[0001] Die Erfindung betrifft einen Zylinder für einen Kolbenmotor umfassend Mittel zur
Aufnahme von Schmiermittel.
[0002] Bei grossen Zweitakt- oder auch Viertakt-Motoren erweist sich aufgrund der grossen
zu benetzenden Oberflächen die Verteilung des Schmiermittels als kritisch. Das Schmiermittel
gelangt durch eine begrenzte Anzahl am Umfang des Zylinders angeordneten Einspeisöffnungen
in den Zylinderinnenraum. Damit das flüssige Schmiermittel sich gleichmässig über
die Innenwand des Zylinders verteilt, sind umlaufende Rillen vorgesehen, wie sie beispielsweise
in der
FR1174532 gezeigt werden. Allerdings hat sich bei Langzeitbetrieb des Motors herausgestellt,
dass die Rillen vor allem im höchstbelasteten Teil des Zylinders, der bis ca. 15%
vom oberen Totpunkt des obersten Kolbenrings ausgehend in Richtung des unteren Totpunkts
des Kolbens reicht, starkem Abrieb ausgesetzt sind. Durch den in diesem Bereich vorherrschenden
hohen Druck, der bis 200 bar betragen kann, sowie der hohen Temperatur, die mehr als
300°C betragen kann, erfolgt durch Wärmedehnung eine Vergrösserung des Kolbenquerschnitts
und des Querschnitts der Kolbenringe. Durch den Druck werden die lose sitzenden Kolbenringe
in Richtung der Zylinderinnenwand gepresst, was zum Druckaufbau im Brennraum erwünscht
ist, aber mit einer starken Belastung durch Scherkräfte an der Zylinderinnenwand einhergeht.
Durch diese Scherkräfte wird das durch die umlaufenden Rillen gebildete Profil im
Dauerbetrieb abgetragen bzw. eingeebnet. Hieraus folgt zwingend, dass eine gleichmässige
Verteilung des Schmiermittels im Dauerbetrieb nicht mehr gewährleistet ist. Fehlt
die gleichmässige Verteilung des Schmiermittels, kommt es zumindest lokal zu Feststoffreibung,
also einem direkten Kontakt zwischen Kolbenringaussenfläche und Zylinderinnenwand,
wodurch nicht nur die Gleiteigenschaften beeinträchtigt werden, sondern es auch zu
dem oben beschriebenen Abrieb und weitergehender Schädigung der Zylinderinnenwand
kommen kann. Um dieses Problem zu lösen, wurde in der
WO98/53192 vorgeschlagen, Vertiefungen in dem höchstbelasteten Teil des Zylinders vorzusehen,
die entweder als am Zylinderumfang ringförmig angeordnete Nuten oder als Nutabschnitte
ausgestaltet sind. Hierdurch kann wohl eine gleichmässigere Verteilung des Schmiermittels
im höchstbelasteten Bereich der Zylinderinnenwand erreicht werden. Allerdings bleibt
diese Verbesserung auf den genannten Längenbereich von bis zu 15% vom oberen Totpunkt
des obersten Kolbenrings ausgehend beschränkt. Ringförmige Nuten weisen zudem einen
weiteren Nachteil auf. Die Kanten der Kolbenringe werden durch die Kanten der Nut
erfasst, sodass diese Kanten zu starken Abrieb aufweisen, welcher zu Schädigung derselben
führen kann.
[0003] Aus allen diesen Gründen liegt der tatsächliche Schmiermittelverbrauch über der für
die Schmierung des Gleitpaars Kolben-Zylinder notwendigen Schmiermittelmenge. Neben
den insbesondere für Grossdieselmotoren beträchtlichen Kosten stellt der Schmiermittelverbrauch
auch eine Umweltbelastung dar. Ein grosser Teil der emittierten Abgaspartikel stammt
aus dem Schmiermittel.
[0004] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, eine gleichmässige Verteilung des Schmiermittels
über die gesamte Länge des Zylinders zumindest vom oberen Totpunkt des obersten Kolbenrings
bis zum unteren Totpunkt zu erreichen, wobei gleichzeitig der Schmiermittelverbrauch
gesenkt wird. An der Zahl und der Lage der Einspeisöffnungen braucht hierbei keine
Änderung vorgenommen zu werden. Die Aufgabe des Schmiermittels besteht, insbesondere
für Zweitakt-Motoren, darin, nicht nur eine adäquate Kolbenschmierung zu gewährleisten,
sondern auch Schwefelsäure zu neutralisieren, die durch die Verwendung von schwefelhaltigem
Brennstoff in den Brennraum gelangt.
[0005] Die Lösung der Aufgabe erfolgt durch einen Zylinder für einen Kolbenmotor umfassend
Mittel zur Aufnahme von Schmiermittel, wobei der Zylinder eine Gleitfläche für einen
Kolben umfasst, welche eine obere Totzone und eine auf dem Zylinder angeordnete Reihe
von Spülschlitzen einschliesst. Die obere Totzone wird als die Ebene definiert, in
welcher der Totpunkt des obersten Kolbenrings liegt. Diese Gleitfläche weist eine
Mehrzahl von schlitzförmigen Ausnehmungen auf. Die schlitzförmigen Ausnehmungen weisen
eine Länge auf, sowie eine Breite und eine Tiefe, wobei die Tiefe über 0.4 mm beträgt.
Die schlitzförmigen Ausnehmungen sind unterhalb von einem ringförmigen Bereich der
Zylinderoberfläche vorgesehen, der eine Länge von bis zu 15% der Gleitfläche, von
der oberen Totzone aus gemessen, ausmacht. Überraschenderweise hat sich gezeigt, dass
dann im höchstbelasteten Bereich des Zylinders keine schlitzförmigen Ausnehmungen
vorgesehen werden müssen, sondern dass eine Anordnung einer Mehrzahl von schlitzförmigen
Ausnehmungen ausserhalb der Zone höchster Belastung, die vorhin erwähnten 15% der
Gleitfläche unterhalb der oberen Totzone, vorteilhaft ist. Die Kolbenringe erfassen
das Schmiermittel und transportieren es auf ihrem Weg in die Zone höchster Belastung.
Zur gleichmässigen Verteilung des Schmiermittels kann es sogar vorteilhaft sein, diese
Zone höchster Belastung frei von schlitzförmigen Ausnehmungen zu halten.
[0006] Die schlitzförmigen Ausnehmungen sind nach einer vorteilhaften Ausführungsform auch
im Bereich der Spülschlitze sowie unterhalb derselben vorgesehen.
[0007] Die Breite der schlitzförmigen Ausnehmungen liegt zwischen 0.5 und 3 mm, sollte aber
in jedem Fall kleiner als 80%, vorzugsweise 70%, besonders bevorzugt 60% der Breite
des schmalsten Kolbenrings betragen. Hierdurch ist gewährleistet, dass sich der Kolbenring
nicht in der schlitzförmigen Ausnehmung verkanten kann und über die Ausnehmung berührungsfrei
hinweggleitet.
[0008] Die Länge der schlitzförmigen Ausnehmungen beträgt zwischen 10 und 100 mm, vorzugsweise
zwischen 10 und 50 mm, besonders bevorzugt zwischen 10 und 30 mm.
[0009] Eine Mehrzahl von schlitzförmigen Ausnehmungen kann in einer Reihe angeordnet sein.
Die Anzahl der schlitzförmigen Ausnehmungen in einer Reihe beträgt vorzugsweise 10
- 150, abhängig von der Länge der schlitzförmigen Ausnehmung und dem Abstand zwischen
zwei benachbarten schlitzförmigen Ausnehmungen. Die Länge und der Abstand der schlitzförmigen
Ausnehmungen wird vorzugsweise so gewählt, dass die durch eine schlitzförmige Ausnehmung
verursachte Kerbwirkung unter der zulässigen Schwächung des Zylinders liegt. Nach
einem besonders vorteilhaften Ausführungsbeispiel ist die Länge des Abstands grösser
als die Länge der schlitzförmigen Ausnehmung.
[0010] Die Reihe weist eine Steigung auf, die vorzugsweise kleiner als die Steigung ist,
die der Höhe des Kolbenrings entspricht. Daher beträgt der Neigungswinkel der schlitzförmigen
Ausnehmungen einer Reihe bis zu 1°. Diese Massnahme dient ebenfalls einer erhöhten
Laufruhe des Kolbenrings. Die Berührung zwischen der Kante der schlitzförmigen Ausnehmung
und dem Kolbenring erfolgt somit immer nur in einem Punkt. Durch den Neigungswinkel
wird folglich eine flächige Auflage der Kante des Kolbenrings auf einer Kante einer
schlitzförmigen Ausnehmung vermieden, wodurch keine Scherkräfte in die Kante der schlitzförmigen
Ausnehmung eingeleitet werden und somit kaum Materialabtrag an der Kante erfolgt.
Somit ergibt sich durch die Einhaltung einer Steigung eine Erhöhung der Lebensdauer
des Zylinders.
[0011] Beträgt der Zylinderdurchmesser beispielsweise 190 mm und der Kolbenring hat eine
Breite von zwischen 5 und 10 mm, ergibt sich ein maximaler Neigungswinkel von 0.96°.
[0012] Bei einem Zylinderdurchmesser von 400 mm und einem Kolbenring von zwischen 10 und
15 mm Breite, ergibt sich ein maximaler Neigungswinkel von 0.68°.
[0013] Die Anzahl und/oder die Tiefe und/oder die Länge und/oder die Breite der schlitzförmigen
Ausnehmungen können sich voneinander unterscheiden. Vorteilhafterweise sind die schlitzförmigen
Ausnehmungen benachbarter Reihen zueinander versetzt angeordnet. Durch die Versetzung
wird eine optimale Benetzung der Zylinderinnenwand mit Schmiermittel bei geringstmöglicher
Schwächung des Zylindermantels erreicht.
[0014] Die Anzahl der schlitzförmigen Ausnehmungen ist grösser oder gleich 300 pro m
2 Gleitfläche. Die Anzahl der schlitzförmigen Ausnehmungen pro m
2 Gleitfläche ist variabel, da Teile der Gleitfläche unterschiedlichen Belastungen
standhalten müssen.
[0015] Ein Verfahren zur Herstellung von Mitteln zur Aufnahme von Schmiermittel in einem
Zylinder gemäss der vorhergehenden Ausführungsformen umfasst den Schritt der Herstellung
der schlitzförmigen Ausnehmungen durch ein mechanisches Bearbeitungsverfahren.
[0016] Der Zylinder findet Verwendung in einem Grossdieselmotor, vorzugsweise in einem 2-Takt
Motor oder einem 4-Takt Motor.
[0017] Die Erfindung wird im folgenden anhand der beiliegenden Zeichnungen genauer erläutert.
Es zeigen
- Fig. 1
- einen Schnitt durch einen Zylinder
- Fig. 2a
- eine Abwicklung des Zylinders
- Fig. 2b
- eine schlitzförmige Ausnehmung im Detail
- Fig. 3
- eine Darstellung des Gleitpaars Kolbenring und Zylinderinnenwand
[0018] Fig. 1 zeigt einen Schnitt durch einen Zylinder 1, welcher in einem Kolbenmotor angeordnet
ist. Bei dem Kolbenmotor handelt es sich um einen 2-Takt-Motor oder einen 4-Takt-Motor,
insbesondere um einen Grossdieselmotor. Derartige Grossdieselmotoren werden zur Zeit
mit Zylindern ausgerüstet, deren Innendurchmesser zumeist grösser als 190 mm ist.
Typische Durchmesser liegen zwischen 250 und 1000 mm. Im Inneren des Zylinders bewegt
sich ein Kolben hin und her, welcher über eine Kurbelstange mit einer drehbaren Antriebswelle
verbunden ist. Die Hin- und Herbewegung des Kolbens erfolgt zwischen einem oberen
und unteren Totpunkt. Fig. 1 zeigt den Kolben in der Position am oberen Totpunkt.
Legt man durch den oberen Totpunkt des obersten Kolbenrings eine Schnittebene, welche
normal auf die Zylinderachse 14 steht, schneidet die Ebene die Innenwand des Zylinders
längs einer Linie, die fortan als obere Totzone 8 bezeichnet werden soll. Die obere
Totzone 8 bildet bei vertikaler Anordnung des Zylinders die obere Begrenzung der Gleitfläche
7 aus. Legt man eine gleichartige Schnittebene durch den unteren Totpunkt des untersten
Kolbenrings, erhält man in gleicher Weise die untere Totzone 15. Die Länge L (13)
bezeichnet den Abstand zwischen oberer Totzone 8 und unterer Totzone 15 und entspricht
der Länge der Gleitfläche. Die Gleitflächen können eine Länge von 1 m bis ca. 4 m
aufweisen. Die Breite der Gleitfläche wird durch den Umfang an der oberen Totzone
8, sowie den Umfang an der unteren Totzone 15 gebildet. Die Breite der Gleitfläche
an der oberen Totzone 8 ist grösser als die Breite der Gleitfläche der unteren Totzone
15, da der Zylinderinnenraum in der Regel nicht zylindrisch sondern leicht konisch
ausgebildet ist. Diese Konizität hat ihre Ursache in den unterschiedlichen Temperaturen,
welche in den einzelnen Zonen der Gleitfläche vorliegen. Im Bereich der unteren Totzone
wird Luft aus der Umgebung angesaugt, sodass in diesem Bereich Betriebstemperaturen
vorherrschen, die sich nicht wesentlich von der Umgebungstemperatur der Luft im Motorraum
unterscheiden. Im Bereich der oberen Totzone können jedoch Temperaturen grösser als
300°C vorherrschen. Bedingt durch diese beträchtlichen Temperaturunterschiede kommt
es zu Wärmedehnungen, die insbesondere zur Ausdehnung der auf dem Kolben 2 befindlichen
Kolbenringe 3 führt, die im Bereich der unterenTotzone unzulässig gegen die Innenwand
des Zylinders pressen würden und folglich die Ausbildung eines Schmierfilms behindern.
Die Massnahme gegen die unerwünschte Feststoffreibung zwischen Zylinderinnenwand und
Kolbenringen ist selbstverständlich das Einbringen eines Schmiermittels, welches die
Zylinderinnenwand im Bereich der Gleitfläche 7 als Schmierfilm überzieht. Das Schmiermittel
wird über die Schmiermittelzufuhr 4 in den Zylinderraum eingespeist. Mehrere Einspeisöffnungen
16 können am Umfang des Zylinders verteilt vorgesehen sein. Von den Einspeisöffnungen
ausgehend erstreckt sich ein Kanal 17 entlang der Zylinderinnenwand, mittels welchem
die Förderung und Verteilung des Schmiermittels erfolgt. Das Schmiermittel benetzt
bei vertikaler Ausrichtung des Zylinders die gesamte Gleitfläche unterhalb des Kanals.
Bewegt sich der Kolben 2 in der Expansionsphase an den Einspeisöffnungen 16 vorbei,
wird das Schmiermittel von den an der Zylinderinnenwand gleitenden Kolbenringen 3
mit transportiert und steht für eine weitere Schmierung nicht mehr zur Verfügung.
Hierdurch ergibt sich ein erhöhter Schmiermittelverbrauch, welcher bei derartig grossen
mit Schmiermittel zu benetzenden Oberflächen einen nicht zu vernachlässigenden Kostenfaktor
darstellt.
[0019] Der Zylinder 1 umfasst daher Mittel 5 zur Aufnahme von Schmiermittel, welche auf
der Gleitfläche 7 für den Kolben 2 angeordnet sind. Die Gleitfläche erstreckt sich
zwischen der oberen Totzone 8 und der unteren Totzone 15. Die untere Totzone 15 liegt
bei vertikaler Anordnung unterhalb einer auf dem Zylinder angeordneten Reihe von Spülschlitzen
6. Auf der Gleitfläche 7 sind eine Mehrzahl von schlitzförmigen Ausnehmungen 5 angeordnet.
Die schlitzförmigen Ausnehmungen dienen als Schmiermitteltaschen. Wird Schmiermittel
über Einspeisöffnungen 16 zugeführt, fliesst es längs der Zylinderinnenwand ab und
in die schlitzförmigen Ausnehmungen, in welchen sich ein Schmiermittelvorrat ausbildet.
Schlitzförmige Ausnehmungen, die sich oberhalb einer Einspeisöffnung befinden, werden
mit Schmiermittel befüllt, wenn ein Kolbenring an der schlitzförmigen Ausnehmung vorbeigleitet.
Der Kolbenring transportiert Schmiermittel während seiner Bewegung mit, welches in
eine schlitzförmige Ausnehmung ausweicht und diese auffüllt, wenn der Kolbenring an
einer solchen schlitzförmigen Ausnehmung vorbeikommt. Die schlitzförmigen Ausnehmungen
weisen eine Länge l (9) auf, sowie eine Breite b (10) und eine Tiefe t (11) auf, was
in Fig. 2 in einem Ausschnitt aus der abgewickelten Zylinderoberfläche im Detail dargestellt
ist. Die Tiefe 11 beträgt über 0.4 mm, was gewährleistet, dass die schlitzförmige
Ausnehmung auch bei mehrjähriger Betriebsdauer erhalten bleibt, auch wenn es an der
Zylinderinnenwand zu Abrieb kommt. Die grosse Tiefe der schlitzförmigen Ausnehmungen
hat den weiteren Vorteil, dass das vom Kolbenring eingeschobene Schmiermittel sich
während des gesamten weiteren Hubs auf die Zylinderinnenwand ergiesst und diese mit
einem Schmiermittelfilm benetzt. Durch die Anordnung einer Mehrzahl von schlitzartigen
Ausnehmungen ist gewährleistet, dass die gesamte Gleitfläche oder zumindest der Teil
derselben, welche mit derartigen schlitzförmigen Ausnehmungen ausgerüstet ist, benetzt
wird. Die schlitzförmigen Ausnehmungen 5 sind insbesondere unterhalb von einem ringförmigen
Bereich 12 der Zylinderoberfläche vorgesehen, der eine Länge bis zu 15% der Länge
L (13) der Gleitfläche 7, von der oberen Totzone 8 aus gemessen, ausmacht. Mittels
dieser Anordnung werden überraschenderweise nicht nur der Schmiermittelverbrauch verringert,
sondern auch die Lebensdauer der Zylinderoberfläche erhöht. Der verringerte Schmiermittelverbrauch
hat seinen Hauptgrund darin, dass in den schlitzförmigen Ausnehmungen Schmiermittel
gespeichert wird. Das Schmiermittel fliesst also nach einem Arbeitszyklus nicht ab
oder wird durch die Kolbenringe ausgeschoben, sondern verbleibt grösstenteils in den
schlitzförmigen Ausnehmungen. Das Schmiermittel steht in der Folge weiteren Arbeitszyklen
zur Verfügung. Die Erhöhung der Lebensdauer der Zylinderoberfläche liegt darin begründet,
dass in der Zone höchster Belastung keine oder allenfalls eine stark verringerte Anzahl
an schlitzförmigen Ausnehmungen vorgesehen ist, dieser höchstbelastete Bereich der
Zylinderinnenwand also nicht durch eine Vielzahl kleiner Kerben, das heisst, schlitzförmiger
Ausnehmungen oder durch die aus dem Stand der Technik bekannten umlaufenden Rillen
geschwächt wird.
[0020] In dem vorhin ausgenommenen Bereich von bis zu 15% der Gleitfläche, gemessen von
der oberen Totzone aus, der Zone höchster Belastung, ist der Nutzen von schlitzförmigen
Ausnehmungen begrenzt, da hier der Abrieb derart hoch ist, dass auch schlitzförmige
Ausnehmungen mit einer Tiefe von grösser als 0.4 mm verschwinden, bevor das Ende der
Lebensdauer des Zylinders erreicht ist. Nicht zuletzt aus dem vorgenannten Grund kann
es vorteilhaft sein, gerade in dieser Zone höchster Belastung auf schlitzförmige Ausnehmungen
zu verzichten, um die Zylinderinnenwand nicht zu schwächen. Überraschenderweise hat
sich nämlich herausgestellt, dass es vorteilhafter ist, in einem Bereich ausserhalb
dieses genannten Bereichs Ausnehmungen vorzusehen, sodass das dort bereitgestellte
Schmiermittel durch den oder die Kolbenringe in die Zone höchster Belastung transportiert
wird. Insbesondere beträgt der Bereich 1 bis 25%, vorzugsweise 10 bis 25%, besonders
bevorzugt 15% bis 20%, in welchem schlitzförmige Ausnehmungen vorzusehen sind. In
Fig. 1 ist die Zone höchster Belastung, also der ringförmige Bereich 12 frei von schlitzförmigen
Ausnehmungen dargestellt. Unterhalb des Kolbens sind drei Reihen von schlitzförmigen
Ausnehmungen dargestellt, auf die detailliertere Darstellung weiterer Reihen bis zur
Schmiermittelzufuhr 4 wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet. Zur ausreichenden
Versorgung mit Schmiermittel ist es vorteilhaft, wenn die gesamte Gleitfläche 7 mit
Ausnahme der Zone höchster Belastung mit schlitzförmigen Ausnehmungen versehen ist.
Insbesondere können die schlitzförmigen Ausnehmungen auch im Bereich der Spülschlitze
6 sowie unterhalb derselben vorgesehen sein. In diesem Bereich wurden in der Vergangenheit
ebenfalls Schäden durch Abrieb festgestellt. Dieser Abrieb war ebenfalls auf unzureichende,
weil ungleichmässige, Schmiermittelversorgung zurückzuführen. Das über die Schmiermittelzufuhr
4 eingebrachte Schmiermittel wird zyklisch zugeführt, sinnvollerweise in der in Fig.
1 dargestellten Stellung des Kolbens, da hierbei das Schmiermittel nicht unter Druck
gefördert werden muss. Schmiermittel rinnt entlang der Zylinderwand nach unten und
wird dann durch die Kolbenringe 3 des sich in der Expansionsphase befindlichen Kolbens
mitgenommen. Ein Teil des Schmiermittels gelangt zwar bis zu den Spülschlitzen 6,
kann dort aber nur gespeichert werden, wenn auch im Bereich der Spülschlitze bis zu
der unterst möglichen Position des zuunterst liegenden Kolbenrings schlitzförmige
Ausnehmungen vorgesehen sind, wenn sich der Kolben im unteren Totpunkt befindet. Wären
diese schlitzförmigen Ausnehmungen nicht vorhanden, würden die Kolbenringe die restliche
Schmiermittelmenge ausschieben und diese Schmiermittelmenge stände für weitere Schmierung
nicht mehr zur Verfügung. Zudem ergibt sich der Nachteil, dass gerade im Bereich der
Spülschlitze kein Schmiermittel mehr vorhanden wäre, wenn der Kolben seinen Kompressionshub
beginnt. Die Kolbenringe 3 würden daher zu Beginn des Kompressionshubs trocken laufen.
Das in den schlitzförmigen Ausnehmungen gespeicherte Schmiermittel kann sich hingegen
über die Zylinderinnenwand im Bereich der Spülschlitze verteilen und gewährleistet
eine ausreichende Schmierung für den Kompressionshub.
[0021] Fig. 2a zeigt eine Abwicklung des Zylinders mit weiteren möglichen Anordnungen von
schlitzförmigen Ausnehmungen und in Fig. 2b ist eine derartige schlitzförmige Ausnehmung
5 vergrössert dargestellt. Die schlitzförmige Ausnehmung ist bestimmt durch eine Länge
l (9), eine Breite b (10) sowie eine Tiefe t (11). Die Breite der schlitzförmigen
Ausnehmungen liegt in vorteilhafter Weise zwischen 0.5 und 3 mm. Die Breite b muss
gerade gross genug sein, dass eine ausreichende Menge Schmiermittel in der Ausnehmung
gespeichert werden kann. Andererseits muss die Breite b kleiner als die Breite eines
Kolbenrings sein, sodass der Kolbenring nicht von Kanten der schlitzförmigen Ausnehmung
erfasst wird und durch die schlitzförmige Ausnehmung kein Gas aus dem Kompressionsraum
in den Ansaugraum gelangt. Würde eine derartige Leckageströmung von Gas über die Ausnehmungen
zugelassen, würde der Druckaufbau im Kompressionsraum verändert und dementsprechend
der Wirkungsgrad des Motors verringert. Die Länge der schlitzförmigen Ausnehmungen
beträgt zwischen 10 und 100 mm, vorzugsweise zwischen 10 und 50 mm, besonders bevorzugt
zwischen 10 und 30 mm. Vorteilhafterweise ist eine Mehrzahl von schlitzförmigen Ausnehmungen
in einer Reihe angeordnet, die eine Steigung aufweisen kann. Die Steigung ist aus
den in Zusammenhang mit der Breite der Ausnehmung genannten Gründen beschränkt auf
ein Mass, das kleiner als die Breite des Kolbenrings ist. Der Neigungswinkel 18 der
schlitzförmigen Ausnehmungen beträgt bis zu 1°. Die Anzahl der schlitzförmigen Ausnehmungen
in einer Reihe kann sich von der Anzahl der schlitzförmigen Ausnehmungen einer benachbarten
Reihe unterscheiden. Auch die Anzahl und/oder die Tiefe t (11) und/oder die Länge
l (9) und/oder die Breite b (10) der schlitzförmigen Ausnehmungen können sich voneinander
unterscheiden.
[0022] In allen Fig. 1-3 sind die schlitzförmigen Ausnehmungen benachbarter Reihen zumindest
teilweise zueinander versetzt angeordnet. Hierdurch kann die Anzahl der schlitzförmigen
Ausnehmungen pro m
2 Gleitfläche erhöht werden, damit eine möglichst gleichmässige Verteilung von Schmiermittel
gewährleistet ist. Die Anzahl der schlitzförmigen Ausnehmungen ist vorzugsweise grösser
oder gleich 300 pro m
2 Gleitfläche. Die Anzahl der schlitzförmigen Ausnehmungen pro m
2 Gleitfläche kann variabel gewählt werden, wenn sich im Betrieb Bereiche der Gleitfläche
mit erhöhtem oder verringertem Schmiermittelbedarf feststellen lassen. Beispielsweise
kann eine verringerte Anzahl von schlitzförmigen Ausnehmungen oder ein grösserer Abstand
benachbarter Reihen von schlitzförmigen Ausnehmungen vorgesehen werden, wie in Fig.
2 ersichtlich ist.
[0023] Fig. 3 zeigt eine Darstellung des Gleitpaars Kolbenring und Zylinderinnenwand für
das vorhergehende Ausführungsbeispiel. In diesem Fall befinden sich in dem ringförmigen
Bereich 12, der bis zu 15% der Gleitfläche beträgt und unmittelbar unterhalb der oberen
Totzone 8 angeordnet ist, keine schlitzförmigen Ausnehmungen. Der Kolben 2 befindet
sich in einer Stellung unterhalb des ringförmigen Bereichs 12. Es kann insbesondere
vorteilhaft sein, den Bereich 12 auf bis zu 25% der Gleitfläche zu erhöhen . Insbesondere
beträgt der Bereich 12 dann 10 bis 30%, vorzugsweise 15 bis 30%, besonders bevorzugt
ist der Bereich grösser als 25% bis einschliesslich 30%.
[0024] Die schlitzförmigen Ausnehmungen werden durch ein mechanisches Bearbeitungsverfahren
hergestellt. Hierzu zählen spanabhebende Verfahren, wie beispielsweise Fräsen, nicht
aber Verfahren, welche unter thermischem Einfluss arbeiten, wie beispielsweise eine
Strukturierung mittels Laser. Ein Laserstrukturierungsverfahren wird vor allem zur
Herstellung von Rillen im Mikrometerbereich verwendet und ist für die Herstellung
der erfindungsgemässen schlitzförmigen Ausnehmungen mit Tiefen im Millimeterbereich
nicht geeignet.
[0025] Bereits im Einsatz befindliche Zylinder können nachträglich im Rahmen von routinemässigen
Wartungsarbeiten oder Reparaturen mit schlitzartigen Ausnehmungen versehen werden.
Insbesondere bei Zylindern, die in einem Grossdieselmotor Verwendung finden, kann
der Schmiermittelbedarf durch die gezielte nachträgliche Anbringung von schlitzartigen
Ausnehmungen verringert werden.
1. Zylinder (1) für einen Kolbenmotor umfassend Mittel (5) zur Aufnahme von Schmiermittel,
wobei der Zylinder eine Gleitfläche (7) für einen Kolben (2) umfasst, welche eine
obere Totzone (8) und eine auf dem Zylinder angeordnete Reihe von Spülschlitzen (6)
einschliesst, wobei diese Gleitfläche (7) eine Mehrzahl von schlitzförmigen Ausnehmungen
(5) aufweist, wobei die schlitzförmigen Ausnehmungen eine Länge (9) aufweisen, sowie
eine Breite (10) und eine Tiefe (11), wobei die Tiefe (11) über 0.4 mm beträgt, dadurch gekennzeichnet, dass die schlitzförmigen Ausnehmungen (5) unterhalb von einem ringförmigen Bereich der
Zylinderoberfläche (12) vorgesehen sind, der eine Länge von bis zu 15% der Länge (13)
der Gleitfläche (7), von der oberen Totzone (8) aus gemessen, ausmacht.
2. Zylinder nach Anspruch 1, wobei die schlitzförmigen Ausnehmungen auch im Bereich der
Spülschlitze sowie unterhalb derselben vorgesehen sind.
3. Zylinder nach Anspruch 1, wobei die Breite (10) der schlitzförmigen Ausnehmungen zwischen
0.5 und 3 mm liegt.
4. Zylinder nach Anspruch 1, wobei die Länge (9) der schlitzförmigen Ausnehmungen zwischen
10 und 100 mm, vorzugsweise zwischen 10 und 50 mm, besonders bevorzugt zwischen 10
und 30 mm beträgt.
5. Zylinder nach Anspruch 1, wobei eine Mehrzahl von schlitzförmigen Ausnehmungen in
einer Reihe angeordnet sind.
6. Zylinder nach Anspruch 5, wobei die Reihe eine Steigung aufweist.
7. Zylinder nach Anspruch 6, wobei der Neigungswinkel der schlitzförmigen Ausnehmungen
bis zu 1° beträgt.
8. Zylinder nach einem der Ansprüche 5 -7, wobei die schlitzförmigen Ausnehmungen benachbarter
Reihen zueinander versetzt angeordnet sind.
9. Zylinder nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Anzahl der schlitzförmigen
Ausnehmungen benachbarter Reihen, sowie die Tiefe (11) und/oder die Länge (9) und/oder
die Breite (10) der schlitzförmigen Ausnehmungen sich voneinander unterscheiden.
10. Zylinder nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Anzahl der schlitzförmigen
Ausnehmungen grösser oder gleich 300 pro m2 Gleitfläche ist.
11. Zylinder nach Anspruch 8, wobei die Anzahl der schlitzförmigen Ausnehmungen pro m2 Gleitfläche variabel ist.
12. Zylinder nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Zylinder einen Durchmesser
grösser als 190 mm aufweist.
13. Verfahren zur Herstellung von Mitteln zur Aufnahme von Schmiermittel in einem Zylinder
gemäss einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die schlitzförmigen Ausnehmungen
durch ein mechanisches Bearbeitungsverfahren hergestellt werden.
14. Verwendung des Zylinders nach einem der vorhergehenden Ansprüche in einem Grossdieselmotor.