[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine seitliche Abspannung für einen Gitterausleger
eines Kranes, welche mehrere Stützelemente, die seitlich am Gitterausleger angeordnet
oder anordenbar sind, und Verbindungselemente, welche die Stützelemente in Längsrichtung
des Auslegers miteinander verbinden, umfasst. Insbesondere betrifft die Erfindung
dabei lange Gitterausleger, welche aus mehreren Gitterstücken zusammengesetzt werden.
[0002] Lange Gitterausleger werden üblicherweise über Winden und Seile aufgewippt, wobei
der Ausleger als Druckstab wirkt, da das Seil an der Auslegerspitze befestigt ist.
Die Durchbiegung des Auslegers in der Wippebene ist daher üblicherweise kein großes
Problem.
[0003] In steilen Auslegerstellungen ergibt sich jedoch die Problematik, dass der Ausleger
sich infolge von Windlasten, Schrägstellungen Sonneneinstrahlung oder Imperfektionen
seitlich, d.h. quer zur Wippebene, verformen und anschließend ausbrechen kann.
[0004] Es wurden daher bereits Ansätze unternommen, seitliche Abspannungen vorzunehmen,
welche den Gitterausleger quer zur Wippebene seitlich stabilisieren.
[0005] Aus
EP 1 263 670 B1 ist dabei ein Ringliftkran bekannt, dessen Gitterausleger auf beiden Seiten eine
Abstützung aufweist. An jedem Gitterstück sind dabei entlang der Längsachse des Auslegers
auf beiden Seiten mehrere Stützstrukturen vorgesehen, welche über ein Verbindungselement,
das in einem gewissen Abstand von den Seitenflächen des Auslegers verläuft, verbunden
sind.
[0006] Die einzelnen Gitterstücke sind hierdurch jedoch äußerst sperrig, so dass sich Probleme
beim Transport ergeben können. Zu dem wird allein durch die Verbreiterung des Gitterauslegers
über die seitlichen Abstützungen noch keine optimale Traglasterhöhung erreicht.
[0007] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine seitliche Abspannung für einen
Gitterausleger zur Verfügung zu stellen, durch welche die Traglast des Gitterauslegers
erhöht werden kann. Zudem ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine leicht zu
transportierende Lösung zu finden.
[0008] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe von einer seitlichen Abspannung gemäß Anspruch
1 gelöst. Eine solche seitliche Abspannung für einen Gitterausleger eines Kranes weist
dabei mehrere Stützelemente, die seitlich am Gitterausleger angeordnet oder anordenbar
sind, und Verbindungselemente, welche die Stützelemente in Längsrichtung des Auslegers
miteinander verbinden, auf. Erfindungsgemäß sind dabei Spannmittel zum Einbringen
einer Zugspannung in die Verbindungselemente der seitlichen Abspannung vorgesehen.
Durch die Spannmittel kann eine Zugspannung in die parallel zur Längsachse des Auslegers
auf beiden Seiten verlaufenden Verbindungselemente der seitlichen Abspannung eingeleitet
werden, so dass der Gitterausleger selbst unter Druck gesetzt wird. Hierdurch steigt
das Widerstandsmoment des Gitterauslegers gegen eine seitliche Verformung an, da der
Gitterausleger an jeder Verbindungsstelle mit den Stützelementen wieder gerade gezogen
wird. Dabei kann vorteilhafterweise eine Vielzahl von Stützelementen entlang des Gitterauslegers
verwendet werden, welche vorteilhafterweise in regelmäßigen Abständen am Gitterausleger
angeordnet sind. Weiterhin vorteilhafterweise ist dabei zumindest in einem Teilbereich
jedem Gitterelement mindestens ein Stützelement zugeordnet ist. Als Verbindungselemente
kommen dabei vorteilhafterweise in sich starre Elemente, insbesondere Stangen oder
Rohre, zum Einsatz, da diese gegenüber Seilen eine erhöhte Steifigkeit der Seitenabspannung
erlauben.
[0009] Zudem muss berücksichtigt werden, dass sich die Vorteile einer seitlichen Abspannung
vorwiegend in einer steilen Auslegerstellung ergeben. Durch die Verspannbarkeit der
erfindungsgemäßen Abspannung ist es damit möglich, nur in solchen steilen Auslegerstellungen
die seitliche Abspannung vollständig zu spannen und den Gitterausleger damit unter
Druck zu setzen. Bei flachem Auslegerwinkel kann die Spannung dagegen wieder reduziert
werden, da hier die starke seitliche Abspannung nicht benötigt wird und den Gitterausleger
unnötig belastet.
[0010] Die Spannmittel können dabei an einer beliebigen Stelle der Verbindungselemente angeordnet
sein. Weiterhin können auch mehrere Spannmittel innerhalb einer Seite der Abspannung
vorgesehen sein. Als Spannmittel können dabei z. B. Hydraulikzylinder eingesetzt werden.
[0011] Die Verbindungselemente können dabei zumindest in einem Teilbereich des Gitterauslegers
parallel zur Längsachse des Gitterauslegers von Stützelement zu Stützelement in einem
gewissen Abstand zu den Seitenflächen des Hauptauslegers verlaufen. Hierdurch können
zumindest für diesen Teilbereich identische Stützelemente eingesetzt werden, was den
Aufwand bei der Herstellung vermindert und die Montage vereinfacht. Zudem kann die
Abspannung so an unterschiedliche Auslegerlängen angepaßt werden. Vorteilhafterweise
ist dabei eine erste und eine letzte Verbindungsstange vorgesehen, welche mit dem
Hauptausleger verbunden oder verbindbar ist, so dass sich hier in Längsrichtung ein
Kraftdreieck bildet. Die Verbindungsstangen können dabei an einer beliebigen Stelle
des Hauptauslegers enden. Vorteilhafterweise endet die Abspannung dabei am äußersten
Ende des Gitterauslegers. Weiterhin vorteilhafterweise ist die Abspannung am unteren
Ende des Gitterauslegers am Anlenkstück befestigt. Das Spannmittel wie z. B. ein Hydraulikzylinder
können dabei z. B. in das unterste Verbindungselement integriert sein. Die seitliche
Abspannung ist dabei auf beiden Seiten des Gitterauslegers vorteilhafterweise spiegelbildlich
angeordnet, so dass der Gitterausleger auf beiden Seiten gleichmäßig abgespannt und
unter Druck gesetzt werden kann.
[0012] Alternativ oder zusätzlich zu einem Teilbereich des Gitterauslegers, in welchem die
Verbindungselemente parallel zur Längsachse des Gitterauslegers von Stützelement zu
Stützelement in einem gewissen Abstand zu den Seitenflächen des Hauptauslegers verlaufen,
können Stützelemente unterschiedlicher Länge eingesetzt werden, so dass sich der Abstand
der Verbindungselemente von der Längsachse des Gitterauslegers über die Länge des
Gitterauslegers ändert. Hierdurch läßt sich eine bessere Krafteinleitung in den Gitterausleger
realisieren, wobei jedoch der konstruktive Aufwand entsprechend steigt. Vorteilhafterweise
nimmt dabei der Abstand der Verbindungselemente zu den Seitenflächen des Hauptauslegers
zur Spitze hin ab. Hierdurch ist der Gitterausleger zur Spitze hin sowohl leichter
als auch schmäler, was Vorteile bezüglich Krafteinleitung, Stabilität und Handhabung
ergibt. Weiterhin vorteilhafterweise verlaufen die Verbindungselemente dabei zumindest
in einem Teilbereich des Gitterauslegers im wesentlichen parabelförmig. Dies ergibt
eine optimale Krafteinleitung, bei welcher an jedem Stützelement in etwa die gleichen
Kräfte eingeleitet werden.
[0013] Die Länge der Abspannung kann dabei an die Länge des Gitterauslegers angepasst werden,
indem die Stützelemente mit sich verringernder Länge im oberen Bereich des Gitterauslegers
eingesetzt werden, während im unteren Bereich eine an die Länge des Gitterauslegers
angepaßte Anzahl von Stützelementen gleicher Länge eingesetzt wird.
[0014] Durch die erfindungsgemäße seitliche Abspannung ist es dabei möglich, die Traglast
bei steilen Auslegerstellungen erheblich zu steigern. Vorteilhafterweise wird dabei
die seitliche Abspannung für den Hauptausleger eines Auslegerkranes mit einem in einer
vertikalen Wippebene aufwippbaren Hauptausleger verwendet. Die seitliche Abspannung
kann jedoch auch mit jedem anderen Gitterausleger, wie z. B. Derrickauslegern, Spitzenauslegern
und Abspannböcken verwendet werden.
[0015] Die vorliegende Erfindung umfasst weiterhin eine seitliche Abspannung für einen Gitterausleger
eines Kranes, welche mehrere Stützelemente, die seitlich am Gitterausleger anordenbar
sind, und Verbindungselemente, welche die Stützelemente in Längsrichtung des Auslegers
miteinander verbinden, umfasst, wobei die Stützelemente lösbar mit den Seiten des
Gitterauslegers verbindbar, insbesondere verbolzbar sind. Hierdurch kann die seitliche
Abspannung getrennt von den Gitterstücken des Hauptauslegers transportiert werden,
so dass sich deren Transportmaß nicht erhöht. Hierdurch wird die Transportierbarkeit
der erfindungsgemäßen Lösung auf öffentlichen Straßen garantiert. Zudem ergibt sich
im Vergleich zu Gitterstücken, an welchen eine seitliche Abstützung fest montiert
ist, ein erheblich flexiblerer Einsatz, da die seitliche Abspannung nur montiert werden
braucht, wenn diese für den konkreten Hub benötigt wird.
[0016] Die lösbare Verbindbarkeit der seitlichen Abspannung mit dem Gitterausleger des Kranes
ist dabei unabhängig von der Spannbarkeit der Abspannung von großem Vorteil, so dass
auch für diese selbständig Schutz beansprucht wird. Für den Fachmann ist es dabei
offensichtlich, dass gerade eine Kombination eines lösbar mit dem Gitterausleger verbindbaren
seitlichen Abspannung mit Spannmitteln zum Einbringen einer Zugspannung in die Verbindungselemente
eine besonders vorteilhafte Anordnung ergibt, bei welcher bei Bedarf die seitliche
Abspannung angeordnet und zur Erhöhung der Steifigkeit des Gitterauslegers verspannt
wird.
[0017] Weiterhin vorteilhafterweise sind die Stützelemente dabei gelenkig mit den Seiten
des Gitterauslegers verbindbar oder verbunden. Hierdurch können die Stützelemente
auf die durch die Verbindungselemente aufgebrachte Zugspannung reagieren und gegen
den Gitterausleger verschwenkt werden. Die Drehachse der Anlenkung der Stützelemente
ist dementsprechend in der Wippebene des Gitterauslegers senkrecht zur Längsachse
des Gitterauslegers ausgerichtet. Hierdurch kann über die Verbindungselemente eine
hohe Zugkraft übertragen und ein hoher Druck auf den Gitterausleger ausgeübt werden,
ohne dass die Stützelemente oder die Gitterauslegerstruktur einer Biegebelastung ausgesetzt
würden.
[0018] Die gelenkige Anordnung der Stützelemente am Gitterausleger kann dabei z. B. über
Verbolzungen entlang der Drehachse der Anlenkung erfolgen.
[0019] Weiterhin vorteilhafterweise sind die Stützelemente lösbar mit den Verbindungselementen
verbindbar, insbesondere verbolzbar. Hierdurch können die Stützelemente und die Verbindungselemente
einzeln transportiert und erst am Hubort montiert werden, so dass ein äußerst platzsparender
Transport möglich wird.
[0020] Weiterhin vorteilhafterweise sind die Stützelemente dabei gelenkig mit den Verbindungselementen
verbunden oder verbindbar. Hierdurch können die Stützelemente auch gegenüber den Verbindungselementen
verschwenkt werden, so dass beim Aufbringen einer Zugkraft die mechanischen Belastungen
minimiert werden. Die Verschwenkbarkeit kann dabei vorteilhafterweise durch ein Gelenkelement
erfolgen, welches gegenüber dem Stützelement verschwenkbar ist und an dem die Verbindungselemente
montiert werden, z.B. durch eine Verbolzung parallel zur Verschwenkachse.
[0021] Weiterhin vorteilhafterweise weisen die Stützelemente dabei drei Streben in Form
eines Dreiecks auf, wobei die Grundseite des Dreiecks seitlich mit dem Gitterausleger
verbolzbar ist und die Spitze mit den Verbindungselementen verbunden oder verbindbar.
Vorteilhafterweise weisen die Dreiecke dabei zwei stärkere Druckstäbe und als Grundseite
einen leichteren Zugstab auf. Damit die Dreiecke auf die aufgebrachte Zugkraft reagieren
können, sind sie weiterhin vorteilhafterweise um die Achse der Verbindungsbolzen mit
dem Gitterausleger schwenkbar. Vorteilhafterweise ist die Spitze des Dreiecks mit
den Verbindungselementen verbunden oder verbindbar, insbesondere über ein verschwenkbares
Gelenkelement, welches mit den Verbindungselementen verbolzbar ist. Die seitliche
Abspannung besteht damit im wesentlichen aus mehreren Stützelementen und mehreren
Verbindungselementen, welche vor Ort mit dem Gitterausleger und untereinander verbolzbar
sind. Zudem ist mindestens ein Verbindungselement mit einem Spannmittel vorgesehen,
um die Abspannung zu verspannen.
[0022] Weiter ist zu beachten, dass die erfindungsgemäße seitliche Abspannung auch an bestehenden
Kranen und Auslegern nachgerüstet werden soll. Hierzu sind vorteilhafterweise die
Stützelemente mit den Bolzen, mit welchen die einzelnen Gitterstücke des Gitterauslegers
miteinander verbolzt sind, verbunden oder verbindbar. An den Gitterstücken des Gitterauslegers
müssen daher keine Laschen oder Verbindungselemente für die seitliche Abspannung angebracht
werden, so dass die Lösung problemlos an bestehenden Kranen nachgerüstet werden kann,
indem die Stützelemente mit den Bolzen, mit welchen die einzelnen Gitterstücke des
Gitterauslegers miteinander verbolzt sind, verbunden werden. Hierzu müssen lediglich
entsprechende Bolzen bzw. Verbindungsstücke vorgesehen werden.
[0023] Vorteilhafterweise weisen die Bolzen, mit welchen die einzelnen Gitterstücke des
Gitterauslegers miteinander verbolzt sind, dabei eine Bolzenaufnahme zur Verbolzung
mit den Verbindungselementen auf. Insbesondere ist dabei ein Verbindungsstück mit
den Bolzen verbunden oder verbindbar, welches eine solche Bolzenaufnahme aufweist.
Bei bestehenden Gitterauslegern müssen hierdurch lediglich neue Bolzen bzw. Verbindungsstücke
vorgesehen werden, mit welchen die Stützelemente dann ihrerseits verbunden bzw. verbolzt
werden.
[0024] Die vorliegende Erfindung umfasst daher weiterhin Bolzen zur Verbindung einzelner
Gitterstücke eines Gitterauslegers miteinander, welche mit einer seitlichen Abspannung
verbunden oder verbindbar sind. Hierdurch ist es möglich, eine seitliche Abspannung
gemäß der vorliegenden Erfindung mit einem bestehenden Gitterausleger zu verbinden.
Insbesondere umfasst die vorliegende Erfindung dabei die Verwendung von Bolzen, welche
einzelne Gitterstücke eines Gitterauslegers miteinander verbinden, zur Verbindung
des Gitterauslegers mit einer seitlichen Abspannung.
[0025] Vorteilhafterweise weisen die Bolzen dabei eine Bolzenaufnahme zur Verbolzung mit
der seitlichen Abspannung auf. Die seitliche Abspannung kann so mit den Bolzen, welche
die einzelnen Gitterstücke des Gitterauslegers miteinander verbolzen, verbolzt werden.
Insbesondere umfasst die vorliegende Erfindung dabei Verbindungsstücke, welche mit
den Bolzen verbunden oder verbindbar sind und ihrerseits der Verbindung mit der seitlichen
Abspannung dienen.
[0026] Erfindungsgemäß können also die Bolzen an den Gabel-Finger-Verbindungen der Gitterstücke
zur Verbindung mit den Stützelementen verwendet werden. Hierzu wird zwischen diesen
Bolzen und den Stützelementen ebenfalls eine Gabel-Finger-Verbindung hergestellt und
verbolzt. Das die bolzenseitige Bolzenaufnahme tragende Verbindungsstück kann dabei
entweder am Bolzen angeschraubt, verbolzt oder in anderer Weise befestigt sein.
[0027] Alternativ zu einer solchen Verbindung der seitlichen Abspannung mit den Bolzen der
Gabel-Finger-Verbindungen der Gitterstücke des Gitterauslegers kann auch eine Verbindung
direkt mit den Gitterstücken vorgesehen sein. Hierfür weisen die Gitterstücke vorteilhafterweise
Verbindungspunkte zur Verbindung mit den Stützelementen auf, insbesondere Bolzenaufnahmen.
Vorteilhafterweise sind diese Im Bereich von Querverstrebungen der Gitterstücke angeordnet.
Eine solche seitliche Abspannung ist zwar nicht mehr beliebig nachrüstbar, da die
Gitterstücke selbst die Verbindungspunkte aufweisen müssen. Es ergibt sich bei dieser
Lösung jedoch eine verbesserte Stabilität, da die ohnehin stark belasteten Gabel-Finger-Verbindungen
der Gitterstücke hierdurch nicht zusätzlich belastet werden.
[0028] Die vorliegende Erfindung umfasst weiterhin einen Gitterausleger mit einer seitlichen
Abspannung, wie sie weiter oben beschrieben wurde. Der Gitterausleger weist dabei
eine Mehrzahl, vorteilhafterweise eine Vielzahl von Gitterstücken auf. Die seitliche
Abspannung für einen Gitterausleger weist dabei ebenfalls eine Mehrzahl, vorteilhafterweise
eine Vielzahl von Stützelementen auf, die seitlich am Gitterausleger angeordnet oder
anordenbar sind, und Verbindungselemente, welche die Stützelemente in Längsrichtung
des Auslegers miteinander verbinden. Erfindungsgemäß sind dabei Spannmittel zum Einbringen
einer Zugspannung in die Verbindungselemente der seitlichen Abspannung vorgesehen.
Die Stützelemente sind vorteilhafterweise in regelmäßigen Abständen am Gitterausleger
angeordnet. Weiterhin vorteilhafterweise ist dabei jedem Gitterelement mindestens
ein Stützelement zugeordnet ist.
[0029] Die vorliegende Erfindung umfasst weiterhin einen Kran mit einem Gitterausleger mit
einer seitlichen Abspannung, wie sie weiter oben beschrieben wurde. Insbesondere handelt
es sich dabei um einen Auslegerkran mit einem in einer vertikalen Wippebene aufwippbaren
Gitterausleger. Die seitliche Abspannung kann dabei vorteilhafterweise am Hauptausleger,
sowie an anderen Auslegern eingesetzt werden.
[0030] Weiterhin vorteilhafterweise kann dabei erfindungsgemäß die von den Spannmitteln
erzeugte Zugspannung über die Kransteuerung variiert werden. Hierdurch ist es für
den Kranführer möglich, die Zugspannung zu erhöhen, wenn eine stärkere Seitensteifigkeit
z. B. bei einem steilen Auslegerwinkel benötigt wird und diese in anderen Situationen
wieder zu verringern. Vorteilhafterweise weist die Kransteuerung hierfür eine entsprechende
Bedienerführung und eine entsprechende Software auf. Vorteilhafterweise handelt es
sich bei den Spannmitteln dabei um hydraulische Aktuatoren, z. B. über Hydrozylinder,
welche mit dem Hydrauliksystem des Kranes verbunden werden und über die Kransteuerung
ansteuerbar sind.
[0031] Die vorliegende Erfindung umfasst weiterhin ein Verfahren zum Betrieb eines Kranes
mit einem Gitterausleger mit seitlicher Abspannung, wobei die Zugspannung in der seitlichen
Abspannung in Abhängigkeit von dem Wippwinkel des Gitterauslegers variiert wird. Hierdurch
ist es möglich, die in die seitliche Abspannung eingebrachte Zugspannung und damit
den Druck auf den Gitterausleger an den Wippwinkel und damit an die konkrete Hubsituation
anzupassen.
[0032] Vorteilhafterweise ist dabei die Zugspannung bei einer steilen Stellung des Gitterauslegers
höher als bei einer weniger steilen Stellung. Die seitliche Abspannung ist dabei insbesondere
bei steilen Auslegerstellungen vorteilhaft, während sie bei weniger steilen Auslegerstellungen
nicht benötigt und den Gitterausleger unnötig unter Druck setzt. Der Gitterausleger
wird deshalb nur bei steilen Wippwinkeln vollständig gespannt, um das Widerstandsmoment
des Auslegers gegen eine seitliche Verformung zu erhöhen und so auch in dieser Stellung
eine hohe Last aufnehmen zu können. Bei flachem Auslegerwinkel kann die Spannung dagegen
wieder reduziert werden.
[0033] Bei einem erfindungsgemäßen Verfahren wird daher vorteilhafterweise zunächst der
Gitterausleger komplett montiert, dann eine erste Zugspannung in der seitlichen Abspannung
erzeugt, dann der Gitterausleger aufgerichtet und dann die Zugspannung auf einen zweiten
Wert erhöht. Nun kann die Last aufgenommen werden.
[0034] Weiterhin vorteilhafterweise wird die Zugspannung bei einem flacheren Auslegerwinkel
dann wieder reduziert.
[0035] Weiterhin vorteilhafterweise umfasst die vorliegende Erfindung eine Kransteuerungssoftware,
insbesondere eine auf einem Datenträger oder in einem Datenspeicher gespeicherte Software,
über welche die Zugspannung in einer seitlichen Abspannung eines Gitterauslegers variiert
werden kann, insbesondere zur Durchführung eines erfindungsgemäßen Verfahrens. Insbesondere
weist die Software dabei vorteilhafterweise eine entsprechende Benutzerführung auf.
Hierdurch kann, wenn die seitliche Abspannung der vorliegenden Erfindung bei einem
bestehenden Kran nachgerüstet werden, auch die Kransteuerung entsprechend über die
erfindungsgemäße Software nachgerüstet werden.
[0036] Die vorliegende Erfindung wird nun anhand von Ausführungsbeispielen sowie Zeichnungen
näher beschrieben. Dabei zeigen:
- Figur 1:
- eine Draufsicht eines ersten Ausführungsbeispiels eines Gitterauslegers mit einem
ersten Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen seitlichen Abspannung,
- Figur 2:
- eine Schnittansicht quer zur Längsachse des in Figur 1 gezeigten ersten Ausführungsbeispiels
eines Gitterauslegers mit dem ersten Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen seitlichen
Abspannung,
- Figur 3:
- ein erstes Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Bolzens zur Verbindung einzelner
Gitterstücke eines Gitterauslegers miteinander, welcher gleichzeitig der Verbindung
des Gitterauslegers mit der seitlichen Abspannung dient,
- Figur 4:
- ein zweites Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Bolzens,
- Figuren 5a und 5b:
- eine Draufsicht eines zweiten und eines dritten Ausführungsbeispiels eines Gitterauslegers
mit einem zweiten bzw. dritten Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen seitlichen
Abspannung,
- Figur 6a bis 6c:
- eine Draufsicht dreier Ausführungsbeispiele eines Gitterauslegers mit entsprechenden
Ausführungsbeispielen der erfindungsgemäßen seitlichen Abspannung, und
- Figuren 7 bis 9:
- perspektivische Ansichten weiterer Ausführungsbeispiele von Gitterauslegern mit entsprechenden
Ausführungsbeispielen der erfindungsgemäßen seitlichen Abspannung.
[0037] In Figur 1 ist ein erstes Ausführungsbeispiel eines Gittermastauslegers 1 gezeigt,
welcher aus mehreren Gitterstücken 2 zusammengesetzt ist. Die Gitterstücke 2 weisen
dabei einen rechteckigen Querschnitt auf und sind aus Längsstreben 3 mit Querverstrebungen
4 gebildet. Die einzelnen Gitterstücke sind an Verbindungspunkten 5 miteinander verbolzt.
Das unterste Gitterstück 6 bildet ein Anlenkstück, über welches der Gitterausleger
z. B. am Oberwagen eines Auslegerkrans angelenkt ist. Der Gitterausleger kann damit
entlang einer vertikal verlaufenden Wippebene 15 auf und ab gewippt werden. An seinem
freien Ende weist der Gitterausleger eine hier nicht näher dargestellte Spitze auf,
welche mit einem Gitterstück 2 verbolzt wird und über welche, wenn es sich um den
Hauptausleger handelt, das Hubseil geführt ist. Ein üblicher Gitterausleger weist
dabei erheblich mehr Gitterstücke 2 auf als die aus Gründen der Übersichtlichkeit
in Figur 1 dargestellten vier Gitterstücke.
[0038] Solche langen Gitterausleger werden üblicherweise über Winden und Seile aufgewippt.
Dabei ist das Seil an der Auslegerspitze befestigt, so dass der Gitterausleger als
Druckstab wirkt. Die Durchbiegung des Auslegers in der Wippebene ist damit nicht das
primäre Problem solcher Gitterausleger. In steilen Auslegerstellungen ergibt sich
jedoch das Problem der seitlichen Verformung und eines anschließenden seitlichen Ausbrechens
des Gitterauslegers, das heißt eine Verformung quer zur Wippebene. Hierbei sind zusätzlich
Windkräfte und Verformungen aufgrund von einseitiger Sonneinstrahlung mit einseitiger
Erwärmung zu beachten.
[0039] Um das Widerstandsmoment des Gitterauslegers gegen eine seitliche Verformung, das
heißt gegen eine Verformung quer zur Wippebene 15 zu erhöhen, ist die erfindungsgemäße
seitliche Abspannung vorgesehen, welche auf beiden Seiten des Gitterauslegers 1 symmetrisch
angeordnet ist. Die seitliche Abspannung umfasst dabei Stützelemente 7, welche an
Verbolzstellen 9 mit den Seiten des Gitterauslegers verbolzt sind. Weiterhin sind
Verbindungselemente 8 vorgesehen, welche die Stützelemente 7 in Längsrichtung des
Auslegers miteinander verbinden. Die Verbindungselemente 8 sind dabei an Verbindungspunkten
11 mit den Stützelementen 7 verbolzt. Durch die Verbolzbarkeit und damit die lösbare
Verbindbarkeit der einzelnen Elemente kann die seitliche Abspannung getrennt von den
Gitterstücken 2 des Kranes transportiert werden, so dass eine Transportierbarkeit
auf öffentlichen Straßen gegeben ist.
[0040] Weiterhin ist erfindungsgemäß ein Spannmittel 14, in diesem Fall ein Hydrozylinder,
vorgesehen, über welches eine Zugspannung in die Verbindungselemente 8 eingebracht
werden kann. Hierdurch kann die seitliche Abspannung gespannt werden und damit den
Gitterausleger 1 unter Druck setzen, so dass dessen Widerstandsmoment gegen eine seitliche
Verformung ansteigt. Die erfindungsgemäße seitliche Verspannung kann damit sowohl
am mobilen als auch stationären Gitterauslegerkranen eingesetzt werden, wobei die
Spannmittel über die Verbindungselemente in Auslegerlängsrichtung eine Zugspannung
einbringen und den Gitterausleger unter Druck setzen. Im Ausführungsbeispiel sind
als Verbindungselemente dabei Verbindungsstangen gewählt. Es können aber ebenso Verbindungsseile
verwendet werden, da diese Zugkräfte übertragen müssen.
[0041] Die Verbindungselemente sind dabei über die Stützelemente, in Form von Dreiecken
vom Hauptausleger beabstandet. Die Verbindungselemente können dabei prinzipiell an
einer beliebigen Stelle des Auslegers enden, am effizientesten natürlich am äußeren
Ende des Gitterauslegers. Die seitliche Abspannung ist damit entlang der gesamten
Länge des Gitterauslegers 1 vorgesehen. Am unteren Ende ist die Abspannung am letzten
Gitterstück bzw. am Anlenkstück befestigt.
[0042] Die jeweils letzten Stützelemente 7 sind dabei über Verbindungselemente mit dem Gitterausleger
verbunden. Dabei ist das in Figur 1 gezeigte unterste Stützelement mit einem Verbindungselement
13 verbunden, welches über einen Verbindungspunkt 12 mit dem kranseitigen Ende des
untersten Gitterstücks verbunden ist, so dass sich in einer Ebene senkrecht zur Wippebene
ein Kraftdreieck bildet, über welches die Zugkräfte von den Verbindungselementen auf
den Gitterausleger übertragen werden kann. Das Spannmittel 14 ist dabei in dieses
Verbindungselement 13 integriert, über welches das unterste Stützelement mit dem Gitterausleger
verbunden ist. Das Spannmittel 14 könnte jedoch auch in jedem anderen Verbindungselement
angeordnet sein, wodurch sich jedoch die Länge der Hydraulikleitungen zum Antrieb
des Hydrozylinders vergrößern würde.
[0043] Die Stützelemente 7 sind dabei erfindungsgemäß gelenkig an den Anlenkpunkten 9 mit
dem Gitterausleger 1 verbunden, so dass die Stützelemente 7 auf die aufgebrachte Zugkraft
reagieren können, indem sie um die entsprechende Drehachse schwenken. An der Spitze
der Stützelemente 7 ist ein Gelenkelement an einem Anlenkpunkt 10 gelenkig mit dem
Stützelement 7 verbunden, wobei die Verbindungselemente 8 über Anlenkpunkte 11 an
diesem verbolzbar sind. Die Achse dieser Verbolzungen zwischen Verbindungselementen
und Gelenkelement verläuft dabei parallel zur Gelenkachse des Gelenkelements. Hierdurch
können die Stützelemente auch gegenüber den Verbindungselementen 8 verschwenken. Ebenso
erleichtert diese Anordnung das Anlenken des untersten Verbindungselementes 13 mit
dem untersten Stützelement.
[0044] In Figur 2 ist nun ein Schnitt quer zur Längsachse des in Fig. 1 gezeigten Gitterauslegers
1 gezeigt. Die Stützelemente 7 weisen dabei drei Streben in Form eines Dreiecks auf,
wobei die Grundseite 18 der Seitefläche des Gitterauslegers 1 zugewandt ist und an
den Anlenkpunkten 9 mit diesem verbolzt ist. Das Stützelement 7 kann damit um eine
Schwenkachse 25, welche der Verbolzungsachse der Verbindungspunkte 9 entspricht, gegen
den Gitterausleger 1 verschwenkt werden. Die Schwenkachse 25 verläuft damit in einer
Ebene parallel zur Wippebene 15 des Gitterauslegers senkrecht zur Längsachse des Gitterauslegers.
[0045] Die Stützelemente 7 weisen dabei zwei stärkere Druckstäbe 17 sowie die als leichterer
Zugstab ausgeführte Grundseite 18 auf. An der Spitze des so gebildeten Dreiecks ist
das Gelenkelement zur Verbindung mit den Verbindungselementen 8 gelenkig an einem
Anlenkpunkt 10 angeordnet. Die Schwenkachse dieser Anlenkung ist dabei parallel zur
Schwenkachse 25 der Anlenkung am Gitterausleger. Hierdurch können die Stützdreiecke
auf die durch die Verbindungselemente 8 aufgebrachte Zugkraft reagieren und belasten
so nicht die Struktur des Gitterauslegers oder sich selbst mit Biegekräften.
[0046] Die erfindungsgemäße Abspannung wird dabei vorteilhafterweise am Hauptausleger zum
Einsatz. Neben der Verwendung der seitlichen Abspannung am Hauptauslegers eines Auslegerkranes
kann die seitliche Abspannung selbstverständlich aber auch an allen anderen Gitterauslegerarten
angebracht werden, z.B. an Derrickauslegern, Spitzenauslegern oder Abspannböcken.
[0047] Um die erfindungsgemäße seitliche Abspannung auch bei bestehenden Kranen und Auslegern
nachrüsten zu können, werden die Stützelemente 7 über die Bolzen, welche der Verbindung
der einzelnen Gitterstücke 2 des Gitterauslegers dienen, mit dem Gitterausleger verbunden.
Insbesondere werden hierfür Verbindungsstücke verwendet, über welche die Bolzen mit
den Stützelementen 7 verbunden werden. Hierdurch müssen an den Gitterstücken keine
Laschen angebracht werden. Zwei Ausführungsbeispiele solcher Bolzen bzw. Verbindungsstücke
sind dabei in Figuren 3 und 4 gezeigt.
[0048] Über den Bolzen 16 wird dabei eine Gabel-Finger-Verbindung zwischen den einzelnen
Gitterstücken des Gitterauslegers hergestellt, bei der Finger 19 mit der Gabel 20
über den Bolzen 16 verbolzt wird. An einem seiner Enden weist der Bolzen nun erfindungsgemäß
ein Verbindungsstück 21 zur Anlenkung der Stützelemente 7 auf. Am anderen Ende wird
der Bolzen dagegen wie üblich gesichert. Auch die Verbindung der Bolzen 16 mit den
Stützelementen 7 erfolgt als Gabel-Finger-Verbindung, wobei in beiden Ausführungsbeispielen
die als Gabel ausgeführte Bolzenaufnahme 22 des Verbindungsstückes 21 am Anlenkpunkt
9 mit dem Finger 24 des Stützelementes 7 verbolzt wird. Die Bolzen 16 werden dabei
so ausgerichtet, dass die Verbolzungsachse zwischen dem Verbindungselement 21 und
dem Stützelement 7 wie in Figur 2 dargestellt verläuft und so die Schwenkachse 25
zwischen Gitterausleger und Stützelement bildet.
[0049] In Figuren 3 und 4 sind dabei zwei unterschiedliche Verbindungsmöglichkeiten zwischen
den Verbindungsstücken 21 und dem Bolzen 16 gezeigt. Auf der Außenseite der Gitterstücke
2 dürfen dabei keine festen Anbauten vorgesehen sein, um die Transportfähigkeit im
öffentlichen Straßenverkehr nicht zu verlieren. Die Verbindungsstücke 21 weisen deshalb
eine Bolzenaufnahme 22 zur Verbolzung mit dem Stützelement 7 sowie eine lösbare Verbindung
mit dem Bolzen 16 auf, um erst am Einsatzort montiert werden zu müssen und so die
Breite der Gitterstücke beim Transport nicht zu vergrößern. Die Verbindungsstücke
weisen dabei auf der der Bolzenaufnahme 22 zur Verbolzung mit dem Stützelement 7 abgewandten
Seite eine senkrecht zur Bolzenaufnahme 22 verlaufende Aufnahme auf, mit welcher sie
auf die Spitze des Bolzens 16 aufgeschoben werden. In Figur 3 ist das Verbindungsstück
21 dann mit dem Bolzen 16 verbolzt. In Figur 4 ist dagegen eine Schraube 23 vorgesehen,
mit welcher das Verbindungsstück 21 mit dem Bolzen 16 in axialer Richtung verschraubt
wird. Ebenso sind andere Verbindungsmöglichkeiten denkbar.
[0050] Für die erfindungsgemäße seitliche Abspannung sind grundsätzlich mehrere Ausführungen
denkbar, welche sich hinsichtlich Herstellungsaufwand, Bedienkomfort und Wirkungsweise
unterscheiden. Diese unterschiedlichen Möglichkeiten der erfindungsgemäßen seitlichen
Abspannung sowie unterschiedliche Ausführungen des erfindungsgemäßen Gitterauslegers
sollen nun anhand der in Figuren 5 bis 9 gezeigten Ausführungsbeispiele noch einmal
näher diskutiert werden.
[0051] Als Alternativen ergeben sich dabei insbesondere eine parallele seitliche Abspannung,
bei welcher die Stützelemente die gleiche Länge aufweisen und so die Verbindungselemente
zwischen den Stützelementen parallel zur Längsachse des Gitterauslegers verlaufen,
sowie eine Ausführung, bei welcher die Stützelemente unterschiedliche Längen aufweisen,
so dass sich der Abstand der Verbindungselemente und damit der Seitenabspannung von
der Längsachse und damit von den Seitenflächen des Gitterauslegers ändert. Von besonderem
Vorteil ist dabei eine parabelförmige Seitenabspannung.
[0052] Bei der erfindungsgemäßen Seitenabspannung kommen als Verbindungselemente entsprechend
gestückelte Stangen oder Rohre zum Einsatz, welche leicht handhabbar sind und eine
hohe Stabilität und Steifigkeit aufweisen. Hierdurch können die im Raupenkranbereich
nötigen Abspannkräfte realisiert werden. Die entlang des Auslegers angeordneten Stützelemente
werden eingesetzt, um die die Abspannung zu stabilisieren, ein Durchhängen bei flachen
Auslegerstellungen zu vermeiden und das Auf- sowie Abrüsten überhaupt erst zu ermöglichen.
Die vorliegende Erfindung unterscheidet sich damit entscheidend von freien Abspannungen
mit nur einer Abspannstütze und Seilen, wie sie bei Teleskop-Kranen bereits als Y-Abspannung
realisiert wurden. Die für Gitterausleger insbesondere im Raupenkranbereich notwendige
Stabilität ist mit solchen freien Abspannungen, zumindest mit handhabbaren Seilquerschnitten,
nicht zu erreichen.
[0053] Bei der Verwendung von gleich langen Stützelementen über die gesamte Auslegerlänge
ergibt sich eine parallel verlaufende Seitenabspannung, die erst am Auslegerkopf wieder
zusammenläuft. Alle Zwischenstützelemente sind daher baugleich. Sie tragen lediglich
das Eigengewicht der Abspannung bei flachen Stellungen und beim Aufrichten. Nur das
oberste und das unterste Stützelement sind aufgrund der höheren Beanspruchung aus
den Umlenkkräften stärker ausgeführt. Die parallele Abspannung lässt sich deshalb
problemlos an unterschiedliche Auslegerlängen anpassen.
[0054] Durch die Verwendung von Stützelementen unterschiedlicher Länge kommt es an jedem
Stützpunkt zu einer Umlenkung der Abspannung. Somit wird durch jedes Stützelement
eine Querkraft in den Ausleger eingeleitet. Das Quermoment im Ausleger kann auf diese
Weise recht exakt gesteuert werden. Bei der Verwendung von parabelförmig zusammenlaufenden
Stützelement-Längen ergeben sich durchweg sehr günstige Momentenverläufe. Der Parabelverlauf
kann dabei so eingestellt werden, dass an jedem Stützpunkt die gleiche Querkraft in
den Ausleger eingeleitet wird. Diese Maßnahme optimiert das Tragverhalten des Auslegers
und verringert den Berechnungs-/Konstruktionsaufwand für die beteiligten Bauteile.
Durch die kürzeren Stützelemente im oberen Auslegerbereich verringert sich überdies
das Kopfgewicht und die Gesamt-Systembreite im Kopfbereich wird kleiner. Die Anpassung
auf unterschiedliche Auslegerlängen kann dann zum Beispiel durch die abschnittsweise
Anordnung von gleich langen Stützelementen im unteren und parabelförmig abgestuften
Stützelementen im oberen Auslegerbereich erfolgen, wie dies in Figuren 6a bis 6c gezeigt
ist.
[0055] Die Aufhängung der inneren Stützelemente an den Gitterstücken sollte zweckmäßigerweise
in Höhe der Pfosten erfolgen, da Querkräfte hier gut in die Tragstruktur eingeleitet
werden können. Die Befestigung an den hoch ausgelasteten Gabel-Finger-Verbindungen
ist hingegen problematischer. Gegebenenfalls muss dies jedoch zur einfacheren Nachrüstbarkeit
in Kauf genommen werden.
[0056] Weiterhin ist das Vorspannen der Seitenabspannung ist wesentliche Voraussetzung zum
Erreichen hoher Traglaststeigerungen, da der Ausleger sonst schon sehr große seitliche
Verformungen ausgeführt hat, bis ausreichende Abspannkräfte aktiviert werden. Um dies
zu vermeiden, sind hohe Vorspannkräfte notwenig.
[0057] Unabhängig von der gewählten Form der Seitenabspannung sind dabei zwei unterschiedliche
Möglichkeiten der Vorspannung denkbar:
Asymmetrisch, Weg-gesteuert
Bei einer asymmetrischen Weg-gesteuerten Vorspannung wird der Ausleger in jeder Betriebssituation
auf beiden Seiten individuell mit immer nur so viel Vorspannkraft, wie gerade notwendig
ist, abgespannt. Dies erfordert eine aufwendige Steuerung auf Grundlage einer exakten
Messung der seitlichen Auswanderung des Auslegerkopfes.
Symmetrisch, Kraft-gesteuert
[0058] Bei einer symmetrischen, kraft-gesteuerten Vorspannung wird die Seitenabspannung
auf beiden Seiten symmetrisch bis zum Erreichen einer vorgegebenen Kraft gespannt,
die Spanneinrichtungen dann arretiert.
[0059] Die einzelnen in Figuren 5 bis 9 dargestellten Ausführungsbeispiele des erfindungsgemäßen
Gitterauslegers sollen nun noch einmal kurz im einzelnen dargestellt werden:
Figur 5a zeigt dabei ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Gitterauslegers,
welches im wesentlichen dem ersten, in Figur 1 gezeigten Ausführungsbeispiel entspricht.
Die Seitenabspannung umfaßt dabei wieder Stützelemente 7, welche an den Gitterstücken
2 des Gitterauslegers seitlich angeordnet sind und durch die Verbindungselemente 8
miteinander verbunden sind. Die Seitenabspannung mit den Verbindungselementen 8 verläuft
dabei im wesentlichen parallel zur Hauptachse des Gitterauslegers. Durch Spannmittel
14 kann dabei eine Zugspannung in die Seitenabspannung eingebracht werden. Neben dem
Anlenkstück 6 ist hier auch ein Kopfstück 35 gezeigt, an welchem das letzte Verbindungselement
34 befestigt ist. Die jeweils äußeren Stützelemente 32 und 33 sind gegebenenfalls
stärker ausgeführt, während die inneren Stützelemente 7 identisch ausgeführt sein
können. Der Gitterausleger weist dabei eine Vielzahl von Gitterelementen 2 auf, welche
an Verbindungspunkten 5 miteinander verbolzt sind. Entsprechend ist auch eine Vielzahl
von Stützelementen 7 vorgesehen. Dabei ist zumindest in einem Teilbereich jedem Gitterelement
des Gitterauslegers jeweils ein Stützelementpaar 7 zugeordnet.
[0060] In Figur 5b ist ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Gitterauslegers
dargestellt, bei welchem die einzelnen Stützelemente 70 bis 73 unterschiedliche Längen
aufweisen, so dass der Abstand der Verbindungselemente 80 bis 83 von der Längsachse
des Gitterauslegers bzw. von dessen Seitenflächen über die Länge des Gitterauslegers
variiert. Das Ausführungsbeispiel weist dabei die besonders günstige parabelförmige
Anordnung der Seitenabspannung auf.
[0061] Dabei ist in Figur 5b auch die Gesamtbreite B eines Gittermastauslegers inklusive
der erfindungsgemäßen Seitenabspannung eingezeichnet, welche bei der vorliegenden
Erfindung mehr als 10 m, insbesondere mehr als 15 m betragen kann.
[0062] In Figuren 6a bis 6c sind weitere Ausführungsbeispiele mit einer parabelförmigen
seitlichen Abspannung zumindest in einem Teilbereich des Gitterauslegers gezeigt.
Dabei wird die Länge der Seitenabspannungen an die Länge des Gitterauslegers angepaßt,
in em zusätzlich zu den Stützelementen 70 bis 73 mit unterschiedlicher Länge gegebenenfalls
weitere Stützelemente 70 mit der gleichen Länge wie das unterste Stützelement der
Parabelform eingefügt werden. Damit ergibt sich ein Teilbereich mit einer parallelen
Führung der Seitenabspannung und ein Teilbereich mit einer parabelförmigen Führung
der Seitenabspannung.
[0063] Figuren 7a und 7b zeigen Ausführungsbeispiele erfindungsgemäßer Gitterausleger 1
mit einer erfindungsgemäßen Seitenabspannung, wobei in Figur 7a wiederum eine parallele
Seitenabspannung und in 7b eine in einem Teilbereich parabelförmige Seitenabspannung
gezeigt ist. Dabei handelt es sich bei den in Figuren 7a und 7b gezeigten Gitterauslegernsystemen
um ein S-Auslegersystem mit einem Hauptausleger 1 mit erfindungsgemäßer Seitenabspannung,
einem Derrickausleger 80 und einem Derrickballast 81. Die Spitze des über die erfindungsgemäße
Seitenabspannung abgespannten Hauptauslegers 1 stellt dabei gleichzeitig die Spitze
des Gesamtauslegers dar.
[0064] In Figuren 8 und 9 sind dagegen SW-Ausleger gezeigt, bei welchen der Gitterausleger
1 mit der erfindungsgemäßen Seitenabspannung lediglich einen Teil des Hauptauslegers
bildet. Zusätzlich zu dem seitlich abgespannten Gitterausleger 1 mit dem Derrickausleger
81 und dem Derrickballast 82 ist dabei an der Spitze des Gitterauslegers 1 ein weiterer
Ausleger 83 vorgesehen, welcher über Stützausleger 84 abgespannt ist und den Hauptausleger
verlängert.
[0065] In Figuren 8a und 9a sind dabei parallele Ausführungen der Seitenabspannung gezeigt,
wobei durch eine unterschiedliche Anzahl von Gitterelementen 2 der Gitterausleger
1 und eine entsprechend unterschiedliche Anzahl von Stützelementen und
[0066] Verbindungselementen unterschiedliche Längen des Gitterauslegers 1 erreicht werden.
[0067] In Figuren 8b und 9b sind dagegen Ausführungen mit zumindest teilweiser parabelförmiger
Seitenabspannung gezeigt. Auch hier wird die in Figur 9b gezeigte größere Länge des
seitlich abgespannten Gitterauslegers 1 durch eine höhere Anzahl von Gitterelementen
2 und entsprechend erhöhter Anzahl von Stützelementen und Verbindungselementen erreicht.
Dabei sind im unteren Bereich mehrere identische Stützelemente eingesetzt, um die
Länge der Seitenabspannung an die Länge des Auslegers 1 anzupassen. Im oberen Bereich
sind dagegen die Stützelemente mit unterschiedlicher Länge eingesetzt, so dass sich
dort wiederum eine parabelförmige Führung der seitlichen Abspannung ergibt.
[0068] Die erfindungsgemäße seitliche Abspannung kann so bei Auslegern aus einer Vielzahl
von Gitterstücken, insbesondere bei Gitterauslegern aus vier oder mehr Gitterstücken
eingesetzt werden. Entsprechend wird dabei eine Vielzahl von Seitenelementen und Verbindungsstücken
eingesetzt, insbesondere vier oder mehr Stützelementpaare und Verbindungselementpaare.
Die Verbindungselemente sind erfindungsgemäß vorteilhafterweise aus einem starren
Material ausgeführt.
[0069] Im folgenden wird noch ein Verfahren zum Aufrichten des Auslegers bzw. zum Betrieb
des Auslegerkrans dargestellt. Zu erst wird hierfür der Gitterausleger komplett montiert,
inklusive eines möglichen Derrickauslegers, Spitzenauslegers und Abspannböcken. Es
wird die seitliche Abspannung angebracht und leicht gespannt. Daraufhin wird der Ausleger
aufgerichtet. Da die seitliche Abspannung ausschließlich in einer steilen Auslegerstellung
vorteilhaft ist, wird sie auch nur in dieser Stellung vollständig gespannt, so dass
der Gitterausleger unter Druck gesetzt wird. Erst dann wird die Last aufgenommen.
Bei einem flachen Auslegerwinkel wird die Spannung dagegen wieder reduziert.
[0070] Die Wirkweise der seitlichen Abspannung liegt darin, dass das Widerstandsmoment des
Auslegers gegen seitliche Verformung ansteigt und dass an jeder Verbindung zwischen
den Gitterstücken der Ausleger wieder von den Spanndreiecken gerade gezogen wird.
Dabei werden die Verbindungselemente unter Zugspannung gesetzt. Hierdurch wird der
Ausleger entlang seiner Längsachse unter Druck gesetzt. Zusätzlich leiten die Stützelemente
seitlich eine Druckkraft in den Ausleger ein und verringern so ein seitliches Ausweichen
des gesamten Auslegers.
[0071] Die vorliegende Erfindung umfasst weiterhin einen entsprechenden Gitterauslegerkran.
Vorteilhafterweise ist der Gitterausleger dabei gegenüber dem Kran in einer vertikal
verlaufenden Wippebene aufwippbar. Insbesondere ist der Gitterausleger hierfür um
eine horizontale Achse schwenkbar am Kran angelenkt. Erfindungsgemäß weist der Gitterausleger
nun eine seitliche Abspannung auf, wie sie oben beschrieben wurde. Ebenso kann eine
solche seitliche Abspannung aber neben dem Hauptausleger auch bei anderen Gitterauslegern
angewendet werden. Bei dem Kran kann es sich um einen mobilen oder einen stationären
Kran handeln. Vorteilhafterweise ist dabei der Oberwagen des Krans um eine vertikale
Achse drehbar. Handelt es sich um einen mobilen Kran, ist der Unterwagen verfahrbar.
Der erfindungsgemäße Auslegerkran weist durch die seitliche Abspannung insbesondere
bei steilem Auslegerwinkel eine erheblich verbesserte Traglast auf, so dass mit dem
Kran hohe Lasten gehoben werden können.
[0072] Weiterhin weist die vorliegende Erfindung eine Steuerungssoftware auf, über welche
die Kransteuerung die Spannmittel der erfindungsgemäßen seitlichen Abspannung ansteuern
kann, so dass die erfindungsgemäße Variation der Zugspannung in den Verbindungselementen
erfolgt. Die Software weist hierfür vorteilhafterweise ein entsprechendes Bedienmenü
mit einer entsprechenden Bedienerführung auf. Wird die erfindungsgemäße seitliche
Abspannung bei bestehenden Gitterauslegern nachgerüstet, kann so über die entsprechende
Steuersoftware auch die Steuerung bestehender Krane an die seitliche Abspannung angepaßt
werden.
1. Seitliche Abspannung für einen Gitterausleger eines Kranes, welche mehrere Stützelemente,
die seitlich am Gitterausleger angeordnet oder anordenbar sind, und Verbindungselemente,
welche die Stützelemente in Längsrichtung des Auslegers miteinander verbinden, umfasst,
wobei die seitliche Abspannung Spannmittel zum Einbringen einer Zugspannung in die
Verbindungselemente aufweist.
2. Seitliche Abspannung insbesondere nach Anspruch 1, wobei die Stützelemente lösbar
mit den Seiten des Gitterauslegers verbindbar, insbesondere verbolzbar sind.
3. Seitliche Abspannung nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Stützelemente gelenkig mit
den Seiten des Gitterauslegers verbindbar oder verbunden sind.
4. Seitliche Abspannung nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei die Stützelemente
lösbar mit den Verbindungselementen verbindbar, insbesondere verbolzbar sind und/oder
gelenkig mit den Verbindungselementen verbunden oder verbindbar sind.
5. Seitliche Abspannung nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei die Stützelemente
drei Streben in Form eine Dreiecks aufweisen, dessen Grundseite seitlich mit dem Gitterausleger
verbolzbar ist und dessen Spitze mit den Verbindungselementen verbunden oder verbindbar
ist.
6. Seitliche Abspannung nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei Stützelemente
unterschiedlicher Länge eingesetzt werden, so dass sich der Abstand der Verbindungselemente
von der Längsachse des Gitterauslegers über die Länge des Gitterauslegers ändert und
vorteilhafterweise zur Spitze hin abnimmt, wobei die Verbindungselemente weiterhin
vorteilhafterweise zumindest in einem Teilbereich des Gitterauslegers im wesentlichen
parabelförmig verlaufen.
7. Seitliche Abspannung nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei die Stützelemente
mit den Bolzen, mit welchen die einzelnen Gitterstücke des Gitterauslegers miteinander
verbolzt sind, verbunden oder verbindbar sind, wobei die Bolzen, mit welchen die einzelnen
Gitterstücke des Gitterauslegers miteinander verbolzt sind, vorteilhafterweise eine
Bolzenaufnahme zur Verbolzung mit den Verbindungselementen aufweisen.
8. Bolzen zur Verbindung einzelner Gitterstücke eines Gitterauslegers miteinander, welche
mit einer seitlichen Abspannung verbunden oder verbindbar sind, wobei die Bolzen vorteilhafterweise
eine Bolzenaufnahme zur Verbolzung mit der seitlichen Abspannung aufweisen.
9. Verbindungsstück zur Verbindung eines Bolzens nach Anspruch 8 mit einer seitlichen
Abspannung.
10. Gitterausleger mit einer seitlichen Abspannung nach einem der vorangegangenen Ansprüche.
11. Kran mit Gitterausleger mit einer seitlichen Abspannung nach einem der vorangegangenen
Ansprüche, wobei die von den Spannmitteln erzeugte Zugspannung vorteilhafterweise
über die Kransteuerung variiert werden kann.
12. Verfahren zum Betrieb eines Kranes mit einem Gitterausleger mit seitlicher Abspannung,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Zugspannung in der seitlichen Abspannung in Abhängigkeit von dem Wippwinkel des
Gitterauslegers variiert wird, wobei die Zugspannung vorteilhafterweise bei einer
steilen Stellung des Gitterauslegers höher ist als bei einer weniger steilen Stellung.
13. Verfahren nach Anspruch 12, wobei der Gitterausleger zunächst komplett montiert wird,
dann eine erste Zugspannung in der seitlichen Abspannung erzeugt wird, dann der Gitterausleger
aufgerichtet wird und dann die Zugspannung auf einen zweiten Wert erhöht wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, wobei die Zugspannung bei einem flacheren Auslegerwinkel
wieder reduziert wird.
15. Kransteuersoftware, insbesondere auf einem Datenträger oder in einem Datenspeicher
gespeicherte Kransteuersoftware, über welche die Zugspannung in einer seitlichen Abspannung
eines Gitterauslegers variiert werden kann, insbesondere zur Durchführung eines Verfahren
nach einem der vorangegangenen Ansprüche.