[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zum Schutz von Fahrzeugen, insbesondere militärischen
Fahrzeugen, im Nahbereich mittels nicht-letaler Wirkmittel. Schutzsysteme mit nicht-letalen
Wirkmitteln sind an sich bekannt. Es handelt sich um Sprüh- und/oder Drucksysteme
mit Wirkmitteln wie beispielsweise OC, CN, CS, Farbmittel usw.
Die bekannten Systeme werden mit tragbaren, leicht aufgebauten und einfach zu handhabenden
Geräten verwirklicht und dienen für Einzelpersonen oder Gruppen von Personen zur Abwehr
von Angriffen und zur Unterstützung von Maßnahmen der Deeskalation im Nahbereich.
[0002] Es ist weiterhin bekannt, auf Fahrzeugen Vorrichtungen zur Abgabe nicht-letaler Wirkmittel
anzuordnen, beispielsweise in der Form von Wasserwerfern. Diese Vorrichtungen sind
aber erst auf eine größere Entfernung wirksam und im Nahbereich nicht einsetzbar.
[0003] Bei modernen, auch militärischen Einsätzen können Situationen auftreten, in denen
die Besatzung eines Fahrzeugs sich im Nahbereich, beispielsweise innerhalb einer Menschenmenge,
mit nicht-letalen Wirkmitteln zur Wehr setzen muss, beispielsweise wenn das Fahrzeug
am Weiterfahren gehindert wird oder Personen das Fahrzeug verlassen wollen. Dies ist
mit den bisher bekannten, auf Fahrzeugen installierten Vorrichtungen nicht möglich
und auch die Anwendung von Handgeräten ist aus dem Fahrzeug heraus mit Schwierigkeiten
und Unsicherheiten verbunden.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine eingangs erwähnte Einrichtung zu schaffen,
mit der es möglich ist, aus dem Fahrzeug heraus die Besatzung mittels nicht-letaler
Wirkmittel zu schützen.
[0005] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß mit den Merkmalen aus dem kennzeichnenden
Teil des Patentanspruchs 1. Es sind zahlreiche vorteilhafte Weiterbildungen der erfindungsgemäßen
Einrichtung in unterschiedlichen Ausführungsformen möglich. Diese sind Gegenstand
der abhängigen Ansprüche.
[0006] Ein Grundgedanke der Erfindung besteht darin, eine Einrichtung zu schaffen, die aus
einfachen, zum Teil bekannten Einzelbestandteilen zusammensetzbar und auf oder am
Fahrzeug installierbar ist und aus dem Fahrzeuginneren heraus bedient werden kann.
Durch den speziellen Aufbau ist das erfindungsgemäße System klein, leicht und problemlos
mit wenigen Handgriffen adaptier- bzw. integrierbar und ggf. als Tragsystem einsetzbar.
Die Steuerung und Bedienung eröffnet die Möglichkeit, nicht-letale Wirkstoffe bis
zu einer Entfernung von ca. 10 m auszubringen. Das System ist außerordentlich kostengünstig
durch die mindestens teilweise Verwendung von auf dem Markt verfügbaren und international
bereits von Polizei und Militär zugelassenen Produkten.
[0007] Im Folgenden werden Ausführungsbeispiele für eine Einrichtung zum Schutz von Fahrzeugen,
insbesondere militärischen Fahrzeugen, im Nahbereich mittels nicht-letaler Wirkmittel
nach der Erfindung näher erläutert.
[0008] In den Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1:
- eine perspektivische Darstellung einer ersten Ausführungsform einer Vorrichtung zur
Abgabe nicht-letaler Wirkmittel;
- Fig. 1A:
- einen Aufbewahrungs- und Transportkoffer für die Einzelteile der Vorrichtung nach
Fig. 1.
- Fig. 2
- in perspektivischer Darstellung ein militärisches Fahrzeug mit einer Einrichtung nach
Fig. 1;
- Fig. 3
- in einer teilweise geschnittenen Teildarstellung den oberen Bereich eines Druckbehälters
einer Variante der Ausführungsform nach Fig. 1 mit mechanisch betätigtem Ausgangsventil;
- Fig. 4
- die Vorrichtung nach Fig. 3 in Draufsicht;
- Fig. 5
- in einer Darstellung analog Fig. 1 eine zweite Ausführungsform einer Vorrichtung zur
Abgabe nicht-letaler Wirkmittel;
- Fig. 6
- in teilweise geschnittener Seitenansicht eine dritte Ausführungsform einer Vorrichtung
zur Abgabe nicht-letaler Wirkmittel.
[0009] Fig. 1 zeigt eine erste Ausführungsform einer Vorrichtung zur Abgabe nicht-letaler
Wirkmittel, die auf oder an der Dachplatte 1 eines in Fig. 1 nicht dargestellten militärischen
Fahrzeugs angeordnet ist. Sie besitzt einen Aufnahmebehälter 2, der mittels einer
als Saugfuß ausgebildeten Halterung 2.1 an der Dachplatte 1 befestigt ist. Im Aufnahmebehälter
2 sind mehrere (im dargestellten Ausführungsbeispiel sechs) Druckbehälter 3 angeordnet,
die ein nicht-letales Wirkmittel enthalten. Die Druckbehälter 3 sind derart in dem
becherartig ausgebildeten Aufnahmebehälter 2 angeordnet, dass die an ihrem oberen
Ende angeordneten Ausspritzdüsen 5 in einer Ebene in unterschiedliche Richtungen weisend
angeordnet sind. Jede der Ausspritzdüsen 5 ist über ein Elektromagnetventil 4 mit
dem Druckbehälter 3 verbunden und die Elektromagnetventile 4 sind über eine Kabelverbindung
6 mit einer Steuervorrichtung 7 verbunden, die innerhalb des Fahrzeugs angeordnet
ist und dort beispielsweise mittels eines Saugfußes oder mittels Klettband befestigt
sein kann. Die Kabelverbindung 6 ist über einen Stecker 6.1 an den Aufnahmebehälter
2 angeschlossen und mittels einer Kabeldurchführung 6.2 durch die Dachplatte 1 in
das Fahrzeuginnere geführt. Die elektrische Steuervorrichtung 7 ist über ein Netzkabel
7.1 an eine Stromversorgung angeschlossen.
[0010] Die Ausspritzdüsen 5 können wahlweise als Weitstrahldüsen oder Breitstrahldüsen ausgebildet
sein und ihre Reichweite kann bis zu 7 m betragen.
[0011] Die Druckbehälter 3 sind schlagfest ausgeführt und auswechselbar. Wie Fig. 1A zeigt,
können die Einzelteile der Vorrichtung nach Fig. 1, also der Druckbehälter 3, der
Aufnahmebehälter 2, die Kabelverbindung 6 und die elektrische Steuervorrichtung 7,
als zusammensetzbarer, am Fahrzeug installierbarer Bausatz ausgebildet sein, dessen
Einzelteile in einem mitgeführten Transportkoffer 8 untergebracht sein können.
[0012] Fig. 2 zeigt, in welcher Weise die Vorrichtung nach Fig. 1 an einem militärischen
Fahrzeug F befestigt werden kann. Um den Aufnahmebehälter 2 über den Saugfuß 2.1 nicht
nur auf der Dachplatte sondern ggf. auch an der Frontscheibe befestigen zu können,
kann zwischen Saugfuß 2.1 und Aufnahmebehälter 2 eine gelenkige Verbindungsvorrichtung
angeordnet sein.
[0013] Die Fig. 3 und 4 zeigen eine Variante der Ausführungsform nach Fig. 1, bei welcher
die Ausgangsventile nicht elektromagnetisch, sondern mechanisch betätigt sind.
[0014] Der in den Fig. 3 und 4 nicht dargestellte Aufnahmebehälter enthält, wie anhand von
Fig. 1 beschrieben, mehrere Druckbehälter 9, die jeweils am oberen Ende ein Ausgangsventil
9.1 aufweisen, das über einen Betätigungshebel 9.2 betätigbar ist. Das Innere des
Druckbehälters 9 ist über das Ausgangsventil 9.1 mit einer Ausspritzdüse 17 verbunden.
[0015] Der nicht dargestellte Aufnahmebehälter besitzt ein Gehäuseoberteil 10 mit einem
Gehäusedeckel 10.1, an dem Betätigungsvorrichtungen für die Ausgangsventile 9.1 angeordnet
sind. Jede Betätigungsvorrichtung besitzt einen Elektromotor, der über ein eine Schnecke
12 und ein Zahnrad 13 aufweisendes Getriebe einen Hebel 14 antreibt, welcher auf ein
Betätigungselement 15 derart einwirkt, dass dieses bei Aktivierung des Elektromotors
11 den Auslösehebel 9.2 des Druckbehälters 9 betätigt und somit das Ausgangsventil
9.1 öffnet.
[0016] Weiterhin ist am Gehäuseoberteil 10 ein Schwenkhebel 16 angeordnet, der eine Streulasche
16.2 trägt, die mittels des Schwenkhebels 16 in den Strahl S der Ausspritzdüse 17
gegen die Kraft einer Druckfeder 16.1 mittels einer Mitnehmerscheibe 17.1, die vom
Elektromotor 11 angetrieben wird, einschwenkbar ist.
[0017] Fig. 5 zeigt in einer Darstellung analog Fig. 1 eine zweite Ausführungsform einer
Vorrichtung zur Abgabe nicht-letaler Wirkmittel.
[0018] In Fig. 5 sind die Bauteile, die den Bauteilen der Ausführungsform nach Fig. 1 entsprechen,
mit den gleichen Bezugsziffern und einem Apostrophstrich bezeichnet.
[0019] Auf der Dachplatte 1' eines Fahrzeugs ist über Saugfüße 2.1' ein kastenartiger Aufnahmebehälter
2' befestigt, an dessen Oberseite ein turmartiges Aufsatzstück 2.2' befestigt ist.
In dem Aufnahmebehälter 2' sind die patronenartig ausgebildeten Druckbehälter 3' angeordnet,
die an einem Ende in Fig. 5 nicht sichtbare Elektromagnetventile aufweisen, welche
über eine Kabelverbindung 6' mit einer im Fahrzeug angeordneten elektrischen Steuervorrichtung
7' verbunden sind. Die Kabelverbindung 6' ist über einen Stecker 6.1' mit dem Aufnahmebehälter
2' verbunden und mittels einer Kabeldurchführung 6.2' durch die Dachplatte 1' hindurchgeführt.
[0020] Die Elektromagnetventile sind über Verbindungsleitungen, die durch das Aufsatzstück
2.2' nach oben geführt sind, mit am oberen Ende des Aufsatzstücks 2.2' angeordneten
Ausspritzdüsen 5' verbunden. Die Ausspritzdüsen 5' liegen wiederum in einer Ebene
und weisen in unterschiedliche Richtungen. Die Steuervorrichtung 7' ist wiederum über
ein Netzkabel 7.1' an einer Stromversorgung angeschlossen.
[0021] Auch die Einzelteile der Vorrichtung nach Fig. 5 können als Bausatz ausgeführt sein,
der in nicht eigens dargestellter Weise in einem Transportkoffer untergebracht sein
kann.
[0022] Fig. 6 zeigt eine dritte Ausführungsform einer Vorrichtung zur Abgabe nicht-letaler
Wirkmittel. Bei dieser Vorrichtung ist an einer auf der Dachplatte 21 des Fahrzeugs
angeordneten, drehbaren Lafette 20, die eine Waffe 29 trägt, über eine Halterung 22
ein transportabler Druckbehälter 23 angeordnet. Oberhalb des Druckbehälters 23 befindet
sich eine Hochleistungspumpe H und im Druckbehälter 23 eine nichtlethale Wirkmittel
enthaltende Flüssigkeit Fl. Der Druckbehälter 23 ist über eine Kupplung 23.1 und eine
Schlauchverbindung 23.2 mit einem an der Lafette 20 angeordneten Elektromagnetventil
verbunden, durch welches einer Ausspritzdüse 25 über eine Lanze 28 und einen Adapter
28.1 das nicht-letale Wirkmittel unter Druck zugeführt wird.
[0023] Das Elektromagnetventil 24 ist über eine Steuerstrecke 26, die als Kabelverbindung
oder auch als Funkverbindung ausgestaltet sein kann, mit der im Fahrzeug angeordneten
elektrischen Steuervorrichtung 27 verbunden, die mit einem Auslöseelement 27.1 versehen
ist.
[0024] Auch bei dieser Ausführungsform ist der Druckbehälter 23 schlagfest ausgebildet und
auswechselbar. Die Reichweite dieser Vorrichtung kann bis zu 10 m betragen.
1. Einrichtung zum Schutz von Fahrzeugen, insbesondere militärischen Fahrzeugen, im Nahbereich
mittels nicht-letaler Wirkmittel,
gekennzeichnet durch folgende Merkmale:
a) Mindestens einen am Fahrzeug mittels einer Halterung (2, 2', 22) lösbar befestigten
Druckbehälter (3, 3', 9, 23) für ein nicht-letales Wirkmittel;
b) Eine Ausspritzdüse (5, 5', 17, 25) für das nicht-letale Wirkmittel, die über ein
steuerbares Ausgangsventil (4, 4', 24) mit dem Druckbehälter (3, 3', 23) verbunden
ist;
c) Eine Betätigungsvorrichtung für das Ausgangsventil (4, 4', 24);
d) Eine im Fahrzeug angeordnete Steuervorrichtung (7, 7', 27), die über eine Steuerstrecke
(6, 6', 26) mit der Betätigungsvorrichtung verbunden ist.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch mehrere flaschenartig ausgebildete Druckbehälter (3), welche derart in einem becherartig
ausgebildeten, am Fahrzeug befestigten Aufnahmebehälter (2) angeordnet sind, dass
die an ihrem oberen Ende angeordneten Ausspritzdüsen (5) in einer Ebene in unterschiedliche
Richtungen weisend angeordnet sind.
3. Einrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass jede Ausspritzdüse (5) über ein Elektromagnetventil (4) mit dem Druckbehälter (3)
verbunden ist und sämtliche Elektromagnetventile (4) über eine Kabelverbindung (6)
mit einer im Fahrzeug angeordneten elektrischen Steuervorrichtung (7) verbunden sind.
4. Einrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass jede Ausspritzdüse (17) über ein mechanisch betätigbares Ventil mit dem Druckbehälter
(9) verbunden ist und für jedes mechanisch betätigte Ventil eine elektromechanische
Betätigungsvorrichtung (11-15) vorgesehen ist, die über eine Kabelverbindung mit einem
im Fahrzeug angeordneten elektrischen Steuergerät verbunden ist.
5. Einrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die elektromechanische Betätigungsvorrichtung einen Elektromotor (11) aufweist, welcher
über ein Getriebe (12-13) ein mechanisches Betätigungselement (15) antreibt, das mit
einem am mechanisch betätigbaren Ventil angeordneten Auslösehebel (9.2) oder -Knopf
zusammenwirkt.
6. Einrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass mittels der elektromechanischen Betätigungsvorrichtung zusätzlich über einen Mitnehmer
(17) eine Streulasche (16) in den Strahl der Ausspritzdüse (17) einschwenkbar ist.
7. Einrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch mehrere patronenartig ausgebildete Druckbehälter (3'), die in einem kastenartig ausgebildeten,
am Fahrzeug befestigbaren Aufnahmebehälter (2') angeordnet sind und an einem Ende
jeweils ein Elektromagnetventil aufweisen, das über eine Zuführungsleitung mit einer
Ausspritzdüse (5') verbunden ist, wobei die Zuleitungen durch ein auf dem Aufnahmebehälter (2') befestigtes, turmartiges Aufsatzstück (2.2') geführt
sind und die Ausspritzdüsen (5') am oberen Ende des Aufsatzstücks (2.2') in einer
Ebene in unterschiedliche Richtungen weisend angeordnet sind, während die Elektromagnetventile
über eine Kabelverbindung (6') mit einer im Fahrzeug angeordneten elektrischen Steuervorrichtung
(7') verbunden sind.
8. Einrichtung nach einem der Ansprüche 2-7, dadurch gekennzeichnet, dass der Aufnahmebehälter (3, 3') über mindestens eine als Saugfuß ausgebildete Halterung
(2.1, 2.1') an einer Außenwand (1, 1') des Fahrzeugs befestigbar ist.
9. Einrichtung nach einem der Ansprüche 2-8, dadurch gekennzeichnet, dass die Druckbehälter (3, 3'), der Aufnahmebehälter (2, 2') und ggf. die Halterungen
(2.1, 2.1') sowie das Aufsatzstück (2.2'), die Zuleitungen, die Kabelverbindungen
(6, 6') und die elektrische Steuervorrichtung (7.7') als zusammensetzbarer und am
bzw. im Fahrzeug installierbarer Bausatz ausgebildet sind.
10. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass auf einer am Fahrzeug angeordneten, drehbaren Lafette (20) eine Halterung (22) für
einen transportablen Druckbehälter (23) angeordnet ist, der über eine Schlauchverbindung
(23.2) und ein Etektromagnetventil (24) mit einer an der Lafette (20) angeordneten
Lanze (28) verbunden ist, an deren äußerem Ende eine Ausspritzdüse (25) angeordnet
ist, wobei das Elektromagnetventil (24) über eine Steuerstrecke mit einer im Fahrzeug
angeordneten elektrischen Steuervorrichtung (27) verbunden ist.
11. Einrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerstrecke als Kabelverbindung (26) ausgebildet ist.
12. Einrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerstrecke als Funkverbindung ausgebildet ist.