[0001] Die Erfindung betrifft ein im Patentanspruch 1 angegebenes In-dem-Ohr Hörgerätegehäuse
und ein im Patentanspruch 8 angegebenes Verfahren zur Herstellung eines In-dem-Ohr
Hörgerätegehäuses.
[0002] Hörgeräte gibt es in zwei Ausführungsformen: als Hinter-dem-Ohr und als In-dem-Ohr
Gerät.
[0003] Bei In-dem-Ohr Geräten werden Bauelemente, wie zum Beispiel Mirkofon, Verstärker
und Lautsprecher, in einer Gehäuseschale integriert, die entsprechend dem Gehörgang
des Hörgeräteträgers geformt ist. Die Gehäuseschale ist frontseitig mit einem Faceplate
abgeschlossen.
[0004] Entsprechendes gilt für Ohrpassstücke von Hinter-dem-Ohr Geräten, welche ebenfalls
entsprechend einer Gehörgangsvorlage des Hörgeräteträgers gefertigt werden.
[0005] Gemäß der Gebrauchsmusterschrift
DE 20 2004 001 165 U1 werden Gehäuseschale und Faceplate aus unterschiedlichen Materialen gefertigt. Sowohl
bei Herstellung in Spritzgusstechnik als auch beim Aufbau mit einem Stereo-Lithographie-Verfahren
kann es wegen unterschiedlicher Materialen bzw. unterschiedlicher Wandstärken zu unterschiedlichen
und daher störenden Schrumpfungen kommen. Außerdem können beim erforderlichen Polieren
der Oberflächen in einer Trommelpoliermaschine die Kanten der Gehäuseschale und/oder
dem Faceplate beschädigt werden.
[0006] Die wesentlichen Verfahrensschritte der Stereo-Lithographie sind beispielhaft in
der Patentschrift
DE 198 26 971 C2 beschrieben.
[0007] Zur Vermeidung der beschriebenen Nachteile ist es daher Aufgabe der Erfindung, ein
verbessertes Hörgerätegehäuse anzugeben.
[0008] Gemäß der Erfindung wird die gestellte Aufgabe mit dem Hörgerätegehäuse des unabhängigen
Patentanspruchs 1 gelöst, indem das Hörgerätegehäuse einteilig ausgeführt und in ein
Faceplate und eine Gehäuseschale trennbar ist.
[0009] Dies bietet den Vorteil, dass Gehäuseschale und Faceplate bei und nach einer Herstellung
gleichmäßig schrumpfen können sowie die Oberfläche im einteiligen Zustand polierbar
ist, so dass die Kanten beim Schrumpfen unversehrt bleiben.
[0010] In einer Weiterbildung kann das einteilige Hörgerätegehäuse eine Trennschicht, auch
Opferschicht genannt, zwischen Faceplate und Gehäuseschale aufweisen, an welcher vorteilhaft
einfach getrennt werden kann, so dass kein Material der Gehäuseschale und/oder des
Faceplate verloren geht.
[0011] In einer Weiterbildung ist die Trennschicht so ausgeführt, dass sie durch eine Trennvorrichtung,
beispielsweise eine Trennscheibe, entfernbar ist.
[0012] Dies hat den Vorteil, dass die Gehäuseschale von dem Faceplate einfach mechanisch
getrennt werden kann.
[0013] In weiteren Ausführungsformen kann die Trennschicht durch mehrere Pins markiert sein.
[0014] Dadurch kann die Lage der Trennschicht einfach und sicher erkannt werden.
[0015] In einer weiteren Ausführungsform kann die Trennschicht derart ausgebildet sein,
dass durch bloße äußere Krafteinwirkung, beispielsweise durch Knicken oder Verdrehen
mit den Händen, ohne Trennwerkzeug das Faceplate von der Gehäuseschale trennbar ist.
[0016] Dadurch kann einfach ohne Werkzeug eine Trennung in zwei Teile erfolgen.
[0017] In einer Weiterbildung ist die Trennschicht als Säulenring oder als dünnwandiger
Ring zwischen Stirnfläche und Gehäuseschale ausgebildet.
[0018] Dadurch ist ein einfaches, Kraft sparendes und exaktes Trennen von Gehäuseschale
und Faceplate gewährleistet.
[0019] Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Verfahren zur Herstellung eines
verbesserten Hörgerätegehäuses anzugeben.
[0020] Gemäß der Erfindung wird die gestellte Aufgabe mit dem Verfahren des unabhängigen
Patentanspruchs 8 gelöst.
[0021] Erfindungsgemäß weist das Verfahren folgende beiden Schritte zur Herstellung eines
mehrteiligen In-dem-Ohr Hörgerätegehäuses auf: Aufbau eines einstückigen Hörgerätegehäuses
und anschließendes Trennen in mindestens zwei Teile, beispielsweise ein Faceplate
und eine Gehäuseschale.
[0022] Vorteilhaft daran ist, dass eine Schrumpfung des verwendeten Werkstoffes gleichmäßig
erfolgt, da der Schrumpfungsprozess vor der Trennung abgeschlossen ist.
[0023] In einer Weiterbildung wird zwischen Aufbau und Trennung das einstückige Hörgerätegehäuse
in einer Trommelpoliermaschine poliert.
[0024] Dadurch können die Kanten, welche erst nach einer Trennung entstehen, nicht beschädigt
werden.
[0025] Ein weiteres erfindungsgemäßes Verfahren umfasst einen Stereo-Lithographie-Prozess,
wie er beispielsweise aus dem Rapid-Prototyping bekannt ist.
[0026] Damit wird ein bekanntes und bewährtes Herstellungsverfahren einfach und kostengünstig
eingesetzt.
[0027] Weitere Besonderheiten der Erfindung werden aus den nachfolgenden Erläuterungen mehrerer
Ausführungsbeispiele anhand von schematischen Zeichnungen ersichtlich.
[0028] Es zeigen:
- Figur 1:
- eine Schnittansicht eines In-dem-Ohr Hörgeräts,
- Figur 2:
- ein einteiliges Hörgerätegehäuse mit Trennschicht,
- Figur 3:
- ein einteiliges Hörgerätegehäuse mit einer Trennschichtmarkierung,
- Figur 4:
- ein einteiliges Hörgerätegehäuse mit einer dünnwandigen Trennschicht,
- Figur 5:
- ein einteiliges Hörgerätegehäuse mit einem Säulenring als Trennschicht und
- Figur 6:
- ein Ablaufdiagramm des erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens.
[0029] Figur 1 zeigt ein erfindungsgemäßes Hörgerätegehäuse 1 eines In-dem-Ohr Hörgeräts
im Schnitt, welches im Ohr 9 des Hörgeräteträgers eingesetzt ist. Das Hörgerätegehäuse
1 umfasst eine Gehäuseschale 3 und eine mit dieser verbundenen Faceplate 2, welche
zur Öffnung der Ohrmuschel des Ohrs 9 hin angeordnet ist. In dem durch Gehäuseschale
3 und Facepalte 2 gebildeten Hohlraum 10 ist eine nicht näher dargestellte Hörgeräteelektronik
integriert. Gehäuseschale 3 und Faceplate 2 wurden erfindungsgemäß einteilig gefertigt
und bestehen beispielsweise aus Kunststoff.
[0030] Figur 2 zeigt eine räumliche Darstellung eines einteiligen Hörgerätegehäuses 1 eines
In-dem-Ohr Hörgeräts. Ein Faceplate 2 ist mit einer Gehäuseschale 3 durch eine Trennschicht
4 verbunden. Auf dem Faceplate 2 sind nicht näher beschriebene Komponenten angeordnet.
Das Hörgerätegehäuse 1 wird beispielsweise in einer Stereo-Lithographie-Vorrichtung
hergestellt, in der schichtweise entsprechend den Abgussvorgaben des Gehörganges des
Hörgeräteträgers das Hörgerätgehäuse 1 aufgebaut wurde. Die Trennschicht 4 kann auch
aus einem anderen Material als das Faceplate 2 oder die Gehäuseschale 3 bestehen.
[0031] Die Höhe der Trennschicht 4 wird derart bemessen, dass diese beim Trennen mit einer
Trennvorrichtung, beispielsweise einer Trennscheibe, oder beim Schleifen nach einem
Brechvorgang verschwindet. Die Trennschicht 4 wird daher auch als Opferschicht bezeichnet,
da das dafür verwendete Material für das Trennen geopfert wird. Für das Brechen bildet
die Trennschicht 4 eine Sollbruchstelle.
[0032] Die Trennschicht 4 ist vorzugsweise zum besseren Erkennen farblich gegenüber der
Faceplate 2 und der Gehäuseschale 3 abgesetzt.
[0033] Figur 3 zeigt eine räumliche Darstellung eines einteiligen Hörgerätegehäuses 1 eines
In-dem-Ohr Hörgeräts. Ein Faceplate 2 ist mit einer Gehäuseschale 3 durch eine Trennschicht
4 verbunden, welche durch paarweise Pins 5, 5' gekennzeichnet ist. Anstelle der Pins
5, 5' können auch Farbmarkierungen verwendet werden. Die Pins 5, 5' können aus Kunststoff
bestehen. Sie markieren die Ränder der zu opfernden Trennschicht 4.
[0034] Figur 4 zeigt eine räumliche Darstellung eines einteiligen Hörgerätegehäuses 1 eines
In-dem-Ohr Hörgeräts. Ein Faceplate 2 ist mit einer Gehäuseschale 3 durch eine Trennschicht,
welche als dünnwandiger Ring 8 ausgebildet ist, verbunden. Der dünnwandige Ring 8
bildet eine Sollbruchstelle, an der das einteilige Hörgerätegehäuse 1 sicher in zwei
Teile gebrochen werden kann. Dies erfolgt entweder mittels eines Brechwerkzeugs oder
mit den Händen. Die Wandstärke des Rings 8 ist deutlich kleiner als die Wandstärke
der Gehäuseschale 3.
[0035] Der dünnwandige Ring 8 kann wie dargestellt entweder mit der Innenseite der Gehäuseschale
3 abschließen, so dass eine Stufe zur Außenseite hin entsteht, oder aber mit der Außenseite
der Gehäuseschale 3, so dass eine Stufe auf der Innenseite entsteht.
[0036] Figur 5 zeigt eine räumliche Darstellung einer weiteren erfindungsgemäßen Ausführungsform
eines einteiligen Hörgerätegehäuses 1 eines In-dem-Ohr Hörgeräts. Ein Faceplate 2
ist mit einer Gehäuseschale 3 durch eine Trennschicht, welche als Säulenring 7 ausgebildet
ist, verbunden. Der Abstand der Säulen wird dabei so gewählt, dass das einstückige
Hörgerätegehäuse 1 einerseits für einen Poliervorgang stabil genug ist, andererseits
eine einfach zu brechende Sollbruchstelle bildet.
[0037] In Figur 6 sind schematisch die erfindungsgemäßen Schritte des Herstellungsverfahrens
eines mehrteiligen Hörgerätegehäuses in Form eines Ablaufdiagramms dargestellt. Mit
Schritt 100 wird ein einteiliges Hörgerätegehäuse aufgebaut, welches im nachfolgenden
Schritt 101 in einer Trommelpoliermaschine poliert wird. Mit Schritt 102 wird das
einteilig hergestellte Hörgerätegehäuse in zwei Teile, ein Faceplate und eine Gehäuseschale,
getrennt.
[0038] Der Aufbau 100 kann vorzugsweise einen Stereo-Lithographie-Herstellungsprozess umfassen.
[0039] Da die zwei Teile aus dem selben Material gefertigt werden können, bestehen keine
Farbunterschiede zwischen den beiden Teilen, wodurch die Kundenakzeptanz erhöht wird.
1. Einteiliges In-dem-Ohr Hörgerätegehäuse (1), wobei das einteilige Hörgerätegehäuse
(1) in mindesten ein Faceplate (2) und eine Gehäuseschale (3) mechanisch trennbar
ist.
2. Hörgerätegehäuse (1) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass dieses für die Trennung eine Trennschicht (4) zwischen Faceplate (2) und Gehäuseschale
(3) aufweist.
3. Hörgerätegehäuse (1) nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Trennschicht (4) beim Trennen durch eine Trennvorrichtung entfernbar ist.
4. Hörgerätegehäuse (1) nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Trennschicht (4) durch mehrere Pins (5, 5') und/oder mindestens eine Farbkennzeichnung
(6) kennzeichenbar ist.
5. Hörgerätegehäuse (1) nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Trennschicht (4) derart ausgebildet ist, dass durch mechanische Krafteinwirkung
an der Trennschicht (4) das Faceplate (2) von der Gehäuseschale (3) trennbar ist.
6. Hörgerätegehäuse (1) nach Anspruch 2 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Trennschicht (4) als Säulenring (7) ausbildbar ist.
7. Hörgerätegehäuse (1) nach Anspruch 2 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Trennschicht (4) als dünnwandiger Ring (8), dessen Wandstärke geringer als die
Wandstärke der Gehäuseschale (3) ist, ausbildbar ist.
8. Verfahren zur Herstellung eines mehrteiligen In-dem-Ohr Hörgerätegehäuses mit folgenden
Schritten:
a) Aufbau (100)eines einstückigen Hörgerätegehäuses und
b) Trennung (102) des Hörgerätegehäuses in mindestens zwei Teile.
9. Verfahren nach Anspruch 8, wobei zwischen Schritt a) und Schritt b) die Oberfläche
des einstückigen Hörgerätegehäuses in einer Trommelpoliermaschine poliert wird (101).
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Aufbau (100) des einstückigen Hörgerätegehäuses einen Stereo-Lithographie-Prozess
umfasst.