[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung nach dem Oberbegriff des Hauptanspruches.
[0002] Die Geräuschunterdrückung bei Audiosignalen, insbesondere auch bei Sprachsignalen
gewinnt immer mehr an Bedeutung, so in der Telephonie, der automatischen Spracherkennung
oder, als nur eines von vielen weiteren Beispielen, bei digitalen Hörgeräten. Geräusche,
die es zu unterdrücken gilt, sind in erster Linie nicht-weißes Rauschen, nichtstationäre
Geräusche und stark impulsartige Geräusche.
[0003] Verfahren zur Geräuschunterdrückung für Audiosignale sind in einer großen Vielfalt
bekannt geworden, und als Beispiele seien genannt: Verfahren, bei welchen leise Audiosignale
zunächst angehoben und später wieder abgesenkt werden, wie Pre/Deemphase für den Rundfunk
oder die Dolby-Rauschunterdrückungsverfahren für Tonträgeraufzeichnungen. Weiters
Verfahren der spektralen Subtraktion, bei welchen z.B. in Gesprächspausen das Geräusch
geschätzt und dann von dem Eingangssignal abgezogen wird. Zu den letztgenannten Verfahren
zählen auch Wiener-Filter sowie Ephraim-Malah Filter mit adaptiver Verstärkung für
in mehrere Transformationskanäle aufgespaltete Signale. Die bekannten Verfahren sind
zum Teil nicht sehr wirkungsvoll, da sie von einem sehr vereinfachten Modell des Geräuschsignals
ausgehen, oder sie führen auf Grund einer blockweisen Verarbeitung des Eingangssignals
zu Artefakten, die sich als unangenehme Nebengeräusche bemerkbar machen, als so genannte
Musical Tones, die im Signal nach der Geräuschreduktion verbleiben. Viele Verfahren
führen auch zu einer relativ großen Verzögerung des Ausgangssignals.
[0004] Der Stand der Technik, von welchem die vorliegende Erfindung ausgeht, sind lineare
Prädiktionsfilter (LP-Filter), in direkter oder in Lattice-Form (Kreuzglied-Kettenfilter),
bei welchen Eigenschaften des gesamten Eingangssignals zur Einstellung der Filterkoeffizienten
herangezogen werden. Eine entsprechende Vorrichtung, wie z.B. in der
US 2001/0005822 A1 offenbart, besteht aus einem Lattice-Filter, dem ein Eingangssignal y(n) zugeführt
ist, welches eine Sprach/Audiokomponente sowie eine Geräuschkomponente aufweist. Für
die Einstellung der Komponenten ist eine Koeffizientenberechnungseinheit KBE vorgesehen,
welcher die Vorwärts- und Rückwärtsfehlersignale, diese beinhalten in der ersten Stufe
auch das Eingangssignal, zugeführt werden. Die Koeffizientenberechnungeinheit liefert
dem Filter sodann immer im Sinne einer Minimierung des Prädiktionsfehlers aktualisierte
Filterkoeffizienten. Eine Geräuschreduktion unter Verwendung linearer Prädiktionsfilter
ist unter anderem auch in der
GB 1 520 148 A oder in der
US 4, 587, 620 offenbart. Die Verfahren bzw. Vorrichtungen nach dem Stand der Technik gehen immer
von dem Eingangssignal aus, ohne dass die besonderen Eigenschaften des Sprachsignals
einerseits und des Geräusches andererseits ausreichend Berücksichtigung finden.
[0005] Bei der Vorrichtung nach der
US 7, 065,468 wird das Eingangssignal dazu herangezogen, die Koeffizienten für das Prädiktionsfilter
zu bestimmen (Einheit 212 bzw. 312 und 318) und aufgrund dieser Koeffizienten erfolgt
dann eine Schätzung des Sprachsignals wobei - unter Verwendung einer zusätzlichen
Sprachaktivitätsschätzungseinheit (VAD, Einheit 232 bzw. 332) eine Schätzung des Geräuschsignals,
nämlich in einer Einheit 234 bzw. 334 dazu erfolgt, mittels eines weiteren zweiten
Filters (Einheit 240 bzw. 340) eine Geräuschunterdrückung vorzunehmen.
[0006] Wesentliche Merkmale sind dabei, dass die Schätzung der Koeffizienten des linearen
Prädiktionsfilters (Einheit 214) bzw. der linearen Prädiktionsfilter (Einheit 314
und 320 in Fig. 3) nur unter Verwendung des Eingangssignals (bzw. des Fehlersignals
des ersten Prädiktionsfilters e ST(n) (Pfad 316)) vorgenommen wird. Ein weiterer wesentlicher
Unterschied zur Erfindung liegt darin, dass eine Sprachaktivitätsschätzung unabhängig
vom linearen Prädiktionsfilter 214 von den linearen Prädiktionsfiltem 314 und 320
ausgeführt wird, sowie, dass das eigentliche Filter zur Geräuschunterdrückung (Einheit
240 bzw. 340) selbst kein lineares Prädiktionsfilter darstellt. Dabei erfolgt die
Geräuschschätzung ("Update Noise Model") nur auf der Basis des Prädiktionsfehlers
(vgl. Anspruch 1 der
US 7, 065,468), wogegen, wie weiter unten beschrieben, bei der Erfindung die Geräuschschätzung
anhand der internen Signale des LP-Fehler-Filters durchgeführt wird. Dieser Unterschied
ist auch an Hand der Fig. 2 der
US 7, 065,468 ersichtlich.
[0007] Insgesamt zeigt die
US 7, 065,468 eine Struktur, die sich bereits von dem Stand der Technik nach der
US 2001/0005822 A1 unterscheidet und die noch dazu - verglichen mit der Erfindung - aufwändiger ist.
In der
US 7, 065,468 wird letztlich ein anderer Weg beschritten, der den Fachmann, dem die
US 2001/0005822 A1 bekannt ist und der sich die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe gestellt hat,
in eine andere Richtung als jene der Erfindung führen würde.
[0008] Als Publikationen auf diesem Gebiet seien weiters nachstehend genannt
[1] J. D. Markel and A. H. Gray, Jr., Linear Prediction of Speech. Berlin, Heidelberg,
New York: Springer, 1976.
[2] J. I. Makhoul and L.K. Cosell, "Adaptive lattice analysis of speech," IEEE Transactions
on Acoustics, Speech, and Signal Processing, vol. 29, pp.654-659, June 1981.
[3] M. L. Honig and D. G. Messerschmitt, Adaptive Filters: Structures, Algorithms, and
Applications. Boston-The Hague-London-Lancaster: Kluwer Academic Publishers,1984.
[4] A. Kawamura, K. Fujü, Y. Itoh, and Y. Fukui, "A noise reduction method based on linear
prediction analysis," Electronics and Communications in Japan, Part 3, vol. 86, no.
3, pp. 1-10, 2003.
[5] M. H. Savoji, "Effective noise reduction of speech signals using adaptive lattice
filtering, segmentation and soft decision," in IEE Colloquium on New Directions in
Adaptive Signal Processing, pp. 7/1-7/5, Feb. 1993.
[0009] Eine Aufgabe der Erfindung liegt in der Schaffung einer Vorrichtung zur Geräuschunterdrückung
für Audiosignale, insbesondere für Sprachsignale, welche ein praktisch unverzögertes
Ausgangs-Audiosignal liefert, das auch keine störenden Artefakte mit sich führt.
[0010] Diese Aufgabe wird mit einer Vorrichtung der eingangs genannten Art gelöst, welche
erfindungsgemäß die Merkmale des Kennzeichens des Anspruches 1 aufweist.
[0011] Zweckmäßige Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen 2 bis
9 gekennzeichnet.
[0012] Die Erfindung samt weiteren Vorteilen ist im folgenden an Hand beispielsweiser Ausführungsformen
näher erläutert, die in der Zeichnung veranschaulicht sind. In dieser zeigen
Fig. 1 ein Lattice-Filter nach dem Stand der Technik,
Fig. 2 aus dem geräuschbehafteten Signal ohne Korrektur berechnete Werte des Reflexionskoeffizienten
in einem Diagramm,
Fig. 3 a und b den Frequenzgang von im Rahmen der Erfindung verwendeten Tiefpässen,
Fig. 4 den zeitlichen Verlauf sowie das Spektrogramm eines geräuschbehafteten Eingangssignals
(oben) und dessen Geräuschbefreiung (unten) nach der Erfindung,
Fig. 5 das Blockschaltbild einer prinzipiellen Vorrichtung zur Geräuschbefreiung nach
dem Stand der Technik
Fig. 6 das Blockschaltbild einer ersten Ausführungsform einer Vorrichtung nach der
Erfindung,
Fig. 7 das Blockschaltbild einer zweiten Ausführungsform einer Vorrichtung nach der
Erfindung und
Fig. 8 das Blockschaltbild einer prinzipiellen Vorrichtung zur Geräuschbefreiung nach
dem Stand der Technik unter Verwendung eines LP-Fehler-Filters in direkter Filterform
(DFF).
[0013] Lineare Prädiktion wird üblicherweise auf ein Sprachsignal
x(
n) angewendet, beispielsweise um die Varianz eines Sprachsignals für dessen Übertragung
zu reduzieren. Um einen Signalwert vorher zu sagen, werden langsam zeitveränderliche
FIR-Filter (finite impulse response filter, Filter mit endlicher Impulsantwort) niedriger
Ordnung verwendet

[0014] Hier bedeuten
M die Ordnung des LP-Filters und
bi(
n) die Filterkoeffizienten, die auf Basis der Signaleigenschaften geschätzt und rahmenweise,
z.B. alle 10 ms, aufgefrischt werden. Algorithmen welche die Koeffizienten bi(n) für
das Filter direkt ergeben sind das so genannte "Autokorrelationsverfahren" oder das
"Kovarianzverfahren". Die zur Modellierung der spektralen Hüllkurve üblicherweise
verwendete Filterordnung liegt, abhängig von der Abtastrate, bei M =10...20.
[0015] Ein dem eben beschriebenen direkten FIR-Filter ebenbürtiges ist das bereits genannte
Lattice-Filter, welches einen unmittelbaren Bezug zum menschlichen Stimmtrakt besitzt
[1].
[0016] Charakterisiert ist ein solches Filter durch die Gleichungen

welche zu jedem Zeitpunkt n für alle Gliederstufen
m = 1...M berechnet werden. Dabei bedeuten
fm(
n) und
bm(
n) den Vorwärts- bzw. Rückwärts-Fehler in der Stufe
m zur Zeit
n und
km(
n) die Reflexionskoeffizienten des Filters. Hier sei angemerkt, dass bei einer verallgemeinerten
Darstellung die Reflexionskoeffizienten in (2) und (3) unterschiedlich sind, hier
jedoch gleiche Reflexionskoeffizienten für vorwärts und rückwärts verwendet werden.
In Fig. 1 ist ein Lattice-Filter wie eben beschrieben schematisch dargestellt. Auf
ein solches Filter bezieht sich beispielsweise Patentanspruch 6.
[0017] Der Vorwärtsfehler in der Stufe
M ist das Vorhersage-Fehlersignal des LP-Filters:

[0018] Optimale Reflexionskoeffizienten
km zur Minimierung des quadratischen Mittelwertes des Vorhersagefehlers eines unverzerrten
Signals ergeben sich als:

mit den erwarteten Werten für Vorwärts- und Rückwärts- Fehlerkorrelation bzw. Leistung
zu:

[0019] Üblicherweise werden die Erwartungswertoperatoren E in (6) und (7) unter Verwendung
Tiefpass-gefilterter Augenblickswerte von
fm(
n)
bm(
n-1) bzw.

ausgewertet, beispielsweise mit Hilfe einpoliger rekursiver Tiefpassfilter ("lossy
integration", verlustbehaftete Integration, siehe weiter unten).
[0020] Somit erfolgt das Adaptieren des Lattice-Filters zur Formung des sich langsam ändernden
Eingangs-Sprachsignals durch Berechnung der Gleichungen (6), (7) und (5) für jeden
Zeitpunkt
n nach dem Filtern - im Gegensatz zur dem rahmenweisen Aktualisieren der Koeffizienten
bei der direkten Form des LP-Filters entsprechend Gleichung (1).
[0021] Was die Geräuschverminderung betrifft, sei angenommen, dass ein beobachtetes Signal
y(
n) eines additiven linearen Geräuschmodells vorliege:

wobei
x(
n) die Sprachkomponente und ε(
n) eine additive Hintergrund-Geräuschkomponente sei. Gegenstand der Geräuschreduktion
ist es, eine gute Schätzung für die SprachsignalKomponente
x(
n) zu liefern. Für den vorliegenden einkanaligen Fall beruht diese Schätzung ausschließlich
auf der Beobachtung des geräuschbehafteten Signals
y(
n) d.h. es wird keine zusätzliche Information verwendet, wie beispielsweise ein zweites
Signal eines Mikrophons, welches lediglich die Hintergrundgeräusche aufnimmt.
[0022] Eine Verringerung des Hintergrundgeräusches in Sprachsignalen unter Verwendung linearer
Prädiktionsfilterung kann auf der Annahme basieren, dass die Sprachsignalkomponente
gut vorhersagbar ist, wogegen die Geräuschkomponente diese Eigenschaft nicht besitzt.
Somit kann das vorhergesagte Signal
x̂(
n) als Schätzung für die Sprachkomponente genommen werden. Während bei den Prädiktionsfiltern
in der direkten Form in Gleichung (1) der Ausgang unmittelbar das vorhergesagte Signal
ist, wird bei den Lattice-Filtern
x̂(
n) wirksam als die Differenz zwischen dem Eingangssignal und dem Ausgang des Vorwärts-Prädiktionspfades
berechnet
x̂(
n) ist die Schätzung der Sprachkomponente mit
e(
n) =
fM(
n). Vergleiche Gleichung (4).
[0023] Wenn man ein Lattice-LP-Filter für die Geräuschverminderung nach A. Kawamura et al.
verwendet, wo ein Filter hoher Ordnung (N = 256) benutzt wird, um die spektrale Feinstruktur
der Sprache zu modellieren, kann man beobachten, dass
rm(
n) eine große Varianz aufgrund der Geräuschsignalkomponente in den höheren Filterstufen
aufweist. Es wird vorgeschlagen, die entsprechende Varianz der Reflexionskoeffizienten
dadurch zu reduzieren, dass man einen festen (großen) Wert für die Leistungsschätzungen
qm(
n) = G verwendet. Die Verringerung des Betrags der Reflexionskoeffizienten oder die
Verringerung der Radien der Nullstellen der LP-Filterübertragungsfunktion wurde auch
für andere Zwecke vorgeschlagen, z.B. für die Modellierung der spektralen Hüllkurve
oder für eine genauere Schätzung der Formanten.
[0024] Eine Verringerung des Betrags der Reflexionskoeffizienten kann durch die Herleitung
von Schätzern für
rm und
qm erfolgen, die den mittleren quadratischen Schätzfehler minimieren. Zur Berechnung
der Reflexionskoeffizienten für das Lattice-Filter oder der partiellen Korrelationen,
welche gleich -
km sind und auf den Schätzungen von einem Geräuschsignal beruhen, sei für das zusätzliche
Geräuschsignal weißes Rauschen mit der Varianz σ
n2 angenommen, das auch mit
x(
n) nicht korreliert sein soll. Dies stellt das am wenigsten informierte Modell (maximale
Entropie) dar.
[0025] Es ist zwar diese Annahme für das Umgebungsgeräusch im Allgemeinen nicht realistisch,
doch beweist sie die Notwendigkeit einer Korrektur der Reflexionskoeffizienten.
[0026] Die Schätzungen für die Korrelation in Gleichung (6) und die Leistung in Gleichung
(7) aus der Berechung der Reflexionskoeffizienten in Gleichung (5) beruhen nun auf
dem geräuschbehafteten beobachteten Signal
y(
n), und man kann die Notwendigkeit eines Korrekturterms, zeigen, um die Schätzungen
für die Reflexionskoeffizienten
k̂m bezogen auf das geräuschfreie Signal
x(
n) zu gewinnen.
[0027] Im besonderen erhält man für die Schätzung der Reflexionskoeffizienten k̂
m in der ersten Filterstufe
m =1 den folgenden Erwartungswert für
r0:

[0028] Für die Fehlervarianz
q0 in der ersten Filterstufe erhält man

[0029] Der resultierende Fehler in den Werten der Reflexionsfaktoren ist in Fig. 2 dargestellt.
Genauer gesagt sind hier aus dem geräuschbehafteten Signal ohne Korrektur berechnete
Werte des Reflexionskoeffizienten
k1 als Funktion eines a priori Signal/Geräusch-Abstandes für unterschiedliche Werte
der Autokorrelation ρ
xx(1) des ungestörten Signals
x(
n) veranschaulicht.
[0030] Was die auf das geräuschfreie Signal
x(
n) bezogenen Reflexionskoeffizienten betrifft, kann die Korrelationsschätzung aus der
geräuschbehafteten Beobachtung unverändert verwendet werden, das heißt
r̂0=
r0 wogegen die berechnete Fehlerleistungsschätzung zu korrigieren ist als

und der korrigierte Reflexionskoeffizient berechnet wird als

[0031] Wenn man einführt:

wobei

der a posteriori bestimmte Signalstörabstand ist und beachtet wird dass

kann man diese Gleichung erneut anschreiben als

[0032] Das bedeutet eine Skalierung des Reflexionskoeffizienten
k1, der ursprünglich für das gestörte Signal
y(
n) berechnet wurde unter Verwendung der Gleichungen (5), (6) und (7) mit einem Faktor

[0033] Eine Schätzung der Geräuschleistung σ
n2 kann erfolgen anhand der Leistung des Ausgangssignals
e(
n) des LP-Fehler-Filters,

für das Lattice-Filter ist eine möglich Auswertung des Erwartungswerts gegeben durch
die Leistungsschätzung in der letzten Stufe des Lattice Filters
qM-1(
n)
: 
oder, bei Verwendung der Sprachaktivitätsschätzung (siehe unten) anhand der Leistungsschätzung
des Gesamteingangssignales bei fehlender Sprachaktivität:

[0034] Für die höheren Lattice-Stufen
m = 2,3, ..... kann die Gleichung (14) verallgemeinert werden, wodurch sich eine Korrektur
der übrigen Reflexionskoeffizienten
k̂m ergibt.
[0035] Dessen ungeachtet kann man aus dem obigen schließen, dass eine Verminderung der Größe
der Reflexionskoeffizienten, das heißt eine Verringerung des Verhältnisses zwischen
Korrelation und Leistungsschätzung für die Vorhersage eines Signals
x(
n) bei Beobachtung eines Signal
y(
n), welches zusätzliches Geräusch enthält, zweckmäßig ist. Das Auffinden der Korrekturgrößen
setzt eine verlässliche Schätzung der Geräuschleistung σ
n2 voraus. Weiters berücksichtigt das Modell bis jetzt nicht irgendwelche Kenntnisse
bezüglich der Eigenschaften der Sprache und des zu erwartenden Geräuschsignals.
[0036] Die Erfindung schafft nun eine Verfahren bzw. eine Vorrichtung, mit welcher man,
basierend auf einfachen Annahmen über die Änderung der Korrelation und der Leistung
der Sprach- und Geräuschsignale nach der Zeit eine Korrektur der Reflexionsfaktoren
erhält. Wie oben ausgeführt, beruhen die Schätzungen der Fehlerkorrelation (6) und
der Fehlervarianz (7) üblicherweise auf einer Tiefpassfilterung der Augenblickswerte.
Oft wird auch eine einpolige Tiefpassfilterung (verlustbehaftet Integration) verwendet:

mit den gleichen Polen bzw. Integrationsfaktoren λ
r = λ
q sowohl für die Korrelations- als auch die Leistungsschätzung.
[0037] In Einklang mit der Erfindung sind verschiedene Pollagen λ
q ≥ λ
r erlaubt. Die resultierenden Filterfunktionen

für λ
r = 0,99608 und λ
q = 0,99843 und eine Abtastrate von 16 kHz sind in Fig.3a dargestellt Man kann sehen,
dass das Verhältnis von
r̃m(
n) und
q̃m(
n) bei geringeren Frequenzen beeinflusst wird, das heißt für langsam sich ändernde
Korrelation und Leistung, wogegen für raschere Änderungen (über ≈ 10Hz) das Verhältnis
verglichen mit den Schätzungen mit λ
r = λ
q ungeändert bleibt. Unter der Annahme, dass diese Parameter sich für das Sprachsignal
rascher ändern (unter der Annahme beispielsweise einer Phonemrate von 10 pro Sekunde)
als für das Geräuschsignal (stationäres oder langsam sich mit der Zeit änderndes Geräusch)
wird das sich ergebende Lattice-Prädiktionsfilter die Sprachsignalkomponente gut vorhersagen,
wogegen die Geräuschkomponente unterdrückt wird.
[0038] Was impulsartige Geräusche betrifft, kann man vorsehen, das Verhältnis zwischen Korrelation
und Leistungsschätzung auch für hohe Frequenzen zu reduzieren, was beispielsweise
durch Verwendung eines zweiten Pols in dem Tiefpassfilter für die Korrelation
Hr(
z) erfolgen kann. Eine entsprechende Übertragungsfunktion ist in Fig.3b dargestellt.
[0039] Im Einzelnen zeigen die Figuren 3a und b die Frequenzgänge eines Tiefpassfilters
für eine Fehlerkorrelation
Hr(
z) (ausgezogene Linien) und die Varianz
Hq(
z) (punktierte Linien) für in Fig. 3a zwei einpolige Tiefpassfilter mit λ
r = 0,99608 und λ
q = 0,99843 bzw. Figur 3b einen einpoligen Tiefpass für die Leistungsschätzung von
q̃(
n) mit λ
q = 0,99843 und einen zweipoligen Tiefpass für die Korrelationsschätzung
r̃(
n) mit λ
r1 = 0,99608 und λ
r2 = 0,9. Je größer der Abstand zwischen den beiden Übertragungsfunktionen umso stärker
ist die Geräuschunterdrückung.
[0040] Um eine gute Reduzierung des Geräusches zu erreichen, kann unter diesen Umständen
die Ordnung M des LP-Filters überraschend niedrig gewählt werden, sogar niedriger
als die üblicherweise zur Modellierung der spektralen Hüllkurve von Sprachsignalen
verwendete Ordnung. Beispielsweise wurde in dem in Fig. 4a gezeigten Beispiel ein
Prädiktor mit der Ordnung
M = 10 für ein Signal mit einer Abtastrate von 16 kHz verwendet. Dieses Beispiel enthält
ein mehrmaliges Auftreten von starken, nicht stationären Geräuschbursts, die dank
der Erfindung gut beseitigt werden. Das gezeigte Geräusch stammt aus einer Fabrikhallen-Umgebung,
das heißt einer äußerst ungünstigen akustischen Umgebung.
[0041] Die Wirksamkeit der Geräuschunterdrückung kann gesteuert werden durch die Einstellung
unterschiedlicher Werte für λ
r (bzw. λ
r1 und λ
r2) und λ
q. Wobei diese in Abhängigkeit von der Signalleistung und der Geräuschleistung gewählt
werden:

[0042] Weiters ist es zweckmäßig, die Wirksamkeit der Geräuschunterdrückung anhand einer
Schätzung der Sprachaktivität zu steuern. Bei der Verwendung eines LP-Fehler-Filters
bietet sich (vgl. auch [5]) die Schätzung der wahrscheinlichen Sprachaktivität als
reeller Zahl im Wertebereich von 0 bis 1 anhand der Leistungen des Filtereingangssignals
und des Filterausgangssignals an:

für ein Lattice Filter ist eine mögliche Auswertung der Erwartungswerte gegeben durch

[0043] Zur Steuerung der Geräuschunterdrückung kann dann ein Faktor

für das Ausgangssignal des Lattice Filters
e(
n), und/oder ein Faktor

für das Ausgangssignal verwendet werden.
[0044] Das LP-Fehler-Filter kann als Filter in direkter Filterform (DFF) ausgebildet sein,
welches aus dem Eingangssignal ein Prädiktionssignal an seinem Ausgang erzeugt, wobei
ein Subtrahierer das Prädiktionssignal vom Eingangssignal abzieht und somit das Ausgangssignal
des LP-Fehler-Filters
e(
n) erzeugt. Die verzögerten Abtastwerte des Eingangssignals (vgl. Gleichung 1) sowie
das Ausgangssignal des Subtrahierers
e(
n) entsprechen den internen Signalen des LP-Fehler-Filters.
[0045] Ein wichtiges Merkmal der erfindungsgemäßen Geräuschunterdrückung besteht in der
an die Eigenschaften des Sprach- und des Geräuschsignales angepassten Auswertung der
Erwartungswertoperatoren und damit der optimalen Einstellung der Filterkoeffizienten
für das lineare Prädiktionsfilter, sowie in der Sprachaktivitätsschätzung und deren
Verwendung bei der Schätzung des Geräuschsignals, und zur Steuerung der Wirksamkeit
der Geräuschunterdrückung und der Amplitude des Ausgangssignales.
[0046] Wenngleich es klar sein sollte, dass der Rechenaufwand mit der gewählten Filterordnung
steigt und daher der Rechenaufwand unter Umständen größer sein kann, als jener bei
Verwendung einer schnellen Fouriertransformation, liegt ein wesentlicher Vorteil der
Erfindung darin, dass sie eine Geräuschreduktion ohne Verzögerung des Sprachsignals
ermöglicht, was ein besonderer Vorteil ist, vor allem beim Einsatz in Hörgeräten.
1. Vorrichtung zur Geräuschunterdrückung mit einer linearen Prädiktions-Analysierschaltung
mit einem LP-Fehler-Filter (LFF), das aus einem Lattice-Filter besteht und auf Basis
eines ersten, von Geräusch überlagerten Sprachsignals
y(
n) =
x(
n) + ε(
n), wobei
x(
n) ein nicht von Geräusch überlagertes Sprachsignal und ε(
n) das Geräusch darstellen, ein LP-Fehler-Filter Ausgangssignal
e(
n) erzeugt, einer Koeffizientenberechnungseinheit (KBE), welche die Koeffizienten des
LP-Fehler-Filters auf Basis der Vorwärts und Rückwärtstehlersignale f
m(n) und b
m(n) der Lattice-Filterstufen des LP-Fehler-Filters sowie des Ein- und Ausgangssignals
y(
n) und
e(
n) des LP-Fehler-Filters aktualisiert, und einer Subtrahiereinheit, welche das LP-Fehler-Filter-Ausgangssignal
e(
n) von dem ersten Sprachsignal
y(
n) in einem Subtrahierer subtrahiert und nach der Subtraktion den Rest als zweites
Sprachsignal
x̂(
n) =
y(
n)-
e(
n) ausgibt, in welchem das Geräusch unterdrückt ist, eine Geräuschschätzungseinheit
(GSE) vorgesehen ist, welche auf Basis der Signale f
m(n), b
m(
n), y(
n) und e(
n) des LP-Fehler-Filters ein Geräuschleistungssignal σ
n2 und ein Sprachleistungssignal σ
x2 erzeugen, die der Koeffizientenberechnungseinheit (KBE) zugeführt sind, in welcher
die Koeffizienten des LP-Fehler-Filters zu jeden Zeitpunkt
n berechnet werden,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Koeffizientenberechnungseinheit (KBE) weiters dazu eingerichtet ist, die korrigierte
Fehlervarianz
q̃0 gemäß

und den korrigierten Reflexionskoeffizienten k̂ gemäß

zu ermitteln, mit qo als Fehlervarianz und r
0 als Reflexionskoeffizient,
und die Koeffizientenberechnungseinheit (KBE) weiters dazu eingerichtet ist,
die Fehlerkorrelation gemäß

und die Fehlervarianz gemäß

mit λ
q > λ,
zu ermitteln, wobei λ, und λ
q Pole der fürr̃
m(
n) und q̃
m(
n) angegebenen Tiefpassfiltergleichnungen sind. .
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in der Koeffizientenberechnungseinheit (KBE) für die Korrelationsschätzung der Fehlerkorrelation
r̃(n) ein zweipoliger Tiefpass vorgesehen ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Sprachaktivitätsschätzungseinheit (SAE) vorgesehen ist, welche auf Basis der
Signale fm(n), bm(n), y(n) und e(n) ein Sprachaktivitätssignal v erzeugt, das der Koeffizientenberechnungseinheit (KBE) zugeführt ist und von dieser
im Sinne einer Optimierung der Geräuschunterdrückung berücksichtigt wird.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Sprachaktivitätsschätzungseinheit (SAE) zur Bildung eines Geräuschunterdrückungsfaktors
(kn) eingerichtet ist, welcher einem Eingang eines ersten Multiplizierers (MU1) zugeführt
ist und dessen anderem Eingang das Ausgangssignal des LP-Fehler-Filters zugeführt
ist und der vor der Subtrahiereinheit liegt.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Sprachaktivitätsschätzungseinheit (SAE) zur Bildung eines Gesamtsignalfaktors
(k8) eingerichtet ist, welcher einem Eingang eines zweiten Multiplizierers (MU2) zugeführt
ist, dessen anderem Eingang das Ausgangssignal der Subtrahiereinheit zugeführt ist.
6. Kaskade, bestehend aus zumindest zwei hintereinander geschalteten Vorrichtungen nach
einem der Ansprüche 1 bis 5.
1. Device for noise reduction with a linear predictive analyser circuit with an LP error
filter (LFF), which consists of a lattice filter and generates an LP error filter
output signal
e(n), on the basis of a first speech signal
y(n)= x(n)+ε(n) overwritten with noise, whereby
x(n) represents a speech signal not overwritten with noise and
ε(n) represents the noise, a coefficient calculation unit (KBE), which updates the coefficients
of the LP error filter on the basis of the input and output signals
y(n) and
e(n), forward and backward error signals
fm(n) and b(n) of the lattice filter stages of the LP error filter, as well as the LP error filter,
and a subtraction unit, which subtracts the LP error filter output signal
e(n) from the first speech signal
y(n) in a subtractor, and after the subtraction emits the remainder as a second speech
signal
x̂(n)= y(n)-e(n) in which the noise is reduced, a noise estimation unit (GSE) is provided, which,
on the basis of signals
fm(n), b(n), y(n) and
e(n) of the LP error filter, generates a noise performance signal
σn2 and a speech performance signal
σx2 which are fed into the coefficient calculation unit (KBE), in which the coefficients
of the LP error filter are calculated at each point n,
characterised in that,
the coefficient calculation unit (KBE) is also equipped to calculate the corrected
error variance
q̂0 according to

and the corrected reflection coefficients
k̂ according to

with
q0 denoting the error variance and
r0 denoting the reflection coefficient,
and the coefficient calculation unit (KBE) is also equipped to calculate the error
correlation according to

and the error variance according to

with λ
r > λ
q
whereby λ
r and λ
q are poles which are for low-pass filter equations denoted as
r̃m(n) and
qm̃(n).
2. Device according to claim 1, characterised in that a bipolar low-pass is provided in the coefficient calculation unit (KBE) for the
correlation estimate of the error correlation rr̃(n).
3. Device according to claim 1 or 2, characterised in that a voice activity estimation unit (SAE) is provided, which on the basis of signals
fm(n) and b(n), y(n) and e(n) generates a voice activity signal v, which is fed into the coefficient calculation unit (KBE) and is considered by the
same in terms of optimising noise reduction.
4. Device according to claim 3, characterised in that the voice activity estimation unit (SAE) is equipped to generate a noise reduction
factor (kn), which is fed into an input of a first multiplier (MU1), and with the output signal
of the LP error filter being fed into the other input thereof, and which lies before
the subtraction unit.
5. Device according to claim 4, characterised in that the voice activity estimation unit (SAE) is equipped to generate a total signal factor
(Kg) which is fed into an input of a second multiplier (MU2), with the output signal of
the subtraction unit being fed into the other input thereof.
6. Cascade, consisting of at least two devices connected in series according to any one
of claims 1 to 5.
1. Dispositif d'atténuation du bruit comprenant un circuit de prédiction et d'analyse
linéaire avec un filtre d'erreur passe-bas (LFF) qui se compose d'un filtre lattice
et qui, sur la base d'un premier signal vocal
y(n) - x(n) + ε(η) auquel est superposé du bruit,
x(
n) représentant un signal vocal non superposé de bruit et ε
(η
) le bruit, génère un signal de sortie de filtre d'erreur passe-bas
e(n), avec une unité de calcul de coefficient (KBE) qui actualise les coefficients du
filtre d'erreur passe-bas sur la base des signaux d'erreur avant et arrière
fm(n) et
bm(n) des étages de filtre lattice du filtre d'erreur passe-bas et sur la base du signal
d'entrée et du signal de sortie
y(n) et
e(
n) du filtre d'erreur passe-bas, et avec une unité de soustraction qui soustrait le
signal de sortie de filtre d'erreur passe-bas
e(n) du premier signal vocal
y(n) dans un soustracteur et, après soustraction, sort le reste sous la forme d'un deuxième
signal vocal
x̂(n) =
y(n) -
e(
n) où le bruit est atténué, où une unité d'évaluation du bruit (GSE) est prévue, laquelle
génère sur la base des signaux
fm(n), bm(n), y(n) et
e(
n) du filtre d'erreur passe-bas un signal de puissance du bruit σ
n2 et un signal de puissance vocale σ
x2, lesdits signaux étant acheminés vers l'unité de calcul de coefficient (KBE) où les
coefficients du filtre d'erreur passe-bas sont calculés à chaque moment
n,
caractérisé
en ce que l'unité de calcul de coefficient (KBE) est en outre prévue pour déterminer la variance
d'erreur corrigée
q̂0 selon

et le coefficient de réflexion corrigé
k̂ selon

avec q
0 comme variance d'erreur et r
0 comme coefficient de réflexion,
et
en ce que l'unité de calcul de coefficient (KBE) est en outre prévue
pour déterminer la corrélation d'erreur selon

et la variance d'erreur selon

avec λ
q > λ
r,
λ
r et λ
q étant des pôles des équations de filtre passe-bas données pour
r̃m(n) et q̃
m(n).
2. Dispositif selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'un filtre passe-bas bipolaire est prévu dans l'unité de calcul de coefficient (KBE)
pour l'évaluation de corrélation de la corrélation d'erreur r̃(n).
3. Dispositif selon la revendication 1 ou la revendication 2, caractérisé en ce qu'une unité d'évaluation d'activité vocale (SAE) est prévue, laquelle génère sur la
base des signaux fm(n), bm(n), y(n) et e(n) du filtre d'erreur passe-bas un signal d'activité vocale v qui est acheminé vers l'unité de calcul de coefficient (KBE) et qui est pris en compte
par celle-ci en vue d'une optimisation de l'atténuation du bruit.
4. Dispositif selon la revendication 3, caractérisé en ce que l'unité d'évaluation d'activité vocale (SAE) est prévue pour former un facteur d'atténuation
du bruit (kn) qui est acheminé vers une entrée d'un premier multiplicateur (MU1), vers l'autre
entrée duquel est acheminé le signal de sortie du filtre d'erreur passe-bas, ledit
multiplicateur étant situé en amont de l'unité de soustraction.
5. Dispositif selon la revendication 4, caractérisé en ce que l'unité d'évaluation d'activité vocale (SAE) forme un facteur de signal global (kg) qui est acheminé vers une entrée d'un deuxième multiplicateur (MU2), vers l'autre
entrée duquel est acheminé le signal de sortie de l'unité de soustraction.
6. Cascade composée d'au moins deux dispositifs selon l'une des revendications 1 à 5,
montés l'un derrière l'autre.