Gebiet der Erfindung
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft die Synthese von Polymeren mit Silylendgruppen,
die mittels Atom transfer radical polymerization (im Folgenden kurz ATRP) hergestellt
wurden. Ein besonderer Aspekt ist die Herstellung silyltelecheler Polymethacrylate,
Polyacrylate oder Polystyrole.
[0002] Ein ganz besonderer Aspekt der vorliegenden Erfindung ist, dass durch die Zugabe
des Reagenz in einem Verfahrensschritt gleichzeitig eine Entfernung der Übergangsmetallverbindungen
aus der Polymerisationslösung mittels Fällung und eine Salzbildung der zuvor an den
Übergangsmetall koordinierten Liganden, die wiederum eine einfache Entfernung der
selben ermöglicht, erfolgt.
[0003] Die ATRP stellt ein wichtiges Verfahren zur Darstellung einer Vielzahl von Polymeren
wie z.B. Polyacrylaten, Polymethacrylaten oder Polystyrolen dar. Mit dieser Art der
Polymerisation ist man dem Ziel maßgeschneiderter Polymere ein gutes Stück näher gekommen.
Die ATRP-Methode wurde in den 1990-er Jahren maßgeblich von Prof. Matyjaszewski entwickelt
(
Matyjaszewski et al., J.Am.Chem.Soc., 1995, 117, S.5614;
WO 97/18247;
Science, 1996, 272, S.866). Die ATRP liefert engverteilte (Homo)Polymere im Molmassenbereich von M
n= 5.000 - 120.000 g/mol. Ein besonderer Vorteil dabei ist, dass sowohl das Molekulargewicht
als auch die Molekulargewichtsverteilung regelbar sind. Als lebende Polymerisation
gestattet sie ferner den gezielten Aufbau von Polymerarchitekturen wie beispielsweise
statistische Copolymere oder auch Block-Copolymer-Strukturen. Durch entsprechende
Initiatoren sind z.B. zusätzlich ungewöhnliche Block-Copolymere und Sternpolymere
zugänglich. Theoretische Grundlagen zum Polymerisationsmechanismus sind unter anderem
in
Hans Georg Elias, Makromoleküle, Band 1, 6.Auflage, Weinheim 1999, S.344 erläutert.
Stand der Technik
[0004] Die Entwicklung eines Verfahrensschrittes in der ATRP, bei dem gleichzeitig das Halogen
am Kettenende des Polymers entfernt wird, das Übergangsmetall vollständig gefällt
wird, der Ligand in eine leicht abzutrennende ionische Form überführt wird und eine
Funktionalisierung der Kettenenden mit organischen Silylgruppen vorgenommen werden
kann, ist in keiner Weise Stand der Technik. Dies gilt allein schon für die Kombination
aus der gleichzeitigen Übergangsmetallfällung und Silylfunktionalisierung der Kettenenden.
[0005] Im Weiteren stellt die vorliegende Erfindung jeweils für sich allein eine deutliche
Verbesserung gegenüber dem Stand der Technik sowohl bezüglich der Endgruppenfunktionalisierung,
bezüglich der Halogenentfernung als auch bezüglich der Übergangsmetallfällung dar.
Eine Kombination aus allen drei Funktionen ist im Stand der Technik bis dato nicht
beschrieben. Im Folgenden wird diese Schrift daher auf die Aspekte Endgruppenfunktionalisierung
bzw. silylfunktionalisierte ATRP-Produkte beschränkt.
[0006] Der ATRP-Prozess beruht auf einem Redoxgleichgewicht zwischen einer schlafenden und
einer aktiven Spezies. Bei der aktiven Spezies handelt es sich um die nur in geringer
Konzentration vorliegende wachsende, radikalische Polymerkette sowie eine Übergangsmetallverbindung
in höherer Oxidationsstufe (z.B. Kupfer II). Die schlafende, bevorzugt vorliegende
Spezies ist die Kombination aus der mit einem Halogen bzw. einem Pseudohalogen terminierten
Polymerkette und der entsprechenden Übergangsmetallverbindung in geringerer Oxidationsstufe
(z.B. Kupfer I). Dies gilt sowohl für die ATRP in der eigentlichen Form, die mit (Pseudo-)Halogen
substituierten Initiatoren gestartet wird, als auch für die weiter unten beschriebene
reverse ATRP, bei der das Halogen erst bei Einstellung des Gleichgewichts an die Polymerkette
gebunden wird. Das Halogenatom verbleibt unabhängig von dem gewählten Verfahren nach
Abbruch der Reaktion an den jeweiligen Kettenenden. Diese endständigen Halogenatome
können in mehrfacher Hinsicht von Nutzen sein. In einer großen Zahl von Schriften
wird die Verwendung eines solchen Polymers als Makroinitiator nach einer Aufreinigung
oder durch sequentielle Zugabe weiterer Monomerfraktionen zum Aufbau von Blockstrukturen
beschrieben. Als repräsentatives Beispiel sei auf
US 5,807,937 bzgl. der sequentiellen Polymerisation und auf
US 6,512,060 bzgl. der Synthese von Makroinitiatoren verwiesen.
[0007] Problematisch ist jedoch die dem Fachmann durchaus bekannte thermische Instabilität
solcher Halogen-funktionalisierter Polymere. Insbesondere Polymethacrylate bzw. Polyacrylate
erweisen sich bei Vorhandensein terminaler Halogenatome deutlich empfindlicher gegenüber
einer Depolymerisation. Daher ist eine Methode zur Entfernung dieser endständigen
Halogenatome von großem Interesse. Ein weit verbreitetes Verfahren basiert auf der
Substitution der Halogene mit Metallalkoholaten unter Fällung des gebildeten Metallhalogenids.
Ein solches Verfahren wird zum Beispiel in
US 2005/0090632 beschrieben. Nachteil an diesem Vorgehen ist die nur begrenzte Verfügbarkeit der
Metallalkoholate, deren Kosten und dass das Verfahren nur nach einer Reinigung der
Polymere in einem separaten Prozessschritt durchgeführt werden kann. Außerdem ist
auf diesem Weg die direkte Funktionalisierung mit einer Silylgruppe nicht möglich.
[0008] In
EP 0 976 766 bzw. in
EP 1 179 567 wird ein dreistufiges Verfahren zur Synthese silylterminierter, halogenfreier Polymere
beschrieben. Nach einer ATRP mit entsprechender Produktreinigung wird in einem zweiten
Schritt die Substitution der endständigen Halogenatome mit einem ungesättigten Metallalkoholat
durchgeführt. Doppelbindungen hydrosilyliert. Dem Fachmann ist leicht ersichtlich,
dass diese drei Prozessschritte nicht ohne eine gründliche Reinigung der jeweiligen
Vorstufenprodukte möglich sind. Auch wenn man mit diesem Verfahren Polymere erhält,
die den erfindungsgemäßen sehr ähnlich sind, unterscheiden sich diese Produkte durch
eine verminderte Anzahl von zusätzlich in die Kette einbaubaren Funktionalitäten,
die entweder bei der Substitution oder bei der Hydrosilylierung stören würden. In
US 2005/0113543 wird in einer Variante ein ungesättigter ATRP-Initiator verwendet und analog zu dem
zuvor beschriebenen Verfahren in einer zweiten Stufe eine Allylgruppe mittels einer
Organozinnverbindung durch Substitution des Halogenatoms an das zweite Kettenende
übertragen. Beide, sich in Ihrer chemischen Umgebung nur leicht von einander unterscheidenden
Gruppen können darauf leicht hydrosilyliert werden.
[0009] Ähnliches gilt auch für andere Verfahren zur Substitution der endständigen Halogengruppen:
Sowohl Azide (s.
Matyjaszewski et al., Macromol. Rapid Commun, 18, 1057-66. 1997) als auch Phosphine (
Coessens, Matyjaszewski, Macromol. Sci. Pure Appl. Chem., 36, 653-666, 1999) führen nur zu unvollständigen Umsätzen, sind toxikologisch sehr bedenklich, sind
zur direkten Silylfunktionalisierung schlecht geeignet und sind kostenintensiv. Ferner
sind auch diese Verfahren nur in einer polymeranalogen Reaktion nach einer Produktaufarbeitung
anwendbar.
[0010] Eine Alternative zur zweistufigen Polymerisation und anschließenden Substitution
der endständigen Halogenatome zur Synthese der zur Hydrosilylierung benötigten Präpolymere
ist das so genannte Endcapping. Bei dieser Methode werden der Polymerisationslösung
zu einem Zeitpunkt eines möglichst vollständigen Umsatzes Verbindungen zugesetzt,
die wie Monomere an das Kettenende radikalisch eingebaut werden, darauf jedoch ein
neues, zwar weiterhin halogenfunktionalisiertes, jedoch polymerisationsinaktives Kettenende
bilden. In
EP 1 085 027 bzw.
EP 1 024 153 werden diverse nicht konjugierte Diene als solche Endcapper beschrieben. Insbesondere
Octadien wird als besonders geeignete Verbindung zur Realisierung olefinischer Endgruppen
aufgeführt. In
EP 1 158 006 wird auch Cyclooctadien als gut geeignetes Reagenz erwähnt. Telechele mit zwei identischen
Endgruppen sind mittels ATRP durch Verwendung bifunktioneller Initiatoren erreichbar.
[0011] Vorteil dieser Methode ist, dass ein getrennter Verfahrensschritt mit vorhergehender
Produktreinigung wie bei der Substitution entfällt und direkt am Ende der Polymerisation
die Kettenenden olefinisch funktionalisiert werden. Nachteilig gegenüber der Substitution
und damit auch der vorliegenden Erfindung ist jedoch, dass das Halogenatom am Kettenende
verbleibt und entweder getrennt durch einen zusätzlichen Verfahrensschritt entfernt
werden müsste oder man eine höhere thermische Instabilität des Produktes in Kauf nimmt.
Ferner erhält man auch bei diesem Vorgehen wie auch bei den zuvor beschriebenen Substitutionsverfahren
lediglich olefinisch terminierte Produkte, die nach einer aufwendigen Reinigung erst
hydrosilyliert werden müssen. Diese Reinigung muss insbesondere äußerst gründlich
durchgeführt werden, da die in der ATRP benötigten Liganden zur Solvatation der Übergangsmetallverbindung
die in der Regel auf Platinverbindungen basierenden Hydrosylilierungskatalysatroen
- wie z.B. den als Standard anzusehenden Karstedt-Katalysator - deaktivieren. Besonders
effizient und wirtschaftlich interessant ist die ATRP z.B. bei Verwendung von mehrzähnigen
Aminliganden, wie Sie weiter unten in dieser Schrift genauer beschrieben werden. Insbesondere
diese Verbindungen deaktivieren jedoch die nur in geringsten Konzentrationen einzusetzenden
Platinmetallkatalysatoren quantitativ und müssen daher vorher aus dem Polymer vollständig
entfernt werden. Diese Aspekte machen eine vollständige Silylfunktionalisierung der
Polymere eher unwahrscheinlich bzw. machen das Verfahren zusätzlich zeitaufwendig
und unwirtschaftlich. Die Hydrosilylierung der beschriebenen Polymere ist in
EP 1 153 942 bzw. in
EP 1 498 433 nachzulesen.
[0012] Erfindungsgemäß wird zur Substitution der endständigen Halogenatome ein Mercaptan
mit zusätzlicher Silanfunktionalität eingesetzt. Einzig in
Snijder et al. (J. of Polym. Sci.: Part A: Polym. Chem., 40, S.2350-59, 2002) wird eine solche Substitutionsreaktion an einem ATRP-Produkt mit einem Mercaptan
kurz beschrieben. Diese Substitutionsreaktion wird hier ausschließlich mit Mercaptoethanol
durchgeführt. Eine Übertragung des Verfahrens auf die erfindungsgemäßen Silylmercaptane
wird nicht beschrieben.
[0013] Ein weiterer Unterschied zu der vorliegenden Erfindung ist die polymeranaloge Durchführung.
In der beschriebenen Schrift wird die Substitutionsreaktion erst nach Aufreinigung
des ATRP-Produktes in einer zweiten Reaktionsstufe durchgeführt. Damit ergibt sich
direkt ein zweiter wichtiger Unterschied zur vorliegenden Erfindung. Der erfindungsgemäße
Effekt der Fällung der Übergangsmetallverbindungen aus der ATRP-Lösung durch Zugabe
von Mercaptanreagenzien wird in dieser Schrift entsprechend gar nicht beschrieben.
Darüber hinaus werden in der vorliegenden Erfindung im Gegensatz zu der zitierten
Schrift neuartige beidseitig an den Endgruppen funktionalisierte Tri- und Pentablockcopolymere
beschrieben.
[0014] Ein großer Nachteil der Bindemittel für Klebstoffe des Standes der Technik ist die
bei der Verarbeitung relevante, hohe Viskosität. Dadurch ist ein Verarbeiten eines
Klebstoffes oder eines geschmolzenen Reaktivschmelzklebstoffs, vor allem das Auftragen
auf poröse Substrate, deutlich erschwert. Teilweise tritt auch eine vorzeitige Vergelung
der Klebstoffformulierung auf.
[0015] Ein weiterer Nachteil ist, dass der extrahierbare Anteil im ausgehärteten Klebstoff
recht hoch ist. Dies verringert unter anderem die Beständigkeit der Klebmasse gegenüber
Lösungsmitteln.
[0016] Ein weiterer Nachteil ist eine häufig nur ungenügende Viskositätsstabilität des Klebstoffs
bzw. des Reaktivschmelzklebstoffs in der Schmelze bei z.B. 130 °C, wodurch vor allem
die Verarbeitbarkeit erschwert wird.
[0017] Weiterhin nachteilig ist, dass die freiradikalisch polymerisierten Materialien auch
einen höheren Anteil niedermolekularer Bestandteile, die an den Vernetzungsreaktionen
nicht teilnehmen und den extrahierbaren Bestandteil entsprechender Formulierungen
darstellen, enthalten.
[0018] Die oben beschriebenen Probleme wurden in
WO 2005/047359 insofern gelöst, dass durch Anwendung einer kontrollierten Polymerisationsmethode,
in Form der ATRP, Bindemittel mit sehr engen Molekulargewichtsverteilungen zur Verfügung
gestellt werden konnten, die durch den gegenüber freiradikalisch polymerisiert (Meth)acrylaten
einen nur geringen Anteil hochmolekularer Bestandteile aufweisen. Diese Bestandteile
bewirken in Polymermischungen insbesondere eine Erhöhung der Viskosität. Weiterhin
enthalten diese Polymere auch einen deutlich geringeren Anteil niedermolekularer und
damit extrahierbarer Bestandteile. Der geringere Anteil solcher Bestandteile erhöht
die Wetterbeständigkeit, Verlangsamt die Produktalterung und führt zu einer deutlich
verbesserten Chemikalienbeständigkeit.
[0019] Nachteil der nach Stand der Technik dargestellten Klebstoffe ist jedoch eine statistische
Verteilung der funktionellen, für die spätere Aushärtung benötigten Gruppen in der
Polymerkette des Bindemittels. Dies führt zu einer engmaschigen Vernetzung und einer
somit verminderten Elastizität der Klebemasse. Daraus kann auch eine Verschlechterung
der Substratbindung resultieren. Vorteil der Verwendung von telechelen Bindemitteln
und damit der vorliegenden Erfindung ist, dass die späteren Polymernetzwerke, in denen
eine Komponente nur über die Kettenendgruppen eingebaut ist, eine besondere Flexibilität
aufweisen. Diese erhöhte Flexibilität bei gleichzeitig höherer Beständigkeit ist auch
in anderen Anwendungsbereichen wie zum Beispiel bei Dichtstoffen von sehr großer Bedeutung.
[0020] In
EP 1 452 550 ist die Copolymerisation von silylfunktionellen Monomeren in einer Reversible Addition
Fragmentation chain Transfer polymerization (RAFT) offenbart. Auch nach diesem Verfahren
sind die funktionellen Gruppen jedoch statistisch auf zumindest 20% der Polymerketten
verteilt.
[0021] Bei Otazaghine et al. (Macromol. Chem. Phys, 205, 2, S. 154-164, 2004) ist die Bildung von funktionellen Endgruppen über eine modifizierte ATRP, bei der
mit einem silylfunktionellen Initiator gestartet wird und nach der Polymerisation
jeweils zwei Ketten an den halogenfunktionellen Kettenenden miteinander gekuppelt
werden, offenbart. Nachteile dieses Verfahrens sind die schlechte Verfügbarkeit silylfunktioneller
ATRP-Initiatoren und der geringe Kupplungsgrad, der zu einem hohen Anteil monofunktioneller
Bestandteile im Endprodukt führt.
[0022] In
DE 37 19 151 wird ein Verfahren zur Silylfunktionalisierung von PVC beschrieben, bei dem PVC mit
silylfunktionellen Mercaptanen umgesetzt wird. Diese Verfahren ist jedoch nicht auf
Polyacrylate, -methacrylate bzw. -styrole übertragbar. Ferner ist es weder zur Entfernung
von Katalysatoren, noch zur gezielten Funktionalisierung von Kettenenden geeignet.
Aufgabe
[0023] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, Polymere mittels Atom transfer radical
polymerization (ATRP) herzustellen, die an über 90% der zuvor polymerisationsaktiven
Kettenenden Silylgruppen aufweisen.
[0024] Zusätzlich ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, Polymere mittels ATRP herzustellen,
die keine oder nur in Spuren Halogene bzw. Pseudohalogene enthalten. Damit ist es
auch Aufgabe, die thermische Stabilität dieser Polymere gegenüber halogenhaltigen
Produkten zu verbessern.
[0025] Insbesondere ist es Aufgabe dieser Erfindung, Polymere zu realisieren, die mit Ausnahme
der Endgruppen vollständig den Materialien entsprechen, die nach Stand der Technik
mittels ATRP hergestellt werden können. Dies umfasst u.a. die Polymerarchitektur,
das Molekulargewicht und die Molekulargewichtsverteilung.
[0026] Unter Molekulargewicht bzw. Molekulargewichtsverteilung werden im Weiteren die Werte
für das Molekulargewicht bzw. die Molekulargewichtsverteilung verstanden, die mittels
Gelpermeationschromatographie (kurz GPC oder SEC) bestimmt wurden.
[0027] Mit dem Begriff Polymerarchitektur werden im Weiteren sämtliche Polymerstrukturen
umschrieben. Als Beispiele seinen Blockcopolymere, Sternpolymere, Telechele, Gradientencopolymere,
statistische Copolymere oder Kammcopolymere aufgeführt.
[0028] Insbesondere ist es Aufgabe dieser Erfindung, die Silylfunktionalisierung und die
gleichzeitige Halogenentfernung im Rahmen eines großtechnisch einfach zu realisierenden
und wirtschaftlichen Prozesses durchzuführen. Ganz insbesondere ist es Aufgabe, die
Funktionalisierung ohne zusätzliche Produktaufarbeitung direkt am Ende des eigentlichen
ATRP-Prozesses im gleichen Reaktionsgefäß durchzuführen (one-potreaction).
[0029] Parallel ist es eine Aufgabe dieser Erfindung, mit dem gleichen Verfahrensschritt
gleichzeitig ein großtechnisch realisierbares Verfahren zur Abtrennung von Übergangsmetallkomplexen
aus Polymerlösungen zur Verfügung zu stellen. Zugleich soll das neue Verfahren kostengünstig
und schnell durchführbar sein. Darüber hinaus war es Aufgabe der vorliegenden Erfindung,
ein Verfahren zur Verfügung zu stellen, das ohne aufwändige Umbauten auf bekannten,
zur Lösungspolymerisation geeigneten Anlagen implementiert werden kann. Eine weitere
Aufgabe war es, bereits nach einem Filtrationsschritt besonders niedrige Restkonzentrationen
der Übergangsmetallkomplexverbindungen zu realisieren.
Lösung
[0030] Gelöst wurde die Aufgabe durch Zugabe geeigneter silylfunktionalisierter Schwefelverbindungen
nach oder während des Abbruchs der Polymerisation. Durch Substitution der endständigen
aktiven Gruppen eines mittels ATRP synthetisierten Polymers mit der Schwefelverbindung
werden die jeweiligen Kettenenden silylfunktionalisiert. Gleichzeitig werden die endständigen
Halogenatome von dem Polymer entfernt, die als Katalysator eingesetzte Übergangsmetallkoordinationsverbindung
gequencht und damit das Metall nahezu vollständig ausgefällt. Dieses kann anschließend
mittels Filtration einfach abgetrennt werden.
[0031] Bei den Polymeren handelt es sich um durch Polymerisation von Styrolen, Alkylacrylaten
und/oder Alkylmethacrylaten und/oder Mischungen, die überwiegend aus Styrolen, Alkylacrylaten
und/oder Alkylmethacrylaten bestehen, erhältlich sind.
[0032] Im Detail führt die Zugabe von Mercaptanen zu Halogen terminierten Polymerketten,
wie sie während oder am Ende eines ATRP Prozesses vorliegen, zu einer Substitution
des Halogens. Am Kettenende des Polymers bildet sich somit eine Thioethergruppe, wie
sie bereits aus der freiradikalischen Polymerisation mit auf Schwefel basierenden
Reglern bekannt ist. Als Abspaltungsprodukt wird ein Halogenwasserstoff gebildet.
[0033] Ein ganz besonderer Aspekt der vorliegenden Erfindung ist, dass durch die Zugabe
eines Reagenz in einem Verfahrensschritt gleichzeitig eine Entfernung der endständigen
Halogenatome von den Polymerketten, damit einhergehend eine Silylfunktionalisierung
der Polymertermini, eine Entfernung der
Übergangsmetallverbindungen mittels Fällung und eine Salzbildung der zuvor an den
Übergangsmetall koordinierten Liganden, die wiederum eine einfache Entfernung der
Liganden vom Übergangsmetall ermöglicht, erfolgt.
[0034] Im Detail erfolgt bei der Zugabe besagter Schwefelverbindung wahrscheinlich folgendes:
Als Initiator werden in der ATRP Verbindungen eingesetzt, die eine oder mehrere Atome
bzw. Atomgruppen X aufweisen, welche unter den Polymerisationsbedingungen des ATRP-Verfahrens
radikalisch übertragbar sind. Bei der Substitution der aktiven Gruppe X am jeweiligen
Kettenende des Polymers wird eine Säure der Form X-H freigesetzt. Der sich bildenden
Halogenwasserstoff kann in organischen Polymerisationslösungen nicht hydrolysiert
werden und verfügt somit über eine besonders ausgeprägte Reaktivität, die zu einer
Protonierung der unten beschriebenen, zumeist basischen Liganden an der Übergangsmetallverbindung
führt. Dieses Quenchen des Übergangsmetallkomplexes verläuft äußerst schnell und ergibt
eine direkte Fällung der nun unmaskierten Übergangsmetallverbindungen.
[0035] Das Übergangsmetall fällt dabei in der Regel in der Form aus, in der es am Anfang
der Polymerisation eingesetzt wurde: z.B. im Falle von Kupfer als CuBr, CuCl oder
Cu
2O. Unter der Bedingung, dass das Übergangsmetall simultan z.B. durch Einleiten von
Luft oder durch Zugabe von Schwefelsäure oxidiert wird, fällt die Übergangsmetallverbindung
zusätzlich in der höheren Oxidationsstufe aus. Durch die erfindungsgemäße Zugabe besagter
Schwefelverbindungen kann die Übergangsmetallfällung im Gegensatz zu dieser oxidationsbedingten
Fällung darüber hinaus nahezu quantitativ erfolgen. So gelingt es bereits nach einem
Filtrationsschritt besonders niedrige Restkonzentrationen der Übergangsmetallkomplexverbindungen
von unter 5 ppm zu realisieren.
[0036] Um diesen Effekt zu erreichen, muss der erfindungsgemäße Einsatz besagter Schwefelverbindung
bezogen auf die aktive Gruppe X am Polymerkettenende nur in einem Überschuss von z.B.
1,1 Äquivalenten eingesetzt werden. Entsprechendes gilt bezogen auf den Liganden L:
Bei Komplexen, in denen das Übergangsmetall und der Ligand im Verhältnis 1:1 vorliegen,
genügt ebenfalls ein nur sehr geringer Überschuss der Schwefelverbindung, um ein vollständiges
Quenchen des Übergangmetallkomplexes zu erreichen. Beispiele für solche Liganden sind
das weiter unten beschriebenen N,N,N',N",N"-Pentamethyldiethylentriamin (PMDETA) und
Tris(2-aminoethyl)amin (TREN). Im Falle von Liganden, die in der Komplexverbindung
in einem biäquivalenten Verhältnis zum Übergangsmetall vorliegen, ist diese Erfindung
nur anwendbar, wenn das Übergangsmetall in einem deutlichen Unterschuss von z.B. 1:2
gegenüber den aktiven Gruppen X eingesetzt wird. Beispiel für einen solchen Liganden
ist 2,2'-Bipyridin.
[0037] Bestandteil dieser Erfindung ist darüber hinaus, dass die verwendeten Schwefelverbindungen
nahezu vollständig an die Polymerketten gebunden werden, und dass man mittels einfacher
Modifikationen in der Filtration die Restschwefelanteile ganz einfach vollständig
entfernen kann. Auf diese Weise erhält man Produkte, die keinen unangenehmen, durch
die Schwefelverbindungen bedingten Geruch aufweisen.
[0038] Ein großer Vorzug der vorliegenden Erfindung ist die effiziente Entfernung der Übergangsmetallkomplexe
aus der Lösung. Durch Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist es möglich, den
Übergangsmetallgehalt mit einer Filtration um mindestens 80 %, bevorzugt um mindestens
95 % und ganz besonders bevorzugt um mindestens 99 % zu reduzieren. In besonderen
Ausführungen ist es sogar durch Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens möglich,
den Übergangsmetallgehalt um mehr als 99,9 % zu reduzieren.
[0039] Bevorzugt handelt es sich bei den erfindungsgemäß nach oder während des Polymerisationsabbruchs
der Polymerlösung zugegebenen Reagenzien um Verbindungen, die Schwefel in organisch
gebundener Form enthalten. Insbesondere bevorzugt weisen diese zur Fällung von Übergangsmetallionen
bzw. Übergangsmetallkomplexen eingesetzten schwefelhaltigen Verbindungen SH-Gruppen
und gleichzeitig Silylgruppen auf. Als organische Verbindungen seien ganz besonders
bevorzugt silylfunktionalisierte Mercaptane und / oder andere funktionalisierte oder
auch unfunktionalisierte Verbindungen, die eine oder mehrere Thiolgruppen und gleichzeitig
Silylgruppen aufweisen, aufgeführt.
[0040] Bei diesen erfindungsgemäßen silylfunktionalisierte Mercaptane oder kurz Mercaptosilanen
handelt es sich im Allgemeinen um Verbindungen der Form HS-R
1-((SiR
2o(OR
3)
p)
y(SiR
2n(OR
3)
m)
z)
x.
[0041] Dabei steht R
1 für einen Alkylrest mit einem bis 20 Kohlenstoffatomen, der linear, cylclisch oder
verzweigt sein kann.
[0042] Bevorzugt sind lineare Alkylreste R
1 mit einem bis 10 Kohlenstoffatomen.
[0043] Insbesondere bevorzugt sind Verbindungen, bei denen es sich bei R
1 um einen zweibindigen -CH
2-, -CH
2CH
2- oder einen -(CH
2)
3- Rest handelt.
[0044] Bei x handelt es sich um eine Zahl zwischen 1 und 10 und damit um die Zahl der Silylgruppen,
die an den Alkylrest R
1 gebunden sind. Bevorzugt sind Alkylreste mit x ≤ 3 und damit höchstens drei Silylgruppen
Besonders bevorzugt sind monofuntkionelle Alkylreste mit x = 1.
[0045] R
2 und R
3 stehen jeweils für Alkylreste mit einem bis 20 Kohlenstoffatomen, die linear, cyclisch
oder verzweigt sein können. Bevorzugt stehen R
2 und R
3 jeweils für Alkylreste mit einem bis 20 Kohlenstoffatomen.
[0046] Dabei können R
2 und R
3 zueinander identisch oder verschieden sein. Auch können sowohl R
2 als auch R
3 für identische oder jeweils für verschiedene Gruppen in dem Mercaptosilan stehen.
Im Einzelnen können R
2 und R
3 beispielsweise folgende Bedeutungen haben: Methyl-, Ethyl-, Propyl-, iso-Propyl,
n-Butyl-, Isobutyl-, tert.-Butyl-, Pentyl-, Cyclopentyl-, Hexyl-, Cyclohexyl-, Heptyl-,
Octyl-, Isooctyl-, Ethylhexyl-, Nonyl-, Decyl-, Eicosyl-, Isobornyl-, Lauryl- oder
Stearyl-, ferner Cyclopentyl-, Cyclohexyl- oder durch ein oder mehrere Alkylgruppen
substituierte Cycloalkane, wie beispielsweise Methylcyclohexyl- oder Ethylcyclohexyl-.
[0047] In einer anderen Ausführungsform kann es sich bei R
2 und/oder R
3 auch um Kohlenwasserstoffgruppen mit etherischem Sauerstoff bzw. kurze Polyethersequenzen
handeln. Solche Verbindungen sind beispielsweise in
DE 10 2005 057 801 beschrieben.
[0048] In einer bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei R
3 um lineare Alkylreste. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform handelt es
sich bei R
3 um Methyl- und/oder Ethylgruppen.
[0049] Mit o und p sind jeweils Zahlen zwischen 0 und 2 gemeint, die im Falle einer zweibindigen
Silylgruppe in Summe 2 ergeben, im Falle einer dreibindigen in Summe 1 und im Falle
einer vierbindigen Silylgruppe in Summe 0 ergeben, y ist eine beliebige Zahl zwischen
0 und 20. Bevorzugt ist eine Ausführungsform mit y gleich einer beliebigen zahl zwischen
1 und 3 - besonders bevorzugt ist y = 0. z ist abhängig von der Anzahl drei- bzw.
vierbindiger d.h. verzeigender Silylgruppen zwischen R
1 den Endgruppen und ist mindestens gleich 1. Bevorzugt ist eine Ausführung mit z =
1.
[0050] Mit m und n sind jeweils Zahlen zwischen 0 und 3 gemeint, die in Summe 3 ergeben.
Dabei sind insbesondere Verbindungen mit m ≥ 2 bevorzugt.
[0051] Bei den insbesondere bevorzugten Verbindungen handelt es sich um kommerziell leicht
verfügbare Verbindungen, die z.B. als Haftvermittler große industrielle Bedeutung
haben. Vorteil dieser Verbindungen ist ihre leichte Verfügbarkeit und ihr niedriger
Preis. Ein Beispiel einer solchen Verbindung stellt 3-Mercaptopropyltrimethoxysilan,
das von der Degussa AG unter dem Namen DYNALYSAN
®-MTMO vertrieben wird, dar. Weitere verfügbare Silane sind 3-Mercaptopropyltriethoxysilan
oder 3-Mercaptopropylmethyldimethoxysilan (Fa. ABCR). Besonders reaktiv sind die so
genannten α-Silane. In diesen Verbindungen sind die Mercaptogruppe und die Silangruppe
an das gleiche Kohlenstoffatom gebunden (R
1 ist also in der Regel -CH
2-). Entsprechende Silangruppen solcher Art sind besonders reaktiv und können somit
in der späteren Formulierung zu einem breiteren Anwendungsspektrum führen. Beispiel
für eine solche Verbindung wäre Mercaptomethylmethyldiethoxysilan (Fa. ABCR).
[0052] Die vorliegende Erfindung lässt sich jedoch nicht auf diese Verbindungen einschränken.
Entscheidend ist vielmehr, dass das eingesetzte Fällungsmittel einerseits eine -SH-Gruppe
aufweist bzw. eine -SH-Gruppe unter den vorliegenden Bedingungen der Polymerlösung
in situ ausbildet. Andererseits muss die besagte Verbindung eine Silylgruppe aufweisen.
[0053] In der freiradikalischen Polymerisation wird die Menge an Reglern, bezogen auf die
zu polymerisierenden Monomeren, zumeist mit 0,05 Gew.-% bis 5 Gew.-%, angegeben. In
der vorliegenden Erfindung wird die Menge der eingesetzten Schwefelverbindung nicht
auf die Monomere, sondern auf die Konzentration der polymerisationsaktiven Kettenenden
in der Polymerlösung bezogen. Mit polymerisationsaktiven Kettenenden ist die Summe
aus schlafenden und aktiven Kettenenden gemeint. Die erfindungsgemäßen schwefelhaltigen
Fällungsmittel werden in diesem Sinne in 1,5 molaren Äquivalenten, bevorzugt 1,2 molaren
Äquivalenten, besonders bevorzugt unter 1,1 molaren Äquivalenten und ganz besonders
bevorzugt unter 1,05 molaren Äquivalenten eingesetzt. Die verbleibenden Restschwefelmengen
lassen sich durch Modifikation des folgenden Filtrationsschrittes leicht entfernen.
[0054] Es ist dem Fachmann leicht ersichtlich, dass die beschriebenen Mercaptane bei einer
Zugabe zur Polymerlösung während oder nach Abbruch der Polymerisation mit Ausnahme
der beschriebenen Substitutionsreaktion keinen weiteren Einfluss auf die Polymere
haben können. Dies gilt insbesondere für die Breite der Molekulargewichtsverteilungen,
das Molekulargewicht, zusätzliche Funktionalitäten, Glastemperatur, bzw. Schmelztemperatur
bei teilkristallinen Polymeren und Polymerarchitekturen.
[0055] Weiterhin ist dem Fachmann leicht ersichtlich, dass ein entsprechendes Verfahren,
welches apparativ ausschließlich auf einer Filtration der Polymerlösung beruht, leicht
in einen großtechnischen Prozess ohne größere Umbauten an bestehenden Lösungspolymerisationsanlagen
implementierbar ist.
[0056] Ein weiterer Vorteil der vorliegenden Erfindung liegt darin, dass durch die Reduzierung
auf einen oder maximal zwei Filtrationsschritte eine im Vergleich zu vielen etablierten
Systemen sehr schnelle Aufarbeitung der Polymerlösung erfolgen kann.
[0057] Zudem erfolgen die Substitution, die Fällung sowie die anschließende Filtration bei
einer Temperatur im Bereich zwischen 0°C und 120°C, Verfahrensparameter in einem gängigen
Bereich.
[0058] Zur Reduzierung der letzten Spuren Schwefelverbindungen können Adsorptionsmittel
oder Adsorptionsmittelmischungen eingesetzt werden. Dies kann parallel oder in aufeinanderfolgenden
Aufarbeitungsschritten erfolgen. Die Adsorptionsmittel sind aus dem Stand der Technik
bekannt, vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe Silica und/oder Aluminiumoxid, organische
Polysäuren sowie Aktivkohle (z.B. Norit SX plus der Fa. Norit).
[0059] Auch die Entfernung der Aktivkohle kann in einem gesonderten oder in einem zur Übergangsmetallentfernung
simultanen Filtrationsschritt erfolgen. In einer besonders effizienten Variante wird
die Aktivkohle nicht als Feststoff zur Polymerlösung gegeben, sondern die Filtration
erfolgt durch mit Aktivkohle beladene Filter, die kommerziell verfügbar sind (z.B.
AKS 5 der Fa. Pall Seitz Schenk). Auch zur Anwendung kommen kann eine Kombination
aus der Zugabe von den zuvor beschriebenen sauren Hilfsstoffen und Aktivkohle bzw.
der Zuschlag der zuvor beschrieben Hilfsstoffe und die Filtration über mit Aktivkohle
beladene Filter.
[0060] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf eine Endgruppenfunktionalisierung von
Polymeren mit Silylgruppen, die Entfernung der endständigen Halogenatome und der Übergangsmetallkomplexe
aus sämtlichen mittels ATRP-Verfahren hergestellten Polymerlösungen. Im Folgenden
werden die Möglichkeiten die sich aus der ATRP ergeben kurz umrissen. Diese Aufzählungen
sind jedoch nicht dazu geeignet die ATRP und damit die vorliegende Erfindung eingrenzend
zu beschreiben. Sie dienen vielmehr dazu, die große Bedeutung und die vielseitige
Einsatzmöglichkeit der ATRP und damit auch der vorliegenden Erfindung zur Aufarbeitung
entsprechender ATRP-Produkte aufzuzeigen.
[0061] Die mittels ATRP polymerisierbaren Monomere sind hinlänglich bekannt. Im Folgenden
werden ein paar Beispiele aufgelistet. Dabei beschreibt die Schreibweise (Meth)acrylat
die Ester der (Meth)acrylsäure und bedeutet hier sowohl Methacrylat, wie z.B. Methylmethacrylat,
Ethy)methacrylat, als auch Acrylat, wie z.B. Methylacrylat, Ethylacrylat, sowie Mischungen
aus beiden.
[0062] Monomere die polymerisiert werden sind ausgewählt aus der Gruppe der (Meth)acrylate
wie beispielsweise Alkyl(meth)acrylate von gradkettigen, verzweigten oder cycloaliphatischen
Alkoholen mit 1 bis 40 C-Atomen, wie zum Beispiel Methyl(meth)acrylat, Ethyl(meth)acrylat,
n-Butyl(meth)acrylat, i-Butyl(meth)acrylat, t-Butyl(meth)acrylat, Pentyl(meth)acrylat,
2-Ethylhexyl(meth)acrylat, Stearyl(meth)-acrylat, Lauryl(meth)acrylat, Aryl-(meth)acrylate
wie zum Beispiel Benzyl(meth)acrylat oder Phenyl(meth)acrylat Mono(meth)acrylate von
Ethern, Polyethylenglycolen, Polypropylenglycolen oder deren Mischungen mit 5-80 C-Atomen.
Die Monomerauswahl kann auch jeweilige hydroxyfunktionalisierte und/oder aminofunktionalisierte
und/oder mercaptofunktionalisierte und/oder eine olefinisch funktionalisierte Acrylate
bzw. Methacrylate wie zum Beispiel Allylmethacrylat oder Hydroxyethylmethacrylat umfassen.
[0063] Neben den zuvor dargelegten (Meth)acrylaten können die zu polymerisierenden Zusammensetzungen
auch aus anderen ungesättigten Monomere bestehen bzw. diese enthalten. Hierzu gehören
unter anderem 1-Alkene, wie 1-hexen, 1-Hepten, Acrylnitril, Vinylester wie z.B. Vinylacetat,
insbesondere Styrol, substituierte Styrole mit einem Alkylsubstituenten an der Vinylgruppe,
wie z.B. α-Methylstyrol und α-Ethylstyrol, substituierte Styrole mit einem oder mehreren
Alkylsubstituenten am Ring wie Vinyltoluol und p-Methylstyrol, sowie die jeweiligen
hydroxyfunktionalisierten und/oder aminofunktionalisierten und/oder mercaptofunktionalisierten
und/oder eine olefinisch funktionalisierten Verbindungen.
[0064] Das Verfahren kann in beliebigen halogenfreien Lösungsmitteln durchgeführt werden.
Bevorzugt werden Toluol, Xylol, Acetate, vorzugsweise Butylacetat, Ethylacetat, Propylacetat;
Ketone, vorzugsweise Ethylmethylketon, Aceton; Ether; Aliphate, vorzugsweise Pentan,
Hexan; Alkohole, vorzugsweise Cyclohexanol, Butanol, Hexanol aber auch Biodiesel.
[0065] Blockcopolymere der Zusammensetzung AB können mittels sequentieller Polymerisation
dargestellt werden. Blockcopolymere der Zusammensetzung ABA oder ABCBA werden mittels
sequentieller Polymerisation und Initiierung mit bifunktionellen Initiatoren dargestellt.
[0066] Die Polymerisation kann bei Normaldruck, Unter- oder Überdruck durchgeführt werden.
Auch die Polymerisationstemperatur ist unkritisch. Im Allgemeinen liegt sie jedoch
im Bereich von -20°C bis 200°C, vorzugsweise von 0°C bis 130°C und besonders bevorzugt
von 50°C bis 120°C.
[0067] Vorzugsweise weisen die erfindungsgemäß gewonnen Polymere ein zahlenmittleres Molekulargewicht
zwischen 5000 g/mol und 120.000 g/mol und besonders bevorzugt zwischen 7.500 g/mol
und 50.000 g/mol auf.
[0068] Es wurde gefunden, dass die Molekulargewichtsverteilung unter 1,8, bevorzugt unter
1,6, besonders bevorzugt unter 1,4 und idealerweise unter 1,2 liegt.
[0069] Die Molekulargewichtsverteilungen werden mittels Gelpermeationschromatographie (kurz
GPC) bestimmt.
[0070] Als Initiator kann jede Verbindung eingesetzt werden, die eine oder mehrere Atome
bzw. Atomgruppen X aufweist, welche unter den Polymerisationsbedingungen des ATRP-Verfahrens
radikalisch übertragbar sind. Bei der aktiven Gruppe X handelt es sich in der Regel
um Cl, Br, I, SCN und/oder N
3. Geeignete Initiatoren umfassen verallgemeinert folgende Formeln:
R
1R
2R
3C-X,
R
1C(=O)-X,
R
1R
2R
3Si-X,
R
1NX
2,
R
1R
2N-X, (R
1)
nP(O)
m-X
3-n,
(R
1O)
nP(O)
m-X
3-n
und
(R
1)(R
2O)P(O)
m-X,
wobei X ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Cl, Br, I, OR
4, SR
4, SeR
4, OC(=O)R
4, OP(=O)R
4, OP(=O)(OR
4)
2, OP(=O)OR
4, O-N(R
4)
2, CN, NC, SCN, NCS, OCN, CNO und N
3 darstellen (wobei R
4 eine Alkylgruppe von 1 bis 20 Kohlenstoffatomen, wobei jedes Wasserstoffatom unabhängig
durch ein Halogenatom, vorzugsweise Fluorid oder Chlorid ersetzt sein kann oder Alkenyl
von 2 bis 20 Kohlenstoffatomen, vorzugsweise Vinyl, Alkenyl von 2 bis 10 Kohlenstoffatomen,
vorzugsweise Acetylenyl, Phenyl, welches mit 1 bis 5 Halogenatomen oder Alkylgruppen
mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen substituiert sein kann, oder Aralkyl bedeutet und wobei
R
1, R
2 und R
3 unabhängig voneinander ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus Wasserstoff,
Halogene, Alkylgruppen mit 1 bis 20, vorzugsweise 1 bis 10 und besonders bevorzugt
1 bis 6 Kohlenstoffatomen, Cycloalkylgruppen mit 3 bis 8 Kohlenstoffatomen, Silylgruppen,
Alkylsilylgruppen, Alkoxysilylgruppen, Amingruppen, Amidgruppen, COCl, OH, CN, Alkenyl-
oder Alkinylgruppen mit 2 bis 20 Kohlenstoffatomen, vorzugsweise 2 bis 6 Kohlenstoffatomen
und besonders bevorzugt Allyl oder Vinyl, Oxiranyl, Glycidyl, Alkenyl- oder Alkenylgruppen
mit 2 bis 6 Kohlenstoffatomen, welche mit Oxiranyl oder Glycidyl, Aryl, Heterocyclyl,
Aralkyl, Aralkenyl (arylsubstituiertes Alkenyl, wobei Aryl wie zuvor definiert ist
und Alkenyl Vinyl ist, welches mit ein oder zwei C
1 bis C
6 Alkylgruppen, in welchen ein bis alles der Wasserstoffatome, vorzugsweise eines durch
Halogen substituiert sind (vorzugsweise Fluor oder Chlor, wenn ein oder mehr Wasserstoffatome
ersetzt sind, und vorzugsweise Fluor, Brom oder Brom, falls ein Wasserstoffatom ersetzt
ist) Alkenylgruppen mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen, die mit 1 bis 3 Substituenten (vorzugsweise
1) ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus C
1 bis C
4 Alkoxy, Aryl, Heterocyclyl, Ketyl, Acetyl, Amin, Amid, Oxiranyl und Glycidyl substituiert
sind und m=0 oder 1; m=0, 1 oder 2 darstellt.
[0071] Vorzugsweise sind nicht mehr als zwei der Reste R
1, R
2 und R
3 Wasserstoff, besonders bevorzugt ist maximal einer der Reste R
1, R
2 und R
3 Wasserstoff.
[0072] Zu den besonders bevorzugten Initiatoren gehören Benzylhalogenide, wie p-Chlormethylstyrol,
Hexakis(α-brommethyl)benzol, Benzylchlorid, Benzylbromid, 1-Bromi-phenylethan und
1-Chlor-i-phenylethan. Weiterhin besonders bevorzugt sind Carbonsäurederivate, die
an der α-Position halogeniert sind, wie beispielsweise Propyl-2-brompropionat, Methyl-2-chlorpropionat,
Ethyl-2-chlorpropionat, Methyl-2-brompropionat oder Ethyl-2-bromisobutyrat. Bevorzugt
sind auch Tosylhalogenide, wie p-Toluolsulfonylchlorid; Alkylhalogenide, wie Tetrachlormethan,
Tribromethan, 1-Vinylethylchlorid oder 1-Vinylethylbromid; und Halogenderivate von
Phosphorsäureestern, wie Dimethylphosphonsäurechlorid.
[0073] Eine besondere, zur Synthese von Blockcopolymeren geeignete Gruppe der Initiatoren
stellen die Makroinitiatoren dar. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass es sich bei
1 bis 3, bevorzugt 1 bis 2 und ganz besonders bevorzugt bei einem Rest aus der Gruppe
R
1, R
2 und R
3 um makromolekulare Reste handelt. Diese Makroreste können ausgewählt sein aus der
Gruppe der Polyolefine, wie Polyethylen oder Polypropylen; Polysiloxane; Polyether,
wie Polyethylenoxid oder Polypropylenoxid; Polyester, wie Polymilchsäure oder anderen
bekannten, endgruppenfunktionalisierbaren Makromoleküle. Dabei können die makromolekularen
Reste jeweils ein Molekulargewicht zwischen 500 und 100.000, bevorzugt zwischen 1.000
und 50.000 und besonders bevorzugt zwischen 1.500 und 20.000 aufweisen. Auch möglich
ist es, besagte Makromoleküle zur Initiierung der ATRP einzusetzen, die an beiden
Enden als Initiator geeignete Gruppen aufweisen, zum Beispiel in Form eines Bromtelechelen.
Mit Makroinitiatoren dieser Art ist es möglich ABA-Triblockcopolymere aufzubauen.
[0074] Eine weitere wichtige Gruppe der Initiatoren stellen die bi- oder multifunktionellen
Initiatoren dar. Mit multifunktionellen Initiatormolekülen ist es zum Beispiel möglich,
[0075] Sternpolymere zu synthetisieren. Mit bifunktionellen sind Tri- bzw.
[0076] Pentablockcopolymere und telechele Polymere darstellbar. Als bifunktionelle Initiatoren
können RO
2C-CHX-(CH
2)
n-CHX-CO
2R, RO
2C-C(CH
3)X-(CH
2)
n-C(CH
3)X-CO
2R, RO
2C-CX
2-(CH
2)
n-CX
2-CO
2R, RC(O)-CHX-(CH
2)
n-CHX-C(O)R, RC(O)-C(CH
3)X-(CH
2)
n-C(CH)
3X-C(O)R, RC(O)-CX
2-(CH
2)
n-CX
2-C(O)R, XCH
2-CO
2-(CH
2)
n-OC(O)CH
2X, CH
3CHX-CO
2-(CH
2)
n-OC(O)CHXCH
3, (CH
3)
2CX-CO
2-(CH
2)
n-OC(O)CX(CH
3)
2, X
2CH-CO
2-(CH
2)
n-OC(O)CHX
2, CH
3CX
2-CO
2-(CH
2)
n-OC(O)CX
2CH
3, XCH
2C(O)C(O)CH
2X, CH
3CHXC(O)C(O)CHXCH
3, XC(CH
3)
2C(O)C(O)CX(CH
3)
2, X
2CHC(O)C(O)CHX
2, CH
3CX
2C(O)C(O)CX
2CH
3, XCH
2-C(O)-CH
2X, CH
3-CHX-C(O)-CHX-CH
3, CX(CH
3)
2-C(O)- CX(CH
3)
2, X
2CH-C(O)-CHX
2, C
6H
5-CHX-(CH
2)
n-CHX-C
6H
5, C
6H
5-CX
2-(CH
2)
n-CX
2-C
6H
5, C
6H
5-CX
2-(CH
2)
n-CX
2-C
6H
5, o,- m- bzw. p-XCH
2-Ph-CH
2X, o,- m- bzw. p-CH
3CHX-Ph-CHXCH
3, o,- m- bzw. p-(CH
3)
2CX-Ph-CX(CH
3)
2, o,- m- bzw. p-CH
3CX
2-Ph-CX
2CH
3, o,- m- bzw. p-X
2CH-Ph-CHX
2, o,- m- bzw. p-XCH
2-CO
2-Ph-OC(O)CH
2X, o,- m-bzw. p-CH
3CHX-CO
2-Ph-OC(O)CHXCH
3, o,- m- bzw. p-(CH
3)
2CX-CO
2-Ph-OC(O)CX(CH
3)
2, CH
3CX
2-CO
2-Ph-OC(O)CX
2CH
3, o,- m- bzw. p-X
2CH-CO
2-Ph-OC(O)CHX
2 oder o,- m- bzw. p-XSO
2-Ph-SO
2X (X steht für Chlor, Brom oder Iod; Ph steht für Phenylen (C
6H
4); R repräsentiert einen aliphatischen Rest aus 1 bis 20 Kohlenstoffatomen, der linearer,
verzweigter oder auch cyclischer Struktur sein kann, gesättigt oder einfach bzw. mehrfach
ungesättigt sein kann und einen bzw. mehrere Aromaten enthalten kann oder aber aromatenfrei
ist und n ist eine Zahl zwischen 0 und 20) eingesetzt werden. Vorzugsweise werden
1,4-Butandiol-di-(2-bromo-2-methylpropionat), 1,2-Ethylenglycol-di-(2-bromo-2-methylpropionat),
2,5-Dibromadipinsäure-di-ethylester oder 2,3-Dibrom-maleinsäure-di-ethylester verwendet.
Aus dem Verhältnis Initiator zu Monomer ergibt sich das spätere Molekulargewicht,
falls das gesamte Monomer umgesetzt wird.
[0077] Katalysatoren für ATPR sind in
Chem.Rev. 2001, 101, 2921 aufgeführt. Es werden überwiegend Kupferkomplexe beschrieben - unter anderem kommen
aber auch Eisen-, Kobalt-, Chrom-, Mangan-, Molybdän-, Silber-, Zink-, Palladium-,
Rhodium-, Platin-, Ruthenium-, Iridium-, Ytterbium-, Samarium-, Rhenium- und/oder
Nickelverbindungen zur Anwendung. Allgemein können alle Übergangsmetallverbindungen
verwendet werden, die mit dem Initiator, bzw. der Polymerkette, die eine übertragbare
Atomgruppe aufweist, einen Redox-Zyklus bilden können. Kupfer kann dazu beispielsweise
ausgehend von Cu
2O, CuBr, CuCl, Cul, CuN
3, CuSCN, CuCN, CuNO
2, CuNO
3, CuBF
4, Cu(CH
3COO) oder Cu(CF
3COO) dem System zugeführt werden.
[0078] Eine Alternative zu der beschriebenen ATRP stellt eine Variante derselben dar: In
der so genannten reversen ATRP können Verbindungen in höheren Oxidationsstufen wie
z.B. CuBr
2, CuCl
2, CuO, CrCl
3, Fe
2O
3 oder FeBr
3 eingesetzt werden. In diesen Fällen kann die Reaktion mit Hilfe klassischer Radikalbildner
wie beispielsweise AIBN initiiert werden. Hierbei werden die Übergangsmetallverbindungen
zunächst reduziert, da sie mit den aus den klassischen Radikalbildnern erzeugten Radikalen
umgesetzt werden. Die reverse ATRP wurde u.a.
von Wang und Matyjaszewski in Macromolekules (1995), Bd. 28, S. 7572ff beschrieben.
[0079] Eine Variante der reversen ATRP stellt der zusätzliche Einsatz von Metallen in der
Oxidationsstufe null dar. Durch eine anzunehmende Komproportionierung mit den Übergangsmetallverbindungen
der höheren Oxidationsstufe wird eine Beschleunigung der Reaktionsgeschwindigkeit
bewirkt. Dieses Verfahren wird in
WO 98/40415 näher beschrieben.
[0080] Das molare Verhältnis Übergangsmetall zu monofunktionellem Initiator liegt im Allgemeinen
im Bereich von 0,01:1 bis 10:1, vorzugsweise im Bereich von 0,1:1 bis 3:1 und besonders
bevorzugt im Bereich von 0,5:1 bis 2:1, ohne dass hierdurch eine Beschränkung erfolgen
soll.
[0081] Das molare Verhältnis Übergangsmetall zu bifunktionellem Initiator liegt im Allgemeinen
im Bereich von 0,02:1 bis 20:1, vorzugsweise im Bereich von 0,2:1 bis 6:1 und besonders
bevorzugt im Bereich von 1:1 bis 4:1, ohne dass hierdurch eine Beschränkung erfolgen
soll.
[0082] Um die Löslichkeit der Metalle in organischen Lösungsmitteln zu erhöhen und gleichzeitig
die Bildung stabiler und dadurch polymerisationsinaktiver Organometallverbindungen
zu vermeiden, werden Liganden dem System zugegeben. Zusätzlich erleichtern die Liganden
die Abstraktion der übertragbaren Atomgruppe durch die Übergangsmetallverbindung.
Eine Auflistung bekannter Liganden findet sich beispielsweise in
WO 97/18247,
WO 97/47661 oder
WO 98/40415. Als koordinativer Bestandteil weisen die als Ligand verwendeten Verbindungen zumeist
ein oder mehrere Stickstoff-, Sauerstoff-, Phosphor- und/oder Schwefelatome auf. Besonders
bevorzugt sind dabei stickstoffhaltige Verbindungen. Ganz besonders bevorzugt sind
stickstoffhaltige Chelatliganden. Als Beispiele seien 2,2'-Bipyridin, N,N,N',N",N"-Pentamethyldiethylentriamin
(PMDETA), Tris(2-aminoethyl)amin (TREN), N,N,N',N'-Tetramethylethylendiamin oder 1,1,4,7,10,10-Hexamethyltriethylentetramin
aufgeführt. Wertvolle Hinweise zur Auswahl und Kombination der einzelnen Komponenten
findet der Fachmann in
WO 98/40415.
[0083] Diese Liganden können in situ mit den Metallverbindungen Koordinationsverbindungen
bilden oder sie können zunächst als Koordinätionsverbindungen hergestellt werden und
anschließend in die Reaktionsmischung gegeben werden.
[0084] Das Verhältnis Ligand (L) zu Übergangsmetall ist abhängig von der Zähnigkeit des
Liganden und der Koordinationszahl des Übergangsmetalls (M). Im Allgemeinen liegt
das molare Verhältnis im Bereich 100:1 bis 0,1:1, vorzugsweise 6:1 bis 0,1:1 und besonders
bevorzugt 3:1 bis 1:1, ohne dass hierdurch eine Beschränkung erfolgen soll.
[0085] Entscheidend für die vorliegende Erfindung ist, dass die Liganden protonierbar sind.
[0086] Bevorzugt sind Liganden, die in der Koordinationsverbindung in einem Verhältnis von
1:1 zum Übergangsmetall vorliegen. Bei Verwendung von Liganden wie 2,2'-Bipyridin,
die in einem Verhältnis zum Übergangsmetall von 2:1 im Komplex gebunden sind, kann
eine vollständige Protonierung nur erfolgen, wenn das Übergangsmetall in einem deutlichen
Unterschuss von z.B. 1:2 zum aktiven Kettenende X eingesetzt wird. Eine solche Polymerisation
wäre jedoch gegenüber einer mit äquivalenten Komplex-X-Verhältnissen stark verlangsamt.
[0087] Für die erfindungsgemäßen silylfunktionalisierten Produkte ergibt sich ein breites
Anwendungsfeld. Die Auswahl der Anwendungsbeispiele ist nicht dazu geeignet die Verwendung
der erfindungsgemäßen Polymere einzuschränken. Die Beispiele sollen einzig dazu dienen,
stichprobenartig die breite Einsatzmöglichkeit der beschriebenen Polymere darzustellen.
Beispielsweise werden mittels ATRP synthetisierte Polymere als Bindemittel in Formulierungen
für Hotmelts, Klebstoffe, elastische Klebstoffe, Dichtmassen, Heißsiegelmassen, harte
oder weiche Schäume, Farben bzw. Lacken, Abformmassen, Vergussmassen, Bodenbeläge
oder in Verpackungen. Auch können Sie Anwendung als Dispergiermittel, als Polymeradditiv
oder als Präpolymere für polymeranaloge Reaktionen bzw. zum Aufbau von Blockcopolymeren
finden. Bevorzugt lassen sich mit den neuen Bindemitteln Kleb- und Dichtstoffe herstellen.
[0088] Diese neuen Bindemitteln können sowohl in einkomponentigen wie auch zweikomponentigen
Formulierungen eingesetzt werden. In Zweikomponentensystemen ist zum Beispiel eine
Coformulierung mit silylierten Polyurethanen denkbar.
[0089] Weitere übliche Bestandteile solcher Formulierungen sind neben den Bindemitteln Lösungsmittel,
Füllstoffe, Pigmente, Weichmacher, Stabilisierungsadditive, Wasserfänger, Haftvermittler,
Thixotropiermittel, Vernetzungskatalysatoren, Tackifier und weitere, dem Fachmann
bekannte Bestandteile.
[0090] Die im Folgenden gegebenen Beispiele werden zur besseren Veranschaulichung der vorliegenden
Erfindung gegeben.
Beispiele
[0091] Die vorliegenden Beispiele wurden auf den ATRP-Prozess bezogen. Dabei wurden die
Polymerisationsparameter dergestalt ausgewählt, dass mit besonders hohen Kupferkonzentrationen
gearbeitet werden musste: niedriges Molekulargewicht, 50%ige Lösung und bifunktioneller
Initiator.
Beispiel 1
[0092] In einem mit Rührer, Thermometer, Rückflusskühler, Stickstoffeinleitungsrohr und
Tropftrichter ausgestatteten Doppelmantelgefäß wurden unter N
2-Atmosphäre 10 g Methylmethacrylat, 15,8 g Butylacetat, 0,2 g Kupfer(I)oxid und 0,5
g PMDETA vorgelegt. Die Lösung wird für 15 min. bei 60 °C gerührt. Anschließend wird
bei gleicher Temperatur 0,47 g 1,4-Butandiol-di-(2-bromo-2-methylpropionat) zugegeben.
Es wird für eine Polymerisationszeit von 4 Stunden bei 70 °C gerührt. Nach ca. 5 min
Einleiten von Luftsauerstoff zum Abbruch der Reaktion werden 0,25 g 3-Mercaptopropyltrimethoxysilan
zugegeben. Die zuvor grünliche Lösung färbt sich spontan rötlich und ein roter Niederschlag
fällt aus. Die Filtration erfolgt mittels einer Überdruckfiltration. Das mittlere
Molekulargewicht und die Molekulargewichtsverteilung werden anschließend durch GPC-Messungen
bestimmt. Von einer getrockneten Probe des Filtrats wird anschließend mittels AAS
der Kupfergehalt bestimmt.
[0093] Die verbleibende Lösung wird mit 8 g Tonsil Optimum 210 FF (Fa. Südchemie) versetzt,
30 min gerührt und anschließend unter Überdruck über einen Aktivkohlefilter (AKS 5
der Fa. Pall Seitz Schenk) filtriert. Zuvor konnte die Bildung eines farblosen Niederschlags
beobachtet werden. Zur weiteren Analyse wird eine Probe dieses Feststoffs isoliert.
Auch von dem zweiten Filtrat wird mittels AAS der Kupfergehalt einer getrockneten
Probe bestimmt und eine GPC-Messung vorgenommen.
Beispiel 2
[0094] In einem mit Rührer, Thermometer, Rückflusskühler, Stickstoffeinleitungsrohr und
Tropftrichter ausgestatteten Doppelmantelgefäß wurden unter N
2-Atmosphäre 7,5 g Methylmethacrylat, 15,8 g Butylacetat, 0,2 g Kupfer(I)oxid und 0,5
g PMDETA vorgelegt. Die Lösung wird für 15 min. bei 60 °C gerührt. Anschließend wird
bei gleicher Temperatur 0,47 g 1,4-Butandiol-di-(2-bromo-2-methylpropionat) zugegeben.
Es wird für eine Polymerisationszeit von 2,5 Stunden bei 70 °C gerührt und anschließend
eine Probe zur GPC Messung entnommen. Darauf werden 2,5g n-Butylacrylat zugegeben
und weitere 90 min bei 70 °C gerührt. Nach ca. 5 min Einleiten von Luftsauerstoff
zum Abbruch der Reaktion werden 0,25 g 3-Mercaptopropyltrimethoxysilan zugegeben.
Die zuvor grünliche Lösung färbt sich spontan rötlich und ein roter Niederschlag fällt
aus. Die Filtration erfolgt mittels einer Überdruckfiltration. Das mittlere Molekulargewicht
und die Molekulargewichtsverteilung werden anschließend durch GPC-Messungen bestimmt.
Von einer getrockneten Probe des Filtrats wird anschließend mittels AAS der Kupfergehalt
bestimmt.
[0095] Die verbleibende Lösung wird mit 8 g Tonsil Optimum 210 FF (Fa. Südchemie) versetzt,
30 min gerührt und anschließend unter Überdruck über einen Aktivkohlefilter (AKS 5
der Fa. Pall Seitz Schenk) filtriert. Zuvor konnte die Bildung eines farblosen Niederschlags
beobachtet werden. Zur weiteren Analyse wird eine Probe dieses Feststoffs isoliert.
Auch von dem zweiten Filtrat wird mittels AAS der Kupfergehalt einer getrockneten
Probe bestimmt und eine GPC-Messung vorgenommen.
Vergleichsbeispiel 1
[0096] In einem mit Rührer, Thermometer, Rückflusskühler, Stickstoffeinleitungsrohr und
Tropftrichter ausgestatteten Doppelmantelgefäß wurden unter N
2-Atmosphäre 10 g Methylmethacrylat, 15,8 g Butylacetat, 0,2 g Kupfer(I)oxid und 0,5
g PMDETA vorgelegt. Die Lösung wird für 15 min. bei 60 °C gerührt. Anschließend wird
bei gleicher Temperatur 0,47 g 1,4-Butandiol-di-(2-bromo-2-methylpropionat) zugegeben.
Es wird für eine Polymerisationszeit von 4 Stunden bei 70 °C gerührt. Nach ca. 5 min
Einleiten von Luftsauerstoff zum Abbruch der Reaktion werden der Lösung 8 g Tonsil
Optimum 210 FF (Fa. Südchemie) und 4 Gew% Wasser zugesetzt und 60 min gerührt. Die
Filtration erfolgt mittels einer Überdruckfiltration über einen Aktivkohlefilter (AKS
5 der Fa. Pall Seitz Schenk). Das mittlere Molekulargewicht und die Molekulargewichtsverteilung
werden anschließend durch GPC-Messungen bestimmt. Von einer getrockneten Probe des
Filtrats wird anschließend mittels AAS der Kupfergehalt bestimmt.
Tabelle 1
| Beispiel |
Beispiel 1 |
Beispiel 2 |
Vergleich 1 |
| Monomer |
MMA |
MMA / n-BA |
MMA |
| Cu-Konzentration (Polymerisation) |
ca. 5,5 mg/g |
| Schwefelverbindung |
3-Mercapto-propyltrimethoxysilan |
- |
| Adsorptionsmittel |
- |
- |
Alox/Silica |
| Cu-Konzentration (2. Filtration) |
0,2 µg/g |
0,3 µg/g |
20 µg/g |
| Äquivalente zu Cu |
1,27 |
1,27 |
- |
Mn
(erste Stufe) |
- |
6900 |
- |
Mw/Mn
(erste Stufe) |
- |
1,19 |
- |
Mn
(vor Reinigung) |
8200 |
8500 |
8800 |
Mw/Mn
(vor Reinigung) |
1,21 |
1,17 |
1,20 |
Mn
(nach Reinigung) |
8200 |
8600 |
8900 |
Mw/Mn
(nach Reinigung) |
1,31 (Dimerisierung) |
1,18 |
1,21 |
| MMA= Methylmethacrylat; Alox= Aluminiumoxid |
[0097] Aus den Beispielen ist klar ersichtlich, dass die bereits sehr guten Ergebnisse mit
Adsorptionsmitteln zur Entfernung von Übergangsmetallkomplexen (in diesem Fall Kupferkomplexen)
aus Polymerlösungen durch die vorhergehende Fällung mit Schwefelverbindungen klar
verbessert werden können.
[0098] Der Nachweis der Endgruppensubstitution erfolgt gleich mehrfach durch Charakteriseirung
verschiedener Bestandteile der aufgearbeiteten Polymerlösung:
- 1.) der Kupferniederschlag: der rote Niederschlag, der sich bei Zugabe der Schwefelreagenzien
bildet, zeigt mit < 10 ppm einen äußerst geringen Schwefelanteil, so dass eine Fällung
des Metalls als Sulfid ausgeschlossen werden kann.
- 2.) Das Polymer: Die Elementaranalyse der Polymerlösung zeigt auch nach Entfernen
des zweiten, farblosen Niederschlags einen sehr hohen Schwefelgehalt. Nahezu der gesamte
dem System zugesetzte Schwefel findet sich in der Lösung bzw. im getrockneten Produkt
wieder. Dies entspricht 65% des eingesetzten bzw. ca. 90% des Schwefelgehalts, der
bei einer theoretischen vollständigen Endgruppen Substitution unter vollständiger
Vermeidung vorhergehender Abbruchreaktionen zu erwarten wäre.
- 3.) Der zweite, farblose Niederschlag: Sowohl 1H-NMR-Untersuchungen als auch IR-Spektroskopie zeigten, dass es sich bei dem Niederschlag
um das Ammoniumsalz des einfach protonierten Triamins PMDETA handelt. Eine Elementaranalyse
zeigte, dass dieser Niederschlag schwefelfrei ist. Mittels Ionenchromatographie konnte
je nach Probe ein Bromidgehalt zwischen 32 Gew% und 37 Gew% nachgewiesen werden. Dieser
Wert entspricht dem Gehalt in einem reinen PMDETA-Ammoniumbromid.
- 4.) In der NMR Untersuchung konnte eine Verschiebung der in α-Stellung zur ursprünglichen
Thiolgruppe vorliegenden Methylenprotonen detektiert werden. Dies ist ein klares Indiz
auf die Ausbildung einer Thioethergruppe.
[0099] Aus den Ergebnissen zu Beispiel 1 erkennt man, dass entsprechende Schwefelverbindungen
bezogen auf die Übergangsmetallverbindung bereits in kleinstem Überschuss eingesetzt
zu einer sehr effizienten Fällung und einem hohen
[0100] Funktionalisierungsgrad führen. Man erkennt aus den Beispielen auch, dass mit Thiol
funktionalisierten Reagenzien eine effizientere Entfernung der
Übergangsmetallverbindungen aus der Lösung realisierbar ist, als dies durch eine bereits
optimierte Aufarbeitung mit Adsorptionsmitteln möglich ist.
[0101] Aus dem Vergleich der Molekulargewichte und Molekulargewichtsverteilungen vor und
nach der Aufarbeitung erkennt man, dass die angewendeten Methoden mit Ausnahme der
Substitution der Endgruppen keinen Einfluss auf die Polymercharakteristika haben.
In Beispiel 2 konnte in der GPC Messung ein zusätzliches höhermolekulares Signal festgestellt
werden. Dieses ist auf eine Dimerisierung von Ketten unter Ausbildung von Si-O-Si
Bindungen zurückzuführen und stellt ein weiteres Indiz für die erfolgreiche Substitution
dar. Unter trockenen Lagerungsbedingungen ist eine solche Dimerisierung vermeidbar.
1. Verfahren zur Herstellung von Polymeren mit Silylendgruppen,
dadurch gekennzeichnet, dass
Halogenatome an Polymerkettenenden mittels Zusatz einer geeigneten silylfunktionalisierten
Schwefelverbindung substituiert werden, und dass die Polymere durch Polymerisation
von Styrolen, Alkylacrylaten und/oder Alkylmethacrylaten und/oder Mischungen, die
überwiegen aus Styrolen, Alkylacrylaten und/oder Alkylmethacrylaten bestehen, erhältlich
sind.
2. Verfahren zur Herstellung von Polymeren mit Silylendgruppen gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
zur Abtrennung von Übergangsmetallverbindungen aus Polymerlösungen die Übergangsmetallverbindung
mittels Zusatz einer Schwefelverbindung gefällt und anschließend mittels Filtration
abgetrennt wird.
3. Verfahren zur Herstellung von Polymeren mit Silylendgruppen gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
zur gleichzeitigen Entfernung von Halogenatomen aus Polymeren die Halogenatome zu
über 90% durch den Zusatz der Schwefelverbindung substituiert werden.
4. Verfahren zur Herstellung von Polymeren mit Silylendgruppen,
dadurch gekennzeichnet, dass
es sich bei besagten Schwefelverbindungen aus den Ansprüchen 1 bis 3 um dieselbe Schwefelverbindung
handelt und dass alle drei Verfahrensschritte simultan ablaufen.
5. Verfahren zur Herstellung von Polymeren mit Silylendgruppen gemäß Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
es sich bei der Schwefelverbindung um ein Mercaptan oder eine andere organische Verbindung
mit einer Thiolgruppe handelt, dass besagte Schwefelverbindung eine zusätzliche Funktionalität
aufweist, und dass es sich bei der weiteren Funktionalität um eine Silylgruppe handelt.
6. Verfahren zur Herstellung von Polymeren mit Silylendgruppen gemäß Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
es sich bei den Schwefelverbindungen um silylfunktionalisierte Mercaptane der Formel
handelt
HS-R
1-((SiR
2o(OR
3)
p)
y(SiR
2n(OR
3)
m)
z)
x,
wobei gilt:
R1 steht für einen Alkylrest mit einem bis 20 Kohlenstoffatomen,
bei x handelt es sich um eine Zahl zwischen 1 und 10,
R2 und R3 stehen jeweils für Alkylreste mit einem bis 20 Kohlenstoffatomen,
mit o und p sind jeweils Zahlen zwischen 0 und 2 gemeint, die im Falle einer zweibindigen
Silylgruppe in Summe 2 ergeben, im Falle einer dreibindigen in Summe 1 und im Falle
einer vierbindigen Silylgruppe ein Summe 0 ergeben,
y ist eine beliebige Zahl zwischen 0 und 20,
z ist abhängig von der Anzahl drei- bzw. vierbindiger, d.h. verzweigender Silylgruppen,
zwischen R1 und den Endgruppen und ist mindestens gleich 1 und mit m und n sind jeweils Zahlen
zwischen 0 und 3 gemeint, die in Summe 3 ergeben.
7. Verfahren zur Herstellung von Polymeren mit Silylendgruppen gemäß Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
es sich bei den Schwefelverbindungen zum silylfunktionalisierte Mercaptane der Formel
handelt
HS-R
1-(SiR
2n(OR
3)
m),
wobei gilt:
R1 steht für -CH2-, -CH2CH2- oder -(CH2)3-,
Bei x handelt es sich um 1,
R2 und R3 stehen jeweils für Methyl- und/oder Ethylgruppen,
und mit m und n sind jeweils Zahlen zwischen 0 und 3 gemeint,
dabei ist m gleich 2 oder 3.
8. Verfahren zur Herstellung von Polymeren mit Silylendgruppen gemäß Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
es sich bei der Schwefelverbindung um Mercaptomethylmethyldiethoxysilan, 3-Mercaptopropyltrimethoxysilan,
3-Mercaptopropyltriethoxysilan oder 3-Mercaptopropylmethyldimethoxysilan handelt.
9. Verfahren zur Herstellung von Polymeren mit Silylendgruppen gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Schwefelverbindung nach oder während des Abbruchs einer Polymerisation zugegeben
wird, und dass es sich um eine Polymerisation nach dem ATRP-Verfahren handelt.
10. Verfahren gemäß Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
es sich bei der als Katalysator in der Polymerisation eingesetzten Übergangsmetallverbindung
um eine Kupferverbindung handelt.
11. Verfahren gemäß Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, dass
man in der vorangehenden Polymerisation einen Initiator einsetzt, der eine aktive
Gruppe X aufweist, dass es sich bei der aktiven Gruppe X um Cl, Br, I, SCN und/oder
N3 handelt, und dass der Initiator bezüglich der aktiven Gruppen ein-, zwei- oder mehrwertig
sein kann.
12. Verfahren gemäß Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
die aktive Gruppe X an den Kettenenden der Polymere durch die Schwefelverbindung gemäß
den Ansprüchen 1-13 zu einem Thioether unter Freisetzung einer Säure der Form X-H
substituiert werden.
13. Verfahren gemäß Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Katalysator vor der Polymerisation mit einem N-haltige Chelatliganden, der eine
oder mehrere koordinative Bindungen mit dem Übergangsmetall zu einem Metall-Ligand-Komplex
eingehen kann, zusammengebracht wird, dass der Ligand von der Säure X-H protoniert
wird, und dass der Ligand durch die Protonierung von dem koordinierten Übergangsmetall
gelöst wird.
14. Verfahren gemäß Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Übergangsmetall durch die Entfernung des Liganden ausfällt, und dass der Metallgehalt
in der Polymerlösung durch die Fällung und die anschließende Filtration um mindestens
95 % abnimmt,
15. Polymere, herstellbar nach dem Verfahren gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
sie mittels ATRP hergestellt wurden, eine Molekulargewichtsverteilung kleiner 1,5
aufweisen, einen Halogengehalt kleiner 0,1 Gew.-% aufweisen und zumindest eine Silylgruppe
und eine Thioethergruppe an einem der Kettenenden aufweisen.
16. Lineare Polymere gemäß Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet, dass
sie mit einem bifunktionellen Initiator hergestellt wurden, einen Halogengehalt kleiner
0,1 Gew.-% aufweisen und an beiden Kettenenden Silylgruppen und Thioethergruppen aufweisen.
17. Lineare Polymere gemäß Anspruch 16,
dadurch gekennzeichnet, dass
sie mit einem bifunktionellen Initiator hergestellt wurden, einen Halogengehalt kleiner
0,01 Gew.-% aufweisen, eine ABA-Triblockstruktur und an beiden Kettenenden Silylgruppen
und Thioethergruppen aufweisen.
18. Verwendung der gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche aufgearbeiteten, silyltelechelen
Polymere in Hotmelts, Klebstoffen, Dichtmassen, Heißsiegelmassen, harte oder weiche
Schäume, für polymeranaloge Reaktionen, in kosmetischen Anwendungen, in Farben oder
Lacken, als Abformmassen, als Vergussmassen, in Bodenbelägen, als Dispergiermittel,
als Polymeradditiv oder in Verpackungen.
1. Process for preparing polymers with silyl end groups,
characterized in that
halogen atoms at polymer chain ends are substituted by means of addition of a suitable
silyl-functionalized sulphur compound, and in that the polymers are obtainable by polymerizing styrenes, alkyl acrylates and/or alkyl
methacrylates and/or mixtures which consist predominantly of styrenes, alkyl acrylates
and/or alkyl methacrylates.
2. Process for preparing polymers with silyl end groups according to Claim 1,
characterized in that
transition metal compounds are removed from polymer solutions by precipitating the
transition metal compound by means of addition of a sulphur compound and then removing
it by means of filtration.
3. Process for preparing polymers with silyl end groups according to Claim 1,
characterized in that
halogen atoms are removed simultaneously from polymers by substituting the halogen
atoms to an extent of more than 90% by the addition of the sulphur compound.
4. Process for preparing polymers with silyl end groups,
characterized in that
said sulphur compounds from Claims 1 to 3 are the same sulphur compound and all three
process steps proceed simultaneously.
5. Process for preparing polymers with silyl end groups according to Claim 4,
characterized in that
the sulphur compound is a mercaptan or another organic compound having a thiol group,
in that said sulphur compound has an additional functionality, and in that the further functionality is a silyl group.
6. Process for preparing polymers with silyl end groups according to Claim 5,
characterized in that
the sulphur compounds are silyl-functionalized mercaptans of the formula
HS-R
1-((SiR
2o(OR
3)
p)
y(SiR
2n(OR
3)
m)
z)
x
where:
R1 is an alkyl radical having one to 20 carbon atoms,
x is from 1 to 10,
R2 and R3 are each alkyl radicals having one to 20 carbon atoms,
o and p each mean numbers from 0 to 2, which add up to 2 in the case of a divalent
silyl group, add up to 1 in the case of a trivalent silyl group and add up to 0 in
the case of a tetravalent silyl group,
y is any number from 0 to 20,
z depends on the number of tri- or tetravalent, i.e. branching, silyl groups between
R1 and the end groups and is at least 1, and where m and n are each from 0 to 3, and
add up to 3.
7. Process for preparing polymers with silyl end groups according to Claim 6,
characterized in that
the sulphur compounds are silyl-functionalized mercaptans of the formula
HS-R
1-(SiR
2n(OR
3)
m
where:
R1 is -CH2-, -CH2CH2- or -(CH2)3-,
x is 1,
R2 and R3 are ach methyl and/or ethyl groups, and m and n each mean numbers from 0 to 3, where
m is 2 or 3.
8. Process for preparing polymers with silyl end groups according to Claim 7,
characterized in that
the sulphur compound is mercaptomethylmethyldiethoxysilane, 3-mercaptopropyltrimethoxysilane,
3-mercaptopropyltriethoxysilane or 3-mercaptopropylmethyldimethoxysilane.
9. Process for preparing polymers with silyl end groups according to Claim 1,
characterized in that
the sulphur compound is added after or during the termination of a polymerization,
and in that the polymerization is by the ATRP process.
10. Process according to Claim 9,
characterized in that
the transition metal compound used as a catalyst in the polymerization is a copper
compound.
11. Process according to Claim 10,
characterized in that
an initiator which has an active group X is used in the preceding polymerization,
in that the active X group is Cl, Br, I, SCN and/or N3, and in that the initiator may be mono-, di- or polyfunctional with regard to the active groups.
12. Process according to Claim 11,
characterized in that
the active X group on the chain ends of the polymers is substituted by the sulphur
compound according to Claims 1-13 to give a thioether with release of an acid of the
form X-H.
13. Process according to Claim 9,
characterized in that
the catalyst is combined before the polymerization with a nitrogen-containing chelate
ligand which can enter into one or more coordinate bonds with the transition metal
to give a metal-ligand complex, in that the ligand is protonated by the acid X-H, and in that the ligand is removed from the coordinated transition metal by the protonation.
14. Process according to Claim 13,
characterized in that
the transition metal is precipitated by the removal of the ligand, and in that the metal content in the polymer solution decreases by at least 95% as a result of
the precipitation and the subsequent filtration.
15. Polymers preparable by the process according to Claim 1,
characterized in that
they have been prepared by means of ATRP, have a molecular weight distribution of
less than 1.5, have a halogen content of less than 0.1% by weight and have at least
one silyl group and one thioether group on one of the chain ends.
16. Linear polymers according to Claim 15, characterized in that
they have been prepared with a bifunctional initiator, have a halogen content of less
than 0.1% by weight and have silyl groups and thioether groups on both chain ends.
17. Linear polymers according to Claim 16, characterized in that
they have been prepared with a bifunctional initiator, have a halogen content of less
than 0.01% by weight, have an ABA triblock structure and have silyl groups and thioether
groups on both chain ends.
18. Use of the silyl-telechelic polymers worked up according to one of the preceding claims
in hotmelts, adhesives, sealant materials, heat-sealing lacquers, rigid or flexible
foams, for polymer-analogous reactions, in cosmetic applications, in paints or varnishes,
as moulding materials, as casting materials, in floor coverings, as dispersants, as
polymer additives or in packagings.
1. Procédé pour la préparation de polymères présentant des groupes silyle terminaux,
caractérisé en ce que des atomes d'halogène aux extrémités des polymères sont substitués par addition d'un
composé soufré fonctionnalisé par silyle approprié et en ce que les polymères sont obtenus par polymérisation de styrènes, d'acrylates d'alkyle et/ou
de méthacrylates d'alkyle et/ou de mélanges, qui sont principalement constitués de
styrènes, d'acrylates d'alkyle et/ou de méthacrylates d'alkyle.
2. Procédé pour la préparation de polymères présentant des groupes silyle terminaux selon
la revendication 1, caractérisé en ce que pour la séparation des composés de métal de transition des solutions de polymères,
le composé de métal de transition est précipité par addition d'un composé soufré et
ensuite séparé par filtration.
3. Procédé pour la préparation de polymères présentant des groupes silyle terminaux selon
la revendication 1, caractérisé en ce que, pour l'élimination simultanée d'atomes d'halogène des polymères, les atomes d'halogène
sont substitués à raison de plus de 90% par l'addition du composé soufré.
4. Procédé pour la préparation de polymères présentant des groupes silyle terminaux,
caractérisé en ce qu'il s'agit, pour lesdits composés soufrés des revendications 1 à 3, du même composé
soufré que en ce que les trois étapes de procédé se déroulent simultanément.
5. Procédé pour la préparation de polymères présentant des groupes silyle terminaux selon
la revendication 4, caractérisé en ce qu'il s'agit, pour le composé soufré, d'un mercaptan ou d'un autre composé organique
avec un groupe thiol, en ce que ledit composé soufré présente une fonctionnalité supplémentaire et en ce qu'il s'agit pour l'autre fonctionnalité, d'un groupe silyle.
6. Procédé pour la préparation de polymères présentant des groupes silyle terminaux selon
la revendication 5,
caractérisé en ce qu'il s'agit, pour les composés soufrés, de mercaptans fonctionnalisés par silyle de
formule
HS-R
1-((SiR
2o(OR
3)
p)
y(SiR
2n(OR
3)
m)
z)
x,
où
R1 représente un radical alkyle comprenant un à 20 atomes de carbone
il s'agit, pour x, d'un nombre entre 1 et 10,
R2 et R3 représentent à chaque fois des radicaux alkyle comprenant un à 20 atomes de carbone,
o et p représentent à chaque fois des nombres entre 0 et 2, dont la somme, dans le
cas d'un groupe silyle divalent, vaut 2, dans le cas d'un groupe silyle trivalent,
vaut 1 et dans le cas d'un groupe silyle tétravalent, vaut 0,
y est un nombre quelconque entre 0 et 20,
z dépend du nombre de groupes silyle trivalents ou tétravalents, c'est-à-dire formant
des ramifications, entre R1 et les groupes terminaux et est au moins égal à 1
et m et n valent à chaque fois des nombres entre 0 et 3, dont la somme vaut 3.
7. Procédé pour la préparation de polymères présentant des groupes silyle terminaux selon
la revendication 6,
caractérisé en ce qu'il s'agit, pour les composés soufrés, de mercaptans fonctionnalisés par silyle de
formule
HS-R
1-(SiR
2n (OR
3)
m),
où
R1 représente -CH2-, -CH2CH2- ou -(CH2)3-,
x vaut 1,
R2 et R3 représentent à chaque fois des groupes méthyle et/ou éthyle,
m et n valent à chaque fois des nombres entre 0 et 3,
m vaut 2 ou 3.
8. Procédé pour la préparation de polymères présentant des groupes silyle terminaux selon
la revendication 7, caractérisé en ce qu'il s'agit, pour le composé soufré, de mercaptométhylméthyldiéthoxysilane, de 3-mercaptopropyltriméthoxysilane,
de 3-mercaptopropyltriéthoxysilane ou de 3-mercaptopropylméthyldiméthoxysilane.
9. Procédé pour la préparation de polymères présentant des groupes silyle terminaux selon
la revendication 1, caractérisé en ce que le composé soufré est ajouté après ou pendant l'interruption d'une polymérisation
et en ce qu'il s'agit d'une polymérisation selon le procédé ATRP.
10. Procédé selon la revendication 9, caractérisé en ce qu'il s'agit, pour le composé de métal de transition utilisé comme catalyseur dans la
polymérisation, d'un composé cuivré.
11. Procédé selon la revendication 10, caractérisé en ce qu'on utilise dans la polymérisation préalable un initiateur qui présente un groupe actif
X, en ce qu'il s'agit, pour le groupe actif X, de Cl, Br, I, SCN et/ou de N3, et en ce que l'initiateur, par rapport aux groupes actifs, peut être monovalent, divalent ou polyvalent.
12. Procédé selon la revendication 11, caractérisé en ce que les groupes actifs X sont substitués aux extrémités de chaîne des polymères par le
composé soufré selon les revendications 1-13 en formant un thioéther avec libération
d'un acide de forme X-H.
13. Procédé selon la revendication 9, caractérisé en ce que le catalyseur est réuni, avant la polymérisation, avec un ligand de chélate contenant
N, qui peut former une ou plusieurs liaisons de coordination avec le métal de transition
en formant un complexe métal-ligand, en ce que le ligand est protoné par l'acide X-H, et en ce que le ligand est séparé par protonation du métal de transition coordiné.
14. Procédé selon la revendication 13, caractérisé en ce que le métal de transition précipite par l'élimination du ligand et en ce que la teneur en métal dans la solution polymère diminue d'au moins 95% par la précipitation
et la filtration consécutive.
15. Polymères, pouvant être préparés selon le procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu' i 1 s sont préparés par ATRP, présentent une répartition des poids moléculaires inférieure
à 1,5, présentent une teneur en halogène inférieure à 0,1% en poids et présentent
au moins un groupe silyle et un groupe thioéther en une des extrémités de chaîne.
16. Polymères linéaires selon la revendication 15, caractérisés en ce qu'ils sont préparés avec un initiateur difonctionnel, présentent une teneur en halogène
inférieure à 0,1% en poids et présentent, aux deux extrémités de chaîne, des groupes
silyle et des groupes thioéther.
17. Polymères linéaires selon la revendication 16, caractérisés en ce qu'ils sont préparés avec un initiateur difonctionnel, présentent une teneur en halogène
inférieure à 0,01% en poids, présentent une structure ABA à trois blocs et présentent,
aux deux extrémités de chaîne, des groupes silyle et des groupes thioéther.
18. Utilisation des polymères téléchéliques silyle préparés selon l'une quelconque des
revendications précédentes, dans des masses fondues à chaud, des adhésifs, des masses
d'étanchéité, des vernis thermoscellants, des mousses dures ou souples, pour des réactions
analogues à des polymères, dans des utilisations cosmétiques, dans des encres ou des
laques, comme masses de moulage, comme masses de coulage, dans des revêtements de
sol, comme dispersants, comme additif pour polymères ou dans des emballages.