[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bestimmung der Bohrtiefe für eine verkürzte
Kernbohrung, die in einen Zylinderkern eines Schließzylinders einzubringen ist, wobei
der fertige Zylinderkern einen gegebenenfalls eine in den Schlüsselkanal ragende Profilrippe
ausbildenden Schlüsselkanal aufweist und in der verkürzten Kernbohrung ein eine Spitze
mit einer sich daran anschließenden, insbesondere kegelförmigen oder gerundeten Kopffläche
aufweisender Kernstift lagert, wobei bei einem nicht in den Schlüsselkanal eingesteckten
passenden Schlüssel oder bei einem in den Schlüsselkanal eingesteckten Schlagschlüssel
die Spitze des Kernstiftes als Folge einer Anlage der Kopffläche an zumindest einem
Anlagepunkt der Wandung des Schlüsselkanales einen Abstand zur Mündung der verkürzten
Kernbohrung aufweist und ein Bohrer verwendet wird, dessen Kopfquerschnittskontur
einen größeren Öffnungswinkel aufweist, als der Öffnungswinkel der Kopfquerschnittskontur
des Kernstiftes.
[0002] Ein Schließzylinder besitzt ein Schließzylindergehäuse und ein oder zwei Gehäusebohrungen.
In der Gehäusebohrung lagert ein Zylinderkern. Bei nicht eingestecktem Schlüssel kann
der Zylinderkern nicht gedreht werden, da er von Zuhaltungsstiften an seiner Drehbewegung
gehindert wird. Wird ein passender Schlüssel in den Schlüsselkanal des Schließzylinders
eingesteckt, so werden in Querbohrungen zur Drehachse des Zylinderkernes liegende
Zuhaltungsstifte derartig einsortiert, dass der Zylinderkern gedreht werden kann.
Zusammen mit dem Zylinderkern wird ein mit dem Zylinderkern drehgekuppeltes Schließglied
gedreht. Die in der Sperrstellung die Drehfuge zwischen Zylinderkern und Gehäusebohrung
kreuzende Gehäusestifte werden von dem in den Schlüsselkanal eingeschobenen passenden
Schlüssel in die Gehäusebohrungen verdrängt. Dies erfolgt gegen die Rückstellkraft
einer Zuhaltungsfeder. Die Kerbeinschnitte des in den Schlüsselkanal eingesteckten
Flachschlüssels, die das Schlüsselgeheimnis repräsentieren, werden von den Spitzen
von Kernstiften abgefragt, wobei die Länge der Kernstifte an die Tiefe des jeweiligen
Kerbeinschnittes angepasst ist. Bei vollständig eingestecktem passenden Schlüssel
liegen die Spitzen in den Kerbaussparungen.
[0003] Es gibt verschiedene unzulässige Öffnungsmethoden, mit denen versucht wird, einen
in der Regel nur von einem passenden Schlüssel zu schließenden Schließzylinder trotzdem
zu betätigen. Die Schlagschlüsselmethode arbeitet mit einem speziell präparierten
Schlagschlüssel. Die Kerbeinschnitte dieses Schlagschlüssels sind bis auf das tiefste
Niveau oder sogar einen Stufensprung über das tiefste Niveau hinaus eingeschnitten.
Die Kerbeinschnitte des Schlagschlüssels sind in der Regel aber immer bis auf dasselbe
Niveau eingeschnitten. Der so präparierte Schaft eines Schlagschlüssels wird derartig
in den Schlüsselkanal des Schließzylinders eingesteckt, dass seine Schrägflanken an
den Schrägflanken der Spitzen der Kernstifte anliegen. Wird nun ein axialer Schlag
auf den Schlüssel ausgeübt, so wird ein Impuls auf die Kernstifte übertragen. Die
Kernstifte übertragen diesen Impuls auf die Gehäusestifte. Entfernen sich die Gehäusestifte
von den Kernstiften, so wird für einen kurzen Moment die Drehsperrung des Zylinderkernes
aufgehoben, da keiner der Gehäusestifte mehr die Drehfuge kreuzt. Um diese Öffnungsmethode
zu erschweren, wird beispielsweise in der
DE 102 007 019 714 vorgeschlagen, die Kernbohrung zumindest eines Kernstiftes vermindert tief auszugestalten,
wobei die Bohrtiefe derart an die Lage der Firstlinien der in einander übergehenden
Schrägflanken benachbarter Kerbeinschnitte eines Schlagschlüssels angepasst ist, dass
zwischen diesen Zackenenden und der Spitze des in der verkürzten Kernbohrung einliegenden
Kernstiftes ein Abstand verbleibt. Bei der Schlagschlüsselmethode wird zufolge derartiger
Ausgestaltung kein Impuls auf diesen Kernstift übertragen, so dass der zugehörige
Gehäusestift seine Sperrstellung nicht verliert.
[0004] Die Schlagschlüsselöffnungsmethode beinhaltet nicht nur die Verwendung von Schlagschlüsseln,
bei denen alle Kerbeinschnitte auf das tiefste Niveau eingeschnitten sind. Es werden
darüber hinaus auch solche Schlagschlüssel verwendet, bei denen die Tiefe der Kerbeinschnitte
nicht nur dem nullten, sondern auch dem ersten, zweiten, dritten Stufensprung entsprechen.
Entsprechend tief ragen hier die Scheitellinien der sich treffenden Schrägflanken
benachbarter Kerbeinschnitte in den Schlüsselkanal in Richtung auf die Mündung der
Kernbohrung ein. Der Abstand zwischen diesen Zacken und der Spitze des in der verkürzten
Kernbohrung einliegenden Kernstift kann somit negativ werden, mit der Folge, dass
auch dieser Kernstift impulsbeaufschlagbar ist. Um auch mit dieser Methode eine Öffnung
des Schließzylinders zu verhindern, wird bei der Konzeption des Schließgeheimnisses
zumindest ein in einer normal tiefen Kernbohrung einliegender Kernstift derart lang
ausgestaltet, dass er bei der Verwendung eines solchen weniger tief eingeschnittenen
Schlagschlüssels die Trennfuge kreuzt.
[0005] Die Lage des in der verkürzten Kernbohrung einliegenden Kernstiftes ist somit hinsichtlich
der Aufsperrsicherheit mit der Schlagschlüsselmethode kritisch. Da die Zentrumslinie
der Kernbohrung in der Regel durch den Schlüsselkanal verläuft, stützen sich die Kernstifte
anders als in der
DE 102 007 019 714 dargestellt, nicht mit der Spitze an einer Rippe ab, sondern mit einem Flankenbereich
der Spitze an einer Kante der Wandung des Schlüsselkanales, die der Flanke einer Rippe
entsprechen kann. Nur wenn die Kopfquerschnittskontur des die Kernbohrung fertigenden
Bohrers mit der Kopfquerschnittskontur des darin einliegenden Kernstiftes übereinstimmt,
entspricht die Bohrtiefe der Lage der Spitze des Kernstiftes.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Bestimmung der
Bohrtiefe für verkürzte Kernbohrungen anzugeben, bei denen der Kernstift auch dann
seine bestimmungsgemäße Position einnimmt, wenn die Kopfquerschnittskontur des Bohrers
von der Kopfquerschnittskontur des Kernstiftes abweicht.
[0007] Gelöst wird die Aufgabe durch die in den Ansprüchen angegebene Erfindung, wobei jeder
Anspruch eine eigenständige Lösung der Aufgabe darstellt und mit jedem anderen Anspruch
kombinierbar ist.
[0008] Zunächst und im Wesentlichen wird vorgeschlagen, dass grafisch oder unter Verwendung
einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage elektronisch die Kopfquerschnittskontur
des Kernstiftes in eine Querschnittsebene des Schlüsselkanals projeziert wird. Die
Querschnittsebene verläuft dabei durch die Zentrumslinie der Kernbohrung. Die Kopfquerschnittskontur
des Kernstiftes wird derart in die Querschnittsebene des Schlüsselkanales gelegt,
dass die Spitze der Kopfquerschnittskontur des Kernstiftes den gewünschten Abstand
zur Mündung der Kernbohrung hat. Aus dieser Projektion lässt sich ein Schnittpunkt
ableiten, den die Konturlinie des Kopfquerschnitts des Kernstiftes mit der Konturlinie
des Querschnitts des Schlüsselkanales besitzt. Es kann sich dabei auch um einen Berührungspunkt
handeln. Es wird der der Spitze des Kernstiftes nächstliegende Schnitt- oder Berührungspunkt
der Konturlinie des Kopfquerschnitts des Kernstiftes mit der Konturlinie des Querschnitts
des Schlüsselkanales gesucht. Nachdem dieser Punkt P gefunden ist, wird die Kopfquerschnittskontur
des Bohrers in die Querschnittsebene des Schlüsselkanals projiziert. Dies erfolgt
derart, dass deren Spitze in der Zentrumslinie liegt und deren Konturlinie durch denselben
Punkt P verläuft. Zur Auffindung dieser Lage kann die Kopfquerschnittskontur des Bohrers
in Achslinie zur Zentrumslinie Z so lange verschoben werden, bis deren Konturlinie
den zuvor ermittelten Berührungs- oder Schnittpunkt schneidet. Die dann gefundene
Lage der Spitze der Kopfquerschnittskontur des Bohrers definiert die Bohrtiefe, mit
der die verkürzte Kernbohrung ausgeführt werden muss, damit der darin einliegende
Kernstift seine vorbestimmte Lage besitzt. Bei der Fertigung des Schließzylinderkernes
wird letzterer zunächst insbesondere mit einem zerspanenden Verfahren auf die äußere
Kontur gebracht. Danach werden die Kernbohrungen, die sch im Wesentlichen radial zur
Drehachse des Zylinderkernes erstrecken, eingebohrt. Zumindest eine dieser Kernbohrungen
ist verkürzt. Danach wird der Schlüsselkanal mit einem Räumwerkzeug gefertigt. Schließlich
kann eine Entgratung vorgenommen werden. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es
möglich, die verkürzte Kernbohrung bei einem Schließzylinder derart präzise zu fertigen,
dass auch ohne Spitzenabstützung des Kernstiftes letzterer in der vorbestimmten Position
einliegt, da die Bohrtiefe von der Eindringtiefe des Kernstiftes in die verkürzte
Kernstiftbohrung abweicht. Auch hier kann vorgesehen sein, dass bei weniger tief eingeschnittenen
Kerben des Schlagschlüssels zumindest ein normaler Kernstift bei eingeschobenem Schlagschlüssel
die Trennebene zwischen Zylinderkern und Bohrung kreuzt. Bezeichnet man S als den
Abstand der Lage der Spitze des in der verkürzten Kernbohrung einliegenden Kernstiftes
zur Mündung der Kernstiftbohrung, D den Durchmesser des Zylinderkernes, T den Abstand
eines Flankenfirstes zweier benachbarter Einschnitte in einem Schlagschlüssel von
dessen Rückseite, L die Länge eines längsten Kernstiftes, der in einer nicht verkürzten
Kernbohrung einliegt und E den Abstand eines Einschnittscheitels, also der Kerbtiefe
vom Rücken des Schlüssels, so ergibt sich folgendes Ungleichungspaar:

[0009] Diese muss gelten, damit ein Schlagschlüssel, bei dem alle Kerbeinschnitte gleichtief
eingeschnitten sind entweder zumindest einen Kernstift nicht impulsbeaufschlagt oder
damit zumindest ein Kernstift vom Schlagschlüssel in eine die Trennebene kreuzende
Stellung gesteuert wird. Zur Bestimmung des gewünschten Abstandes S der Spitze eines
in einer verkürzten Kernbohrung einliegenden Stiftes kann folgendes Verfahren angewendet
werden. Man ermittelt den längsten Kernstift und den kürzesten Kernstift der jeweiligen
Schließung. Man wählt die Kernbohrung aus, in welcher der kürzeste Kernstift einliegt,
um diese verkürzt zu bohren. Man ermittelt den gewünschten Spitzenabstand S von der
Mündung der Kernbohrung gemäß der Formel S < L + E - T.
[0010] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend anhand beigefügter Zeichnungen
erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- die Frontalansicht auf einen Schließzylinder,
- Fig. 2
- einen Schnitt gemäß der Linie II-II durch einen mit Stiftzuhaltungen bestückten, in
einer Kernbohrung einliegenden Zylinderkern bei nicht eingestecktem Schlüssel,
- Fig. 3
- eine Darstellung gemäß Figur 2 mit eingestecktem Schlagschlüssel,
- Fig. 4
- eine vergrößerte Darstellung gemäß Ausschnitt IV in Figur 3,
- Fig. 5
- einen Schnitt gemäß der Linie V-V in Figur 3,
- Fig. 6
- einen Schnitt gemäß der Linie VI-VI in Figur 3,
- Fig. 7
- eine schematische Darstellung zur Beschreibung des Verfahrens zur Ermittlung der Bohrtiefe
B,
- Fig. 8
- eine stark vergrößerte Darstellung ähnlich Figur 7 bei einem andersprofilierten Schlüsselkanal,
- Fig. 9
- eine Darstellung gemäß Figur 8 bei einem noch anders profilierten Schlüsselkanal,
- Fig. 10
- eine Darstellung gemäß Figur 8 bei einem weiter anders profilierten Schlüsselkanal,
- Fig. 11
- eine stark vergrößerte Darstellung der Figur 5.
[0011] Der in den Zeichnungen dargestellte Schließzylinder besitzt ein Schließzylindergehäuse
1, welches zwei zueinander fluchtende Kernbohrungen aufweist. Zwischen den beiden
Kernbohrungen liegt in einem Einschnitt ein Schließglied 14. Dieses Schließglied 14
ist mittels einer nicht dargestellten Kupplung mit einem der beiden den Kernbohrungen
einsteckenden Zylinders 2 drehgekuppelt, sofern der passende Schlüssel in den Schlüsselkanal
3 des Zylinderkernes 2 eingesteckt ist. Die Kupplung kann mit der Schlüsselspitze
erfolgen.
[0012] Der Zylinderkern 2 weist in den Zeichnungen insgesamt vier im Wesentlichen in Radialrichtung
zu seiner Drehachse sich erstreckende Kernbohrungen 4 mit einer maximal tiefen Bohrungstiefe
auf. Es können auch mehr als vier derartige Kernbohrungen 4 vorgesehen sein. Zusätzlich
zu diesen normal tief gebohrten Kernbohrungen 4 ist zumindest eine Kernstiftbohrung
6 vorgesehen, deren Tiefe verkürzt ist.
[0013] In dieser Kernstiftbohrung liegt ein entsprechend kürzerer Kernstift 7. In den dazu
benachbarten normal tief eingeschnittenen Kernstiftbohrungen 4 liegt jeweils ein Kernstift
5 ein. Die Länge der Kernstifte 5, 7 definiert das Schlüsselgeheimnis. Zu jedem Kernstift
5 , 7 gibt es einen korrespondierenden Gehäusestift 11, der in einer Gehäusestiftbohrung
13 einliegt und von einer Stiftfeder 12 in Richtung auf den Zylinderkern 2 beaufschlagt
wird. Bei nicht eingestecktem Schlüssel (vgl. Figur 2) kreuzen die Gehäusestifte 13
die Drehfuge zwischen Zylinderkern 2 und Gehäusebohrung.
[0014] Nur wenn ein passender Schlüssel eingesteckt ist, was in den Zeichnungen nicht dargestellt
ist, liegt die Trennebene zwischen den Kernstiften 5, 7 und den zugeordneten Gehäusestiften
11 in der Trennfuge, so dass der Zylinderkern 2 in der Gehäusebohrung gedreht werden
kann.
[0015] Die Figur 3 zeigt einen in den Schlüsselkanal 3 eingesteckten Schlagschlüssel 15.
Die Kerbeinschnitte 16 haben dort das tiefste Niveau. In den Figuren 4 und 11 ist
mit dem Buchstaben E die Einschnitttiefe als das Abstandsmaß zwischen Scheitel des
Kerbeinschnittes 16 und Schlüsselrücken 15' des Schlagschlüssels bezeichnet. Die Firstlinien
17 der Schrägflanken benachbarter Kerbeinschnitte 16 ragen minimal weit in den Schlüsselkanal
in Richtung auf die Mündung 6''' der Kernbohrungen 4, 6. In der Figur 4 ist mit dem
Buchstaben T der Abstand zwischen der Firstlinie 17 zweier benachbarter Flanken vom
Schlüsselrücken 15 bezeichnet. Aus der Figur 1 ist zu entnehmen, dass die Spitze 7"
des in der verkürzten Kernbohrung 6 einliegenden Kernstiftes 7 sich an einer Profilrippe
10 abstützt. Die Spitze 6" hat, wie in der Figur 4 dargestellt, einen Abstand A zur
Firstlinie 17 des Schlagschlüssels 15. Wird auf den gemäß Figur 3 im Schlüsselkanal
3 steckenden Schlagschlüssel ein Schlag ausgeübt, so wird über die Schrägflächenanlage
der Schrägflanken der Kerbeinschnitte 16 ein Impuls auf die Spitzen der Kernstifte
5 übertragen, was zur Folge hat, dass sich die Gehäusestifte 11 von den Kernstiften
entfernen und dabei vollständig in die ihnen zugeordneten Gehäusestiftbohrungen 13
eingetrieben werden. Wegen des Abstandes A wird kein Impuls auf den Kernstift 7 übertragen.
Die Figur 7 zeigt in vergrößerter Darstellung die Anlage der Kernstiftspitzen 7" an
einer Profilrippe 10. Bei dieser Konstellation entspricht die Bohrtiefe nicht der
Eindringtiefe des Kernstiftes 7 in die Kernstiftbohrung 6.
[0016] Üblicherweise weichen Spitzenwinkel von Kernstift 7 und Bohrer voneinander ab. Der
Winkel α der Kernstiftspitze, also der Winkel, in dem sich die Konturlinien der Kopfquerschnittskontur
9 des Kernstiftes 7 in der Kernstiftspitze 7" treffen, ist in der Regel kleiner als
der Winkel β der Kopfquerschnittskontur 9 der Bohrung. Der Winkel α kann im Bereich
zwischen 90° und 110° liegen. Der Winkel β beträgt üblicherweise 120°. Liegt also
die konstruierte Kernspitze 7" im Freiraum des Schlüsselkanales 3, so stützt sich
der Kernstift 7 nicht mit seiner Spitze 7" am Material, beispielsweise an einer Rippe
10 ab. Der Spitzenbereich des Kernstiftes 7 stützt sich vielmehr im Flankenbereich
der Spitze, also im Bereich der Flankenlinie 7' an einem Wandungsabschnitt 3' des
Schlüsselkanals 3 ab. Wenn ein Bohrer verwendet wird, dessen Kopfquerschnittskontur
8 einen größeren Öffnungswinkel β aufweist, als der Öffnungswinkel α der Kopfquerschnittskontur
9 des Kernstiftes 7, führt dies bei einer derartigen Konstellation dazu, dass die
Lage der Spitze 7" des Kernstiftes 7, wie in der Figur 7 dargestellt ist, tiefer in
der Kernstiftbohrung 6 liegt als die Spitze 6", die die Bohrtiefe B bestimmt.
[0017] Es besteht also das Problem, die Bohrtiefe B so vorherzusagen, dass der in der Kernbohrung
6 einliegende Kernstift 7 mit seiner Spitze 7" den gewünschten Abstand S zur Mündung
6''' der verkürzten Kernbohrung 6 besitzt.
[0018] Um die Bohrtiefe B zu ermitteln wird ein auf einer grafischen Projektion beruhendes
Verfahrens verwendet, welches bevorzugt in einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage
durchgeführt wird. Zunächst wird die Kopfquerschnittskontur 9 des Kernstiftes 7 derart
in einer durch die Zentrumslinie Z der Kernbohrung 6 gelegten Querschnittsebene des
Schlüsselkanals 3 projeziert, dass die Spitze 7" den gewünschten Abstand S zur Mündung
6' der Kernbohrung 6 hat. Dieser Abstand kann für Schließzylinderkerne 2 einer bestimmten
Serie gleich sein. Die Schlüsselkanäle 3 der Schließzylinderkerne 2 einer Serie und
insbesondere einer Schließanlage unterscheiden sich aber hinsichtlich ihrer Rippenstruktur,
da die Profilrippen 10 zur Variation des Schließgeheimnisses verwendet werden. In
einen Schlüsselkanal 3 können nur solche Schlüssel eingesteckt werden, die an der
Stelle, wo der Schlüsselkanal 3 eine Profilrippe 10 aufweist, eine entsprechende Nut
aufweist. Da Schlüsselkanäle 3 von verschiedenen Schließzylindern einer Schließanlage
eine verschiedene Profilrippenanordnung besitzen, ist nicht sichergestellt, dass die
Spitze 6" der Kernbohrung 6 im Bereich einer Rippe liegt. Die Abstützung des Kernstiftes
7 erfolgt somit in der Regel an irgendeinem Punkt P auf der kegelförmigen oder gerundeten
Spitzenkontur des Kernstiftes 7. Um diesen Punkt aufzufinden, wird die Kopfquerschnittskontur
9 des Kernstiftes 7 in der oben beschriebenen Weise in die Querschnittsebene des Schlüsselkanales
3 projiziert. Anschließend wird ein Schnitt- oder Berührungspunkt P gesucht, an dem
die Konturlinie 9' des Kopfquerschnitts 9 des Kernstückes 7 die Konturlinie 3' des
Querschnitts des Schlüsselkanals 3 schneidet oder berührt. Dabei wird der der Spitze
7" des Kernstiftes 7 nächstgelegene Schnitt- oder Berührungspunkt P gesucht.
[0019] In einem darauffolgenden Schritt wird die Kopfquerschnittskontur 8 des derart in
die Querschnittsebene projiziert, dass die Spitze 6" in der Zentrumslinie Z der Kernbohrung
6 liegt. Die Punkte 6" und 7" liegen somit auf derselben Zentrumslinie Z. Da der Punkt
P durch den vorangegangenen Konstruktionsschritt festliegt, muss jetzt die axiale
Lage des Spitzenpunktes 6" der Kopfquerschnittskontur 8 des Bohrers entlang der Zentrumslinie
Z soweit verschoben werden, dass die Konturlinie 8' der Kopfquerschnittskontur 8 des
Bohrers ebenfalls durch den Punkt P verläuft. Der Punkt P ist dann der Abstützpunkt,
an dem sich die kegelmantelförmige Spitzenstruktur oder die gerundete Spitzenkontur
des Kernstiftes 7 an einem Vorsprung des Schlüsselkanals 3, insbesondere also einem
Wandabschnitt 3' des Schlüsselkanals oder einem Abschnitt einer Profilrippe 10 abstützt.
Hierdurch ist die Bohrtiefe B ermittelt worden.
[0020] Die Figuren 8 bis 10 zeigen, dass das Verfahren an unterschiedlich profilierten Schlüsselkanälen
3 anwendbar ist, wobei jedes Mal die Lage des Spitzenpunktes 7" des Kernstiftes von
der Lage des Spitzenpunktes 6" der Bohrung bzw. der Eindringtiefe B des Bohrers abweicht.
Bei dem in Figur 8 dargestellten Ausführungsbeispiels stützt sich ein Abschnitt des
kegelförmigen Spitzenbereich des Kernstiftes 7 an einer Profilrippe 10 ab.
[0021] Bei dem in der Figur 9 dargestellten Ausführungsbeispiel befindet sich auf der linken
Seite des Schlüsselkanales 3 ein erster Abstützpunkt P und auf der rechten Seite des
Schlüsselkanales 3 ein zweiter Abstützpunkt P'. Auch hier liegt der Spitzenpunkt 6"
der Bohrung im Freiraum des Schlüsselkanales 3.
[0022] Auch bei dem in der Figur 10 dargestellten Beispiel gibt es in der Querschnittsebene
des Zylinderkernes 2 zwei Abstützpunkte, P, P', die jeweils einer Seite des 3' des
Schlüsselkanales 3 zugeordnet sind.
[0023] Der Durchmesser D des Zylinderkernes 2 ist in der Figur 11 mit D bezeichnet. Um eine
möglichst große Sicherheit zu gewährleisten, sollte bei der Bestiftung des Schließzylinders
folgendes Ungleichungspaar berücksichtigt werden: S < D - T oder L >= D - E, wobei
L das Längenmaß eines normalen Kernstiftes 5 ist, wie er in der Figur 11 dargestellt
ist. Solange die erste Ungleichung erfüllt ist, ist sichergestellt, dass die Firstlinie
17 einen Abstand A zur Spitze 7" des Kernstiftes 7 besitzt. Dieser, in einer verkürzten
Kernbohrung 6 steckende Kernstift 7 wird somit von einem Schlagschlüssel, bei dem
die Firstlinien 17 um das Maß T vom Rücken 15' entfernt sind, nicht berührt. Der zum
Kernstift 7 gehörende Gehäusestift kann also bei einer Schlagschlüsselöffnungsmethode
mit einem derartigen Schlagschlüssel 15 nicht bewegt werden. Die zweite Ungleichung
sollte für den Fall erfüllt sein, bei dem der Abstand T von Firstlinie 17 zu Schlüsselrücken
15' so groß ist, dass ein Abstand A nicht vorhanden ist, also ein derartiger Schlagschlüssel
15 einen Impuls auf den Kernstift 7 übertragen kann. Durch die zweite Ungleichung
ist sichergestellt, dass bereits eine geringe Verlagerung des normalen Kernstiftes
5 mit der Länge L zu einem Eintritt dieses Kernstiftes 5 in die Gehäusebohrung führt,
so dass hier eine Sperrwirkung eintritt.
[0024] Dem Verfahren zur Bestimmung der Bohrtiefe B für die verkürzte Kernbohrung 6 geht
eine Bestimmung der Lage der Spitze 7" des Kernstiftes voraus, also eine Bestimmung
des Maßes S, aus der dann mittels des zuvor beschriebenen Verfahrens die Bohrtiefe
B ermittelt wird. Das Maß S muss so gewählt sein, dass die um das Maß T vom Schlüsselrücken
15' beabstandete Firstlinie 17 einen Abstand A von der Spitze 7" besitzt. Ist dies
nicht mehr der Fall, muss die Summe aus dem Abstand des Kerbscheitels zum Schlüsselrücken
15', also das Maß E mit dem Maß der Länge L des in dieser Kernbohrung einsteckenden
Kernstiftes 5 größer sein als der Durchmesser D des Zylinderkernes 2.
[0025] Zylinderkerne werden mit unterschiedlich langen Kernstiften bestückt, da die Länge
der Kernstifte und deren Anordnung das Schlüsselgeheimnis bestimmen. In einer Weiterbildung
des Verfahrens ist deshalb vorgesehen, dass zunächst die Länge L des längsten Kernstiftes
und die Länge des kürzesten Kernstiftes bestimmt wird. Die verkürzte Kernbohrung wird
dann dem kürzesten Kernstift zugeordnet und das Maß S, welches den gewünschten Abstand
der Spitze 7" des Kernstiftes 7 zur Mündung 6''' der Kernbohrung 6 bedeutet, nach
folgender Formel bestimmt: S <= L + E - T und anschließend die Kernbohrungen 4, 6
gebohrt werden, wobei die dem kürzesten Kenstift 7 zugeordnete Bohrung 6 eine Bohrtiefe
B erhält, die insbesondere nach Anspruch 1 vom gewünschten Abstand S abgeleitet ist.
[0026] S sollte dabei bevorzugt mindestens um das Maß eines Stufensprunges, also 0,5 mm
kleiner sein als L + E - T, damit bei einem entsprechend niedrig eingeschnittenen
Schlagschlüssel der längste normale Kernstift mit zumindest 0,5 mm die Trennebene
kreuzt. Die Differenz T - E, die dem auf die Zentrumslinie projizierten Abstand der
Kerbscheitel 16 von den Firstlinien 17 entspricht, lässt sich mit Hilfe der nachfolgenden
Formel berechnen:

[0027] Mit C ist hier der in Erstreckungsrichtung gemessene Abstand zweier benachbarter
Kernscheitel bezeichnet. Dieser Abstand entspricht der Distanz zweier benachbarter
Kernbohrungen. Mit dem Winkel γ ist der Flankenwinkel der beiden Kerbflanken bezeichnet,
die sich in einem Scheitel 16 treffen (vergleiche Figur 4). Dieser Winkel beträgt
zwischen 90° und 120°. Insofern lässt sich durch die Vorgabe eines minimalen Wertes
für den Winkel γ der maximal mögliche Wert des Abstandes T - E ermitteln, ohne dass
man den Schlagschlüssel kennen muss.
[0028] Alle offenbarten Merkmale sind (für sich) erfindungswesentlich. In die Offenbarung
der Anmeldung wird hiermit auch der Offenbarungsinhalt der zugehörigen/beigefügten
Prioritätsunterlagen (Abschrift der Voranmeldung) vollinhaltlich mit einbezogen, auch
zu dem Zweck, Merkmale dieser Unterlagen in Ansprüche vorliegender Anmeldung mit aufzunehmen.
1. Verfahren zur Bestimmung der Bohrtiefe (B) für eine verkürzte Kernbohrung (6), die
in einen Zylinderkern (2) eines Schließzylinders einzubringen ist, wobei der fertige
Zylinderkern (2) einen gegebenenfalls eine Profilrippe (19) ausbildenden Schlüsselkanal
(3) aufweist und in der verkürzten Kernbohrung (6) ein eine Spitze (7") mit einer
sich daran anschließenden, insbesondere kegelförmigen oder gerundeten Kopffläche (7)
aufweisender Kernstift (7) einliegt, wobei bei einem nicht in den Schlüsselkanal (3)
eingesteckten passenden Schlüssel oder bei einem in den Schlüsselkanal (3) eingesteckten
Schlagschlüssel (15) die Spitze (7") des Kernstiftes (7) als Folge einer Anlage der
Kopffläche (7') an zumindest einem Anlagepunkt (P) der Wandung (3') des Schlüsselkanales
(3) einen Abstand (S) zur Mündung (6''') der verkürzten Kernbohrung (6) aufweist und
ein Bohrer verwendet wird, dessen Kopfquerschnittskontur (8) einen größeren Öffnungswinkel
(β) aufweist, als der Öffnungswinkel (α) der Kopfquerschnittskontur (9) des Kernstiftes
(7),
gekennzeichnet durch folgende Schritte:
- Projizieren der Kopfquerschnittskontur (9) des Kernstiftes (7) derart in eine durch die Zentrumslinie (Z) der Kernbohrung (6) gelegten Querschnittsebene des Schlüsselkanals
(3), dass die Spitze (7") der Projektion des Kernstiftes (7) den gewünschten Abstand
(S) zur Mündung (6''') der Kernbohrung (6) hat;
- Auffinden des der Spitze (7") der Projektion des Kernstiftes (7) nächstgelegenen
Schnitt- oder Berührungspunkt (P) der Konturlinie (9') des Kopfquerschnitts (9) des
Kernstiftes (7) mit der Konturlinie (3') des Querschnitts des Schlüsselkanals (3);
- Projizieren der Kopfquerschnittskontur (8) des Bohrers derart in die Querschnittsebene,
dass deren Spitze (6") in der Zentrumslinie (Z) liegt und deren Konturlinie (8') durch den Punkt (P) verläuft.
2. Verfahren zum Bohren einer verkürzten Kernbohrung (6) in den Zylinderkern (2) eines
Schließzylinders, gekennzeichnet durch eine Bestimmung der Bohrtiefe (B) gemäß Anspruch 1 und anschließendem Bohren der
Kernbohrung (6).
3. Verfahren gemäß einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche oder insbesondere
danach, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem der Zylinderkern (2) insbesondere durch eine spanende Bearbeitung in Form
gebracht worden ist zunächst eine Mehrzahl von im Wesentlichen radial sich zum Drehzentrum
des Zylinderkernes (2) sich erstreckende Kernbohrungen (6, 4) eingebracht werden,
wobei zumindest eine verkürzte Bohrung gemäß Anspruch 2 gefertigt ist und anschließend
der Schlüsselkanal (3) insbesondere durch Räumen gefertigt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3 oder insbesondere danach, dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Bohren der Kernbohrungen (6, 4) der Schlüsselkanal (3) insbesondere durch
Räumen gefertigt wird.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche oder insbesondere
danach, dadurch gekennzeichnet, dass die Tiefe (B) der verkürzten Kernbohrung (6) so gewählt ist, dass die Spitze (7")
des in der verkürzten Kernbohrung (6) einliegenden Kernstiftes (7) einen Abstand (A)
zur Firstlinie (17) zweier Schrägflanken benachbarter Kerbeinschnitten (16) eines
im Schlüsselkanal (3) steckenden Schlagschlüssels (15) aufweist.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche oder insbesondere
danach, dadurch gekennzeichnet, dass entweder der Abstand (S) der Spitze (7") des in der verkürzten Kernbohrung (6) einliegenden
Kernstiftes (7) zur Mündung (6''') der Kernbohrung (6) geringer ist, als die Differenz
zwischen Durchmesser (D) des Zylinderkernes (2) und des Abstandes (T) einer Flankenforstlinie
(17) vom Schlüsselrücken (15') oder dass die Länge (L) eines anderen Kernstiftes (4)
größer ist, als die Differenz des Durchmessers (D) des Zylinderkernes (2) und des
Abstandes (E) der Scheitellinie (16) der zugeordneten Kerbaussparung zum Schlüsselrücken
(15') eines Schlagschlüssels (15).
7. Verfahren zum Bohren der Kernbohrungen (4, 6) in einen Zylinderkern (2) eines Schließzylinders,
wobei zunächst die Länge (L) des längsten Kernstiftes (5) und die Position des kürzesten
Kernstiftes (7) bestimmt werden, der gewünschte Abstand (S) der Spitze (7") des kürzesten
Kernstiftes (7) nach folgender Formel bestimmt wird: S <= L + E - T, wobei (T - E)
der auf die Zentrumslinie (Z) der Kernbohrung (6) projizierte Abstand der Scheitellinien
(16) der Kerbflanken von den Firstlinien (17) der Kerbflanken zweier benachbarter
Einschnitte eines Schlagschlüssels (15) ist, dessen Kerbeinsschnittscheitellinien
(16) im Wesentlichen auf einem gemeinsamen Niveau liegen, und anschließend die Kernbohrungen
(4, 6) gebohrt werden, wobei die dem kürzesten Kernstift (7) zugeordnete Bohrung (6)
bis eine Bohrtiefe (B) erfolgt, die unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der
Kopfquerschnittskontur (9) des Kernstiftes (7) von der Kopfquerschnittskontur (8)
des Bohrers ermittelt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Bohrtiefe (B) nach dem Verfahren gemäß Anspruch 1 ermittelt wird.