[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf eine magnetorheologische Formulierung
enthaltend in einer Flüssigkeit dispergierte magnetisierbare Teilchen, Verfahren zur
Herstellung der magnetorheologischen Formulierung sowie deren Verwendung.
[0002] Als magnetorheologische Formulierungen (Abkürzung: MRF) bezeichnet man generell Formulierungen,
welche ihre rheologischen Eigenschaften unter Einwirkung eines magnetischen Feldes
verändern. Dabei handelt es sich zumeist um Suspensionen von ferromagnetischen, superparamagnetischen
oder paramagnetischen Teilchen in einer Flüssigkeit.
[0003] Wird eine solche Suspension einem Magnetfeld ausgesetzt, nimmt ihr Fließwiderstand
zu. Dies wird dadurch verursacht, dass die dispergierten magnetisierbaren Teilchen,
beispielsweise Eisenpartikel, aufgrund ihrer magnetischen Wechselwirkung kettenartige
Strukturen entlang der Magnetfeldlinien ausbilden. Während der Scherung einer MRF
werden diese Strukturen partiell zerstört, bilden sich aber wieder zurück. Die rheologischen
Eigenschaften einer magnetorheologischen Formulierung in einem Magnetfeld ähneln den
Eigenschaften eines plastischen Körpers mit Fließgrenze, d.h. es muss eine Mindest-Schubspannung
aufgewendet werden, um die magnetorheologische Formulierung zum Fließen zu bringen.
[0004] Hohe übertragbare Schubspannungen sind erforderlich für den Einsatz magnetorheologischer
Formulierungen in regelbaren Vorrichtungen wie Dämpfern, Kupplungen, Bremsen und anderen
Geräten (zum Beispiel Haptic Devices, Crashabsorbern, Steer-by-Wire-Lenksystemen,
Gear- und Brake-by-wire-Systemen, Dichtungen, Haltesystemen, Prothesen, Fitnessgeräten
oder Lagern).
[0006] Dem Fachmann bekannte Formulierungen nach dem Stand der Technik verwenden als Basisflüssigkeit
Kohlenwasserstoffe, etwa Alkane, Alkene, Poly-α-olefine (PAO) oder Ester, Polyester,
Silikonöle, Polyalkylenglykole, oder Wasser. Als magnetische Komponente wird häufig
Carbonyleisenpulver - sphärische Eisenpartikel mit einer Größe zwischen 1 und 30 µm
- verwendet, obwohl auch Partikel aus anderen Legierungen (
WO 94/10691) oder mit unregelmäßiger Gestalt beschrieben werden (
WO 04/044931 oder
US 2004/140447).
[0007] Eine gute Gebrauchsfähigkeit einer magnetorheologischen Formulierung bedingt eine
geringe Sedimentationsneigung der verwendeten magnetisierbaren Partikel in der Flüssigkeit.
Treten Sedimente auf, so müssen diese leicht aufrührbar, d.h. leicht redispergierbar
sein, um die Funktion der Apparate in denen die magnetorheologischen Formulierung
eingesetzt wird, nicht negativ zu beeinflussen. Die Bildung von Agglomeraten sowie
harten nicht mehr redispergierbaren Sedimenten lässt sich durch Verwendung geeigneter
Dispergiermittel völlig oder teilweise umgehen. Hierzu werden in der Regel Polymere
oder Tenside eingesetzt.
US 5,683,615 beschreibt die Verwendung von Thiophosphor- und/oder Thiocarbamat-Verbindungen als
Dispergiermittel für magnetisierbare Partikel zur Verbesserung der Kolloidstabilität.
US 2004/0084651 beschreibt Oleate, Naphthenate, Sulfonate, Phosphatester, Laurate, Stearate, z.B.
Lithiumhydroxystearat, Stearinsäure, Glycerinmonoleat, und Fettalkohole als Dispergiermittel.
US 2002/0130305 erwähnt als bevorzugte Tenside ethoxylierte Alkylamine wie z.B. Talgfettaminethoxylat.
US 2003/0047705 beansprucht ethoxylierte und propoxylierte Alkylamine.
[0008] Darüber hinaus enthalten die bekannten magnetorheologischen Formulierungen meist
ein Thixotropiermittel, welches eine Fließgrenze aufbaut und so einer Sedimentation
der Partikel entgegenwirkt. Die Sedimenthärte wird verringert und die Redispergierbarkeit
von bereits sedimentierten Partikeln wird durch derartige Zusätze erleichtert. Stand
der Technik ist die Verwendung von hydrophob modifizierten Schichtsilikaten des Smectit-Typs,
besonders des Montmorillonit-Typs (
WO 01/03150 A1), eines Hauptbestandteils des Bentonits, von Kieselgel oder von dispersem Siliciumdioxid
(
US 5,667,715) in unpolaren Flüssigkeiten. Bekannt ist auch die Verwendung von Kohlenstoffpartikeln
(
US 5,354,488) oder von Polyharnstoffen für diesen Zweck (
DE 196 54 461 A1).
[0009] Magnetorheologische Formulierungen auf wässriger Basis sind in
US 6,132,633 beschrieben und enthalten hydrophile Schichtsilikate des Bentonit- oder Hectorit-Typs.
Auch Laponite, ein dem Hectorit ähnliches synthetisches Schichtsilikat, wird für diesen
Einsatzzweck erwähnt.
[0010] Die übertragbare Schubspannung einer magnetorheologischen Formulierung steigt mit
dem Gewichtsanteil der magnetisierbaren Partikel. Für einzelne Anwendungen sind dabei
durchaus Gewichtsanteile der magnetisierbaren Partikel von 90 % und mehr anzustreben.
Strategien zur Maximierung der Gewichtsanteile und damit der übertragbaren Schubspannung
unter Feld beziehen sich auf die Feinabstimmung der Partikelgrößen, eventuell die
Verwendung von verschieden großen Partikeldurchmessern (
WO 97/15058).
US 5,667,715 betrifft eine Mischung aus großen und kleinen Eisenpartikeln, um das Verhältnis der
übertragbaren Schubspannung mit Magnetfeld zur übertragbaren Schubspannung ohne Magnetfeld
zu maximieren. Limitierend ist jedoch in jedem Fall die dichteste Kugelpackung der
magnetisierbaren Teilchen und die mit dem Pigmentierungsgrad ansteigende Grundviskosität
bzw. Schubspannung. In der US-Patentanmeldung
US 2006/0033068 werden deshalb magnetorheologische Formulierungen mit Anteilen von magnetisierbaren
Teilchen beschrieben, die eine spezielle Geometrie besitzen. Diese Teilchen in Form
von Plättchen, Nadeln, Zylindern oder in Eiform richten sich ohne Einflüsse eines
Magnetfeldes in Richtung der Flussrichtung einer Flüssigkeit aus und weisen deshalb
eine im Vergleich zu magnetorheologische Formulierungen mit z.B. sphärischen Partikeln
niedrigere Grundviskosität bei vergleichbarer maximaler Schubspannung unter Feld auf.
[0011] Eine weitere Strategie, die erzielbaren Schubspannungen zu maximieren, ist das Entfernen
von störenden Verunreinigungen auf den Partikeloberflächen (
WO 94/10694 oder
WO 95/28719) oder das Verwenden bestimmter Legierungen (
WO 94/10691).
[0012] Dem Fachmann ist bekannt, dass die Polarität einer in der magnetorheologischen Formulierung
enthaltenen Flüssigkeit die mit der magnetorheologischen Formulierung erzielbaren
Schubspannungen in einem Magnetfeld mit beeinflusst. So zeigen magnetorheologische
Formulierungen auf Poly-α-olefin-Basis niedrigere Schubspannungen als MR-Formulierungen
auf Silikonbasis oder gar wässrige Systeme. Polare Zusätze zu der flüssigen Komponente
einer magnetorheologischen Formulierung können zu verbesserten Schubspannungen beitragen.
[0013] Herkömmliche in magnetorheologischen Formulierungen enthaltene polare Flüssigkeiten,
wie etwa Wasser oder Polyalkylenglykole, zeigen aber bei niedrigen Temperaturen unter
-20°C eine zu hohe Viskosität oder Erstarren, und scheiden deshalb für geeignete magnetorheologische
Formulierungen, die ein hohes Verhältnis an übertragbarer Schubspannung mit Magnetfeld
zu übertragbarer Schubspannung ohne Magnetfeld aufweisen, aus.
[0014] Ein anderes, bisher nicht gelöstes Problem ist die mangelnde Temperaturstabilität
der in der magnetorheologischen Formulierung enthaltenen Flüssigkeit. So ist eine
Vielzahl der bekannten, bei niedrigen Temperaturen niedrigviskosen und damit zum Beispiel
für den Automobilsektor einsetzbaren magnetorheologischen Formulierungen nur bei Temperaturen
bis 100°C über einen längeren Zeitraum stabil, während bei höheren Temperaturen bis
150 °C eine ausreichende Stabilität nicht mehr gegeben ist, sei es aufgrund von Verdampfungsverlust
oder aufgrund chemischer Veränderung der in der magnetorheologischen Formulierung
enthaltenen Flüssigkeit. Unter "stabil" wird in diesem Zusammenhang verstanden, dass
die anwendungstechnischen Eigenschaften sich in Folge von Temperaturbelastung nicht
verschlechtern. Dieses sind einerseits die reologischen Eigenschaften, d.h. das Fließverhalten
ohne Magnetfeld, sowie unter Einfluss eines Magnetfeldes. Andererseits sollen die
Formulierungen nach längerer Temperaturbelastung keine Instabilitäten oder Inhomogenitäten
zeigen, wie Agglomeration oder verstärkte Sedimentation, zum Beispiel unter Bildung
harter, nicht mehr redispergierbarer Bodensätze, was unter anderem auf den teilweisen
oder vollständigen Funktionsverlust des Dispergiermittels zurückzuführen ist. Häufig
haben die bei niedrigen Temperaturen niedrigviskosen, in der magnetorheologischen
Formulierung enthaltenen Flüssigkeiten einen zu hohen Dampfdruck bei Temperaturen
über 150 °C. Ein Abdampfen von Flüssigkeitsanteilen bei hohen Betriebstemperaturen
und damit ein Verdicken der magnetorheologischen Formulierung ist die Folge. Die bekannten
magnetorheologischen Formulierungen mit Flüssigkeiten, die hohen Betriebstemperaturen
von über 170°C ohne Beeinträchtigung der magnetorheologischen Formulierungslebensdauer
ausgesetzt werden können, sind bei Temperaturen unter -20 °C bereits ohne Anlegen
eines Magnetfeldes zu hochviskos, erstarren amorph oder kristallisieren.
[0015] JP 2006 193686 A offenbart eine magnetorheologische Formulierung enthaltend eine ionische Flüssigkeit,
magnetisierbare Teilchen (mit einem Durchmesser zwischen 0.5 und 20 µm) und Additive.
Die ionische Flüssigkeit kann aus 1-Butyl-3-methylimidazolium-Salze oder 1-Methyl-pyridinium-Salze
ausgewählt sein.
[0016] Nachteilig an den bekannten magnetorheologischen Formulierungen ist, dass sie häufig
nicht die gewünschte Eigenschaftskombination für die jeweiligen Anwendungsgebiete
aufweisen. Die einzelnen Komponenten der Formulierungen - z.B. Basisflüssigkeit, Viskositätsmodifizierer,
magnetisierbare Partikel, Dispergiermittel, Verdicker, Korrosionsinhibitoren und Gleitmittel
und andere - sollten für viele Anwendungen so aufeinander abgestimmt sein, dass trotz
der hohen Volumenanteile an magnetisierbaren Partikeln die Gebrauchsfähigkeit der
Formulierung gewährleistet ist. Darunter versteht man die Fließfähigkeit der Formulierungen
über einen breiten Temperaturbereich von zum Beispiel -40 °C bis 200 °C, ein möglichst
niedriges Viskositätsniveau ohne Einwirkung eines Magnetfeldes, eine möglichst hohe
übertragbare Schubspannung in einem Magnetfeld, ein geringes Sedimentationsverhalten
der magnetisierbaren Partikel, eine geringe Aggregationstendenz und eine leichte Redispergierbarkeit
nach Sedimentation. Eine wichtige Eigenschaft ist auch eine große Beständigkeit der
magnetorheologischen Formulierung gegenüber Energieeinträgen, die aus der Benutzung
resultiert. Die, Energie wird durch hohe Scherung mit und ohne Magnetfeld eingetragen
und äußert sich in hohen Fluidtemperaturen, Abrieb und physikalischen und chemischen
Fluidveränderungen.
[0017] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine magnetorheologische Formulierung
bereitzustellen, die die Nachteile des Standes der Technik vermeidet und die möglichst
viele der für eine bestimmte Anwendung gewünschten, oben genannten Eigenschaften aufweist.
[0018] insbesondere soll die magnetorheologische Formulierung über einen großen Temperaturbereich
einsetzbar sein, zum Beispiel soll sie in besonderen Ausführungsvarianten bei -40°C
flüssig und ohne Beeinträchtigung der Gebrauchsfähigkeit Temperaturen über 150 °C
aussetzbar sein. Weiterhin ist es insbesondere Aufgabe der Erfindung, eine magnetorheologische
Formulierung zur Verfügung zu stellen, die nach der Sedimentation der magnetisierbaren
Teilchen problemlos redispergierbar ist und durch die beim Anlegen eines Magnetfeldes
möglichst hohe Schubspannungen übertragbar sind. Ferner sollen sich die rheologischen
Eigenschaften der magnetorheologischen Formulierung sowohl im Magnetfeld als auch
ohne Anlegen eines Magnetfeldes nach längerer mechanischer Beanspruchung möglichst
wenig verändern.
[0019] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch eine magnetorheologische Formulierung,
die eine ionische Flüssigkeit enthaltend Anionen und Kationen, dispergierte magnetisierbare
Teilchen mit einem mittleren Durchmesser zwischen 0,1 und 500 µm und gegebenenfalls
Additive enthält, wobei die ionische Flüssigkeit ausgewählt ist aus 1-Butyl-3-methylimidazolium-methylsulfat,
1-Ethyl-3-methylimidazoliumethylsulfat, 1-Ethyl-3-methylimidazoliumthiocyanat, 1-Butyl-3-methylimidazoliumthiocyanat,
1-Ethyl-3-methylimidazoliumacetat, 1-Butyl-3-methylimidazoliumacetat, 1-Ethyl-3-methylpyridiniumethylsulfat,
1-Ethyl-3-methylimidazoliumdicyanamid, 1-Butyl-3-methylimidazoliumtetrafluorborat,
1-Hexyl-3-methylimidazoliumtetrafluorborat, 1-Methyl-3-octylimidazoliumtetrafluorborat,
1-Methyl-3-octylimidazoliumhexafluorphosphat, 1-Ethyl-3-methylimidazoliumhexafluorphosphat,
1-Hexyl-3-methylimidazoliumhexafluorphosphat, Methyltrioctylammonium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid
und 1-Ethyl-3-methylimidazolium-2(2-methoxyethoxy)ethylsulfat.
[0020] Die dispergierten Teilchen können dabei in einer Flüssigkeit dispergiert sein, die
ausschließlich aus der ionischen Flüssigkeit (100 Gew.-%) besteht oder in einer Flüssigkeit
dispergiert sein, die zusätzlich zu der ionischen Flüssigkeit weitere Komponenten,
beispielsweise Additive, enthält. Vorzugsweise ist das Verhältnis des Gewichtsanteils
der ionischen Flüssigkeit zum Gewichtsanteil der Additive jeweils bezogen auf das
Gesamtgewicht der magnetorheologischen Formulierung größer als 1, besonders bevorzugt
größer als 2. Als Additive werden dabei alle Komponenten der magnetorheologischen
Formulierung bezeichnet, die zusätzlich zu der ionischen Flüssigkeit und den magnetisierbaren
Teilchen darin enthalten sind.
[0021] Die erfindungsgemäße Formulierung auf der Basis von ionischen Flüssigkeiten enthält
eine völlig neu zusammengesetzte Flüssigkeit, die im Unterschied zu den aus dem Stand
der Technik bekannten, in magnetorheologischen Formulierungen enthaltenen Flüssigkeiten
nicht im Wesentlichen aus Kohlenwasserstoffen, Estern, Polyethern, Polyestern, Silikonölen
oder Wasser besteht.
[0022] Erfindungsgemäße magnetorheologische Formulierungen zeigen sehr hohe Schubspannungen,
wenn sie einem Magnetfeld ausgesetzt werden. Im Vergleich zu einer herkömmlichen magnetorheologischen
Formulierung mit vergleichbarer Schubspannung kann bei der erfindungsgemäßen magnetorheologischen
Formulierung ein niedrigerer Pigmentierungsgrad (weniger magnetisierbare Teilchen
pro Volumen) verwendet werden, was wiederum eine niedrigere Viskosität der magnetorheologischen
Formulierung ohne Magnetfeld bedeutet. Zudem ist die Temperaturabhängigkeit der Schubspannung
im Magnetfeld deutlich geringer als die von magnetorheologischen Formulierungen basierend
auf hydrophoben Ölen. Spezielle magnetorheologische Formulierungen gemäß der Erfindung
sind selbst bei -40 °C noch fließfähig und zugleich bei Temperaturen über 180°C chemisch
stabil und weisen einen sehr geringen Verdampfungsverlust auf. Bedingt durch den polaren
Charakter ionischer Flüssigkeiten kann bei der Dispergierung von magnetisierbaren
Partikeln mit hydrophiler Oberfläche, zum Beispiel von Eisenpartikeln, auf oberflächenaktive
Zusätze oder auf Dispergiermittel verzichtet werden, so dass chemische und physikalische
Veränderungen der magnetorheologischen Formulierung, die zum Beispiel nach Langzeit-
oder Dauerbeanspruchung auftreten und auf Veränderungen z.B. des Dispergiermittels
zurückzuführen sind, nicht stattfinden. Dementsprechend ist die übertragbare Schubspannung
einer magnetorheologischen Formulierung basierend auf einer ionischen Flüssigkeit
mit und ohne Magnetfeld nach Dauerlastversuchen nahezu unverändert, während magnetorheologische
Formulierungen zum Beispiel auf Basis von Poly-α-olefinen eine Veränderung in der
Schubspannung erfahren.
[0023] Ionische Flüssigkeiten gemäß der vorliegenden Erfindung sind ausgewählt aus 1-Butyl-3-methylimidazolium-methylsulfat,
1-Ethyl-3-methylimidazoliumethylsulfat, 1-Ethyl-3-methylimidazoliumthiocyanat, 1-Butyl-3-methylimidazoliumthiocyanat,
1-Ethyl-3-methylimidazoliumacetat, 1-Butyl-3-methylimidazoliumacetat, 1-Ethyl-3-methylpyridiniumethylsulfat,
1-Ethyl-3-methylimidazoliumdicyanamid, 1-Butyl-3-methylimidazoliumtertrafluorborat,
1-Hexyl-3-methylimidazoliumtetrafluorborat, 1-Methyl-3-octylimidazoliumtetrafluorborat,
1-Methyl-3-octylimidazoliumhexafluorphosphat, 1-Ethyl-3-methylimidazoliumhexafluorphosphat,
1-Hexyl-3-methylimida-zoliumhexafluorphosphat, Methyltrioctylammonium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid
und 1-Ethyl-3-methylimidazolium-2-(2-methoxyethoxy)ethylsulfat.
[0024] Diese ionischen Flüssigkeiten haben bei 20°C eine Viskosität von < 1000 mPas und
sind noch bei Temperaturen von unter -20°C flüssig.
[0025] In der erfindungsgemäßen magnetorheologischen Formulierung sind magnetisierbare Teilchen
enthalten. Dabei kann es sich um beliebige, im Stand der Technik bekannte magnetisierbare
Teilchen handeln.
[0026] Die in der erfindungsgemäßen magnetorheologischen Formulierung enthaltenen magnetisierbaren
Teilchen weisen einen mittleren Durchmesser zwischen 0,1 und 500 µm, bevorzugt zwischen
0,1 und 100 µm, besonders bevorzugt zwischen 1 und 50 µm auf. Die Form der magnetisierbaren
Teilchen kann gleichmäßig oder unregelmäßig sein. Beispielsweise kann es sich um sphärische,
stäbchen- oder nadelförmige Teilchen handeln. Bevorzugt werden magnetisierbare Teilchen
von weitgehend sphärischer Gestalt eingesetzt. Annähernd sphärische Partikel können
zum Beispiel durch das Verdüsen von geschmolzenen Metallen (Sprühpulver, "atomisierte"
Pulver) erhalten werden.
[0027] Für die vorliegende Erfindung können auch Mischungen von magnetisierbaren Teilchen,
insbesondere von magnetisierbaren Teilchen mit unterschiedlicher Teilchengrößenverteilung
und/oder mit unterschiedlichem Material zum Einsatz kommen.
[0028] Die erfindungsgemäße magnetorheologische Formulierung enthält vorzugsweise magnetisierbare
Teilchen ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus eisenhaltigen Partikeln, nickelhaltigen
Partikeln und cobalthaltigen Partikeln. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Partikel
aus Eisen, Eisenlegierungen, Eisenoxiden, Eisennitrit, Eisencarbid, Carbonyleisen,
Nickel, Cobalt, Edelstahl, Siliciumstahl, Legierungen oder Mischungen daraus. Es können
aber auch Partikel zum Beispiel aus Chromdioxid enthalten sein.
[0029] Die magnetisierbaren Teilchen können eine Beschichtung aufweisen, zum Beispiel kann
ein mit isolierenden oder korrosionsverhindemden anorganischen Substanzen, z.B. Silikaten,
Phosphaten, Oxiden, Carbiden oder Nitriden, mit anderen Metallen oder mit mindestens
einem Polymer gecoatetes Eisenpulver verwendet werden.
[0030] Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung sind
in der magnetorheologischen Formulierung als magnetisierbare Teilchen Carbonyleisenpulver
(CEP) -Partikel enthalten. Das Carbonyleisenpulver wird bevorzugt durch Zersetzung
von Eisenpentacarbonyl hergestellt. Verschiedene Arten von CEP sind dem Fachmann bekannt.
Neben den aus der thermischen Abscheidung erhalten nen harten CEP-Typen können auch
reduzierte Carbonyleisenpulver verwendet werden. Derartige Pulver sind weniger abrasiv
und sind mechanisch weicher. Von harten und reduzierten CEP-Sorten werden auf verschiedene
Art und Weise oberflächenbehandelte Typen abgeleitet. Die gebräuchlichsten behandelten
Carbonyleisenpulver sind Silikat- oder Phosphat-beschichtet, aber auch andere Modifizierungen
sind erhältlich. Ein weiteres Kriterium der Differenzierung von Carbonyleisenpulvern
ist die jeweilige Größenverteilung der Partikel, die wesentlichen Einfluss auf die
Anwendungseigenschaften haben kann. Die dispergierten Carbonyleisenpulver-Partikel
haben vorzugsweise einen mittleren Durchmesser zwischen 1 und 30 µm. Prinzipiell sind
alle Carbonyleisenpulver-Sorten für die Erfindung geeignet. Die genaue Auswahl richtet
sich nach den Einsatzbedingungen für die erfindungsgemäße magnetorheologische Formulierung.
[0031] In der erfindungsgemäßen magnetorheologischen Formulierung sind die magnetisierbaren
Teilchen vorzugsweise mit einem Anteil zwischen 50 Gew.-% und 90 Gew.-%, besonders
bevorzugt zwischen 70 Gew.-% und 88 Gew.%, bezogen auf das Gesamtgewicht der magnetorheologischen
Formulierung, enthalten.
[0032] Gemäß einer Variante der vorliegenden Erfindung enthält die magnetorheologische Formulierung
zusätzlich zu der ionischen Flüssigkeit mindestens ein Additiv. Das Additiv ist vorzugsweise
ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Thixotropiermittel, Viskositätsmodifizierer,
Verdicker, Dispergiermittel, oberflächenaktive Zusätze, Antioxidantien, Gleit-/Schmiermittel
und Korrosionsschutzmittel.
[0033] Viskositätsmodifizierer können in der ionischen Flüssigkeit lösliche Lösungsmittel
oder polymere Zusätze sein, die die Viskosität der Formulierung verändern. Geeignet
sind z.B. polare Lösungsmittel, wie Wasser, Aceton, Acetonitril, niedermolekulare
Alkohole, Amine, Amide, DMF, DMSO, oder polymere Zusätze wie z. B. unmodifizierte
oder modifizierte Polysaccharide, Polyacrylate und Polyharnstoffe
[0034] Falls die erfindungsgemäße magnetorheologische Formulierung als Viskositätsmodifizierer
dienende Additive enthält, so sind diese vorzugsweise in einer Konzentration von 0,01
bis 49 Gew.%, besonders bevorzugt von 0,01 bis 30 Gew.-%, insbesondere von 0,05 bis
10 Gew.%, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht von ionischer Flüssigkeit und Additiven,
enthalten.
[0035] Ein Thixotropiermittel ist ein Additiv, das eine Fließgrenze aufbaut und so einer
Sedimentation der magnetisierbaren Teilchen in der in der magnetorheologischen Formulierung
enthaltenen Flüssigkeit entgegenwirkt. Die erfindungsgemäße magnetorheologische Formulierung
kann zum Beispiel mindestens ein Thixotropiermittel enthalten, das aus der Gruppe
bestehend aus natürlichen und synthetischen Schichtsilikaten der Smectitgruppe (gegebenenfalls
hydrophob modifizierten Schichtsilikaten, zum Beispiel des Montmorillonit-Typs, wie
aus der
WO 01/03150 A1 bekannt), Kieselgel oder (amorphem) dispersem Siliciumdioxid (wie aus
US 5,667,715 bekannt), faserförmigen Silikaten(z.B. mikronisierte Sepiolithe und Attapulgite),
Kohlenstoffpartikeln (wie aus
US 5,354,488 bekannt), und Polyharnstoffen (wie aus
DE 196 54 461 A1 bekannt) ausgewählt ist. Auch können Thixotropiermittel auf Basis von polymeren Kohlenhydraten
eingesetzt werden, wie etwa Xanthangalactomannanderivate, Guarderivate und anionische
oder nichtionische Cellulose- bzw. Stärkeether.
[0036] Beispiele für verwendbare Schichtsilikate sind Bentonit, Montmorillonit, Hectorit
oder synthetische Schichtsilikate wie Laponite® der Rockwood Additives Ltd. und deren
hydrophob modifizierten Varianten. Da die Polarität der in der magnetorheologischen
Formulierung enthaltenen Flüssigkeit aufgrund des Charakters der ionischen Flüssigkeit
sehr hoch ist, können zum Beispiel einfache Schichtsilikatverdicker eingesetzt werden,
die eine reduzierte Sedimentation der magnetisierbaren Teilchen bewirken. Die Verwendung
hydrophob modifizierter und damit an hydrophobe Basisöle wie Poly-α-olefine und Silikone
angepasster Schichtsilikate ist daher zwar möglich, aber nicht unbedingt erforderlich.
[0037] Falls die erfindungsgemäße magnetorheologische Formulierung als Thixotropiermittel
dienende Additive enthält, so sind diese vorzugsweise in einer Konzentration von 0,01
bis 10 Gew.-%, besonders bevorzugt von 0,01 bis 5 Gew.-%, insbesondere von 0,05 bis
1 Gew.-%, jeweils bezogen auf die magnetorheologische Formulierung, enthalten.
[0038] Ein Dispergiermittel ist ein Additiv, das die Redispergierbarkeit der magnetisierbaren
Teilchen in der in der magnetorheologischen Formulierung enthaltenen Flüssigkeit nach
ihrer Sedimentation verbessert und deren Agglomeration verhindert. Bedingt durch den
polaren Charakter ionischer Flüssigkeiten kann bei der Dispergierung von magnetisierbaren
Partikeln mit hydrophiler Oberfläche, zum Beispiel von Eisenpartikeln, in der Flüssigkeit
einer erfindungsgemäßen magnetorheologischen Formulierung auf Dispergiermittel verzichtet
werden. In diesem Fall finden chemische oder physikalische Veränderungen der magnetorheologischen
Formulierung, die zum Beispiel nach Langzeit- oder Dauerbeanspruchung auftreten und
auf das Dispergiermittel zurückzuführen sind, nicht statt. Es können jedoch auch in
der erfindungsgemäßen magnetorheologischen Formulierung Dispergiermittel zum Einsatz
kommen, zum Beispiel polymere Dispergiermittel wie Polysaccharide, Polyacrylate, Polyester,
insbesondere von Polyhydroxystearinsäure, Alkydharze, langkettige Alkoxylate, weiterhin
Polyalkylenoxide, wie z.B. Pluronic
® der BASF AG, bei denen es sich um Polyethylenoxid-Polypropylenoxid-Polyethylenoxid-Blockcopolymerisate
und Polypropylenoxid-Polyethylenoxid-Polyproylenoxid-Blockcopolymerisate handelt.
Mögliche Dispergiermittel sind weiterhin anionische, kationische, amphotere und nichtionische
Tenside, die dem Fachmann bekannt sind und nicht im Einzelnen erwähnt werden müssen.
Beispielhaft für nichtionische Tenside seinen Zuckertenside und Alkoholalkoxylate
genannt, als Beispiel für anionische Tenside Anionen von Carbonsäuren, z.B. Oleate
und Stearate, Alkylsulfate, Alkylethersulfate, Alkylphosphate, Alkyletherphosphate
und Alkylsulfonate und als Beispiel für amphotere oder zwitterionische Tenside seien
die Alkylaminoxide genannt.
[0039] Falls die erfindungsgemäße magnetorheologische Formulierung als Dispergiermittel
dienende Additive enthält, so sind diese vorzugsweise in einer Konzentration von 0,01
bis 5 Gew.-%, besonders bevorzugt von 0,05 bis 1. Gew.-%, jeweils bezogen auf die
magnetorheologische Formulierung, enthalten.
[0040] Die erfindungsgemäße magnetorheologische Formulierung kann wahlweise andere Additive
enthalten, beispielsweise Gleitmittel wie Teflonpulver, Molybdänsulfit oder Graphitpulver,
Korrosionsinhibitoren, Anti-Verschleiß-Additive und Antioxidantien.
[0041] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung hat die in der
magnetorheologischen Formulierung enthaltene ionische Flüssigkeit bei 25 °C eine kinematische
Viskosität von < 5000 mPas, bevorzugt von < 1000 mPas, besonders bevorzugt von < 200
mPas (vorzugsweise gemessen nach DIN 51562 bzw. ISO 3105 mit einem Ubbelohde-Viskosimeter
Typ 501 von Schott). Ferner hat die ionische Flüssigkeit der magnetorheologischen
Formulierung vorzugsweise bei -30°C eine Viskosität < 20000 mPas, besonders bevorzugt
< 10000 mPas, ganz besonders bevorzugt < 2000 mPas.
[0042] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist weiterhin ein Verfahren zur Herstellung
einer erfindungsgemäßen magnetorheologischen Formulierung durch Dispergieren der magnetisierbaren
Teilchen in einer Flüssigkeit, die eine ionische Flüssigkeit enthaltend Anionen und
Kationen enthält.
[0043] Die Herstellung erfolgt zum Beispiel so, dass die ionische Flüssigkeit vorgelegt
und gegebenenfalls mit Additiven versehen wird. Bevor die ionische Flüssigkeit mit
anderen Bestandteilen der magnetorheologischen Formulierung gemischt wird, kann sie
erwärmt werden, um ihre Viskosität herabzusetzen. Zur Herstellung der magnetorheologischen
Formulierung werden die magnetisierbaren Teilchen in der die ionische Flüssigkeit
enthaltenden Flüssigkeit dispergiert. Es ist jedoch alternativ möglich, die magnetisierbaren
Teilchen in die ionische Flüssigkeit einzurühren und erst anschließend Additive hinzuzugeben.
Die Homogenisierung der magnetorheologischen Formulierung erfolgt zum Beispiel mit
Hilfe eines geeigneten Rühraggregats. Wahlweise wird die resultierende magnetorheologische
Formulierung unter Vakuum entgast. Weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung
ist die Verwendung der erfindungsgemäßen magnetorheologischen Formulierung für Anwendungen
in regelbaren Vorrichtungen wie Dämpfern, Kupplungen, Bremsen und anderen Geräten,
wie insbesondere Haptic Devices, Crashabsorbern, Steer-by-Wire-Lenksystemen, Gear-
und Brake-by-Wire-Systemen, Dichtungen, Haltesystemen, Prothesen, Fitnessgeräten oder
Lagern.
[0044] Anhand von Beispielen wird die Erfindung nachstehend näher erläutert.
A) Drei Beispiele für erfindungsgemäße magnetorheologische Formulierungen und ein
Vergleichsbeispiel
[0045] Beispiel 1:
Magnetorheologische Formulierung bestehend aus 19,5 Gew-% EMIM EtSO4 (1-Ethyl-3-methylimidazoliumethylsulfat),
0,5 Gew-% Schichtsilikat (Laponit® RDS der Rockwood Additives Ltd) als Thixotropiermittel
und 80 Gew-% Carbonyleisenpulver SQ der BASF AG als magnetisierbare Teilchen.
[0046] Beispiel 2:
Magnetorheologische Formulierung bestehend aus 22,34 Gew.-% 1-Ethyl-3-methylimidazoliumthiocyanat,
0,66 Gew.-% Schichtsilikat Laponite® RDS der Rockwood Additives Ltd als Thixotropiermittel
und 77 Gew.-% Carbonyleisenpulver mit einem mittleren Partikeldurchmesser von 4 µm
als magnetisierbare Teilchen.
[0047] Beispiel 3: 23 Gew. % 1-Ethyl-3-methylimidazoliumthiocyanat und 77 Gew.% Carbonyleisenpulver
Typ ON der BASF AG als magnetisierbare Teilchen.
[0048] Vergleichsbeispiel: 23 Gew.% Poly-α- olefin Durasyn® DS 192 der BASF AG und 77 Gew.-% Carbonyleisenpulver
Typ ON der BASF AG.
[0049] Die Eigenschaften der magnetorheologischen Formulierungen sind in Tabellen 1 und
2 zusammengestellt.
[0050] Tabelle 1 enthält die Schubspannungen τ der magnetorheologischen Formulierungen bei
verschiedenen Temperaturen (-30°C und 25°C) und Scherraten (10 s
-1 und 100 s
-1) ohne Magnetfeld und bei 25°C und 1 s
-1 mit Magnetfeld (magnetische Flussdichte 0,7 T).
[0051] Die rheologische Charakterisierung der Formulierung mit Magnetfeld erfolgt in einem
kommerziellen Rheometer Physica MCR501 von Anton Paar GmbH, ausgestattet mit einer
Magnetmesszelle MRD 180/1 T, ebenfalls Anton Paar GmbH. Die Messungen erfolgen in
einer Platte-Platte Anordnung mit dem standardmäßig mitgelieferten Rotor mit 20 mm
Durchmesser, der Plattenabstand beträgt 0,3 mm. Die Kalibrierung der Magnetmesszelle
mit Probe zur Bestimmung der magnetischen Flussdichte erfolgt mit einem Gaussmeter
der Firma F.W. Bell (Model 9500, Sonde F.W. Bell 1X). Nach Einbau der Probe erfolgt
eine komplette Entmagnetisierung der Messzelle. Um reproduzierbare Messbedingungen
einzustellen, wird die Probe vor jeder Messung mit einer Scherrate von 10 s
-1 für 20 s vorgeschert, es schließt sich eine Ruhephase von 10 s an. Bei gegebener
Stromstärke der Magnetspule werden verschiedene Scherraten angefahren (z.B. 0,1, 1,
10, 100 s
-1). Nach einer Dauer von 10 s wird der Messwert genommen. Die angegebenen Schubspannungen
werden unter Annahme einer Newtonschen Flüssigkeit berechnet.
[0052] Die rheologische Charakterisierung der Formulierung ohne Magnetfeld erfolgt in einer
Kegel-Platte Geometrie mit 40 mm Durchmesser und einem Kegelwinkel von 2 (Rheometer
RheoStress 150 von Thermo Haake). Der Messmodus ist schubspannungsgesteuert, es werden
Stufen in der Schubspannung für die Dauer von 1 s angefahren (typische Scherspannungsbereiche
liegen zwischen 0,05 und 2500 Pa) und eine Fließkurve erstellt. Aus dieser wird die
zu den Scherraten 10 und 100 s
-1 zugehörige Schubspannung abgelesen.
Tabelle 1:
| |
τ[Pa]
10s
-30°C |
τ[Pa]
100s-1
25°C |
τ [kPa]
1s-1
0,7 T 25°C |
| Beispiel 1 |
270 |
210 |
82 |
| Beispiel 2 |
50 |
25 |
74 |
| Beispiel 3 |
42 |
23 |
68 |
| Vergleichsbeispiel |
n.b. |
n.b. |
n.b. |
| n.b. = nicht bestimmbar, da sofortige Separation einsetzt |
[0053] Tabelle 2 enthält Angaben zum Fließverhalten bei -40°C, zur Redispergierbarkeit,
zur Redispergierbarkeit nach 28 Tagen und zur Ölabscheidung.
Tabelle 2:
| |
Fließverhalten -40°C |
Redispergierbarkeit 2000 g; 15 min |
Redispergierbarkeit nach 28 Tagen |
Ölabscheidung nach 28 Tagen [%] |
| Beispiel 1 |
0 |
+ |
++ |
11 |
| Beispiel 2 |
++ |
++ |
++ |
15 |
| Beispiel 3 |
+ |
0 |
+ |
35 |
| Vergleichsbeispiel |
n.b. |
-- |
-- |
50 |
| n.b. = nicht bestimmbar, da sofortige Separation einsetzt |
Erläuterung der Prüfmethoden:
a) Fließverhalten bei -40°C:
[0054] Die Formulierung wird in einem verschraubbaren Glas auf -40°C abgekühlt. Anschließend
wird nach dem Kippen des Glases um etwa 130° das Fließverhalten beurteilt. Ausschlaggebend
ist die Geschwindigkeit, mit der sich im Glas erneut ein horizontaler Flüssigkeitsspiegel
ausbildet.
++: fließt schnell (dünnflüssig)
+: fließt langsam (dickflüssig)
0: fließt sehr langsam (zähflüssig)
-: fest
b) Redispergierbarkeit (2000 g; 15 min)
[0055] Die magnetorheologische Formulierung wird 15 Minuten in einer Zentrifuge bei 4000
U/min. geschleudert. Hierbei treten Zentrifugalkräfte von 2000 facher Erdbeschleunigung
auf. Nach der Zentrifugation wird das Sediment auf Redispergierbarkeit geprüft. Hierzu
wird ein Laborspatel in den sedimentierten Bodensatz gesteckt (bis auf 3 mm über dem
Gefäßboden) und um 180° gedreht. Dabei wird der Widerstand, welcher der Bewegung des
Spatels entgegenwirkt, qualitativ beurteilt:
++: Widerstand sehr niedrig (sehr gut redispergierbar)
+: Widerstand niedrig (gut redispergierbar)
0: Widerstand hoch (redispergierbar)
-: Widerstand sehr hoch (schlecht redispergierbar)
-: Spatel kaum zu drehen (nicht redispergierbar)
c) Redisperierbarkeit nach 28 Tagen:
[0056] Die magnetorheologische Formulierung wird 5 cm hoch in ein Schraubdeckelglas gefüllt.
Nach 28 Tagen wird ein Laborspatel bis 3 mm über den Glasboden in die Formulierung
gesteckt und um 180° gedreht. Dabei wird der Widerstand, welcher der Bewegung des
Spatels entgegenwirkt, qualitativ beurteilt:
++: Widerstand sehr niedrig (sehr gut redispergierbar)
+: Widerstand niedrig (gut redispergierbar)
0: Widerstand hoch (redispergierbar)
-: Widerstand sehr hoch (schlecht redispergierbar)
: Spatel kaum zu drehen (nicht redispergierbar)
d) abscheidung:
[0057] Die magnetorheologische Formulierung wird in ein verschraubbares graduiertes Reagenzglas
gefüllt und bei 20°C die Ölabscheidung prozentual nach 28 Tagen abgelesen.
B) Versuch und Vergleichsversuche zum Massenverlust bei Erwärmung
[0058] Drei bei -40 °C fließfähige magnetorheologische Formulierungen mit unterschiedlichen
flüssigen Komponenten (davon eine erfindungsgemäße magnetorheologische Formulierung)
wurden einer thermogravimetrischen Analyse (TGA) unterzogen und dabei mit einer Rate
von 5 °C/min an der Luft bis auf 250 °C aufgeheizt (Gerät Netzsch STA 449C). Dabei
ergab sich folgender Massenverlust für die drei Formulierungen:
| Basisflüssigkeit |
Gewichtsverlust Am |
Bewertung für Gebrauch bei hohen Temperaturen |
| i) Poly-α-olefin (Durasyn 162) |
- 5,3 % (30 °C bis 250 °C) |
nicht geeignet |
| ii) Silikonöl (Wacker DM5) |
- 2,0 % (30 °C bis 250 °C) |
nicht geeignet |
| iii) lonische Flüssigkeit: 1-Ethyl-3-methyl-imidazoliumethylsulfat |
- 0,9 % (30 °C bis 250 °C) |
geeignet |
[0059] Die drei untersuchten magnetorheologischen Formulierungen waren wie folgt zusammengesetzt:
- i) 9,38 Gew.-% Poly -α- olefin (Durasyn® DS192 der BASF AG) und 90 Gew.-% Carbonyleisenpulver
Typ ON der BASF AG und 0,40 Gew.-% Dispergiermittel Disperbyk DB 108 (Byk-Chemie)+
0,24 Gew.-% Bentone SD 3 (Elementis Specialties)
- ii) 16,65 Gew.-% Polydimethylsiloxan Wacker DM5 + 83 Gew.-% Carbonyleisenpulver Typ
SQ der BASF AG + 0,35 Gew.-% Bentone SD3
- iii) 19,5 Gew.-% 1-Ethyl-3-methylimidazoliumethylsulfat und 80 Gew.-% Carbonyleisenpulver
Typ SQ der BASF AG als magnetisierbare Teilchen und 0,5 Gew.-% Schichtsilikat Laponite®
SD3 der Rockwood Additives Ltd als Thixotropiermittel.
C) Versuch und Vergleichsversuche zur Schubspannung bei niedrigem Gehalt an Carbonyleisenpulver
(CEP) (ungefähr 80 Gew.-%)
[0060] Die Versuche wurden bei 25 °C mit einer Scherrate von 10 s
-1 durchgeführt.
a) Versuch mit erfindungsgemäßer magnetorheologischer Formulierung: 22,34 Gew.-% 1-Ethyl-3-methylimidazoliumthiocyanat
und 77 Gew.-% Carbonyleisenpulver als magnetisierbare Teilchen und 0,66 Gew.-% Schichtsilikat
Laponite® RDS der Rockwood Additives Ltd als Thixotropiermittel
b) Erster Vergleichsversuch: 17,75 Gew.-% Polydimethylsiloxan Wacker DM5 und 82 Gew.-%
Carbonyleisenpulver Typ ON der BASF AG und 0,25 Gew.-% Bentone SD3.
c) Zweiter Vergleichsversuch: 18,67 Gew.-% Poly-α-olefin (Dimer von Dodecan) und 80
Gew.-% Carbonyleisenpulver Typ ON der BASF AG und 0,66 Gew.-% Dispergiermittel Borchi
Gen BG 911 (Borchers GmbH) und 0,67 Gew.-% Schichtsilikat Bentone SD3.
| magnetische Induktion/T |
a) Schubspannung /kPa |
b) Schubspannung /kPa |
c) Schubspannung /kPa |
| 0,00 |
0,0122 |
0,0511 |
0,00320 |
| 0,05 |
1 |
0,762 |
0,469 |
| 0,10 |
3,16 |
2,61 |
1,35 |
| 0,20 |
10,6 |
8,85 |
4,23 |
| 0,30 |
20,7 |
18 |
8,5 |
| 0,40 |
33,0 |
26 |
13,4 |
| 0,50 |
45,7 |
35,3 |
18,1 |
| 0,60 |
59 |
43,5 |
22,4 |
| 0,70 |
70 |
50,4 |
26,1 |
| 0,80 |
75,9 |
54,8 |
29,5 |
| 0,90 |
80,1 |
56,5 |
31,6 |
| 1,00 |
82,6 |
58,1 |
33,1 |
D) Viskosität verschiedener ionischer Flüssigkeiten, die für die erfindungsgemäße
magnetorheologische Formulierung geeignet sind
[0061]
| lonische Flüssigkeit |
flüssig über [°C] |
• Viskosität 20 °C • [mPas] |
| 1-Butyl-3-methylimidazoliummethylsulfat |
< -20 |
• 214 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazoliumethylsulfat |
<-20 |
• 122 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazoliumdicyanamid |
<-20 |
• 22 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazolium-n-butylsulfat (Vergleich) |
24 |
• 173 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazolium-n-hexylsulfate (Vergleich) |
7 |
• 371 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazolium-n-octylsulfate (Vergleich) |
-9 |
• 471 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazoliumthiocyanat |
< -20 |
• 22 |
| 1-Butyl-3-methylimidazoliumthiocyanat |
< 20 |
• 54 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazoliumtetrachloraluminat (Vgl.) |
9 |
• 26 |
| 1-Butyl-3-methylimidazoliumtetrachloraluminat(Vgl.) |
-10 |
• 32 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazoliumacetat |
< 20 |
• 93 |
| 1-Butyl-3-methylimidazoliumacetat |
<20 |
• 554 |
| 1-Ethyl-3-methylpyridiniumethylsulfat |
< -65 |
• 152 |
| 1-Ethyl-3-methylpyridiniumnonaflate (Vergleich) |
-6 |
• 225 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazoliumtetrafluorborat (Vergleich) |
15 |
• |
| 1-Butyl-methylimidazoliumtetrafluorborat |
<-65 |
• 104 |
| 1-Hexyl-methylimidazoliumtetrafluorborat |
< -65 |
• 250 |
| 1-Methyl-3-octylimidazoliumtetrafluorborat |
< -65 |
• 400 |
| 1-Methyl-3-octylimidazoliumhexafluorphosphat |
<-65 |
• 900 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazoliumhexafluorphosphat |
<-65 |
• 560 |
| 1-Hexyl-3-methytimidazoliumhexafluorphosphat |
< -65 |
• 900 |
| Methyltrioctylammonium-bis(trifluormethylsutfonyl)imid |
< -65 |
• 630 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazolium-2-(2-methoxy-ethoxy)ethylsulfate |
<-65 |
• 205 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazoliumdiethylphosphate (Vgl.) |
20 |
• 554 |
| 1-Ethyl-3-methylimidazoliumhydrogensulfat (Vergleich) |
28 |
• 4320 |
1. Magnetorheologische Formulierung, Enthaltend dass
• eine ionische Flüssigkeit enthaltend Anionen und Kationen,
• dispergierte magnetisierbare Teilchen mit einem mittleren Durchmesser zwischen 0,1
und 500 µm und
• gegebenenfalls Additiver
dadurch gekennzeichnet, dass die ionische Flüssigkeit ausgewählt ist aus 1-Butyl-3-methylimidazoliummethylsulfat,
1-Ethyl-3-methylimidazoliumethylsulfat, 1-Ethyl-3-methylimidazoliumthiocyanat, 1-Butyl-3-methylimidazoliumthiocyanat,
1-Ethyl-3-methylimidazoliumacetat, 1-Butyl-3-methylimidazoliumacetat, 1-Ethyl-3-methylpyridiniumethylsulfat,
1-Ethyl-3-methylimidazoliumdicyanamid, 1-Butyl-3-methylimidazoliumtetrafluorborat,
1-Hexyl-3-methylimidazoliumtetrafluorborat, 1-Methyl-3-octylimidazoliumtetrafluorborat,
1-Methyl-3-octylimidazoliumhexafluorphosphat, 1-Ethyl-3-methylimidazoliumhexafluorphosphat
; 1-Hexyl-3-methylimidazoliumhexafluorphosphat, Methyltrioctylammonium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid
und 1-Ethyl-3-methylimidazolium-2(2-methoxyethoxy)ethylsulfat.
2. Magnetorheologische Formulierung gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die magnetorheologische Formulierung mindestens ein Additiv ausgewählt aus der Gruppe
bestehend aus Thixotropiermittel, Viskositätsmodifizierer, Verdicker, Dispergiermittel,
oberflächenaktive Zusätze, Antioxidantien, Gleit-/Schmiermittel und Korrosionsschutzmittel
enthält.
3. Magnetorheologische Formulierung gemäß einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis des Gewichtsanteils der ionischen Flüssigkeit zum Gewichtsanteil der
Additive jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der magnetorheologischen Formulierung
größer als 1 ist.
4. Magnetorheologische Formulierung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, gekennzeichnet durch magnetisierbare Teilchen ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus eisenhaltige Partikel,
nickelhaltige Partikel und cobalthaltige Partikel.
5. Magnetorheologische Formulierung gemäß Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass als magnetisierbare Teilchen Carbonyleisenpartikel mit einem mittleren Durchmesser
zwischen 1 und 30 µm enthalten sind.
6. Verfahren zur Herstellung einer magnetorheologischen Formulierung gemäß einem der
Ansprüche 1 bis 5, gekennzeichnet durch Dispergieren der magnetisierbaren Teilchen in einer Flüssigkeit, die eine ionische
Flüssigkeit enthaltend Anionen und Kationen enthält.
7. Verwendung einer magnetorheologischen Formulierung gemäß einem der Ansprüche 1 bis
5 in einer regelbaren Vorrichtung ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Dämpfern,
Kupplungen, Bremsen und anderen Geräten, wie Fitnessgeräten, Haptic Devices, Haltesystemen,
Crashabsorbern, Steer-by-Wire-Lenksystemen, Gear- und Brake-by-Wire-Systemen, Dichtungen,
Prothesen und Lagern.
1. Formulation magnéto-rhéologique, contenant :
- un liquide ionique contenant des anions et des cations,
- des particules magnétisables dispersées d'un diamètre moyen compris entre 0,1 et
500 µm, et
- éventuellement des additifs,
caractérisée en ce que le liquide ionique est choisi parmi le méthylsulfate de 1-butyl-3-méthylimidazolium,
l'éthylsulfate de 1-éthyl-3-méthylimidazolium, le thiocyanate de 1-éthyl-3-méthylimidazolium,
le thiocyanate de 1-butyl-3-méthylimidazolium, l'acétate de 1-éthyl-3-méthylimidazolium,
l'acétate de 1-butyl-3-méthylimidazolium, l'éthylsulfate de 1-éthyl-3-méthylpyridinium,
le dicyanamide de 1-éthyl-3-méthylimidazolium, le tétrafluoroborate de 1-butyl-3-méthylimidazolium,
le tétrafluoroborate de 1-hexyl-3-méthylimidazolium, le tétrafluoroborate de 1-méthyl-3-octylimidazolium,
l'hexafluorophosphate de 1-méthyl-3-octylimidazolium, l'hexafluorophosphate de 1-éthyl-3-méthylimidazolium,
l'hexafluorophosphate de 1-hexyl-3-méthylimidazolium, le bis(trzfluorométhylsulfonyl)imide
de méthyltrioctylammonium et le 2(2-méthoxyéthoxy)éthylsulfate de 1-éthyl-3-méthylimidazolium.
2. Formulation magnéto-rhéologique selon la revendication 1, caractérisée en ce que la formulation magnéto-rhéologique contient au moins un additif choisi dans le groupe
constitué par les agents thixotropiques, les modificateurs de viscosité, les épaississants,
les agents de dispersion, les additifs tensioactifs, les antioxydants, les agents
anti-adhérents/lubrifiants et les agents anticorrosion.
3. Formulation magnéto-rhéologique selon l'une quelconque des revendications 1 ou 2,
caractérisée en ce que le rapport entre la proportion en poids du liquide ionique et la proportion en poids
des additifs, à chaque fois par rapport au poids total de la formulation magnéto-rhéologique,
est supérieur à 1.
4. Formulation magnéto-rhéologique selon l'une quelconque des revendications 1 à 3, caractérisée par des particules magnétisables choisies dans le groupe constitué par les particules
contenant du fer, les particules contenant du nickel et les particules contenant du
cobalt.
5. Formulation magnéto-rhéologique selon la revendication 4, caractérisée en ce que des particules de carbonyle de fer d'un diamètre moyen compris entre 1 et 30 µm sont
contenues en tant que particules magnétisables.
6. Procédé de fabrication d'une formulation magnéto-rhéologique selon l'une quelconque
des revendications 1 à 5, caractérisé par la dispersion des particules magnétisables dans un liquide, qui contient un liquide
ionique contenant des anions et des cations.
7. Utilisation d'une formulation magnéto-rhéologique selon l'une quelconque des revendications
1 à 5 dans un dispositif ajustable choisi dans le groupe constitué par les amortisseurs,
les raccords, les freins et autres appareils, tels que les appareils de fitness, les
appareils haptiques, les systèmes de retenue, les absorbeurs d'impact, les systèmes
de conduite « Steer-by-Wire », les systèmes « Gear- et Brake-by-Wire », les joints,
les prothèses et les paliers.