[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Abdichtungsvorrichtung zur Abdichtung von
Arbeitsfugen, insbesondere von Betonierfugen. Die Abdichtungsvorrichtung weist einen
Träger auf und auf diesem Träger eine Beschichtung enthaltend eine das Abdichten fördernde
Zusammensetzung, welche den Träger zumindest teilweise bedeckt.
[0002] Betonierfugen bzw. Arbeitsfugen treten insbesondere im Ortbetonbau auf. Arbeitsfugen
in Beton- und Stahlbetonkonstruktionen, insbesondere Betonierfugen, die beim Betonieren
eines zweiten Betonteils an ein schon vorhandenes erstes Bauteil entstehen, müssen
häufig zuverlässig abgedichtet werden, um den Eintritt von Feuchtigkeit und anderen,
den Beton resp. die Armierung schädigenden Stoffen zu vermindern und vorzugsweise
ganz zu unterbinden.
[0003] Es ist bekannt, Fugenbleche mit einer zusätzlichen Bentonitbeschichtung zu versehen.
Die Bentonitschicht stellt eine Barriere dar. Risse und Hohlstellen werden vom Bentonit
erfasst und rein durch Quellung des Bentonits abgedichtet.
[0004] EP 1 571 271 A1 beschreibt eine Abdichtungsvorrichtung mit einem Träger und einer darauf zumindest
abschnittweise aufgebrachten Beschichtung, die einen Haftvermittler und ein Abdichtungsmaterial
aufweist, wobei das Abdichtungsmaterial Zement und/oder Calciumhydroxid ist. Die chemische
Abdichtung mittels Zement und/oder Calciumhydroxid erfolgt durch Fällung von Calciumcarbonat.
Diese ist aufgrund des limitierten Carbonatgehaltes im Zement resp. des limitierten
CO
2-Gehaltes in der Umgebungsluft stark limitiert.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es deshalb, eine Abdichtungsvorrichtung der
eingangs genannten Art dahin gehend weiterzubilden, dass eine sichere und dauerhafte
Abdichtung von Arbeitsfugen gewährleistet werden kann.
[0006] Diese Aufgabe wurde gelöst durch Bereitstellen einer Abdichtungsvorrichtung zur Abdichtung
von Arbeitsfugen, insbesondere von Betonierfugen, speziell im Hochbau, mit einem Träger
und einer zumindest bereichsweise auf dem Träger aufgebrachten Beschichtung, wobei
die Beschichtung ein Bindemittel und ein Abdichtungsmaterial aufweist, und wobei das
Abdichtungsmaterial dadurch gekennzeichnet ist, dass es (i) ein Calcium fällendes
Mittel und (ii) ein latent hydraulisches Material aufweist.
[0007] Vorzugsweise enthält die Beschichtung zusätzlich mindestens ein Gesteinsmehl und/oder
mindestens einen Gesteinssand und/oder mindestens ein quellendes Mittel, z.B. Bentonit.
[0008] Das Calcium fällende Mittel ist beispielsweise eine Verbindung oder eine Mischung
von Verbindungen, die beim Kontakt mit Wasser durch eine chemische Reaktion Carbonationen
oder Silikationen abspaltet, vorzugsweise ein wasserlöslich Carbonat, ein wasserlösliches
Hydrogebcarbonat, ein wasserlösliches Silikat oder ein wasserlösliches Polysilikat.
Diese Anionen reagieren dann mit aus dem im Beton enthaltenen Zement stammenden Calciumionen
unter Ausfällung von Calciumcarbonat resp. Calciumsilikat oder Calciumpolysilsikat
oder schwerlöslichen Mischverbindungen. Stark bevorzugt werden wasserlösliche Alkalicarbonate,
wasserlösliche Alkalihydrogebcarbonate, wasserlösliche Alkalisilikate oder wasserlösliche
Alkalipolysilikate eingesetzt. Bevorzugte Alkalimetalle sind Natrium und Kalium. Als
wasserlöslich im Rahmen der vorliegenden Erfindung gelten Verbindungen mit einer Löslichkeit
in Wasser bei 20°C von mindestens 0.1 g/l, üblicherweise mindestens 1 g/l, vorzugsweise
mindestens 10 g/l.
[0009] Beispiele für geeignete latent hydraulische Verbindungen sind:
Hüttensand, Trass, Puzzolanerde, EFA-Füller®, erhältlich von BauMineral GmbH, Hiberniastrasse 12, D-45699 Herten, Steinkohleflugasche,
Braunkohleflugasche, Microsilica, Silica Fume, Oelschiefer, Metakaolin, und Mischungen
derselben.
Beispiele für geeignete Gesteine sind:
Kalke, Basalte, Granite, Gneise, Porphyre, Feldspäte, Tonerden, Titanoxide, Sande,
insbesondere Quarzsand, und Mischungen derselben, insbesondere in Form von Gesteinsmehl
und/oder Gesteinssand (maximaler Korndurchmesser ≤0.6 mm, vorzugsweise ≤0.3 mm).
Beispiele für geeignete Bindemittel, welche die Haftung des Abdichtungsmaterials verbessern
ohne dessen Wirkung negativ zu beeinflussen, sind:
Kunststoffe, Latex, Natur- oder Synthesekautschuk, vernetzbare Polymere, Bitumen und
Mischungen derselben, insbesondere eingesetzt in Form von Dispersionen.
[0010] Durch den Einsatz eines Abdichtungsmaterials, welches mindestens ein latenthydraulisches
Mittel und mindestens eine die Calciumfällung bewirkende Verbindung enthält, werden
parallel oder aufeinanderfolgend zwei Reaktionen ausgelöst, welche zur Verstopfung
der Risse führen, nämlich die Bildung von Zementstein und/oder Kalkstein.
[0011] Zementstein entsteht durch die Reaktion von gelöstem Calziumhydroxid aus dem Beton
mit dem latent hydraulischen Material aus dem Abdichtungsmaterial.
[0012] Kalkstein entsteht durch die Reaktion des gelösten Calziumhydroxid aus dem Beton
und dem wasserlöslichen Carbonat bzw. Hydrogencarbonat aus dem Abdichtungsmaterial.
[0013] Die Einlagerung des Abdichtungsmaterials in ein Bindemittel führt zu einer Depotwirkung,
d.h. auch nach einer langen Zeit werden Risse durch "Selbstheilung", das heisst Verstopfung,
nachträglich auftretender Risse durch die Bildung von Zementstein oder Kalkstein abgedichtet.
[0014] Die obigen Angaben zur Bildung von Zementstein zeigen, dass es - um die Depotwirkung
nicht zu gefährden - vorteilhaft ist, der Beschichtung keinen Zement beizumischen,
wie dies gemäss Stand der Technik vorgeschlagen wird. Allerdings kann es zur Erzielung
einer höheren Festigkeit der Beschichtung wünschenswert sein, dieser geringe Mengen
Zement oder, vorzugsweise, hydraulischen Kalkes zuzusetzen.
[0015] Eine weitere, bereits sehr rasch wirkende Abdichtung erfolgt durch die Form des Bleches,
welches vorteilhafterweise quer zur abzudichtenden Fuge eingesetzt und gegebenenfalls
zusätzlich mit weiteren Umlenkungen oder Verankerungen versehen wird, derart, dass
der Schadstoffeintritt in die Fuge an der Abdichtungsvorrichtung mindestens einmal
umgeleitet resp. umgelenkt wird. Die Länge des Trägers in Richtung des Schadstoffflusses
sollte derart bemessen sein, dass die Dimensionierung der Abdichtungsmaterial enthaltenden
Beschichtung resp. die Kontaktzeit mit dieser Beschichtung derart ist, dass dadurch
der Auflösungs- und Fällungskinetik sowie der angestrebten Lebensdauer Rechnung getragen
wird.
[0016] Durch das Bindemittel wird das Abdichtungsmaterial stabilisiert und gleichzeitig
seine Haftung am Träger verbessert. Auf diese Art und Weise kann das Abdichtungsmaterial
zusammen mit dem Träger besonders einfach in die Arbeitsfuge eingebracht werden. Um
guten Zutritt der im Riss enthaltenen gasförmigen und flüssigen Stoffe zum Abdichtungsmaterial
zu gewährleisten, kann zuerst der Träger mit dem Bindemittel beschichtet und anschliessend
das Abdichtungsmaterial auf die noch nicht ausgehärtete Bindemittelschicht aufgebracht
werden, so dass es teilweise darin verankert wird und teilweise über diese Bindemittelschicht
hinausragt, so dass es für den Flüssigkeitsfluss frei zugänglich ist. Alternativ kann
das Abdichtungsmaterial mit dem Bindemittel vermischt werden, wobei bei dieser Ausführungsform
ausreichende Porosität des Bindemittels sichergestellt werden muss. Die Porosität
und auch die Oberflächenrauhigkeit (siehe unten) kann z.B. durch weitere Füllstoffe,
wie Gesteinsmehl oder Gesteinssand oder durch quellende Mittel, wie Bentonit, verbessert
werden.
[0017] Die Ausfällung von schwerlöslichen Calciumverbindungen im Kontakt der Beschichtung
mit Wasser führt zu sehr guter Wasserdichtigkeit und einem guten Verbund zwischen
dem Abdichtungsmaterial und dem die Beschichtung umgebenden Beton, so dass eine Art
Selbstheilung von Rissen bzw. Arbeitsfugen im Ortbeton durch die Bildung von Zementstein
und Kalkstein erfolgt. Die Abdichtung erfolgt einerseits durch Labyrinthabdichtung
sowie chemisch unter anschliessender mechanischer Abdichtung durch die Einengung bzw.
das Blockieren des Strömungspfades durch einerseits die Ablagerungen, andererseits
durch anorganische oder organische Feinstoffe im Wasser, beispielsweise durch lose
Zementpartikel, die bei der Rissbildung aus den Rissrändern heraus gebrochen werden,
sowie Gesteinsmehl und/oder Gesteinssand aus der Beschichtung.
[0018] Eine besonders gute Abdichtung kann erzielt werden, wenn die Beschichtung ein bei
Wasserzutritt quellendes Material, wie Bentonit, enthält und/oder Gesteinsmehl und/oder
Gesteinssand umfasst. Mit quellenden Materialien und derartigen Gesteinspartikeln
kann der mechanische Rissverschluss vor allem in der Anfangsphase von eindringendem
Wasser massgebend verbessert und der Durchfluss eingeschränkt werden.
[0019] Besonders gut lässt sich das Abdichtungsmaterial in eines der folgenden Bindemittel
einbringen:
Kunststoffe, insbesondere Polymeren oder Copolymerem, welche Stoffgruppen, ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Metacrylaten, Acrylnitrilen, Acrylestern, Styrolen, Butadienen,
Vinylacetaten, Vinylalkoholen und Vinylestern, enthalten, vorzugsweise Acrylate oder
Styrol-Butadien-Copolymere, Latex, Natur- oder Synthesekautschuk, vernetzbare Polymere,
wie Epoxidharze, Bitumen und Mischungen derselben, eingesetzt insbesondere in Form
von Dispersionen, beispielsweise Acrylat- oder StyrolButadien-Dispersionen. Ebenfalls
eingesetzt werden können thermoplastische Polymere, wie Polyvinylchlorid, Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk,
Polyethylen und Polypropylen, beispielsweise als Schmelze. Wie die obige Aufzählung
zeigt, kann das Bindemittel elastisch oder starr ausgebildet sein.
[0020] Der Träger weist üblicherweise I-, C-, L- oder T-Form auf, für die meisten Anwendungen
I- oder L-Form. Für spezielle Anwendungen können aber beliebige andere Formen vorgesehen
werden. Der Träger kann aus Metall oder Kunststoff ausgebildet sein. Als Metalle sind
solche mit geringer Korrosionsanfälligkeit bevorzugt oder aber oberflächenbehandelte
Teile, wie verzinkte oder oxidierte (z.B. eloxierte) Bleche. Als Kunststoff geeignet
wäre beispielsweise Polyvinylchlorid, Ethylen-Propylen-DienKautschuk, Polyethylen
und Polypropylen.
[0021] Es kann vorgesehen sein, dass der Träger die Beschichtung nur auf einer Seite, der
bei Einsatz der abzuschirmenden Gebäudwandseite zugekehrten Seite, aufweist.
[0022] Zur Steigerung der Wirksamkeit kann es vorteilhaft sein, die Beschichtung mit rauer
Oberfläche auszubilden. Dadurch wird die dem Kontakt mit Wasser ausgesetzte Oberfläche
vergrössert und der Weg, den das eindringende Wasser an der Oberfläche zurückzulegen
hat verlängert. Weiterhin kann sich eine raue Beschichtung vorteilhaft auf den Verbund
zwischen dem Träger und dem den Träger umgebenden Beton auswirken. Insbesondere kann
durch die raue Oberfläche eine Verkrallung bzw. ein Kraftschluss mit dem Beton ausgebildet
werden.
[0023] Massnahmen zur stärkeren Fixierung der Beschichtung an dem sie umgebenden Beton sind
nicht vorgesehen, da es bei allenfalls unvermeidbarer Rissbildung wünschenswert ist,
dass der Riss in Kontakt mit der Beschichtung entsteht und sich nicht auf die dieser
Beschichtung abgewandte, allenfalls unbeschichtete Seite erstreckt. Deshalb - und
auch für das Handling - sind klebende Oberflächen nicht bevorzugt. Allerdings werden
üblicherweise auch keine haftungsverminderten Beschichtungen eingesetzt.
[0024] Die Beschichtung enthält das Bindemittel üblicherweise in Mengen von 5-40 Gew.-%
bezogen auf die Trockensubstanz der Beschichtung, vorzugsweise in Mengen von 10-25
Gew.-%, und das Abdichtungsmaterial üblicherweise in Mengen von 5-80 Gew.-%, vorzugsweise
in Mengen von 30 - 60 Gew.-%.
[0025] Im Abdichtungsmaterial beträgt das Verhältnis von die Calciumfällung bewirkenden
Mitteln zu latenthydraulischen Verbindungen üblicherweise von 1:1 bis 1:10, vorzugsweise
von 1:2 bis 1:5.
[0026] Die Menge von Gesteinsmehl und/oder Gesteinssand in der Beschichtung beträgt üblicherweise
0-70%, vorzugsweise 30-60%.
[0027] Die Beschichtung wird üblicherweise in Schichtdicken von 0.1 bis 5 mm, vorzugsweise
in Schichtdichen von 0.2 bis 2 mm aufgetragen und vorzugsweise auf einer Fläche, welche
beidseitg mindestens 30 mm über die abzudichtende Fuge übersteht.
[0028] Die Abdichtung kann in verschiedenen Phasen verlaufen. Eine erste Dichtung wird durch
die Gestalt des Trägers resp. dessen Einbringen in Bezug auf die Fuge bewirkt. Eine
weitere Barriere resultiert durch Feinstoffe, die bei der Rissbildung entstehen oder
bei der Teilauflösung der Beschichtung aus dieser austreten. Diese Feinstoffe blockieren
den Strömungspfad und dichten ihn ab, gegebenenfalls zusammen mit der durch Kalk-
und/oder Zementstein resp. Silikatanaloga gebildeten Versinterung.
[0029] Die Abdichtung längerer Fugen kann vorteilhafterweise dadurch erreicht werden, dass
mehrere Träger aneinander anstossend oder mit jeweils einem Ende überlappend angeordnet
sind. Um zu verhindern, dass im Überlappungsbereich bzw. im Anstossbereich Wasser
durchdringt, ist es vorteilhaft, die Träger mindestens an einer der an einander anstossenden
Kanten oder auf mindestens einem der miteinander überlappenden Bereiche mit der erfindungsgemässen
Beschichtung zu versehen. Alternativ oder zusätzlich kann auch Verklebung dieser Kanten
resp. Bereiche mit einem Dichtkleber vorgesehen werden. Insbesondere kann der Dichtkleber
elastisch sein und eine druckwasserdichte Verklebung ausbilden.
[0030] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
von Ausführungsbeispielen der Erfindung, anhand der Zeichnungen. Diese zeigen erfindungswesentliche
Einzelheiten, wie folgt:
Figur 1 zeigt einen Querschnitt durch mehrere Betonteile, zwischen denen jeweils eine
Arbeitsfuge ausgebildet und mittels einem beschichteten Träger abgedichtet ist.
Figur 2 zeigt diverse Ausgestaltungsmöglichkeiten für erfindungsgemässe Abdichtungsvorrichtungen
im Querschnitt.
Figur 2A zeigt eine erfindungsgemässe, ebene Abdichtungsvorrichtung mit im wesentlichen
I-förmigem Querschnitt, an beiden Flächen sowie den Kanten beschichtet.
Figur 2B zeigt eine erfindungsgemässe Abdichtungsvorrichtung mit im wesentlichen C-förmigem
Querschnitt, die auf einer Fläche und den an diese Fläche anschliessenden Kanten beschichtet
ist.
Figur 2C zeigt eine erfindungsgemässe Abdichtungsvorrichtung mit im wesentlichen L-förmigem
Querschnitt, die einseitig beschichtet ist.
Figur 2D zeigt eine erfindungsgemässe Abdichtungsvorrichtung mit im wesentlichen L-förmigem
Querschnitt, die einseitig in nur einem Flächenbereich beschichtet ist.
Figur 3 zeigt im Längsschnitt eine Anordnung von Abdichtungsvorrichtungen zur Abdichtung
langer Fugen.
Figur 3A zeigt im Längsschnitt eine Fugenabdichtung mit mehreren aneinander angeordneten
erfindungsgemässen, ebenen Abdichtungsvorrichtungen, mit und ohne Verklebung.
Figur 3B zeigt im Längsschnitt eine Fugenabdichtung mit mehreren überlappend angeordneten
und für gute Abdichtung gestalteten erfindungsgemässen, im wesentlichen ebenen Abdichtungsvorrichtungen.
[0031] In Figur 1 sind drei Betonteile 1, 2, 3 dargestellt, wobei zwischen jeweils zwei
Betonteilen 1, 2 und 2, 3 eine horizontale Arbeitsfuge 4 resp. eine vertikale Arbeitsfuge
5 vorhanden ist. In den Betonteilen 1, 2 ist eine im Querschnitt im Wesentlichen L-förmige
Abdichtungsvorrichtung 6 eingebracht. Die Abdichtungsvorrichtung 6 weist einen als
Trägerblech ausgebildeten Träger 7 auf, auf dem eine Beschichtung 8, wie oben beschrieben,
angebracht ist. Eine Abdichtung wird zum einen durch den Träger 7 selbst ausgebildet.
Zum anderen wird durch die Beschichtung 8 in Verbindung mit Wasser und Calciumhydroxid
aus dem Beton wasserunlösliches Calciumcarbonat oder Calciumsilikat ausgebildet, das
eine gute Wasserdichtigkeit aufweist, die Arbeitsfuge 4 zusintert und einen guten
Verbund zum Beton herstellt, welcher die Abdichtungsvorrichtung 6 umgibt. Dadurch
kann sich Wasser nicht entlang der Abdichtungsvorrichtung 6 ausbreiten.
[0032] In der Arbeitsfuge 5 ist eine Abdichtungsvorrichtung 9 angeordnet, die sich im Wesentlichen
quer zur vertikalen Arbeitsfuge 5 erstreckt. Die Abdichtungsvorrichtung 9 unterscheidet
sich von der Abdichtungsvorrichtung 6 dadurch, dass sie im Querschnitt nicht L-förmig,
sondern im wesentlichen I-förmig resp. eben ausgebildet ist.
[0033] Figur 2 zeigt beispielhaft einige der vielen Ausgestaltungsmöglichkeiten der erfindungsgemässen
Abdichtungsvorrichtungen, wobei Figur 2A eine erfindungsgemässe, ebene Abdichtungsvorrichtung
mit im wesentlichen I-förmigem Querschnitt zeigt, die auf beiden Flächen sowie auch
an den Kanten des Trägers 7 mit der Beschichtung 8 beschichtet ist.
[0034] Figur 2B zeigt eine erfindungsgemässe Abdichtungsvorrichtung mit im wesentlichen
C-förmigem Querschnitt. In dieser Ausführungsform ist der Träger auf der Innenseite
des C sowie an dessen Abschlusskanten und an den Aussenflächen der kurzen Schenkel
des Trägers 7 mit der Beschichtung 8 versehen. Diese Ausführungsform führt zu einer
zusätzlichen Umlenkung des Flüssigkeitsflusses und damit zu einer längeren Kontaktzeit
mit der Beschichtung.
[0035] Figur 2C zeigt eine erfindungsgemässe Abdichtungsvorrichtung mit im wesentlichen
L-förmigem Querschnitt, einseitig resp. "einflächig", hier an der "Innenseite" des
L, beschichtet. Die Ausgestaltung der Abdichtungsvorrichtung mit L-förmigem Querschnitt
hat den Vorteil, dass diese Vorrichtung bei einer waagerechten Arbeitsfuge und folglich
vorzugsweise quer dazu, d.h. senkrecht, anzubringender Fugenabdichtung, auf dem Fuss
steht und dadurch weniger oder gar nicht in den noch nicht ausgehärteten Beton einsinkt
und sich auch nicht wesentlich aus der Senkrechten verschiebt. Die Stabilisierung
gegen Absinken und insbesondere gegen eine Verschiebung gegenüber der Senkrechten
kann durch einen T-förmigen Träger 8 (eingesetzt mit dem Deckbalken des T nach unten,
d.h. als Fuss) noch wirksamer verhindert werden.
[0036] Figur 2D zeigt eine erfindungsgemässe Abdichtungsvorrichtung mit im wesentlichen
L-förmigem Querschnitt, einseitig in nur einem Flächenbereich beschichtet. Diese Ausführungsform
stellt eine Kosten sparende Variante dar, ist aber weniger lange wirksam und sollte
nur an relativ unkritischen Stellen eingesetzt werden.
[0037] Zwei beispielhafte Möglichkeiten, wie eine ganze Fugenabdichtung durch Verwendung
mehrerer erfindungsgemässer Abdichtungsvorrichtungen realisiert werden kann, sind
in Figur 3 dargestellt. Darin zeigt Figur 3A eine Fugenabdichtung mit mehreren aneinander
anstossend angeordneten erfindungsgemässen, ebenen, einseitig und an einer Kante mit
Beschichtung 8 beschichtete Abdichtungsvorrichtungen 9, mit Verklebung 10 und ohne
Verklebung im Längsschnitt.
[0038] Figur 3B zeigt eine Fugenabdichtung mit mehreren überlappend angeordneten und für
gute Abdichtung gestalteten erfindungsgemässen, im wesentlichen ebenen Abdichtungsvorrichtungen,
ebenfalls im Längsschnitt. In dieser Ausführungsform der Fugenabdichtung ist an den
Überlappungskanten der Weg, den der Flüssigkeitsfluss in Kontakt mit der Beschichtung
8 zurücklegt verlängert. Noch besseren Schutz erhält man bei Verwendung eines allseitig
mit Beschichtung 8 beschichteten Trägers 7 (siehe Figur 2A).
1. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) zur Abdichtung von Arbeitsfugen (4, 5), mit einem Träger
(7) und einer zumindest bereichsweise auf dem Träger (7) aufgebrachten Beschichtung
(8), wobei die Beschichtung (8) ein Bindemittel und ein Abdichtungsmaterial aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass das Abdichtungsmaterial (i) ein Calcium fällendes Mittel und (ii) ein latent hydraulisches
Material enthält oder daraus besteht.
2. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschichtung zusätzlich mindestens ein Gesteinsmehl und/oder mindestens einen
Gesteinssand enthält.
3. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) gemäss irgendeinem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Calcium fällende Mittel eine Verbindung oder eine Mischung von Verbindungen ist,
die beim Kontakt mit Wasser durch eine chemische Reaktion Carbonationen oder Silikationen
abspaltet.
4. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) gemäss irgendeinem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Calcium fällende Mittel ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus wasserlöslichen
Carbonaten, wasserlöslichen Hydrogencarbonaten, wasserlöslichen Silikaten, wasserlöslichen
Polysilikaten und Mischungen derselben.
5. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) gemäss irgendeinem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Calcium fällende Mittel ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus wasserlöslichen
Alkalicarbonaten, wasserlöslichen Alkalihydrogencarbonaten, wasserlöslichen Alkalisilikaten,
wasserlöslichen Alkalipolysilikaten und Mischungen derselben, insbesondere aus wasserlöslichen
Alkalicarbonaten, wasserlöslichen Alkalihydrogebcarbonaten, und Mischungen derselben.
6. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) gemäss irgendeinem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die latent hydraulische Verbindung ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Hüttensand,
Trass, Puzzolanerde, EFA-Füller®, Steinkohleflugasche, Braunkohleflugasche, Microsilica, Silica Fume, Oelschiefer,
Metakaolin, und Mischungen derselben.
7. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) gemäss irgendeinem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Gestein des Gesteinsmehls und/oder des Gesteinssandes ausgewählt ist aus der
Gruppe bestehend aus Kalk, Basalt, Granit, Gneis, Porphyr, Feldspat, Tonerde, Titanoxid,
Quarzsand und Mischungen derselben.
8. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) gemäss irgendeinem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittel ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Kunststoffen, Latex,
Natur- oder Synthesekautschuk, vernetzbaren Polymeren, Bitumen und Mischungen derselben.
9. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) gemäss irgendeinem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschichtung mindestens ein quellendes Mittel, insbesondere Bentonit, enthält.
10. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittel eine Kunststoffdispersion, insbesondere eine Latexdispersion, ist.
11. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Träger (7) ein verzinktes Trägerblech ist.
12. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Träger (7) die Beschichtung (8) nur auf einer, bei Anwendung gegen die abzudämmende
Seite liegenden, Seite aufweist.
13. Abdichtungsvorrichtung (6, 9) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschichtung (8) auf dem Träger (7) eine raue Oberfläche ausbildet.
14. Fugenabdichtung, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens zwei Abdichtungsvorrichtungen gemäss irgendeinem der vorangehenden Ansprüche
aneinander anstossend oder in jeweils einem Endbereich überlappend angeordnet sind.
15. Fugenabdichtung gemäss Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Abdichtungsvorrichtungen mit einem Dichtkleber (10) verklebt sind.