[0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen Fräser zum spanabhebenden Bearbeiten von Werkstücken
gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Solche Fräser weisen einen zylindrischen Werkzeugschaft auf, der ein oberes Einspannende
beziehungsweise einen Einspannstutzen zum Einspannen des Fräsers in eine Fräsmaschine
und einen sich daran anschließenden Fräsbereich aufweist. Der Fräsbereich weist zumindest
eine Frässchneide auf, die im Wesentlichen in Umfangsrichtung des Fräsers gelegen
ist und sich jeweils in einem Schraubengang mit einem gegenüber der Mittelachse des
Fräsers angestellten Steigungswinkel erstreckt. An die Frässchneide schließt sich
jeweils eine Spanabführrille zum Abführen der beim Fräsen erzeugten Späne des zu bearbeitenden
Werkstückes an, wobei sich der an die Frässchneide anschließende Bereich der Spanabführrille
als Freifläche bezeichnet wird.
[0003] Solche Fräser werden als Schlichtfräser, Schruppfräser oder als kombinierte Schrupp-/Schlichtfräser
eingesetzt; vgl. etwa die
DE 20 2006 013 594 der Anmelderin. Die Fräsflächen liegen bei den bekannten Fräsern in Umfangsrichtung
des Fräsers auf den Schraubengängen und weisen entsprechend der Art des Fräsers glatte
Schlichtflächen oder aufgeraute und zum Beispiel mit einem Wellenschliff versehene
Schruppflächen auf. Bei kombinierten Schrupp-/Schlichtfräsern kann jeweils ein Schraubengang
mit einer Schruppfläche und ein weiterer Schraubengang mit einer glatten Schlichtfläche
versehen sein;
wobei es aber auch möglich ist, die Fräsfläche eines Schraubengangs abwechselnd mit
Schruppbereichen und Schlichtbereichen zu versehen; vgl. ebenfalls die zitierte
DE 20 2006 013 594.
[0004] Ein Problem bei derartigen Fräsern ist stets die Abführung der beim Fräsen erzeugten
Späne über die Spanabführrillen. Die abgefrästen Späne prallen nämlich auf die Freifläche
auf,
wobei hohe Belastungen auf den Fräser ausgeübt werden. Dies kann zu Vibrationen, zur
Beschädigung der Frässchneide und sogar zum Bruch des Fräsers führen. Außerdem können
die Späne häufig nicht glatt abgeführt werden, was zu sogenannten Spanklemmern, d.
h. zur Verstopfung der Spanabführrillen führen kann.
[0005] Diese Nachteile können gemäß der erwähnten
DE 20 2006 013 594 allerdings weitgehend vermieden werden, wenn durch eine entsprechende Ausgestaltung
der Fräsflächen nur relativ kurze Späne erzeugt werden.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine neue Konstruktion für einen Fräser
der in Rede stehenden Art anzugeben, mit dem kurze Späne erzeugt werden, die über
die Spanabführrillen problemlos abgeführt werden können.
[0007] Diese Aufgabe ist gemäß der Erfindung durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0008] Demgemäß ist zumindest ein Teil der Freifläche als Fräsfläche mit einer Schruppverzahnung
versehen, die sich, von der Frässchneide ausgehend, in Umfangsrichtung des Fräsers
gesehen, über zumindest einen Teil der jeweiligen Spanabführrille erstreckt. Die Fräsflächen
bei einem Fräser gemäß der Erfindung liegen somit im Gegensatz zu dem bekannten Stand
der Technik nicht in der Umfangsfläche des Fräsers, sondern im Bereich der Freiflächen,
sodass der Fräser sozusagen eine innen liegende Fräsfläche aufweist, die in der in
den Fräser eintauchenden Freifläche gelegen ist.
[0009] Der Schruppbereich weist vorzugsweise eine Schruppverzahnung von in Längsrichtung
der Schraubengänge abwechselnd angeordneten Bergen und Tälern auf: Bevorzugt ist der
Abstand zwischen benachbarten Bergen und Tälern der Schruppverzahnung geringer als
die in Umfangsrichtung des Fräsers gesehene Breite einer Spanabführrille und liegt
im Bereich zwischen einem Zehntel und der Hälfte der Breite der jeweiligen Spanabführrille,
sodass die Länge der Späne ebenfalls in diesem Bereich liegt. Da bei der Bearbeitung
eines Werkstückes im Wesentlichen die Berge dieser Schruppverzahnung wirksam sind,
fallen aufgrund dieser Dimensionierung nur sehr kurze Späne an, die problemlos über
eine Spanabführrille abzuführen sind.
[0010] Ein wesentlicher Vorteil eines Fräsers mit einem innenliegenden Fräsbereich ist,
dass ein abgefräster Span zunächst nach unten tief in die Spanabführrille, das heißt
weg von der Schneide eintaucht und dann nach oben umgelenkt wird. Durch eine solche
Ausgestaltung der Fräsfläche werden starke Belastungen des Fräsers vermieden, und
es können praktisch keine Spanklemmer auftreten.
[0011] Mit einer Anordnung der Fräsflächen im Bereich der Freiflächen eines Fräsers gemäß
der Erfindung können reine Schruppfräser oder kombinierte Schrupp-/Schlichtfräser
konstruiert werden.
[0012] Bei reinen Schruppfräsern sind alle innenliegenden Fräsflächen als Schruppflächen
mit aufgerauter Oberfläche, z. B. in Form eines Wellenschliffs, ausgebildet.
[0013] Bei kombinierten Schrupp-/Schlichtfräsern mit mehreren Schraubengängen ist es möglich,
jeweils einen Schraubengang mit einer innenliegenden Schruppfläche und den nächsten
Schraubengang mit einer innenliegenden glatten Schlichtfläche auszurüsten.
[0014] Gemäß einer bevorzugten Ausbildung der Erfindung weist jede Freifläche eines Schraubengangs
abwechselnd Schruppbereiche und Schlichtbereiche mit glatter Oberfläche auf. Bei Fräsern
mit mehreren Schraubengängen wird bevorzugt jeder Schlichtbereich einer Freifläche
in axialer Richtung des Fräsers auf einer im Wesentlichen gleichen axialen Höhe eines
Schruppbereiches einer benachbarten, im Drehsinn des Fräsers vorlaufenden Freifläche
angeordnet. Der Schlichtbereich einer Freifläche in axialer Richtung des Fräsers überdeckt
hierbei bevorzugt den Schruppbereich der in Umfangsrichtung des Fräsers vorauslaufenden
Freifläche, und zwar bevorzugt auf beiden Seiten des Schruppbereichs der benachbarten
vorauslaufenden Freifläche. Auf diese Weise können in vielen Fällen Nachbearbeitungen
des Werkstücks entfallen.
[0015] Es sind auch Konstruktionen eines Fräsers mit mehreren Schraubengängen denkbar, von
denen einige innenliegende Schrupp-/Schlichtbereiche gemäß der Erfindung aufweisen,
und weitere Schraubengänge Fräsflächen, das heißt Schruppund/oder Schlichtflächen
aufweisen, die in Umfangsrichtung des Fräsers entsprechend der erwähnten
DE 20 2006 013 594 gelegen sind.
[0016] Bei der Herstellung eines Fräsers gemäß der Erfindung wird zunächst der Spanraum,
das heißt die Spanabführrille in einer Spiralform eingeschliffen, wonach dann in den
Spanraum die vorzugsweise als Wellenschliff ausgebildete Schruppverzahnung und ggf.
eine Schlichtverzahnung eingeschliffen wird. Anschließend wird die Freifläche eingeschliffen,
die entweder radial eingeschliffen oder spitz verzahnt eingeschliffen wird, um die
Schneide zu bilden. Vorzugsweise wird hierbei die radiale Freifläche im Bereich des
Umfangs des Fräsers geringfügig abgerundet, wodurch sich eine gute Abführung der Späne
in der Spanabführrille ergibt.
[0017] Die Erfindung ist in Ausführungsbeispielen anhand der beigefügten Zeichnung näher
erläutert. In dieser stellen dar:
Figur 1 eine Seitenansicht eines Fräsers gemäß der Erfindung mit einer innenliegenden
Schruppverzahnung, die als Wellenschliff ausgebildet ist;
Figur 2 eine perspektivische Teildarstellung des Fräsers gemäß Figur 1 mit einer innenliegenden
Schruppverzahnung;
Figur 3 eine schematische Darstellung des Profiles des Wellenschliffs der Schruppverzahnung
bei einem Fräser gemäß Figur 1; und
Figur 4 eine schematische Darstellung der Profile der Schrupp-/Schlichtverzahnungen
für zwei benachbarte Schraubengänge eines Fräsers gemäß der Erfindung.
[0018] Ein Schruppfräser 1 weist einen zylindrischen Werkzeugschaft 2 auf, der mit seinem
in der Figur 1 oberen Ende in eine hier nicht gezeigte Fräsmaschine eingespannt wird.
Der sich an den glatten zylindrischen Werkzeugschaft anschließende Bereich des Schruppfräsers
1 ist als Fräsbereich 3 mit mehreren, in diesem Falle vier jeweils winkelmäßig längs
des Umfanges des Schruppfräsers versetzten Schraubengängen 4 mit glatter Oberfläche
versehen. Die Schraubengänge verlaufen in diesem Falle in einem gegen die Mittel-Längsachse
des Fräsers 1 angestellten Winkel von etwa 45°. Dieser Winkel kann jedoch etwa in
Abhängigkeit des Materials des zu bearbeitenden Werkstückes variiert werden.
[0019] An dem in dem in Figur 1 unteren Ende des Fräsers 1 sind als Abschluss der Schraubengänge
4 Schneiden 5 vorgesehen, die in Figur 1 schematisch angedeutet sind. Zwischen benachbarten
Schraubengängen 4 sind relativ tiefe Spanabführrillen 6 vorgesehen, die im Querschnitt
etwa C-förmig sind und eine von den Schraubengängen 4 ausgehende Freifläche 7 aufweisen,
in die eine innenliegende Schruppverzahnung 8 eingefräst ist. Die Schruppverzahnung
8 ist in den Spanabführrillen 6 auf der dem Einspannende des Fräsers 1 zugewandten
Freifläche 7 vorgesehen. Die Schruppverzahnung 8 kann ein regelmäßiger Wellenschliff
mit periodisch aufeinander folgenden Bergen 9 und Tälern 10 sein, wie dieses schematisch
in Figur 3 dargestellt ist. Der Abstand zwischen den Bergen 9 und den Tälern 10 ist
deutlich geringer als die in Umfangsrichtung des Fräsers gesehene Breite der Spanabführrillen.
Dieser Abstand kann zum Beispiel in Abhängigkeit des Materiales des zu bearbeitenden
Werkstückes variiert werden, natürlich ebenso die Amplitude dieses Wellenzuges.
[0020] Die Schruppverzahnung 8 erstreckt sich über eine Breite B innerhalb der Freifläche
7, die ebenfalls variiert werden kann. Die Breite B entspricht in dem darstellten
Fall etwa einem Viertel der gesamten Breite der Spanabführrille 6, kann jedoch etwa
zwischen einem Zehntel und der Hälfte der Breite der Spanabführrille 6 liegen.
[0021] Der Fräser 1 kann auch als Schrupp-/Schlichtfräser ausgebildet werden, wofür es mehrere
Möglichkeiten gibt. Eine Möglichkeit ist, jeweils die Freifläche 7 eines Schraubenganges
4 beziehungsweise einer Spanabführrille 6 mit der genannten Schruppverzahnung 8 zu
versehen, und die Freifläche des benachbarten Schraubenganges 4 glatt, das heißt als
Schlichtfläche auszubilden.
[0022] Eine weitere Möglichkeit ist es, im Verlaufe eines Schraubenganges jeweils einen
Bereich mit einer Schruppverzahnung 8 und einen sich daran anschließenden Bereich
als glatte Schlichtverzahnung 11 auszugestalten. Dieses in Figur 4 oben gezeigte und
als erste Verzahnung bezeichnete Profil wiederholt sich über die gesamte Länge einer
jeweiligen Spanabführrille 6. Die Schrupp-/Schlichtverzahnung einer benachbarten Spanabführrille,
die in Figur 4 als zweite Verzahnung bezeichnet ist, ist in Längsrichtung des Fräsers
1 gesehen so angeordnet, dass ein Schlichtbereich 11 einer nachlaufenden Spanabführrille
6 jeweils den Schruppbereich 8 einer vorauslaufenden Spanabführrille überdeckt und
vorzugsweise diesen Schruppbereich auf beiden Seiten überlappt, wie dieses in den
Profildarstellungen für zwei Schraubengänge in Figur 4 gezeigt ist. Hiermit wird durch
die Schruppverzahnung 8 des vorauslaufenden Schraubenganges 4 das zu bearbeitende
Werkstück geschruppt, wobei dann diese noch raue Oberfläche durch den Schlichtbereich
11 des nachlaufenden Schraubenganges 4 geschlichtet wird. Auf diese Weise ist in vielen
Fällen eine Nachbearbeitung des Werkstücks nicht mehr notwendig.
[0023] Es ist des Weiteren möglich, die geschilderte innen liegende Schruppverzahnung beziehungsweise
Schrupp-/Schlichtverzahnung längs eines Schraubengangs 4 mit einer herkömmlichen längs
eines weiteren Schraubengangs 4 vorgesehenen äußeren Schruppverzahnung beziehungsweise
Schrupp-/Schlichtverzahnung zu kombinieren, wie dieses aus der genannten
DE 20 2006 013 594 bekannt ist.
[0024] Die beschriebene innenliegende Schruppverzahnung beziehungsweise Schrupp-/Schlichtverzahnung
eines Fräsers gemäß der Erfindung hat den Vorteil, dass die Späne des jeweils bearbeiteten
Werkstückes sehr kurz sind, und zunächst nach unten weg von der Schneide des Fräsers
tief in die Spanabführrille abgeführt und dann nach oben in Richtung auf das Einspannende
des Fräsers umgelenkt werden. Hiermit werden Spanklemmer zuverlässig vermieden.
[0025] Es sind natürlich weitere Modifikationen und Abänderungen des beschriebenen Fräsers
möglich, die ein Fachmann ohne weiteres erkennen kann; die Erfindung wird jedoch durch
die beiliegenden Ansprüche definiert.
1. Fräser zum spanabhebenden Bearbeiten von Werkstücken, mit einem zylindrischen Werkzeugschaft,
der ein oberes Einspannende zum Einspannen des Fräsers in eine Fräsmaschine und einen
sich daran anschließenden Fräsbereich aufweist, wobei der Fräsbereich zumindest eine
Frässchneide aufweist, die in Umfangsrichtung des Fräsers gelegen ist und sich in
einem Schraubengang mit einem gegenüber der Mittelachse des Fräsers angestellten Steigungswinkel
erstreckt, wobei sich an die Frässchneide jeweils eine Spanabführrille zum Abführen
der beim Fräsen erzeugten Späne des zu bearbeitenden Werkstückes mit einer von der
Frässchneide ausgehenden Freifläche gelegen ist, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein Teil der Freifläche (7) mit einer Schruppverzahnung (8) versehen ist,
die von der Frässchneide ausgeht und sich, in Umfangsrichtung des Fräsers gesehen,
über zumindest einen Teil des Querschnittes der jeweiligen Spanabführrille (6) erstreckt.
2. Fräser nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schruppverzahnung in Längsrichtung der Schraubengänge als aufgeraute Oberfläche
der Freifläche (7) ausgebildet ist.
3. Fräser nach Anspruch 1 oder Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Schruppverzahnung (8) ein Wellenschliff ist, der abwechselnd Berge (9) und Täler
(10) aufweist.
4. Fräser nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstand zwischen benachbarten Bergen (9) und Tälern (10) der Schruppverzahnung
(8) geringer ist als die in Umfangsrichtung des Fräsers gesehene Breite einer Spanabführrille
(6).
5. Fräser nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstand zwischen benachbarten Bergen (9) und Tälern (10) der Schruppverzahnung
(8) etwa ein Zehntel bis etwa die Hälfte der Breite der jeweiligen Spanabführrille
(6) in Umfangsrichtung des Fräsers beträgt.
6. Fräser nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass nur ein Teil der Freiflächen (7) mit einer Schruppverzahnung (8) versehen ist, und
dass der verbleibende Teil der Freiflächen (7) als glatte Schlichtflächen (11) ausgeführt
ist.
7. Fräser nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die in Umfangsrichtung des Fräsers aufeinander folgenden Freiflächen (7) der Frässchneiden
abwechselnd mit einer Schruppverzahnung (8) bzw. einer Schlichtfläche (11) versehen
sind.
8. Fräser nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass jede Freifläche abwechselnd Schruppbereiche mit einer Schruppverzahnung (8) und Schlichtbereiche
mit einer glatten Schlichtfläche (11) aufweist, und dass jeder Schlichtbereich (11)
einer Freifläche in axialer Richtung des Fräsers auf einer im Wesentlichen gleichen
axialen Höhe eines Schruppbereiches (11) einer benachbarten, im Drehsinn des Fräsers
vorlaufenden Freifläche (7) liegt.
9. Fräser nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Schlichtbereich (11) einer Freifläche (7) in axialer Richtung des Fräsers den
Schruppbereich (8) der in Umfangsrichtung des Fräsers benachbarten Freifläche (7)
überdeckt.
10. Fräser nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Schlichtbereich (11) einer Freifläche in axialer Richtung des Fräsers den Schruppbereich
(8) der benachbarten Freifläche (7) auf beiden Seiten überlappt.