[0001] Die Erfindung betrifft ein Dentalimplantat mit einem in einen Kieferknochen einbringbaren
Pfostenteil und mit einem diesem zugeordneten Aufbauteil, an das ein Zahnersatzstück
anbringbar ist, wobei das Pfostenteil als Keramikkörper auf Basis von Yttrium-und/oder
Aluminiumoxid-stabilisiertem Zirkonoxid ausgeführt ist.
[0002] Dentalimplantate sind in vielfältigen Formen bekannt. Sie werden meist durch Einschrauben
an Stelle eines extrahierten oder ausgefallenen Zahnes in den Kieferknochen eingesetzt,
um dort nach einer Einheilphase von drei bis vier Monaten ein als Zahnersatz dienendes
prothetisches Aufbauteil oder eine Krone zu halten. Dazu ist ein derartiges Zahnimplantat
üblicherweise als geeignet geformter Metall- oder Keramikkörper ausgebildet und in
der Art eines Stiftes geformt und weist am apikalen Ende ein zumeist selbstschneidendes
Schraubengewinde auf, mit welchem der Stift in das entsprechend präparierte lmplantatbett
eingesetzt wird.
[0003] In der Regel werden Dentalimplantate aus Titan, Zirkon, Niob oder Tantal oder aus
gewebeverträglichen Legierungen, die eines dieser Elemente als Hauptbestandteil enthalten,
hergestellt. Darüber hinaus werden Dentalimplantate auch aus Keramiken hergestellt.
Die verwendeten Keramiken sind meistens Keramiken auf Zirkonoxidbasis, bei welchen
vorzugsweise mittels der Beimischung von Yttriumoxid die tetragonale Phase stabilisiert
ist (TZP, TZP-A mit Aluminiumoxidanteilen), oder die durch die, meist zusätzliche,
Beimischung von Aluminiumoxid, Aluminiumoxid verstärkt sind (ATZ-Keramiken). Es sind
aber auch Dentalimplantate auf Aluminiumoxidbasis bekannt.
[0004] Bei allen diesen Implantaten besteht das Ziel, dass die Knochensubstanz die Möglichkeit
erhält, sich rasch und dauerhaft mit der Implantatoberfläche zu verbinden. Man spricht
dabei auch von der so genannten Osseointegration. In diesem Zusammenhang ist bereits
seit einiger Zeit bekannt, dass der mikroskopischen Struktur der Implantatoberflächen
zur Begünstigung dieser Osseointegration eine besondere Bedeutung zukommt. Insbesondere
haben sich bislang poröse Oberflächen mit einer Porengröße im Mikrometerbereich als
vorteilhaft erwiesen. Durch die vergrößerte Kontaktfläche zwischen Implantat und Knochen
wird das Knochenwachstum gefördert und damit die Knochenanlagerungsrate nach dem postoperativen
Trauma gesteigert.
[0005] Beispielsweise sind in der
EP 1 450 722 B1 Dentalimplantate der oben genannten Art auf Keramikbasis beschrieben, bei denen zur
Förderung der Osseointegration eine Aufrauhung im Pfostenteil mit einer Rautiefe von
4 µm bis 20 µm vorgesehen ist. Dabei werden zunächst durch Strahlenbehandlung Oberflächenstrukturen
erzeugt.
[0006] Aus der
DE 20 2005 002 450 U1 sind weiterhin metallische Dentalimplantate mit einer homogenen nanostrukturierten
Oberfläche bekannt. Derartige nanostrukturierte Oberflächen scheinen aufgrund eines
besonders günstigen Benetzungsverhaltens das Einwachsen der Implantate und die Integration
in die Knochensubstanz zu fördern.
[0007] Aus der
WO 2004 096075 ist ein Dentalimplantat gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bekannt.
[0008] Bislang gebräuchliche Methoden zur Oberflächenstrukturierung von Keramikkörpern,
insbesondere zur Verwendung als Dentalimplantate, umfassen insbesondere das Sandstrahlen,
das Ätzen und die Laserbehandlung. Die derzeit am Markt erhältlichen keramischen Dentalimplantate
werden üblicherweise lediglich sandgestrahlt und weisen meist eine Rautiefe von 0,5
µm bis ca. 4 µm auf.
[0009] Obwohl durch die genannten Ansätze bereits Verbesserungen beim Einwachsverhalten
oder der Osseointegration der Dentalimplantate erzielt werden konnten, besteht weiterhin
der Wunsch nach noch weitergehenden Verbesserungen in dieser Hinsicht.
[0010] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Dentalimplantat der oben genannten
Art anzugeben, das im Vergleich zu den genannten bekannten Konzepten ein noch weiter
verbessertes Einwachs- oder Integrationsverhalten bei der Einheilung in den Knochen
aufweist.
[0011] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst, indem die Oberfläche des Dentalimplantats
zumindest in einem Teilbereich mit einer nanoskopische Poren aufweisenden oder anderweitig
nanoskopisch ausgeführten Struktur versehen ist, und indem sie eine Verarmungszone
mit im Vergleich zum Innenvolumen des Keramikkörpers reduziertem Yttrium- bzw. Aluminiumoxid-Anteil
aufweist.
[0012] Die Erfindung geht dabei von der Überlegung aus, dass eine besonders weitgehende
Förderung der Osseointegration erreichbar ist, indem insbesondere die Oberflächenstruktur
im relevanten Bereich des Pfostenteils konsequent zur Unterstützung der Osseointegration
ausgelegt ist. Dazu sollte gezielt eine diesem Ziel förderliche Oberflächenstruktur
im nanoskopischen Massstab, also insbesondere mit nanoskopischen Poren, bereitgestellt
werden. Wie sich überraschend gerade bei der Verwendung von Yttrium-stabilisiertem
Zirkonoxid für den Keramikkörper herausgestellt hat, kann die oberflächennahe Ausbildung
derartiger nanoskopischer Strukturen oder Poren sehr begünstigt werden, indem gezielt
zumindest in geringen Anteilen der Oberflächenbereiche eine Umformung der an sich
im Innenvolumen des Keramikkörpers vorliegenden tetragonalen Kristallstruktur des
Yttrium-stabilisierten Zirkonoxids in die monokline Kristallstruktur vorgenommen wird.
Um dies auf besonders einfache Weise zu erreichen, ist oberflächennah die gezielte
Entfernung des Yttrium-Anteils aus dem Material vorgesehen, die die Umwandlung und
Ausbildung der monoklinen Phase bewirkt.
[0013] Die somit erfindungsgemäß vorgesehene Herstellung der Verarmungszone im Oberflächenbereich,
die letztendlich die gewünschte Struktur und die gewünschten Eigenschaften bei der
Verbindung mit dem Körpergewebe bewirkt, kann insbesondere durch selektives Herauslösen
einzelner Bestandteile wie beispielsweise chemischer Elemente und/oder Oxide aus der
Oberfläche, vorzugsweise durch einen geeignet gewählten Ätzprozess, erreicht werden.
Solch günstige Strukturen können insbesondere geschaffen werden, indem einzelne Elemente
und/oder einzelne in der Keramik befindliche Metalloxide (Zirkonoxid, Aluminiumoxid,
Yttriumoxid, Hafniumoxid etc.), insbesondere Yttriumoxid und Hafniumoxid, aus der
Oberfläche gelöst werden. Somit entsteht auf und/oder im grenznahen Bereich der Oberfläche
eine Verarmungszone dieser Metalloxide.
[0014] Durch die Behandlung des Keramik-Grundkörpers in der Art des Ätzens und insbesondere
des interkristallinen Ätzens bildet sich nämlich eine spezifische Nanostruktur auf
der Oberfläche aus. Dabei sind eine Vielzahl vergleichsweise kleinerer Poren oder
Vertiefungen mit einer mittleren Ausdehnung im Sub-Mikrometerbereich, vorzugsweise
kleiner als 500 nm und insbesondere kleiner 250 nm anzutreffen. Derartige Strukturen
können beispielsweise anhand elektronenmikroskopischer Aufnahmen nachgewiesen werden.
Die Oberfläche zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die Tiefe der Nanostruktur,
also die Tiefe der dabei erzielbaren Poren, größer ist als die Strukturweite, also
die charakteristische laterale Ausdehnung der erzielten Strukturen.
[0015] Das Verhältnis bei der Nanostruktur zwischen der Strukturtiefe und der Strukturweite
ist zweckmäßigerweise größer als 1:1, vorteilhafterweise größer als 1,5:1 und insbesondere
größer als 2:1.
[0016] Die Verarmungszone ist erfindungsgemäß in einem in einen Kieferknochen einbringbaren
Teil des Pfostenteils angeordnet.
[0017] Durch das Erzeugen der Verarmungszone wird die Entstehung einer nanoskopischen Struktur
mit den beschrieben Eigenschaften begünstigt und/oder ermöglicht. Weiterhin stehen
die Oxide der verwendeten Keramiken, insbesondere Hafniumisotope, im Verdacht, radioaktive
Eigenschaften zu besitzen. Werden diese aus der Oberfläche gelöst und sind nicht im
direkten Kontakt mit den Knochen- und/oder Gewebszellen, kann dies das Knochenwachstum
und den Knochenerhalt positiv beeinflussen.
[0018] Eigene Untersuchungen bezüglich der Benetzungseigenschaften haben ergeben, dass es
insbesondere zwei Faktoren für die Benetzungseigenschaften von Oberflächen gibt. Der
erste Faktor für die Benetzungseigenschaften ist der Kontaminationsgrad an Kohlenwasserstoffen
auf der Oberfläche. Benetzungsversuche mit Wasser bei Titanproben haben gezeigt, dass
direkt nach der Ätzung ein Hydrophilverhalten mit Benetzungswinkeln kleiner 15° vorhanden
ist. Nach mehrstündiger Lagerung der Proben an der Luft lässt dieses Verhalten nach
und kann in einem hydrophoben Verhalten enden.
[0019] Der zweite Faktor lässt sich wie folgt beschreiben. Abhängig von den Strukturen kleiner
100 µm, besonders kleiner 10 µm und insbesondere kleiner 0,5 µm zeigt sich, dass das
Benetzungsverhalten hin zum Hydrophilen oder zum Hydrophoben beeinflussbar ist. Es
zeigte sich, dass bei Strukturen mit dieser Strukturgröße und mit spitzen und scharfkantigen
Erhebungen die Benetzungseigenschaften sich zum hydrophoben Verhalten hin verändern.
Erhebungen mit einer solchen Strukturgröße und abgerundeten bzw. harmonischen Erhebungen
verändern das Benetzungsverhalten hin zum Hydrophilen. Als besonders günstig haben
sich Strukturen mit den beschriebenen Dimensionen erwiesen, bei denen die Erhebungen
durchschnittlich Radien aufweisen, die größer sind als 5 nm, vorteilhafterweise größer
als 10 nm und insbesondere größer als 50 nm sind, aber kleiner als 500 nm. Weitere
Untersuchungen haben gezeigt, dass dieses Verhalten auch bei keramischen Oberflächen
Gültigkeit besitzt.
[0020] Insbesondere bei Keramiken auf Zirkonoxidbasis konnten besonders günstige Benetzungseigenschaften
festgestellt werden, wenn die Strukturen kleiner 1 µm, vorteilhafterweise kleiner
0,5 µm und insbesondere kleiner 0,2 µm sind und die Erhebungen durchschnittlich Radien
aufweisen, die größer sind als 5 nm, vorteilhafterweise größer als 10nm und insbesondere
größer als 50 nm sind, aber kleiner als 500 nm. Abhängig von der Struktur im Bereich
der Strukturgröße zwischen 50 nm und 50 µm kommt es vor der Kontamination mit Kohlenwasserstoffen
und/oder durch die Überlagerung der beschriebenen Nanostruktur zu einem Kapillareffekt.
Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass Wasser entgegen der Schwerkraft an der Oberfläche,
insbesondere an einem Dentalimplantat nach oben steigt. Diese Eigenschaft stellt sich
als besonders günstig heraus, da auf diesem Wege Proteine, insbesondere die BPM Proteine
in und/oder auf der Oberfläche gespeichert und/oder gehäuft angelagert werden können.
Dies passiert entweder dadurch, dass die Oberfläche mit Blut benetzt wird, oder indem
die Implantate mit einer mit Proteinen angereicherten Flüssigkeit vorbehandelt werden.
[0021] Bei einer keramischen Oberfläche mit hydrophilen Eigenschaften (Benetzungswinkel
kleiner 15°) und bei einer Nanostruktur, bei der das Verhältnis zwischen der Strukturtiefe
und der Strukturweite größer ist als 1:1, vorteilhafterweise größer als 1,5:1 und
insbesondere größer als 2:1, besteht die Möglichkeit, dass sich die Proteine in den
Strukturen verhaken und dem Knochenwachstum fördernd zur Verfügung stehen.
[0022] Die für das Dentalimplantat durch die Verarmungszone erhältliche mikroskopische Oberflächenvergrößerung
zeichnet sich dadurch aus, dass meist runde Krater gebildet werden, welche einer Mondlandschaft
ähneln. Dieser Krater zeichnen sich dadurch aus, dass das Verhältnis zwischen Strukturtiefe
und Strukturweite kleiner ist als 1:1, vorzugsweise kleiner als 1:2 und insbesondere
kleiner als 1:5. Die Krater weisen einen Durchmesser von größer 0,5 µm, insbesondere
größer 1 µm und kleiner 60 µm und insbesondere kleiner 40 µm auf. Die Tiefe der Krater
ist dabei typischerweise kleiner als 4 µm, vorteilhafterweise kleiner als 3 µm und
insbesondere kleiner als 2 µm.
[0023] Die mit der Erfindung erreichbaren guten Benetzungseigenschaften des Keramikkörpers
sind zusätzlich zu der besonders vorteilhaften Anwendung für Dental- oder sonstige
Knochenimplantate auch für andere Anwendungen besonders gut geeignet. Beispielsweise
erweisen sie sich darüber hinaus bei der Befestigung von Keramikkörpern mittels eines
Klebers, Lack, Zement etc. als besonders wichtig und sind daher besonders vorteilhaft
im Einsatz im Zusammenhang mit Klebeverbindungen jeglicher Art. So ließen sich keramische
Prothetikelemente (Kronen, Brücken, Inlays, Onlays) mit einem besseren Verbund zum
Befestigungskleber/ -zement fügen als bislang.
[0024] Benetzt ein Kleber oder ein anderes flüssiges Befestigungsmaterial bedingt durch
die günstigen Benetzungseigenschaften die gesamte Oberfläche, kommt es zu einem fließenden
Übergang zwischen dem keramischen Werkstück und dem Befestigungsmaterial (vorzugsweise
ein Kleber). Auf diesem Wege kommt es zu optimierten Retentionseigenschaften und zu
einem optimierten Werkstück-Befestigungsmaterial-Verbund. Diese Eigenschaften können
bevorzugt in allen Bereichen eingesetzt werden, in welchen keramische Werkstücke auf
Zirkonoxid- oder Aluminiumoxidbasis verwendet werden.
[0025] Bedingt durch die günstigen Benetzungseigenschaften der Oberfläche werden auch die
Strömungseigenschaften keramischer Werkstoffe mit einer solchen Oberfläche in Flüssigkeiten
und Gasen beeinflusst.
[0026] Weiterhin hat sich bei der Analyse im Hinblick auf die Phaseneigenschaften gezeigt,
dass durch eine der oben beschriebenen Behandlungen auf der Oberfläche sich das Verhältnis
zwischen der tetragonalen und der monoklinen Phase geändert hat. Nach dem Sintervorgang
und vor der Insertion in den Patientenmund konnte durch ein solches Verfahren der
Anteil der monoklinen Phase in der Oberfläche auf oder um wenigstens 0,1 %, vorteilhafterweise
auf oder um mehr als 0,5 % und insbesondere auf oder um mehr als 1,5 % gesteigert
bzw. reduziert werden. Da die Oberfläche durch die geringere Dichte der monoklinen
Phase unter Druck gesetzt wird, ist auf diesem Wege die initiale Rissbildung gehemmt
und ist mit einer Steigerung der initialen Festigkeit zu rechnen.
[0027] Die Herstellung der vorgesehenen Verarmungszone in der Oberfläche des Keramikkörpers
kann insbesondere durch einen Ätzprozess in einem geeignet gewählten Säurebad erfolgen.
Die vorgesehenen Reaktionspartner für die Keramik des Grundkörpers, also die Ionen
mit Bestandteilen aus der VII. Hauptgruppe des Periodensystems der Elemente, können
dabei insbesondere als Salzbildner für das jeweilige Metall wirken. Insbesondere kann
das Säurebad Ionen umfassen, die aus den Elementen Fluor (F) oder Chlor (Cl) bestehen
oder diese als Bestandteile umfassen. Bei der Behandlung im Säurebad besteht die Möglichkeit,
dass die Ionen der Säure die Oberfläche chemisch verändern und als Verunreinigung
auf der Oberfläche verbleiben.
[0028] Einige der genannten Ionen werden auch für das Zellwachstum benötigt. Folglich können
diese Verunreinigungen gewollt erzeugt werden und im Bereich von größer als 0,1 %,
vorzugsweise größer als 1 % und insbesondere größer als 3 %, auf der Oberfläche nachweisbar
sein und das Knochenwachstum positiv beeinflussen.
[0029] Gerade die bei diesem Prozess entstehenden Nanostrukturen scheinen im Allgemeinen
das Benetzungsverhalten des Keramikkörpers oder bei Verwendung als Dentalimplantat
auch die Proteinanlagerung sowie die Collagen- und Zellbindung zu fördern. Dabei spielen
insbesondere auch chemische Eigenschaften der Oberfläche im Mikrometerbereich und
im Nanometerbereich eine wesentliche Rolle (z. B. hydrophil oder hydrophob, dotiert
oder rein, etc.). Im vorliegenden Fall scheint ein für die orale Implantologie besonders
wichtiger Vorteil der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten bzw. präparierten
Keramik- oder Implantatoberflächen insbesondere darin zu bestehen, dass diese einen
ausgesprochen hydrophilen Charakter aufweisen, der beispielsweise auch nach längerem
Kontakt des Implantatkörpers mit der Erdatmosphäre nicht verloren geht.
[0030] Als Maß für den hydrophilen Charakter dient insbesondere der Kontaktwinkel, den ein
die Oberfläche benetzender Flüssigkeitstropfen mit der Oberfläche bildet. Wie sich
gezeigt hat, führen die nach dem neuen Verfahren behandelten Keramikoberflächen insbesondere
bei Wasser zu einer ausgesprochen guten Benetzbarkeit mit Kontaktwinkeln von weniger
als 10°. Das heißt, auf der Oberfläche befindliche Flüssigkeitstropfen besitzen die
Gestalt einer sehr flachen Kugelkappe. Der hierdurch zum Ausdruck kommende hydrophile
Charakter der hergestellten Metallkörper bleibt zudem dauerhaft auch über einen Zeitraum
von mehr als einigen Tagen erhalten.
[0031] Das Dentalimplantat und insbesondere dessen Keramikkörper wird vorteilhafterweise
mit einem spezifisch gewählten Verfahren hergestellt. Dazu wird vorzugsweise als Keramik-Grundkörper
ein mit einer mikrostrukturierten, vorzugsweise sandgestrahlten, gelaserten und/oder
geätzten Oberfläche versehener lmplantat-Grundkörper verwendet. Die lmplantatoberfläche
des solchermaßen hergestellten Dentalimplantats weist einerseits eine Vielzahl von
zwar unregelmäßig angeordneten, aber statistisch gesehen annähernd homogen verteilten
Poren mit einer Rautiefe von ca. 0,5 µm bis 20 µm auf, wobei andererseits Krater mit
einem Durchmesser von 0,5 µm bis ca. 60 µm erzeugt werden, die eine Rautiefe von kleiner
4 µm und insbesondere kleiner 2 µm aufweisen und zusätzlich die beschriebene nanoskopische
Struktur aufweisen. Derartig ausgestaltete Dentalimplantante unterstützen und beschleunigen
durch Anregung der Aktivität der knochenbildenden Zellen, der Osteoblasten, den nach
der Implantation stattfindenden Heilungsprozess nachdrücklich. Dabei ist das Herstellungsverfahren
für das Implantat auch im industriellen Maßstab vergleichsweise einfach und kostengünstig
durchzuführen und zu kontrollieren. Die Prozessparameter werden dabei vorzugsweise
derart gewählt, dass sich auf der Oberfläche des Implantat-Grundkörpers eine der Mikrostruktur
überlagerte Nanostruktur der oben beschriebenen Art ausbildet.
[0032] Der Keramikkörper ist dabei vorzugsweise als Knochenimplantat, besonders vorteilhaft
als Dentalimplantat, ausgestaltet, vorzugsweise aus einer Zirkonoxidbasiskeramik,
aus einer zirkonoxidhaltigen Keramik oder aus einer Aluminiumoxidhaltigen Keramik,
vorteilhafterweise mit einer mikrostrukturierten Oberfläche, wobei der Mikrostruktur
eine Nanostruktur überlagert ist, und wobei im Bereich der Oberfläche vorzugsweise
Stickstoffatome und/oder Sticksoffverbindungen angelagert sind.
[0033] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, dass mittels
eines einfach und kostengünstig zu realisierenden chemischen Verfahrens ein Keramikkörper,
insbesondere zur Verwendung als Dentalimplantat, mit einer Nanostruktur und einer
Nanorauhigkeit fertigbar ist, welche sich vorteilhaft auf den Heilungsprozess nach
der Verankerung des Implantats im Kieferknochen und insbesondere auch auf die erreichbare
Festigkeit der Knochen-Implantat-Verbindung auswirkt. Durch die Dotierung von Fremdatomen,
insbesondere Stickstoffatomen, in die Implantatoberfläche lässt sich der Effekt noch
verstärken. Darüber hinaus lassen sich aufgrund der Nano-Oberflächenstruktur des Keramikkörpers
im Hinblick auf die damit verbundenen hydrophilen Eigenschaften und/oder Kapillarwirkungen
Flüssigkeiten besonders einfach und wirksam in die Oberfläche einbringen. Dies könnte
beispielsweise dazu verwendet werden, Medikamente oder sonstige Wirkstoffe oder Reagenzien
an der Oberfläche zu platzieren. Aufgrund der guten Benetzbarkeit sind aber auch andere
vorteilhafte Anwendungen denkbar, wobei beispielsweise die Aufbringung von Lacken,
Klebern oder sonstigen Oberflächenbeschichtungen auf den Keramikkörper deutlich erleichtert
ist.
[0034] Das durch die erhaltene Nanostruktur oder Nanorauigkeit erhaltene besonders günstige
Hydrophilverhalten der behandelten Oberfläche lässt sich beispielhaft durch den dabei
erhaltenen charakteristischen Benetzungswinkel erkennen, der insbesondere kleiner
als 15° ist. Das damit erhaltene Hydrophilverhalten hält zudem durch die Nanoporen,
Nanostrukturen, die Dotierung oder Anlagerung von Stickstoffatomen/-verbindungen auf
und/oder an der Oberfläche vergleichsweise länger an als bei einer Keramikoberfläche,
die chemisch aktiviert wurde.
[0035] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand einer Zeichnung näher erläutert.
Darin zeigen:
- Fig. 1
- ein Dentalimplantat in einer teilweise geschnittenen Seitenansicht,
- Fig. 2
- elektronenmikroskopische Aufnahmen der durch die chemische Behandlung erzeugten Implantatoberflächen
mit der beschriebenen Nanostruktur, und
- Fig. 3
- elektronenmikroskopische Aufnahmen der durch die chemische Behandlung erzeugten Implantatoberflächen
mit der beschriebenen Mikrostruktur.
[0036] Fig. 1 zeigt teilweise in einer Ansicht und teilweise in einem axialen Schnitt ein
zweiteiliges Dentalimplantat 1 mit einem Pfostenteil 2 und mit einem Aufbauteil 4.
Das Pfostenteil 2 und vorzugsweise ebenso das Kopf- oder Aufbauteil 4 bestehen aus
Keramik. Das Pfostenteil 2 ist dabei als Keramikkörper aus Yttrium-stabilisiertem
Zirkonoxid ausgebildet und als Stufenschraube ausgestaltet. Es enthält drei Stufen
6 bis 8, welche jeweils ein selbstschneidendes Gewinde 10 bis 12 mit gleicher Steigerung
aufweisen. Die dem apikalen Ende 14 nächstliegende Stufe 6 besitzt den kleinsten Durchmesser.
Die dem Aufbauteil 4 nächstliegende Stufe 9 weist hingegen eine glatte zylindrische
Außenfläche auf. Das Pfostenteil 2 besitzt am koronalen Ende 15 eine Innenbohrung
16, in welche das Kopf- oder Aufbauteil 4 eingesetzt ist, und welche ferner ein Innengewinde
18 enthält. Mit einer hier nicht weiter dargestellten Schraube, welche durch eine
Durchgangsbohrung 20 des Aufbauteils 4 hindurch geführt und in das Innengewinde 18
eingeschraubt ist, erfolgt die Verbindung des Aufbauteils 4 mit dem Pfostenteil 2.
Mit dem Aufbauteil 4 kann in bekannter Weise eine Krone 22 oder dergleichen verbunden
werden.
[0037] Das Pfostenteil 2 und das Aufbauteil 4 können auch als einstückige Variante ausgeführt
sein.
[0038] Das Pfostenteil 2 wird in einem entsprechend aufbereiteten Implantatbett des Kieferknochens
verankert. Die Gewindekonstruktion gewährleistet dabei eine hohe Primärstabilität
und eine gleichmäßige Weiterleitung der bei Kaubelastung auftretenden Kräfte in den
Kieferknochen. Darüber hinaus sollte der Knochen während der sich an die Implantation
anschließenden Heilungsphase möglichst direkt an das Implantat anwachsen und sich
mit ihm innig verbinden. Dieser Prozess, die so genannte Osseointegration, wird durch
eine gezielt angebrachte Anrauhung der Implantatoberfläche deutlich verbessert.
[0039] Zur Herstellung dieser Anrauhung ist eine geeignet gewählte Behandlung vorgesehen.
Durch einen geeigneten Ätzprozess, beispielsweise in einem geeignet gewählten Säurebad,
wird dabei die Verarmungszone in der Oberfläche des Keramikkörpers hergestellt, die
sich durch einen im Vergleich zum Innenvolumen des Keramikkörpers geringeren Anteil
ausgewählter Materialien, insbesondere des zur Stabilisierung des Zirkonoxids eingesetzten
Yttriums, und infolgedessen auch durch einen geringeren Anteil der kristallographisch
monoklinen Phase auszeichnet. Dies resultiert in den in Fig. 2 und Fig. 3 gezeigten,
für die Benetzungseigenschaften sehr günstigen Oberflächenrauigkeiten auf nanoskopischer
und mikroskopischer Skala.
Objekt:
1. Zirkoniumoxid Basiskeramiken
a. Yttrium-stabilisierte TZP, TZP-A und ATZ Keramiken
[0040] Besonderheiten der Oberfläche:
- 1. Der Gehalt an mindestens einem der Zusatzstoffe (Metalle/Metalloxide) wie z. B.
Yttrium / -oxid, Aluminium / -oxid, Hafnium / -oxid in der TZP Zirkoniumkeramik ist
an der Oberfläche reduziert um mehr als 5%, vorzugsweise mehr als 25% und insbesondere
mehr als 50 %.
a. Strukturierung durch selektive und/oder interkristalline Ätzung bzw. Korrosion
durch variierende Ätzgeschwindigkeiten.
b. Isotope des Hafniums können radioaktiv sein. Das Hafnium ist technisch nur schwer
vom Yttrium zu trennen. Somit ergibt sich häufig eine Verunreinigung von Yttrium-stabilisierten
Keramiken mit Hafnium, was zu einem, wenn auch sehr geringen, radioaktiven Effekt
führen kann. Die Entfernung dieser Materialien kann sich günstig auf die radioaktiven
Eigenschaften der Oberfläche auswirken.
- 2. Die Anteile der monoklinen Phase sind in der Oberfläche um mindestens 0,25 %, vorzugsweise
um 1 % und insbesondere um mehr als 2 % erhöht.
a. Bewirkt eine niedrigere Dichte im Bereich der Oberfläche und somit das Verschließen
von Mikrorissen. Die Folge ist eine höhere Initialfestigkeit.
- 3. Die Oberfläche weist eine Kraterstruktur auf. Diese Krater sind vorwiegend rund.
Die Krater haben einen Durchmesser von ca. 1 µm bis ca. 60 µm. Die Rautiefe beträgt
0,5 µm bis maximal 3,9 µm.
- 4. Die Oberfläche weist zusätzlich eine Strukturgröße bzw. Porosität kleiner 0,5 µm,
vorzugsweise kleiner 0,2 µm und insbesondere kleiner 0,1 µm auf.
- 5. Die Strukturtiefe ist mindestens so groß wie die Strukturweite der Struktur nach
4.
- a. Dringt Blut, andere Sekrete oder Flüssigkeiten mit Bestandteilen von Proteinen,
vorzugsweise dem BMP Protein, durch kapillare Wirkungen in die Oberfläche ein, begünstigt
diese Struktur (4. und. 5.) das Anhaften durch mechanische Retentionen an der Oberfläche.
Die Oberfläche kann somit als Speicher für Proteine oder andere Zusatzstoffe genutzt
werden.
- 6. Die Oberfläche ist "fluoridiert" bzw. mit Fluoridionen angereichert und/oder mit
Fluor modifiziert.
a. Zellen benötigen zum Wachstum geringe Mengen an Fluor und/oder Fluorionen. Anlagerung
geringer Mengen von Fluor und/oder Fluorionen begünstigt und/oder beschleunigen das
Zellwachstum. Als Folge hiervon kann die Einheilzeit von Implantaten verkürzt werden.
Verfahren:
[0041]
- 1. Generelle Modifikation der Oberfläche nach 1-6
- 2. Oberflächenbehandlung mit einer Oberflächenmodifikation nach 1-6 in flüssigen und/oder
gasförmigen Medien.
- 3. Medium nach 2. ist eines der Elemente der 3'ten bis 7'ten Hauptgruppe des Periodensystems
der Elemente.
- 4. Medium nach 2. o. 3. ist als Hauptbestandteil Flusssäure.
- 5. Medium ist zwischen 30 °C und 300 °C temperiert, vorzugsweise zwischen 50 °C und
130 °C.
- 6. Anwendungsdauer länger als 1,1 min. vorzugsweise länger als 3 min. und insbesondere
länger als 10 min.
- 7. Flächige Abtragsraten von mindestens 0,1 µm, vorzugsweise größer 0,5 µm, und insbesondere
größer 2 µm.