmiermittel an den Lagerzapfen eingesetzt und die Schmiermittel
wurden fortlaufend verbessert.
[0009] Die Schmiermittel haben jedoch den Nachteil, dass sie sich mit der Zeit verschlechtern,
nämlich altern, oxidieren, cracken und ranzig werden. Ausserdem sind Schmiermittel
empfänglich für die Aufnahme von Staub und neigen dazu zu verharzen. Schmiermittel
werden deshalb kaum noch für Lagerzapfen des Ankers benutzt. Trotz allen Vorkehrungen
sind Reibung und Spiel zwischen den Lagerzapfen der Ankerachse und ihren Lagersteinen
bis heute vorhanden mit den wohlbekannten Nachteilen. Es ist somit die Aufgabe der
vorliegenden Erfindung einen Anker zu schaffen, der sich praktisch spielfrei und reibungsfrei
oszillierend bewegt wodurch der Wirkungsgrad der Hemmung verbessert werden soll.
[0010] Diese Aufgabe löst ein Anker der eingangs genannten Art mit den Merkmalen des Patentanspruches
1. Die Erfindung zeigt ferner zwei Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemässen
Ankers gemäss den Ansprüchen 18 und 19 auf.
[0011] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungsformen des Erfindungsgegenstandes gehen aus den
abhängigen Patentansprüchen hervor und deren Bedeutung und Wirkungsweise sind in der
nachfolgenden Beschreibung mit Bezug auf die anliegenden Zeichnungen erläutert. Es
zeigt:
- Figur 1:
- Eine Aufsicht auf eine erste Ausführungsform des erfindungsgemässen Ankers und
- Figur 2:
- denselben Anker in einer perspektivischen Ansicht.
- Figur 3:
- zeigt eine zweite Ausführungsform des erfindungsgemässen Ankers in der Aufsicht, wobei
die Schwenkbewegung des Ankers beziehungsweise dessen Gabel beschränkt ist und
- Figur 4:
- zeigt wiederum diese zweite Ausführungsform in einer perspektivischen Darstellung.
- Figur 5:
- zeigt abermals in einer Aufsicht eine dritte Ausführungsform des erfindungsgemässen
Ankers der so gestaltet ist, dass er gewisse parasitäre Bewegungen zu kompensieren
vermag, und auch hier ist in der
- Figur 6:
- dieser Anker in perspektivischer Lage gezeigt. Eine nochmals andere, vierte Ausführungsform
zeigt die
- Figur 7:
- in der diese vierte Ausführungsform des erfindungsgemässen Ankers in der Aufsicht
und
- Figur 8:
- in perspektivischer Darstellung gezeigt ist. Die
- Figuren 9 - 11:
- zeigen einen herkömmlichen Anker in der Seitenansicht in der Aufsicht und in perspektivischer
Darstellung.
[0012] Vorerst wird mit Bezug auf die Figuren 9 - 11 ein herkömmlicher Anker beschrieben.
Der Anker insgesamt ist mit A bezeichnet. Der Anker besitzt zwei Ankerarme B, in deren
Enden jeweils eine Palette C gehalten ist. Mittig zwischen den beiden Ankerarmen in
deren Verbindungsbereich greift eine Gabel D an, die praktisch senkrecht oder zumindest
auf einer Winkelhalbierenden der beiden Ankerarme verläuft. Die Gabel D endet in Zinken
E und die Schwenkbewegung des Ankers beziehungsweise der Gabel D wird durch zwei seitliche
Ankerbegrenzungsstifte F in der Schwenkbewegung begrenzt. Diese Schwenkbewegung erfolgt
um eine Lagerachse G mit beidseitigen Lagerzapfen H, die in hier nicht dargestellten
Lagersteinen ruhen. Es ist selbstverständlich, dass diese Lagerzapfen H mit einer
gewissen Reibung und damit mit Energieverlust in den Lagersteinen lagern und es ist
ebenso klar, dass diese Lagerzapfen in den Lagersteinen nicht spielfrei lagern können.
Wie eingangs erwähnt führt dies zu den entsprechenden Energieverlusten und einer Gangungenauigkeit.
[0013] In allen nun folgenden Ausführungsformen des erfindungsgemässen Ankers fällt sogleich
auf, dass dieser in keiner der hier dargestellten Ausführungsformen eine konkrete
Lagerachse aufweist. Dies trifft auch entsprechend bei der ersten Ausführungsform
gemäss den Figuren 1 und 2 zu. Der erfindungsgemässe Anker wird insgesamt immer mit
1 bezeichnet. Auch dieser Anker besitzt wie ein herkömmlicher Anker zwei Ankerarme
2. Endständig in den beiden Ankerarmen 2 sind die Paletten 3 gehalten. Diese beiden
Ankerarme 2 sind einstückig miteinander verbunden und in dem Verbindungsbereich greift
die Gabel 4 des Ankers an. Die Gabel 4 steht praktisch senkrecht auf den beiden Ankerarmen
2, wenn diese gestreckt fluchtend miteinander verbunden sind. Schliessen die beiden
Ankerarme 2 einen vom Winkel 180° abweichenden Winkel ein, so liegt die Gabel 4 auf
der Winkelhalbierenden des genannten Winkels. Endständig weist die Gabel 4 Gabelzinken
5 beziehungsweise das Gabelhorn auf. Dieser Teil entspricht wiederum der herkömmlichen
Machart. Der Bereich, in dem die Gabel 4 mit den beiden Ankerarmen 2 verbunden ist,
wird hier als Verbindungsbereich 6 definiert. In diesem Verbindungsbereich 6 greifen
zwei Befestigungsarme 7 an. Diese Befestigungsarme 7 verlaufen in der hier dargestellten
einfachsten Ausführungsform exakt gerade. Bezüglich der Mittelachse durch die Gabel
4 verlaufen die beiden Befestigungsarme 7 spiegelsymmetrisch. Folglich bildet so die
Gabel 4 beziehungsweise deren Mittelachse die Winkelhalbierende bezüglich den Winkel,
den die beiden Befestigungsarme 7 miteinander einschliessen.
[0014] Endständig an den beiden Befestigungsarmen 7 sind Befestigungselemente 8, die in
der hier bevorzugten Ausführungsform als ringförmige Ösen ausgestaltet sind. Entsprechend
wird nachfolgend auch von Befestigungsösen 8 gesprochen, wobei der Fachmann selbstverständlich
auch andere Befestigungselementformen darunter verstehen wird. Die Wahl der Befestigungselemente
als Befestigungsösen wird daher bevorzugt, da diese sowohl geeignet sind um mittels
Schrauben mit einem entsprechenden feststehenden Teil des Uhrwerkes, beispielsweise
der Uhrwerksplatine, verbunden zu werden. Die Befestigungsösen 8 sind aber ebenso
geeignet für eine Löt-oder Schweissverbindung wie auch für eine Klebeverbindung. Für
die letztgenannten Verbindungsarten wären aber einfache scheibenförmige Ausgestaltungen
der Befestigungselemente genau so geeignet.
[0015] Auch beim erfindungsgemässen Anker erfolgt die Krafteinleitung wie bei einem herkömmlichen
Anker vom Hemmungsrad über die Paletten, die auch oft Ausgangspaletten genannt werden.
Der gesamte Anker 1 besteht meist mit Ausnahme der beiden Ausgangspalletten einstückig
aus einem plattenförmigen Material. Es wird bevorzugterweise ein Material mit hohem
E-Modul gewählt. Die vom Hemmungsrad auf die Paletten 3 ausgeübte Kraft führt zu einer
Biegeverformung der Befestigungsarme 7. Dabei ist die Breite b der Befestigungsarme
möglichst klein gehalten. Die Höhe h der Befestigungsarme 7 ist ein mehrfaches der
Breite b dieser Arme. Bezüglich der Biegefestigkeit der Befestigungsarme ergibt sich
folgende Formel:

Hierbei gilt, dass

In dieser Formel gilt:
- E =
- E-Modul des Materials
- b =
- Breite des Befestigungsarmes
- h =
- Höhe des Befestigungsarmes
- l =
- Länge des Befestigungsarmes
- I =
- Flächenträgheitsmoment des Balkens
- K =
- Die Gesteifigkeit des Balkens.
[0016] Aus dieser Formel ersieht man, dass eine möglichst leichtgängige Ausgestaltung des
erfindungsgemässen Ankers dadurch erreicht wird, dass man die Befestigungsarme möglichst
lang und in der Breite möglichst dünn gestalten sollte. Bezüglich der Höhe des Befestigungsarmes
ist man selbstverständlich nicht frei, da diese genügend gross sein muss um dadurch
nicht Dreh-Freiheitsgrade zu erhalten, die nicht in der Ebene des Ankers liegen. Würde
man die Höhe des Befestigungsarmes ebenfalls sehr klein wählen, so würden die Befestigungsarme
sich gleich Fäden verhalten und wären lediglich auf Zug und Druck steif aber ansonsten
in alle Biegerichtungen sehr flexibel. Dies ist aber nicht erwünscht, sondern die
Bewegungsfreiheit soll begrenzt sein auf eine Biegebewegung der Befestigungsarme 7
innerhalb der Erstreckungsebene in der der Anker liegt.
[0017] Die bisher beschriebene einfachste Ausführungsform des erfindungsgemässen Ankers
mit zwei flexiblen Befestigungsarmen 7 besitzt jedoch noch immer einen relativen Nachteil.
Dieser Anker weist eine so genannte parasitäre Bewegung auf. Hierunter wird die unerwünschte,
wenn auch kleine, Fehlbewegung des Rotationszentrums, also der virtuellen Achse bezeichnet.
Die dritte Ausführungsform des Erfindungsgegenstandes, wie sie in den Figuren 5 und
6 dargestellt ist, löst auch dieses Problem. Idealerweise sollte sich der Anker ohne
eine Offsetbewegung des Zentrums um eine vorgegebene, virtuelle Achse drehen. Diese
Problematik lässt sich beispielsweise dadurch weitgehend reduzieren, dass man die
Befestigungsarme 7, wie in den Figuren 5 und 6 dargestellt, gestaltet. Hier sind die
Befestigungsarme 7 mit zwei parallelen, elastischen Teilstrecken 70 und 71 gestaltet.
Diese beiden Teilstrecken 70 und 71 verlaufen haarnadelartig. Die beiden Teilstrecken
sind parallel und gegenläufig angeordnet. Die beiden elastischen Teilstrecken70, 71
sind über eine verdickte Verbindungsstelle 72 miteinander verbunden. Die erste elastische
Teilstrecke 70 verläuft somit zwischen der verdickten Verbindungsstelle 72 und dem
Verbindungsbereich 6 des Ankers 1 beziehungsweise zu einem verdickten Teil der Befestigungsarme
7 der hier als Verbindungsteil 73 bezeichnet ist. Die zweite elastische Teilstrecke
71 verläuft von der verdickten Verbindungsstelle 72 zu einem verdickten Befestigungsarmteil
74, an dem endständig das Befestigungselement beziehungsweise die Befestigungsöse
8 angeformt ist.
[0018] Die bei der erst beschriebenen Ausführungsform gemäss den Figuren 1 und 2 aufgezeigt
Lösung ergibt wie erwähnt eine leichte Verschiebung des Zentrums der virtuellen Drehachse.
Diese Verschiebung wird durch die Deformationsbewegung der Befestigungsarme 7 ausgelöst.
Die Befestigungsarme verkürzen ihre Länge etwas, wenn sie durchgebogen werden. Die
Stärke dieser Verschiebung hängt sowohl von der Länge der Befestigungsarme 7 als auch
von der angulären Position, der Auslenkung, des Ankers ab. Diese parasitäre Bewegung
wird nun weitgehend kompensiert durch die hier aufgezeigt dritte Ausführungsform des
Erfindungsgegenstandes gemäss den Figuren 5 und 6. Ein weiterer Vorteil dieser Ausgestaltungsform
besteht darin, dass durch die beiden elastischen Teilstrecken 70 und 71 praktisch
bei gleichem Platzbedarf die doppelte Länge des beweglichen Teils der Befestigungsarme
7 erreicht wird. Folglich führt diese Lösung nicht nur zu einer Kompensation der parasitären
Bewegungen, sondern reduziert gleichzeitig auch die Steifigkeit der Befestigungsarme
so dass die erforderliche Energie für die Verformung geringer ist.
[0019] Es sind auch andere Ausgestaltungsformen zur Reduktion der parasitären Bewegungen
bekannt, die sich ebenfalls eignen würden. Hierzu wird beispielsweise auf die Lösung
gemäss der
EP-1013949 Abbildung 4 verwiesen. Andere Vorschläge gehen auch aus der Publikation
von W.H. Wittrick "The properties of crosslecture pivots and the influence of the
point at which strips cross" (The aeronautique, Jahrgang 1951). Normalerweise und insbesondere bei herkömmlichen Anker wird deren Bewegung mittels
Ankerbegrenzungsstiften begrenzt. In einer zweiten bevorzugten Ausführungsform, wie
sie in den Figuren 3 und 4 dargestellt ist, sind nun die Befestigungselemente 8 derart
gestaltet, dass diese selbst Anschläge bilden, welche die oszilierende Drehbewegung
der Gabel begrenzen. Hierzu weisen die Befestigungsösen 8 Bewegungsbegrenzungsanschläge
9 auf, die in der Form von Ausbuchtungen in Richtung zur Gabel 4 hin gestaltet sind.
Auch hier sind wiederum diese Befestigungsbegrenzungsanschläge 9 einstückig monolytisch
als Teil der Befestigungselemente beziehungsweise Befestigungsösen 8 gestaltet. Damit
erübrigt es sich im Uhrwerk selber Ankerbegrenzungsstifte vorzusehen.
[0020] Letztlich sei auch noch auf die 4. Ausführungsform wie sie in den Figuren 7 und 8
dargestellt ist verwiesen. Die bisher beschriebenen Ausführungsformen weisen auch
in der Bewegungsrichtung noch eine kleine Reststeifigkeit auf.
[0021] Obwohl ein Teil des Impulses den der Anker an die Unruh abgibt auch von dieser wiederum
zurückerstattet wird, wird ein Teil der Arbeit für die Bewegung des Ankers selber
sowie für die elastische Deformationsarbeit seiner Befestigungsarme aufgewendet. Diese
Arbeit ist deutlich niedriger als die Engerie die vom Hemmungsrad geliefert wird.
Um nun die Federsteifigkeit des Ankers zu reduzieren, wird bei dieser Ausführungsform
vorgeschlagen, am Anker wieder monolytisch einstückig ein zugelastisches Federelement
10 anzuformen. Am freien Ende des zugelastischen Federelementes 10 ist eine Befestigungsplatte
11 angebracht. Die Befestigungsplatte 11 besitzt ein Langloch 12. Durch dieses Langloch
12 kann die Befestigungsplatte 11 justierbar mittels einer Schraube auf die Platine
des Uhrwerkes geschraubt sein. Hierdurch lässt sich die Vorspannung des zugelastischen
Federelementes 10 einstellen. Das zugelastische Federelement 10 liegt in derselben
Ebene wie auch die Befestigungsarme 7 und die übrigen Teile des erfindungsgemässen
Ankers 1.
Selbstverständlich müssen die Befestigungsarme 7 mit ihren Befestigungselement 8 entweder
auf derselben Platine des Uhrwerkes befestigt sein oder zumindest auf einen anderen
fixen Teil des Uhrwerkes, das in derselben Ebene liegt. Auch das zugelastische Federelement
10 weist eine wesentlich geringere Breite b auf im Verhältnis zu Höhe h. Das zugelastische
Federelement 10 kann im Prinzip eine beliebige Form besitzen, die von einer Geraden
abweicht. So könnte das zugelastische Federelement 10 als einfacher, bogenförmig gewölbter
Arm gestaltet sein oder wie hier dargestellt, als in der Ebene mäanderförmig verlaufende
Strecke.
[0022] Während bei den zuvor beschriebenen Ausführungsformen die beiden Befestigungsarme
7 spiegelsymmetrisch bezüglich der mittigen Längsachse der Gabel 4 verlaufend angeordnet
sind, ist hier eine davon abweichende Lösung gezeigt. Die elastischen Befestigungsarme
7 sind wiederum als gestreckte Elemente zwischen dem Verbindungsbereich 6 und den
endständigen Befestigungselementen 8, die hier wiederum als Befestigungsösen ausgestaltet
sind, verlaufend. Diese beiden Befestigungsarme 7 sind nun beide auf derselben Seite
der Gabel 4 zwischen diesen und einem Ankerarm 2 angeordnet. Das zugelastische Federelement
10 ist nun so gelegt, dass die Verbindungslinie zwischen dem Zentrum des Langloches
12 und der Anbindungsstelle des zugelastischen Federelementes 10 am Verbindungsbereich
6 die Winkelhalbierende zwischen den beiden Befestigungsarmen 7 darstellt. Die virtuelle
Drehachse liegt immer auf dem Schnittpunkt der Verlängerungen der beiden Befestigungsarme
7. Während bei den zuvor beschriebenen Beispielen bei, denen die Befestigungsarme
7 spiegelsymmetrisch bezüglich der Gabel 4 angeordnet sind, diese virtuelle Drehachse
auch ausserhalb des Verbindungsbereiches 6 liegen kann, ist es bei der Ausführungsform
gemäss den Figuren 7 und 8 bevorzugterweise so, dass die virtuelle Drehachse im Zentrum
des Verbindungsbereiches 6 liegt. Mit anderen Worten der Ort der virtuellen Drehachse
kann somit durch die Wahl der Anordnung der Befestigungsarme 7 praktisch frei bestimmt
werden.
[0023] Dank der Verwendung eines zugelastischen Federelementes 10, wie zuvor beschrieben,
wird nunmehr auf die Befestigungsarme 7 eine Vorspannkraft ausgeübt. Dank dieser Vorspannkraft
lässt sich die angulare Steifigkeit des Ankers 1 verändern beziehungsweise dank dem
Langloch 12 einstellen. Diese Vorspannung lässt sich soweit erhöhen, dass im Prinzip
der Anker in eine instabilen Lage gelangt. Der Anker wird dann im so genannten bistabilen
bucklingmode betrieben. Mit anderen Worten bei geringer Krafteinwirkung springt der
Anker um die virtuelle Drehachse schwenkend von der einen Endlage in die andere Endlage.
[0024] In der Figur 7 ist im Gegensatz zur Figur 8 auch noch die Möglichkeit aufgezeigt,
dass man die Paletten 3 ebenfalls einstückig monolytisch und somit aus demselben Material
wie der Anker 1 in einem Arbeitsgang herstellt. Da man zur Fertigung des erfindungsgemässen
Ankers erfindungsgemäss und bevorzugterweise ein Herstellungsverfahren wählt, bei
dem die Begrenzungskanten des Ankers ausserordentlich regelmässig mit einer sehr geringen
Rauhigkeit zu fertigen sind, werden so auch Reibungsverluste reduziert. Für die Fertigung
kommen insbesondere zwei Verfahren in Frage. Das eine Verfahren wird als DRIE-Verfahren
bezeichnet. Hierbei steht DRIE für Deep Reactive Ion Etching. Dieses Verfahren wurde
von der Firma Bosch entwickelt und diesbezüglich wird beispielsweise auf die Dokumente
DE-3927163 oder
DE-4420962-A verwiesen. Mittels diesem Verfahren lassen sich Befestigungsarme 7 mit einer sehr
kleinen Breite herstellen. Typischerweise werden die Befestigungsarme 7 mit einer
Breite von 15 - 50 Mikrometern hergestellt. Die Geometrie eines so hergestellten erfindungsgemässen
Ankers, weist eine extreme Genauigkeit auf, mit Abweichungen die üblicherweise unter
ein Mikrometer liegen.
[0025] Als Herstellungsmaterial für dieses Verfahren kommt unter anderem Silizium in Form
von Wafern in Frage. Dieses Material eignet sich besonders gut für die Herstellung
des Ankers. In der Tat besitzt dieses Material ideale Eigenschaften für diese Anwendung.
Es besitzt eine hohe mechanische Festigkeit und eine sehr geringe plastische Verformbarkeit,
so dass die Bereiche mit grosser Dicke in Belastungsrichtung praktisch keine Verformung
aufweisen. Dies führt zu äusserst geringen Verlusten. Eine Materialermüdung tritt
praktisch nicht auf so lang die angelegten Spannungen bei den Wechselbelastungen unterhalb
der elastischen Bruchgrenze gehalten sind. Schliesslich weist Silizium einen sehr
kleinen Reibungskoeffizienten auf. Problematisch kann lediglich sein, dass die durch
das DRIE-Verfahren geätzte Teile sehr scharfe Kanten aufweisen. Für den Uhrmacher,
der mit der Pinzette arbeitet, können somit an den scharfen Kanten lokal sehr hohe
Drucke entstehen. Dies kann zur Zerstörung des Ankers führen.
[0026] Um diesem Nachteil abzuhelfen, kann man die Oberfläche des Werkstückes verändern
in dem man die Oberfläche entweder oxidiert oder nitriert. Hierbei lagert sich um
die Kanten Material an oder wird Material abgetragen, so dass die Kanten gewisse Rundungen
erfahren. Das Siliziumoxyd und das Siliziumnitrid haben zudem tribologische Vorteile
in dem wiederum der Reibungskoeffizient positiv beeinflusst wird.
[0027] Es ist ferner auch möglich auf der Siliziumoberfläche eine harte Schicht aufzubringen
in dem man hierauf einen synthetischen Diamant oder Saphir wachsen lässt. Auch dies
sind bekannte Beschichtungsverfahren.
[0028] Auch wenn Silizium das bevorzugte Material für den Anker ist, so kann dieser auch
aus Quarz, Pyrexglas, Saphir oder Diamant hergestellt werden. All diese Materialien
lassen sich synthetisch herstellen, sind entsprechend hart und abreibfest. Zudem lassen
sich diese Materialien mindestens teilweise durch das DRIE-Verfahren bearbeiten. Ein
weiteres bevorzugtes Herstellungsverfahren ist aus der so genannten LIGA-Technologie
bekannt. Bezüglich dem LIGA-Verfahren wird beispielsweise auf die Europäischen Patentschriften
EP-0183910A oder die
EP-1431844-A sowie auf das
US-Patent 6458263-B verwiesen. Für das LIGA-Verfahren werden insbesondere Nickel oder Nickelphosphorverbindungen
verwendet. Auch mittels diesem Verfahren lässt sich ein erfindungsgemässer Anker mit
den erforderlichen Dimensionen und Genauigkeit fertigen, der die gewünschten physikalischen
Eigenschaften aufweist. Das LIGA-Verfahren ist ein lithographisch-galvanisches Aetzverfahren.
[0029] Neben den beiden hier beschriebenen bevorzugten Herstellungsverfahren kommen selbstverständlich
auch weitere geeignete Verfahren in Frage mit den jeweils dazu passenden Materialien.
Lediglich der Vollständigkeit halber seien hier als Beispiel noch die Möglichkeit
der Draht-Elektro-Erosion erwähnt, wobei dann der Anker aus einem entsprechenden Stahl
geformt wird oder die Herstellung von metallischen Gläsern mit dem so genannten Mikrostrukturierungs-Verfahren
(Mikro moulding) erwähnt.
Bezugszeichenliste:
[0030]
- A
- herkömmlicher Anker
- B
- Ankerarme
- C
- Paletten
- D
- Gabel
- E
- Zinken
- F
- Ankerbegrenzungsstifte
- G
- Lagerachse
- H
- Lagerzapfen
- 1
- erfindungsgemässer Anker
- 2
- Ankerarme
- 3
- Palette
- 4
- Gabel
- 5
- Gabelzinken
- 6
- Verbindungsbereich
- 7
- Befestigungsarme
- 8
- Befestigungselement, Befestigungsösen
- 9
- Bewegungsbegrenzungsanschläge
- 10
- zugelastisches Federelement
- 11
- Befestigungsplatte
- 12
- Langloch
- 70
- erste elastische Teilstrecken
- 71
- zweite elastische Teilstrecken
- 72
- verdichtete Verbindungsstelle
- 73
- Verbindungsteil
- 74
- Befestigungsarmteil
1. Anker (1) für eine Uhrenhemmung einer mechanischen Uhr mit Hemmungsrad, umfassend
zwei Ankerarme (2) in der je eine Palette (3) gehalten ist und einer Gabel (4) an
der endseitig ein Gabelhorn vorhanden ist welches auf die Unruh wirkt, dadurch gekennzeichnet, dass die die Ausgangspaletten tragenden Ankerarme (2) und die Gabel (4) zusammen mit zwei
Befestigungsarmen (7) einstückig gefertigt sind, wobei die Befestigungsarme (7), die
in derselben Ebene verlaufen wie die übrigen Ankerteile, mindestens mit einer Teilstrecke
so biegeelastisch gestaltet sind, dass der Anker in der Ebene um eine virtuelle Achse
unter Einwirkung der vom Hemmungsrad auf sie übertragene Energie zu schwingen vermag,
wobei die Mittelachsen der beiden Befestigungsarme (7) sich in der virtuellen Achse
schneiden.
2. Anker nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die virtuelle Achse im Verbindungsbereich (6) von Ankerarmen (2) und Ankergabel (4)
liegt.
3. Anker nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die virtuelle Achse ausserhalb des Ankers (1) liegt.
4. Anker nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Befestigungsarme (7) symmetrisch zur Ankergabel (4) angeordnet sind, so
dass die Ankergabel auf den Winkelhalbierenden des von den beiden Befestigungsarmen
(7) beziehungsweise deren beiden elastischen Teilstrecken eingeschlossenen Winkels
liegt.
5. Anker nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass an den freien Enden der beiden Befestigungsarme (7) Befestigungselement (8) angeformt
sind.
6. Anker nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass sich die beiden Befestigungsarme (7) von den Befestigungselement (8) bis zu dem Bereich
der Verbindung (6) von Ankergabel (4) und Ankerarmen (2) sich erstrecken und auf der
gesamten Länge elastisch gestaltet sind.
7. Anker nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Befestigungselementen (8) so angeordnet sind, dass deren periphere Bewegungsbegrenzungsanschläge
bilden, die eine maximale Auslenkung der Ankergabel definieren.
8. Anker nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Befestigungselement (8) eine Form aufweisen mit zu der Ankergabel hin gerichteten
Ausformungen, die Bewegungsbegrenzungsanschläge (9) bilden, die eine maximale Auslenkung
der Ankergabel (4) definieren.
9. Anker nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass beide Befestigungsarme (7) auf derselben Seite zwischen der Ankergabel und einem
Ankerarm (2) liegen.
10. Anker nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass auf der Winkelhalbierenden zwischen den beiden Befestigungsarmen (7) ein zugelastisches
Federelement (10) einstückig angeformt ist, welches mit einer Befestigungsplatte (11)
zur Befestigung versehen ist, um die Drehsteifigkeit des Ankers (1) zu vermindern.
11. Anker nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Befestigungsplatte (11) ein Langloch (12) aufweist, zur Befestigung des Federelementes
(10) mit einstellbarer Vorspannung um die Drehsteifigkeit des Ankers (1) zu justieren.
12. Anker nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Befestigungsarme (7) je zwei elastische Teilstrecken (70, 71) aufweisen, die
parallel gegenläufig angeordnet sind.
13. Anker nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Teilstrecken (70, 71) haarnadelartig gestaltet sind und über einer verdickten
Verbindungsstelle (72) die beiden Teilstrecken (70, 71) miteinander verbunden sind.
14. Anker nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Befestigungsarme (7) an einem unbeweglichen Teil des Uhrwerkes befestigt sind.
15. Anker nach den Ansprüchen 5 und 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Befestigungselemente (8) mittels Schrauben am Uhrwerk befestigt sind.
16. Anker nach den Ansprüchen 5 und 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Befestigungselemente (8) unlösbar mittels Schweissen, Löten oder Kleben am Uhrwerk
befestigt sind.
17. Anker nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, dass dieser monolithisch aus sprödem Material gefertigt ist, insbesondere aus der Auswahl
von
- synthetischem Edelstein, insbesondere Diamant
- synthetischem Halbedelstein
- Silizium oder Siliziumverbindung
18. Anker nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass der Anker aus Silizium-Wafer hergestellt ist, dessen Oberfläche nitriert oder oxidiert
ist.
19. Verfahren zur Herstellung eines Ankers nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass dieser aus Silizium nach dem DRIE-Verfahren (Deep Reactive-Ion Etching), insbesondere
nach dem cryo-DRIE-Verfahren hergestellt wird.
20. Verfahren zur Herstellung eines Ankers, dadurch gekennzeichnet, dass dass dieser nach dem lithographisch galvanischen Abformverfahren (LIGA-Verfahren)
hergestellt wird.