[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bereitstellung eines Dienstes für einen
Nutzer sowie eine entsprechende Vorrichtung.
[0002] In einer Vielzahl von Anwendungen ist es erforderlich, bestimmte Nutzergruppen vor
Eindringlingen zu schützen, welche unbefugt einen Dienst nutzen, der nur für die Nutzergruppe
vorgesehen ist. Oftmals lassen sich bestimmte Nutzergruppen durch Parameter charakterisieren,
welche aus der Stimme der Nutzer abgeleitet werden können. Insbesondere sind aus dem
Stand der Technik Sprachdialogsysteme bekannt, welche rechnergestützt die Spracheingaben
eines Nutzers analysieren können. Beispielsweise zeigt die Druckschrift
DE 20 2007 009 355 U1 ein Sprachdialogsystem, mit dem der Sprecher nach Alter und Geschlecht klassifiziert
werden kann.
[0003] Heutzutage gibt es insbesondere bei Internet-Anwendungen eine Vielzahl von Diensten,
die nur bestimmten Nutzergruppen zur Verfügung stehen sollen. Ein Beispiel sind sog.
Foren, in denen sich z.B. nur Jugendliche untereinander austauschen. Bei solchen Foren
ist es besonders wichtig, dass die an den Foren teilnehmenden Jugendlichen gegen unbefugtes
Eindringen von unbefugten älteren Personen geschützt werden, welche sich unerlaubt
Informationen über die Jugendlichen verschaffen möchten.
[0004] Um sich für einen geschützten Dienst anzumelden, wird von den Dienstbetreibern in
der Regel ein Nachweis über die Eigenschaften des Nutzers, insbesondere über sein
Alter und sein Geschlecht, gefordert. Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass
ein Nutzer, der sich für einen Dienst anmelden möchte, an den Dienstbetreiber eine
Kopie seines Personalausweises sendet bzw. seine Kreditkartendaten bekannt gibt. Dabei
ist es jedoch problematisch, dass der Nutzer unter Umständen mehr Daten preisgeben
muss als für die Nutzung des Dienstes erforderlich sind. Hierdurch eröffnet sich die
Möglichkeit von Missbrauch, insbesondere durch unbefugte Datenweitergabe bzw. durch
Kreditkartenbetrug. Darüber hinaus besitzen oftmals jüngere Nutzer keine entsprechenden
Dokumente zur Identifikation ihrer Person oder die zur Verifikation übermittelten
Daten sind nicht zuverlässig und können leicht gefälscht werden.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es deshalb, ein Verfahren zur Bereitstellung eines Dienstes
für einen Nutzer zu schaffen, welches es dem Nutzer ermöglicht, sich auf einfache
und sichere Weise zur Teilnahme an einem für eine vorgegebene Nutzergruppe vorgesehenen
Dienst zu authentifizieren.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die unabhängigen Patentansprüche gelöst. Weiterbildungen
der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen definiert.
[0007] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird ein Dienst für einen Nutzer bereitgestellt,
wobei der Dienst nur für eine vorgegebene Nutzergruppe vorgesehen ist und über eine
Kommunikationsverbindung, insbesondere über das Internet, bereitgestellt wird. Der
Dienst kann dabei beispielsweise ein geschützter Bereich eines webbasierten Dienstes
sein, wie z.B. ein Forum, das nur Personen einer bestimmten Altersgruppe betreten
können, um sich untereinander auszutauschen und kennenzulernen.
[0008] Erfindungsgemäß wird in einem Schritt a) über eine erste Kommunikationsverbindung,
welche der Kommunikationsverbindung entsprechen kann, über welche der Dienst bereitgestellt
wird, eine Anfrage des Nutzers zum Zugang zu dem Dienst in einer Zugangskontrolleinheit
empfangen. Die Zugangskontrolleinheit ist dabei z.B. ein entsprechender Server, der
über das Internet zugänglich ist. In einem Schritt b) wird über eine zweite Kommunikationsverbindung,
welche gegebenenfalls die gleiche Kommunikationsverbindung wie die erste sein kann,
jedoch auch von dieser abweichen kann, eine Sprachverbindung zwischen dem Nutzer und
einer Sprachverarbeitungseinheit hergestellt. In einem Schritt c) wird in der Sprachverarbeitungseinheit
über die zweite Kommunikationsverbindung die Stimme des Nutzers mittels einer von
diesem gesprochenen Sprachprobe erfasst und anschließend wird zumindest ein erstes
Kriterium überprüft. Dieses erste Kriterium ist dann erfüllt, wenn der Nutzer basierend
auf einem stimmbasierten Klassifikationsverfahren der vorgegebenen Nutzergruppe zugeordnet
wird. Schließlich wird in einem Schritt d) dem Nutzer der Zugang zu dem Dienst ermöglicht,
falls zumindest das erste Kriterium erfüllt ist.
[0009] Das erfindungsgemäße Verfahren bedient sich zur Bereitstellung eines Dienstes eines
stimmbasierten Klassifikationsverfahrens, so dass auf einfache Weise über eine Sprachverbindung
eine Identifikation eines Nutzers dahingehend erfolgen kann, ob er die Kriterien der
vorgegebenen Nutzergruppe erfüllt, für die der bereitgestellte Dienst gedacht ist.
Als stimmbasiertes Klassifikationsverfahren können aus dem Stand der Technik bekannte
Klassifikationsverfahren verwendet werden. Beispielsweise kann das in der eingangs
erwähnten Druckschrift
DE 20 2007 009 355 U1 offenbarte Verfahren eingesetzt werden sowie das in der deutschen Patentanmeldung
DE 10 2007 043 870.4 beschriebene Verfahren.
[0010] In einer bevorzugten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird einem Nutzer,
für den das zumindest erste Kriterium erfüllt ist, der Zugang zu dem Dienst dadurch
ermöglicht, dass ihm über die erste und/oder zweite Kommunikationsverbindung Authentifikationsdaten
zum Zugang zu dem Dienst bereitgestellt werden. Dies kann beispielsweise durch die
Übermittlung einer entsprechenden Nachricht in der Form einer Email oder SMS erfolgen,
jedoch können dem Nutzer die Daten alternativ oder zusätzlich auch über eine Sprachverbindung
mitgeteilt werden.
[0011] In einer besonders bevorzugten Variante der Erfindung ist das stimmbasierte Klassifikationsverfahren
ein Alters- und/oder Geschlechts-Klassifikationsverfahren, welches basierend auf der
erfassten Stimme des Nutzers das Alter und/oder das Geschlecht des Nutzers klassifiziert.
Solche Klassifikationsverfahren sind hinlänglich aus dem Stand der Technik bekannt,
beispielhaft sei auf die eingangs erwähnte Druckschrift und Patentanmeldung verwiesen.
Ein solches Alters- und/oder Geschlechts-Klassifikationsverfahren klassifiziert dabei
den Nutzer insbesondere in das Geschlecht männlich oder weiblich und/oder in eine
Altersgruppe aus einer Mehrzahl von Altersgruppen.
[0012] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird der Nutzer in Schritt
c) durch die Sprachverarbeitungseinheit aufgefordert, einen vorbestimmten Text als
Sprachprobe nachzusprechen, und anschließend wird ein zweites Kriterium überprüft,
wobei das zweite Kriterium erfüllt ist, wenn der durch ein Spracherkennungsverfahren
erkannte nachgesprochene Text im Wesentlichen mit dem vorgegebenen Text übereinstimmt,
und wobei dem Nutzer ein Zugang zu dem Dienst nur ermöglicht wird, wenn zumindest
das erste und zweite Kriterium erfüllt sind. Auf diese Weise wird ein Missbrauch dahingehend
vermieden, dass sich ein unberechtigter Eindringling, der nicht zur vorgegebenen Nutzergruppe
gehört, einer aufgenommenen Stimme einer Person mit Charakteristika der vorgegebenen
Nutzergruppe bedient, um sich Zugang zu dem Dienst zu verschaffen. Besonders effektiv
wird ein solcher Missbrauch dadurch verhindert, dass der vorgegebene Text durch einen
Zufallsgenerator erzeugt wird und dem Nutzer auf einer Anzeigeeinheit angezeigt wird
bzw. dem Nutzer über die bestehende Sprachverbindung vorgelesen wird. Eine Übermittlung
eines auf der Anzeigeeinheit anzuzeigenden Textes kann dabei beispielsweise über die
zweite Kommunikationsverbindung oder eine beliebige andere Kommunikationsverbindung
erfolgen.
[0013] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
als stimmbasiertes Klassifikationsverfahren ein Verfahren verwendet, welches einen
Konfidenzwert bestimmt. Dieser Wert gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Klassifikation
eines Nutzers in der vorgegebenen Nutzergruppe korrekt ist, wobei im Falle, dass der
Konfidenzwert einen ersten Schwellenwert überschreitet, der Nutzer der vorgegebenen
Nutzergruppe zugeordnet wird. Der erste Schwellenwert ist dabei vorzugsweise einstellbar,
so dass je nach Anwendungsfall ein sehr hoher Schutz der vorgegebenen Nutzergruppe
durch einen hohen ersten Schwellenwert oder gegebenenfalls ein entsprechend verminderter
Schutz mit einem niedrigeren ersten Schwellenwert erreicht werden kann. Die Einstellung
eines hohen Schwellenwerts hat den Nachteil, dass es öfters zur Abweisung von Nutzern
kommt, die eigentlich zu der Nutzergruppe gehören. Jedoch wird bei besonders zu schützenden
Nutzergruppen, wie z.B. jungen weiblichen Personen, ein sehr hoher Schutz erreicht.
In Anwendungsfällen, in denen das gelegentliche Eindringen eines unbefugten Nutzers
in Kauf genommen wird, ist der erste Schwellenwert entsprechend gering eingestellt.
[0014] Der obige Konfidenzwert kann auch dazu genutzt werden, solche Nutzer, die nicht mit
ausreichender Sicherheit der vorgegebenen Nutzergruppe zugeordnet werden können, nochmals
zu überprüfen. Dies geschieht dadurch, dass zumindest ein Teil der Nutzer, die mit
einem Konfidenzwert unterhalb eines zweiten, über dem ersten Schwellenwert liegenden
Schwellenwerts der vorgegebenen Nutzergruppe zugeordnet werden, einem menschlichen
Operator über eine Benutzerschnittstelle mitgeteilt werden, wobei der menschliche
Operator über die Benutzerschnittstelle die erfasste Stimme des oder der Nutzer des
zumindest einen Teils der Nutzer abhören kann und die Nutzer manuell klassifizieren
kann, wobei ein drittes Kriterium für einen Nutzer erfüllt ist, wenn der menschliche
Operator den Nutzer in die vorgegebene Nutzergruppe klassifiziert, und wobei nur bei
der Erfüllung des dritten Kriteriums dem Nutzer ein Zugang zu dem Dienst ermöglicht
wird. Sollte der menschliche Operator beim Abhören der erfassten Stimme des jeweiligen
Nutzers keine eindeutige Klassifizierung vornehmen können, besteht in einer bevorzugten
Ausführungsform auch die Möglichkeit, dass der menschliche Operator über eine Kommunikationsverbindung,
insbesondere über eine Sprachverbindung, Kontakt zu dem Nutzer aufnimmt, um weitere
Daten zur Klassifizierung des Nutzers, insbesondere eine weitere Sprachprobe, zu erfassen.
[0015] Man macht sich bei der Einbeziehung von menschlichen Operatoren die Erkenntnis zu
Nutze, dass menschliche Operatoren die Stimme eines Nutzers in einigen Fällen besser
bewerten können als dies mit stimmbasierten Klassifikationsverfahren möglich ist,
so dass bei Nutzern mit unklarer Zuordnung zur Nutzergruppe diese Überprüfung mit
dem menschlichen Operator vorgenommen wird. Die zusätzliche Überprüfung mit dem menschlichen
Operator kann beispielsweise bei der erstmaligen Anmeldung für den Dienst erfolgen,
wobei in diesem Fall einem Nutzer des zumindest einen Teils der Nutzer Authentifikationsdaten
zum Zugang zu dem Dienst nur bereitgestellt werden, wenn das dritte Kriterium erfüllt
ist. Ebenso kann eine Überprüfung des Nutzers durch einen menschlichen Operator auch
nach einem bereits bereitgestellten Zugang zu dem Dienst erfolgen. In diesem Fall
wird der Zugang zu dem Dienst für einen Nutzer gesperrt, wenn das dritte Kriterium
für den Nutzer nicht erfüllt ist.
[0016] Die von dem menschlichen Operator vorgenommenen Klassifikationen von Nutzern mit
den zugeordneten erfassten Stimmen werden in einer bevorzugten Variante als Trainingsdaten
dem stimmbasierten Klassifikationsverfahren bereitgestellt. Auf diese Weise kann das
Klassifikationsverfahren schrittweise verbessert werden.
[0017] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird in Schritt c) des
Verfahrens aus der erfassten Stimme des Nutzers mit einem Sprecher-Erkennungsverfahren
die Stimmcharakteristik des Nutzers ermittelt. Vorzugsweise wird dabei in Schritt
c) ein viertes Kriterium überprüft, wobei das vierte Kriterium erfüllt ist, wenn die
Veränderung der Stimmcharakteristik des Nutzers innerhalb der Sprachprobe nicht größer
als ein vorbestimmtes Maß ist, wobei nur bei der Erfüllung des vierten Kriteriums
dem Nutzer der Zugang zu dem Dienst ermöglicht wird. Auf diese Weise wird sichergestellt,
dass unbefugte Nutzer erkannt werden, welche eine Stimme imitieren, die bei der Imitation
in der Sprachprobe verrutscht. Diesen Nutzern wird ein Zugang zu dem Dienst verweigert.
[0018] Ebenso kann Schritt c) ein fünftes Kriterium überprüft werden, wobei das fünfte Kriterium
für einen Nutzer erfüllt ist, wenn seine Stimmcharakteristik zu den Stimmcharakteristika
der Nutzer einer Nutzermenge eine Ähnlichkeit aufweist, die unter einem vorbestimmten
Maß liegt, wobei nur bei der Erfüllung des fünften Kriterium dem Nutzer ein Zugang
zu dem Dienst ermöglicht wird. Auf diese Weise wird ein unbefugtes Eindringen von
Nutzern verhindert, welche sich der Stimme ein und derselben Person bedienen, wobei
diese Person eine Stimme aufweist, mit der sie der vorgegebenen Nutzergruppe zugeordnet
wird.
[0019] Um die Überprüfung der Stimmcharakteristika geeignet einzuschränken, kann die Nutzermenge,
deren Stimmcharakteristika untereinander verglichen werden, entsprechend eingegrenzt
werden, beispielsweise über die Telefonnummern und/oder die Standorte der Nutzer (sofern
ermittelbar) und/oder die IP-Adressen der Nutzer. Das heißt, Nutzer mit ähnlichen
Telefonnummern, Standorten bzw. IP-Adressen werden überprüft, da davon ausgegangen
werden kann, dass Nutzer, welche sich der gleichen Stimme zum Zugang zu einem Dienst
bedienen, untereinander kooperieren und mit gleichen oder ähnlichen Telefonnummern
bzw. IP-Adressen Kontakt zum Sprachverarbeitungssystem aufnehmen.
[0020] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform werden die Schritte c) und d) des
erfindungsgemäßen Verfahrens nach Bereitstellung des Dienstes für einen Nutzer wiederholt,
indem der Nutzer durch die Sprachverarbeitungseinheit erneut zur Erfassung seiner
Stimme aufgefordert wird, wobei in Schritt d) ein bereits bestehender Zugang zu dem
Dienst gesperrt wird, wenn das zumindest erste Kriterium nicht erfüllt ist.
[0021] In einer bevorzugten Variante der Erfindung wird bei einer Wiederholung des Schritts
c) die aktuell mit dem Sprecher-Erkennungsverfahren ermittelte Stimmcharakteristik
des Nutzers mit zumindest einer in einem der vorhergehenden Schritte c) ermittelten
Stimmcharakteristik dieses Nutzers verglichen, wobei der Zugang des Nutzers zu dem
Dienst gesperrt wird, wenn die aktuelle Stimmcharakteristik über ein vorbestimmtes
Maß von der zumindest einen in einem der vorhergehenden Schritte c) ermittelten Stimmcharakteristik
abweicht. Auf diese Weise werden z.B. unbefugte Eindringlinge erkannt, welche sich
zunächst Zugang zu dem Dienst durch ein Verstellen der Stimme verschafft haben, wobei
es ihnen bei einer wiederholten Überprüfung der Stimme nicht mehr gelingt, die Stimme
genauso zu verstellen. Ebenso können Eindringlinge erkannt werden, die sich bei einer
früheren Authentifizierung der Stimme einer Person der vorgegebenen Nutzergruppe bedient
haben, wobei diese Person nicht mehr bereit ist, dem Eindringling nochmals bei einer
erneuten Authentifizierung ihre Stimme zu leihen.
[0022] In einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird in Schritt c) eine dem Nutzer
zugeordnete Identifikation erfasst, wobei in Schritt c) die bereits von Nutzern erfassten
Identifikationen mit der Identifikation des aktuellen Nutzers verglichen werden und
im Falle, dass einem Nutzer mit der gleichen Identifikation wie derjenigen des aktuellen
Nutzers bereits zuvor ein oder mehrere Male kein Zugang zu dem Dienst ermöglicht wurde,
der aktuelle Nutzer unabhängig von der Erfüllung zumindest des ersten Kriteriums kein
Zugang zu dem Dienst ermöglicht wird. Auf diese Weise werden wiederholte Eindringversuche
eines Nutzers vermieden. Die dem Nutzer zugeordnete Identifikation umfasst dabei beispielsweise
die Telefonnummer des Nutzers und/oder den Standort des Nutzers (sofern bekannt) und/oder
die IP-Adresse des Nutzers und/oder die Lage der Mobilfunkzelle, in der sich der Nutzer
befindet.
[0023] In einer weiteren, besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung kann dem Nutzer
eine alternative Authentifizierung zum Zugang zu dem Dienst angeboten werden, falls
das zumindest erste Kriterium in Schritt d) nicht erfüllt ist.
[0024] In einer weiteren Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden dem Nutzer
in Antwort auf seine Anfrage in Schritt a) eine Adresse, insbesondere eine Telefonnummer
übermittelt, die der Nutzer zum Aufbau der Sprachverbindung gemäß Schritt b) des Verfahrens
kontaktieren muss. Ebenso ist es möglich, dass der Nutzer in Antwort auf seine Anfrage
in Schritt a) von der Sprachverarbeitungseinheit zum Aufbau der Sprachverbindung kontaktiert
wird.
[0025] Die erste bzw. zweite Kommunikationsverbindung kann in dem erfindungsgemäßen Verfahren
sowohl eine paketvermittelte als auch eine leitungsvermittelte Kommunikationsverbindung
sein. Die erste Kommunikationsverbindung ist vorzugsweise eine Internetverbindung
zwischen dem Nutzer und der Zugangskontrolleinheit und die zweite Kommunikationsverbindung
ist vorzugsweise eine leitungsvermittelte Telefonverbindung und/oder eine VoIP-Verbindung
(VoIP = Voice over IP) zwischen dem Nutzer und der Sprachverarbeitungseinheit.
[0026] In einer weiteren, bevorzugten Ausführungsform der Erfindung werden aus den in Schritt
c) mit dem stimmbasierten Klassifikationsverfahren vorgenommenen Klassifikationen
eine Klassifizierungsverteilung erzeugt. Spezielle Varianten dieser Erzeugung einer
Klassifizierungsverteilung sind in der speziellen Beschreibung dargelegt.
[0027] Neben dem oben beschriebenen Verfahren betrifft die Erfindung ferner eine entsprechende
Vorrichtung zur Bereitstellung eines Dienstes für einen Nutzer, wobei die Vorrichtung
eine Zugangskontrolleinheit sowie eine Sprachverarbeitungseinheit umfasst, welche
derart ausgestaltet ist, dass jede Variante des oben beschriebenen erfindungsgemäßen
Verfahrens damit durchführbar ist.
[0028] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend anhand der beigefügten Figuren
detailliert beschrieben.
Es zeigen:
[0029]
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung, welche den Ablauf einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens verdeutlicht;
- Fig. 2
- ein schematisches Ablaufdiagramm eines Klassifizierungsverfahrens, welches in dem
erfindungsgemäßen Verfahren zur Bereitstellung eines Dienstes verwendet werden kann;
- Fig. 3
- ein schematisches Blockdiagramm einer Klassifizierungsvorrichtung, welche in dem erfindungsgemäßen
Verfahren zur Bereitstellung eines Dienstes verwendet werden kann.
[0030] Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung des Ablaufs einer Ausführungsform des
erfindungsgemäßen Verfahrens. Gemäß Fig. 1 möchte ein Nutzer U Zugang zu einem Dienst
erhalten, der nur für eine bestimmte Alters- und Geschlechtsgruppe vorbehalten ist.
Ein Beispiel einer solchen Alters-Geschlechtsgruppe ist die Zielgruppe von weiblichen
Personen im Alter von ca. zwischen 13 und 18 Jahren, welche innerhalb des Dienstes
miteinander kommunizieren und Informationen austauschen. Diese Nutzergruppe ist besonders
gegen unbefugte Nutzer zu schützen, insbesondere gegenüber männlichen Erwachsenen,
welche sich unbefugt Eintritt zu dem Dienst verschaffen, um hierdurch Kontakt zu den
jungen Frauen aufzunehmen.
[0031] In der Ausführungsform der Fig. 1 beantragt zunächst der Nutzer U über das Internet,
welches eine erste Kommunikationsverbindung im Sinne des Anspruchs 1 darstellt, einen
Zugang zu einem geschützten Online-Dienst für die geschlossene Nutzergruppe von jungen,
noch nicht volljährigen Frauen. Dies erfolgt dadurch dass der Nutzer über einen Terminal
T, der insbesondere ein PC oder eine mobile Vorrichtung in der Form eines Laptops
oder eines Handys ist, eine Anfrage zum Zugang zu dem Dienst via Email oder durch
Ausfüllen eines Formulars in einem Browser an eine entsprechende Zugangskontrolleinheit
AC richtet. Dieser Vorgang ist durch die Pfeile P1 und P2 in Fig. 1 angedeutet. Es
kann sich bei der Zugangskontrolleinheit AC um einen entsprechenden Rechner bzw. Server
handeln, der den Zugang zu dem Dienst steuert, wobei der Dienst schematisiert durch
das Bezugszeichen SE in Fig. 1 angedeutet ist. Wie durch den Pfeil P3 wiedergegeben
ist, wird nach dem Empfang einer entsprechenden Anfrage eines Nutzers U in der Zugangskontrolleinheit
AC eine entsprechende Nachricht zurück an den Terminal T versandt. Die Nachricht kann
hierbei eine Email, eine SMS und dergleichen sein und enthält eine Telefonnummer,
welche der Nutzer anschließend anrufen kann, um sich für den Dienst SE freischalten
zu lassen.
[0032] Anschließend ruft der Nutzer U über ein entsprechendes Endgerät UE, beispielsweise
über ein Festnetztelefon oder ein Handy, bei einer Sprachverarbeitungseinheit an,
welche über ein zentrales Sprachdialogsystem SDS mit dem Nutzer automatisiert kommunizieren
kann. Mit Hilfe der Sprachverarbeitungseinheit wird eine stimmbasierte Alters-Geschlechts-Überprüfung
des Nutzers U durchgeführt. Durch den Pfeil P4 ist der Vorgang des Anrufens des Nutzers
U über das Endgerät UE angedeutet. Das Sprachdialogsystem SDS nimmt den Anruf entgegen,
so dass eine Sprachverbindung zwischen dem Nutzer U und dem Sprachdialogsystem SDS
hergestellt wird, wobei diese Sprachverbindung die zweite Kommunikationsverbindung
im Sinne von Anspruch 1 darstellt. Es kann sich hierbei um eine leitungsvermittelte
oder auch um eine paketvermittelte Sprachverbindung über VoIP handeln.
[0033] Das Sprachdialogsystem SDS führt den Nutzer durch die Alters-Geschlechts-Überprüfung,
wobei vom Nutzer gemachte Spracheingaben durch den Pfeil P5 und Sprachausgaben vom
Sprachdialogsystem SDS durch den Pfeil P5' angedeutet sind. Zunächst weist das Sprachdialogsystem
SDS einen Zufallsgenerator RG an, eine zufällige Textsequenz aus Ziffern und Buchstaben
zu erzeugen, wie durch den Pfeil P6 angedeutet ist. Die zufällig generierte Textsequenz
wird gemäß Pfeil P6' an das Sprachdialogsystem zurückgegeben. Der Text wird anschließend
automatisiert über das Sprachdialogsystem dem Nutzer vorgelesen bzw. über ein entsprechendes
Anzeigemittel auf dem Endgerät UE angezeigt. Dem Nutzer wird dabei zuvor erklärt,
dass er den gesprochenen Text anschließend wiederholen soll. Der Nutzer spricht schließlich
den Text nach, wobei der nachgesprochene Text aufgenommen wird und einem Spracherkenner
SR zugeführt wird (angedeutet zur Pfeil P7).
[0034] Der Spracherkenner führt anschließend einen Abgleich zwischen dem vom Zufallsgenerator
RG erzeugten Solltext und dem vom Nutzer gesprochenen Text durch. Dieser Abgleich
ist in Fig. 1 durch den Block MA angedeutet, wobei durch den Pfeil P8 die durch den
Spracherkenner SR erkannte Ist-Textsequenz und durch den Pfeil P8' die tatsächlich
generierte Soll-Sequenz angedeutet ist, welche miteinander verglichen werden. Mit
Hilfe des Spracherkenners wird somit überprüft, ob der Nutzer wirklich die vorgegebene
Textsequenz des Zufallsgenerators RG gesprochen hat. Ist dies nicht der Fall, wird
der Nutzer dazu aufgefordert, die Textsequenz nochmals zu wiederholen. Bei einer bestimmten
Anzahl von erfolglosen Nachsprechversuchen findet eine Abweisung des Nutzers statt,
und gegebenenfalls wird die Telefonnummer des Nutzers für eine nochmalige Alters-Geschlechts-Überprüfung
gesperrt, was in Fig. 1 durch den Block BL und den entsprechenden Pfeil P8" wiedergegeben
ist.
[0035] Weist die vom Spracherkenner SR erkannte Ist-Textsequenz jedoch eine ausreichende
Übereinstimmung mit der generierten Soll-Textsequenz auf, wird gemäß Pfeil P9 die
eigentliche Alters-Geschlechts-Überprüfung ausgelöst, welche in Fig. 1 durch den Block
AGC angedeutet ist. Mit Hilfe der Zwischenschaltung des Spracherkenners SR wird ein
Missbrauch insbesondere dahingehend vermieden, dass ein unbefugter Nutzer über eine
zuvor aufgenommene Stimme mit dem Sprachdialogsystem SDS kommuniziert, wobei die aufgenommene
Stimme von einer Person stammt, welche der Alters-Geschlechts-Gruppe entspricht, für
welche der Dienst SE vorbehalten ist.
[0036] In der Alters-Geschlechts-Überprüfung AGC erfolgt nunmehr eine Analyse der Sprachprobe
des Nutzers, wobei diese Sprachprobe der zuvor vom Nutzer nachgesprochenen Textsequenz
entspricht. Gegebenenfalls ist es auch möglich, dass eine weitere Sprachprobe zur
Alters-Geschlechts-Überprüfung aufgenommen wird. In Fig. 1 ist die Zuführung der Sprachprobe
zur Alters-Geschlechts-Überprüfung durch den Pfeil P9' dargestellt. Bei der Alters-Geschlechts-Überprüfung
erfolgt eine Analyse der Stimme des Nutzers, wobei basierend auf der Analyse das Alter
und das Geschlecht des Nutzers klassifiziert wird. Hierbei können hinlänglich aus
dem Stand der Technik bekannte Alters-Geschlechts-Klassifizierungsverfahren eingesetzt
werden, insbesondere solche Verfahren, die bereits in dem eingangs erwähnten Gebrauchsmusterschrift
DE 20 2007 009 355 U1 sowie in der deutschen Patentanmeldung
DE 10 2007 043 870.4 beschrieben sind. Der gesamte Offenbarungsgehalt der Gebrauchsmusterschrift und der
Patentanmeldung werden durch Verweis zum Inhalt der vorliegenden Anmeldung gemacht.
[0037] In der hier beschriebenen Ausführungsform wird eine spezielle Ausprägung eines statistischen
Modells zur Identifikation der Ziel-Nutzergruppe von Mädchen im Alter zwischen 13
und 18 Jahren verwendet. Zur Modellgenerierung des Accept-Modells, gemäß dem eine
Stimme der Ziel-Nutzergruppe zugeordnet wird, wurden Sprachproben von 13 bis 25-jährigen
jungen Frauen verwendet. Das entsprechende Reject-Modell, auf dessen Basis eine Stimme
als nicht zur Ziel-Nutzergruppe gehörig identifiziert wird, wurde mit männlichen und
weiblichen Kindern bis 13 Jahre, mit männlichen Stimmen jeden Alters sowie mit männlichen
Stimmen und Kinderstimmen vorgenommen, die versuchen, eine junge Frauenstimme zu imitieren.
Gemäß einem derart trainierten Modell wird nunmehr identifiziert, ob der Nutzer zu
der Ziel-Nutzergruppe der weiblichen Personen zwischen 13 und 18 Jahren gehört. Entspricht
die Stimme des Nutzers U tatsächlich der Ziel-Nutzergruppe, wird der Nutzer entsprechend
benachrichtigt, beispielsweise durch eine Email, SMS und dergleichen, was durch den
Pfeil P10 angedeutet ist. Die Email bzw. SMS wird dabei durch den Terminal T empfangen
und enthält die Zugangsdaten für den Online-Dienst SE.
[0038] Die Zugangsdaten können auch über andere Kommunikationswege, beispielsweise über
eine Sprachausgabe durch das Sprachdialogsystem SDS an den Nutzer übertragen werden.
Parallel zur Übermittlung der Zugangsdaten an den Terminal T wird auch die Zugangskontrolleinheit
über die Zugangsdaten informiert (Pfeil P10'). Ebenso ist es möglich, dass die Zugangsdaten
nach Aufforderung durch die Sprachverarbeitungseinheit durch die Zugangskontrolleinheit
erzeugt werden und von dieser an den Nutzer übermittelt werden. Die Zugangskontrolleinheit
kann auch ein Bestandteil eines Gesamtauthentifizierungssystems mit Sprachverarbeitungseinheit
und Zugangskontrolle sein.
[0039] Sollte bei der stimmbasierten Alters-Geschlechts-Überprüfung AGC die Stimme nicht
eindeutig der geschützten Zielgruppe von jugendlichen Frauen zuordenbar sein, wird
der Nutzer über das Sprachdialogsystem SDS hierüber informiert und zu einer alternativen
Alters-Geschlechts-Überprüfung AAGC aufgefordert (Pfeil P11'). Die alternative Alters-Geschlechts-Überprüfung
kann beispielsweise darin bestehen, dass der Nutzer weitere Daten zur Authentifizierung
dem System bereitstellt, beispielsweise indem er eine Kopie seines Passes oder Ausweises
übermittelt oder die Daten seiner Kreditkarte bekannt gibt. Diese Daten werden dann
von einer weiteren Authentifizierungsstelle überprüft, wobei im Falle, dass durch
die Daten nachgewiesen wird, dass der Nutzer zu der Zielgruppe von jungen Frauen gehört,
dieser Nutzer ebenfalls für den Dienst durch Bereitstellung entsprechender Zugangsdaten
freigeschaltet wird. Die Bereitstellung von alternativen Daten zur alternativen Alters-Geschlechts-Überprüfung
AAGC ist dabei durch den Pfeil P12 in Fig. 1 dargestellt.
[0040] Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit, dass auf die Durchführung einer alternativen
Alters-Geschlechts-Überprüfung verzichtet wird, wenn durch das System festgestellt
wird, dass der Nutzer bereits mehrmals erfolglos versucht hat, sich über seine Stimme
zu authentifizieren. Dabei wird der Nutzer z.B. durch seine Telefonnummer, über welche
er das Sprachdialogsystem anruft, erkannt. Bei einer vorbestimmten Anzahl von Fehlversuchen
erfolgt eine Sperrung der Telefonnummer für eine nochmalige Alters-Geschlechts-Überprüfung,
wie wiederum durch den Pfeil P8" und den Block BL angedeutet ist. Bei abschließend
erfolgreicher Alters-Geschlechts-Überprüfung entweder gemäß Verfahrensschritt AGC
oder alternativ über Verfahrensschritt AAGC kann sich der Nutzer über die ihm bereitgestellten
Zugangsdaten bei dem geschützten Online-Dienst anmelden und diesen Dienst nutzen (Pfeil
P13).
[0041] Mit der im Vorangegangenen beschriebenen Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird eine stimmbasierte Alters-Geschlechts-Überprüfung in geeigneter Weise zur Bereitstellung
eines Dienstes für vorbestimmte Ziel-Nutzergruppen eingesetzt. Um einen Schutz gegen
Angreifer, welche nicht zur Ziel-Nutzergruppe gehören, zu verbessern, wurde zusätzlich
ein Spracherkenner eingesetzt, der eine zufällig generierte Textsequenz mit einer
Sprachprobe des Nutzers vergleicht. Auf diese Weise wird vermieden, dass vorab aufgenommene
Sprachproben mit Stimmen von Personen, die zur Ziel-Nutzergruppe gehören, zur Authentifikation
für den geschützten Dienst eingesetzt werden. Es sind auch noch weitere Maßnahmen
denkbar, mit denen die Sicherheit des Systems gegenüber Angreifern verbessert werden
kann, wobei diese Maßnahmen nachfolgend erläutert werden.
[0042] Zum einen kann das statistische Modell, welches der Alters-Geschlechts-Überprüfung
zu Grunde liegt, derart eingestellt werden, dass eine starke Tendenz des Modells dahingehend
besteht, eine nicht eindeutig zu der Ziel-Nutzergruppe zuordenbare Stimme zurückzuweisen,
um die Rate von akzeptierten falschen Nutzern sehr klein zu halten. Sollte es dabei
zu nicht gerechtfertigten Fehlabweisungen von Nutzern kommen, haben diese immer noch
die Möglichkeit, sich auf einem anderen Weg über die alternative Alters-Geschlechts-Überprüfung
AAGC zu authentifizieren.
[0043] Ferner ist es möglich, die Qualität der Authentifizierung durch eine begleitende
menschliche Interaktion zu optimieren. Hierbei werden die durch die Alters-Geschlechts-Überprüfung
ermittelte Konfidenzen von akzeptierten Nutzern betrachtet. Solche Konfidenzen werden
im Regelfall immer durch eine Alters-Geschlechts-Überprüfung ermittelt und sie stellen
ein Wahrscheinlichkeitsmaß dar, welches angibt, wie wahrscheinlich der Nutzer der
Ziel-Nutzergruppe richtig zugeordnet wurde. Die begleitende menschliche Interaktion
kann dabei im Rahmen einer Offline-Prozedur verwirklicht sein. Dabei werden akzeptierte
Nutzer mit geringer Konfidenz, d.h. Nutzer, bei denen sich die Alters-Geschlechts-Überprüfung
unsicher ist, ob der Nutzer tatsächlich zur Ziel-Nutzergruppe gehört, durch einen
menschlichen Operator überprüft. Dieser Operator hört sich die Stimme des Nutzers
an und klassifiziert diese dahingehend, ob der Nutzer zu der Ziel-Nutzergruppe gehört
oder nicht. Der menschliche Operator kann dabei die Stimme in manchen Fällen besser
klassifizieren als dies mit einem automatischen Alters-Geschlechts-Klassifikationsverfahren
möglich ist. Ferner kann der menschliche Operator Kontakt zu dem Nutzer herstellen,
beispielsweise durch einen Anruf, um weitere Daten zur Alters-Geschlechts-Klassifizierung
zu erheben ("Interview"). Stellt der Operator fest, dass eindeutig ein Eindringling
vorliegt, wird der dem akzeptierten Nutzer bereits erteilte Zugang zu dem Dienst entzogen
und sein Account gesperrt.
[0044] Die aufgenommenen Sprachproben von Eindringlingen in Kombination mit der Klassifikation
des menschlichen Operators können ferner zur Verbesserung des Klassifikationsverfahrens
herangezogen werden, und zwar indem das Reject-Modell des Alters-Geschlechts-Klassifikationsverfahrens
damit trainiert wird.
[0045] Anstatt der oben beschriebenen Offline-Prozedur, bei der bereits akzeptierte Nutzer
mit gültigen Zugangsdaten zu einem späteren Zeitpunkt nochmals überprüft werden, kann
die Interaktion mit dem menschlichen Operator auch als Online-Prozedur durchgeführt
werden. Dabei werden zeitnah zum Authentifizierungsprozess Nutzer mit geringen Konfidenzen
von einem menschlichen Operator überprüft, wobei Zugangsdaten nur dann erteilt werden,
wenn der Operator zu dem Ergebnis kommt, dass der Nutzer tatsächlich zur Ziel-Nutzergruppe
gehört.
[0046] In einer weiteren Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann ein Sprecher-Erkenner
zur Erhöhung der Zuverlässigkeit der Alters-Geschlechts-Überprüfung eingesetzt werden.
Ein Sprecher-Erkenner erfasst dabei die Stimmcharakteristik der vom Nutzer bereitgestellten
Sprachprobe. In einer Ausgestaltung kann der Sprecher-Erkenner die Stimmcharakteristik
am Anfang und am Ende der Sprachprobe miteinander vergleichen. Sollte er feststellen,
dass sich die Stimmcharakteristik am Anfang und Ende stark unterscheiden, liegt möglicherweise
ein Eindringversuch dahingehend vor, dass der Nutzer seine Stimme verstellt hat, um
eine junge Frauenstimme zu imitieren, wobei sich die Stimmverstellung jedoch während
des Sprechens verschoben hat.
[0047] Ferner besteht die Möglichkeit, dass der Sprecher-Erkenner die Stimmcharakteristika
verschiedener Nutzer, welche bereits zuvor mit dem Sprachdialogsystem kommuniziert
haben, miteinander vergleicht. Sollte der Sprecher-Erkenner feststellen, dass die
Stimmcharakteristik verschiedener Nutzer sehr ähnlich ist, liegt wiederum möglicherweise
ein Eindringversuch vor, bei dem die Stimme derselben Person von mehreren Nutzern
dazu benutzt wurde, um sich einen Zugang zu dem Dienst zu verschaffen. Um die vergleichende
Überprüfung verschiedener Nutzer effektiver zu gestalten, können insbesondere nur
Nutzer mit gleichen Charakteristika überprüft werden, wobei diese gleichen Charakteristika
beispielsweise spezifiziert sind durch die Telefonnummer oder eines Teils der Telefonnummer
(z.B. der Vorwahl), von welcher aus der Nutzer anruft, durch den auf andere Weise
ermittelten Nutzerstandort bzw. durch die IP-Adresse, welche der Nutzer verwendet.
[0048] Zur weiteren Verbesserung des Schutzes des Dienstes vor unerlaubtem Eindringen kann
ferner in regelmäßigen Abständen oder zufällig ein Nutzer aufgefordert werden, sich
einer erneuten Alters-Geschlechts-Überprüfung zu unterziehen. Dabei überprüft ein
Sprecher-Erkenner, der die Stimmcharakteristik des Nutzers erfasst, ob sich diese
Stimmcharakteristik zwischen zeitlich auseinander liegenden Alters-Geschlechts-Überprüfungen
deutlich verändert hat. Auf diese Weise können Eindringversuche erkannt werden, bei
denen der Eindringling bei einer früheren Alters-Geschlechts-Überprüfung eine Person
aus der Ziel-Nutzergruppe benutzt hat, um sich unerlaubten Zugang zu dem Dienst zu
verschaffen, wobei diese Person aus der Ziel-Nutzergruppe bei der erneuten Alters-Geschlechts-Überprüfung
nicht mehr zur Verfügung steht und durch eine andere Person ersetzt wird. Ferner werden
solche Eindringversuche identifiziert, bei denen sich ein Nutzer unerlaubt durch Verstellen
seiner Stimme bei einer früheren Alters-Geschlechts-Überprüfung Zugang zu dem Dienst
verschafft hat, wobei es ihm bei der wiederholten Alters-Geschlechts-Überprüfung nicht
mehr gelingt, die imitierte Stimme exakt zu reproduzieren.
[0049] Die Sicherheit vor Eindringversuchen zu dem geschützten Dienst kann in einer weiteren
Ausgestaltung durch sog. "Anmeldersignaturen" erhöht werden. Anmeldersignaturen sind
beispielsweise die Telefonnummer, über die der Nutzer das Sprachverarbeitungssystem
kontaktiert, die IP-Adresse, über die der Nutzer bei der Verwendung von VoIP mit dem
Sprachverarbeitungssystem verbunden ist, die Lage der Mobilfunkzelle, in der sich
der Nutzer befindet, sofern er zu dem Sprachverarbeitungssystem über sein Mobiltelefon
Kontakt aufnimmt. Die Anmeldersignatur kann dabei derart genutzt werden, dass mehrfach
nicht erfolgreiche Eindringversuche (z.B. drei Versuche) mit derselben Anmeldersignatur
zur Sperrung dieser Anmeldersignatur führen. Nimmt ein Nutzer mit der gleichen Signatur
dann wiederum Kontakt zu dem Sprachverarbeitungssystem auf, wird ihm eine erneute
stimmbasierte Alters-Geschlechts-Überprüfung verweigert. Auf diese Weise wird sichergestellt,
dass ein Nutzer nicht beliebig oft versuchen kann, sich beispielsweise durch Stimmenimitation
Zugang zu dem Dienst zu verschaffen.
[0050] Die in dem erfindungsgemäßen Verfahren verwendete Alters-Geschlechts-Überprüfung
erfolgt mit Hilfe eines entsprechenden Klassifikationsverfahrens, wobei hierfür aus
dem Stand der Technik bekannte Verfahren verwendet werden können. Insbesondere kann
in einer besonders bevorzugten Ausführungsform mit dem Klassifikationsverfahren auch
eine Klassifizierungsverteilung erstellt werden, aus der ersichtlich ist, wie häufig
verschiedene Alters-Geschlechts-Gruppen versuchen, sich Zugang zu dem geschützten
Dienst zu verschaffen. Im Folgenden wird eine spezielle Ausführungsform eines Klassifkationsverfahrens
mit optimierter Klassifizierungsverteilung anhand von Fig. 2 und Fig. 3 beschrieben.
[0051] Fig. 2 zeigt die grundsätzliche Abfolge von Verfahrensschritten, wie sie bei der
nachfolgend beschriebenen Variante des Verfahrens zum Klassifizieren von Daten auftreten.
Es ist vorgesehen, in einem mit T1 bezeichneten Trainingsschritt zunächst die Eigenschaften
des verwendeten Klassifizierungsverfahrens zu prüfen. Dies umfasst die Anwendung eines
an sich bekannten Klassifizierungsverfahrens auf Referenzdaten, sowie eine Fehlerbestimmung
von tatsächlichen Klassenzugehörigkeiten der Referenzdaten und die Zuordnung durch
das Klassifizierungsverfahren.
[0052] Referenzdaten RDAT können beispielsweise kommerziell erhältliche Datenbanken mit
Sprachdaten unterschiedlicher Sprecher umfassen. Dabei sind die jeweiligen Eigenschaften
der Sprecher, welche die jeweiligen Äußerungen oder Sprachaufnahmen erzeugt haben,
bekannt. In der vorangegangenen Anwendung ist es gewünscht, die erhaltenen Anrufe
bzw. Anrufer in Klassen einzuordnen, die vom Alter und Geschlecht des Anrufers abhängen.
Beispiele solcher Klassifizierungen umfassen eine Klassifizierung in eine erste Kinderklasse
CH für Anrufer mit einem Alter von beispielsweise weniger als 14 Jahren. Eine zweite
Klasse YN kann junge Erwachsene männlichen Geschlechts in einem Alter zwischen 14
und 20 Jahren umfassen. Eine dritte Gruppe könnte entsprechende junge weibliche Erwachsene
YF aufweisen. Als vierte Gruppe oder Klasse werden zum Beispiel männliche Erwachsene
AM in einem Alter zwischen 20 und 65 erfasst, und als fünfte Gruppe analog weibliche
Erwachsene AF. Außerdem kann eine sechste Gruppe männliche Senioren SM in einem Alter
von über 65 und eine siebte Gruppe entsprechende weiblicher Senioren SF umfassen.
[0053] Für die im Trainingsschritt T1 zu klassifizierenden Referenzdaten RDAT sind die jeweiligen
Klassenzugehörigkeiten bekannt. In einem ersten Unterschritt S1 erfolgt damit eine
Klassifizierung mit Hilfe des Klassifizierungsverfahrens oder eines entsprechenden
Klassifikators, der beispielsweise ein Computerprogramm sein kann. Dadurch ergibt
sich eine Klassenverteilung DIST, welche im Idealfall mit der tatsächlichen Klassenzugehörigkeit
TDIST übereinstimmt.
[0054] In einem zweiten Trainingsschritt S2 werden nun die Abweichungen, zum Beispiel die
Differenzen zwischen dem relativen Anteil der tatsächlichen Zuordnung und dem relativen
Anteil der durch das Klassifizierungsverfahren vorgenommenen Zuordnung der Referenzdaten,
ermittelt. Insgesamt kann auch ein Maß für die Klassifizierungsungenauigkeit oder
der Klassifizierungsfehler CE berechnet werden, der im Wesentlichen die Hälfte der
Summe der jeweiligen Abweichungen in den prozentualen Anteilen entsprechen. Dies ist
weiter unten näher erläutert.
[0055] Im Folgeschritt S3 werden nun vorhandene Datenproben, wie beispielsweise Anrufer
bzw. aufgezeichnete Sprachdaten eines jeweiligen Anrufers, mittels dem bekannten Klassifizierungsverfahren
klassifiziert. Die zu klassifizierenden Daten sind mit SDAT bezeichnet und umfassen
eine vorgegebene Anzahl von Datenproben. Eine Datenprobe entspricht dabei zum Beispiel
einem Anruf. Im Ergebnis wird somit eine Klassifizierungsverteilung DIST bestimmt.
Da das Klassifizierungsverfahren zwangsläufig nicht alle Datenproben korrekt zuordnen
kann, erfolgt im Schritt S4 eine Korrektur dieser (vorläufigen) Klassifizierungsverteilung
DIST.
[0056] Der Fehler, welcher durch das Klassifizierungsverfahren hervorgerufen ist, hängt
dabei auch von der Verteilung der jeweiligen Anrufer ab. Beispielsweise kann der Fall
auftreten, dass systematisch Datenproben, die männlichen Erwachsenen AM entsprechen,
mit Datenproben, die jüngeren Erwachsenen YM entsprechen, vertauscht werden. In Kenntnis
dieser Tendenz des Klassifizierungsverfahrens, diese beiden Klassen AM, YM miteinander
zu vertauschen, bzw. eine Fehlzuordnung von AM auf YM vorzunehmen, kann nun eine Korrektur
der erhaltenen Verteilung erfolgen. Im Ergebnis liefert das Verfahren im Schritt S5
dann eine optimierte Verteilung KDIST die der tatsächlichen Verteilung eher entspricht.
[0057] Das in der Figur 2 dargestellte Verfahren kann zum Beispiel in einer Klassifizierungsvorrichtung,
wie sie in der Figur 3 gezeigt ist, durchgeführt werden. Dazu ist in der Figur 2 ein
Blockdiagramm einer Vorrichtung, die beispielsweise Computer implementiert auf einem
PC ablaufen kann, dargestellt.
[0058] Die Vorrichtung 1 zum Klassifizieren von Daten weist dabei insbesondere eine Steuereinheit
5 auf, die die Auswertung und Korrektur von durch einen Klassifikator 4 erzeugten
Verteilungen DIST übernimmt. Die Vorrichtung 1 ist mit einem optionalen Speicher 2
für Referenzdaten RDAT ausgestattet und weist einen Klassifizierungsdatenspeicher
3 zum Zwischenspeichern der zu klassifizierenden Daten SDAT auf. Zum Beispiel können
Datenproben SDATi der Klassifizierungsvorrichtung 1 zugespielt werden und in dem Klassifizierungsspeicher
3 zwischengespeichert werden. Die Steuereinheit 5 koordiniert dabei zum Beispiel die
Durchführung der in der Figur 2 schematisch angedeuteten Verfahrensschritte.
[0059] Das heißt, zunächst werden die Referenzdaten RDAT durch den Klassifikator 4 klassifiziert,
wodurch die Klassifizierungs- oder Steuereinheit 5 eine Verteilung erstellt. Diese
kann mit der tatsächlichen Verteilung TDIST in Kenntnis der im Referenzdatenspeicher
2 abgespeicherten Referenzdaten verglichen werden. Schließlich erzeugt die Klassifikatoreinheit
4 auch von den zu klassifizierenden Daten SDAT eine Verteilung DIST. Durch Anwendung
der Korrekturen gemäß einem im Folgenden beispielhaft näher erläuterten Verfahren
ergibt sich eine korrigierte oder optimierte Verteilung KDIST. Im Weiteren sei eine
beispielhafte Vorgehensweise zum Berechnen der korrigierten Verteilung KDIST näher
erläutert.
[0060] Die Fehler des Klassifikators bzw. des verwendeten Klassifizierungsverfahrens schlagen
sich im Wesentlichen in Vertauschungen zwischen den Klassen nieder. Diese Vertauschungen
zwischen korrekt und fehlerhaft zugeordneten Datenproben auf die vorgegebenen Klassen
sind auf genügend großen Anrufermengen ähnlich groß. Diese Fehler können als eine
lineare Abbildung von der tatsächlichen Verteilung zu der beobachteten Verteilung
verstanden werden. Ein Maß CE für einen Klassifizierungsfehler kann beispielsweise
wie folgt lauten:

[0061] Diese Abbildung kann mittels einer Trainingsmenge, bzw. Referenzdatenproben, mit
bekannten Klassenzugehörigkeiten ermittelt werden, und für die Korrektur der inhärent
fehlerbehafteten Klassifizierungsverteilung DIST invertiert werden.
[0062] Mathematisch kann diese Vorgehensweise wie folgt beschrieben werden. Ω wird als die
Menge aller möglichen Anrufe bzw. Datenproben oder Referenzdatenproben aufgefasst.
Die Abbildung X: Ω → {1,..., n} ist die Zufallsvariable der tatsächlichen Klassenzugehörigkeit,
wobei n Klassen angenommen werden. Im Beispielsfalls der Anruferklassifizierung sind
n = 7, nämlich CH, YM, YF, AM, AF, SM, SF vorgesehen. Y: Ω → {1,..., n} stellt die
Zufallsvariable dar, welche den Klassifikationsergebnissen durch das Klassifizierungsverfahren
entspricht. Für einen idealen Klassifikator gilt dabei X = Y.
[0063] A ⊂ Ω sei nun eine endliche Teilmenge von Anrufen, die untersucht wird. X' : A →
{1,..., n} und Y': A → {1,..., n} sind dann die Einschränkungen von X und Y auf A.
Somit sind X' die Klassenzugehörigkeiten der Anrufer, also die Referenzverteilung
oder Klassenzugehörigkeiten der Referenzdatenproben, und Y' sind die Klassifikationsergebnisse,
welche von einem vorgegebenen Verfahren geliefert werden.
[0064] Gesucht sind jetzt die Verteilungen der Klassenzugehörigkeiten p(X'=i), wobei die
Verteilungen der Klassifikationsergebnisse p(Y'=i) bekannt sind. Es wird davon ausgegangen,
dass auf genügend großen Anrufermengen die Vertauschungen zwischen Klassen in der
Regel gleich sind, d.h. es existieren Konstanten c
i,j, so dass für fast alle A näherungsweise gilt:

[0065] Die c
i,j können zum Beispiel als Matrixdarstellung einer linearen Abbildung verstanden werden.
Aus einer vorgegebenen Anzahl von bekannten Referenzdatenproben mit bekanntem X' können
die c
i,j aus den relativen Häufigkeiten für die Klassen geschätzt werden. Die Lösung dieses
Invertierungsproblems kann mittels einem Gleichungssystem unter Verwendung der bedingten
Wahrscheinlichkeit erfolgen:

[0066] Somit erhält man eine Korrekturabbildung c
i,j, mittels derer die Klassifizierungsverteilung DIST optimiert werden kann, um eine
zuverlässigere Verteilung auf Klassen zu erzielen.
[0067] Die c
i,j können somit auf mit bekannten Klassenzugehörigkeiten bestimmt werden, indem die
relativen Häufigkeiten bzw. Anteile der jeweiligen fehlerhaften Zuordnungen durch
das Klassifizierungsverfahren gezählt werden. Anschließend wird die sich ergebende
Matrix der c
i,j invertiert. Zur Ermittlung der Klassenverteilungen p(X'=i) wird der entsprechende
Vektor der durchschnittlichen Klassifikationsergebnisse p(Y'=i) zum Korrigieren der
erhaltenen (suboptimalen) Verteilung mit dieser inversen Matrix multipliziert. Durch
diese Multiplikation können prinzipiell auch Werte auftreten, die größer 100% und
kleiner 0% sind. Diese werden zum Beispiel abgeschnitten, und anschließend wird das
Ergebnis auf 100% normiert.
[0068] Im Folgenden ist eine weitere Variante des Verfahrens zum Klassifizieren von Daten
bzw. zum Korrigieren von durch ein bekanntes Klassifizierungsverfahren erhaltenen
Klassifizierungsverteilungen erläutert. Im Wesentlichen basiert diese Variante auf
der mathematischen Beschreibung wie zuvor.
[0069] Einige Klassifikatoren liefern neben der wahrscheinlichsten Klassenzugehörigkeit
einer Datenprobe ferner auch eine Konfidenz, die beschreibt, wie sicher sich der Klassifikator
bei dem Zuordnungsergebnis ist. Es wird angenommen, dass je geringer der Konfidenzwert
im Mittel ausfällt, desto wahrscheinlicher Zuordnungsfehler aufgetreten sind.
[0070] Die Konfidenz oder Zuordnungssicherheit wird als weitere Zufallsvariable F: Ω → R
m, beschrieben, die jedem Anruf bzw. Daten- oder Referenzdatenprobe, einen m-dimensionalen
Merkmalsvektor zuordnet. Bekannt sind daher nicht nur die p(Y'=i), sondern auch alle
sogenannten a-posteriori Wahrscheinlichkeiten oder Konfidenzen p(X=i|F=f) bei einem
gegebenem Merkmalsvektor f. Gesucht ist nach wie vor die Vertauschungsmatrix p(Y'=i|x'=j),
welche nun für jedes A berechnet wird.
[0071] Die Vertauschungswahrscheinlichkeit kann als genauso hoch angenommen werden wie die
a-posteriori Wahrscheinlichkeit für ein falsches Klassifikationsergebnis. Somit gilt
für ausreichend große A, dass die Vertauschungsverteilung auf A ungefähr so groß ist
wie die durchschnittliche a-posteriori Wahrscheinlichkeit, dass der Klassifikator
falsche Ergebnissen zuordnet. Dies kann anschaulich ausgedrückt werden als:

wobei f
x',1 diejenigen Merkmalsvektoren sind, die den Anrufern bzw. Datenproben aus der Klasse
i zugeordnet werden. Da die Klassenzugehörigkeit X' a-priori nicht bekannt ist, sondern
nur die Klassifikationsergebnisse Y' vorliegen, sind nur die p(X=j|F=f
Y',i) bekannt. Man kann jedoch Annahmen über die Verteilung der a-posteriori Wahrscheinlichkeiten
vornehmen, so dass die p(X=j|F=f
x',i) abgeschätzt werden können.
[0072] Dies sei an einem 2-Klassenzuordnungsproblem mit symmetrischen Vertauschungen beispielhaft
verdeutlichet. Man kann dann zum Beispiel zeigen, dass für i ≠ j:

und für i = j :

gilt. Diese Abschätzung für c
i,j liefert ebenfalls weiter verbesserte Korrekturen für die Verteilungen auf die Klassen
in der jeweiligen Klassifizierungsverteilung.
[0073] Obwohl die vorliegende Erfindung anhand bevorzugter Ausführungsbeispiele näher erläutert
wurde, ist sie nicht darauf beschränkt, sondern vielfältig modifizierbar. Insbesondere
bei der Wahl der zugrunde gelegten Klassifizierungsverfahren kann dem Anwender freie
Hand gelassen werden. Die genannten Klassen in Geschlechts-Altergruppen sind ebenfalls
lediglich beispielhaft zu verstehen. Die im Vorangegangenen beschriebene Klassifikation
von Daten bzw. Datenproben lässt sich zumindest immer dann günstig einsetzen, wenn
Referenz- oder Trainingsdaten erhältlich sind und Abweichungen von korrekten Zuordnungen
durch das Klassifizierungsverfahren ermittelt werden können.
1. Verfahren zur Bereitstellung eines Dienstes (SE) für einen Nutzer (U), wobei der Dienst
(SE) für eine vorgegebene Nutzergruppe vorgesehen ist und über eine Kommunikationsverbindung
bereitgestellt wird, bei dem:
a) über eine erste Kommunikationsverbindung eine Anfrage des Nutzers (U) zum Zugang
zu dem Dienst (SE) in einer Zugangskontrolleinheit (AC) empfangen wird;
b) über eine zweite Kommunikationsverbindung eine Sprachverbindung zwischen dem Nutzer
(U) und einer Sprachverarbeitungseinheit hergestellt wird;
c) in der Sprachverarbeitungseinheit über die zweite Kommunikationsverbindung die
Stimme des Nutzers (U) mittels einer Sprachprobe erfasst wird und zumindest ein erstes
Kriterium überprüft wird, wobei das erste Kriterium erfüllt ist, wenn der Nutzer (U)
basierend auf einem stimmbasierten Klassifikationsverfahren (AGC) der vorgegebenen
Nutzergruppe zugeordnet wird;
d) falls zumindest das erste Kriterium erfüllt ist, dem Nutzer (U) der Zugang zu dem
Dienst (SE) ermöglicht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem in Schritt d) dem Nutzer (U) über die erste und/oder
zweite Kommunikationsverbindung Authentifikationsdaten zum Zugang zu dem Dienst (SE)
mittels einer Authentifikation an der Zugangskontrolleinheit (AC) bereitgestellt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei dem das stimmbasierte Klassifikationsverfahren
(AGC) ein Alters- und/oder Geschlechts-Klassifikationsverfahren ist, welches basierend
auf der erfassten Stimme des Nutzers (U) das Alter und/oder das Geschlecht des Nutzers
(U) klassifiziert.
4. Verfahren nach Anspruch 3, bei dem das Alters- und/oder Geschlechts-Klassifikationsverfahren
den Nutzer (U) in das Geschlecht männlich oder weiblich und/oder in eine Altersgruppe
aus einer Mehrzahl von Altersgruppen klassifiziert.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem der Nutzer (U) in Schritt
c) durch die Sprachverarbeitungseinheit aufgefordert wird, einen vorgegebenen Text
als Sprachprobe nachzusprechen, und anschließend ein zweites Kriterium überprüft wird,
wobei das zweite Kriterium erfüllt ist, wenn der durch ein Spracherkennungsverfahren
erkannte nachgesprochene Text im Wesentlichen mit dem vorgegebenen Text übereinstimmt,
und wobei dem Nutzer (U) ein Zugang zu dem Dienst nur ermöglicht wird, wenn zumindest
das erste und zweite Kriterium erfüllt sind.
6. Verfahren nach Anspruch 5, bei dem der vorgegebene Text durch einen Zufallsgenerator
(RG) erzeugt wird und dem Nutzer (U) auf einer Anzeigeeinheit angezeigt wird und/oder
dem Nutzer (U) über die bestehende Sprachverbindung vorgelesen wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem das stimmbasierte Klassifikationsverfahren
(AGC) einen Konfidenzwert bestimmt, der angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine
Klassifikation eines Nutzers (U) in der vorgegebenen Nutzergruppe korrekt ist, wobei
im Falle, dass der Konfidenzwert einen ersten Schwellenwert überscheitet, der Nutzer
(U) der vorgegebenen Nutzergruppe zugeordnet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, bei dem der erste Schwellenwert einstellbar ist.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, bei dem zumindest ein Teil der Nutzer (U), die mit
einem Konfidenzwert unterhalb eines zweiten, über dem ersten Schwellenwert liegenden
Schwellenwerts der vorgegebenen Nutzergruppe zugeordnet werden, einem menschlichen
Operator über eine Benutzerschnittstelle mitgeteilt werden, wobei der menschliche
Operator über die Benutzerschnittstelle die erfasste Stimme des oder der Nutzer (U)
des zumindest einen Teils der Nutzer (U) abhören kann und die Nutzer (U) manuell klassifizieren
kann, wobei ein drittes Kriterium für einen Nutzer (U) erfüllt ist, wenn der menschliche
Operator den Nutzer (U) in die vorgegebene Nutzergruppe klassifiziert, und wobei nur
bei der Erfüllung des dritten Kriteriums dem Nutzer (U) ein Zugang zu dem Dienst ermöglicht
wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, bei dem der menschliche Operator dem Nutzer (U) über eine
Kommunikationsverbindung, insbesondere eine Sprachverbindung, kontaktieren kann, um
von dem Nutzer (U) Daten zur Klassifikation des Nutzers (U) zu erfassen, insbesondere
eine weitere Sprachprobe.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10 in Kombination mit Anspruch 2, bei dem einem Nutzer
(U) des zumindest einen Teils der Nutzer (U) Authentifikationsdaten zum Zugang zu
dem Dienst (SE) nur bereitgestellt werden, wenn das dritte Kriterium für den Nutzer
(U) erfüllt ist.
12. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10 in Kombination mit Anspruch 2 oder nach Anspruch
11, bei dem ein bereits bereitgestellter Zugang für einen Nutzer (U) des zumindest
einen Teils der Nutzer (U) gesperrt wird, wenn das dritte Kriterium für den Nutzer
(U) nicht erfüllt ist.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 12, bei dem die von dem menschlichen Operator
vorgenommenen Klassifikationen von Nutzern (U) mit den zugeordneten erfassten Stimmen
als Trainingsdaten dem stimmbasierten Klassifikationsverfahren (AGC) bereitgestellt
werden.
14. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem in Schritt c) aus der erfassten
Stimme des Nutzers (U) mit einem Sprecher-Erkennungsverfahren die Stimmcharakteristik
des Nutzers (U) ermittelt wird.
15. Verfahren nach Anspruch 14, bei dem in Schritt c) ein viertes Kriterium überprüft
wird, wobei das vierte Kriterium für einen Nutzer (U) erfüllt ist, wenn die Veränderung
der Stimmcharakteristik des Nutzers innerhalb der Sprachprobe nicht größer als ein
vorbestimmtes Maß ist, wobei nur bei der Erfüllung des vierten Kriteriums dem Nutzer
(U) der Zugang zu dem Dienst ermöglicht wird.
16. Verfahren nach Anspruch 14 oder 15, bei dem in Schritt c) ein fünftes Kriterium überprüft
wird, wobei das fünfte Kriterium für einen Nutzer (U) erfüllt ist, wenn seine Stimmcharakteristik
zu den Stimmcharakteristika der Nutzer (U) einer Nutzermenge eine Ähnlichkeit aufweist,
die unter einem vorbestimmten Maß liegt, wobei nur bei der Erfüllung des fünften Kriteriums
dem Nutzer (U) ein Zugang zu dem Dienst ermöglicht wird.
17. Verfahren nach Anspruch 16, bei dem die Nutzermenge über die Telefonnummern und/oder
die Standorte und/oder die IP-Adressen der Nutzer (U) spezifiziert wird.
18. Verfahren nach einem der vorhergehende Ansprüche, bei dem die Schritte c) und d) nach
Bereitstellung des Dienstes für einen Nutzer (U) wiederholt werden, indem der Nutzer
(U) durch die Sprachverarbeitungseinheit erneut zur Erfassung seiner Stimme aufgefordert
wird, wobei in Schritt d) ein bereits bestehender Zugang zu dem Dienst (SE) gesperrt
wird, wenn das zumindest erste Kriterium nicht erfüllt ist.
19. Verfahren nach Anspruch 18 in Kombination mit einem der Ansprüche 14 bis 17, bei dem
bei einer Wiederholung des Schritts c) die aktuell mit dem Sprecher-Erkennungsverfahren
ermittelte Stimmcharakteristik des Nutzers (U) mit zumindest einer in einem der vorhergehenden
Schritte c) ermittelten Stimmcharakteristik dieses Nutzers (U) verglichen wird, wobei
der Zugang des Nutzers (U) zu dem Dienst (SE) gesperrt wird, wenn die aktuelle Stimmcharakteristik
über ein vorbestimmtes Maß von der zumindest einen in einem der vorhergehenden Schritte
c) ermittelten Stimmcharakteristik abweicht.
20. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem in Schritt c) eine dem
Nutzer (U) zugeordnete Identifikation erfasst wird, wobei in Schritt c) die bereits
von Nutzern (U) erfassten Identifikationen mit der Identifikation des aktuellen Nutzers
(U) verglichen werden und im Falle, dass einem Nutzer (U) mit der gleichen Identifikation
wie derjenigen des aktuellen Nutzers (U) bereits zuvor ein oder mehrere Male kein
Zugang zu dem Dienst ermöglicht wurde, der aktuelle Nutzer (U) unabhängig von der
Erfüllung zumindest des ersten Kriteriums kein Zugang zu dem Dienst ermöglicht wird.
21. Verfahren nach Anspruch 20, bei dem die dem Nutzer (U) zugeordnete Identifikation
die Telefonnummer des Nutzers (U) und/oder den Standort des Nutzers (U) und/oder die
IP-Adresse des Nutzers (U) und/oder die Lage der Mobilfunkzelle, in der sich der Nutzer
(U) befindet, umfasst.
22. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei dem Nutzer (U) eine alternative
Authentifizierung zum Zugang zu dem Dienst angeboten wird, falls das zumindest erste
Kriterium in Schritt d) nicht erfüllt ist.
23. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem in Antwort auf seine Anfrage
in Schritt a) dem Nutzer (U) eine Adresse, insbesondere eine Telefonnummer, übermittelt
wird, die der Nutzer (U) zum Aufbau der Sprachverbindung gemäß Schritt b) kontaktieren
muss.
24. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem in Antwort auf seine Anfrage
in Schritt a) der Nutzer (U) von der Sprachverarbeitungseinheit zum Aufbau der Sprachverbindung
kontaktiert wird.
25. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die erste und/oder die
zweite Kommunikationsverbindung eine paketvermittelte und/oder leitungsvermittelte
Kommunikationsverbindung ist.
26. Verfahren nach Anspruch 25, bei dem die erste Kommunikationsverbindung eine Internetverbindung
zwischen dem Nutzer (U) und der Zugangskontrolleinheit (AC) ist.
27. Verfahren nach Anspruch 25 oder 26, bei dem die zweite Kommunikationsverbindung eine
leitungsvermittelte Telefonverbindung und/oder eine VoIP-Verbindung zwischen dem Nutzer
(U) und der Sprachverarbeitungseinheit ist.
28. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem aus den in Schritt c) mit
dem stimmbasierten Klassifikationsverfahren (AGC) vorgenommenen Klassifikationen eine
Klassifizierungsverteilung erzeugt wird.
29. Vorrichtung zur Bereitstellung eines Dienstes (SE) für einen Nutzer (U), wobei der
Dienst für eine vorgegebene Nutzergruppe vorgesehen ist und über eine Kommunikationsverbindung
bereitgestellt wird, umfassend:
- eine Zugangskontrolleinheit (AC), mit der im Betrieb der Vorrichtung über eine erste
Kommunikationsverbindung eine Anfrage eines Nutzers (U) zum Zugang zu dem Dienst empfangbar
ist;
- eine Sprachverarbeitungseinheit, mit der im Betrieb der Vorrichtung über eine zweite
Kommunikationsverbindung eine Sprachverbindung zwischen dem Nutzer (U) und der Sprachverarbeitungseinheit
hergestellt wird, wobei in der Sprachverarbeitungseinheit über die zweite Kommunikationsverbindung
die Stimme des Nutzers (U) mittels einer Sprachprobe erfasst wird und zumindest ein
erstes Kriterium überprüft wird, wobei das erste Kriterium erfüllt ist, wenn der Nutzer
(U) basierend auf einem stimmbasierten Klassifikationsverfahren der vorgegebenen Nutzergruppe
zugeordnet wird, wobei im Falle, dass zumindest das erste Kriterium erfüllt ist, dem
Nutzer (U) der Zugang zu dem Dienst ermöglicht wird.
30. Vorrichtung nach Anspruch 29, welche derart ausgestaltet ist, dass ein Verfahren nach
einem der Ansprüche 2 bis 28 mit der Vorrichtung durchführbar ist.