Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum elektrostatischen Beschichten
eines elektrisch leitfähigen Werkstücks mit Beschichtungspulver.
[0002] Bei der elektrostatischen Oberflächenbeschichtung wird mit einer Sprühpistole Beschichtungspulver
auf die Oberfläche eines Werkstücks gesprüht. Dabei werden elektrische Feldkräfte
genutzt, um die Pulverpartikel elektrisch aufzuladen und die Bewegung der Pulverpartikel
zum Werkstück hin zu verstärken.
[0003] Die Korona-Beschichtung ist eine spezielle Form der elektrostatischen Oberflächenbeschichtung.
An eine in der Sprühpistole befindliche Elektrode wird eine hohe Gleichspannung angelegt
und das Werkstück wird geerdet. Dadurch entsteht zwischen der Elektrodenspitze und
dem Werkstück ein elektrisches Feld. Wenn das elektrische Potentialgefälle zwischen
der Elektrodenspitze und dem Werkstück cinen bestimmten Wert überschreitet, aber noch
nicht hoch genug ist um eine Funkenentladung hervorzurufen, tritt eine Korona-Entladung
oder kurz Korona auf. Dabei wird das Fluid (Luftmoleküle, Pulverpartikel), das die
Elektrodenspitze umgibt, ionisiert und damit elektrisch aufgeladen. Die Korona-Entladung
ist ein Prozess bei dem ein (dauerhafter) Stromfluss von der Elektrode durch die Luft
und das Pulver zum Werkstück erzeugt wird. Als Ladungsträger wirken dabei Ionen, die
durch ein Plasma um die Elektrodenspitze erzeugt werden.
[0004] Das elektrische Feld, das zwischen der Elektrodenspitze und dem Werkstück herrscht,
bewirkt, dass auf die geladenen Partikel eine elektrische Kraft, welche auch als Coulombsche
Kraft bezeichnet wird, wirkt. Diese auf die geladenen Partikel wirkende Kraft ist
proportional zur Feldstärke und ist umso stärker, je größer die Ladung ist.
[0005] Die Polarität der spitzen Elektrode bestimmt die Polarität der Korona. Wird an die
Elektrode ein negatives Potenzial gelegt, werden aus der Elektrode Elektronen emittiert,
die, wenn sie auf Luftmoleküle oder Pulverpartikel treffen, diese ionisieren.
Stand der Technik
[0006] Die meisten Pulversorten lassen sich besser negativ als positiv aufladen. Deshalb
wird bei den meisten Beschichtungsanlagen an die Elektrode der Sprühpistole eine negative
Hochspannung angelegt. Wo und wie sich das Pulver nun im einzelnen ablagert, hängt
unter anderem von der Höhe der Spannung, der Höhe des Sprühstroms, der Polarität,
der kinetischen Energie der Pulverpartikel, der Luftmenge für die Flugförderung, dem
Abstand zum Werkstück und der Geometrie des Werkstückes ab.
[0007] Wird bei der Korona-Beschichtung mit Rundstrahldüsen mit runden Prallkegeln oder
Prallplatten gearbeitet, so lenken diese den Pulverstrom rundherum zur Seite ab und
verteilen das Pulver auf eine große Fläche. Dadurch wird die Geschwindigkeit der Pulverteilchen
stark reduziert und die kinetische Energie der Pulverpartikel herabgesetzt. Die Anziehung
der elektrisch geladenen Pulverpartikel zum geerdeten Werkstück überwiegt nun gegenüber
der kinetischen Energie durch die Sprühförderung. Die Pulverpartikel bewegen sich
nun entlang den elektrischen Feldlinien zwischen der Elektrode und dem Werkstück und
lagern sich schließlich auf dem Werkstück ab. Dadurch ergibt zwar eine gleichmäßige
Ablagerung des Pulvers auf dem Werkstück, führt aber an den Kanten des Werkstücks
zu einer erhöhten Ablagerung von Pulver, weil die elektrischen Feldlinien sich an
den Kanten des werkstücks konzentrieren. Dieser unerwünschte Effekt wird in der Branche
als Bilderrahmen-Effekt bezeichnet.
[0008] Vertiefungen in Werkstücken bilden Faradaysche Käfige, die dazu führen, dass die
elektrischen Feldlinien in sie nicht eindringen können. Damit dringt aber auch kein
oder nur wenig Pulver in die Vertiefungen im Werkstück ein.
[0009] Wird stall der Rundstrahldüse eine Flachstrahldüse verwendet, können die besagten
Probleme etwas reduziert, aber nicht gänzlich beseitigt werden. Durch die Flachstrahldüse
werden die Pulverpartikel auf eine hohe Ge-schwindigkeit gebracht und mit hoher kinetischer
Energie direkt auf das Werkstück geblasen. Dadurch können Pulverpartikel zum Teil
auch in Faradaysche Käfige eindringen. Auch der Kantenaufbau, das heißt vermehrter
Pulverauftrag und erhöhte Schichtstärke im Bereich der Kante, wird durch die hohe
kinetische Energie reduziert. Bei Flachstrahldüsen leidet jedoch die homogene Verteilung
der Pulverpartikel auf dem Werkstück.
[0010] Reduziert man die Luftmenge für die Fluqförderung der Pulverpartikel, erreicht man
eine bessere und homogenere Pulverschicht. Dies führt aber auch zu einer Reduzierung
der kinetischen Energie der Pulverpartikel und zu einer größeren Beeinflussung der
Pulverpartikel durch die elektrischen Feldkräfte. Dies führt zu den eingangs erwähnten
Problemen wie Kantenaufbauten und schlechtes Eindringen in Faradaysche Käfige.
[0011] In Figur 1 ist die Feldlinienverteilung bei einer Korona-Beschichtung gezeigt, wobei
die Sprühpistole 10 nahe der Werkstückkante steht. Die Feldlinien verlaufen von der
Elektrodenspitze 2 der Pulversprühpistole 10 zum geerdeten Werkstück 1. Da es sich
um ein dreidimensionales Werkstück 1 handelt, gibt es dreidimensionale Äquipotenzialflächen
auf denen jeweils das Potenzial konstant ist. In Figur 1 sind des besseren Verständnisses
wegen jedoch nur Äquipotenziallinien, also jene Linien auf denen das elektrische Potenzial
konstant ist, gezeigt. Sie verlaufen senkrecht zu den Feldlinien. Im mittleren Bereich
des Werkstückes 1 stehen die Feldlinien senkrecht zur Werkstückfläche und sind über
die Werkstückfläche gleichmäßig verteilt. An der Kante des Werkstücks 1 verlaufen
die Feldlinien jedoch gedrängt. In diesem Bereich wird dadurch mehr Pulver abgeschieden.
Es kommt zum Kantenaufbau. Ein Teil der Feldlinien gelangt auch auf die Rückseite
des Werkstückes 1. Deshalb wird auch dort ein Teil des Pulvers abgeschieden.
[0012] Aus dem Stand der Technik
M. Cudazzo, U. Strohbeck "Pulverlackieren vnn Kunststoff - kommt der Durchbruch?",
Carl Hanser Verlag, München, MO Jahrg. 54 (2000) 6, S. 50 - 51 ist ein Verfahren zur elektrostatischen Beschichtung eines elektrisch nichtleitenden
Werkstücks mit Beschichtungspulver bekannt. Um das Werkstück, das beispielsweise aus
Kunststoff besteht, zu beschichten, wird das Werkstück von der einen Seite mit einer
Sprühpistole mit positiv geladenen Pulverpartikeln und von der anderen Seite mit einer
weiteren Sprühpistole mit negativ geladenen Pulverpartikeln besprüht. Dabei ziehen
sich die unterschiedlich geladenen Partikel gegenseitig an. Das dazwischen befindliche
Werkstück wird auf beiden Seiten gleichzeitig von den positiv und negativ geladenen
Partikeln getroffen. Der Ladungsausgleich gegenüber dem Erdpotenzial wird durch die
elektrische Nichtleitfahigkeit des Werkstücks verhindert. Statt dessen erfolgt der
Ladungsausgleich durch das Werkstück hindurch mit zwei entgegengesetzt geladenen Partikeln.
[0013] Da das Werkstück nichtleitend ist, kann sich das zur elektrostatischen Pulverlackierung
erforderliche elektrische Feld zwischen Sprühorgan und Werkstück nicht ausbilden.
Damit Coulombkräfte zwischen Pulverpartikeln und der Werkstückoberfläche entstehen
können, müssen die Partikelladungen Spiegelladungen an der Werkstückoberfläche erzeugen
können. Dies wiederum setzt eine leitfähige, geerdete Werkstückoberfläche voraus.
Die nichtleitende Werkstückoberfläche kann aber nicht geerdet werden und die Ladung
kann nicht definiert zum Erdpotenzial abgeleitet werden. Damit können keine Coulombkräfte
zwischen den Pulverpartikeln und Werkstückoberfläche wirken. Dieses Verfahren ist
daher speziell für nichtleitende Werkstücke ausgelegt.
Darstellung der Erfindung
[0014] Eine Aufgabe der Erfindung ist es daher ein Verfahren und eine Vorrichtung zum elektrostatischen
Beschichten eines elektrisch leitfähigen Werkstücks mit Beschichtungspulver anzugeben,
bei dem eine gleichmäßige, homogene Schichtstärke sowohl im flächigen Bereich des
Werkstücks als auch im Bereich der Werkstückkanten erzielt wird.
[0015] Die Aufgabe der Erfindung wird durch ein Verfahren zum elektrostatischen Beschichten
eines elektrisch leitfähigen Werkstücks mit Beschichtungspulver mit den Merkmalen
gemäß Patentanspruch 1 gelöst.
[0016] Das erfindungsgemäße Verfahren zum elektrostalischen Beschichten eines elektrisch
leitfähigen Werkstücks mit Beschichtungspulver umfasst folgende Schritte. Das Werkstück
wird geerdet. Dann wird eine Elektrode auf ein gegenüber dem Werkstück negatives Potenzial
und eine Gegenelektrode auf ein gegenüber dem Werkstück positives Potenzial gelegt.
Mittels eines Steuergeräts wird das Potenzial in dem Bereich des Werkstücks, in dem
das Werkstück zu beschichten ist, abhängig von der in diesem Bereich gewünschten Pulverschichtstärke
eingestellt und das Werkstück in diesem Bereich mittels einer Pulversprühpistole mit
Beschichtungspulver besprüht.
[0017] Die Aufgabe der Erfindung wird zudem durch eine Vorrichtung zum elektrostatischen
Beschichten eines elektrisch leitfähigen Werkstücks mit Beschichtungspulver mit den
Merkmalen gemäß Patentanspruch 12 gelöst.
[0018] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zum elektrostatischen Beschichten eines elektrisch
leitfähigen Werkstücks mit Beschichtungspulver umfasst eine Pulversprühpistole mit
einer Elektrode. Zudem sind eine Gegenelektrode und ein Steuergerät zum Einstellen
des Potenzials für die Elektrode und des Potenzials für die Gegenelektrode vorgesehen.
Das Steuergerät ist derart ausgebildet und betreibbar, dass damit der Ort des Null-Potenzials
einstellbar ist.
[0019] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den in den abhängigen
Patentansprüchen angegebenen Merkmalen.
[0020] Der zu beschichtende Bereich kann ein Rand des Werkstücks und insbesondere eine Kante
des Werkstücks oder eine Öffnung im Werkstück sein.
[0021] Bei einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird zum Einstellen des
Potenzials im zu beschichtenden Bereich des Werkstücks das Potenzial an der Elektrode
entsprechend eingestellt.
[0022] Bei einer anderen Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird zum Einstellen
des Potenzials im zu beschichtenden Bereich des Werkstücks das Potenzial an der Gegenelektrode
entsprechend eingestellt.
[0023] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren kann vorgesehen sein, dass das Potenzial im zu
beschichtenden Bereich des Werkstücks eingestellt wird, indem die Position der Gegenelektrode
entsprechend eingestellt wird.
[0024] So wird vorteilhafterweise das Potenzial im zu beschichtenden Bereich des Werkstücks
so eingestellt, dass es dort annähernd Null ist.
[0025] In einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die Gegenelektrode
synchron zur Elektrode bewegt.
[0026] Bei einer anderen Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der durch
die Elektrode fließende Sprühstrom auf einem konstanten Wert gehalten.
[0027] Vorteilhafterweise wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren der durch die Gegenelektrode
fließende sprühstrom abhängig von der Höhe des durch die Elektrode fließenden Sprühstroms
eingestellt. Dadurch kann der über das Werkstück abfließende Strom eingestellt werden.
Dies ist unter anderem für die Betriebssicherheit von Bedeutung.
[0028] Zur Lösung der Aufgabe wird ferner vorgeschlagen, dass der durch die Gegenelektrode
fließende Sprühstrom oder das an die Gegenelektrode angelegte Potenzial vergrößert
und/oder der Abstand der Gegenelektrode zum Werkstück verkleinert wird, wenn die Pulverschichtstärke
auf dem Werkstück reduziert werden soll.
[0029] Wenn die Pulverschichtstärke auf dem Werkstück hingegen vergrößert werden soll, besteht
die Möglichkeit den durch die Gegenelektrode fließenden Sprühstrom oder das an die
Gegenelektrode angelegte Potenzial zu verkleinern und/oder der Abstand der Gegenelektrode
zum Werkstück zu vergrößern.
[0030] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren kann vorgesehen sein, dass eine weitere Gegenelektrode
auf ein gegenüber dem Werkstück weiteres positives Potenzial gelegt wird. Damit kann
das elektrische Feld noch mehr an die Geometrie des Werkstücks angepasst werden.
[0031] Bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann das Steuergerät ein Bedienelement aufweisen,
um die gewünschte Pulverschichtstärke vorgeben zu können. Damit kann der Benutzer
vorgeben, wie dick einzelne Bereiche des Werkstücks mit Pulver beschichtet werden
sollen.
[0032] Darüber hinaus kann bei der erfindungsgemaßen Vorrichtung vorgesehen sein, dass die
Position der Gegenelektrode einstellbar ist. Auf diese Weise kann das elektrische
Feld noch mehr an die Geometrie des Werkstücks angepasst werden.
[0033] Schließlich kann bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung die Gegenelektrode auf der
selben Seite wie die Pulversprühpistole angeordnet sein.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0034] Im Folgenden wird die Erfindung mit mehreren Ausführungsbeispielen anhand von fünf
Figuren weiter erläutert.
- Figur 1
- zeigt eine konventionelle Anordnung zur Pulverbeschichtung.
- Figur 2a
- zeigt. eine erste mögliche Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anordnung zur Pulverbeschichtung
während der Beschichtung einer Öffnung im Werkstück.
- Figur 2b
- zeigt die erste Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anordnung zur Pulverbeschichtung
während der Beschichtung einer Kante des Werkstücks.
- Figur 3
- zeigt die erste Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anordnung zur Pulverbeschichtung
während der Beschichtung eines rahmenförmigen Werkstücks.
- Figur 4
- zeigt eine zweite mögliche Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anordnung zur Pulverbeschichtung
während der Beschichtung der Werkstückkante.
- Figur 5
- zeigt eine dritte mögliche Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anordnung zur Pulverbeschichtung
während der Beschichtung der Werkstückkante.
- Figur 6a
- bis 6f zeigt verschiedene Kanten, Ränder und Öffnungen im Werkstück in der Draufsicht.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0035] In Figur 2a ist eine erste mögliche Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anordnung
zur Pulverbeschichtung in der Draufsicht dargestellt. Ein flaches Werkstück 1 mit
einer öffnung O, die sich an einer beliebigen Stelle im Werkstück 1 befinden kann,
wird zur Beschichtung in Transportrichtung T durch eine Pulverbeschichtungskabine
6 hindurch bewegt. Durch eine Seitenwand der Kabine 6 ragt eine Pulversprühpistole
10, die eine Elektrode 2 aufweist. Die Elektrode 2 wird auch als Sprühelektrode bezeichnet.
Die Seite des Werkstücks 1, die mit der Pulversprühpistole 10 beschichtet wird, wird
als Vorderseite bezeichnet. Auf der gegenüberliegenden Seitenwand der Kabine 6 ist
eine Gegenelektrode 3 angeordnet. Die Gegenelektrode 3 kann Teil einer weiteren Pulversprühpistole
sein, die aber in Figur 1 nicht dargestellt ist.
[0036] Während des Beschichtungsvorgangs wird an die Elektrode 2 eine hohe Gleichspannung
U
2, beispielsweise -30 kV angelegt. An die Gegenelektrode 3, die sich hinter dem Werkstück
1 befindet, wird ebenfalls eine hohe Gleichspannung U
3 angelegt, die allerdings eine entgegengesetzter Polarität zur Spannung U
2 hat. Die Spannung U
2 kann beispielsweise +37 kV betragen. Dadurch entsteht ein elektrostatisches Feld
zwischen der Sprühpistole 10 und der Gegenelektrode 3. Die Feldlinien 7 sind punktiert
und die Äquipotenziallinien 8 gestrichelt dargestellt. In der geometrischen Mitte
zwischen der Elektrode 2 und der Gegenelektrode 3 ist die Äquipotenziallinie nicht
gekrümmt, wenn die beiden Spannungen U
2 und U
3 entsprechend eingestellt sind. Im Idealfall gilt dies in allen drei Dimensionen,
auch wenn auf dem Papier zur Einfachheit nur zwei Dimensionen gezeichnet sind. Die
Elektrode 2 und die Gegenelektrode 3 erzeugen gleiche und in ihrer Polarität entgegen
gesetzte elektrische Felder gegenüber der Bezugserde. Der mittlere Bereich befindet
sich somit auf dem Potential Null. Das heißt es herrscht dort das gleiche Potential
wie Erde.
[0037] Das in Figur 2a gezeigte elektrische Feld wird durch ein flaches, geerdetes Werkstück
1 nicht beeinflusst. Die von der Sprühpistole 10 erzeugte Pulverwolke 9 trifft im
Bereich B, der als Beschichtungszone bezeichnet wird, auf das Werkstück 1. Während
der Beschichtung des Werkstücks bewegen sich die Pulverpartikel in der Beschichtungszone
B entlang der Feldlinien und treffen somit in dieser Zone R senkrecht auf die Werkstückoberfläche.
Dadurch wird eine konstante Pulverschichtstärke auf dem Werkstück erreicht.
[0038] Im Verlauf des Beschichtungsvorgangs wird das Werkstück 1 weiter bewegt, so dass
sich nach einer gewissen Zeit die Kante K des Werkstücks 1 in der Beschichtungszone
B befindet. Das Werkstück 1 befindet sich nun nurmehr zum Teil im elektrischen Feld.
Dies ist in Figur 2b dargestellt. Das elektrische Feld wird durch die Position des
Werkstücks 1 nicht nennenswert beeinflusst. Die von der Pulversprühpistole 10 versprühten
Pulverpartikel folgen daher nach wie vor in der Beschichtungszone B dem Verlauf der
Feldlinien. Weil die Feldlinien im Bereich der Kante K nicht verzerrt werden, es keinen
Umgriff der Feldlinien auf die Rückseite des Werkstücks 1 gibt (im Gegensatz zum Verlauf
der Feldlinien in Figur 1) und auch keine erhöhte Feldstärke an der Kante K auftritt,
wird der Pulverauftrag im Bereich der Kante K weder zu noch abnehmen. Somit wird auch
im Bereich der Kante K eine konstante Pulverschichtstärke gewährleistet und ein Kantenaufbau
vermie den. Das Gleiche gilt im Wesentlichen auch für eine abgerundete Werkstückbegrenzung
R, wie sie in Figur 6d gezeigt ist.
[0039] Steuerung der Pulverablagerung an der Kante K oder allgemein am Rand des Werkstücks
[0040] Durch eine Veränderung der Spannung U
3 an der Gegenelektrode 3 kann der Verlauf der elektrischen Feldlinien verändert und
damit auch die Lage der Äquipotenziallinie auf der das Potenzial Null ist, gegenüber
dem Werkstuck 1 verschoben werden. Wird die Hochspannung U
3 an der Gegenelektrode 3 erhöht, so wandert die Äquipotenziallinie mit Potenzial Null
in Richtung Pulverspruhpistole 10. Dadurch gelangen die Feldlinien der Gegenelektrode
3 bis zur Vorderseite des Werkstückes 1. Das wiederum führt dazu, dass sich weniger
Pulver im Bereich der Kante K anlagert. Wird die Hochspannung U
3, die auch als Gegenspannung bezeichnet wird, reduziert, gelangen Feldlinien der Sprühpistole
10 uber den Kantenbereich hinaus auf die Rückseite des Werkstücks 1. Damit lagert
sich mehr Pulver im Bereich der Kante K ab. Durch eine gezielte Veränderung der elektrischen
Parameter kann man also steuern wo am Werkstück sich wie viel Pulver anlagert.
[0041] Bei der konventionellen elektrostatischen Beschichtung mit nur einer, beispielsweise
negativ geladenen Elektrode 2 bewegen sich die negativen Ladungsträger beziehungsweise
Elektronen von der negativen Sprühelekrode 2 über die Luft zum geerdeten Werkstück
1 und von dort aus über die Werkstück-Aufhängung oder Werkstück-Befestigung über die
Erde zurück zum Hochspannungsgenerator. Damit ist der Stromkreis geschlossen. Bei
einer Unterbrechung dieses Stromkreises entsteht an der Unterbrechungsstelle eine
hohe Spannungsdifferenz. Wenn z.B. das Werkstück 1 an einem elektrische nicht oder
nur schlecht leitenden Haken aufgehängt ist, kann sich das Werkstück 1 auf eine Spannung
von 10 kV und mehr aufladen. Ursache für die schlechte Leitfähigkeit können Farbrückstände
am Haken sein. Die Folge ist eine schlechte Beschichtung des Werkstücks. Aufgrund
der schlechten Leitfähigkeit des Hakens und damit der schlechten Erdung kann der Koronastrom
nicht zur Erde hin abfließen, das Werkstück lädt sich auf, es kann zu Überschlägen
kommen und es können zundfähige Funken entstehen. Bei der erfindungsgemäßen Einrichtung
wirken zwei unabhängige entgegengesetzt gepolte Stromkreise auf das selbe Werkstück
1. Diese Stromkreise sind im Idealfall in ihrem Betrag gleich gross. Wenn der Strom
I
2, der durch die Elektrode 2 der Beschichtungspistole 10 zum Werkstück 1 fließt, z.B.
-50 µA beträgt, beträgt der Strom I
3, der durch die Gegenelektrode 3 zum Werkstück 1 fließt, +50 µA. Aufgrund des ersten
Kirchhoffschen Gesetzes ist die Summe der Ströme I
2 und I
3 im Werkstück 1 Null. Von der Elektrode 2 der Sprühpistole 10 fließen 50 µA über die
Luft zum Werkstück 1 und von dort über die Luft zur Gegenelektrode 3. Damit fließt
kein Strom über die Werkstück-Aufhängung zur Erde. Der Strom I in der Werkstück-Aufhängung
ist somit Null. Damit können auch elektrisch schlecht leitende Bauteile elektrostatisch
beschichtet werden. Aus Sicherheitsqründen wird das Werkstück 1 aber nach wie vor
geerdet sein.
[0042] Die Potenziale U
2 und U
3 werden mittels eines Steuergeräts 4 eingestellt und gegebenenfalls geregelt. Das
Steuergerät 4 ist dazu über eine elektrische Leitung 11 mit der Gegenelektrode 3 und
über eine elektrische Leitung 12 mit der Elektrode 2 verbunden. Um die gewünschte
Schichtstärke einstellen zu können, weist das Steuergerät 4 ein Bedienelement 5 auf.
Das Bedienelement 5 kann beispielsweise ein Drehknopf, ein Taster oder eine Tastatur
sein. Neben den Potenzialen U
2 und U
3 kann das Steuergerät 4 auch die Ströme I
2 und I
3 überwachen und regeln.
[0043] Um die Sprühpistole 10 mit Pulver zu versorgen, ist die Sprühpistole 10 über einen
Pulverschlauch 14 mit einem Pulvervorratsbehälter 13 verbunden.
[0044] Figur 3 zeigt die erste Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anordnung zur Pulverbeschichtung
während der Beschichtung des rahmenförmigen Werkstücks 1. Da das elektrische Feld
auch durch das rahmenförmige Werkstück 1 nicht nennenswert beeinflusst wird, folgen
die von der Pulversprühpistole 10 versprühten Pulverpartikel nach wie vor in der Beschichtungszone
B dem Verlauf der Feldlinien und treffen dort senkrecht auf den Rahmen, so dass der
Pulverauftrag dort weder zu noch abnimmt. Somit ist auch bei einem rahmenförmigen
Werkstück eine konstante Pulverschichtstärke gewährleistet und der Kantenaufbau wird
vermieden.
[0045] Figur 4 zeigt eine zweite mögliche Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anordnung
zur Pulverbeschichtung während der Beschichtung der Werkstückkante K. Das Werkstück
ist nun kein dünnes Teil mehr, sondern weist, wie in Figur 4 gezeigt, eine erhebliche
Tiefe auf. Auf der einen Seite der Kabine 6 befindet sich, wie bei der in den Figuren
2a und 2b beschriebenen Ausführungsform, die Pulversprühpistole 10 mit der Sprühelektrode
2. Auf der gegenüberliegenden Seite der Kabine 6 befinden sich nun zwei Gegenelektroden
3 und 15. Beide können jeweils Teil einer weiteren Sprühpistole sein. Die Gegenelektrode
15 steht nicht mehr unter Spannung. Es bildet sich das in Figur 4 gezeigte elektrische
Feld zwischen der Elektrode 2 und der Gegenelektrode 3 aus. Die Aquipotenziallinie
mit dem Potenzial Null verläuft durch die zu beschichtende Kante K. Um dies zu erreichen,
wird das Potenzial U
3 an der Gegenelektrode 3 höher gewählt als das Potenzial U
2 an der Elektrode 2 der Beschichtungspistole 10.
[0046] Das Werkstück 1 wird in Richtung T aus dem Beschichtungsbereich herausbewegt. Es
wird also die hintere Fläche des Werkstücks beschichtet. Damit die hintere Kante K
nicht zu stark beschichtet wird, ist die linke Gegenelektrode 3 aktiv. Würde statt
dessen das Werkstück 1 in den Beschichtungsbereich hinein transportiert, wäre die
rechte Gegenelektrode 15 aktiv.
[0047] Figur 5 zeigt eine dritte mögliche Ausführungsform der erfindungsgemäßen Anordnung
zur Pulverbeschichtung während der Beschichtung der Werkstückkante. Bei dieser Ausführungsform
befinden sich sowohl die Sprühpistole 10 als auch die beiden Gegenelektroden 3 und
15 auf einer Seite der Kabine 6. Die Gegenelektroden 3 und 15 können jeweils Teil
einer weiteren Sprühpistole sein. Die Gegenelektrode 15 steht nicht mehr unter Spannung.
Es bildet sich das in Figur 5 gezeigte elektrische Feld zwischen der Elektrode 2 und
der Gegenelektrode 3 aus. Die Äquipotenziallinie mit dem Potenzial Null verläuft durch
die zu beschichtende Kante K.
[0048] Das Werkstück 1 wird in Richtung T aus dem Beschichtungsbereich herausbewegt und
die hintere Fläche des Werkstücks 1 beschichtet. Würde statt dessen das Werkstück
1 in den Beschichtungsbereich hinein transportiert, wäre die Gegenelektrode 15 aktiv.
[0049] Um nicht zwei Gegenelektroden 3 und 15 vorsehen zu müssen, kann auch nur eine Gegenelektrode
3 vorgesehen sein, die beweglich angeordnet ist. So kann die Gegenelektrode 3 beispielsweise
von der Position links von der Sprühpistole 10 zur Position rechts von der Sprühpistole
10 geschwenkt werden.
[0050] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren und der erfindungsgemäßen Vorrichtung können
auch flache Bleche, flache Profilteile und Teile mit kleiner Dicke beschichtet werden,
ohne dass es zu den sonst üblichen Pulveranhäufungen an den Kanten, an Bohrungen oder
an anderen Aussparungen kommt. Der Bilderrahmen-Effekt wird wirksam vermieden. Zudem
kann der Pulverauftrag an den Kanten gesteuert werden.
[0051] Mit den oben erwähnten Maßnahmen kann das Werkstück einschließlich seiner Kanten
mit einer gleichbleibend dicken Pulverschicht beschichtet werden. Falls gewünscht
kann aber auch mehr oder weniger Pulver an den Kanten aufgebracht werden. So ist es
auch möglich den Pulverauftrag an den Kanten gänzlich zu vermeiden. Durch das erfindungsgemäße
Verfahren wird zudem eine homogenere Verteilung des Pulverauftrages auf den flachen
Bereichen des Werkstücks erreicht.
[0052] Ein weiterer Effekt dieses Verfahrens ist, dass der Ableitstrom I im Werkstück stark
reduziert wird oder Null ist. Dieser Ableitstrom I kann durch eine automatische oder
manuelle Regelung auf Null gehalten werden. Damit können auch Werkstücke mit schlechter
oder geringer Leitfähigkeit beschichtet werden. Dies kann bei der Beschichtung von
MDF-Platten von Vorteil sein.
[0053] Der Begriff Gegenelektrode soll zum Ausdruck bringen, dass das Potenzial an dieser
Gegenelektrode gegenüber der Elektrode entgegengesetzt ist.
[0054] Figur 6a bis 6f zeigt verschiedene Kanten K, Ränder R und Öffnungen O im Werkstück
1 in der Draufsicht. Unter dem Begriff Rand R wird eine Begrenzung des Werkstücks
1 verstanden, welche beliebig geformt sein kann. Somit fallen auch die in Fig. 6a,
6b und 6c gezeigten Werkstückkanten K unter den Oberbegriff Werkstückrand. Auch die
in Fig. 6e und 6f gezeigten Öffnungen O im Werkstück sind Werkstückränder. In Figur
6f ist der rechte Rand der Öffnung O weniger stark gekrümmt als der rechte Rand der
Öffnung O in Figur 6e.
[0055] Die vorhergehende Beschreibung der Ausführungsbeispiele gemäß der vorliegenden Erfindung
dient nur zu illustrativen Zwecken und nicht zum Zwecke der Beschränkung der Erfindung.
Im Rahmen der Erfindung sind verschiedene Änderungen und Modifikationen möglich, ohne
den Umfang der Erfindung sowie ihre Äquivalente zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0056]
- 1
- Werkstück
- 2
- Elektrode
- 3
- Gegenelektrode
- 4
- Steuergerät
- 5
- Bedienelement
- 6
- Kabine
- 7
- Feldlinien
- 8
- Aquipotenziallinien
- 9
- Pulverwolke
- 10
- Sprühpistole
- 11
- elektrische Leitung
- 12
- elektrische Leitung
- 13
- Pulvervorratsbehälter
- 14
- Pulverschlauch
- 15
- weitere Gegenelektrode
- U2
- Potenzial an der Elektrode 2
- U3
- Potenzial an der Gegenelektrode 3
- U15
- Potenzial an der Gegenelektrode 15
- I2
- Strom in der Elektrode 2
- I3
- Strom in der Gegenelektrode 3
- I
- Ableitstrom
- T
- Transportrichtung
- B
- Beschichtungsbereich
- K
- Werkstückkante
- R
- Werkstückrand
- O
- Öffnung im Werkstück
1. Verfahren zum elektrostatischen Beschichten eines elektrisch leitfähigen Werkstücks
mit Beschichtungspulver,
- bei dem das Werkstück (1) geerdet wird,
- bei dem eine Elektrode (2) auf ein gegenüber dem Werkstück (1) negatives Potenzial
(U2) gelegt wird,
- bei dem eine Gegenelektrode (3) auf ein gegenüber dem Werkstück (1) positives Potenzial
(U3) gelegt wird,
- bei dem mit einem Steuergerät (4) das Potenzial in dem Bereich (B) des Werkstücks
(1), in dem das Werkstuck (1) zu beschichten ist, abhängig von der in diesem Bereich
(B) gewünschten Pulverschichtstärke eingestellt wird, und
- bei dem das Werkstück (1) im zu beschichtenden Bereich (B) mittels einer Pulversprühpistole
(10) mit Deschichtungspulver besprüht wird.
2. Verfahren nach Patentanspruch 1, bei dem der Bereich (B) eine Kante (K) des Werkstücks
(1), ein Rand des Werkstücks (1) oder eine Öffnung (O) im Werkstück (1) ist.
3. Verfahren nach Patentanspruch 1 oder 2, bei dem zum Einstellen des Potenzials im Bereich
(B) des Werkstücks (1) das Potenzial (U2) an der Elektrode (2) entsprechend eingestellt wird.
4. Verfahren nach Patentanspruch 1, 2 oder 3, bei dem zum Einstellen des Potenzials im
Bereich (B) des Werkstücks (1) das Potenzial (U3) an der Gegenelektrode (3) entsprechend eingestellt wird.
5. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 4, bei dem zum Einstellen des Potenzials
im Bereich (B) des Werkstücks (1) die Position der Gegenelektrode (3) entsprechend
eingestellt wird.
6. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 5, bei dem das Potenzial im zu beschichtenden
Bereich (B) des Werkstücks (1) so eingestellt wird, dass es dort annähernd Null ist.
7. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 6, bei dem die Gegenelektrode (3) synchron
zur Elektrode (2) bewegt wird.
8. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 7, bei dem der durch die Elektrode
(2) fließende Sprühstrom (I2) auf einem konstanten Wert gehalten wird.
9. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 8, bei dem der durch die Gegenelektrode
(3) fließende Sprühstrom (I3) abhängig von der Höhe des durch die Elektrode (2) fließenden Sprühstroms (I2) eingestellt wird.
10. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 9, bei dem der durch die Gegenelektrode
(3) fließende Sprühstrom (I3) vergrößert wird, um die Pulverschichtstärke auf dem Werkstück (1) zu reduzieren.
11. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 10, bei dem eine weitere Gegenelektrode
(15) auf ein gegenüber dem Werkstück (1) weiteres positives Potenzial (U15) gelegt wird.
12. Vorrichtung zum elektrostatischen Deschichten eines elektrisch leitfähigen Werkstücks
mit Beschichtungspulver,
- mit einer Pulversprühpistole (10), die eine Elektrode (2) aufweist,
- mit einer Gegenelektrode (3), und
- mit einem Steuergerät (4) zum Einstellen des Potenzials (U2) für die Elektrode (2) und des Potenzials (U3) für die Gegenelektrode (3), wobei das Steuergerät (4) derart ausgebildet und betreibbar
ist, dass damit der Ort des Null-Potenzials (0V) einstellbar ist.
13. Vorrichtung nach Patentanspruch 12, bei der das Steuergerät (4) ein Bedienelement
(5) aufweist, um die gewünschte Pulverschichtstärke vorgeben zu können.
14. Vorrichtung nach Patentanspruch 12 oder 13, bei der die Position der Gegenelektrode
(3) einstellbar ist.
15. Vorrichtung nach einem der Patentansprüche 12 bis 14, bei der die Gegenelektrode (3)
sich auf der selben Seite wie die Pulversprühpistole (10) befindet.