[0001] Die Erfindung betrifft ein Werkzeug zum Bescheiden und Abstellen von flächigen Werkstücken
nach dem Oberbegriff des Patentanspruches 1 sowie ein Schneide- und Abstellverfahren
nach dem Patentanspruch 18.
[0002] Bei der Herstellung von Fahrzeugkarosserieteilen werden ebenflächige Blechtafeln
bzw. -platinen im Tiefziehverfahren in ihre eigentliche Bauteilform gebracht. In einem
nachfolgenden Schneidevorgang wird der beim Tiefziehen entstehende Abfallkranz am
Bauteilumfang abgetrennt. Anschließend kann in einem Abkant- oder Abstellvorgang der
Bauteilrand um einen Winkel abgekantet werden, wodurch eine Formschlussverbindung
mit einem anderen Bauteil ermöglicht wird.
[0003] Aus der
DE 39 01 703 C1 ist ein Tiefziehwerkzeug bekannt, bei dem eine Blechplatine in eine vorgegebene Bauteilform
tiefgezogen wird. Das Werkzeug weist einen Faltenhalter auf, der als ein Schneid-
und Abstellbacken mit einem Gegenschneidelement zusammenwirkt, gegen das beim Schneidvorgang
das Werkstück von dem Abstell- und Schneidbacken gedrückt wird.
[0004] Die Erfindung geht von einem Schneid- und Abstellwerkzeug für ein flächiges Werkstück,
insbesondere ein Ziehteil aus, das zwischen einem Stempel und einem Niederhalter fixierbar
ist und einen Abstell- und Schneidbacken aufweist, der in Bezug auf das fixierte Werkstück
in einer Arbeitsrichtung am Werkstück vorbeigeführt wird. Dem Abstell- und Schneidbacken
ist ein Gegenschneidelement zugeordnet, gegen das beim Schneidvorgang der Abstell-
und Schneidbacken das Werkstück drückt.
[0005] Üblicherweise erfolgen die Schneid- und Abstellvorgänge werkzeugtechnisch aufwändig
mit separaten Schneid- und Abstellwerkzeugen in unterschiedlichen Arbeitsschritten.
[0006] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Schneide- und Abstellwerkzeug bzw. ein
Schneide- und Abstellverfahren bereitzustellen, bei dem in einfacher und bauteilreduzierter
Weise Werkstück-Flansche unterschiedlicher Größen abgekantet werden können.
[0007] Die Aufgabe ist durch die Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen
der Erfindung sind in den Unteransprüchen offenbart.
[0008] Gemäß dem kennzeichnenden Teil des Patentanspruches 1 ist das Gegenschneidelement
von einem Tragelement, etwa einem Federboden, getragen, mit dem das Gegenschneidelement
nach erfolgtem Schneidvorgang bewegungsgekoppelt mit dem Abstell- und Schneidbacken
in der Arbeitsrichtung führbar ist. Erfindungsgemäß sind daher der Abstell- und Schneidbacken
im Schneidvorgang gegenüber dem Tragelement zueinander verstellbar geführt. Im Abstellvorgang
werden dagegen der Abstell- und Schneidbacken sowie das Gegenschneidelement als ein
bewegungsgekoppelter Verbund am Werkstück vorbeigeführt, um den Werkstück-Seitenflansch
abzustellen bzw. abzukanten.
[0009] Für eine bewegungsgekoppelte Verstellbewegung des oben genannten Verbunds aus Abstell-
und Schneidbacken und Gegenschneidelement kann der Abstell- und Schneidbacken an einem
Werkzeugoberteil und/oder das Tragelement des Gegenschneidelements in der Arbeitsrichtung
bzw. Abstellrichtung bewegbar sein. Bevorzugt kann das Beschneiden und Abstellen des
Werkstücks in aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten erfolgen. Fertigungstechnisch
bevorzugt ist es hierbei, wenn der Abstellvorgang erst nach dem Schneidvorgang durchgeführt
wird. Auf diese Weise wird verhindert, dass der noch nicht beschnittene Werkstück-Seitenflansch
im Abstellvorgang abgekantet wird, wodurch es zu einer nachteiligen weiteren Materialstreckung
des Seitenflansches kommen kann.
[0010] Zwischen einem den Abstell- und Schneidbacken tragenden Werkzeugteil und dem Tragelement
des Gegenschneidelements kann ein Kupplungselement bzw. Distanzelement vorgesehen
sein. Nach erfolgtem Schneidvorgang kann das etwa am Werkzeugteil ausgebildete Distanzelement
in Anschlag mit dem Tragelement des Gegenschneidelements gebracht sein. Bei einer
nach dem Schneidvorgang erfolgenden weiteren Abstellbewegung wird somit das Tragelement
des Gegenschneidelements bewegungsgekoppelt mit dem Abstell- und Schneidbacken mitgeführt.
[0011] Für einen ordnungsgemäßen Schneidvorgang können die Werkzeugauflageflächen des Stempels
und des Gegenschneidelements flächenbündig zueinander ausgerichtet sein. Das Werkstück
kann somit spannungsfrei zwischen dem Niederhalter und dem Stempel fixiert werden,
ohne dass es aufgrund eines Höhenversatzes zu einer Verformung des auf dem Gegenschneidelement
liegenden Werkstück-Seitenflansches kommt.
[0012] Bevorzugt kann beim Schneidvorgang der Schneid- und Abstellbacken ortsfest an einem,
insbesondere oberen Werkzeugteil festgelegt sein. Das obere Werkzeugteil kann sich
mit einer Schneidkraft in der Arbeitsrichtung nach unten bewegen, während das Gegenschneidelement
mit einer Gegenkraft entgegen der Arbeitsrichtung beaufschlagt ist. Für ein günstiges
Schneidergebnis ist es bevorzugt, wenn während des Schneidvorgangs die Werkzeugauflageflächen
zueinander flächenbündig ausgerichtet sind, wie es bereits oben beschrieben ist. Dies
ist erfindungsgemäß dadurch erreicht, dass der Stempel in der Arbeitsrichtung bewegbar
auf einem zweiten Werkzeugteil geführt ist.
[0013] Der Stempel kann auch ortsfest am Unterteil verschraubt sein, wenn ein Niveauausgleich
der Oberflächen vom Tragelement zum Stempel gewährleistet ist.
[0014] Das mit der Gegenkraft beaufschlagte Tragelement des Gegenschneidelements kann einen
Mitnehmer aufweisen, der beim Schneidvorgang den bewegbaren Stempel entgegen der Arbeitsrichtung
um einen Vertikalabstand anhebt. Dadurch ist gewährleistet, dass die beiden Werkzeugauflageflächen
des Stempels und des Gegenschneidelements zueinander flächenbündig ausgerichtet verbleiben.
[0015] Der Abstellvorgang kann - wie auch der Schneidvorgang - in gleicher Arbeitsrichtung
erfolgen. Während des Abstellvorgangs kann der Verbund aus Gegenschneidelement sowie
Abstell- und Schneidbacken bewegungsgekoppelt geführt sein. Hierbei wird der Stempel
zusammen mit dem Verbund gegen einen Bewegungsanschlag eines zweiten bzw. unteren
Werkzeugteils geführt, während der bewegungsgekoppelte Verbund aus dem Abstell- und
Schneidbacken sowie dem Gegenschneidelement in der Arbeitsrichtung weitergeführt wird.
Dadurch wird der Abstell- und Schneidbacken mit seiner Abstellkante am Werkstück-Seitenflansch
vorbeigeführt und an der Stempelkante entsprechend abgekantet.
[0016] Zur Steigerung der Formstabilität kann es von Vorteil sein, wenn zwischen dem Stempel
und dem Gegenschneidelement ein Einführspalt vorgesehen ist, in den im Schneidvorgang
der Abstell- und Schneidbacken einfahren kann. In diesem Fall kann der Abstell- und
Schneidbacken quer zur Arbeitsrichtung zwischen dem Stempel und dem Gegenschneidelement
abstützbar sein. Der Abstell- und Schneidbacken kann hierbei voneinander separate
Schneid- und Abstellkanten aufweisen. Die Schneidkante kann über einen Schnittabstand
vom Stempel beabstandet sein, während die Abstellkante in einer Querrichtung zur Arbeitsrichtung
innerhalb des Schnittabstandes vorgesehen sein kann. Dabei kann bei fixiertem Werkstück
der abzuschneidende und abzustellende Werkstück-Seitenflansch den Niederhalter und
den Stempel seitlich überragen und auf dem Gegenschneidelement aufliegen.
[0017] Der Niederhalter kann vorzugsweise im oberen Werkzeugteil das Werkstück mit einer
Haltekraft gegen den Stempel drücken. Sowohl die Haltekraft als auch die vom Gegenschneidelement
ausgeübte, entgegengesetzt wirkende Gegenkraft können während des Schneid- und Abstellvorgangs
konstant sein. Dadurch ist sowohl beim Schneidvorgang als auch beim Abstellvorgang
das Werkstück auf dem Stempel gehalten, ohne eine Abstellbewegung bzw. Schneidbewegung
des Stempels zu beeinträchtigen.
[0018] Nachfolgend ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der beigefügten Figuren
gezeigt.
[0019] Es zeigen:
- Fig. 1 und 2
- in einer Gesamtseitenansicht sowie in einer vergrößerten Einzelheit das erfindungsgemäße
Schneide- und Abstellwerkzeug bei durch einen Niederhalter fixiertem Werkstück;
- Fig. 3 und 4
- entsprechende Ansichten des Werkzeugs zur Veranschaulichung des Schneidevorgangs;
- Fig. 5 und 6
- jeweils Ansichten zur Veranschaulichung des nach dem Schneidevorgang erfolgenden Abstellvorgangs;
sowie
- Fig. 7
- in vergrößerter Querschnittsansicht den Schneid- und Abstellbacken.
[0020] In der Fig. 1 ist ein Schneid- und Abstellwerkzeug gezeigt, das ein oberes Werkzeugteil
1 und ein unteres Werkzeugteil 3 aufweist. Im oberen Werkzeugteil 1 ist ein Niederhalter
7 in Vertikalrichtung mittels Druckbolzen 5 verschiebbar gelagert. Dem Niederhalter
7 liegt ein Stempel 9 gegenüber, der im unteren Werkzeugteil 3 vorgesehen ist. Zwischen
dem Niederhalter 7 und dem Stempel 9 ist als ein zu bearbeitendes Werkstück ein Blechformteil
11 fixiert, das bereits in einem vorangegangenen Verfahrensschritt in einem nicht
dargestellten Tiefziehwerkzeug tiefgezogen worden ist. In der Fig. 1 drückt der Niederhalter
7 mit einer Niederhaltekraft F
1 das Blechformteil 11 gegen den Stempel 9.
[0021] Das Blechformteil 11 wird im Schneid- und Abstellwerkzeug abgekantet. Außerdem wird
ein umfangsseitiger Material-Abfallkranz vom Blechformteil 11 abgetrennt.
[0022] Der Stempel 9 ist um einen Vertikalabstand a beweglich im Werkzeugunterteil 3 gelagert.
Im in der Fig. 1 gezeigten Fixierzustand ist der Stempel 9 um den Vertikalabstand
a mittels eines später beschriebenen ringförmigen Tragelements 13 angehoben und mit
einer Gegenkraft F
2 gegen den Niederhalter 7 gedrückt.
[0023] Der Stempel 9 liegt im Ruhezustand auf einem Stützsockel 14 des Werkzeugunterteils
3 auf und ist radial außenseitig von dem ringförmigen Tragelement 13 umgeben, auf
dem ein Gegenschneidelement 15 sitzt, das mit einem gegenüberliegenden, am Werkzeugoberteil
1 vorgesehenen Schneid- und Abstellbacken 17 zusammenwirkt.
[0024] Das Tragelement 13 ist hier als ein sogenannter Federboden ausgebildet. Dieser ist
von einem nicht gezeigten Luftkissen über Druckbolzen 18 mit der vertikal nach oben
gerichteten Gegenkraft F
2 beaufschlagbar. Das Tragelement 13 weist an seiner unteren Seite einen als innenseitiger
Ringbund 21 ausgebildeten Mitnehmer auf, auf dem sich der Stempel 9 abstützt und mit
dem der Stempel 9 vertikal nach oben bewegbar ist. Das Tragelement 13 kann außerdem
bei einer Vertikalbewegung nach unten mit seinem Ringbund 21 außenseitig über den
Stützsockel 14 des Werkzeugunterteils 3 fahren.
[0025] Bei einer Kraftbeaufschlagung des Tragelements 13 durch die Druckbolzen 18 untergreift
das Tragelement 13 mit seinem Ringbund 21 den vertikal bewegbaren Stempel 9 und hebt
diesen in die in der Fig. 1 gezeigte Ausgangslage an.
[0026] Wie aus der Fig. 2 hervorgeht, ist das am Tragelemt 13 vorgesehene Gegenschneidelement
15 über einen Einführspalt 23 radial von dem Stempel 9 beabstandet. Beim Schneidvorgang
wird ein Vorsprung 25 des Schneid- und Abstellbackens 17 in den Einführspalt 23 eingefahren.
Die Spaltbreite b ist dabei derart dimensioniert, dass die gegenüberliegenden Spaltwände
mit dem Vorsprung 25 des Schneid- und Abstellbackens 17 in einem Gleitkontakt sind
und diesen formstabil abstützen.
[0027] Wie aus der Fig. 2 hervorgeht, weist der Abstell- und Schneidbacken 17 an seinem
Vorsprung 25 eine über einen Schnittabstand c vom Stempel 9 beabstandete Schneidkante
27 auf. An seiner dem Niederhalter 7 zugewandten Seite weist der Vorsprung eine Abstellkante
29 auf.
[0028] In der Fig. 7 ist der Abstell- und Schneidbacken 17 im Querschnittsprofil gezeigt.
Die am Vorsprung 25 des Abstell- und Schneidbackens 17 angeformte Schneidkante 27
läuft in Arbeitsrichtung I spitzwinklig in einem Freiwinkel α zu. Der Freiwinkel α
ist zwischen einer Horizontalen und einer in Arbeitsrichtung I weisenden Freifläche
28 eingeschlossen, die sich in Radialrichtung über eine Breite d erstreckt. An die
Freifläche 28 schließt sich ein im Profil S-förmiger Backenrücken 30 an. Der Backenrücken
30 geht an der mit einem Abstellradius r abgerundeten Abstellkante 29 in die dem Niederhalter
7 zugewandte Abstellfläche 32 des Abstell- und Schneidbackens 17 über.
[0029] Nachfolgend ist der von dem Werkzeug durchgeführte Schneidvorgang und der darauffolgende
Abstellvorgang beschrieben. In der Fig. 1 und 2 ist das Blechteil 11 in seinem fixierten
Zustand gezeigt, in welchem der Stempel 9 über das Tragelement 13 und die Druckbolzen
18 das Blechteil gegen den Niederhalter 7 drückt. Der Niederhalter 7 übt die entgegengesetzt
ausgerichtete Haltekraft F
1 aus. Die Werkzeugauflageflächen 31 und 33 des Stempels 9 und des Gegenschneidelements
15 sind gemäß der Fig. 2 horizontal flächenbündig zueinander ausgebildet, um eine
spannungsfreie Auflage des Blechteils 11 auf dem Stempel 9 und dem Gegenschneidelement
15 zu gewährleisten.
[0030] Zur Durchführung des Schneidvorgangs wird das obere Werkzeugteil 1 mit einer Schneidkraft
F
3 beaufschlagt. Dadurch bewegt sich das obere Werkzeugteil 1 zusammen mit dem Schneid-
und Abstellbacken 17 in der Arbeitsrichtung I nach unten. Gleichzeitig verdrängt der
Stempel 9 den Niederhalter 7 entgegen seiner Haltekraft F
1 vertikal nach oben. Der Vorsprung 25 des Schneid- und Abstellbackens 17 wird beim
Schneidvorgang mit einem geringen Schneidweg e (Fig. 4) in den Einführspalt 23 zwischen
dem Stempel 9 und dem Gegenschneidelement 15 eingefahren. Der Schneidweg e ist vergleichsweise
geringfügig gehalten, wodurch insgesamt auch die Länge des Vorsprunges 25 des Schneid-
und Abstellbackens reduziert gehalten werden kann. Aufgrund der reduzierten Länge
des Vorsprunges 25 kann dieser mit vergleichsweise geringer Materialstärke, das heißt
in etwa die Spaltbreite b, ausgeführt sein, und trotzdem seine Formstabilität aufrechterhalten
werden. Aufgrund der geringen Materialstärke des Vorsprungs 25 können erfindungsgemäß
selbst Seitenflansche mit geringer Wandhöhe abgekantet werden.
[0031] Wie aus den Figuren hervorgeht, sind am Werkzeugoberteil 1 Distanzelemente 35 vorgesehen,
die in der Ausgangslage gemäß der Fig. 1 von dem als Federboden ausgeführten Tragelement
13 beabstandet sind. Im Schneidvorgang werden die Distanzelemente 35 zusammen mit
dem Werkzeugoberteil 1 in der Arbeitsrichtung I nach unten bewegt und kommen die Distanzelemente
35 in Anschlag mit dem Tragelement 13.
[0032] Das sich mit der Schneidkraft F
3 weiter in der Arbeitsrichtung I nach unten bewegende Werkzeugoberteil 1 verdrängt
dabei das mit der Gegenkraft F
2 beaufschlagten Tragelement 13 nach unten. Auf diese Weise wird das Werkzeugoberteil
1 zusammen mit dem Niederhalter 7, dem Stempel 9 sowie dem Tragelement 13 als ein
bewegungsgekoppelter Verbund in der Arbeitsrichtung I nach unten bewegt, bis der Stempel
9 auf dem Stützsockel 14 des Werkzeugunterteils 3 aufsetzt, wie es in der Fig. 5 gezeigt
ist.
[0033] Nach dem Aufsetzen des Stempels 9 auf dem Stützsockel 14 des Werkzeugunterteils 3
löst sich das von dem oberen Werkzeugteil 1 mit der Kraft F
3 beaufschlagte Tragelement 13 mit seinem Ringbund 21 vom Stempel 9. Dadurch kann der
auf dem oberen Werkzeugteil 1 sitzende Schneid- und Abstellbacken 17 mit seiner Abstellkante
29 am Werkstück-Seitenflansch 41 vorbeifahren und diesen abkanten.
[0034] Wie oben beschrieben ist, wird der Schneid- und Abstellbacken 17 und das Gegenschneidelement
15 bewegungsgekoppelt in der Arbeitsrichtung I geführt, um den Werkstück-Flansch 41
abzukanten.
[0035] Durch diese Bewegungskopplung ist vermieden, dass der Schneid- und Abstellbacken
17 während seiner Abstellbewegung in der Arbeitsrichtung I gegen ein ortsfest abgestütztes
Gegenschneidelement 15 fährt. Um im Falle eines solchen, während des Abstellvorgangs
ortsfest angeordneten Gegenschneidelements 15 eine Kollision mit dem Schneid- und
Abstellbacken 17 zu vermeiden, müsste der Schneid- und Abstellbacken 17 nachteilig
mit einer zusätzlichen Einführaussparung vorgesehen werden, in die das Gegenschneidelement
15 einfahren kann. In diesem Fall müsste jedoch zwangsläufig die freie Höhe des Vorsprungs
25 gesteigert werden, was dessen Formstabilität beträchtlich reduzieren würde.
1. Werkzeug zum Beschneiden und Abstellen eines flächigen Werkstückes (11), insbesondere
eines Ziehteiles, mit einem Stempel (9) und einem Niederhalter (7), zwischen denen
das Werkstück (11) fixierbar ist, und mit einem in Bezug auf das fixierte Werkstück
(11) in einer Arbeitsrichtung (I) bewegbaren Abstell- und Schneidbacken (17) mit zugeordnetem
Gegenschneidelement (15), etwa einem Untermesser, auf dem beim Schneidvorgang das
Werkstück (11) liegt, dadurch gekennzeichnet, dass das Gegenschneidelement (15) von einem Tragelement (13), etwa einem Federboden, getragen
ist, mit dem das Gegenschneidelement (15) nach erfolgtem Schneidvorgang bewegungsgekoppelt
mit dem Abstell- und Schneidbacken (17) in der Arbeitsrichtung (I) führbar ist.
2. Werkzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Tragelement (13) des Gegenschneidelements (15) in der Arbeitsrichtung (I) bewegbar
ist.
3. Werkzeug nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass bei einer Bewegung des Abstell- und Schneidebackens (17) in der Arbeitsrichtung (I)
der Abstellvorgang nach dem Schneidvorgang erfolgt.
4. Werkzeug nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass beim Schneidvorgang der Abstell- und Schneidbacken (17) bewegungsentkoppelt vom Gegenschneidelement
(15) ist, und beim Abstellvorgang der Abstell- und Schneidbacken (17) zusammen mit
dem Gegenschneidelement (15) einen bewegungsgekoppelten Verbund bildet.
5. Werkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen einem den Abstell- und Schneidbacken (17) tragenden Werkzeugteil (1) und
dem Tragelement (13) des Gegenschneidelements (15) ein Kupplungselement bzw. Distanzelement
(35) vorgesehen ist, mittels dem nach erfolgtem Schneidvorgang das Werkzeugteil (1)
das Tragelement (13) in der Arbeitsrichtung (I) zur Durchführung des Abstellvorganges
verstellt.
6. Werkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass im Schneidvorgang der Abstell- und Schneidbacken (17) mit einer Schneidekraft (F3) in der Arbeitsrichtung (I) gegen das Gegenschneidelement (15) bewegbar ist.
7. Werkzeug nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Schneidvorgang das den Abstell- und Schneidbacken (17) tragende Werkzeugteil
(1) über das Distanzelement (35) das Tragelement (13) in der Arbeitsrichtung (I) verstellt.
8. Werkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass für den Schneidvorgang die Werkzeugauflageflächen (31, 33) des Stempels (9) und des
Gegenschneidelements (15) flächenbündig ausgerichtet sind.
9. Werkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Stempel (9) auf einem zweiten Werkzeugteil (3) in der Arbeitsrichtung (I) bewegbar
geführt ist.
10. Werkzeug nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Tragelement (13) einen Mitnehmer (21) aufweist, der beim Schneidvorgang den bewegbaren
Stempel (9) mit einer Gegenkraft (F2) vom zweiten Werkzeugteil (3) entgegen der Arbeitsrichtung (I) anhebt.
11. Werkzeug nach einem der Ansprüche 6 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass beim nach dem Schneidvorgang folgenden Abstellvorgang der mit dem Gegenschneidelement
(15) bewegungsgekoppelte Abstell- und Schneidbacken (17) weiter in der ersten Arbeitsrichtung
(I), insbesondere vertikal nach unten, führbar ist.
12. Werkzeug nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das zweite Werkzeugteil (3) einen Bewegungsanschlag (14) für den Stempel (9) aufweist,
gegen den der Stempel (9) bei einer Bewegung in der Arbeitsrichtung (I) anschlägt,
während das Tragelement (13) in der Arbeitsrichtung (I) weiterführbar ist.
13. Werkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Stempel (9) und dem Gegenschneidelement (15) ein Einführspalt (23) vorgesehen
ist, in den der Abstell- und Schneidbacken (17) beim Schneidvorgang einführbar ist.
14. Werkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei zwischen dem Niederhalter (7) und dem Stempel (9) fixiertem Werkstück (11) ein
abzuschneidender bzw. abzustellender Seitenflansch des Werkstücks (11) den Niederhalter
(7) und den Stempel (9) seitlich überragt.
15. Werkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstell- und Schneidbacken (17) eine Schneidkante (27) und eine Abstellkante
(29) aufweist.
16. Werkzeug nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Schneidkante (27) über einen Schnittabstand (c) vom Stempel (9) beabstandet ist,
und die Abstellkante (29) in einer Querrichtung zur Arbeitsrichtung innerhalb des
Schnittabstands (c) angeordnet ist.
17. Werkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Niederhalter (7) im Werkzeugteil (1) mit einer Haltekraft (F1) beaufschlagt ist, die kleiner als die vom Gegenschneidelement (15) ausgeübte, entgegengesetzt
ausgerichtete Gegenkraft (F2) ist.
18. Verfahren zum Beschneiden und Abstellen eines flächigen Werkstückes (11), insbesondere
eines Ziehteiles, mit einem Schneide- und Abstellwerkzeug, insbesondere nach einem
der vorhergehenden Ansprüche, mit einem Schneidevorgang und einem Abstellvorgang,
in welchem Verfahren im Schneidevorgang ein Abstell- und Schneidebacken (17) und ein
damit zusammenwirkendes Gegenschneidelement (15) unabhängig voneinander verstellt
werden, und im Abstellvorgang der Abstell- und Schneidbacken (17) und das Gegenschneidelement
(15) bewegungsgekoppelt verstellt werden.