[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Überführen einer flexiblen Materialbahn,
insbesondere einer Papier- oder Kartonbahn, nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Zum Überführen einer Papier- oder Kartonbahn vom Ende der Trockenpartie einer Papier-
oder Kartonmaschine zu nachfolgenden Maschinenabschnitten oder Maschinensektionen,
wie z.B. Kalander oder Wickelapparate, wird am Ende der Trockenpartie ein schmaler
Streifen, der sogenannte Überführstreifen, aus der Papierbahn geschnitten und mittels
einer Überführeinrichtung in die nachfolgende Maschinensektion überführt. Sobald der
Überführstreifen vollständig durch die nachfolgende Maschine geführt, d.h. eingefädelt,
ist, wird die Breite der Papierbahn auf das gewünschte Maß, nämlich auf die Gesamtbreite,
zurückgeführt.
[0003] Aus
EP 0 767 272 B1 ist eine Überführeinrichtung bekannt, die eine Überführklappe aufweist, die schwenkbar
an einem Schaberbalken einer Maschine zur Herstellung oder Verarbeitung einer Bahn,
insbesondere Papierbahn, angebracht ist. Bei Inbetriebnahme der Maschine beziehungsweise
bei einem Bahnabriss läuft die Materialbahn über die in einer Ruheposition nach unten
verschwenkte Überführklappe in einen unterhalb der Maschine vorhandenen Auffangbereich,
den Pulper. Vor Beginn eines Überführungsvorganges wird von der Bahn der Überführstreifen
abgeschnitten und zum Überführen des Überführstreifens die Überführklappe verschwenkt.
Dadurch gelangt der vom freien Ende der Überführklappe ablaufende Überführstreifen
in den Wirkbereich einer Trennvorrichtung und wird dadurch abgeschlagen. Dabei gelangt
der Überführstreifen in den Bereich von Aufnahme- oder Leiteinrichtungen, die diesen
übernehmen und in die nachfolgende Maschine einfädeln. Zum Unterstützen der Bahnführung
können Blaseinrichtungen vorgesehen sein. Hierbei ergibt sich aber ein relativ instabiler
Lauf des Überführstreifens, was zu zeitraubenden und teuren Bahnabrissen führen kann,
da der Einfädelvorgang bei der vollen, meist sehr hohen Arbeitsgeschwindigkeit durchgeführt
wird, die beispielsweise im Bereich von etwa 1500 bis 2000 m/min liegen kann.
[0004] Zur Verbesserung der Führung des Überführstreifens ist aus
EP 0 674 045 A2 bekannt, der Überführklappe Blasdüsen zuzuordnen, um eine den Überführungsstreifen
stabilisierende Luftströmung zu bilden. Hierdurch soll ein Flattern oder ein seitlicher
Versatz des Überführstreifens verhindert werden. Die Streifenabschlag- und Überführeinrichtung
kann praktisch an beliebigen Stellen der Papier- oder Kartonmaschine eingesetzt werden,
zum Beispiel am Ende der Trockenpartie oder zwischen Glättwerk und Rollapparat. Trotz
einer definierten Vorderkante des Überführstreifens wird der abgeschlagene Überführstreifen
oftmals nicht von der Nachfolgeeinrichtung korrekt aufgenommen, so dass der Einfädelvorgang
häufig fehlschlägt.
[0005] Aus
DE 200 11 943 U1 ist eine Vorrichtung zum Überführen einer flexiblen Materialbahn, insbesondere Papier-
oder Kartonbahn, bekannt, bei der die Materialbahn mittels zweier Trennelemente in
einen sich in Bahnlaufrichtung erstreckenden Randstreifen, einen daran angrenzenden
Überführstreifen sowie die an diesen Überführstreifen angrenzende Restbahn zerteilbar
ist. Um den Randstreifen allgemein quer zur Bahnlaufrichtung seitlich vom Überführstreifen
weg abzulenken, ist eine Leitvorrichtung vorgesehen. Um den Randstreifen gleichzeitig
zu straffen, ist ferner eine Straffeinrichtung vorgesehen. Trotz eines stabilisierten
Laufes sowohl des Randstreifens als auch des Überführstreifens kommt es bei der sehr
hohen Arbeitsgeschwindigkeit zu wiederholten Fehlschlägen beim Überführen der Materialbahn.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine Vorrichtung zum Überführen einer flexiblen
Materialbahn der genannten Art zu schaffen, die eine schnelle, erfolgreiche und sichere
Überführung des Überführstreifens erlaubt.
[0007] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0008] Hierdurch wird eine Vorrichtung zum Überführen einer flexiblen Materialbahn geschaffen,
bei der sichergestellt ist, dass die restliche Papierbahn das Überführen des Überführstreifens
nicht behindert. Erfindungsgemäß wurde erkannt, dass die an den Überführstreifen angrenzende
Restbahn für einen instabilen Lauf des Überführstreifens verantwortlich ist. Eine
Restbahn, die ohne Unterstützung in den Pulper läuft, schlägt große Wellen. Wird nun
die Restbahn gespannt bzw. gestrafft, und zwar nur in einem Randbereich benachbart
zum Überführstreifen, wellt sich die Restbahn im Innenbereich unverändert, d.h. die
Papierbahn hat die Tendenz sich dort zusammenzuziehen. Dadurch dreht sich die Restbahn
aus der Straffvorrichtung heraus und bewegt sich von der Überführklappe weg. Beim
Abschlagen des Überführstreifens kann es dann zu keiner Berührung zwischen Überführstreifen
und Restbahn kommen, wodurch der Aufführprozess scheitern könnte.
[0009] Weitere Ausgestaltungen der Erfindung sind der nachfolgenden Beschreibung und den
Unteransprüchen zu entnehmen.
[0010] Die Erfindung wird nachstehend anhand des in den beigefügten Abbildungen dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Fig. 1 zeigt schematisch eine Vorrichtung zum Überführen einer flexiblen Materialbahn
von einem Trockenzylinder am Ende einer Trockenpartie zu einer nachfolgenden Maschinensektion
von der Seite gemäß der vorliegenden Erfindung,
Fig. 2 zeigt schematisch eine Vorrichtung zum Überführen einer flexiblen Materialbahn
von einem Trockenzylinder am Ende einer Trockenpartie zu einer nachfolgenden Maschinensektion
von der Seite gemäß dem Stand der Technik,
Fig. 3 zeigt schematisch die Vorrichtung zum Überführen einer flexiblen Materialbahn
gemäß Fig. 1 in einer Draufsicht,
Fig. 4 zeigt schematisch die Vorrichtung zum Überführen einer flexiblen Materialbahn
gemäß Fig. 2 in einer Draufsicht.
[0011] Die in den Figuren 1 und 3 dargestellte Vorrichtung zum Überführen einer flexiblen
Materialbahn 1 dient der Überführung, insbesondere einer Papier- oder Kartonbahn,
von einer vorangehenden Maschinensektion 2 zu einer nachfolgenden Sektion 3 einer
der Herstellung und/oder Behandlung der Materialbahn 1 dienenden Maschine, d.h. hier
einer Papier- oder Kartonmaschine. Die vorangehende Maschinensektion 2 ist beispielsweise
eine Trockenpartie, wobei ein letzter Trockenzylinder 4 in Fig. 1 dargestellt ist.
Eine nachfolgende Sektion ist beispielsweise ein hier nicht dargestellter Kalander.
Alternativ kann die Vorrichtung zum Überführen einer Materialbahn 1 an beliebigen
Stellen der Papier- oder Kartonmaschine eingesetzt werden, beispielsweise zwischen
Kalander und Rollapparat.
[0012] Die Materialbahn 1 ist mittels einer Trenneinrichtung in einen sich in Bahnlaufrichtung
L erstreckenden Überführstreifen 5 und die an diesen Überführstreifen 5 angrenzende
Restbahn 6 zerteilbar. Vorzugsweise umfasst die Trenneinrichtung zwei Trennelemente,
um in Bahnlaufrichtung L zusätzlich einen Randstreifen 7 abzuschneiden. Der Überführstreifen
5 besitzt dann beidseitig saubere Schnittkanten.
[0013] Die Überführvorrichtung weist eine Straffvorrichtung 8 auf, die die Restbahn 6 auf
einem Teilabschnitt 9 benachbart zum Überführstreifen 5 strafft. Dieser Teilabschnitt
9 erstreckt sich quer zur Bahnlaufrichtung L und strafft die Restbahn 6 an ihrem Aussenrand
benachbart zum Überführstreifen 5. Die Straffvorrichtung 8 umfasst mindestens eine
Düseneinheit 10 mit mehreren nebeneinander angeordneten Treibstrahlluftdüsen oder
Schlitzdüsen, die eine Luftleitführung bilden. Die Straffvorrichtung 8 erstreckt sich
über einen Teilbereich der Restbahn 6, der vorzugsweise das 1- bis 3-fache der Breite
des Überführstreifens 5 beträgt.
[0014] Die Straffvorrichtung 8 ist ausgerichtet zu einer Überführstreifen-Straffvorrichtung
11 für den Überführstreifen 5 an einer Überführklappe 12. Die Restbahn 6 wird dann
dort auf einem Teilstück gestrafft, wo der Überführstreifen 5 zum Überführen auf die
nachfolgende Sektion 3 abgeschlagen wird.
[0015] Wie anhand der Figuren zu erkennen ist, besitzt die Vorrichtung zum Überführen der
flexiblen Materialbahn 1 eine Leiteinrichtung 13, die hier am unteren Umfangsbereich
des letzten Trockenzylinders 4 vorgesehen ist und an der die schwenkbare Überführklappe
12 angeordnet ist. Zum Schwenken der Überführklappe 12 können die bekannten Antriebseinrichtungen
14 vorgesehen sein. Dem Trockenzylinder 4 ist dabei ferner ein Schaberbalken 15 mit
einem Schaber 16 zugeordnet, mit dem die Materialbahn 1 üblicherweise von der Oberfläche
des Trockenzylinders 4 abgeschabt wird. Die abgeschabte Materialbahn 1 wird vor dem
Überführen in den Ausschussbehälter bzw. Pulper 17 abgeführt.
[0016] Die Figuren 1 und 3 zeigen die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Überführen der flexiblen
Materialbahn 1 beim Überführen des Überführstreifens 5 im Vergleich zum Stand der
Technik, der in den Figuren 2 und 4 dargestellt ist.
[0017] Wie aus den Figuren 1 und 3 ersichtlich ist, bewirkt die Straffvorrichtung 8, dass
die Restbahn 6 benachbart zum Überführstreifen 5 nicht wie im Stand der Technik (vgl.
Fig. 2) vom Schaber 16 vom Trockenzylinder 4 abgeschabt wird und dann schlaff und
damit gewellt in den Pulper 17 abgeleitet wird, sondern gespannt vom Trockenzylinder
4 abgeführt wird, wie die Fig. 1 zeigt. Die Restbahn 6 geht in ihrem Randbereich durch
die Spannung mittels Straffvorrichtung 8 einen kurzen bzw. geradlinigen Weg in den
Pulper 17, wodurch Behinderungen des Überführstreifens 5 beim Überführen bereits verringert
werden. Zusätzlich wird mittels der Straffvorrichtung 8 erreicht, dass sich die Restbahn
6 durch die Spannung im Randbereich von dem Überführstreifen 5 wegdreht. Fig. 4 zeigt
die schlaff in den Pulper 17 laufende Restbahn 6, die dabei Wellen schlägt. Dieser
Wellenschlag der Restbahn 6 wird durch die Straffvorrichtung 8 unterbunden und die
Restbahn 6 in dem Teilbereich 9 gespannt geführt.
[0018] Wird ein Randstreifen 7 geschnitten, dann wird dieser vorzugsweise mittels einer
Randstreifen-Straffvorrichtung 18 ebenfalls gespannt. Zum Spannen der vorderen Kante
des Überführstreifens 5 beim Abschlagen kann der Überführklappe 12 eine zweite Überführstreifen-Straffvorrichtung
19 zugeordnet sein. An der Überführklappe 12 ist hier eine Schneideinrichtung 20 zum
Abschlagen des Überführstreifens 5 vorgesehen. Zum Überführen des Überführstreifens
5 nach dem Abschlagen können in bekannter Weise Leiteinrichtungen 21 und/oder Umlenkeinrichtungen
22 vorgesehen sein.
[0019] Als Trenneinrichtung zum Schneiden des Überführstreifens 5 von der Restbahn 6 und
vorzugsweise von dem Randstreifen 7 ist vorzugsweise ein berührungslos arbeitendes
Trennelement, insbesondere Hochdruckwasserstrahl- oder Laserstrahl-Trennelement, oder
ein mechanisches Schneidelement vorgesehen.
1. Vorrichtung zum Überführen einer flexiblen Materialbahn (1), insbesondere einer Papier-
oder Kartonbahn, von einer vorangehenden (2) zu einer nachfolgenden (3) Sektion einer
der Herstellung und/oder Behandlung der Materialbahn (1) dienenden Maschine, bei der
die Materialbahn (1) in einen sich in Bahnlaufrichtung (L) erstreckenden Überführstreifen
(5) und die an diesen Überführstreifen (5) angrenzende Restbahn (6) zerteilbar ist,
dadurch gekennzeichnet, dass eine Straffvorrichtung (8) vorgesehen ist, die die Restbahn (6) auf einem Teilabschnitt
(9) benachbart zum Überführstreifen (5) strafft.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Teilabschnitt (9) sich quer zur Bahnlaufrichtung (L) erstreckt.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Teilabschnitt das 1- bis 3-fache der Breite des Überführstreifens (5) in Querrichtung
zur Bahnlaufrichtung (L) beträgt.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Straffvorrichtung (8) wenigstens eine Treibstrahlluftdüse einer Düseneinheit
(10) umfasst.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Straffvorrichtung (8) ausgerichtet ist zu einer Überführstreifen-Straffvorrichtung
(11) an einer Überführklappe (12).
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Materialbahn (1) mittels einer Trenneinrichtung in einen sich in Bahnlaufrichtung
(L) erstreckenden Randstreifen (7), einen daran angrenzenden Überführstreifen (5)
sowie die an diesen Überführstreifen (5) angrenzende Restbahn (6) zerteilbar ist.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass als Trenneinrichtung ein berührungslos arbeitendes Trennelement, insbesondere Hochdruckwasserstrahl-
oder Laserstrahl-Trennelement, oder ein mechanisches Schneidelement vorgesehen ist.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass ein Randstreifen (7) mittels einer Randstreifen-Straffvorrichtung (18) spannbar ist.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der letzten Baueinheit, insbesondere Trockenzylinder (4), der vorangehenden Maschinensektion
(2) ein Schaber (16) zugeordnet ist, um die Materialbahn (1) abzuschaben.