[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Reibscheiben aus faserverstärkten
keramischen Werkstoffen mit einem mehrschichtigen Aufbau, insbesondere solche mit
einer einem festigkeitsoptimierten Tragkörper und mindestens einer bezüglich ihrer
tribologischen Eigenschaften optimierten Reibschicht.
[0002] Verfahren zur Herstellung von mehrschichtigen Reibscheiben sind bekannt aus dem Stand
der Technik. So ist in der Patentanmeldung
DE 44 38 456 A1 ein Verfahren beschrieben, bei dem mindestens ein Reibkörper gebildet aus einem mit
Fasern aus Kohlenstoff verstärkten porösen Kohlenstoff-Körper, dessen Poren zumindest
teilweise mit Silicium und Siliciumcarbid gefüllt sind, verbunden wird mit einem Tragkörper,
der in kostengünstiger Weise aus porösem Kohlenstoff oder zumindest teilweise aus
Kohlenstoff-Fasern hergestellt werden kann. Tragkörper und Reibkörper werden getrennt
voneinander mit flüssigem Silicium infiltriert, wobei dieses in die Poren eindiffundiert
und zumindest mit einem Teil des Kohlenstoff zumindest teilweise zu Siliciumcarbid
reagiert. Beide Teile werden dann aufeinandergelegt, gegebenenfalls mit einer Zwischenlage
aus einem porösen pyrolysierbaren Material auf Cellulosebasis, und der Spalt wird
mit flüssigem Silicium gefüllt, wobei sich eine Verbindungsschicht bildet, die im
wesentlichen aus Silicium besteht. Ein weiterer hier beschriebener Weg ist, Tragkörper
und Reibkörper in dem sogenannten CFC-Zustand zu belassen, also in der Form von mit
Fasern aus Kohlenstoff verstärktem porösen Kohlenstoff, und diese dann aufeinandergelegt
mit flüssigem Silicium zu infiltrieren, wobei sich die gewünschte Verbindungsschicht
an der Berührungsfläche der Körper ausbildet.
[0003] Aus der Patentanmeldung
DE 100 60 566 A1 ist ein Verfahren bekannt, bei dem zunächst mit Fasern aus Kohlenstoff verstärkte
sogenannte Grünlinge hergestellt werden, nämlich Teile, die durch den Pyrolyseschritt
erst zu porösen, mit Fasern aus Kohlenstoff verstärkten Kohlenstoff-Körpern umgewandelt
werden; dieser Zustand wird gemeinhin als "CFK-Zustand" bezeichnet (mit Fasern aus
Kohlenstoff verstärkter Kunststoff oder mit Fasern aus Kohlenstoff verstärktes gehärtetes
Kunstharz). Diese Grünlinge für die Reibschicht und für den Tragkörper werden gemäß
der ersten Alternative miteinander verklebt, und dann gemeinsam pyrolysiert und anschließend
mit Silicium infiltriert ("siliciert").
[0004] In einer zweiten Alternative, die auch Gegenstand der Teilanmeldung
DE 100 66 044 A1 ist, werden lediglich Grünlinge für die Reibschicht hergestellt, von denen einer
in eine Form für den gewünschten Reibkörper eingelegt wird, die Form anschließend
mit einem Material für den Tragkörper (Fasern aus Kohlenstoff und ein Bindemittel)
befüllt wird, und darauf ein Grünling für die zweite Reibschicht aufgelegt und der
Inhalt der befüllten Form dann gemeinsam durch Pressen verdichtet wird.
[0005] In einer dritten Alternative schließlich wird eine Form zunächst mit einem Material
für eine Reibschicht (Fasern aus Kohlenstoff und ein Bindemittel), dann mit einem
Material für den Tragkörper wie oben, und abschließend wiederum mit einem Material
für die zweite Reibschicht befüllt, der Inhalt wird danach gemeinsam gepresst.
[0006] In diesen beiden Alternativen wird ebenfalls anschließend an das Pressen pyrolysiert
und mit Silicium infiltriert. Gemeinsames Merkmal ist hier, dass die für die Reibschicht
eingesetzten Fasern kürzer als die in dem Tragkörper sind.
[0007] Das in der Patentanmeldung
DE 100 60 566 genannte Problem, dass sowohl bei einer Ausführung der Reibschicht mit längeren Fasern
(mit einer Länge wie die im Tragkörper) als auch bei einer Ausführung der Reibschicht
ganz ohne Fasern stets großflächige Ausbrüche in der Reibschicht auftreten, soll durch
die beschriebenen Maßnahmen gelöst werden.
[0008] Bei den Untersuchungen, die der vorliegenden Erfindung zugrundelagen, wurde jedoch
gefunden, dass die üblichen faserhaltigen Reibschichten mit einem Massenanteil von
Fasern oder Faserbündeln von bis zu 70 % bei Beanspruchung durch Bremsvorgänge Fehlstellen
durch Ausbrennungen in den Bereichen bilden, in denen Fasern oder Faserbündel nahe
der Oberfläche der Reibschichten anzutreffen sind. Diese Fehlstellen und Unebenheiten
der Oberfläche der Reibschichten führen zu einem erhöhten Verschleiss der Bremsbeläge,
der nicht akzeptabel ist. Wird hingegen der Massenanteil an Fasern oder Faserbündeln
vermindert, so ergibt sich in der durch Pyrolyse carbonisierten Reibschicht ein von
großen Rissen durchzogenes Entspannungsgefüge, das zumindest vom Aussehen nicht akzeptiert
wird.
[0009] Es besteht daher die Aufgabe, einen Reibkörper in Form eines Zylinderrings mit einer
Reibschicht zu schaffen, die bei optimalen tribologischen Eigenschaften keine Ausbrennungen
der Fasern bei Betrieb erleidet und die allenfalls feine Rissmuster aufweist.
[0010] Diese Aufgabe wurde gelöst durch eine Reibschicht, zu deren Herstellung ein Siliciumcarbid-Schlicker,
der zusätzlich Phenolharze in einem Lösungsmittel gelöst und einen Massenanteil von
0,1 % bis 10 % von Fasern oder Faserbündeln aus Kohlenstoff enthält, verwendet wird.
Die aus diesem Schlicker hergestellte Reibschicht wird erfindungsgemäß auf einen Tragkörper
in Form eines Zylinderrings im CFK-Zustand aufgetragen, gegebenfalls gehärtet und
gemeinsam mit diesem anschließend carbonisiert und siliciert.
[0011] In einer ersten Ausführungsform wird dieser Schlicker durch Sprühen, Aufrakeln, Aufgießen,
Aufstreichen oder Aufwalzen auf einen Grünling im CFK-Zustand für einen Tragkörper
aufgebracht wird. Nach dem Trocknen bei 20 °C bis 60 °C ergibt sich eine festanhaftende
flache Schicht, diese wird durch Erwärmen auf eine Temperatur von 120 °C bis 280 °C,
je nach dem verwendeten Phenolharz, gehärtet.
[0012] Der Siliciumcarbid-Schlicker enthält einen Massenanteil von bevorzugt 50 % bis 70
%, besonders bevorzugt 55 % bis 65 %, an Siliciumcarbid-Pulver (bevorzugt in der alpha-Modifikation),
bevorzugt mit einem mittleren Teilchendurchmesser von 50 µm bis 120 µm, besonders
bevorzugt von 80 µm bis 100 µm, und einer Breite der Verteilung, bestimmt als Quotient
des Massenmittels und des Zahlenmittels des Teilchendurchmessers, von bevorzugt 1,5
bis 3,0, besonders bevorzugt von 1,8 bis 2,5.
[0013] Der Massenanteil an Phenolharz in dem Schlicker beträgt bevorzugt von 20 % bis 45
%, besonders bevorzugt 25 % bis 40 %. Dabei werden Phenolresolharze mit folgenden
Parametern bevorzugt: Festkörper-Massenanteil von 60 % bis 80 %, Viskosität nach Höppler,
gemessen bei 20 °C nach DIN 53015 der ISO 0371 von 500 mPa·s bis 1000 mPa·s und ein
pH-Wert von ca. 7.
[0014] Der Massenanteil von Fasern oder Faserbündeln in dem Schlicker beträgt bevorzugt
0,1 % bis 10 %, besonders bevorzugt 0,2 % bis 5 %, und insbesondere 0,3 % bis 1 %.
Die Fasern liegen bevorzugt in Form von flachen Bündeln aus parallelen oder im wesentlichen
parallelen Einzelfasern vor, mit einer Länge gemessen in Faserrichtung von bevorzugt
1 mm bis 10 mm, besonders bevorzugt von 2 mm bis 6 mm, einer Breite gemessen senkrecht
zur Faserrichtung von bevorzugt 0,1 mm bis 1 mm, besonders bevorzugt von 0,2 mm bis
0,5 mm, und einer Höhe (Dicke, gemessen senkrecht zur Faserrichtung und senkrecht
zur Breite) von bevorzugt 20 µm bis 600 µm, besonders bevorzugt von 100 µm bis 450
µm, wobei die Höhe stets geringer ist als die Breite der flachen Bündel.
[0015] Die oben angegebenen Massenanteile für Siliciumcarbid, Phenolharz und Fasern bedeuten
den Quotienten der Masse des betreffenden Stoffes und der Summe der Massen aller in
dem Schlicker enthaltenden Feststoffe.
[0016] Der Schlicker wird bevorzugt hergestellt, indem SiC-Pulver bei Raumtemperatur (20
°C) in einer alkoholischen Lösung (bevorzugt C1- bis C4-Alkohole oder deren Mischungen
oder deren Mischungen mit Wasser, Massenanteil des Phenolharzes in der Lösung bevorzugt
55 % bis 85 %, besonders bevorzugt 60 % bis 80 %) eines Phenolharzes aufgeschlämmt
wird, gegebenenfalls die Carbonfasem hinzugegeben werden, und die Mischung durch Rühren
bei Raumtemperatur (20 °C) homogenisiert wird.
[0017] In einer zweiten Ausführungsform können auch Vorkörper für die Reibschicht hergestellt
werden, indem aus dem Schlicker eine Folie gegossen wird, aus der nach dem Trocknen
zu einem lederartigen flachen Gebilde Ringscheiben gestanzt werden, und diese durch
Erwärmen auf eine Temperatur von 120 °C bis 280 °C je nach dem verwendeten Phenolharz,
zu einer Ringscheibe im CFK-Zustand gehärtet werden. Die Stanzabfälle können in üblicher
Weise wieder durch Zerkleinern und Dispergieren in Wasser aufbereitet und zum Gießen
weiterer Folien verwendet werden.
[0018] In einer dritten Ausführungsform kann der Schlicker zu einem Vorkörper in Ringscheibenform
nach dem aus der Keramik-Technologie bekannten Schlickergussverfahren verarbeitet
werden. Dazu wird eine Form aus einem porösen, Wasser aufsaugenden Material wie Gips
bereitgestellt, in die der Schlicker gefüllt wird. Nach der Abgabe der Dispergiermittel
in die Form kann dieser ein trockener Vorkörper entnommen werden, der wie oben bei
einer Temperatur von 120 °C bis 280 °C, je nach dem verwendeten Phenolharz, zu einer
Ringscheibe im CFK-Zustand gehärtet werden kann.
[0019] In einer vierten Ausführungsform wird der vorentwässerte eingedickte Schlicker durch
Erwärmen plastifiziert und mittels der üblichen Spritzguss-Technik zu einer Ringscheibe
spritzgegossen, die in der Form oder in einem separaten Schritt durch Erwärmen auf
eine Temperatur von 120 °C bis 280 °C, je nach dem verwendeten Phenolharz, zu einer
Ringscheibe im CFK-Zustand gehärtet werden kann.
[0020] Diese gemäß den weiteren Ausführungsformen aus dem Schlicker separat hergestellten,
später die Reibschicht bildenden Ringscheiben werden im CFK-Zustand auf den ebenfalls
im CFK-Zustand vorliegenden Tragkörper aufgeklebt, wobei als Kleber bevorzugt ein
in Wasser gelöstes Phenolresolharz eingesetzt wird, dem bevorzugt ein feinkörniges
Siliciumcarbid-Pulver mit einem Teilchendurchmesser von bevorzugt 20 µm bis 80 µm
in einem Massenanteil von bevorzugt 5 % bis 20 % zugesetzt wird.
[0021] Zur Herstellung von Reibscheiben werden die so erhaltenen CFK-Körper umfassend jeweils
einen Trag- und zwei Reibkörper auf beiden Seiten der den Tragkörper bildenden Ringscheibe
zuerst durch Erwärmen unter Ausschluss von oxydierenden Agenzien bei Temperaturen
von ca. 750 °C bis 1300 °C, bevorzugt 900 °C bis 1200 °C, carbonisiert, und schließlich
mit flüssigem Silicium bei einer Temperatur von bevorzugt ca. 1500 °C bis ca. 1850
°C unter vermindertem Druck (0,01 hPa bis 5 hPa) infiltriert, wobei zumindest ein
Teil des bei der Carbonisierung gebildeten Kohlenstoffs mit zumindest einem Teil des
eingebrachten Siliciums zu Siliciumcarbid reagiert.
[0022] Überraschenderweise ergibt sich durch die Kombination von aus dem beschriebenen Schlicker
hergestellten Reibschicht-Vorläufern mit Tragkörper-Grünlingen im CFK-Zustand und
den anschließend durchlaufenen oben beschriebenen Schritten nach der Silicierung eine
Reibscheibe mit nur feinem Rissmuster und mit einer verbesserten Beständigkeit gegen
Ausbrennen der Fasern. Ebenso hervorzuheben ist die erheblich verbesserte Thermoschockbeständigkeit,
bestimmt durch visuelle Benotung der Oberfläche nach 10 Aufheiz- und Abkühlzyklen
(Ofen, 800 °C; wässrige Salzlösung mit Kochsalz bzw. Salzmischungen bei 0 °C (KCl,
5 %, NaCl, 5 % und CaCl
2, 5 %, jeweils Massenanteile in der Lösung).
[0023] Die Erfindung wird durch die nachfolgenden Beispiele erläutert.
Beispiel 1
[0024] Eine homogene Suspension wurde hergestellt aus 500 g Siliciumcarbid mit einer mittleren
Teilchengröße von 60 µm, 300 g eines flüssigen Phenolresolharzes (®Norsophen 1203,
Hexion Specialty Chemicals), 100 g Äthanol, 3 g Kohlenstoff-Faserbündeln mit einer
Länge von 1 mm bis 5 mm und einer Breite von 0,1 mm bis 0,3 mm bei einer Dicke von
ca. 0,1mm, durch Verrühren mit einem Blattrührer bei Raumtemperatur (20 °C). Die Suspension
wurde mit einer Rakel auf einen Grünling für einen Tragkörper einer Bremsscheibe im
CFK-Zustand in Form eines Zylinderrings (Außendurchmesser 425 mm, Innendurchmesser
164 mm) aufgetragen, wobei die aufgetragene Menge so gewählt wurde, dass sich nach
dem Schritt des Carbonisierens eine Dicke von ca. 3 mm ergab. Die einseitig beschichtete
Scheibe wurde zunächst bei 60 °C unter einem Luftstrom getrocknet, anschließend wurde
nach dem Abkühlen die andere Deckfläche der Zylinderringscheibe in gleicher Weise
beschichtet und getrocknet. Die nun beidseitig beschichtete Zylinderring-Scheibe wurde
bei 180 °C ca. eine Stunde in einem Ofen belassen, um die phenolharzgebundene Schicht
auszuhärten.
[0025] Die Scheibe wurde anschließend in einem Ofen unter Schutzgas (Stickstoff) mit einer
Heizrate von 1 K/min auf 900 °C erhitzt, und bei dieser Temperatur eine Stunde belassen.
Nach Abkühlen ergab sich eine fest anhaftende, durch den beim Carbonisieren aus dem
Phenolharz gebildeten Kohlenstoff gebundene Siliciumcarbid-Schicht auf dem aus dem
Tragkörper-CFK-Grünling durch das Carbonisieren gebildeten CFC-Körper.
[0026] Die Scheibe wurde auf die gewünschten Maße abgeschliffen, und dann bei 1700 °C unter
vermindertem Druck von ca.10 Pa mit flüssigem Silicium infiltriert. Dabei bildet sich
aus einem Großteil des durch das Carbonisieren entstandenen Kohlenstoffs durch Reaktion
mit dem Silicium Siliciumcarbid. Nach dem Abkühlen wurde die erhaltene Scheibe auf
das Endmaß geschliffen. Die Oberfläche der Reibschicht zeigte ein fein verästeltes
Rissmuster ohne Ausbrüche und Inhomogenitäten.
Beispiel 2
[0027] Ein Schlicker wurde gemäß Beispiel 1 hergestellt und mehrfach jeweils in einem Vorratsbehälter
unter vermindertem Druck aufgerührt, und anschließend von oben ohne Rühren belüftet,
bis die Mischung blasenfrei war.
[0028] Dieser entlüftete Schlicker wurde aus einem Gießtrichter mit Schlitz auf eine Kunststoff-Folie
mit einer Bandgeschwindigkeit von 7 m/h aufgetragen, wobei die Schichthöhe auf 3,5
mm eingestellt wurde. Die Folie wurde in einem Durchlaufofen bei 30 °C vorgetrocknet
und anschließend bei bis zu 80 °C von Lösungsmittel und Wasser weitgehend befreit.
Man erhielt eine lederartige Folie, aus der Zylinderringscheiben gestanzt wurden.
Der Stanzabfall wurde zerkleinert und in den Mischer zur Schlickerherstellung zurückgeführt.
Die ausgestanzten Folienscheiben wurden auf Lochblechen in einem Ofen fertiggetrocknet
und bei 180 °C zu CFK-Scheiben gehärtet.
[0029] Die so hergestellten CFK-Scheiben wurden mit Hilfe eines Klebers (Massenanteil von
80 % eines wässrigen Phenolresolharzes "®Norsophen 1203" der Fa. Hexion Specialty
Chemicals und 20 % Carbonfasem mit einem Durchmesser von 6 µm bis 12 µm und einer
Länge von 0,5 mm bis 1 mm) auf einen Grünling für den Tragkörper einer Bremsscheibe
im CFK-Zustand (Maße wie im Beispiel 1) aufgeklebt. Dabei wurde der Kleber in einer
Schichtdicke von ca. 0,5 mm auf beide Deckflächen des Tragkörper-Grünlings aufgebracht,
und die gehärteten Folienscheiben wurden aufgelegt. Der Verbund wurde anschließend
in einer Warmfließpresse gehärtet (160 °C, 2,2 MPa, 30 Minuten).
[0030] Nach der Entnahme aus der Presse wurde der Verbundkörper abgeschliffen, anschließend
in einem Ofen unter Schutzgas (Stickstoff) mit einer Heizrate von 1 K/min auf 900
°C erhitzt, und bei dieser Temperatur eine Stunde belassen. Nach Abkühlen wurde die
Verbundscheibe wurde auf die gewünschten Maße abgeschliffen, und dann bei 1700 °C
unter vermindertem Druck von ca.10 Pa mit flüssigem Silicium infiltriert. Dabei bildet
sich aus einem Großteil des durch das Carbonisieren entstandenen Kohlenstoffs durch
Reaktion mit dem Silicium Siliciumcarbid. Nach dem Abkühlen wurde die erhaltene zylinderringförmige
Scheibe auf das Endmaß geschliffen. Die Oberfläche der Reibschicht zeigte ein fein
verästeltes Rissmuster ohne Ausbrüche und Inhomogenitäten.
Beispiel 3
[0031] Ein Schlicker gemäß Beispiel 1 wurde durch Zugabe von 200 g entionisiertem Wasser
verdünnt und homogenisiert, und in eine Gipsform in Form eines Zylinderrings mit einem
Innendurchmesser von 164 mm, einem Außendurchmesser von 425 mm und einer Höhe von
4 mm eingegossen. Nachdem das Lösungsmittel und das Wasser zum größten Teil von dem
Gipskörper aufgesogen worden waren, wurde die trockene Scheibe entnommen und auf einem
Lochblech in einem Ofen zunächst bei 90 °C in einem Stickstoffstrom fertiggetrocknet
und anschließend bei 180 °C zum CFK-Zustand gehärtet.
[0032] Zwei solcher Reibschicht-Vorkörper wurden wie im Beispiel 2 auf einen Tragkörper
für eine Reibscheibe ebenfalls im CFK-Zustand aufgeklebt und verpresst.
[0033] Nach der Entnahme aus der Presse wurde der Verbundkörper abgeschliffen, anschließend
in einem Ofen unter Schutzgas (Stickstoff) mit einer Heizrate von 1 K/min auf 900
°C erhitzt, und bei dieser Temperatur eine Stunde belassen. Nach Abkühlen wurde die
Verbundscheibe wurde auf die gewünschten Maße abgeschliffen, und dann bei 1700 °C
unter vermindertem Druck von ca. 10 Pa mit flüssigem Silicium infiltriert. Dabei bildet
sich aus einem Großteil des durch das Carbonisieren entstandenen Kohlenstoffs durch
Reaktion mit dem Silicium Siliciumcarbid. Nach dem Abkühlen wurde die erhaltene zylinderringförmige
Scheibe auf das Endmaß geschliffen. Die Oberfläche der Reibschicht zeigte ein fein
verästeltes Rissmuster ohne Ausbrüche und Inhomogenitäten.
Beispiel 4
[0034] Ein Schlicker wurde wie im Beispiel 1 hergestellt und durch Abziehen des Lösungsmittels
bei 60 °C unter vermindertem Druck in einem Rotationsverdampfer zur Trockene eingedickt.
Die zurückgebliebene Masse wurde zerkleinert und in einer Spritzgussmaschine aufgeschmolzen
und zu Zylinderringen mit einer Dicke von 2,5 mm, einem Außendurchmensser von 425
mm und einem Innendurchmesser von 164 mm geformt. Die Gusskörper wurden in der Form
auf 180 °C erwärmt und gehärtet, so dass sie sich ohne Verformung entformen ließen.
[0035] Zwei solcher Reibschicht-Vorkörper wurden wie im Beispiel 2 auf einen Tragkörper
für eine Reibscheibe ebenfalls im CFK-Zustand aufgeklebt und verpresst.
[0036] Nach der Entnahme aus der Presse wurde der Verbundkörper abgeschliffen, anschließend
in einem Ofen unter Schutzgas (Stickstoff) mit einer Heizrate von 1 K/min auf 900
°C erhitzt, und bei dieser Temperatur eine Stunde belassen. Nach Abkühlen wurde die
Verbundscheibe wurde auf die gewünschten Maße abgeschliffen, und dann bei 1700 °C
unter vermindertem Druck von 10 Pa mit flüssigem Silicium infiltriert. Dabei bildet
sich aus einem Großteil des durch das Carbonisieren entstandenen Kohlenstoffs durch
Reaktion mit dem Silicium Siliciumcarbid. Nach dem Abkühlen wurde die erhaltene zylinderringförmige
Scheibe auf das Endmaß geschliffen. Die Oberfläche der Reibschicht zeigte ein fein
verästeltes Rissmuster ohne Ausbrüche und Inhomogenitäten.
Beispiele 5 bis 8 (Vergleich)
[0037] Die Beispiele 1 bis 4 wurden wiederholt, jedoch ohne Zugabe von Carbonfasern in den
Schlicker. Die Verarbeitungsschritte waren dieselben. Es wurde auch in diesen Fällen
der faserhaltige Kleber eingesetzt. Nach dem Silicieren und Abschleifen der Oberfläche
wie in den Beispielen 1 bis 4 ergab sich ein grobes Rissmuster an der zugänglichen
Oberfläche, wobei auch mit dem unbewaffneten Auge tiefe Risse feststellbar waren.
Beispiel 9 (Vergleich)
[0038] Es wurden Folienscheiben gemäß Beispiel 2 hergestellt und gehärtet. Die gehärteten
Folienscheiben wurden anschließend auf einem Lochblech in einem Ofen unter Schutzgas
(Stickstoff) mit einer Heizrate von 1 K/min auf 900 °C erhitzt, und bei dieser Temperatur
eine Stunde belassen. Nach Abkühlen wurden die Folienscheiben oberflächlich angeschliffen
und auf einen ebenfalls (unter denselben Bedingungen) zum CFC-Zustand carbonisierten
Tragkörper mittels eines Klebers (Massenanteil von 80 % eines wässrigen Phenolresolharzes
"®Norsophen 1203" der Fa. Hexion Specialty Chemicals und 20 % Carbonfasern mit einem
Durchmesser von 6 µm bis 12 µm und einer Länge von 0,5 mm bis 1 mm) aufgeklebt. Dabei
wurde der Kleber in einer Schichtdicke von ca. 0,5 mm auf beide Deckflächen des carbonisierten
Tragkörper-Grünlings aufgebracht, und die carbonisierten Folienscheiben wurden aufgelegt.
Der Verbund wurde anschließend in einer Warmfließpresse gehärtet (160 °C, 2,2 MPa,
30 Minuten).
[0039] Nach Abkühlen wurde der Verbund auf die gewünschten Maße abgeschliffen, und dann
bei 1700 °C unter vermindertem Druck von ca. 10 Pa mit flüssigem Silicium infiltriert.
[0040] Dabei bildet sich aus einem Großteil des durch das Carbonisieren entstandenen Kohlenstoffs
durch Reaktion mit dem Silicium Siliciumcarbid. Nach dem Abkühlen wurde die erhaltene
zylinderringförmige Scheibe auf das Endmaß geschliffen. Die Oberfläche der Reibschicht
zeigte ein grobes Rissmuster mit Ausbrüchen.
[0041] Die nachfolgende Tabelle fasst die visuelle Beurteilung der Oberfläche der Reibschicht
und die Beständigkeit im Thermoschocktest nach jeweils 10 Zyklen zusammen. Dabei ist
"1" der beste und "6" der schlechteste Wert, dies entspricht bei der Oberflächenbeurteilung
einer Spanne von : "nur feine Risse, keine oberflächlichen Kerben, keine Ausbrüche"
bis "viele grobe Risse und Ausbrüche mit einer Tiefe von mehr als 0,5 mm", und bei
der Thermoschockbeständigkeit einer Spanne von "keine sichtbare Oberflächenschädigung"
bis "viele Ausbrüche und Abplatzungen, über 30 % der Oberfläche sind beschädigt".
Tabelle 1: Ergebnisse der Beurteilung der Beispiele
| Beispiel |
Oberfläche der Reibschicht |
Thermoschock-Verhalten |
| 1 |
2 |
2 |
| 2 |
2 |
2 |
| 3 |
1 |
1 |
| 4 |
2 |
2 |
| 5 |
5 |
5 |
| 6 |
6 |
5 |
| 7 |
5 |
6 |
| 8 |
5 |
5 |
| 9 |
4 |
5 |
[0042] Wie aus der Beurteilung der Beispiele zu ersehen ist, ist ein Fasergehalt im angegebenen
Bereich günstig sowohl für die Freiheit von Rissen in der Reibschicht, als auch für
das Thermoschockverhalten. Erhöht man den Fasergehalt im Feststoff des Schlickers
zur Herstellung der Reibschicht auf Massenanteile von über 10 %, so wird in zunehmendem
Maße beobachtet, dass sich Ausbrennungen in der Reibschicht bilden; die Auswirkung
des höheren Fasergehalts wird vor allem bei der Beurteilung des ThermoschockVerhaltens
deutlich, wo bei über 10 % Massenanteil an Carbonfasem in der Reibschicht schon vor
5 Zyklen über 30 % der Reibfläche durch Ausbrüche und Abplatzungen beschädigt sind.
Bei einem Massenanteil von über 5 % bis zu 10 % an Fasern im Schlicker werden 10 Zyklen
noch überstanden, ohne dass die Reibschicht sich flächig ablöst, wobei jedoch in zunehmendem
Maß mit der Erhöhung des Faser-Massenanteils Abplatzungen der Reibschicht zu beobachten
sind. Als besonders günstig haben sich in den Versuchen im Thermoschocktest Massenanteile
der Carbonfasem im Feststoff des Schlickers für die Reibschicht von 0,1 % bis 3,0
%, insbesondere 0,2 % bis 2 %, und speziell 0,3 % bis 1 % erwiesen. Die Rissstruktur
der Oberfläche ist im gesamten beanspruchten Bereich von 0,1 % bis 10 % fein verästelt,
erst bei Werten unterhalb und oberhalb dieser Grenzen ergibt sich eine grobe Rissstruktur
mit tiefen Rissen.
1. Verfahren zur Herstellung von Reibscheiben umfassend einen Tragkörper und mindestens
eine Reibschicht, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine Reibschicht hergestellt wird aus einem Siliciumcarbid-Schlicker,
der zusätzlich Phenolharze in einem Lösungsmittel gelöst und einen Massenanteil im
Feststoff des Schlickers von 0,1 % bis 10 % von Fasern oder Faserbündeln aus Kohlenstoff
enthält, wobei die aus diesem Schlicker hergestellte Reibschicht auf einen Tragkörper
in Form eines Zylinderrings im CFK-Zustand aufgetragen, gegebenfalls gehärtet und
gemeinsam mit diesem anschließend carbonisiert und siliciert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Siliciumcarbid-Schlicker einen Massenanteil von 50 % bis 70 % an Siliciumcarbid-Pulver,
einen Massenanteil an Phenolharz von 20 % bis 45 %, und einen Massenanteil von Fasern
oder Faserbündeln von 0,1 % bis 10 % enthält, wobei die Massenanteile jeweils auf
die Masse des Feststoffs in dem Schlicker bezogen sind.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern in Form von flachen Bündeln aus parallelen oder im wesentlichen parallelen
Einzelfasern vorliegen, mit einer Länge gemessen in Faserrichtung von 1 mm bis 10
mm, einer Breite gemessen senkrecht zur Faserrichtung von 0,1 mm bis 1 mm, und einer
Höhe, gemessen senkrecht zur Faserrichtung und senkrecht zur Breite, von 20 µm bis
600 µm, wobei die Höhe stets geringer ist als die Breite der flachen Bündel.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Schlicker hergestellt wird, indem SiC-Pulver bei Raumtemperatur in einer alkoholischen
Lösung eines Phenolharzes mit einem Massenanteil des Phenolharzes in der Lösung von
55 % bis 85 % aufgeschlämmt wird, die Carbonfasern hinzugegeben werden, und die Mischung
durch Rühren bei Raumtemperatur homogenisiert wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Schlicker durch Sprühen, Aufrakeln, Aufgießen, Aufstreichen oder Aufwalzen auf
einen Grünling für einen Tragkörper im CFK-Zustand aufgebracht wird und nach dem Trocknen
bei 20 °C bis 60 °C die sich ergebende festanhaftende flache Schicht durch Erwärmen
auf eine Temperatur von 120 °C bis 280 °C gehärtet wird.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass Vorkörper für die Reibschicht hergestellt werden, indem aus dem Schlicker eine Folie
gegossen wird, aus der nach dem Trocknen zu einem lederartigen flachen Gebilde Ringscheiben
gestanzt werden, und diese durch Erwärmen auf eine Temperatur von 120 °C bis 280 °C
zu einer Ringscheibe im CFK-Zustand gehärtet werden.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Schlicker zu einem Vorkörper in Ringscheibenform nach dem Schlickergussverfahren
verarbeitet wird, wobei eine Form aus einem porösen, Wasser aufsaugenden Material
bereitgestellt wird, in die der Schlicker gefüllt wird, und wobei nach der Abgabe
der Dispergiermittel in die Form aus dieser ein trockener Vorkörper entnommen wird,
der bei einer Temperatur von 120 °C bis 280 °C zu einer Ringscheibe im CFK-Zustand
gehärtet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der vorentwässerte eingedickte Schlicker durch Erwärmen plastifiziert und zu einer
Ringscheibe spritzgegossen wird, die in der Form oder in einem separaten Schritt durch
Erwärmen auf eine Temperatur von 120 °C bis 280 °C zu einer Ringscheibe im CFK-Zustand
gehärtet wird.
9. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die die Reibschicht bildenden Ringscheiben im CFK-Zustand auf den ebenfalls im CFK-Zustand
vorliegenden Tragkörper aufgeklebt werden, wobei als Kleber ein in Wasser gelöstes
Phenolresolharz eingesetzt wird, dem ein feinkörniges Siliciumcarbid-Pulver mit einem
Teilchendurchmesser von 20 µm bis 80 µm in einem Massenanteil von 5 % bis 20 % zugesetzt
wird.
10. Verfahren zur Herstellung von Reibscheiben, bei dem die gemäß einem oder mehreren
der Ansprüche 1 bis 9 erhaltenen CFK-Körper umfassend jeweils einen Trag- und zwei
Reibkörper auf beiden Seiten der den Tragkörper bildenden Ringscheibe zuerst durch
Erwärmen unter Ausschluss von oxydierenden Agenzien bei Temperaturen von ca. 750 °C
bis 1300 °C carbonisiert, und schließlich mit flüssigem Silicium bei einer Temperatur
von bevorzugt ca. 1500 °C bis ca. 1850 °C unter vermindertem Druck infiltriert werden,
wobei zumindest ein Teil des bei der Carbonisierung gebildeten Kohlenstoffs mit zumindest
einem Teil des eingebrachten Siliciums zu Siliciumcarbid reagiert.
11. Verwendung von Reibscheiben hergestellt gemäß einem der mehreren der Ansprüche 1 bis
10 als Brems- oder Kupplungsscheiben.