[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum grabenlosen Verlegen von Rohrleitungen,
bei dem von einem Startpunkt aus ein gesteuerter Rohrvortrieb unter einem Hindernis
zu einem Zielpunkt geführt wird.
[0002] Es gibt zahlreiche Verfahren und Vorrichtungen, um Rohrleitungen grabenlos im Boden
zu verlegen. Damit können Bereiche an der Geländeoberfläche unterquert werden, bei
denen eine Verlegung in einem offenen Rohrgraben aus verschiedenen Gründen nicht möglich,
ungünstig oder zu teuer wäre. Beispiele hierfür sind Gewässer, Feuchtgebiete, Felsen,
Naturschutzgebiete, eine große Verlegetiefe, ein hoher Grundwasserstand oder dichte
Bebauung.
[0003] Derartige Verfahren sind z.B. in
D. Stein "Grabenloser Leitungsbau", Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische
Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin, 2003 (ISBN 3-433-01778-6) beschrieben. Die Verfahren können anhand der Steuerbarkeit (gesteuerte oder ungesteuerte
Verfahren), der Bodenbehandlung (Bodenverdrängung oder Bodenentnahme), des Abtransports
des Bohrkleins (mechanisch oder hydraulisch) oder der Zahl der Arbeitsschritte (Pilotbohrung,
Aufweitbohrung, Einzieh- bzw. Einschubvorgang) eingeteilt werden. Ferner können z.B.
die grundsätzliche geometrische Ausbildung der Bohrachse (geradlinig oder gekrümmt)
oder das Material der zu verlegenden Rohrleitung (z.B. Beton, Polyethylen, duktiler
Guss, Stahl, usw.) als Unterscheidungsmerkmale angenommen werden. Ein weiteres Kriterium
für die Einteilung sind die erreichbaren Bohrungsdimensionen, insbesondere die Länge
und der Durchmesser der Bohrung. Vielfach können die Verfahren auch nach der Anordnung
des Start- bzw. Zielpunktes unterschieden werden, die z.B. in einem Schacht, einer
Baugrube oder an der Geländeoberfläche angeordnet werden. Vielfach ist ein Verfahren
nur für bestimmte Böden oder bei bestimmten Grundwasserständen geeignet.
[0004] Die gesteuerte Horizontalbohrtechnik (HDD, "Horizontal Directional Drilling", Spülbohrverfahren)
ist ein vorbekanntes Verfahren, das in drei Phasen durchgeführt wird. Nach einer Pilotbohrung
und einer Aufweitbohrung werden in das so geschaffene Bohrloch zugfeste Rohrleitungen
(z.B. aus Stahl, Polyethylen oder Guss) eingezogen. Dabei können Strecken von über
2000 m überbrückt werden, bei Rohrdurchmessern bis maximal ca. 1400 mm.
[0005] Obwohl sich die gesteuerte Horizontalbohrtechnik bei geeigneten Bodenformationen
als zuverlässiges Verfahren erwiesen hat, gibt es einige Nachteile. So müssen für
die Durchführung der Arbeiten auf beiden Seiten des zu unterquerenden Hindernisses
große Arbeitsflächen von einigen tausend Quadratmetern bereitgestellt werden, was
nicht immer möglich oder aus ökologischen Gründen nachteilig ist.
[0006] Ferner führt das HDD-Verfahren bei größeren Bohrlöchern (z.B. von einem Durchmesser
von mehr als 800 mm) in manchen Böden (insbesondere kiesigen, schotterigen oder steinigen
Böden mit wenigen bindigen Anteilen) zu Problemen, weil das Bohrloch vor dem Einziehen
der Rohrleitung nicht gestützt, sondern lediglich mit einer eingepumpten Bohrspülung
verfestigt werden kann. Dadurch wird die erforderliche Stabilität häufig nicht erreicht,
was Einstürze zur Folge hat. Bei der HDD-Technik ist es ferner ungünstig, dass bei
Bohrungen durch festen Boden ein sehr hohes Drehmoment auf den Bohrkopf übertragen
werden muss, was zum Brechen des Bohrgestänges führen kann. Auch muss wegen der erwähnten
Gefahr einer instabilen Bohrlochwandung der Bohrlochdurchmesser grundsätzlich ca.
1,3- bis 1,5-Fach größer sein als der Durchmesser der zu verlegenden Rohrleitung,
was zu zusätzlichen Kosten führt.
[0007] Als weiteres vorbekanntes Verfahren ist das Microtunneling (MT) zu nennen. Dabei
wird eine gesteuerte und gegebenenfalls auch gekrümmte Bohrung von einem Startschacht
oder einer Startbaugrube zu einem Zielschacht oder einer Zielbaugrube geführt. Die
Pilotbohrung, die Aufweitbohrung und ein Einschieben der Rohre erfolgen in einem einzigen
Arbeitsschritt. Die Rohre werden als Vortriebsrohre verlegt, die nicht zugfest miteinander
verbunden sind, da der Rohrvortrieb vom Startschacht bzw. der Startbaugrube aus unter
Pressen durchgeführt wird. Mit diesem Verfahren lassen sich Bohrungslängen von über
500 m und Bohrlochdurchmesser von mehr als 2000 mm realisieren.
[0008] Beim Microtunneling-Verfahren führt es zu hohen Kosten, dass die meistens aus Beton
hergestellten Vortriebsrohre in der Bohrung verbleiben, auch wenn keine Rohrleitung
aus Beton gewünscht wird. In diesem Fall können die eingebrachten Betonrohre lediglich
als Leerohr für eine zusätzlich einzubringende Rohrleitung mit Produktrohren dienen.
Die Verwendung von Rohren aus Stahl oder Polyethylen ist beim Microtunneling zwar
möglich, aber wegen technischer Schwierigkeiten unüblich. So weisen Rohre aus Polyethylen
nur eine geringe Druckfestigkeit auf, was die Verlegereichweite begrenzt. Stahlrohre
müssen im Bereich des Startpunkts Rohr für Rohr eingebracht und miteinander verschweißt
werden, was wegen der erforderlichen genauen Ausrichtung und Zentrierung zeitaufwendig
und kompliziert ist und außerdem eine Unterbrechung der Bohrtätigkeit erfordert. Bei
Druckleitungen ist eine solche Verlegetechnik besonders problematisch, weil die Schweißnähte
vor der Verlegung keiner Druckprobe unterzogen werden können.
[0009] Bei den Pilotrohrvortrieben wird zunächst eine gesteuerte Pilotbohrung mit einem
relativ kleinen Durchmesser durchgeführt, die danach in einem weiteren Schritt auf
den gewünschten Enddurchmesser eines Bohrlochs aufgeweitet wird, wobei gleichzeitig
die zu verlegende Rohrleitung von einem Startschacht aus eingeschoben oder von einem
Zielschacht aus eingezogen wird. Dieses Verfahren ist im Allgemeinen auf Bohrungslängen
von weniger als 100 m begrenzt, wobei die Bohrung geradlinig erfolgt. Die Durchmesser
der zu verlegenden Rohre liegen im Bereich von etwa 100 mm bis 1000 mm.
[0010] Bei einem weiteren Verfahren werden Elemente der Microtunneling-Technik mit dem einteiligen
Produktrohreinzug der HDD-Technik dahingehend kombiniert, dass an die Spitze des einzubauenden
Produktrohres (Rohrleitung) eine Microtunnelmaschine montiert wird. Dieses Verfahren
ist in der
DE 10 2006 020 339 A1 beschrieben. Mit Hilfe einer Schubvorrichtung wird von einer Startbaugrube aus der
vorgefertigte Produktrohrstrang mit der Microtunnelmaschine an der Spitze durch das
Erdreich zu einem Zielpunkt geschoben. Dieses Verfahren ermöglicht ein schnelles Verlegen
der Rohrleitung, da die Rüstzeiten während des Vorschubvorganges erheblich reduziert
werden.
[0011] Nachteilig bei dem aus der
DE 10 2006 020 399 A1 bekannten Verfahren ist, dass sich Rohrleitungen aus Stahl nur schwer steuern lassen,
weshalb ein solcher Vortrieb in der Regel eine planmäßig gerade Verlegung vorsehen
muss. Ferner lassen sich in den Produktrohrstrang keine Zwischenpressstationen (Dehnerstationen)
einbauen. Dadurch ist die Vortriebslänge beschränkt; Erfahrungen liegen bis ca. 500
m vor. Ferner können an dem Produktrohrstrang keine Schmiernippel zur kontinuierlichen
Schmierung der Rohraußenwand angeordnet werden. Daher ist eine Reduzierung der Mantelreibung
nur beschränkt möglich, was ebenfalls die maximale Bohrlänge des Verfahrens nachteilig
beeinflusst.
[0012] Aus der
DE 10 2005 021 216 A1 ist ein Verfahren zum grabenlosen Verlegen von Rohrleitungen bekannt, bei dem von
einem Startpunkt aus ein gesteuerter Rohrvortrieb unter einem Hindernis zu einem Zielpunkt
geführt wird. Dabei wird ausgehend vom Startpunkt ein Bohrkopf mit Hilfe von Stütz-
oder Vortriebsrohren in Richtung auf den Zielpunkt vorgeschoben, wobei das dabei erzeugte
Bohrloch bereits auf seinen Enddurchmesser aufgeweitet und von den Vortriebsrohren
gestützt wird. Der vom Bohrkopf gelöste Boden wird hydraulisch aus dem Bohrloch gefördert.
Wenn das vordere Ende des Vortriebsrohrstrangs den Zielpunkt erreicht hat, wird dort
mit Hilfe eines Verbindungsrohrs ein Ende einer auf der Seite des Zielpunkts vorgefertigten
Rohrleitung (Produktrohrstrang) an das Ende des Vortriebsrohrstrangs angekoppelt.
Anschließend wird der Strang der zugfest miteinander verbundenen Vortriebsrohre zum
Startpunkt zurückgezogen, wobei der Produktrohrstrang in das Bohrloch eingezogen wird.
[0013] Dieses Verfahren ist sehr vorteilhaft, da sich vormontierte Rohrleitungen mit einem
Durchmesser von ca. 800 mm bis 1400 mm über große Verlegelängen (ca. 250 m bis 750
m) in nahezu allen Bodenarten und auch im Grundwasserbereich in ein gekrümmtes Bohrloch
verlegen lassen, dessen Wandung in allen Verfahrensstufen abgestützt ist. Allerdings
müssen sowohl der Vortriebsrohrstrang als auch der Produktrohrstrang zugfest sein.
Ferner ist im Bereich des Zielpunkts ein größeres Areal erforderlich, um dort den
Produktrohrstrang vorzubereiten, was je nach den Gegebenheiten nachteilig sein kann.
[0014] Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zum grabenlosen Verlegen von Rohrleitungen
zu schaffen, das es ermöglicht, Rohrleitungen mit relativ großem Durchmesser (z.B.
im Bereich von 800 mm bis 1400 mm) über relativ große Verlegelängen (z.B. im Bereich
von 250 m bis 750 m) kostengünstig zu verlegen, auch in schwierigen Bodenarten (wie
z.B. Kiesen, Schottern oder Fels).
[0015] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zum grabenlosen Verlegen von Rohrleitungen
mit den Merkmalen des Anspruchs 1 sowie durch ein Verfahren mit den Merkmalen des
Anspruchs 17. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0016] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zum grabenlosen Verlegen von Rohrleitungen wird
ein gesteuerter Rohrvortrieb von einem Startpunkt aus unter einem Hindernis zu einem
Zielpunkt geführt. Dabei wird ein Bohrkopf vom Startpunkt ausgehend mit Stützrohren
in Richtung auf den Zielpunkt vorgeschoben. Das dabei erzeugte Bohrloch wird bei diesem
Arbeitsschritt bereits auf seinen Enddurchmesser aufgeweitet und von den Stützrohren
gestützt. Der von dem Bohrkopf gelöste Boden wird aus dem Bohrloch gefördert, z.B.
hydraulisch. Eine zumindest in Teilabschnitten vorbereitete Rohrleitung wird dann
an den aus den Stützrohren gebildeten Stützrohrstrang angekoppelt und durch das Bohrloch
bewegt, wobei die Stützrohre wieder aus dem Bohrloch austreten.
[0017] Beim Bewegen der Rohrleitung wird die Rohrleitung erfindungsgemäß unter Ausübung
von Druckkräften durch das Bohrloch vorgeschoben. Falls der Stützrohrstrang nicht
nur (in axialer Richtung) druckfest ist, wie zum Vorschieben der Stützrohre erforderlich,
sondern auch zugfest, kann das Einbringen der Rohrleitung unterstützt werden, indem
über den Stützrohrstrang zusätzlich Zugkräfte auf die Rohrleitung ausgeübt werden
(siehe unten); dies ist aber nur eine Option. Grundsätzlich kann das erfindungsgemäße
Verfahren nämlich unter Verwendung von Stützrohren durchgeführt werden, die nur für
die Übertragung axialer Druckkräfte ausgelegt sind. Derartige Stützrohre bestehen
in der Regel aus Beton und sind wesentlich preisgünstiger als zugfeste Stützrohre
bzw. Vortriebsrohre, wie sie in dem oben erwähnten Verfahren gemäß
DE 10 2005 021 216 A1 zum Einsatz kommen.
[0018] Es ist vorteilhaft, wenn die Rohrleitung bereits in langen Teilabschnitten oder sogar
in ihrer Gesamtlänge zusammengestellt wird. Bei Stahlrohren können z.B. die Stöße
verschweißt, gegebenenfalls versiegelt und überprüft werden. Dabei sind auch weitere
Qualitätskontrollen möglich, z.B. eine Druckprüfung. In diesem Zustand kann die Rohrleitung
auf einer Rollenbahn gelagert werden.
[0019] Bei einer vorteilhaften Ausführungsform des Verfahrens schiebt die Rohrleitung nach
dem Ankoppeln an den Stützrohrstrang den Stützrohrstrang durch das Bohrloch. Dabei
kann die Vortriebskraft zum Vorschieben der Rohrleitung (axialer Druck) mit einer
Schubvorrichtung über die Mantelfläche der Rohrleitung aufgebracht werden. Derartige
Schubvorrichtungen sind bekannt. Sie befinden sich seitlich von der Rohrleitung oder
umgeben die Rohrleitung und greifen an der Außenseite der Rohrleitung z.B. über eine
Manschette an. Mit derartigen Schubvorrichtungen ist es möglich, die Rohrleitung kontinuierlich
oder quasi kontinuierlich vorzuschieben. Derartige Schubvorrichtungen lassen sich
auch bei dem aus der
DE 2005 021 216 A1 bekannten Verfahren vorteilhaft einsetzen.
[0020] Es ist denkbar, Stützrohre in kurzen Längen zu verwenden, wobei das jeweils nächste
Stützrohr am Startpunkt an den bereits vorhandenen Stützrohrstrang angesetzt wird,
wenn das jeweilige hinterste Stützrohr weit genug vorgeschoben ist. Es kann aber vorteilhafter
sein, auch den Stützrohrstrang vorzufertigen, zumindest in größeren Abschnitten. Denn
dies ermöglicht eine Vormontage der zum Betrieb der Bohreinrichtung notwendigen Leitungen,
Überwachungsorgane, Schmiereinrichtungen (siehe unten) und Zwischenpressstationen
(siehe unten). Dadurch lassen sich die Rüstzeiten während des Bohrprozesses auf ein
Minimum reduzieren. Bei kurzen Stützrohren können die Schubkräfte über die endseitige
Stirnfläche aufgebracht werden, während bei einem vorgefertigten Stützrohrstrang die
Vortriebskraft zum Vorschieben vorzugsweise über die Mantelfläche aufgebracht wird.
Dazu kann z.B. dieselbe Schubvorrichtung benutzt werden, mit der anschließend die
Rohrleitung vorgeschoben wird, wie bereits erläutert.
[0021] Im Prinzip kann die Rohrleitung an das hinterste Stützrohr des Stützrohrstrangs angekoppelt
werden, indem die Stirnseiten einfach aneinanderstoßen. Es ist jedoch vorteilhafter,
dafür ein Verbindungsrohr zu verwenden, mit dem sich eine gleichmäßigere Kraftverteilung
erreichen lässt und mit dem gegebenenfalls auch Zugkräfte übertragen werden können.
[0022] Falls erforderlich, können kurze Rohrabschnitte (z.B. mit einer Länge von etwa 2,5
m) mit gelenkigen Rohrverbindungen untereinander eingebaut werden, was eine gute Steuerbarkeit
ermöglicht. Dies gilt sowohl für den Stützrohrstrang als auch für die Rohrleitung
(Produktrohrstrang).
[0023] Die Rohrleitung, also der Produktrohrstrang, kann bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
auf der Seite des Startpunkts vorbereitet und von der Seite des Startpunkts ausgehend
in das Bohrloch bewegt werden. Dies kann gegenüber dem aus der
DE 10 2005 021 216 A1 vorbekannten Verfahren erhebliche Vorteile bringen, insbesondere, wenn am Zielpunkt
nicht genügend Platz zur Vorbereitung der Rohrleitung zur Verfügung steht oder wenn
es aus anderen Gründen vorteilhafter ist, den Schwerpunkt der Verlegetätigkeiten in
dem Gebiet um den Startpunkt durchzuführen.
[0024] In diesem Fall kann die Rohrleitung an den Stützrohrstrang angekoppelt werden, nachdem
der Bohrkopf den Zielpunkt erreicht hat. Somit erstreckt sich der Stützrohrstrang
über den gesamten Weg vom Startpunkt bis zum Zielpunkt. Es kann aber auch sinnvoll
sein, die Rohrleitung an den Stützrohrstrang anzukoppeln, bevor der Bohrkopf den Zielpunkt
erreicht hat. In diesem Fall ist der Stützrohrstrang kürzer, wodurch Arbeitszeit gespart
wird, aber das Bohrloch ist noch nicht in seiner vollen Länge erzeugt und über die
angekoppelte Rohrleitung müssen gegebenenfalls größere Druckkräfte auf den Stützrohrstrang
übertragen werden. Diese Variante eignet sich z.B. bei relativ weichem Boden.
[0025] Alternativ kann die Rohrleitung bei dem erfindungsgemäßen Verfahren auch auf der
Seite des Zielpunkts vorbereitet und von der Seite des Zielpunkts ausgehend in das
Bohrloch bewegt werden, wobei die Rohrleitung an den Stützrohrstrang angekoppelt wird,
nachdem der Bohrkopf den Zielpunkt erreicht hat. Dies ist ähnlich wie bei dem aus
der
DE 10 2005 021 216 A1 bekannten Verfahren, aber im Gegensatz dazu wird die Rohrleitung nicht durch Ziehen
vom Startpunkt aus, sondern durch Schieben vom Zielpunkt aus durch das Bohrloch bewegt.
Zu diesem Zweck kann eine ähnliche (oder sogar die gleiche) Schubvorrichtung verwendet
werden wie zum Vorschieben der Stützrohre vom Startpunkt aus. Ob es günstiger ist,
die Rohrleitung vom Startpunkt aus oder vom Zielpunkt aus in das Bohrloch einzubringen,
hängt vom Einzelfall ab.
[0026] Soweit bisher erläutert, werden vom Startpunkt aus Druckkräfte auf den Stützrohrstrang
und vom Startpunkt oder vom Zielpunkt aus Druckkräfte auf den Produktrohrstrang ausgeübt.
Es ist aber auch denkbar, eine Zugvorrichtung vorzusehen, mit der eine Zugkraft auf
den Stützrohrstrang ausgeübt werden kann, nachdem dieser den Zielpunkt erreicht hat.
Um dies zu ermöglichen, müssen die einzelnen Stützrohre in dem Stützrohrstrang nicht
nur druckfest, sondern auch zugfest sein und zugfest miteinander verbunden sein. Ferner
sollte das erwähnte Verbindungsrohr in der Lage sein, Zugkräfte zu übertragen. Im
Prinzip kann dann die Rohrleitung, je nachdem, auf welcher Seite sie vorbereitet wurde,
zum Zielpunkt oder zum Startpunkt gezogen werden. Vorzugsweise, wie weiter oben bereits
erwähnt, werden aber zum Bewegen der Rohrleitung durch das Bohrloch außerdem Druckkräfte
(in axialer Richtung) auf die Rohrleitung ausgeübt, so dass sich die Rohrleitung insgesamt
leichter in das Bohrloch einbringen lässt, als wenn sie nur vorgeschoben würde. Zum
Ziehen an dem Stützrohrstrang kann im Prinzip die oben erwähnte Schubvorrichtung benutzt
werden, die ihre Kräfte über die Mantelfläche des Rohrstrangs überträgt, wobei die
Vorrichtung bei Verwendung als Zugvorrichtung in der entgegengesetzten Richtung arbeitet
und am gegenüberliegen Ende des Bohrlochs angreift, im Vergleich zur Anwendung beim
Vorschieben.
[0027] Der Bohrkopf wird vorzugsweise nach Erreichen des Zielpunkts abgekoppelt. Der Stützrohrstrang
kann am Zielpunkt (oder, falls er zum Startpunkt zurück bewegt wird, am Startpunkt)
abschnittsweise zerlegt werden, z.B. in einzelne Stützrohre. Es ist aber auch denkbar,
den Stützrohrstrang über eine größere Länge aus dem Bohrloch herauszuführen und erst
später aufzutrennen.
[0028] Ein besonderer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens im Vergleich zu dem aus der
DE 10 2006 020 339 A1 vorbekannten Verfahren (das keine Stützrohre verwendet) ist, dass sich zwischen zwei
benachbarten Stützrohren eine Dehnerstation (Zwischenpressstation) einbauen lässt.
Bei Bedarf kann eine größere Zahl von Dehnerstationen über den Stützrohrstrang verteilt
werden. Dehnerstationen sich aus den Verfahren beim Microtunneling bekannt. Wenn die
Vortriebskräfte beim Vorschieben des Stützrohrstrangs entlang der Verlegelinie die
Möglichkeiten der Pressvorrichtung oder die Festigkeit der Stützrohre übersteigen,
kann man Dehnerstationen verwenden, die jeweils die erforderliche Vorpresskraft bis
zur nächsten Dehnerstation aufbringen. Im Prinzip können Dehnerstationen benutzt werden,
die nur Druckkräfte aufbringen, aber bei zugfesten Verbindungen können auch Dehnerstationen
mit Druck- und Zugwirkung zum Einsatz kommen. Wenn das Bohrloch mit Hilfe des Stützrohrstrangs
soweit fertiggestellt ist, kann die Rohrleitung mit den Einrichtungen am Startpunkt
oder Zielpunkt in dem Bohrloch bewegt werden, ohne dass vergleichbare Dehnerstationen
an der Rohrleitung erforderlich wären.
[0029] Wenn viele Dehnerstationen verwendet werden, ist im Prinzip eine beliebig lange Vortriebsstrecke
zwischen Startpunkt und Zielpunkt möglich.
[0030] Ferner ist es vorteilhaft, wenn an der Außenseite des Stützrohrstrangs ein Schmiermittel
eingebracht wird (z.B. Betonit), vorzugsweise über an zumindest einzelnen Stützrohren
vorgesehene Schmiernippel. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Schmierung während
des Vortriebs des Stützrohrstrangs und erleichtert somit das Fertigstellen des Bohrlochs
erheblich.
[0031] Im Vergleich zu dem aus der
DE 10 2006 020 339 A1 bekannten Verfahren muss bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zwar zunächst ein Stützrohrstrang
eingebracht werden. Dies erlaubt aber andererseits erheblich längere Wegstrecken zwischen
dem Startpunkt und dem Zielpunkt, da das Bohrloch von den Stützrohren gestützt wird
und der Einsatz von Dehnerstationen und eine kontinuierliche Schmierung möglich sind.
[0032] Am Startpunkt ist vorzugsweise eine Baugrube vorgesehen (z.B. eine flache Baugrube),
was das Zuführen größerer Längen einer vorbereiteten Rohrleitung oder eines vorbereiteten
Stützrohrstrangs erleichtert. Der Bereich des Zielpunkts kann z.B. in einer Baugrube
oder in einem Schacht liegen. Als Zielpunkt eignet sich aber z.B. auch ein Tal oder
eine tiefliegende Stelle am Abhang eines Berges. Dazu sind weiter unten einige Beispiele
angegeben.
[0033] Ferner besteht grundsätzlich die Möglichkeit, zwischen dem Startpunkt und dem Zielpunkt
mindestens einen Zwischenschacht anzuordnen, in dem eine Vorrichtung angeordnet ist,
mit der Zug- und/oder Druckkräfte auf den Stützrohrstrang bzw. die Rohrleitung ausgeübt
werden können, um die Vorbewegung des Stützrohrstrangs bzw. der Rohrleitung zum Zielpunkt
zu erleichtern.
[0034] Das aus der
DE 10 2005 021 216 A1 bekannte Verfahren lässt sich abwandeln, indem die Rohrleitung nicht auf der Seite
des Zielpunkts, sondern auf der Seite des Startpunkts vorbereitet und mit einer Zugvorrichtung
am Zielpunkt in das Bohrloch eingezogen wird. Im einzelnen ist dies ein Verfahren
zum grabenlosen Verlegen von Rohrleitungen, bei dem von einem Startpunkt aus ein gesteuerter
Rohrvortrieb unter einem Hindernis zu einem Zielpunkt geführt wird, wobei ein Bohrkopf
vom Startpunkt ausgehend mit Stützrohren in Richtung auf den Zielpunkt vorgeschoben
wird und das dabei erzeugte Bohrloch bereits auf seinen Enddurchmesser aufgeweitet
und von den Stützrohren gestützt wird und der vom Bohrkopf gelöste Boden aus dem Bohrloch
gefördert wird und wobei der aus den Stützrohren gebildete Stützrohrstrang zugfest
ist. Eine auf der Seite des Startpunkts zumindest in Teilabschnitten vorbereitete
Rohrleitung wird dann an den Stützrohrstrang angekoppelt, nachdem der Bohrkopf den
Zielpunkt erreicht hat, und vom Zielpunkt aus werden Zugkräfte auf den Stützrohrstrang
ausgeübt, um die an den Stützrohrstrang angekoppelte Rohrleitung in das Bohrloch einzuziehen.
Auf die Offenbarung in
DE 10 2005 021 216 A1 wird ausdrücklich Bezug genommen ("incorporated by reference").
[0035] Im Folgenden wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen weiter erläutert.
Die Zeichnungen zeigen in
- Figur 1
- schematische Darstellungen von prinzipiellen Einsatzmöglichkeiten des erfindungsgemäßen
Verfahrens, und zwar in Teil (a) eine Bohrlinie von einer Baugrube als Startpunkt
unter einem Hindernis zu einer Baugrube als Ziel, in Teil (b) eine Bohrlinie von einer
Baugrube als Startpunkt unter einem Hindernis zu einem Schacht als Zielpunkt und in
Teil (c) eine Bohrlinie von einer Baugrube als Startpunkt unter einem Hindernis zu
einer Talsohle oder einem Gewässergrund als Ziel,
- Figur 2
- schematische Darstellungen aufeinanderfolgender Verfahrensschritte bei einem ersten
Ausführungsbeispiel für das erfindungsgemäße Verfahren, bei dem eine Bohrlinie von
einer Baugrube unter einem Hindernis zu einer Baugrube verläuft, und zwar in Teil
(a) die Startsituation, in Teil (b) das Erstellen des Bohrlochs und Einschieben des
Stützrohrstrangs zur Stützung des Bohrlochs, in Teil (c) die Vorbereitungen für das
Einschieben der vorbereiteten Rohrleitung, in Teil (d) das Einschieben der Rohrleitung
und das Ausschieben des Stützrohrstrangs und in Teil (e) die eingeschobene Rohrleitung
nach Fertigstellung,
- Figur 3
- schematische Darstellungen aufeinanderfolgender Verfahrensschritte bei einem zweiten
Ausführungsbeispiel für das erfindungsgemäße Verfahren, bei dem eine Bohrlinie von
einer Baugrube unter einem Hindernis zu einem Zielschacht verläuft, und zwar in Teil
(a) die Startsituation, in Teil (b) das Erstellen des Bohrlochs und Einschieben des
Stützrohrstrangs zur Stützung des Bohrlochs, in Teil (c) die Vorbereitungen für das
Einschieben der vorbereiteten Rohrleitung, in Teil (d) das Ein-
schieben der Rohrleitung und das Ausschieben des Stützrohrstrangs und in Teil (e)
die eingeschobene Rohrleitung nach Fertigstellung,
- Figur 4
- schematische Darstellungen aufeinanderfolgender Verfahrensschritte bei einem dritten
Ausführungsbeispiel für das erfindungsgemäße Verfahren, bei dem eine Bohrlinie von
einer Baugrube unter einem Hindernis zu einer Talsohle verläuft, und zwar in Teil
(a) die Startsituation, in Teil (b) das Erstellen des Bohrlochs und Einschieben des
Stützrohrstrangs zur Stützung des Bohrlochs, in Teil (c) die Vorbereitungen für das
Einschieben der vorbereiteten Rohrleitung, in Teil (d) das Einschieben der Rohrleitung
und das Ausschieben des Stützrohrstrangs und in Teil (e) die eingeschobene Rohrleitung
nach Fertigstellung,
- Figur 5
- eine Variante des ersten Ausführungsbeispiels, schematisch dargestellt anhand des
Verfahrensschritts entsprechend Figur 2d,
- Figur 6
- eine schematische Darstellung der wesentlichen maschinentechnischen Komponenten zum
Erstellen des Bohrlochs vor dem Einführen des Bohrkopfs und der Stützrohre und
- Figur 7
- eine schematische Darstellung der wesentlichen maschinentechnischen Komponenten zum
Einschieben der vorbereiteten Rohrleitung nach dem Erstellen und mechanischen Stützen
des Bohrlochs.
[0036] In Figur 1 sind in schematischer Weise anhand von Beispielen grundsätzliche Möglichkeiten
für den Verlauf einer Rohrleitung angegeben, die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
verlegt wird.
[0037] Im ersten Beispiel (Figur 1a) wird das Verfahren von einem Startpunkt 1 in einer
Baugrube (Startbaugrube) 2 unter einem Hindernis 9 in einer vorgegebenen Bohrlinie
7 zu einem Zielpunkt 3 in einer oberflächennahen Zielbaugrube 4 durchgeführt.
[0038] Im zweiten Beispiel für das Verfahren verläuft die Bohrlinie 7 von einem Startpunkt
1 in einer Startbaugrube 2 unter einem Hindernis 9 zu einem Zielpunkt 3, der sich
in einer tiefliegenden Zielbaugrube 4 (d.h. einem Schacht) befindet, siehe Figur 1b.
[0039] Im dritten Beispiel wird das Verfahren von einem Startpunkt 1 in einer Startbaugrube
2 in einer vorgegebenen Bohrlinie 7 zu einem Zielpunkt 3 durchgeführt, der ohne vorbereitete
Baugrube frei im Gelände liegt, z.B. in einem Gewässer 10 (wie in Figur 1c) oder in
einem Tal oder am Fuße eines Abhangs.
[0040] Im Folgenden wird anhand der Figur 2 ausführlicher beschrieben, wie das Verfahren
nach dem ersten Beispiel durchgeführt wird.
[0041] Wie in Figur 2a gezeigt, befindet sich der Startpunkt 1 in einer relativ flachen
Startbaugrube 2 und der Zielpunkt 3 in einer Zielbaugrube 4. Zunächst werden auf dem
Gelände vor der Startbaugrube 2 Stützrohre 11 (die im Prinzip unterschiedliche Längen
haben können) zu einem Rohrstrang 8 (Stützrohrstrang) zusammengekoppelt. Vor der Startbaugrube
2, aber auch in der Startbaugrube 2, wird eine Schubvorrichtung 5 installiert und
mit einem Widerlager 20 verankert. Ferner wird in der Startbaugrube 2 eine Bohrvorrichtung
vorbereitet, wobei es sich im Wesentlichen um eine übliche Microtunnelbohreinheit
mit einem Bohrkopf 6 handelt. Der Stützrohrstrang 8 wird mit dem Bohrkopf 6 fest verbunden.
[0042] Nun wird mit Hilfe der Bohrvorrichtung 6 eine Bohrung entlang einer vorgegebenen
Bohrlinie 7 durchgeführt, die unterhalb eines Hindernisses 9 verläuft, wie in Figur
2b gezeigt. Dabei wird der Bohrkopf 6 von der Schubvorrichtung 5 über den Stützrohrstrang
8 gegen das Bodenmaterial gedrückt, wie es für den Bohrvorgang erforderlich ist. Gemäß
den bekannten Techniken des gesteuerten Rohrvortriebs werden die Positionen des Bohrkopfes
6 vermessen und seine Bewegung entlang der vorgegebenen Bohrlinie 7 gesteuert.
[0043] Der Bohrvorgang entlang der Bohrlinie 7 wird solange fortgesetzt, bis der Bohrkopf
6 den Zielpunkt 3 in der Zielbaugrube 4 erreicht hat, siehe Figur 2c. Der Stützrohrstrang
8 stützt jetzt das Bohrloch 12 in seiner vollen Länge. Der Bohrkopf 6 wird demontiert
und entfernt.
[0044] Nun wird eine auf der Startseite vorbereitete Rohrleitung 14 (Produktrohrstrang)
in die Bohrtrasse verschoben. Im Bereich des Startpunkts 1 wird die Rohrleitung 14
mit Hilfe eines Verbindungselements 13 mit dem Stützrohrstrang 8 verbunden.
[0045] Wie in Figur 2d gezeigt, wird anschließend die Rohrleitung 14 mit Hilfe der Schubvorrichtung
5 in das vorbereitete Bohrloch 12 geschoben, wobei gleichzeitig der Stützrohrstrang
8 in die Zielbaugrube 4 vorgeschoben wird. Auf der Zielseite, d.h. am Zielpunkt 3
oder in seiner näheren oder auch weiteren Umgebung, werden die einzelnen Elemente
des Stützrohrstrangs 8, d.h. die Stützrohre 11, demontiert.
[0046] Nachdem die Rohrleitung 14 vollständig von der Startbaugrube 2 bis zur Zielbaugrube
4 eingeschoben worden ist, kann auch das Verbindungselement 13 demontiert werden.
Falls erforderlich, wird die Rohrleitung 14 im Bereich der Startbaugrube 2 oder der
Zielbaugrube 4 eingekürzt. Die Figur 2e zeigt den Endzustand.
[0047] Bei einer Varianten dieses Ausführungsbeispiels wird die Rohrleitung nicht auf der
Seite des Startpunkts 1, sondern auf der Seite des Zielpunkts 3 vorbereitet. Zunächst
wird der Stützrohrstrang 8 vorgeschoben, bis der in der Figur 2c dargestellte Zustand
erreicht ist. Dann wird der Bohrkopf 6 entfernt. Anschließend wird an der Stelle des
Bohrkopfs 6 ein Verbindungsstück montiert, über das die auf der Seite des Zielpunkts
3 zusammengestellte Rohrleitung mit dem Stützrohrstrang 8 verbunden wird. Nun lässt
sich mit einer in der Nähe der Zielbaugrube 4 verankerten Schubvorrichtung (ähnlich
wie die Schubvorrichtung 5 am Startpunkt 1 oder baugleich damit) die Rohrleitung zum
Startpunkt 1 vorschieben, wobei der Stützrohrstrang 8 am Startpunkt 1 aus dem Bohrloch
12 austritt und dort zerlegt werden kann.
[0048] Falls der Stützrohrstrang 8 zugfest ist, lässt sich die Rohrleitung 14 von einem
Ende des Bohrlochs 12 aus in das Bohrloch 12 vorschieben, wie im Ausführungsbeispiel,
und gleichzeitig vom anderen Ende des Bohrlochs 12 aus über den Stützrohrstrang 8
in das Bohrloch 12 einziehen, wie eingangs erläutert, was den Vorgang des Einbringens
der Rohrleitung 14 in das Bohrloch 12 erleichtern kann. Dies ist in der zu Figur 2d
analogen Figur 5 veranschaulicht, wo am Startpunkt 1 und am Zielpunkt 3 im wesentlichen
baugleiche Vorrichtungen 5 mit Widerlager 20 zum Vorschieben bzw. Einziehen verwendet
werden.
[0049] Anhand der Figur 3 wird nun das zweite Beispiel verdeutlicht. Für gleiche Teile werden
dieselben Bezugszeichen verwendet wie zuvor.
[0050] Der Startpunkt 1 befindet sich in einer Startbaugrube 2, während der Zielpunkt 3
in einem relativ tiefen Zielschacht 16 ausgebildet ist. Zunächst werden auf dem Gelände
vor der Startbaugrube 2 Stützrohre 11 zu einem Stützrohrstrang 8 zusammengekoppelt.
Vor der Startbaugrube 2, aber auch in der Startbaugrube 2, wird eine Schubvorrichtung
5 installiert und mit einem Widerlager 20 verankert. In der Startbaugrube 2 wird eine
Bohrvorrichtung mit einem Bohrkopf 6 vorbereitet. Dabei handelt es sich im Wesentlichen
um eine übliche Microtunnelbohreinheit, wie im ersten Beispiel. Der Stützrohrstrang
8 wird mit dem Bohrkopf 6 verbunden. Diese Schritte sind in Figur 3a dargestellt.
[0051] Wie Figur 3b zeigt, bohrt nun der Bohrkopf 6 entlang der Bohrlinie 7, die unter einem
Hindernis 9 (hier einem Fluss) verläuft, ein Bohrloch 12, wobei dessen Wandung von
dem Stützrohrstrang 8 gestützt wird. Die erforderlichen Andruckkräfte für den Bohrkopf
6 werden von der Schubvorrichtung 5 über den Stützrohrstrang 8 übertragen. Wie zuvor,
wird der Bohrkopf 6 gemäß den vorbekannten Techniken des gesteuerten Rohrvortriebs
in seiner Position vermessen und in seiner Bewegung entlang der vorgeplanten Bohrlinie
7 gesteuert.
[0052] Der Bohrvorgang entlang der Bohrlinie 7 wird solange fortgesetzt, bis der Bohrkopf
6 den Zielpunkt 3 im Zielschacht 16 erreicht hat, siehe Figur 3c. Dort wird der Bohrkopf
6 demontiert und entfernt, siehe Figur 3d.
[0053] Die Figuren 3c und 3d zeigen ferner, wie eine auf der Startseite vorbereitete Rohrleitung
14 in die Bohrtrasse vorgeschoben und mit Hilfe eines Verbindungselements 13 mit dem
Stützrohrstrang 8 verbunden wird. Nun wird die Rohrleitung 14 mit der Schubvorrichtung
5 in das vorbereitete Bohrloch 12 geschoben, wobei gleichzeitig der Stützrohrstrang
8 in den Zielschacht 16 vorgeschoben wird. Dort werden dessen einzelne Elemente, die
Stützrohre 11, demontiert, siehe Figur 3d und Figur 3e.
[0054] Nachdem die Rohrleitung 14 vollständig von der Startbaugrube 2 bis zum Zielschacht
16 eingeschoben ist, wird das Verbindungselement 13 demontiert. Falls erforderlich,
wird die Rohrleitung 14 im Bereich der Startbaugrube 2 und/oder des Zielschachts 16
eingekürzt, siehe Figur 3e.
[0055] Das dritte Beispiel wird anhand der Figur 4 veranschaulicht.
[0056] Diesmal befindet sich der Startpunkt 1 in einer Startbaugrube 2 und der Zielpunkt
3 in einer Talsohle 10, wodurch der Zielpunkt 3 offen zugänglich ist, siehe Figur
4a.
[0057] Zunächst werden auf dem Gelände der Startbaugrube 2 Stützrohre 11 zu einem Stützrohrstrang
8 zusammengekoppelt. Vor der Startbaugrube 2, aber auch in der Startbaugrube 2, wird
eine Schubvorrichtung 5 installiert und mit einem Widerlager 20 verankert. Ferner
wird in der Startbaugrube 2 eine Bohrvorrichtung mit einem Bohrkopf 6 vorbereitet.
Wie zuvor, handelt es sich dabei im Wesentlichen um eine übliche Microtunnelbohreinheit.
Der Stützrohrstrang 8 wird in der Startbaugrube 2 fest mit dem Bohrkopf 6 verbunden,
siehe Figur 4a.
[0058] Mit Hilfe der Bohrvorrichtung 6 wird nun entlang der vorgegebenen Bohrlinie 7 eine
Bohrung durchgeführt, wobei die Bohrvorrichtung 6 von der Schubvorrichtung 5 über
den Stützrohrstrang 8 vorgedrückt wird. Die Vermessung der Position der Bohrvorrichtung
6 und die Steuerung entlang der Bohrlinie 7 werden gemäß den Techniken des gesteuerten
Rohrvortriebs durchgeführt, siehe Figur 4b.
[0059] Der Bohrvorgang entlang der Bohrlinie 7 wird solange fortgesetzt, bis die Bohrvorrichtung
6 den Zielpunkt 3 in der Talsohle 10 erreicht hat, siehe Figur 4c.
[0060] Eine auf der Startseite vorbereitete Rohrleitung 14 wird nun in die Bohrtrasse verschoben
und mit Hilfe eines Verbindungselements 13 mit dem Stützrohrstrang 8 verbunden, siehe
Figur 4c.
[0061] Mit Hilfe der Schubvorrichtung 5 wird die Rohrleitung 14 in das vorbereitete Bohrloch
12 geschoben, wobei gleichzeitig der Bohrkopf 6 und der Stützrohrstrang 8 durch das
Bohrloch 12 vorgeschoben werden.
[0062] Auf der Zielseite werden der Bohrkopf 6 und der Stützrohrstrang 8 bzw. dessen einzelne
Elemente (Stützrohre 11) demontiert, siehe Figur 4d.
[0063] Wenn die Rohrleitung 14 komplett vom Startschacht 2 bis zum Zielpunkt 3 eingeschoben
ist, wird sie gegebenenfalls im Bereich der Startbaugrube 2 und des Zielpunkts 3 eingekürzt,
siehe Figur 4e.
[0064] Bei einer Varianten des dritten Beispiels wird (wie bei der Varianten des ersten
Beispiels) die Rohrleitung vor dem Zielpunkt 3 vorbereitet. Das zweite Beispiel ist
für eine solche Variante weniger geeignet, da sich in dem Zielschacht 16 keine längere
Rohrleitung zusammenstellen lässt.
[0065] In den Figuren 6 und 7 sind die wesentlichen maschinentechnischen Komponenten zur
Durchführung des Verfahrens in vergrößerter Ansicht gezeigt.
[0066] Zunächst wird in einer Startbaugrube 2 der Bohrkopf 6 (Bohrvorrichtung) über ein
Verbindungselement 13 mit dem Stützrohrstrang 8 verbunden (in den an einer oder mehreren
Stellen herkömmliche Zwischenpress- oder Dehnerstationen 15 eingebaut sind). Dabei
befindet sich der Bohrkopf 6 auf einem Führungsrahmen 22. Der Bohrkopf 6 weist ein
Schneidrad 27 als Schneidwerkzeug auf, das im Ausführungsbeispiel mit Hochdruckdüsen
versehen ist. Der freie Endbereich des vorgefertigten Stützrohrstrangs 8 ist auf Rollenböcken
21 gelagert. Nahe der Startbaugrube 2 befindet sich die Schubvorrichtung 5, die die
für den Vortrieb erforderlichen Kräfte in den Stützrohrstrang 8 einleitet (und zwar
über dessen Mantelfläche) und sich dabei über ein Widerlager 20 am Boden abstützt.
[0067] Die Bohrvorrichtung 6 wird über Energie- und Steuerkabel 18 mit Strom versorgt und
angesteuert. Frische Bohrspülung wird mit Hilfe einer Speiseleitung 17 zum Schneidrad
der Bohrvorrichtung 6 geleitet, während über eine Förderleitung 19 die mit Bohrklein
beladene Bohrspülung aus dem Bohrloch heraustransportiert wird. Die genannten Steuer-
und Versorgungsleitungen bzw. Kabel verlaufen innerhalb des Stützrohrstrangs 8 und
werden nach Erreichen des Zielpunkts 2 aus dem Stützrohrstrang 8 entfernt.
[0068] Die Energie- und Steuerkabel 18 führen zu einem Steuerstand 23, der gleichzeitig
die Energieversorgung gewährleistet. Die Speiseleitung 17 verbindet den Bohrkopf 6
mit einer Bohrspülungs-Mischanlage 24, die mit einer Pumpe versehen ist, und leitet
dem Bohrkopf 6 frische Bohrspülung zu. Die Förderleitung 19 führt zu einer Bohrspülungs-Aufbereitungsanlage
26, in der die Bohrspülung vom Bohrklein gereinigt wird. Danach kann die Bohrspülung
über eine Verbindungsleitung 25 wiederum der Bohrspülungs-Mischanlage 24 zugeführt
werden, so dass ein Kreislauf entsteht. Die Bohrspülung dient als Schmiermittel und
kann bei Bedarf auch an zahlreichen Stützrohren in den Ringraum zwischen dem Bohrloch
12 und dem Stützrohrstrang 8 abgegeben werden, um einen problemlosen Vorschub zu gewährleisten.
Die Bohrklein enthaltende Bohrspülung wird aufgefangen und der Förderleitung 19 zugeführt.
[0069] In Figur 7 ist veranschaulicht, wie das hinterste Stützrohr 11 des Stützrohrstrangs
8 mittels eines Verbindungselements 13 (das anders konstruiert sein kann als das zuvor
erwähnte Verbindungselement 13) mit dem vorbereiteten Rohrstrang 14 verbunden wird.
Im Ausführungsbeispiel leitet die Schubvorrichtung 5 aus Figur 6 auch die erforderlichen
Vortriebskräfte in den Rohrstrang 14, so dass der Rohrstrang 14 in das Bohrloch 12
eingeschoben wird und der Stützrohrstrang 8 am Zielpunkt 3 aus dem Bohrloch 12 austritt.
[0070] Die Darstellung in den Figuren 6 und 7 ist nicht maßstabsgetreu. Bei geringer Elastizität
des Stützrohrstrangs 8 bzw. des Rohrstrangs 14 empfehlen sich große Krümmungsradien.
Bei Bedarf können auch gelenkige Rohrverbindungen in vorgewählten Abständen eingebaut
werden.
Bezugszeichenliste:
[0071]
- 1
- Startpunkt
- 2
- Startbaugrube
- 3
- Zielpunkt
- 4
- Zielbaugrube
- 5
- Schubvorrichtung
- 6
- Bohrkopf (Bohrvorrichtung)
- 7
- Bohrlinie
- 8
- Stützrohrstrang
- 9
- Hindernis
- 10
- Talsohle (Gewässerboden)
- 11
- Stützrohr
- 12
- Bohrloch
- 13
- Verbindungselement
- 14
- Rohrleitung (Produktrohrstrang)
- 15
- Zwischenpressstation (Dehnerstation)
- 16
- Zielschacht
- 17
- Speiseleitung
- 18
- Energie- und Steuerkabel
- 19
- Förderleitung
- 20
- Widerlager
- 21
- Rollenböcke
- 22
- Führungsrahmen
- 23
- Steuerstand mit Energieversorgung
- 24
- Bohrspülungs-Mischanlage mit Pumpe
- 25
- Verbindungsleitung
- 26
- Bohrspülungs-Aufbereitungsanlage
- 27
- Schneidrad
1. Verfahren zum grabenlosen Verlegen von Rohrleitungen, bei dem von einem Startpunkt
(1) aus ein gesteuerter Rohrvortrieb unter einem Hindernis (9) zu einem Zielpunkt
(3) geführt wird,
- wobei ein Bohrkopf (6) vom Startpunkt (1) ausgehend mit Stützrohren (11) in Richtung
auf den Zielpunkt (3) vorgeschoben wird und das dabei erzeugte Bohrloch (12) bereits
auf seinen Enddurchmesser aufgeweitet und von den Stützrohren (11) gestützt wird und
der vom Bohrkopf (6) gelöste Boden aus dem Bohrloch (12) gefördert wird,
- wobei eine zumindest in Teilabschnitten vorbereitete Rohrleitung (14) an den aus
den Stützrohren (11) gebildeten Stützrohrstrang (8) angekoppelt und durch das Bohrloch
(12) bewegt wird, wobei die Stützrohre (11) wieder aus dem Bohrloch austreten,
- dadurch gekennzeichnet, dass die Rohrleitung (14) unter Ausübung von Druckkräften durch das Bohrloch (12) vorgeschoben
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohrleitung (14) nach dem Ankoppeln an den Stützrohrstrang (8) den Stützrohrstrang
(8) durch das Bohrloch (12) schiebt.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Vortriebskraft zum Vorschieben der Rohrleitung (14) mit einer Schubvorrichtung
(5, 20) über die Mantelfläche der Rohrleitung (14) aufgebracht wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohrleitung (14) von der Seite des Startpunkts (1) ausgehend in das Bohrloch
(12) bewegt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohrleitung (14) an den Stützrohrstrang (8) angekoppelt wird, nachdem der Bohrkopf
(6) den Zielpunkt (3) erreicht hat.
6. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohrleitung (14) an den Stützrohrstrang (8) angekoppelt wird, bevor der Bohrkopf
(6) den Zielpunkt (3) erreicht hat.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohrleitung (14) von der Seite des Zielpunkts (3) ausgehend in das Bohrloch (12)
bewegt wird und an den Stützrohrstrang (8) angekoppelt wird, nachdem der Bohrkopf
(6) den Zielpunkt (3) erreicht hat.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Stützrohrstrang (8) zum Übertragen von Zugkräften eingerichtet ist und dass nach
dem Ankoppeln der Rohrleitung (14) an den Stützrohrstrang (8) am gegenüberliegenden
Ende des Bohrlochs (12) Zugkräfte auf den Stützrohrstrang (8) ausgeübt werden, so
dass die Rohrleitung (14) sowohl in das Bohrloch (12) vorgeschoben als auch in das
Bohrloch (12) gezogen wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Bohrkopf (6) nach Erreichen des Zielpunkts (3) abgekoppelt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass der vom Bohrkopf (6) gelöste Boden hydraulisch aus dem Bohrloch (12) gefördert wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen zwei benachbarten Stützrohren (11) eine Dehnerstation (15) eingebaut wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass an die Außenseite des Stützrohrstrangs (8) ein Schmiermittel gebracht wird, vorzugsweise
über an zumindest einzelnen Stützrohren (11) vorgesehene Schmiernippel.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass am Startpunkt (1) eine Baugrube (2) vorgesehen ist.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass am Zielpunkt (3) eine Baugrube (4) vorgesehen ist.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass am Zielpunkt (3) ein Schacht (16) vorgesehen ist.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Startpunkt (1) und dem Zielpunkt (3) mindestes ein Zwischenschacht angeordnet
wird, in dem eine Vorrichtung angeordnet ist, die dazu eingerichtet ist, Zug- und/oder
Druckkräfte auf den Stützrohrstrang (8) bzw. die Rohrleitung (14) auszuüben, um die
Vorbewegung des Stützrohrstrangs (8) bzw. der Rohrleitung (14) zu erleichtern.
17. Verfahren zum grabenlosen Verlegen von Rohrleitungen, bei dem von einem Startpunkt
(1) aus ein gesteuerter Rohrvortrieb unter einem Hindernis (9) zu einem Zielpunkt
(3) geführt wird,
- wobei ein Bohrkopf (6) vom Startpunkt (1) ausgehend mit Stützrohren (11) in Richtung
auf den Zielpunkt (3) vorgeschoben wird und das dabei erzeugte Bohrloch (12) bereits
auf seinen Enddurchmesser aufgeweitet und von den Stützrohren (11) gestützt wird und
der vom Bohrkopf (6) gelöste Boden aus dem Bohrloch (12) gefördert wird und
- wobei der aus den Stützrohren (11) gebildete Stützrohrstrang (8) zugfest ist,
- dadurch gekennzeichnet, dass eine auf der Seite des Startpunkts (1) zumindest in Teilabschnitten vorbereitete
Rohrleitung (14) an den Stützrohrstrang (8) angekoppelt wird, nachdem der Bohrkopf
(6) den Zielpunkt (3) erreicht hat, und dass vom Zielpunkt (3) aus Zugkräfte auf den
Stützrohrstrang (8) ausgeübt werden, um die an den Stützrohrstrang (8) angekoppelte
Rohrleitung (14) in das Bohrloch (12) einzuziehen.