[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Schiebesitz zur axial beweglichen Lagerung
eines thermisch belasteten Rohrs an einem Bauteil, insbesondere in einer Abgasanlage
einer Brennkraftmaschine. Die Erfindung betrifft außerdem eine Abgasbehandlungseinrichtung
mit einem solchen Schiebesitz.
[0002] Um thermisch belastete Rohre an einem Träger dauerhaft befestigen zu können, ist
es üblich, das jeweilige Rohr einerseits mit einem Festlager und andererseits mit
einem Loslager am jeweiligen Träger anzubringen, damit sich die Länge des Rohrs relativ
zum Träger ändern kann, ohne dass dabei unzulässig hohe Spannungen zwischen Rohr und
Träger auftreten. Zur Realisierung eines derartigen Loslagers können sogenannte Schiebesitze
verwendet werden, bei denen das Rohr in einer im jeweiligen Träger ausgebildeten Aufnahmeöffnung
sitzt, und zwar so, dass das Rohr bezüglich seiner Längsachse relativ zum Träger axial
verstellbar ist.
[0003] Thermisch belastete Rohre, die mittels Schiebesitz an einem Trägerbauteil gelagert
werden, kommen in vielen Bereichen der Technik zur Anwendung, vorwiegend dort, wo
heiße oder kalte Fluide in Rohren transportiert werden. Beispielsweise trifft man
diese Problematik bei Heizungsanlagen, Kühlanlagen und Abgasanlagen. Abgasanlagen
finden sich bei Heizgeräten sowie bei Brennkraftmaschinen, vorzugsweise in Kraftfahrzeugen.
Beispielsweise kann eine Abgasbehandlungseinrichtung zumindest ein Rohr enthalten,
das in einem Gehäuse der Abgasbehandlungseinrichtung mit Hilfe eines solchen Schiebesitzes
gelagert ist. Eine Abgasbehandlungseinrichtung kann beispielsweise ein Partikelfilter,
ein Katalysator oder ein Schalldämpfer oder eine beliebige Kombination derartiger
Einrichtungen sein.
[0004] Ein herkömmlicher Schiebesitz kann zwischen dem Rohr und der jeweiligen Aufnahmeöffnung
ein gewisses Radialspiel aufweisen, um die axiale Verstellbarkeit des Rohrs im Sitz
zu erleichtern. Dies ist für Anwendungen, die eine gewisse Gasdichtigkeit erfordern,
ungünstig, da durch den Schiebesitz hindurch grundsätzlich ein Gasaustausch möglich
ist. Insbesondere bei einer Abgasanlage ist im Hinblick auf schärfere Umweltschutzbestimmungen
ein Entweichen von Abgas in die Umgebung, beispielsweise durch einen Schiebesitz,
zu vermeiden.
[0005] Ferner besteht bei herkömmlichen Schiebesitzen grundsätzlich das Problem einer vergleichsweise
hohen mechanischen Belastung des Rohrs beziehungsweise des jeweiligen Trägerteils
innerhalb des Schiebesitzes. Mechanische Belastungen sind mit Verschleiß verbunden
und können zu einer störenden Geräuschentwicklung führen.
[0006] Die vorliegende Erfindung beschäftigt sich mit dem Problem, für einen Schiebesitz
beziehungsweise für eine Abgasbehandlungseinrichtung eine verbesserte Ausführungsform
anzugeben, die sich insbesondere dadurch auszeichnet, dass grundsätzlich eine ausreichende
Dichtungswirkung realisierbar ist und/oder dass die mechanische Belastung innerhalb
des Schiebesitzes reduziert ist.
[0007] Dieses Problem wird erfindungsgemäß durch die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche
gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0008] Die Erfindung beruht auf dem allgemeinen Gedanken, den jeweiligen Schiebesitz mit
einem Lagermaterial auszustatten, das einerseits mit Hilfe eines das Rohr koaxial
umschließenden Halterohrs am jeweiligen Bauteil fest angebracht ist und das sich andererseits
außen am Rohr radial abstützt. Im Betrieb kann sich das Rohr entlang des Lagermaterials
verschieben, wenn sich seine Länge aufgrund einer thermischen Belastung ändert. Da
ein derartiges Lagermaterial beispielsweise eine gewisse federelastische Nachgiebigkeit
aufweisen kann, reduziert sich die mechanische Belastung des Rohrs beziehungsweise
des Bauteils innerhalb des Schiebesitzes. Gleichzeitig können radial orientierte Relativbewegungen
zwischen Rohr und Bauteil gefedert beziehungsweise gedämpft werden, die beispielsweise
aufgrund von Vibrationen im Betrieb auftreten können. Damit verbundene Geräusche lassen
sich dadurch effektiv reduzieren. Außerdem ist es grundsätzlich möglich, das jeweilige
Lagermaterial so dicht auszugestalten, dass damit eine hinreichende Abdichtung des
Schiebesitzes realisierbar ist. Das Halterohr bewirkt dabei einerseits eine Axialführung
des Rohrs, was die mechanische Stabilität des Schiebesitzes erhöht. Andererseits ermöglicht
das Halterohr die Anordnung von Lagermaterial mit einer in Axialrichtung vergleichsweise
großen Dimensionen. In der Folge lässt sich die Dichtungswirkung erhöhen und die Belastung
des Lagermaterials im Betrieb reduzieren.
[0009] Weitere wichtige Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen,
aus den Zeichnungen und aus der zugehörigen Figurenbeschreibung anhand der Zeichnungen.
[0010] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen
Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden
Erfindung zu verlassen.
[0011] Bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt
und werden in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert, wobei sich gleiche Bezugszeichen
auf gleiche oder ähnliche oder funktional gleiche Bauteile beziehen.
[0012] Es zeigen, jeweils schematisch,
- Fig. 1
- einen stark vereinfachten Längsschnitt durch eine Abgasbehandlungseinrichtung,
- Fig. 2
- eine vergrößerte Darstellung eines Details der Abgasbehandlungseinrichtung im Bereich
einer Rohranordnung,
- Fig. 3 bis 6
- stark vereinfachte vergrößerte Darstellungen der Rohranordnung im Bereich eines Schiebesitzes,
bei unterschiedlichen Ausführungsformen,
- Fig. 7 und 8
- stark vereinfachte vergrößerte Darstellungen des Schiebesitzes, bei verschiedenen
Ausführungsformen,
- Fig. 9 und 10
- jeweils einen Längsschnitt wie in Fig. 1, jedoch bei anderen Ausführungsformen.
[0013] Entsprechend Fig. 1 umfasst eine Abgasbehandlungseinrichtung 1 ein Gehäuse 2 sowie
zumindest eine Rohranordnung 3. Das Gehäuse 2 weist zumindest einen Eintritt 4 und
wenigstens einen Austritt 5 auf. Das Gehäuse 2 besitzt in der hier gezeigten Ausführungsform
zwei Endböden 6 und 7 sowie einen Zwischenboden 8. Der erste Endboden 6 begrenzt mit
dem Zwischenboden 8 im Gehäuse 2 eine Eintrittskammer 9. An den ersten Endboden 6
ist der Eintritt 4 in Form eines Eintrittsstutzens angeschlossen.
[0014] Die Rohranordnung 3 umfasst zumindest zwei miteinander kommunizierende Rohre, nämlich
ein erstes Rohr 10 und ein zweites Rohr 11. Das erste Rohr 10 kommuniziert eingangsseitig
mit der Eintrittskammer 9 und ausgangsseitig mit einer Umlenkkammer 12. Das erste
Rohr 10 ist in einem Eingangsabschnitt 13 an einem Trägerbauteil befestigt, das hier
durch das Gehäuse 2 beziehungsweise durch einen Bestandteil des Gehäuses 2, nämlich
hier durch den Zwischenboden 8 gebildet ist. In einem Ausgangsabschnitt 14 ist das
erste Rohr 10 mit einem Schiebesitz 15 ebenfalls am Trägerbauteil, also am Gehäuse
2 gehaltert, und zwar am zweiten Endboden 7. Das zweite Rohr 11 kommuniziert eingangsseitig
mit der Umlenkkammer 12 und ausgangsseitig mit einer Kammer 16, die als weitere Umlenkkammer
oder als Verteilerkammer dienen kann. Über die Umlenkkammer 12 kommuniziert ein Eingang
17 des zweiten Rohrs 11 mit einem Ausgang 18 des ersten Rohrs 10. Da die Umlenkkammer
12 die beiden Rohre 10, 11 miteinander kommunizierend verbindet, kann sie im Folgenden
auch als Verbindungskammer 12 bezeichnet werden. Das zweite Rohr 11 ist nun in einem
Eingangsabschnitt 19 mit einem Schiebesitz 20 am Trägerbauteil, also am Gehäuse 2,
speziell am zweiten Endboden 7 gehaltert. Außerdem ist das zweite Rohr 11 in einem
Ausgangsabschnitt 21 ebenfalls am Trägerbauteil, also am Gehäuse 2 befestigt. Im vorliegenden
Fall enthält das Gehäuse 2 zur Ausbildung der Kammer 16 einen Schalenkörper 22, an
dem das zweite Rohr 11 in seinem Ausgangsabschnitt 21 befestigt ist.
[0015] Das erste Rohr 10 weist eine erste Längsmittelachse 23 auf. Das zweite Rohr 11 weist
dementsprechend eine zweite Längsmittelachse 24 auf. Bei der gezeigten Ausführungsform
erstrecken sich die beiden Längsmittelachsen 23, 24 parallel zueinander. Beide Rohre
10, 11 durchsetzen den jeweiligen Boden 7 in separaten Öffnungen.
[0016] Bei der hier gezeigten Ausführungsform münden der Ausgang 18 des ersten Rohrs 10
und der Eingang 17 des zweiten Rohrs 11 jeweils offen in der Verbindungskammer 12.
Die Verbindungskammer 12 ist hier durch einen oder mehrere Schalenkörper 25 gebildet,
die an den Ausgangsabschnitt 14 des ersten Rohrs 10 und an den Eingangsabschnitt 19
des zweiten Rohrs 11 angebaut sind. Alternativ ist auch eine Ausführungsform möglich,
bei welcher besagte Schalenkörper 25 am zweiten Endboden 7 angebaut sind. Ebenso ist
eine Ausführungsform möglich, bei welcher anstelle einer Verbindungskammer 12 ein
entsprechend gebogenes Verbindungsrohr verwendet wird, um die beiden Rohre 10, 11
miteinander zu verbinden. Besagtes Verbindungsrohr verbindet dann den Ausgang 18 des
ersten Rohrs 10 mit dem Eingang 17 des zweiten Rohrs 11.
[0017] Bei der hier gezeigten Ausführungsform handelt es sich um eine Abgasbehandlungseinrichtung
1, die in einer Abgasanlage einer Brennkraftmaschine zum Einsatz kommen kann, wobei
sich diese Brennkraftmaschine insbesondere in einem Kraftfahrzeug, bevorzugt in einem
Nutzfahrzeug, befinden kann. Die Abgasbehandlungseinrichtung 1 ist hier multifunktional
ausgestaltet und enthält zumindest ein Partikelfilterelement 26, das im ersten Rohr
10 angeordnet ist. Zusätzlich weist die Abgasbehandlungseinrichtung 1 hier zumindest
ein Oxidationskatalysatorelement 27 auf, das hier ebenfalls im ersten Rohr 10 angeordnet
ist, und zwar zweckmäßig stromauf des Partikelfilterelements 26. Außerdem kann die
Abgasbehandlungseinrichtung 1 eine Schalldämpferfunktion erfüllen.
[0018] Das erste Rohr 10 besitzt hier einen radial herausnehmbaren Axialabschnitt 28, der
hier durch eine geschweifte Klammer gekennzeichnet ist. Besagter Axialabschnitt 28
ist mittels Schnellbefestigungselementen 41, beispielsweise in Form von Schellen oder
dergleichen, an den anderen Abschnitten des ersten Rohrs 10 befestigt. Hierzu können
entsprechende Flansche ausgebildet sein, mit denen die Befestigungselemente 41 zusammenwirken.
Das Partikelfilterelement 26 ist zweckmäßig innerhalb des radial herausnehmbaren Axialabschnitts
28 angeordnet. Auf diese Weise kann das jeweilige Partikelfilterelement 26 beispielsweise
einfach erneuert oder ausgetauscht werden. Zweckmäßig wird dabei die gesamte Einheit
aus Axialabschnitt 28 und darin eingebrachtem Partikelfilterelement 26 getauscht.
[0019] Im Beispiel ist zudem ein drittes Rohr 29 vorgesehen, dessen Längsmittelachse 30
ebenfalls parallel zu den Längsmittelachsen 23, 24 der beiden anderen Rohre 10, 11
ausgerichtet sein kann. Ein Eingang 31 des dritten Rohrs 29 kommuniziert mit einem
Ausgang 32 des zweiten Rohrs 11. Im Beispiel münden das zweite Rohr 11 und das dritte
Rohr 29 in die Kammer 16, so dass diese die kommunizierende Verbindung zwischen den
beiden Rohren 11, 29 herstellt. Das dritte Rohr 29 kann zumindest einen SCR-Katalysator
33 enthalten. Im Beispiel sind drei derartige Katalysatorelemente 33 im dritten Rohr
29 hintereinander angeordnet. Mit Hilfe eines derartigen SCR-Katalysators 33 lässt
sich eine selektive katalytische Reduktion bestimmter Schadstoffe realisieren.
[0020] Im Beispiel weist die Abgasbehandlungseinrichtung 1 außerdem eine Dosiereinrichtung
34 auf, mit deren Hilfe ein flüssiges Edukt in den Abgasstrom eingebracht werden kann.
Zweckmäßig kann mit Hilfe der Dosiereinrichtung 34 Ammoniak oder Harnstoff oder bevorzugt
eine wässrige Harnstofflösung in den Abgasstrom eingebracht werden. Harnstoff lässt
sich durch eine Hydrolysereaktion zu Ammoniak aufbereiten. Mit Hilfe von Ammoniak
lassen sich Stickoxide in Stickstoff umsetzen. Die entsprechenden Reaktionen laufen
im SCR-Katalysator 33 ab, beispielsweise kann das zuerst durchströmte Katalysatorelement
33 die Hydrolyse ermöglichen, während in den folgenden Elementen 33 Ammoniak umgesetzt
wird.
[0021] Die Dosiereinrichtung 34 kann so angeordnet beziehungsweise so ausgestaltet sein,
dass sie das jeweilige Edukt jedenfalls stromauf des SCR-Katalysators 33 in den Abgasstrom
einbringt. Zweckmäßig erfolgt die Eindüsung stromab des Partikelfilters 26. Grundsätzlich
kann die Eindüsung in die Umlenkkammer 12 erfolgen. Bevorzugt bringt die Dosiereinrichtung
34 das Edukt in den Eingangsabschnitt 19 des zweiten Rohrs 11 ein. Die Eindüsung des
Edukts kann jedoch auch stromauf des zweiten Rohrs 11 erfolgen. Das zweite Rohr 11
kann dabei als Mischstrecke für Abgas und eingebrachtes Edukt dienen, um eine intensive
Durchmischung von Abgas und Edukt zu realisieren.
[0022] Bei dem hier gezeigten Beispiel weist die Abgasbehandlungseinrichtung außerdem ein
viertes Rohr 35 auf, das zum Austritt 5 führt beziehungsweise das mit dem als Austrittsstutzen
ausgestalteten Austritt 5 verbunden ist. Ein Eingang 36 des vierten Rohrs 35 ist mit
einem Ausgang 37 des dritten Rohrs 29 kommunizierend verbunden. Erreicht wird dies
hier durch eine weitere Umlenkkammer 38, die mit Hilfe eines Schalenkörpers 39 und
dem zweiten Endboden 7 realisiert ist. Eine Längsmittelachse 40 des vierten Rohrs
35 erstreckt sich im vorliegenden Fall wieder parallel zu den Längsmittelachsen 23,
24 des ersten Rohrs 10 beziehungsweise des zweiten Rohrs 11.
[0023] In der hier gezeigten Schnittansicht der Abgasbehandlungseinrichtung 1 ist jeweils
nur ein einziges erstes Rohr 10, ein einziges zweites Rohr 11, ein einziges drittes
Rohr 29 und ein einziges viertes Rohr 35 erkennbar. Es ist klar, dass bei besonderen
Ausführungsformen zumindest eines der genannten Rohre 10, 11, 29, 35 auch mehrfach
vorhanden sein kann. Beispielsweise können mehrere zweite Rohre 11 und/oder mehrere
dritte Rohre 29 mit SCR-Katalysatoren 33 vorhanden sein.
[0024] Entsprechend Fig. 2 weist der Schiebesitz 15, mit welcher das erste Rohr 10 am Trägerbauteil
2 beziehungsweise Gehäuse 2 gelagert ist, ein Lagermaterial 42 auf. Dieses Lagermaterial
42 ist bezüglich des Bauteils 2, also bezüglich des Gehäuses 2 ortsfest angeordnet
und radial außen am ersten Rohr 10 abgestützt. Das Rohr 10 kann sich somit in seiner
axialen Richtung entlang des Lagermaterials 42 bewegen. Das Lagermaterial 42 selbst
ist indirekt am Gehäuse 2 festgelegt.
[0025] Zusätzlich oder alternativ weist der Schiebesitz 20, mit dem das zweite Rohr 11 am
Trägerbauteil 2 bzw. am Gehäuse 2 gelagert ist, ein Lagermaterial 42 auf, das sich
einerseits radial außen am zweiten Rohr 11 radial abstützt und das indirekt am Bauteil
2 bzw. am Gehäuse 2 festgelegt ist.
[0026] Zur indirekten Festlegung des Lagermaterials 42 am Bauteil 2 bzw. am Gehäuse 2 weist
der jeweilige Schiebesitz 15 bzw. 20 entsprechend den Fig. 3 bis 6 ein Halterohr 43
auf, das fest am Bauteil 2 bzw. am Gehäuse 2, hier an dessen Endboden 7 angeordnet
bzw. ausgebildet ist. Das Halterohr 43 umschließt das jeweilige Rohr 10 bzw. 11 koaxial.
Das Halterohr 43 dient zur radialen und axialen Abstützung des Lagermaterials 42.
Dementsprechend ist das Lagermaterial 42 radial zwischen dem Halterohr 43 und dem
jeweiligen Rohr 10, 11 angeordnet. Das Lagermaterial 42 umschließt dabei das jeweilige
Rohr 10, 11 in Umfangsrichtung vollständig. Das Lagermaterial 42 ermöglicht verschleißarme
Relativbewegungen des jeweiligen Rohrs 10, 11 im Schiebesitz 15, 20 und kann zusätzlich
eine hinreichende Gasdichtigkeit realisieren. Ferner lassen sich beispielsweise in
einem Schalldämpfer vorhandene Räume besser nutzen.
[0027] Das Lagermaterial 42 kann beispielsweise eine Fasermatte oder ein Drahtgestrick oder
ein anderes elastisches, temperaturbeständiges Material sein.
[0028] Als Fasermatte kommen beispielsweise Lagermatten bzw. Isoliermatten aus Aluminiumoxidfasern,
Mullitfasern, Glasfaser oder aus ähnlichen, temperaturbeständigen Fasern in Frage,
die sich durch eine ausreichende Elastizität und Dichtigkeit sowie durch einen vergleichsweise
niedrigen Reibwert auszeichnen. Derartige Fasermatten kommen beispielsweise zur Lagerung
von Monolithen in Katalysatoren oder Partikelfiltern zum Einsatz. Sofern die Fasermatte
ein Gewebe mit orientierter Faserrichtung aufweist, kann es zweckmäßig sein, die Fasermatte
im Halterohr 43 so anzubringen, dass sie zumindest in einem sich am Rohr 10, 11 abstützenden
Gleitbereich gegenüber der Längsmittelachse 23, 24 des jeweiligen Rohrs 10, 11 geneigte
Faserrichtungen aufweist. In Fig. 3 ist rein exemplarisch ein Ausschnitt des mit 44
bezeichneten Gleitbereichs der mit 45 bezeichneten Lagermatte angedeutet. Erkennbar
erstrecken sich die Fasern der Fasermatte 45 im Gleitbereich 44 mit etwa 45° gegenüber
der Längsmittelachse 23 bzw. 24 des Rohrs 10, 11.
[0029] Als Drahtgestrick kommen für das Lagermaterial 42 grundsätzlich solche Drahtgestricke
in Frage, die zur Fixierung eines Katalysatorelements in einem Katalysatorgehäuse
zur Anwendung kommen können. Derartige Drahtgestricke zeichnen sich durch eine vergleichsweise
hohe Temperaturbeständigkeit sowie durch eine gewisse Federelastizität aus. Mit Hilfe
des Drahtgestricks kann der jeweilige Sitz 15 beziehungsweise 20 das jeweilige Rohr
10, 11 radial fixieren und dennoch axiale Relativbewegungen zwischen Rohr 10, 11 und
Gehäuse 2 beziehungsweise zweitem Endboden 7 zulassen.
[0030] Grundsätzlich kann das Drahtgestrick aus mehreren, in der Umfangsrichtung verteilt
angeordneten, voneinander beabstandeten Gestrickkissen bestehen. Das Drahtgestrick
ist dabei mehrteilig, also aus mehreren separaten Gestrickkissen gebildet. Falls es
jedoch auf eine gewisse Dichtigkeit im Schiebesitz 15 beziehungsweise 20 ankommt,
ist das jeweilige Drahtgestrick vorzugsweise so ausgestaltet, dass es zumindest aus
einem Gestrickring besteht, der das jeweilige Rohr 10, 11 in Umfangsrichtung ringförmig
geschlossen umfasst. Sofern mehrere Gestrickringe vorhanden sind, sind diese zweckmäßig
axial nebeneinander angeordnet.
[0031] Entsprechend den Fig. 3, 5 bis 8 handelt es sich beim Halterohr 43 bevorzugt um einen
separat zum Bauteil 2 bzw. Gehäuse 2 hergestellten Körper. Dementsprechend ist das
Halterohr 43 an das Gehäuse 2 bzw. Bauteil 2 angebaut. Gemäß Fig. 4 kann es sich beim
Halterohr 43 alternativ auch um einen integralen Bestandteil des jeweiligen Bauteils
2, also hier des Gehäuses 2 handeln. Das Halterohr 43 ist hier integral am jeweiligen
Bauteil 2 ausgeformt.
[0032] Gemäß den Ausführungsformen der Fig. 3 bis 8 kann das Halterohr 43 zumindest an einem
seiner axialen Enden einen radial nach innen vorstehenden Kragen 46 aufweisen, der
am Halterohr 43 integral ausgeformt ist. Der Kragen 46 kann in der Umfangsrichtung
geschlossen oder segmentweise umlaufen. Er dient zur axialen Abstützung des Lagermaterials
42. Bei den Ausführungsformen der Fig. 3, 5 und 7 sowie 8 ist an jedem axialen Ende
des Halterohrs 43 ein solcher Kragen 46 ausgeformt.
[0033] Bei der in Fig. 5 gezeigten Ausführungsform ist am Halterohr 43 zwischen seinen axialen
Enden ein radial nach innen vorstehender Wulst 47 integral ausgeformt. Dieser Wulst
47 kann in der Umfangsrichtung ebenfalls geschlossen oder segmentiert umlaufen. Auch
der Wulst 47 dient zur axialen Abstützung der Lagermatte 42.
[0034] Bei den Ausführungsformen der Fig. 4 und 6 ist an einem axialen Ende des Halterohr
43 eine Abdeckung 48 ausgebildet, die zur axialen Abstützung des Lagermaterials 42
dient. Die jeweilige Abdeckung 48 ragt dabei gegenüber dem Halterohr 43 radial nach
innen vor. Auch die Abdeckung 48 kann sich in der Umfangsrichtung geschlossen oder
segmentweise erstrecken. Bei der in Fig. 4 gezeigten Ausführungsform ist die Abdeckung
48 ein separates Bauteil, das an das Gehäuse 2 angebaut ist. Bei der in Fig. 6 gezeigten
Ausführungsform ist die Abdeckung 48 integral am Gehäuse 2 ausgeformt. Im Beispiel
ist hierzu das Gehäuse 2 im Bereich seines Innenbodens 7 über das Halterohr 43 vorstehend
radial nach innen verlängert.
[0035] Die hier gezeigten Ausführungsformen für das Halterohr 43 sind rein exemplarisch
und ohne Beschränkung der Allgemeinheit zu verstehen, so dass grundsätzlich auch Kombinationen
der gezeigten Ausführungsformen sowie andere, hier nicht gezeigte Ausführungsformen
zur Realisierung des Halterohrs 43 möglich sind.
[0036] In den Fig. 7 und 8 ist der sich am Rohr 10, 11 abstützende Gleitbereich 44 des Lagermaterials
42 deutlich erkennbar. Bei den hier gezeigten Ausführungsformen ist zumindest dieser
Gleitbereich 44 durch ein Gleitgewebe 49 gebildet, das auf geeignete Weise an der
Fasermatte 45 bzw. am Lagermaterial 42 angeordnet ist. Bei der in Fig. 7 gezeigten
Ausführungsform umhüllt das Gleitgewebe 49 die Fasermatte 45 schlauchartig. Im Unterschied
dazu zeigt Fig. 8 einen Schichtaufbau, bei dem sich die Fasermatte 45 über das Gleitgewebe
49 am Rohr 10, 11 abstützt. Das Gleitgewebe 49 bildet hierbei nur den radial innenliegenden
Gleitbereich 44 des Lagermaterials 42.
[0037] Das Gleitgewebe 49 kann aus einem Glasfasergewebe und/oder aus einem Keramikfasergewebe
gebildet sein. Das Gleitgewebe zeichnet sich durch einen reduzierten Reibungswiderstand
aus, wodurch der Verschleiß im Schiebesitz 15, 20, reduziert werden kann. Die mit
Bezug auf Fig. 3 beschriebene Faserausrichtung der Fasermatte 45 gilt analog für das
Gleitgewebe 49, sofern dieses zur Ausbildung des Gleitbereichs 44 vorgesehen ist.
[0038] Das Lagermaterial 42 kann im eingebauten Zustand zumindest in radialer Richtung vorgepresst
oder vorgespannt sein, so dass im Schiebesitz 15, 20 eine radial vorgespannte Kontaktierung
zwischen Lagermaterial 42 und Rohr 10, 11 realisierbar ist. Zum Einbauen kann das
jeweilige Rohr 10, 11 endseitig einen hier nicht dargestellten Konus aufweisen.
[0039] Das Rohr 10, 11 kann zumindest im Bereich des Schiebesitzes 15, 20 eine reibungsreduzierende
bzw. verschleißmindernde Außenseite aufweisen. Beispielsweise kann hierzu das Rohr
10, 11 aus einem entsprechend glatten Material, z.B. kaltgewalztes Blech, hergestellt
sein. Die Oberfläche kann poliert sein. Ferner kann eine verschleißreduzierende Oberflächenbeschichtung
vorgesehen sein. Die Oberfläche kann gehärtet und/oder nitriert sein. Darüber hinaus
kann dem jeweiligen Schiebesitz 15, 20 ein hitzebeständiger Schmierstoff beigefügt
werden, der beispielsweise in das Lagermaterial 42 eingebracht ist.
[0040] Für das Lagermaterial 42 ist es zweckmäßig, die Materialauswahl und/oder die Dimensionierung
auf die im Betrieb des jeweiligen Anwendungsfalls zu erwartenden Wärmedehnungen am
Rohr 10, 11 einerseits und am Gehäuse 2 andererseits abzustimmen, so dass stets eine
ausreichende Dickenelastizität gewährleistet ist, beispielsweise um stets einen hinreichenden
radialen Druck auf das Rohr 10, 11 und somit eine ausreichende Dichtungswirkung erzielen
zu können.
[0041] Die Ausführungsform gemäß Fig. 9 unterscheidet sich von der gemäß Fig. 1 lediglich
dadurch, dass sich die Umlenkkammer 12 nunmehr über die gesamte Höhe oder Seite des
zweiten Endbodens 7 bzw. der Abgasbehandlungseinrichtung 1 erstreckt. Hierdurch kann
eine Absenkung des Gegendrucks erreicht werden. Zu diesem Zweck ist an den zweiten
Endboden 7 ein schalenförmiger Deckelkörper 50 angebaut, so dass die Umlenkkammer
12 vom zweiten Endboden 7 und vom Deckelkörper 50 umschlossen bzw. begrenzt ist. Im
Unterschied dazu bildet bei der Ausführungsform gemäß Fig. 1 der Schalenkörper 25
mit davon umschlossener bzw. begrenzter Umlenkkammer 12 ein bezüglich des zweiten
Endbodens 7 separates Bauteil.
[0042] Bei der Ausführungsform gemäß Fig. 10 sind sowohl der bezüglich des zweiten Endbodens
7 separate Schalenkörper 25 zur Bildung der Umlenkkammer 12 als auch der sich über
den gesamten zweiten Endboden 7 erstreckende und daran befestigte Deckelkörper 50
vorgesehen. Hierdurch ist die Umlenkkammer 12 innerhalb der Abgasbehandlungseinrichtung
1 doppelt gekammert, nämlich innerhalb des Schalenkörpers 25 und innerhalb des Deckelkörpers
50. Das Innere des Schalenkörpers 25 ist dabei gasdicht vom Inneren des Deckelkörpers
50 getrennt. Hierdurch kann der Deckelkörper 50 zusammen mit dem zweiten Endboden
7 den Raum bzw. die Kammer 38 bilden, die das Abgas vom dritten Rohr 29 in das vierte
Rohr 35 umlenkt. Bei dieser Bauweise kann auf den anderen Schalenkörper 39 verzichtet
werden, der bei den Ausführungsformen der Fig. 1 und 9 den genannten Umlenkraum 38
bildet bzw. umschließt.
1. Schiebesitz zur axial beweglichen Lagerung eines thermisch belasteten Rohrs (10, 11)
an einem Bauteil (2), insbesondere in einer Abgasanlage einer Brennkraftmaschine,
- mit einem fest am Bauteil (2) angeordneten oder ausgebildeten Halterohr (43), welches
das Rohr (10, 11) koaxial umschließt,
- mit einem koaxial zwischen dem Rohr (10, 11) und dem Halterohr (43) angeordneten
Lagermaterial (42), welches das Rohr (10, 11) in Umfangsrichtung vollständig umschließt
und das am Rohr (10, 11) radial und am Halterohr (43) radial und axial abgestützt
ist.
2. Schiebesitz nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das Halterohr (43) ein separat zum Bauteil (2) hergestellter Körper ist, der an das
Bauteil (2) angebaut ist, oder
- dass das Halterohr (43) integral am Bauteil ausgeformt ist.
3. Schiebesitz nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
- dass zur axialen Abstützung des Lagermaterials (42) an wenigstens einem axialen Ende des
Halterohrs (43) ein radial nach innen vorstehender, geschlossen oder segmentiert umlaufender
Kragen (46) integral ausgeformt ist, und/oder
- dass zur axialen Abstützung des Lagermaterials (42) zwischen axialen Enden des Halterohr
(43) ein radial nach innen vorstehender, geschlossen oder segmentiert umlaufender
Wulst (47) integral ausgeformt ist, und/oder
- dass zur axialen Abstützung des Lagermaterials (42) an wenigstens einen axialen Ende des
Halterohrs (43) eine radial nach innen vorstehende, geschlossen oder segmentiert umlaufende
Abdeckung (48) an das Bauteil (2) angebaut oder am Bauteil (2) integral ausgeformt
ist.
4. Schiebesitz nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
- dass der Lagermaterial (42) ein Drahtgestrick ist, oder
- dass das Lagermaterial (42) eine Fasermatte (45) ist.
5. Schiebesitz nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Fasermatte (45) aus Aluminiumoxidfasern, aus Mullitfasern, aus Glasfasern oder
aus einer Kombination wenigstens zwei dieser Fasern gebildet ist.
6. Schiebesitz nach Anspruch 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass zumindest ein sich am Rohr (10, 11) abstützender Gleitbereich (44) des Lagermaterials
(45) durch ein Gleitgewebe (49) gebildet ist, das an der Fasermatte (45) angeordnet
ist.
7. Schiebesitz nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das Gleitgewebe (49) die Fasermatte (45) schlauchartig umhüllt, und/oder
- dass das Gleitgewebe (49) aus einem Glasfasergewebe und/oder aus einem Keramikfasergewebe
besteht.
8. Abgasbehandlungseinrichtung, insbesondere für eine Abgasanlage einer Brennkraftmaschine,
- mit einem Gehäuse (2), das zumindest einen Eintritt (4) und zumindest einen Austritt
(5) aufweist,
- mit mindestens einem Rohr (10, 11), das mit einem Schiebesitz (15, 20) nach einem
der Ansprüche 1 bis 7 am als Bauteil dienenden Gehäuse (2) oder an einem als Bauteil
dienenden Bestandteil (7) des Gehäuses (2) gelagert ist.
9. Abgasbehandlungseinrichtung nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
- dass eine Rohranordnung (3) vorgesehen ist, die zumindest zwei miteinander kommunizierende
Rohre (10, 11) aufweist,
- dass ein erstes Rohr (10) in einem Eingangsabschnitt (13) am Gehäuse (2) befestigt ist,
- dass das erste Rohr (10) in einem Ausgangsabschnitt (14) mit einem Schiebesitz (15) am
Gehäuse (2) gehaltert ist,
- dass ein zweites Rohr (11), dessen Eingang (17) mit einem Ausgang (18) des ersten Rohrs
(10) verbunden ist, in einem Eingangsabschnitt (19) mit einem Schiebesitz (20) am
Gehäuse (2) gehaltert ist,
- dass das zweite Rohr (11) in einem Ausgangsabschnitt (21) am Gehäuse (2) befestigt ist,
- dass zumindest einer der Schiebesitze (15, 20) nach einem der Ansprüche 1 bis 7 ausgestaltet
ist, wobei das Gehäuse (2) oder ein Bestandteil (7) des Gehäuses (2) das Bauteil bildet.
10. Abgasbehandlungseinrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das erste Rohr (10) wenigstens ein Partikelfilterelement (26) enthält, und/oder
- dass das erste Rohr (10) wenigstens ein Oxidationskatalysatorelement (27) enthält, und/oder
- dass das erste Rohr (10) einen radial herausnehmbaren Axialabschnitt (28) aufweist, und/oder
- dass der radial herausnehmbare Axialabschnitt (28) das wenigstens eine Partikelfilterelement
(26) enthält, und/oder
- dass ein drittes Rohr (29) vorgesehen ist, dessen Eingang (31) mit einem Ausgang (32)
des zweiten Rohrs (11) kommunizierend verbunden ist, und/oder
- dass das dritte Rohr (29) wenigstens einen SCR-Katalysator (33) enthält, und/oder
- dass eine Dosiereinrichtung (34) zum Einbringen eines flüssigen Edukts vorgesehen ist,
und/oder
- dass das zweite Rohr (11) als Mischstrecke für Abgas und eingebrachtes Edukt dient, und/oder
- dass die Dosiereinrichtung (34) das Edukt in den Eingangsabschnitt (19) des zweiten Rohrs
(11) einbringt, und/oder
- dass ein viertes Rohr (35) vorgesehen ist, dessen Eingang (36) mit einem Ausgang (37)
des dritten Rohrs (29) kommunizierend verbunden ist, und/oder
- dass das vierte Rohr (35) zum Austritt (5) führt, und/oder
- dass die Längsmittelachsen (23, 24) des ersten Rohrs (10) und des zweiten Rohrs (11) parallel
zueinander verlaufen.
11. Abgasbehandlungseinrichtung nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet,
- dass ein gebogenes Verbindungsrohr vorgesehen ist, das den Ausgang (18) des ersten Rohrs
(10) mit dem Eingang (17) des zweiten Rohrs (11) verbindet, oder
- dass eine Verbindungskammer (12) vorgesehen ist, in welcher der Ausgang (18) des ersten
Rohrs (10) und der Eingang (17) des zweiten Rohrs (11) offen münden.