[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Prüfen eines Verkehrssteuerungssystems
für Tunnelstrecken. Des Weiteren betrifft sie ein Verfahren zum Prüfen der Verkehrstüchtigkeit
einer Tunnelstrecke sowie eine Prüfeinrichtung zum Prüfen eines Verkehrssteuerungssystems
für Tunnelstrecken bzw. zum Prüfen der Verkehrstüchtigkeit einer Tunnelstrecke.
[0002] Der reibungslose Verkehrsablauf im Bereich von Tunnelstrecken ist eine der vordringlichen
und gleichzeitig kompliziertesten Aufgaben im Bereich der Verkehrssteuerungstechnik.
Vordringlich ist sie vor allem deshalb, weil auf Tunnelstrecken eine verschärfte Gefahrensituation
für Verkehrsteilnehmer vorliegt. Mehrere Katastrophen in europäischen Tunnels in den
letzten Jahren haben diese Gefahren dramatisch offenbart. Besonders kompliziert ist
die Aufgabe deshalb, weil neben den üblichen Faktoren, die für Verkehrssteuerungssysteme
relevant sind, wie beispielsweise Wetter, Tageszeit, Verkehrsdichte, Anzahl von Fahrstreifen
usw. kritische Zusatzfaktoren eine zentrale Rolle für die Steuerung spielen. Hierunter
fallen vor allem Notfallfaktoren.
[0003] Derartige Notfallfaktoren können beispielsweise durch Entstehung eines Feuers oder
Schwelbrands in einem Tunnel entstehen. Innerhalb kürzester Zeit breiten sich hierdurch
Schadstoffe aus; es verringert sich die Sichtweite für die anderen Verkehrsteilnehmer
erheblich, wodurch es urplötzlich zu brisanten und chaotischen Verkehrsverhältnissen
innerhalb des Tunnels kommen kann. Tunnels umfassen zudem Fluchtwege und damit zusätzlich
zu kontrollierende Bereiche für Verkehrssteuerungs- und -monitoringsysteme, die auf
die Gefahrensituation bei Notfällen vor allem insofern Einfluss haben, als durch sie
im positiven Fall die Lage entspannt werden kann, jedoch im negativen Fall auch verschärft,
wenn sie ihren Zweck nicht erfüllen und dadurch zusätzliches Chaos entsteht.
[0004] Bisher wurden Steuerungssysteme für Tunnelstrecken erst dann getestet und die Steuerungsparameter
entsprechen eingestellt, wenn das Gesamtsteuerungssystem unter realen Bedingungen
online arbeitete. Entsprechend wurde auch die Verkehrstüchtigkeit von Tunnelstrecken
erst im realen Betrieb überprüft. Simulationen von Einzelfaktoren waren zwar bereits
punktuell möglich, jedoch konnte das dynamische Zusammenwirken dieser Faktoren, speziell
in Hinblick auf Emissionsgrenzwerte für Schadstoffe, bisher nicht ausreichend berücksichtigt
werden. Aufwändige Versuche in den Tunnels zur Entwicklung und Ausbreitung von Schadstoffen
und die Überprüfung der Wirkung der Verkehrssteuerung im laufenden Betrieb waren die
einzigen zur Verfügung stehenden Mittel. Da Änderungen nach einer Bauausführung eines
Tunnels jedoch nur unter hohem Aufwand möglich sind und einen extrem hohen Kostenfaktor
darstellen, wurden nicht immer rechtzeitig die geeigneten Schritte zur Verbesserung
der baulichen Rahmenbedingungen und der hierzu gehörenden Verkehrssteuerung eingeleitet.
[0005] Es ist daher Ziel der vorliegenden Erfindung, ein Verkehrssteuerungssystem für Tunnelstrecken
bzw. die Verkehrstüchtigkeit von Tunnelstrecken deutlich besser überprüfbar zu machen,
im Speziellen im Vorfeld des Baus einer Tunnelstrecke bzw. der Konzeption eines entsprechenden
Verkehrssteuerungssystems für eine Tunnelverkehrsstrecke.
[0006] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren zum Prüfen eines Verkehrssteuerungssystems
für Tunnelstrecken und/oder zum Prüfen der Verkehrstüchtigkeit einer Tunnelstrecke
gelöst, bei dem auf Basis von Steuerungsdaten des Verkehrssteuerungssystems eine Tunnelverkehrssituation
simuliert wird und dabei Verkehrssituationsdaten erzeugt werden, die an das Verkehrssteuerungssystem
als Eingangsdaten übergeben werden, wobei bei der Simulation der Tunnelverkehrssituation
eine Schadstoffkonzentration und/oder eine Sichtweite im Tunnel bzw. in Abschnitten
des Tunnels berücksichtigt wird.
[0007] Als Steuerungsdaten werden die Signale des Verkehrssteuerungssystems verstanden,
mit denen im realen Betrieb Verkehrssteuerungsaktuatoren gesteuert werden, wie z.B.
Steuersignale für Lichtzeichenanlagen, Hinweistafeln, ansteuerbare Verkehrszeichen
zur Vorgabe von Höchstgeschwindigkeiten, zur Sperrung von Fahrbahnen etc.
[0008] Die erzeugten Verkehrssituationsdaten entsprechen Verkehrssituationsmessdaten, wie
sie von einem Verkehrs- und Emissionsdetektorsystem ermittelt würden, das im laufenden
Betrieb o-periert. Sie repräsentieren das aktuelle Simulationsergebnis z. B. in Form
von Daten über die aktuelle Verkehrsdichte und die Durchschnittsgeschwindigkeit auf
den einzelnen Fahrbahnen, die Sichtweite etc. Die an das Verkehrssteuerungssystem
als Eingangsdaten übergebenen Verkehrssituationsdaten stellen somit Rückkopplungsdaten
dar, die dazu dienen, dass das Verkehrssteuerungssystem eine Rückmeldung erhält, welche
Verkehrssituationsdaten aufgrund seiner Verkehrssteuerungsaktivität entstehen können.
Ein derartiges Verfahren berücksichtigt also in einer reinen Simulation neben herkömmlichen
Steuerungsdaten die Effekte, die in einer Tunnelverkehrssituation insbesondere gefährlich
werden können, nämlich die Schadstoffkonzentration und/oder die Sichtweite im Tunnel
bzw. in Einzelabschnitten des Tunnels, um dadurch Rückschlüsse zu erlauben, wie in
welchen Ausgangsverkehrssituationen Steuerungsdaten auf das Verkehrssystem im Tunnel
wirken.
[0009] Zum Beispiel kann, ausgehend von einer durchschnittlichen Verkehrsdichte und einem
Fahrbetrieb im Tunnel auf zwei Fahrstreifen pro Fahrtrichtung bei ungestörtem Verkehr
simuliert werden, was geschieht, wenn das Verkehrssteuerungssystem auf einen Betrieb
mit nur einem Fahrstreifen pro Richtung umschaltet. Hieraus ergeben sich neben einer
Änderung der Geschwindigkeiten der Fahrzeuge im Tunnel durch das Abbrems- bzw. Beschleunigungsverhalten
von Verkehrsteilnehmern andere Schadstoffkonzentrationen und in extremeren Fällen
Veränderungen der Sichtweite im Tunnel.
[0010] Außerdem wird die eingangs genannte Aufgabe durch eine Prüfeinrichtung zum Prüfen
eines Verkehrssteuerungssystems für Tunnelstrecken und/oder zum Prüfen der Verkehrstüchtigkeit
einer Tunnelstrecke gelöst, wobei die Prüfeinrichtung mindestens Folgendes aufweist:
- einer Eingangsschnittstelle für Steuerungsdaten des Verkehrssteuerungssystems,
- eine Verkehrssituations-Simulationseinheit zur Simulation einer Tunnel-Verkehrssituation
auf Basis der Steuerungsdaten,
- eine Verkehrssituationsdaten-Erzeugungseinheit zur Erzeugung von Verkehrssituationsdaten
in Abhängigkeit von einem Simulationsergebnis,
- eine Weitergabeschnittstelle für Verkehrssituationsdaten an das Verkehrssteuerungssystem,
wobei die Verkehrssituationssimulationseinheit so ausgebildet ist, dass sie bei der
Simulation der Tunnelverkehrssituation eine Schadstoffkonzentration und/oder eine
Sichtweite im Tunnel bzw. in Abschnitten des Tunnels berücksichtigt.
[0011] Die Eingangsschnittstelle und die Weitergabeschnittstelle sowie Verkehrssituationssimulationseinheit
und die Verkehrssituationsdatenerzeugungseinheit können jeweils sowohl hardwaremäßig
also auch in Form von miteinander gekoppelten Untereinheiten eines Prozessors, gegebenenfalls
softwaregesteuert, ausgeführt sein. Zusätzlich kann speziell die Verkehrsituationssimluationseinheit
und die Verkehrssituationsdaten-Erzeugungseinheit über weitere Eingangsschnittstellen
mit Datenquellen, speziell Referenzdatenquellen, verbunden sein. Mit Hilfe einer derartigen
Prüfeinrichtung kann sowohl ein Verfahren zum Prüfen eines Verkehrssteuerungssystems
als auch ein Verfahren zum Prüfen der Verkehrstüchtigkeit einer Tunnelstrecke durchgeführt
werden - sofern über eine entsprechende Schnittstelle tunnelspezifische Konstruktionsdaten
in die Prüfeinrichtung eingegeben werden können.
[0012] Die Prüfeinrichtung kann ganz oder zum Teil in Hardware oder in Software realisiert
werden. Software hat den Vorteil einer schnellen und kostengünstigen Realisierung.
Daher wird zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens bevorzugt ein ein Computerprogrammprodukt
verwendet, welches direkt in eine Rechnereinrichtung ladbar ist, mit Programmcodemitteln,
um alle Schritte eines wie eben beschriebenen Verfahrens auszuführen.
[0013] Weitere besonders vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung
ergeben sich auch aus den abhängigen Ansprüchen sowie der nachfolgenden Beschreibung.
Dabei kann die erfindungsgemäße Prüfeinrichtung bzw. das Verfahren zum Prüfen der
Verkehrstüchtigkeit einer Tunnelstrecke auch entsprechend den abhängigen Ansprüchen
zu dem Verfahren zum Prüfen eines Verkehrssteuerungssystems weitergebildet sein.
[0014] Als Grundbasis der Simulation der Tunnelverkehrssituation dienen wie oben erläutert
vornehmlich Steuerungsdaten des Verkehrssteuerungssystems.
[0015] Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird die Tunnelverkehrssituation
zusätzlich zu den Steuerungsdaten des Verkehrssteuerungssystems auf Basis weiterer
Eingangsgrößen und/oder Eingangsfaktoren simuliert. Hierunter fallen sowohl langfristig
konstante Größen und Faktoren als auch variierbare Größen und Faktoren.
[0016] Als langfristig konstante Größen können beispielsweise die konstruktiven Gegebenheiten
der Fahrbahn, das Vorhandensein von natürlichen Verkehrshindernissen oder das kulturelle
Umfeld des jeweiligen Landes, in dem ein Tunnel betrieben wird, angesehen werden.
Variierbare Größen betreffen beispielsweise Verkehrsstörungen, die Entwicklungen der
Verkehrsdichte, die Tageszeit, Wettereinflüsse und Umwelteinflüsse. Durch Berücksichtigung
weitere relevanter Eingangsgrößen bzw. Faktoren im Simulationsprozess erhält das Verkehrssteuerungssystem
eine umfassende Datenbasis für die Simulation, aufgrund derer es ein differenziertes
Simulationsbild entwerfen kann.
[0017] Bei der Simulation können langfristig konstante Größen wie die konstruktiven Gegebenheiten
oder das kulturelle Umfeld als eine Art Basisgröße in die Simulation einfließen, während
zu Bestimmung eines bestimmten Verkehrsszenarios und eines daraus abzuleitendes Steuerungsablaufs
durch das Verkehrssteuerungssystem die variierbaren Größen üblicherweise bei jeder
Simulation neu definiert und während der Simulation verändert (bzw. aktualisiert)
werden können.
[0018] Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung umfassen die Steuerungsdaten
Parameter für Steuerungsaktuatoren, die die Schadstoffkonzentration im Tunnel regulieren.
Hierdurch berücksichtigt das Verfahren nicht nur die üblichen Steuerungsdaten zur
Verkehrssteuerung, sondern auch Steuerungsdaten zur Regulierung von tunnelspezifischen
Gefahreneinflüssen. Gemäß einer besonders bevorzugten Weiterbildung dieser Form werden
als Steuerungsaktuatoren Ventilatoren verwendet. Hierunter fallen nicht nur Gebläse,
die Schadstoffe bzw. Luft von einer Seite des Tunnels in Richtung der anderen Öffnung
des Tunnels ventilieren, sondern auch Ventilationen für näherungsweise vertikal verlegte
kaminähnliche Abzüge.
[0019] Die Steuerungsdatenparameter umfassen vorteilhafterweise Parameter für solche Verkehrssteuerungsaktuatoren,
die Verhaltensgebote bzw. Verbote anzeigen. Unter diese Steuerungsaktuatoren fallen
zahlreiche Verkehrsschilder und variable Anzeigen. Erfahrungsgemäß wird auch durch
Verkehrsgebote eine schnelle und effektive Verhaltensänderung von Verkehrsteilnehmern
bewirkt, wodurch sich sowohl eine Verkehrssituation als auch eine Schadstoffkonzentrationssituation
relativ einfach variieren lassen.
[0020] Zu den Steuerungsdaten gehören daher bevorzugt Parameter für solche Verkehrssteuerungsaktuatoren,
die Verkehrsflüsse in ihrer Höchstgeschwindigkeit regulieren. Die Regulierung von
Geschwindigkeiten in Tunnels stellt eine der wichtigsten Einflussmöglichkeiten von
Verkehrssteuerungssystemen zur Gewährleistung von Verkehrssicherheit und Schadstoffregulierung
dar. Deshalb ist es besonders vorteilhaft, derartige Steuerungsdaten in der Simulation
zu berücksichtigen.
[0021] Ebenso gehören zu den Steuerungsdaten bevorzugt Parameter für solche Verkehrssteuerungsaktuatoren,
die Verkehrsflüsse in ihrem Streckenverlauf regulieren. Die Regulierung eines Streckenverlaufs
kann beispielsweise durch Sperrung einzelner Fahrstreifen erfolgen. Im Tunnelbereich
kann es weiterhin in manchen Situationen vorteilhaft sein, eine Blockabfertigung durchzuführen.
Bei Tunnels mit nur einer Tunnelröhre und Fahrbahnen für beide Fahrtrichtungen, die
nicht voneinander getrennt sind, kann weiterhin eine Umleitung des Richtungsverkehrs
von einem Fahrstreifens auf einen Fahrstreifen, der eigentlich für den entgegengesetzten
Richtungsverkehrs vorgesehen ist, erfolgen. Solche Maßnahmen können auch zum Zwecke
der Regulierung der Schadstoffbelastung genutzt werden. Auch derartige Maßnahmen beeinflussen
das Verkehrsverhalten, den Verkehrsfluss und die Schadstoffemissionen von Fahrzeugen
maßgeblich.
[0022] Die Verkehrssteuerung durch Verhaltensgebote bzw. Verbote, insbesondere durch Höchstgeschwindigkeitsvorschriften
bzw. durch Streckenleitsysteme stellen besonders wichtige Einflussfaktoren auf das
Verkehrsverhalten von Verkehrsteilnehmern dar. Insofern ist ihre Berücksichtigung
von besonderem Vorteil bei der Simulation von Verkehrssteuerungssituationen. Werden
einzelne oder die Gesamtheit dieser Parameter berücksichtigt, so kann mit großer Wahrscheinlichkeit
davon ausgegangen werden, dass die Genauigkeit der Verkehrssimulation bereits in etwa
einen kritischen Wert überschritten hat, ab dem man von sehr realistischen Prüfbedingungen
ausgehen kann.
[0023] Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird bei der Tunnelverkehrssituation
eine Notfallfluchtsituation im Tunnel bzw. Abschnitten des Tunnels berücksichtigt.
Auf diese Art und Weise kann erstens grundsätzlich auf Tunnelverkehrssituationen bei
der Simulation speziell eingegangen werden, sodass das Verkehrssteuerungssystem auf
seinen konkreten Einsatzbereich und seine entsprechende Tauglichkeit hierfür geprüft
wird. Außerdem werden hier ganz besonders die konstruktiven Gegebenheiten eines konkreten
Anwendungsbeispiels eines Tunnels in einer sehr tiefgehenden Art und Weise mit berücksichtigt.
Insbesondere kann damit die Tauglichkeit der Fluchtwege innerhalb des Tunnels, der
Notrufeinrichtungen und anderer Hilfseinrichtungen mit überprüft werden. Es ergibt
sich daher bei einem Verfahren gemäß dieser bevorzugten Ausführungsform für Verkehrsfachleute
der Vorteil, dass an konkretem Beispiel unter Einbeziehung von Extremsituationen das
Verkehrssteuerungssystem grundlegend geprüft werden kann.
[0024] Neben externen und internen Einflussfaktoren des Tunnels bzw. des Verkehrssteuerungssystems
spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Verkehrsituationen das Verkehrsverhalten
der Verkehrsteilnehmer. Die Erfahrung zeigt, dass die Qualität einer Verkehrssimulation
entscheidend von der Genauigkeit der Simulation des Verkehrssimulationsverhaltens
von Verkehrsteilnehmern abhängig ist. Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung repräsentieren daher die Verkehrssituationsdaten das Verkehrsverhalten
einzelner Verkehrsteilnehmer und/oder einzelner Kleingruppen von Verkehrsteilnehmern
und die Simulation erfolgt unter Berücksichtigung des Verkehrsverhaltens der einzelnen
Verkehrsteilnehmer und/oder einzelnen Kleingruppen.
[0025] Eine derartige mikroskopische Betrachtungsweise von Verkehrsverhalten stellt bei
der Simulation von Verkehrssituationen im Tunnel ganz besonders transparent dar, welche
Gefahrensituationen und sich daraus ergebende Notfallszenarien sich entwickeln können.
Derartige mikroskopische Verkehrssimulationssysteme sind derzeit für Verkehrssimulationen
im städtischen Verkehr bekannt, doch für Tunnelstrecken bisher noch nicht verwendet
worden. In der konkreten Anwendung für Tunnelstrecken besteht ihre besondere Leistung
darin, die bereits erwähnten tunnelspezifischen Ein- und Ausgangsparameter einer Verkehrssteuerung
systematisch mit einzubeziehen. Es stellt damit einerseits eine besondere Herausforderung
für ein Verkehrssteuerungssystem dar, doch gleichzeitig erhöht sich die Effektivität
des Verkehrssteuerungssystems bzw. die Effektivität der Überprüfung des Verkehrssteuerungssystems
um ein Vielfaches.
[0026] In einer besonders vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung werden auf Basis zumindest
eines Teils der Steuerungsdaten Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen von Verkehrsteilnehmern
ermittelt und erfolgt eine Simulation der Verkehrssituation unter Verwendung der Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen.
D. h. es werden verschiedenen Steuerungsdaten Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen
zugeordnet, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Verkehrsteilnehmer auf das betreffende
Steuerungsdatum, beispielsweise eine vorgegebene Höchstgeschwindigkeit oder ein Fahrspurempfehlung
reagieren.
[0027] Mit der Simulation auf Basis von Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen von Verkehrsteilnehmern
werden statistische Methoden verwendet, deren Datengrundlagen in der Regel auf langjähriger
Praxiserfahrung aus Messreihen basieren. Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen
beziehen sich dabei auf bestimmte Bezugsgrößen, die wieder Einfluss auf die Verkehrssituation
haben, wie zum Beispiel die Geschwindigkeit von Fahrzeugen. Sie können in einer Wahrscheinlichkeitskurve
aufgetragen werden. Sie geben Aufschluss darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein
bestimmtes, zufällig ausgewähltes Fahrzeug zum Beispiel mit einer bestimmten Geschwindigkeit
fährt. Per Zufallsprinzip können auf Basis der Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilung
Fahrzeugen Geschwindigkeiten zugeordnet werden. Damit wird es möglich, in der Gesamtheit
aller Verkehrsteilnehmer sehr genau zu simulieren, was einzelne Verkehrssensoren in
einem realen Betrieb des Verkehrssteuerungssystems erfassen würden. Das Verfahren
weist damit unter anderem den Vorteil auf, dass es dynamisch ausgebildet ist und auf
Basis empirisch erhobener Daten und stochastischer Erfahrungswerte ein möglichst genaues
Abbild von realen Verkehrssituationen gewährleisten kann.
[0028] Gemäß einer Weiterbildung dieser Ausführungsform werden den Steuerungsdaten und/oder
weiteren Eingangsgrößen und/oder - faktoren und/oder Kombinationen hiervon Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen
aus einem Datenbanksystem zugeordnet. Dies bedeutet, dass in oder in Verbindung mit
einer Verhaltenswahrscheinlichkeits-Ermittlungseinheit eine Zuordnungsdatenbank vorgesehen
ist, in der z.B. matrizenartig bestimmten Steuerungsdaten bzw. Eingangsgrößen bzw.
bestimmten Kombinationen dieser Steuerungsdaten und Eingangsgrößen Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen,
beispielsweise in Form von Wahrscheinlichkeitskurven zugeordnet sind. Im Betrieb sucht
die Verhaltenswahrscheinlichkeits-Ermittlungseinheit in dieser Datenbank bzw. Matrix
jeweils die Konstellation von Eingangsgrößen bzw. Steuerungsdaten oder Kombinationen
davon, die einer definierten Datenbankangabe am nächsten kommt und speist die dieser
Datenbankangabe zugeordnete Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilung in die Verkehrssituationssimulations-Einheit
ein. Eine derartige datenbankbasierte Zuordnung von Konstellationen zu Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen
bewirkt unter anderem vorteilhafterweise, dass das System im Betrieb nicht mit unnötigen
Berechnungsaufgaben von Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen belastet wird, sondern
auf vorab generierte, empirisch und systematisch akquirierte Daten zu Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen
zurückgreifen kann. Damit werden das System und das Verfahren effektiviert und speziell
bei einer Vielzahl von berücksichtigten Einflussfaktoren trotzdem betriebsfähig gehalten.
[0029] Gemäß einer weiteren, alternativen und zusätzlichen Weiterbildung der Ausführungsform
werden bestimmten Steuerungsparametertypen bestimmte Basis-Verhaltenwahrscheinlichkeitskurven
zugeordnet und die Basis-Verhaltenwahrscheinlichkeitskurven in Abhängigkeit eines
Steuerparameterwerts und/oder von weiteren Parametern gemäß einer vorgegebenen Regel
verändert.
[0030] Üblicherweise verändert sich eine Verhaltenwahrscheinlichkeitsverteilung bei Änderung
von Steuerungsdaten nicht nur hinsichtlich eines Kurvenparameters der Wahrscheinlichkeitskurve,
sondern hinsichtlich mehrerer solcher Parameter. Würde beispielsweise die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf 160 km/h heraufgesetzt, so würde sich die Wahrscheinlichkeitskurve
nicht formgleich von einem Geschwindigkeitsbereich um die 100 km/h in Richtung eines
Geschwindigkeitsbereichs um die 160 km/h verschieben. Vielmehr ist zu erwarten, dass
bei einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 100 km/h zahlreiche Verkehrsteilnehmer
tendenziell leicht mehr als diese Höchstgeschwindigkeit fahren würden und sich daher
eine hohe Wahrscheinlichkeit im Bereich in etwa von 100 km/h ergibt. Dagegen ist bei
einer Beschränkung auf 160 km/h davon auszugehen, dass zahlreiche Verkehrsteilnehmer
weniger als diese Geschwindigkeit fahren möchten und sich daher eine ausgeglichenere
Kurve ergibt, die eher langgestreckt und weniger bauchig ist als die vorher erwähnte,
und dass eine deutlich geringere Anzahl von Verkehrsteilnehmern die zulässige Höchstgeschwindigkeit
von 160 km/h überschreiten wird. Dies ist damit zu erklären, dass die Wunschgeschwindigkeit
vieler Verkehrsteilnehmer, also die Geschwindigkeit, die sie unter den durch Fahrzeug
und Fahrweg gegebenen Bedingungen zu fahren wünschen, tendenziell unterhalb der angegebenen
zulässigen Höchstgeschwindigkeit liegt, so dass die Verkehrsteilnehmer einfach diese
Wunschgeschwindigkeit anstreben und jedenfalls keinen Grund dafür sehen, eine Geschwindigkeitsübertretung
zu riskieren.
[0031] Um die zahlreichen Veränderungen der Verhaltenswahrscheinlichkeitskurven bei Variierung
nur eines Steuerungsparameterwerts, also beispielsweise eines Steuerungsdatums, abzubilden,
nutzt diese Weiterbildung also Basis-Verhaltenswahrscheinlichkeitskurven und vorgegebene
Regeln zur Veränderung dieser Kurven. Hierdurch wird unter anderem vorteilhafterweise
erreicht, dass für einen variierbaren Steuerungsparameter bereits eine Berechnungsgrundlage
besteht, die dann nur noch in begrenzterem Umfang je nach Steuerungsparameterwert
variiert werden muss, um zu der gewünschten konkreten Verhaltenswahrscheinlichkeitskurve
zu gelangen. Hierdurch wird die Kapazität der Prüfeinrichtung effektiver ausgenützt.
Besonders deutlich kommt der Vorteil dieser Ausführungsform dann zum Tragen, wenn
bei den Steuerungsparametertypen unterschieden wird zwischen Geboten und Verboten.
Bei Geboten wird die Basis-Verhaltenswahrscheinlichkeitskurve tendenziell eine breitere
Ausdehnungsform annehmen als bei Verboten. Besteht zum Beispiel ein Geschwindigkeitsgebot
von 130 km/h, so werden sich weniger Verkehrsteilnehmer daran halten als wenn es sich
bei den 130 km/ um eine zulässige Höchstgeschwindigkeit handelt. Es ist daher zu erwarten,
dass mehr Verkehrsteilnehmer auch deutlich schneller als 130 km/h fahren, während
sich bei der Höchstgeschwindigkeit die Ausreißer nach oben in engen Grenzen halten.
[0032] Die Erfindung wird im Folgenden unter Hinweis auf die beigefügten Figuren anhand
von Ausführungsbeispielen noch einmal näher erläutert. Dabei sind in den verschiedenen
Figuren gleiche Komponenten mit identischen Bezugsziffern versehen.
Es zeigen:
[0033]
- Figur 1
- eine vereinfachte Blockdarstellung eines Verkehrssteuerungssystems für Tunnelstrecken
gemäß dem Stand der Technik zur Erläuterung des Ablaufs einer Verkehrssteuerung,
- Figur 2
- eine vereinfachte Blockdarstellung des Verkehrssteuerungssystems mit einem Ausführungsbeispiel
einer erfindungsgemäßen Prüfeinrichtung zur Erläuterung des Ablaufs eines möglichen
erfindungsgemäßen Verfahrens zum Prüfen des Verkehrssteuerungssystems für Tunnelstrecken,
- Figur 3
- ein detailliertes Ablaufschema einer Simulation im Rahmen einer bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens,
- Figur 4
- eine schematische Blockdarstellung einer erfindungsgemäßen Prüfeinrichtung.
[0034] In Figur 1 ist ein Verkehrssteuerungssystem VSS mit folgenden Komponenten dargestellt:
einem Detektionssystem DE, einem Analyse- und Vorhersagemodul AN, einem Response-Plan-Modul
RP, einem Kontrollmodellmodul CM, einem Verkehrsaktuatorensystem VA und eine graphischen
Benutzeroberfläche GUI.
[0035] Das Detektionssystem DE umfasst mehrere Sensoren S
1, S
2, S
3, S
4, S
EM, S
VI, die an unterschiedlichen Stellen im Verkehrsbereich aufgestellt sind. Hierbei handelt
es sich zum Beispiel um Video-Überwachungskameras und Induktionsschleifen sowie -
speziell für den Tunnelbereich - um Schadstoffsensoren S
EM und Sichtweitedetektoren S
VI. Analog umfasst das Verkehrsaktuatorensystem VA mehrere Aktuatoren A
1, A
2, A
3, beispielsweise in Form von variablen Geschwindigkeitsanzeigen, variabel adaptierbaren
Richtungspfeilen für Fahrbahnen und Anzeigen für Warnhinweise in einem Tunnelabschnitt
sowie Ventilatoren, Abluftklappen etc., wobei in Figur 1 nur schematisch ein Ventilator
A
V dargestellt ist
[0036] Im Betrieb des Verkehrssteuerungssystems ergibt sich folgender prinzipieller Ablauf:
Die aktuelle Verkehrssituation VSI im Verkehrsbereich wird mit Hilfe der Sensoren
S
1, S
2, S
3, S
4, S
EM, S
VI des Detektionssystems DE erfasst. Die Sensoren S
1, S
2, S
3, S
4, S
EM, S
VI generieren Messdaten MD in Form von Rohdaten oder aufbereiteter Rohdaten, die an
das Analyse- und Vorhersagemodul AN weitergeleitet werden. Rohdaten können beispielsweise
einfache Signale für jedes Fahrzeug sein, das über den Sensorbereich einer Induktionsschleife
fährt. Aufbereitete Rohdaten wären in diesem Beispiel Informationen über die Verkehrsdichte,
die darauf basieren, dass eine Schaltung durch Zählen der erwähnten Signale über eine
Messzeit einen Wert bildet. Das Analyse- und Vorhersagemodul AN generiert aus den
Messdaten MD Analyse- und Vorhersagedaten AD, die einerseits zur graphischen Darstellung
an die graphische Benutzeroberfläche GUI und andererseits an das Response-Plan-Modul
RP weitergeleitet werden. Das Response-Plan-Modul RP erarbeitet auf dieser Basis unter
Verwendung von hinterlegten Regeln R
1 eine Response-Plan-Eingabe RE und gibt diese an das Kontrollmodellmodul CM weiter.
Die Regeln R
1 und/oder die Response-Plan-Eingabe RE kann sich ein Operator OP über die graphische
Benutzeroberfläche GUI anzeigen lassen und ggf. auch verändern. Das Kontrollmodellmodul
CM erhält weiterhin optional über die graphische Benutzeroberfläche GUI von einem
Operator OP Eingabebefehle ME. Auf Basis der Response-Plan-Eingabe RE und der Eingabebefehle
ME und mit Hilfe hinterlegter Regeln R
2 entwickelt das Kontrollmodellmodul CM Steuerungsdaten für das Verkehrsaktuatorensystem
VA bzw. für dessen Aktuatoren A
1, A
2, A
3, A
V. Die graphische Benutzeroberfläche GUI kommuniziert sowohl mit dem Response-Plan-Modul
RP als auch mit dem Kontrollmodellmodul CM und bereitet deren Informationen bzw. Daten
graphisch auf. Durch die Aktuatoren A
1, A
2, A
3, A
V des Verkehrsaktuatorensystems VA nimmt das Verkehrssteuerungssystem VSS steuernd
Einfluss auf die Verkehrssituation VSI im Verkehrsbereich. Es entsteht ein geschlossener
Regelkreis, da die veränderte Verkehrssituation VSI wiederum über das Detektionssystem
DE zurück in das Verkehrssteuerungssystem VSS rückgekoppelt wird.
[0037] In Figur 2 ist ein Verkehrssteuerungssystem VSS
TUN für einen Tunnel gezeigt, das im Wesentlichen die gleichen Elemente wie in Figur
1 aufweist mit dem Unterschied, dass das Detektionssystem DE und das Verkehrsaktuatorensystem
VA hier nicht verwendet werden. Stattdessen finden die Steuerungsdaten SD des Kontrollmodellmoduls
CM Eingang in eine Simulation SIM, in der simulierte Verkehrssimulationsdaten VSD
generiert werden. Die Simulation SIM ist in mehrere Simulationsbereiche unterteilbar:
In einem allgemeinen Simulationsmodul AS werden übliche verkehrsrelevante Aspekte
wie der Verkehrsfluss, die Verkehrsdichte uvm. virtuell nachgestellt. Außerdem wird
in einem Schadstoffsimulationsmodul EM eine Schadstoffkonzentration und/oder in einem
Sichtweitensimulationsmodul VI eine Sichtweite im Tunnel simuliert. Diese Module EM,
VI können in das allgemeine Simulationsmodul AS integriert oder mit diesem über Schnittstellen
verknüpft sein.
[0038] Die Steuerungsdaten SD werden darauf hin überprüft, inwieweit sie mittelbar oder
unmittelbar Einfluss auf die Entwicklung der Schadstoffkonzentration und/oder der
Sichtweite haben. Dieser Einfluss der Messdaten MD auf die Entwicklung der Schadstoffkonzentration
und/oder der Sichtweite fließt in die Simulation SIM insofern mit ein, als daraus
Verkehrssimulationsdaten generiert werden, die Rückschlüsse auf einen oder beide dieser
Verkehrsparameter im Tunnel zulassen. Insbesondere berücksichtigt die Simulation SIM
beispielsweise Steuerdaten SD für Ventilatoren A
V, die die Schadstoffkonzentration VS und die Sichtweite VV verbessern können.
[0039] Ein Ablauf eines besonders bevorzugten Simulationsverfahrens im Rahmen der Erfindung
ist in Figur 4 dargestellt. In eine Verkehrssituations-Simulationseinheit 5 werden
Steuerungsdaten SD, insbesondere solche Steuerungsdaten SD, die die Schadstoffkonzentration
und/oder die Sichtweite im Tunnel betreffen, aus einem zu prüfenden Verkehrssteuerungssystem
VSS und optional zusätzliche Eingangsdaten ED von weiteren Informationsquellen IQ
eingespeist. Zusätzliche Eingangsdaten ED können beispielsweise Angaben zur Jahreszeit
oder zu Ferienzeiten sein, denn erfahrungsgemäß ergibt sich hierdurch in vielen größeren
Tunnels ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, das üblicherweise je nach Wochentag wiederum
nur eine Fahrtrichtung betrifft.
[0040] Eine Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungs-Ermittlungseinheit 15 wählt aus einer
Datenbank DB, in der Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen VWV
1, VWV
2, VWV
3 enthalten sind, die Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilung VWV
2 aus, die den Steuerungsdaten SD und den zusätzlichen Eingangsdaten ED entspricht.
Sie weist aus dieser Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilung VWV
2 heraus den Fahrzeugkategorien Personenkraftwagen PKW, Lastkraftwagen LKW, Busse BUS
und Krafträder KRAD jeweils fahrzeugkategoriebezogene Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen
VWV
2PKW, VWV
2LKW, VWV
2BUS, VWV
2KRAD zu. Hieraus wird für Einzelfahrzeuge jeweils ein Verkehrsverhalten VV
2PKW1, VV
2PKW2, VV
2PKW3, VV
2KRAD1, VV
2KRAD2 nach dem Zufallsprinzip zugeteilt. Daraus ergibt sich in der Simulation als Simulationsergebnis
eine virtuelle Verkehrssituation VSI, die sich beispielsweise in der aktuellen Verkehrsdichte
VD, dem Verkehrsfluss VF, eine Schadstoffkonzentration VS und eine mittlere Sichtweite
VV manifestiert. Die Verkehrssituation kann sich weiter in Angaben zu Verkehrsproblemen,
der durchschnittlichen Geschwindigkeit des Verkehrs uvm. widerspiegeln. Diese weiteren,
die Verkehrssituation VSI beschreibenden Parameter sind hier der Übersichtlichkeit
wegen nicht alle aufgeführt. Basierend auf diese Verkehrssituation VSI generiert die
Verkehrssituations-Simulationseinheit 5 simulierte Verkehrssimulationsdaten VSD, entsprechend
der Messdaten MD des Verkehrssteuerungssystems VSS, die sie zurück in das Verkehrssteuerungssystem
einspeist, um den Regelkreis zu schließen.
[0041] Figur 4 zeigt schematisch den Aufbau einer erfindungsgemäßen Prüfeinrichtung 1. Sie
weist eine Eingangsschnittstelle 3 für Steuerungsdaten SD eines Verkehrssteuerungssystems
VSS
TUN für Tunnels auf. Weiterhin umfasst sie eine Verkehrssituations-Simulationseinheit
5, eine Verkehrssimulationsdaten-Erzeugungseinheit 7, eine Eingangsschnittstelle 11
für umwelt- und sichtrelevante Steuerungsdaten ENV, eine Analyseeinheit 13, eine Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungs-Ermittlungseinheit
15 und eine Weitergabeschnittstelle 9.
[0042] Über die Eingangsschnittstelle 3 gelangen Steuerungsdaten SD in die Prüfeinrichtung
1, wo sie in der Verkehrssituations-Simulationseinheit 5 in die Simulation einer Tunnel-Verkehrssituation
Eingang finden. Zusätzlich oder im Rahmen der Einspeisung der Steuerungsdaten SD werden
über die Eingangsschnittstelle 11, die hier der Anschaulichkeit halber als eigenständige
Einheit dargestellt ist, üblicherweise jedoch im Zusammenhang mit der Eingangsschnittstelle
3 für Steuerungsdaten SD steht, umwelt- und sichtrelevante Steuerungsdaten ENV in
die Verkehrssituations-Simulationseinheit 5 zur Simulation eingespeist. Im Rahmen
einer Simulation, die wie oben beschrieben auf der Zuweisung von Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen
VWV basiert, werden von der Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungs-Ermittlungseinheit
15 solche Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen VWV ermittelt und in die Verkehrssituations-Simulationseinheit
5 eingespeist. Aus der simulierten Tunnel-Verkehrssituation werden in der Verkehrssimulationsdaten-Erzeugungseinheit
7 Verkehrssimulationsdaten VSD generiert und über die Weitergabeschnittstelle 9 an
das Verkehrssteuerungssystem VSS
TUN weitergegeben. Die Analyseeinheit 13 analysiert, wie und mit welchen Ergebnissen
das Verkehrssteuerungssystem VSS
TUN in einem Tunnel-Umfeld den Verkehr und damit auch die Schadstoffkonzentration VS
bzw. die Sichtweite VV beeinflusst. Hieraus kann sowohl eine Bewertung des Verkehrssteuerungssystems
VSS
TUN abgeleitet werden als auch (bei einem bekannten und geprüften Verkehrssteuerungssystem
VSS
TUN) eine Bewertung der Verkehrstüchtigkeit des Tunnels.
[0043] Es wird abschließend noch einmal darauf hingewiesen, dass es sich bei dem vorhergehend
detailliert beschriebenen Verfahren sowie bei den dargestellten Ermittlungs- bzw.
Verkehrssteuerungssystemen lediglich um Ausführungsbeispiele handelt, welche vom Fachmann
in verschiedenster Weise modifiziert werden können, ohne den Bereich der Erfindung
zu verlassen. Weiterhin schließt die Verwendung der unbestimmten Artikel "ein" bzw.
"eine" nicht aus, dass die betreffenden Merkmale auch mehrfach vorhanden sein können.
Außerdem können Module und Einheiten aus einer oder mehreren Komponenten bestehen.
1. Verfahren zum Prüfen eines Verkehrssteuerungssystems (VSSTUN) für Tunnelstrecken und/oder zum Prüfen der Verkehrstüchtigkeit einer Tunnelstrecke,
bei dem auf Basis von Steuerungsdaten (SD) des Verkehrssteuerungssystems (VSSTUN) eine Tunnel-Verkehrssituation (VSI) simuliert wird und dabei Verkehrssimulationsdaten
(VSD) erzeugt werden, die an das Verkehrssteuerungssystem (VSSTUN) als Eingangsdaten übergeben werden, wobei bei der Simulation (SIM) der Tunnel-Verkehrssituation
(VSI) eine Schadstoffkonzentration (VS) und/oder eine Sichtweite (VV) im Tunnel bzw.
in Abschnitten des Tunnels berücksichtigt wird.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die Tunnel-Verkehrssituation (VSI) zusätzlich zu den Steuerungsdaten (SD) des Verkehrssteuerungssystems
(VSSTUN) auf Basis weiterer Eingangsgrößen und/oder -faktoren simuliert wird.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerungsdaten (SD) Parameter für Steuerungsaktuatoren (A1, A2, A3) umfassen, die die Schadstoffkonzentration (VS) im Tunnel regulieren.
4. Verfahren gemäß Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass Ventilatoren (AV) als Steuerungsaktuatoren (A1, A2, A3) verwendet werden.
5. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerungsdaten (SD) Parameter für solche Verkehrssteuerungsaktuatoren (A1, A2, A3) umfassen, die Verhaltensgebote und/oder Verbote anzeigen.
6. Verfahren gemäß Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerungsdaten (SD) Parameter für solche Verkehrssteuerungsaktuatoren (A1, A2, A3) umfassen, die Verkehrsflüsse in ihrer Höchstgeschwindigkeit regulieren.
7. Verfahren gemäß Anspruch 5 oder 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerungsdaten (SD) Parameter für solche Verkehrssteuerungsaktuatoren (A1, A2, A3) umfassen, die Verkehrsflüsse in ihrem Streckenverlauf regulieren.
8. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass bei der Tunnel-Verkehrssituation (VSI) eine Notfall-Fluchtsituation im Tunnel bzw.
in Abschnitten des Tunnels berücksichtigt wird.
9. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Verkehrssimulationsdaten (VSD) das Verkehrsverhalten einzelner Verkehrsteilnehmer
und/oder einzelner Kleingruppen von Verkehrsteilnehmern repräsentieren und die Simulation
(SIM) unter Berücksichtigung der Verkehrsverhalten der einzelnen Verkehrsteilnehmer
und/oder einzelner Kleingruppen erfolgt.
10. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass auf Basis zumindest eines Teils der Steuerungsdaten (SD) Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen
(VWV, VWV1, VWV2, VWV3, VWV2PKW, VWV2LKW, VWV2BUS, VWV2KRAD) von Verkehrsteilnehmern ermittelt werden und die Simulation (SIM) der Verkehrssituation
(VSI) unter Verwendung der Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen (VWV, VWV1, VWV2, VWV3, VWV2PKW, VWV2LKW, VWV2BUS, VWV2KRAD) erfolgt.
11. Verfahren gemäß Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, dass den Steuerungsdaten (SD) und/oder weitere Eingangsgrößen und/oder -faktoren (ED)
und/oder Kombinationen hiervon Verhaltenswahrscheinlichkeitsverteilungen (VWV, VWV1, VWV2, VWV3, VWV2PKW, VWV2LKW, VWV2BUS, VWV2KRAD) aus einem Datenbanksystem (DB) zugeordnet werden.
12. Verfahren gemäß Anspruch 10 oder 11,
dadurch gekennzeichnet, dass bestimmten Steuerungsparametertypen bestimmte Basis-Verhaltenwahrscheinlichkeitskurven
zugeordnet werden und die Basis-Verhaltenwahrscheinlichkeitskurven in Abhängigkeit
eines Steuerparameterwerts und/oder von weiteren Parametern gemäß einer vorgegebenen
Regel verändert wird.
13. Prüfeinrichtung (1) zum Prüfen eines Verkehrssteuerungssystems (VSS
TUN) für Tunnelstrecken und/oder der Verkehrstüchtigkeit einer Tunnelstrecke, mindestens
aufweisend:
- eine Eingangsschnittstelle (3) für Steuerungsdaten (SD) des Verkehrssteuerungssystems
(VSSTUN),
- eine Verkehrssituations-Simulationseinheit (5) zur Simulation (SIM) einer Tunnel-Verkehrssituation
(VSI) auf Basis der Steuerungsdaten (SD),
- eine Verkehrssimulationsdaten-Erzeugungseinheit (7) zur Erzeugung von Verkehrssimulationsdaten
(VSD) in Abhängigkeit von einem Simulationsergebnis,
- eine Weitergabeschnittstelle (9) für Verkehrssimulationsdaten (VSD) an das Verkehrssteuerungssystem
(VSSTUN),
- wobei die Verkehrssituations-Simulationseinheit ((5) so ausgebildet ist, dass sie
bei der Simulation (SIM) der Tunnel-Verkehrssituation (VSI) eine Schadstoffkonzentration
(VS) und/oder eine Sichtweite (VV) im Tunnel bzw. in Abschnitten des Tunnels berücksichtigt.
14. Computerprogrammprodukt, welches direkt in einen Prozessor einer Rechnereinrichtung
ladbar ist, mit ProgrammcodeMitteln, um alle Schritte eines Verfahrens nach einem
der Ansprüche 1 bis 12 auszuführen.