[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines luftspaltisolierten
Abgassammlers für eine Abgasanlage einer Brennkraftmaschine, insbesondere in einem
Kraftfahrzeug. Die Erfindung betrifft außerdem einen nach dem Verfahren hergestellten
luftspaltisolierten Abgassammler.
[0002] Ein Abgassammler oder auch Abgaskrümmer vereint die Abgase mehrerer Zylinder einer
Brennkraftmaschine. Bei einem luftspaltisolierten Abgassammler ist zumindest ein zur
Abgasführung vorgesehener innerer Schalenkörper von einem äußeren Schalenkörper unter
Ausbildung eines thermisch isolierenden Luftspalts umhüllt. Durch die Verwendung luftspaltisolierter
Abgassammler kann die thermische Belastung eines Motorblocks bzw. eines Zylinderkopfs,
an den der Abgassammler angeflanscht ist, reduziert werden.
[0003] Zur Leistungssteigerung einer Brennkraftmaschine ist es allgemein bekannt, mit Hilfe
eines Abgasturboladers das den Brennräumen zugeführte Frischgas aufzuladen. Hierzu
kann der jeweilige Abgasturbolader abgasseitig unmittelbar an den Abgassammler angeschlossen
sein. Das Abgas hat an dieser Stelle seine höchste Temperatur und seinen höchsten
Druck, wodurch für den Abgasturbolader eine sehr hohe Enthalpie zur Verfügung steht.
Moderne Turbolader können nach dem Twin-Scroll-Prinzip arbeiten. Zum einen weist ein
solcher Twin-Scroll-Abgasturbolader zwei separate Einlasspfade auf, die vom gemeinsamen
abgasseitigen Einlass zur gemeinsamen Turbine des Turboladers führen. Zum anderen
werden die den Turbolader mit Abgas versorgenden Zylinder der Brennkraftmaschine in
zwei Gruppen unterteilt, um deren Abgase getrennt jeweils einem der Einlasspfade des
Twin-Scroll-Turboladers zuzuführen. Hierdurch kann eine gleichmäßigere Abgasbeaufschlagung
der Turbine auch bei kleineren Drehzahlen der Brennkraftmaschine realisiert werden,
was das Ansprechverhalten des Turboladers verbessert, insbesondere in Richtung kleinerer
Drehzahlen verschiebt. Die separate Abgasführung der einzelnen Zylindergruppen kann
über separate Abgassammler erfolgen. Bei einem luftspaltisolierten Abgassammler kann
dies auch dadurch realisiert werden, dass im gemeinsamen äußeren Schalenkörper zwei
separate innere Schalenkörper angeordnet sind, die jeweils einer Zylindergruppe zugeordnet
sind.
[0004] Insbesondere bei luftspaltisolierten Abgassammlern ist es üblich, den jeweiligen
inneren Schalenkörper aus mehreren einzelnen gasführenden Bestandteilen zusammenzubauen.
Hierzu sind die einzelnen gasführenden Bestandteile im Bereich wenigstens eines Schiebesitzes
ineinander gesteckt. Die Bauweise mit Schiebesitzen reduziert thermisch bedingte Verspannungen
innerhalb des Abgassammlers.
[0005] Bei der Herstellung der einzelnen Bestandteile der inneren Schalenkörper müssen Herstellungstoleranzen
berücksichtigt werden. Hierdurch greifen die jeweiligen Bestandteile innerhalb des
jeweiligen Schiebesitzes zwangsläufig mit einem mehr oder weniger großen Radialspiel
ineinander. Derartiges Radialspiel führt jedoch im Betrieb des Abgassammlers zu Leckage.
Da der äußere Schalenkörper den jeweiligen inneren Schalenkörper gasdicht umschließt,
sind derartige Leckagen üblicherweise unkritisch. Für die Verwendung des Abgassammlers
in Verbindung mit einem Twin-Scroll-Abgasturbolader besteht jedoch das Bedürfnis,
die Leckagen im Bereich des Schiebesitzes zu reduzieren, insbesondere dann, wenn in
einem gemeinsamen äußeren Schalenkörper zwei innere Schalenkörper angeordnet sind.
[0006] Die vorliegende Erfindung beschäftigt sich mit dem Problem, für einen Abgassammler
bzw. für ein zugehöriges Herstellungsverfahren eine verbesserte Ausführungsform anzugeben,
die sich insbesondere dadurch auszeichnet, dass sich der Abgassammler in besonderer
Weise für den Betrieb mit einem Twin-Scroll-Abgasturbolader eignet. Insbesondere sollen
Leckagen im Bereich der Schiebesitze reduziert werden.
[0007] Dieses Problem wird erfindungsgemäß durch die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche
gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0008] Die Erfindung beruht auf dem allgemeinen Gedanken, beim jeweiligen Schiebesitz einen
Kalibriervorgang durchzuführen. Hierdurch erhält zumindest der äußere Bestandteil
im jeweiligen Schiebesitz durch Umformung eine vorgegebene Geometrie. Insbesondere
lässt sich dadurch im jeweiligen Schiebesitz ein vorbestimmtes, vergleichsweise enges
Radialspiel einstellen. Ebenso kann die Kalibrierung so durchgeführt werden, dass
die beiden Bestandteile im Schiebesitz spielfrei aneinander anliegen. Hierzu kann
vorgesehen sein, zumindest den jeweils äußeren Bestandteil durch gezielte Umformung
hinsichtlich seines Querschnitts soweit zu reduzieren, dass er im Schiebesitz am jeweiligen
inneren Bestandteil zur Anlage kommt. Mit anderen Worten, bei den im jeweiligen Schiebesitz
ineinander gesteckten Bestandteilen wird der äußere Bestandteil durch Umformung auf
den inneren Bestandteil reduziert. Die Querschnittsreduzierung wird dabei so durchgeführt,
dass nach wie vor die Schiebesitzfunktion gewährleistet ist. Dabei kommt es auf eine
Leichtgängigkeit des Schiebesitzes nicht an, da die thermisch bedingten Relativbewegungen
zwischen den einzelnen im Schiebesitz aneinander gelagerten Bestandteilen durch relativ
große Spannungen bzw. Kräfte erzeugt werden, so dass grundsätzlich ein vergleichsweise
schwergängiger Schiebesitz ausreicht, um unzulässige hohe Spannungen in der Struktur
des Abgassammlers zu vermeiden.
[0009] Die Kalibrierung kann insbesondere so durchgeführt werden, dass innerhalb des jeweiligen
Schiebesitzes der jeweilige äußere Bestandteil nach der Querschnittsreduzierung den
jeweiligen inneren Bestandteil in der Umfangsrichtung an mindestens drei voneinander
beabstandeten Stellen berührt. Das bedeutet, dass eine radiale Festlegung der beiden
Bestandteile aneinander realisiert wird. Die drei in Umfangsrichtung voneinander beabstandeten
Berührungsstellen oder Kontaktstellen können beispielsweise durch drei in der Umfangsrichtung
voneinander beabstandete diskrete Kontaktpunkte gebildet sein. Ebenso kann zumindest
ein diskreter Kontaktpunkt mit wenigstens einer segmentförmigen Kontaktstelle kombiniert
sein, die eine Kontaktierung entlang eines Umfangssegments ermöglicht. Ebenso können
zwei oder mehr derartige segmentförmige Kontaktstellen ausreichen. Ebenso ist eine
in Umfangsrichtung geschlossene, also unterbrechungsfreie Kontaktierung denkbar. Die
einzelnen Kontaktstellen können dabei punktförmig oder linienförmig oder flächig ausfallen.
[0010] Da die gasführenden Bestandteile im Schiebesitz nach der jeweiligen Querschnittsreduzierung
des äußeren Bestandsteils quasi aneinander anliegen, kann eine erhöhte Dichtungswirkung
im Schiebesitz erzielt werden. Es ist klar, dass die Kontaktierung nicht zwangsläufig
flächig sein muss, da dies lediglich im Idealfall möglich ist. Eine radiale Festlegung
der ineinander steckenden Bestandteile wird auch schon dann erreicht, wenn in der
Umfangsrichtung an mindestens drei voneinander beabstandeten Kontaktstellen eine radiale
Abstützung erfolgt. Verbleibende Radialspalte sind im Vergleich zu ihrer axialen Länge
im Schiebesitz klein, wodurch sich eine Drosselwirkung einstellt, die wie eine Dichtung
wirkt, sogenannter Drosseldichtspalt. Sofern nun in einem gemeinsamen äußeren Schalenkörper
zwei innere Schalenkörper angeordnet sind, deren Schiebesitze entsprechend dem erfindungsgemäßen
Vorschlag kalibriert worden sind, kann nur noch wenig Gas aus einem der inneren Schalenkörper
in den äußeren Schalenkörper austreten und aus diesem in den jeweils anderen inneren
Schalenkörper gelangen. Durch die stark reduzierte bzw. stark gedämpfte Leckage im
Bereich der Schiebesitze kann insbesondere ein Druckausgleich zwischen den separaten
Gaspfaden innerhalb der inneren Schalenkörper vermieden werden, was die Effizienz
des Twin-Scroll-Turboladers erhöht.
[0011] Weitere wichtige Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen,
aus der Zeichnung und aus der zugehörigen Figurenbeschreibung anhand der Zeichnung.
[0012] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen
Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden
Erfindung zu verlassen.
[0013] Bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und
werden in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert, wobei gleiche oder ähnliche
oder funktional gleiche Komponenten mit den gleichen Bezugszeichen versehen sind.
Es zeigen, jeweils schematisch,
- Fig. 1
- einen Längsschnitt durch einen Abgassammler,
- Fig. 2
- einen Längsschnitt durch den Abgassammler im Bereich eines Schiebesitzes bei unterschiedlichen
Herstellungsphasen a, b und c.
[0014] Entsprechend Fig. 1 weist ein luftspaltisolierter Abgassammler 1 einen Flansch 2,
einen äußeren Schalenkörper 3 und wenigstens einen inneren Schalenkörper 4, 5 auf.
Im Beispiel weist der Abgassammler 1 zwei innere Schalenkörper 4, 5 auf. Der Abgassammler
1 bildet insgesamt einen Eingangsbereich einer im übrigen nicht dargestellten Abgasanlage
einer Brennkraftmaschine, die insbesondere in einem Kraftfahrzeug angeordnet sein
kann. Vorzugsweise ist bei einer aufgeladenen Brennkraftmaschine ein hier mit unterbrochener
Linie angedeuteter Abgasturbolader 6 unmittelbar an den Abgassammler 1 angeschlossen.
Hierbei handelt es sich insbesondere um einen Twin-Scroll-Abgasturbolader 6, der sich
durch zwei separate Einlasspfade auszeichnet, die von einem abgasseitigen Einlass
des Turboladers 6 zu einer Turbine bzw. zu einem Turbinenrad des Turboladers 6 führen.
[0015] Der äußere Schalenkörper 3 umhüllt dabei die beiden inneren Schalenkörper 4, 5 derart
beabstandet, dass ein thermisch isolierender Luftspalt zwischen der Haut des äußeren
Schalenkörpers 3 und der jeweiligen Haut des jeweiligen inneren Schalenkörpers 4,
5 entsteht.
[0016] Die beiden inneren Schalenkörper 4, 5 sind jeweils aus mehreren einzelnen gasführenden
Bestandteilen zusammengebaut. Im gezeigten Beispiel weist jeder innere Schalenkörper
4, 5 drei Einlassrohre 7, ein Verbindungsrohr 8, ein Kopplungsrohr 9 und ein Auslassrohr
10 auf. Die Einlassrohre 7 weisen jeweils eine Einlassöffnung 11 auf, die im montierten
Zustand des Abgassammlers 1 jeweils einem Zylinder der Brennkraftmaschine zugeordnet
sind. Das Verbindungsrohr 8 verbindet die beiden ersten Einlassrohre 11 über das Kopplungsrohr
9 mit dem Auslassrohr 10. Das Auslassrohr 10 verbindet dann das Verbindungsrohr 8
und das dritte Einlassrohr 11 mit einer Auslassöffnung 12 des jeweiligen inneren Schalenkörpers
4, 5. Die jeweilige Auslassöffnung 12 kann nun im montierten Zustand unmittelbar zu
einem der beiden Einlasspfade des Twin-Scroll-Turboladers 6 führen.
[0017] Im gezeigten Beispiel besitzt der jeweilige innere Schalenkörper 4, 5 jeweils zwei
Schiebesitze 13 bzw. 14. Der erste Schiebesitz 13 ist dabei zwischen dem ersten Einlassrohr
11 und dem Verbindungsrohr 8 ausgebildet, während der zweite Schiebesitz 14 zwischen
dem Verbindungsrohr 8 und dem Kopplungsrohr 9 ausgebildet ist. Der jeweilige Schiebesitz
13, 14 ermöglicht eine Axialverschiebung zwischen den ineinander gesteckten Bestandteilen.
Die Axialrichtung ist dabei durch die Axialrichtung des jeweiligen Schiebesitzes 13,
14 und somit durch die Steckrichtung definiert, in welcher im jeweiligen Schiebesitz
13, 14, die beiden Bestandteile ineinander gesteckt sind. Im ersten Schiebesitz 13
ist das Verbindungsrohr 8 der äußere Bestandteil, während das erste Einlassrohr 7
der innere Bestandteil ist. Im Unterschied dazu ist beim zweiten Schiebesitz 14 das
Kopplungsrohr 9 der äußere Bestandteil, während das Verbindungsrohr 8 den inneren
Bestandteil bildet.
[0018] Beim Herstellen des jeweiligen inneren Schalenkörpers 4, 5 werden zunächst die einzelnen
Bestandteile 7, 8, 9, 10 im Bereich der Schiebesitze 13, 14 ineinander gesteckt. Anschließend
wird zumindest bei einem der Schiebesitze 13, 14, vorzugsweise bei beiden Schiebesitzen
13, 14 ein Kalibriervorgang durchgeführt, bei dem zumindest am jeweiligen äußeren
Bestandteil eine Querschnittsreduzierung erfolgt. Dieser Kalibriervorgang kann dabei
gezielt so durchgeführt werden, dass anschließend im Schiebesitz ein vorbestimmter,
vergleichsweise enger Radialspalt zwischen den beiden ineinander steckenden Bestandteilen
vorliegt. Die Spaltbreite dieses Radialspalts kann insbesondere kleiner sein als die
Wandstärke des jeweiligen inneren Bestandteils und/oder des jeweiligen äußeren Bestandteils
im jeweiligen Schiebesitz 13, 14. Bevorzugt ist eine Ausführungsform, bei welcher
die Spaltbreite kleiner als 50 % oder sogar kleiner als 20 % der Wandstärke des äußeren
und/oder inneren Bestandteils ist. Die Spaltbreite ist nach dem Kalibriervorgang jedenfalls
signifikant kleiner als bei herkömmlicher Bauweise, wenn die separat hergestellten
Bestandteile aufgrund vergleichsweise großer Herstellungstoleranzen im jeweiligen
Schiebesitz 13, 14 ineinander stecken. Ebenso kann die Kalibrierung so durchgeführt
werden, dass anschließend der jeweils äußere Bestandteil am jeweils inneren Bestandteil
zur Anlage kommt.
[0019] Die hierzu erforderliche Querschnittsreduzierung kann dabei so erfolgen, dass anschließend
der äußere Bestandteil den jeweiligen inneren Bestandteil im Bereich des jeweiligen
Schiebesitzes 13, 14 an mindestens drei in der Umfangsrichtung voneinander beabstandeten
Stellen berührt. Ideal ist eine in der Umfangsrichtung unterbrechungsfreie, insbesondere
flächige, Berührung, zwischen den ineinander gesteckten Bestandteilen innerhalb des
jeweiligen Schiebesitzes 13, 14. Wichtig ist dabei, dass die Querschnittsreduzierung
bei ineinandersteckenden Bestandteilen durchgeführt wird, so dass es also möglich
ist, den jeweils äußeren Bestandteil auf den Querschnitt des jeweils inneren Bestandsteils
zu kalibrieren.
[0020] Die Kalibrierung kann insbesondere so durchgeführt werden, dass die beiden Bestandteile
anschließend im Schiebesitz 13, 14 spielfrei ineinander gesteckt sind. Zusätzlich
oder optional kann die Kalibrierung auch so durchgeführt werden, dass im jeweiligen
Schiebesitz 13, 14 ein radialer Presssitz entsteht. Die radiale Verpressung ist dabei
gezielt so realisiert, dass der Presssitz thermisch bedingte axiale Relativbewegungen
zulässt, die zwischen den durch den Schiebesitz 13, 14 aneinander gelagerten Bestandteilen
erforderlich sein können.
[0021] Die Kalibrierung mit Querschnittsreduzierung kann beispielsweise mit Hilfe eines
Umformwerkzeugs durchgeführt werden, das zwei Halbschalen aufweist, die aufeinander
gesenkt werden. Diese Umformung lässt sich besonders preiswert realisieren. Insbesondere
kann der jeweilige innere Schalenkörper 4, 5 nach dem Zusammenstecken der einzelnen
Bestandteile in eine der Halbschalen des Umformwerkzeugs eingelegt werden. Die andere
Halbschale wird dann abgesenkt, wodurch die Umformung zur Kalibrierung realisiert
wird. Besonders vorteilhaft ist dabei eine Ausführungsform, bei welcher im gleichen
Umformwerkzeug gleichzeitig zwei oder mehr Schiebesitze 13, 14 innerhalb des gleichen
inneren Schalenkörpers 4, 5 hinsichtlich einer Querschnittsreduzierung umgeformt werden
können. Dementsprechend ist dann nur ein Arbeitsgang erforderlich, um alle Schiebesitze
13, 14 erfindungsgemäß zu kalibrieren. Bei einer Weiterbildung kann außerdem vorgesehen
sein, im gleichen Umformwerkzeug die beiden inneren Schalenkörper 4, 5 des Abgassammlers
1 anzuordnen, um in einem Umformschritt die jeweiligen Schiebesitze 13, 14 der beiden
inneren Schalenkörper 4, 5 simultan zu kalibrieren.
[0022] Die Querschnittsreduzierungen der jeweils äußeren Bestandteile im jeweiligen Schiebesitz
13, 14 können prinzipiell so durchgeführt werden, dass dabei grundsätzlich auch eine
Querschnittsreduzierung des jeweils inneren Bestandteils in Kauf genommen wird. Hierbei
ist jedoch zu gewährleisten, dass anschließend der entstehende Presssitz bzw. der
danach vorliegende Schiebesitz 13, 14 bei den im Betrieb des Abgassammlers 1 auftretenden
thermischen Belastungen seine Funktionalität als Schiebesitz 13, 14 noch erfüllen
kann. Wie bereits weiter oben erläutert, ist dabei ein schwergängiger Schiebesitz
13, 14 vergleichsweise unkritisch, da im Betrieb hinreichend große Kräfte auftreten.
[0023] Entsprechend den Fig. 2a bis 2c kann bei einer besonderen Ausführungsform vorgesehen
sein, beim Zusammenbauen der inneren Schalenkörper 4, 5 in dem anschließend zu kalibrierenden
Schiebesitz 13, 14 eine Distanzhülse 19 radial zwischen dem jeweiligen inneren Bestandteil
7 bzw. 8 und dem äußeren Bestandteil 8 bzw. 9 anzuordnen, vgl. Fig. 2a. Diese Distanzhülse
19 sorgt beim Kalibriervorgang dafür, dass durch den Umformvorgang die beiden ineinander
steckenden Bestandteile 7 und 8 bzw. 8 und 9 nicht miteinander in Kontakt kommen.
Beim Umformen stützt sich somit der äußere Bestandteil 8 bzw. 9 über die Distanzhülse
19 am inneren Bestandteil 7 bzw. 8 ab, wobei gleichzeitig auch eine Umformung am inneren
Bestandteil 7 bzw. 8 grundsätzlich durchführbar ist. Durch die Verwendung einer derartigen
Distanzhülse 19 lässt sich im jeweiligen Schiebesitz 13 bzw. 14 durch die Kalibrierung
ein definierter Radialspalt ausbilden, der zunächst durch die Distanzhülse 19 dicht
verschlossen sein kann, vgl. Fig. 2b. Zweckmäßig ist nun die Distanzhülse 19 aus einem
Material hergestellt, z. B. aus einem Kunststoff, das bei den im Betrieb des Abgassammlers
1 üblichen Temperaturen flüchtig ist. Insbesondere ist die Distanzhülse 19 voll veraschbar.
Nach der Verflüchtigung der Distanzhülse 19 weist der jeweilige Schiebesitz 13 bzw.
14 das gewünschte definierte, also kalibrierte Radialspiel auf, das - wie bereits
weiter oben erläutert - deutlich kleiner sein kann als bei konventioneller Bauweise
ohne Kalibriervorgang, vgl. Fig. 2c. Fig. 2a zeigt die Bestandteile 7 und 8 bzw. 8
und 9 mit eingesetzter Distanzhülse 19 vor dem Kalibrieren. Fig. 2b zeigt die Bestandteile
7 und 8 bzw. 8 und 9 mit der Distanzhülse 19 nach dem Kalibrieren und Fig. 2c zeigt
den kalibrierten Schiebesitz 13 bzw. 14 nach dem Entfernen der Distanzhülse 19.
[0024] Im gezeigten Beispiel sind die Einlassrohre 7 mit dem Flansch 2 verbunden, insbesondere
verschweißt. Der äußere Schalenkörper 3 ist im Bereich der Einlassrohre 7 mit den
inneren Schalenkörpern 4, 5 fest verbunden, insbesondere verschweißt. Eine Anbindung
an den Flansch 2 ist für den äußeren Schalenkörper 3 hier nicht vorgesehen, kann jedoch
bei einer anderen Ausführungsform realisiert sein. Der Schalenkörper 3 umhüllt einen
Aufnahmeraum 15, in dem beide inneren Schalenkörper 3, 4 untergebracht sind. Lediglich
die Einlassrohre 7 ragen aus dem äußeren Schalenkörper 3 heraus. Im Beispiel ist im
äußeren Schalenkörper 3 eine Trennwand 16 angeordnet, die den Aufnahmeraum 15 in zwei
Teilräume 17 und 18 unterteilt, in denen jeweils einer der inneren Schalenkörper 4,
5 angeordnet ist. Die Trennwand 16 kann insbesondere gasdicht oder annähernd gasdicht
die beiden Teilräume 17, 18 voneinander trennen, wodurch ein Druckausgleich zwischen
den beiden Teilräumen 17, 18 behindert werden kann.
[0025] Die kalibrierten Schiebesitze 13, 14 zeichnen sich durch eine reduzierte Leckage
aus, wodurch ein Druckausgleich zwischen den Abgasströmungen innerhalb der beiden
inneren Schalenkörper 4, 5 behindert wird. Zusätzlich kann die Trennwand 16 einen
weiteren Beitrag zur Unterbindung eines Druckausgleichs zwischen den beiden Gaspfaden
bewirken. Ferner bewirkt der separate Anschluss der beiden inneren Schalenkörper 4,
5 über deren getrennte Auslassöffnungen 12 an die beiden separaten Einlasspfade des
Turboladers 6 eine weitere unabhängige und separate Gasführung zum Turbolader 6. Auf
diese Weise kann der Twin-Scroll-Turbolader 6 besonders effektiv betrieben werden.
1. Verfahren zum Herstellen eines luftspaltisolierten Abgassammlers (1) für eine Abgasanlage
einer Brennkraftmaschine, insbesondere in einem Kraftfahrzeug,
- bei dem einzelne gasführende Bestandteile (7, 8, 9, 10) eines inneren Schalenkörpers
(4, 5) im Bereich wenigstens eines Schiebesitzes (13, 14) ineinander gesteckt werden,
- bei dem im Bereich wenigstens eines solchen Schiebesitzes (13, 14) bei ineinandersteckenden
Bestandteilen (7, 8, 9, 10) ein Kalibriervorgang durchgeführt wird, bei dem zumindest
am jeweiligen äußeren Bestandteil (8, 9) eine Querschnittsreduzierung erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Kalibriervorgang so durchgeführt wird, dass die jeweiligen Bestandteile (7, 8,
9, 10) anschließend im Schiebesitz (13, 14) spielfrei ineinander gesteckt sind.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Kalibriervorgang so durchgeführt wird, dass im jeweiligen Schiebesitz (13, 14)
ein radialer Presssitz entsteht, der thermisch bedingte axiale Relativbewegungen zwischen
den über den jeweilige Schiebesitz (13, 14) aneinander gelagerten Bestandteilen (7,
8, 9, 10) zulässt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Kalibriervorgang so durchgeführt wird, dass im jeweiligen Schiebesitz (13, 14)
radial zwischen dem äußeren Bestandteil und dem inneren Bestandteil kein Spalt oder
ein Spalt mit einer kleinen Spaltbreite vorliegt, die insbesondere kleiner als eine
Wandstärke des äußeren Bestandteils und/oder des inneren Bestandteils im Bereich des
Schiebesitzes (13, 14) und vorzugsweise kleiner als 50 % oder kleiner als 20 % dieser
Wandstärke sein kann.
5. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Kalibriervorgang unter Zuhilfenahme einer Distanzhülse (19) durchgeführt wird,
die im Schiebesitz (13, 14) radial zwischen dem inneren Bestandteil (7, 8) und dem
äußeren Bestandteil (8, 9) angeordnet wird, wobei die Distanzhülse (19) insbesondere
für die im Betrieb des Abgassammlers (1) auftretenden Temperaturen flüchtig ausgestaltet
sein kann.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Kalibriervorgang mittels eines zwei Halbschalen aufweisenden Umformwerkzeugs
durchgeführt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass im gleichen Umformwerkzeug gleichzeitig bei mindestens zwei Schiebesitzen (13, 14)
die Kalibrierung des jeweiligen äußeren Bestandteils (8, 9) durchgeführt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass im gleichen Umformwerkzeug gleichzeitig bei mindestens zwei inneren Schalenkörpern
(4, 5) bei jeweils wenigstens einem Schiebesitz (13, 14) die Kalibrierung des jeweiligen
äußeren Bestandteils (8, 9) durchgeführt wird.
9. Luftspaltisolierter Abgassammler für eine Abgasanlage einer Brennkraftmaschine, insbesondere
in einem Kraftfahrzeug,
- mit einem äußeren Schalenkörper (3),
- mit wenigstens einem inneren Schalenkörper (4, 5), der aus mindestens zwei gasführenden
Bestandteilen (7, 8, 9, 10) zusammengebaut ist, die im Bereich wenigstens eines Schiebesitzes
(13, 14) ineinander gesteckt sind,
- wobei wenigstens ein solcher Schiebesitz (13, 14) kalibriert worden ist, indem zumindest
am äußeren Bestandteil (8, 9) durch Umformung eine Querschnittsreduzierung durchgeführt
worden ist.
10. Abgassammler nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die jeweiligen Bestandteile (7, 8, 9, 10) im jeweiligen Schiebesitz (13, 14) spielfrei
ineinander gesteckt sind.
11. Abgassammler nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass im jeweiligen Schiebesitz (13, 14) ein radialer Presssitz vorliegt, der thermisch
bedingte axiale Relativbewegungen zwischen den über den Schiebesitz (13, 14) aneinander
gelagerten Bestandteilen (7, 8, 9, 10) zulässt.
12. Abgassammler nach einem der Ansprüche 9 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass im jeweiligen Schiebesitz (13, 14) die ineinander gesteckten Bestandteile (7, 8,
9, 10) axial spaltfrei aneinander anliegen oder dass radial zwischen dem äußeren Bestandteil
und dem inneren Bestandteil ein Spalt mit einer kleinen Spaltbreite vorliegt, die
insbesondere kleiner als eine Wandstärke des äußeren Bestandteils und/oder des inneren
Bestandteils im Bereich des Schiebesitzes (13, 14) und vorzugsweise kleiner als 50
% oder kleiner als 20 % dieser Wandstärke sein kann.