(19)
(11) EP 2 089 498 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
30.03.2011  Patentblatt  2011/13

(21) Anmeldenummer: 07803578.9

(22) Anmeldetag:  21.09.2007
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
C10M 173/02(2006.01)
C10N 20/06(2006.01)
C10N 40/24(2006.01)
C10M 111/02(2006.01)
C10N 30/08(2006.01)
C10N 50/02(2006.01)
(86) Internationale Anmeldenummer:
PCT/EP2007/060034
(87) Internationale Veröffentlichungsnummer:
WO 2008/043656 (17.04.2008 Gazette  2008/16)

(54)

GRAPHITHALTIGER HOCHTEMPERATURSCHMIERSTOFF FÜR EDEL- UND KOHLENSTOFFSTÄHLE

GRAPHITE-CONTAINING HIGH-TEMPERATURE LUBRICANT FOR HIGH-GRADE STEELS AND CARBON STEELS

LUBRIFIANT HAUTE TEMPÉRATURE GRAPHITEUX POUR ACIERS INOXYDABLES ET ACIERS AU CARBONE


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MT NL PL PT RO SE SI SK TR

(30) Priorität: 09.10.2006 DE 102006047621

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
19.08.2009  Patentblatt  2009/34

(73) Patentinhaber: Chemische Fabrik Budenheim KG
55257 Budenheim (DE)

(72) Erfinder:
  • BUGNER, Steffen
    55257 Budenheim (DE)
  • SCHNEIDER, Bernd
    65205 Wiesbaden (DE)
  • GISKOW, Ralf
    55120 Mainz (DE)
  • FUTTERER, Thomas
    55218 Ingelheim (DE)

(74) Vertreter: WSL Patentanwälte 
Taunusstraße 5a
65183 Wiesbaden
65183 Wiesbaden (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
EP-A- 0 164 637
WO-A-2006/029934
US-A- 3 379 642
EP-A- 0 357 508
DE-A1- 2 450 716
US-A- 5 348 672
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Hochtemperaturschmierstofffür die Heißumformung von Edel- und Kohlenstoffstählen, der einen Gehalt an Graphit, organischem Treibmittel und anorganischem Trennmittel aufweist. Die Erfindung betrifft weiterhin die Verwendung des erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoffs.

    Technisches Gebiet der Erfindung



    [0002] Bei der Herstellung von nahtlosen Rohren wird ein massiver Stahlblock auf eine bestimmte Umformungstemperatur erhitzt und zu einem dickwandigen Hohlblock gelocht. Dieser Hohlblock wird über ein Werkzeug, die Dornstange, gesteckt und ohne zusätzliche Wärmezuführung über der Dornstange mittels außen anliegender Walzen ausgewalzt bzw. gestreckt. Dabei treten teilweise erhebliche Drücke und Reibungskräfte auf den Oberflächen des zu verarbeitenden Metalls und des Bearbeitungswerkzeugs auf, die maßgeblich die Haltbarkeit der verarbeitenden Werkzeuge beeinflussen. Darüber hinaus bestimmen die Reibungsverhältnisse letztlich die Oberflächenqualität der produzierten Erzeugnisse.

    [0003] Bei der vorgenannten Herstellung nahtloser Rohre werden unterschiedlichste Stahlqualitäten umgeformt, z. B. legierte und hochlegierte Stähle und Kohlenstoffstähle. Für diese unterschiedlichen Stahlqualitäten und für verschiedene zu walzende Wandstärken und Streckungen werden unterschiedliche Anforderungen an eingesetzte Dornstangenschmierstoffe und Trennmittel gestellt.

    [0004] Aufgrund der sehr unterschiedlichen Materialeigenschaften der verschiedenen Stahlwerkstoffgruppen während des Umformprozesses im erhitzten Zustand, wird bei der Umformung von Kohlenstoffstählen hauptsächlich eine möglichst gute Schmierwirkung des Schmierstoffes und bei legierten und hochlegierten Stählen zusätzlich eine möglichst gute Trennwirkung des Schmierstoffes benötigt. Darüber hinaus werden an einen Hochtemperaturschmierstoff hohe Anforderungen in Bezug auf Temperaturstabilität und gleichbleibende Walzergebnisse bei Änderung der Wandstärke und/oder der Stahlqualität gestellt.

    [0005] Ein Anhaften von Walzgut an die Werkzeugoberflächen ist zu vermeiden, da es hierdurch zu erheblichen Qualitätseinbußen auf den Innenoberflächen der Fertigprodukte kommt. Wichtig in Bezug auf die nach der Beschichtung der Werkzeuge mit dem Schmierstoff erfolgende Umformung ist auch die möglichst gute Haftung des Schmierstoffs auf dem Werkzeug, ein schnelles Antrocknen und eine gleichmäßige Ausbildung der Schicht aus aufgebrachtem Schmierstoff.

    [0006] Bei kohlenstoffhaltigen Schmierstoffen, wie z.B. graphithaltigen Schmierstoffen, kann es im Bereich der Korngrenzen des Walzgutes bei Kontakt mit dem Schmierstoff bei Umformtemperaturen in der Größenordnung von 1100 bis 1300 °C zu sogenannten Aufkohlungen des Walzgutes kommen, wobei Kohlenstoff in die Metalloberfläche eindiffundiert und es zu einer partiellen Versprödung des Metalls und zu Lochbildungen mit Eindringtiefen bis zu etwa 300 µm kommen kann. Die Versprödung des Metalls führt bei der Weiterverarbeitung des Werkstückes dazu, daß der versprödete Werkstoff aufreißt und das Werkstück unbrauchbar wird. Lochbildungen werden beim anschließenden Elongierprozeß zu Längsriefen ausgewalzt. Diese Riefen stellen eine erhebliche, nicht akzeptable Qualitätsminderung des fertigen Walzgutes dar, die vermieden werden muß.

    [0007] Je nach Stahlqualität und Walzverfahren wurden bereits unterschiedliche, speziell abgestimmte Schmierstoffrezepturen entwickelt. Dies hat zur Folge, daß bei Änderungen in der Produktion, wie beispielsweise einem Wechsel von legierten und hochlegierten Stahlqualitäten zu Kohlenstoffstählen, neben den für den Walzwerk-Betreiber durchzuführenden Änderungen der Prozeβeinstellungen und Walzparameter auch der Schmierstoff ausgetauscht werden muß. Dies ist mit kostenintensiven Nachteilen verbunden, wie beispielsweise längeren Produktionsunterbrechungen, erhöhtem Arbeitsaufwand durch die Umstellung, der Notwendigkeit, verschiedenste an den Werkstoff und den Walzprozeß angepaßte Schmierstoffe an Lager zu halten, der Bereitstellung von zusätzlichen Anrühr- und Vorratsbehältern und der Bereitstellung einer weiteren, separaten Einrichtung zur Aufbringung des alternativen, auf die speziellen Anforderungen abgestimmten Schmierstoffs.

    [0008] Schmierstoffe für den Anwendungsbereich der Edelstahl-Umformung sind z.B. in der EP-A-0 357 508 beschrieben. Diese sind jedoch für diesen Anwendungsbereich optimiert und daher für die Umformung von Kohlenstoffstählen in Bezug auf Werkzeugstandzeiten und Stromaufnahmen der Walzen nicht optimal.

    [0009] Schmierstoffe für den Bereich der Kohlenstoffstahl-Umformung sind z.B. in den Patenten EP-A-0 164 637, EP-A-0 554 822 und EP 0 909 309 beschrieben. Mit diesen Schmierstoffen können unter vergleichbaren Bedingungen nur dann höher legierte Werkstoffe umgeformt werden, wenn zusätzlich ein pulverförmiges Desoxidationsmittel die Schmierwirkung unterstützt.

    [0010] Die EP 0 745 661 offenbart ein graphithaltiges Schmiermittel, das einen Anteil an einem oder mehreren Tonmineralen aus der Klasse der Smektite aufweist Zusätzlich weisen diese Schmiermittel entweder einen Gehalt an Kieselsäuresol oder Kalium-Aluminium-Silikat auf. Laut EP 0 745 661 können solche Schmiermittel den Nachteil der Aufkohlung von graphithaltigen Schmiermitteln bei relativ hohen Arbeitstemperaturen weitestgehend überwinden. Zwar können solche Schmiermittel mit Gehalten an Graphit und Schichtsilikat eine geringere Aufkohlung bei der Metallbearbeitung aufweisen, sie sind allerdings bezüglich der Reibungsverhältnisse zwischen den Metalloberflächen häufig verbesserungsbedürftig, um die Haltbarkeit der bearbeitenden Werkzeuge, z.B. der Dornstangen, zu verlängern.

    Aufgabe



    [0011] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung bestand daher darin, einen für ein breites Spektrum an Stahlqualitäten für verschiedene zu walzende Wandstärken und Streckungen einsetzbaren Hochtemperaturschmierstoff bereitzustellen, der zudem temperaturstabil ist, gleichbleibende Walzergebnisse bei Änderung der Wandstärke und/oder der Stahlqualität liefert und nicht zu unerwünschten Aufkohlungen des Walzgutes führt. Ein Hochtemperaturschmierstoff dieser Art wurde bislang nicht beschrieben.

    Lösung



    [0012] Diese Aufgabe wird gelöst durch einen Hochtemperaturschmierstoff für die Heißumformung von Edel- und Kohlenstoffstählen, welcher wenigstens folgende Bestandteile in Gew.-%, bezogen auf den Feststoffgehalt, enthält:
    1. (a) 40 bis 90 Gew.-% Graphit,
    2. (b) 2 bis 10 Gew-% organisches Treibmittel,
    3. (c) 5 bis 50 Gew.-% anorganisches Trennmittel,
    wobei das organische Treibmittel (b) aus der Gruppe ausgewählt ist, bestehend aus Melamin, Melam, Melem, Melon,
    Phosphatsalzen und Polyphosphatsalzen der vorgenannten Verbindungen mit Phosphatkettenlängen im Bereich von n = 1 bis 1000,
    Umsetzungsprodukten und Addukten der vorgenannten Verbindungen mit Cyanursäure oder Isocyanursäure und
    Gemischen der vorgenannten,
    und das anorganische Trennmittel (c) ein Schichtsilikat oder ein Gemisch von Schichtsilikaten ist.

    [0013] Die erfindungsgemäße Hochtemperaturschmierstoff-Zusammensetzung zeigt überraschenderweise hervorragende Schmier- und Trenneigenschaften als ein bei verschiedensten Stahlqualitäten universell einsetzbarer Schmierstoff bei der Heißumformung, insbesondere bei Walzprozessen zur Herstellung nahtloser Rohre. Der erfindungsgemäße Schmierstoff ist bei hohen Temperaturen stabil, liefert bei verschiedensten Stahlqualitäten und bei sich ändernden Wandstärken gleichbleibende Walzergebnisse und führt trotz des hohen Kohlenstoff- bzw. Graphitgehalts nicht zu Aufkohlungen in höherem Maße, die das Walzgut schädigen.

    [0014] Der erfindungsgemäße Hochtemperaturschmierstoff hat gegenüber bislang bekannten Schmierstoffen für die Heißumformung von Metallen den wesentlichen Vorteil, daß für verschiedenste Stahlqualitäten nur eine einzige Schmierstoffrezeptur in einem Walzwerk eingesetzt zu werden braucht. Dadurch werden bei einem Wechsel der Stahlsorte in dem Bearbeitungsprozeß längere Produktionsunterbrechungen, erhöhter Arbeitsaufwand für den Austausch des Schmierstoffs und die Vorhaltung verschiedener Schmierstoffe an Lager vermieden. Des weiteren ist es aufgrund des universell einsetzbaren Schmierstoffes der vorliegenden Erfindung nicht erforderlich, daß in einem Walzwerk separate Einrichtungen zur Herstellung, Bevorratung und zum Aufbringen weiterer Schmierstoffe bereitgestellt werden. Dadurch können in erheblichem Umfang Kosten eingespart werden.

    [0015] Der Graphit mit seinen hervorragenden Schmiereigenschaften ist in dem erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoff, bezogen auf den Feststoffgehalt, in einer Menge von 40 bis 90 Gew.-% enthalten. Bei einer Menge von weniger als 40 Gew.-% Graphit sind die Schmiereigenschaften des erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoffs ungenügend, die Antriebskräfte der Außenwerkzeuge erhöhen sich und das umzuformende Material "fließt" zu wenig. Bei einer Menge von mehr als 90 Gew.-% Graphit kann keine ausreichende Trennwirkung zwischen Walzgut und Dornstange gewährleistet werden. Insbesondere Edelstähle neigen dazu, an den Werkzeugen zu haften.

    [0016] Bei einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält der Hochtemperaturschmierstoff 50 bis 80 Gew.-% Graphit, bezogen auf den Feststoffgehalt.

    [0017] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist der in dem Hochtemperaturschmierstoff eingesetzte Graphit kristalliner oder makrokristalliner Graphit, vorzugsweise kristalliner oder makrokristalliner Naturgraphit. Die Verwendung von amorphem Graphit hat sich als ungeeignet erwiesen, da die Schmiereigenschaften des Hochtemperaturschmierstoffs bei Verwendung von amorphem Graphit schlechter werden und sich dies direkt nachteilig auf die Standzeit des Werkzeugs auswirkt Die Verwendung von Kugelgraphit hat sich als völlig ungeeignet erwiesen.

    [0018] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoffs weist der Graphit eine Reinheit > 90 %, vorzugsweise > 95 %, bezogen auf den Kohlenstoffgehalt des Graphits, auf. Die Verwendung von Graphit mit einer Reinheit von weniger als 90 % hat sich als ungeeignet erwiesen, da die Begleitstoffe und Verunreinigungen die Bildung von Aufkohlungen begünstigen bei gleichzeitiger Herabsetzung der Schmierwirkung aufgrund des geringeren Graphitgehalts in der Zusammensetzung. Ein erfindungsgemäß geeigneter kristalliner Naturgraphit weist üblicherweise eine Reinheit von etwa 96 % auf.

    [0019] In einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoffs weist der Graphit eine mittlere Teilchengröße (d50) von 5 bis 40 µm, vorzugsweise 10 bis 25 µm auf. Die Verwendung von Graphit mit einer mittleren Teilchengröße von weniger als 5 µm ist ungeeignet, da keine ausreichende Plättchenstruktur mehr vorliegt und dies eine geringere Schmierwirkung zur Folge hat. Die Verwendung von Graphit mit einer mittleren Teilchengröße von mehr als 40 µm ist ungeeignet, da dies Plättchengrößen mit sich bringt, bei denen Nachteille in der Handhabung aufgrund starker Sedimentationsneigung auftreten.

    [0020] Naturgraphit der vorgenannten Reinheit enthält weitere Bestandteile als Verunreinigungen oder Beimengungen, wie u.a. Silizium in der Form von Siliziumcarbid (SIC) oder Siliziumoxid (SiO2). Da Siliziumcarbid und Siliziumoxid stark abrasiv wirken, führt ein zu hoher Siliziumgehalt In dem erfindungsgemäß eingesetzten Graphit zu einem unerwünscht hohen Abrieb des Werkzeugs und/oder des Werkstücks. In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoffs enthält der eingesetzte Graphit daher Silizium als Verunreinigung oder Beimengung in einer Menge von nicht mehr als 2,0 Gew.-%, vorzugsweise nicht mehr als 1,5 Gew.-%, besonders bevorzugt nicht mehr als 0,2 Gew.-%.

    [0021] Der erfindungsgemäße Hochtemperaturschmierstoff enthält organisches Treibmittel in einer Menge von 2 bis 10 Gew.-%. Das organische Treibmittel ist unter Stickstoffverbindungen der oben genannten Definition ausgewählt In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung enthält das organische Treibmittel mehr als 70 Gew.-%, vorzugsweise mehr als 80 Gew.-%, besonders bevorzugt mehr als 90 Gew.-% Melaminisocyanurat. Ganz besonders bevorzugt besteht das organische Treibmittel zu 100 Gew.-% aus Melaminisocyanurat. Das in dem erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoff eingesetzte organische Treibmittel setzt bei erhöhten Temperaturen, vorzugsweise Temperaturen > 350 °C. Gas frei und bildet damit ein Gaspolster zwischen dem Werkzeug und dem Werkstück während der Umformung des Werkstückes bei den üblichen Umformtemperaturen. Die Gasbildung erfolgt entweder durch Zersetzung des organischen Treibmittels, durch Sublimation oder beidem. Eine Menge von weniger als 2 Gew.-% an organischem Treibmittel führt zu einer ungenügenden Gasbildung bzw. Gasfreisetzung, so daß kein ausreichendes Gaspolster zwischen Werkzeug und Werkstück ausgebildet werden kann. Eine zu hohe Menge an organischem Treibmittel ist unvorteilhaft, da es zu unkontrolliert hoher Gasbildung und damit verbundener Störung des Walzprozesses durch Gasexpansion kommen kann. Melaminisocyanurat ist für diesen Zweck ganz besonders geeignet.

    [0022] In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält der Hochtemperaturschmierstoff organisches Treibmittel in einer Menge von 3 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise 4 bis 6 Gew.-%. Als besonders geeignet hat sich eine Menge von etwa 5 Gew.-% an organischem Treibmittel erwiesen.

    [0023] Der erfindungsgemäße Hochtemperaturschmierstoff enthält weiterhin ein Schichtsilikat oder ein Gemisch von Schichtsilikaten als anorganisches Trennmittel in einer Menge von 5 bis 50 Gew.-%. Ein Anteil des anorganischen Trennmittels in einer Menge von weniger als 5 Gew.-% ist ungeeignet, da keine ausreichende Trennwirkung erzielt wird. Eine Menge von mehr als 50 Gew.-% an organischem Trennmittel führt zu reduzierter Schmierwirkung.

    [0024] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält der Hochtemperaturschmierstoff das anorganische Trennmittel in einer Menge von 10 bis 40 Gew.-%, vorzugsweise 15 bis 30 Gew.-%.

    [0025] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoffs ist das anorganische Trennmittel unter Kaolinit, Antigorit, Hydrohalloysit, Serpentin, Greenalith, Pyrophyillit, Talk, Margarit, Vermiculit, Sudoit und Chlorit ausgewählt Besonders bevorzugt sind Kaolinit und Antigorit alleine oder im Gemisch. In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoffs ist das anorganische Trennmittel aus der Gruppe der alkalifreien wasserhaltigen Schichtsilikate mit Zweier-Einfach-Schicht ausgewählt, wie beispielsweise Kaolinit, Antigorit und Halloysit. Ganz besonders bevorzugt ist unter den Schichtsilikaten das Tonmineral Kaolinit, ein Aluminiumhydrosilikat der allgemeinen Formel Al2[Si2O5(OH)4].

    [0026] Kaolinit wird entweder durch Schlämmung des Tongesteins Kaolin oder synthetisch aus Polykieselsäure und Aluminiumhydroxid gewonnen. Da Kaoline überwiegend aus dem Mineral Kaolinit bestehen (etwa 88 %), kann bei speziellen Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung anstelle von reinem Kaolinit auch Kaolin verwendet werden. Der Vorteil der Verwendung des Tongesteins Kaolin liegt in den geringeren Kosten für das Rohmaterial gegenüber der Verwendung von reinem oder beispielsweise synthetisch hergestelltem Kaolinit. Erfindungsgemäß wird daher vorzugsweise Kaolin eingesetzt. Dem gegenüber kann aber auch die höhere Reinheit des Minerals Kaolinit bzw. die höchstmögliche Reinheit des synthetisch hergestellten Kaolinits zum Zwecke einer exakteren Reproduzierbarkeit von Erzeugnissen einheitlicher Qualität gewünscht sein.

    [0027] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoffs weist das anorganische Trennmittel eine mittlere Teilchengröße (d50) von 0,5 bis 15 µm, vorzugsweise 1 bis 10 µm, besonders bevorzugt 1 bis 7 µm auf. Geringere Teilchengrößen als 0,5 µm haben den Nachteil, daß es zu Agglomeratbildung des Rohstoffs kommt und diese nicht ausreichend gut in der Pulvermischung homogenisiert werden kann. Teilchengrößen von mehr als 15 µm haben den Nachteil, daß dadurch die Trennwirkung des Trennmittels teilweise durch eine sich nachteilig auswirkende Abrasionswirkung überlagert wird und sich darüber hinaus bei stark unterschiedlichen Teilchengrößen keine homogene Mischung herstellen läßt.

    [0028] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält der Hochtemperaturschmierstoff 1 bis 20 Gew.-% organisches Haftmittel, das unter Alkylenhomopolymeren und -copolymeren ausgewählt ist. Das Haftmittel ist in Wasser suspendierbar und bildet auf dem Substrat (Werkzeug und/oder Werkstück) einen Film, der dazu beiträgt, daß die übrigen Bestandteile der Zusammensetzung des Schmiermittels gehalten werden. Eine Menge von weniger als 1 Gew.-% des organischen Haftmittels ist ungenügend, da sich dadurch die Schichtdicken des eingesetzten Schmierstoffs auf ein ungenügendes Maß reduzieren. Eine Menge von mehr als 20 Gew.-% organisches Haftmittel hat den Nachteil, daß die Schmierwirkung aufgrund des fehlenden Graphitanteils herabgesetzt wird und sich somit die Werkzeugstandzeiten verringern.

    [0029] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung enthält der Hochtemperaturschmierstoff das organische Haftmittel in einer Menge von 2 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise 2 bis 5 Gew.-%.

    [0030] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoffs ist das organische Haftmittel unter Homo- und Copolymeren von Arylalkenen, α,β-ungesättigten Säuren und Estern, β,γ-ungesättigten Säuren und Estern, Alkenen, Vinylestern, Vinylalkoholen, ungesättigten dibasischen Säuren und Estern, Alkylestern und acyclischen Säuren und Estern ausgewählt. Ganz besonders bevorzugt ist das organische Haftmittel unter Polyethylen, Polymethylmethacrylat, Polystyrol, Polybutadien, Polyvinylacetat, Polyvinylpropionat, Copolymer aus Methylmethacrylat und Styrol, Copolymer aus Methylenmethacrylat und Alphamethylstyrol, Polydiallylphthalat, Polypropylen, Copolymer aus Styrol und Butadien, Polymethylmethacrylat, Copolymer aus Vinylacetat und Dibutylmaleinat, Copolymer aus Vinylacetat und Ethylen und Polyisobutylen ausgewählt.

    [0031] In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält der Hochtemperaturschmierstoff weiterhin 2 bis 15 Gew.-% an anorganischem oder organischem Stabilisator, wobei der Stabilisator unter Polysacchariden, Alkylzellulosen, Hydroxyzellulosen und Tonmineralien ausgewählt ist. Der erfindungsgemäße Hochtemperaturschmierstoff wird in der Anwendung häufig bzw. üblicherweise als eine Suspension oder Dispersion in einer Flüssigkeit, vorzugsweise in Wasser, eingesetzt. Der anorganische Stabilisator erhöht in dieser Suspension oder Dispersion die Viskosität und dient somit als Verdicker und verhindert bzw. vermindert die Sedimentation und damit die Trennung der übrigen Bestandteile des Hochtemperaturschmierstoffs. Eine Menge von weniger als 2 Gew.-% des Stabilisators ist unerwünscht, da dann die Viskositätserhöhung nicht ausreicht, um eine Sedimentation der Bestandteile des Hochtemperaturschmierstoffs in ausreichendem Maße zu verhindern und die Homogenität des Schmierstoffs zu gewährleisten. Eine Menge von mehr als 15 Gew.-% des Stabilisators führt zu einer Viskositätserhöhung der Suspension oder Dispersion, so daß diese nur noch schlecht im Sprühverfahren auf das Werkzeug aufgebracht werden kann. Darüber hinaus kann eine zu hohe Viskosität die Ausbildung eines ausreichend zusammenhängenden und gleichmäßig dicken Schmiermittelfilms beeinträchtigen.

    [0032] In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält der Hochtemperaturschmierstoff den Stabilisator in einer Menge von 3 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise 4 bis 6 Gew.-%. Besonders bevorzugt ist der Stabilisator ein anorganisches Material, das unter Tonmineralien auf Silikatbasis oder Gemischen davon, vorzugsweise unter Bentoniten und organisch modifizierten Bentoniten ausgewählt ist. Ganz besonders bevorzugt ist der Stabilisator unter Tonmineralien aus der Klasse der Smektite, vorzugsweise der Klasse der Montmorrionite ausgewählt.

    [0033] Smektite bestehen im wesentlichen aus Schichtsilikaten und zeichnen sich strukturbedingt durch ein hohes Kationenaustauschvermögen und durch hohe Quellbarkeit in Wasser aus. Aus der Klasse der Smektite werden besonders bevorzugt Montmorrionite eingesetzt, die ein Quellvermögen (1 g Montmorrionit in destilliertem Wasser) von 3 bis 50 aufweisen. Aufgrund des vorgenannten Kationenaustauschvermögens können die Smektite bzw. Montmorrionite mit anorganischen oder organischen Kationen "modifiziert" werden. Die in dem erfindungsgemäßen Hochtemperaturschmierstoff mit Vorteil eingesetzten Tonminerale zeichnen sich durch ausgezeichnete Bindeeigenschaften aus und haben zudem den Vorteil, daß sie im Gegensatz zu organischen Stabilisatoren nicht der Pyrolyse unterliegen. Des weiteren führt die Verwendung der genannten Tonminerale zu einer überraschend schnellen Trocknungszeit des Schmiermittelfilms auf dem Werkstück und/oder dem Werkzeug innerhalb von wenigen Sekunden. Durch die Verwendung dieser Stabilisatoren gelingt es, mit dem erfindungsgemäßen Schmiermittel auf dem Werkzeug und/oder dem Werkstück innerhalb kürzester Zeit einen gleichmäßigen und trockenen Schmierfilm zu erzeugen, noch bevor das Werkzeug und das Werkstück in Kontakt gebracht werden.

    [0034] Als Handelsprodukt wird der erfindungsgemäße Hochtemperaturschmierstoff zweckmäßigerweise als pulverförmiger, trockener Feststoff bereitgestellt. Er kann auch als solcher Feststoff direkt angewendet werden, jedoch ist es vorteilhaft, ihn in der Anwendung als Suspension oder Dispersion in einer Flüssigkeit, vorzugsweise Wasser, mit einem Feststoffgehalt von 5 bis 50 Gew.-%, vorzugsweise 15 bis 40 Gew.-%, besonders bevorzugt 25 bis 30 Gew.-%, einzusetzen. Der Hochtemperaturschmierstoff kann so auf das Werkzeug und/oder das Werkstück gleichmäßig aufgesprüht werden. Aufgrund der erhöhten Temperatur des Werkzeugs und/oder des Werkstücks verdampft die Flüssigkeit und läßt eine gleichmäßige feste Beschichtung des Schmierstoffs zurück. Selbstverständlich kann der erfindungsgemäße Hochtemperaturschmierstoff auch als eine solche Suspension oder Dispersion in den Handel gebracht werden.

    [0035] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung weisen die festen Bestandteile des Hochtemperaturschmierstoffs eine mittlere Teilchengröße < 200 µm, vorzugsweise < 150 µm, besonders bevorzugt < 100 µm auf. Haben die festen Bestandteile des Hochtemperaturschmierstoffs eine höhere mittlere Teilchengröße, so hat dies den Nachteil einer erhöhten Sedimentationsneigung in suspendierter Applikationsform.

    [0036] Weitere Vorteile, Merkmale und Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung werden anhand der nachfolgenden Beispiele erläutert.

    Beispiele


    Beispiel 1



    [0037] Es wurden 4 verschiedene Schmierstoffrezepturen in Längswalzverfahren getestet. Die Rezepturen wurden jeweils als 30 %-ige wäßrige Suspensionen eingesetzt. Alle Gewichtsprozentangaben beziehen sich jeweils auf den Feststoffgehalt. In den Längswalzverfahren wurden Rohre mit dünnen Wänden (Wandstärke = 4,1 mm) bei Dornstangentemperaturen von 80 - 100 °C hergestellt. Es wurden ca. 90 g Schmiermittelsuspension pro m2 aufgetragen. Die Auslaufzeit der Suspensionen nach EN-ISO 2431 (6 mm) betrug etwa 50 sek. Die Walzlose umfaßten jeweils etwa 500 bis 2000 Rohre. Als Werkstoffe wurden ein Kohlenstoffstahl der Qualität P110 und ein legierter Stahl der Qualität P91 eingesetzt.

    [0038] Die durch Mischen der Bestandteile hergestellten Rezepturen der pulverförmigen, trockenen Schmierstoffe und die Walzergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle 1 angegeben. Da dünne Wandstärken aufgrund der höheren Streckung eine bessere Schmierung benötigen als dicke Wandstärken, sind die Ergebnisse der Schmierwirkung auch auf den Dickwandbereich übertragbar.
    Tabelle 1
    Rezeptur Komponenten Zusammensetzung (Gew.-%) Walzergebnisse1)
    C-Stahl P100 leg. Stahl P91
    1 (a) Graphit 66,2 +++ +++
      (b) organisches Treibmittel 5,0    
    (Erfindung) (c) anorganisches Trennmittel 21,0    
      (d) organisches Haftmittel 3,0    
      (e) anorganischer Stabilisator 4,3    
      (f) Bakterizid 0,5    
               
    2 (a) Graphit 66,2 +++ ---
    (Vergleichsrezeptur) (x) organisches Treibmittel 5,0    
    (c) anorganisches Trennmittel 21,0    
    (d) organisches Haftmittel 3,0    
      (e) anorganischer Stabilisator 4,3    
      (f) Bakterizid 0,5    
               
    3 (a) Graphit 66,2 +++ ---
    (Vergleichsrezeptur) (y) organisches Treibmittel 5,0    
    (c) anorganisches Trennmittel 21,0    
    (d) organisches Haftmittel 3,0    
    (e) anorganischer Stabilisator 4,3    
    (f) Bakterizid 0,5    
               
    4 (a) Graphit 85,0 +++ +/-
    (Vergleichsrezeptur gemäß EP 0 909 309)   Bentonit 3,0    
      Na-Silikat 2,5    
      Silikophosphat 0,8    
      Phosphatgemisch 8,7    
             
    1) Walzergebnisse:
    "+++" sehr gute Walzbarkeit, niedrige Stromaufnahme, gute Maßhaltigkeit des Fertigrohres
    "+/-" schwierige Walzbarkeit, hohe Stromaufnahme, teilweise Rohrinnenfehler, Rückstände an der Werkzeugoberfläche
    "- - -" schlechte Walzbarkeit, Schmierstoff nicht zufriedenstellend einsetzbar


    [0039] Die in den Rezepturen eingesetzten Komponenten (a) bis (f) und (x) und (y) sind nachfolgend näher charakterisiert.
    (a) Graphit makrokristalliner Naturgraphit,
        Reinheit: 94-96 %,
        C-Gehalt: 94 - 97 %
        mittlere Teilchengröße d50 (Cilas): etwa 15 µm,
        Si-Gehalt: etwa 0,2 Gew.-% SiO2
        Feuchtegehalt: < 0,2 %
         
    (b) organisches Treibmittel Melaminisocyanurat, Budit 315®,
        Chemische Fabrik Budenheim KG, Deutschland;
        N-Gehalt: 48 %,
        freies Melamin: < 0,5 %,
        freie Isocyanursäure: < 0,2 %
         
    (c) anorganisches Trennmittel Kaolin,
        mittlere Teilchengröße d50 (Cilas): 2 - 10 µm,
        Si-Gehalt: > 50 Gew.-% SiO2,
        Al-Gehalt: etwa 30 Gew.-% Al2O3,
         
    (d) organisches Haftmittel Styrol-Acrylsäureester-Copolymer in Pulverform
        Schüttdichte: 400 - 600 g/l
        Korngröße (Siebung über 315 µm nach DIN 66165): < 3 µm
        Glasübergangstemperatur (Tg nach DIN 53765-A-10): 15 °C
         
    (e) anorganischer Stabilisator organisch modifizierter Smektit in Pulverform
        Viskosität (3 %-ig, Haake): 40000 - -50000 mPas
        Korngröße (Siebung über 90 µm): max. 25 %
         
    (f) Bakterizid Isothiazolinon-Zubereitung,
        Acticide MBP®, Thor-Chemie GmbH, Deutschland
         
    (x) Treibmittel Asphalt,
        Zeco 11A, Ziegler Chemicals & Minerals Corp, USA
         
    (y) Treibmittel Ligninsulfonat,
        Borresphere NA220, Borregaad Ligno-Tech, Deutschland

    Beispiel 2 - Herstellung eines nahtlosen Edelstahlrohres



    [0040] In einer Nahtlosrohr-Fertigungslinie, in welcher nach der Lochung des Vormaterials auf einem Schrägwalzwerk das Elongieren der so erzeugten Hohlblöcke mittels kontinuierlich arbeitender, jeweils separat angetriebener Walzgerüste auf einem frei beweglichen Werkzeug (Dornstange) erfolgt, wurde die Dornstange bei einer Temperatur von ca. 110 bis 130 °C mittels einer Airless-Sprühanlage (4 x 0,7/0,9 mm Düsen/40-80 bar) vor dem Elongieren der Hohlböcke mit der gemäß Rezeptur 1 aus Beispiel 1 hergestellten Schmierstoffsuspension beschichtet. Der verwendete Werkstoff war ferritischer Stahl mit 9 bzw. 13 % Cr, und die Hohlblöcke hatten ein Gewicht von 250 bis 270 kg und eine Länge von 6 bis 8 m. Die Umformtemperatur betrug 1150 bis 1200 °C. Die Wandstärken der Fertigrohre betrugen 2,7 bis 7,3 mm, vorwiegend jedoch 4,1 mm, und der Außendurchmesser der Fertigrohre betrug maximal 152 mm.

    Beispiel 3 - Herstellung von nahtlosen Kohlenstoffstahlrohren



    [0041] Auf der gleichen Fertigungslinie wie in Beispiel 2 wurden unter Beibehaltung der justierten anlagentechnischen Walzeinstellungen nahtlose Rohre aus Kohlenstoffstahl hergestellt. Die Beschichtung der Dornstangen erfolgte mit dem Schmiermittel gemäß Rezeptur 1 aus Beispiel 1 und in der in Beispiel 2 beschriebenen Art und Weise. Der Werkstoff war Stahl der Qualität P110 bzw. P91, und die Hohlblöcke hatten ein Gewicht von 250 bis 300 kg und eine Länge von 6,5 bis 8 m. Die Umformtemperatur betrug 1250 bis 1280 °C. Die Wandstärken der hergestellten nahtlosen Rohre lagen im Bereich von 2,7 bis 4,1 mm, und die Fertigrohre hatten einen Auβendurchmesser von maximal 152 mm.


    Ansprüche

    1. Hochtemperaturschmierstoff für die Heißumformung von Edel- und Kohlenstoffstählen, welcher wenigstens folgende Bestandteile in Gew.-%, bezogen auf den Feststoffgehalt, enthält:

    (a) 40 bis 90 Gew.-% Graphit,

    (b) 2 bis 10 Gew.-% organisches Treibmittel,

    (c) 5 bis 50 Gew.-% anorganisches Trennmittel,

    wobei das organische Treibmittel (b) aus der Gruppe ausgewählt ist, bestehend aus Melamin, Melam, Melem, Melon,
    Phosphatsalzen und Polyphosphatsalzen der vorgenannten Verbindungen mit Phosphatkettenlängen im Bereich von n = 1 bis 1000,
    Umsetzungsprodukten und Addukten der vorgenannten Verbindungen mit Cyanursäure oder Isocyanursäure und
    Gemischen der vorgenannten,
    und das anorganische Trennmittel (c) ein Schichtsilikat oder ein Gemisch von Schichtsilikaten ist.
     
    2. Hochtemperaturschmierstoff nach Anspruch 1, welcher weiterhin

    (d) 1 bis 20 Gew.-% organisches Haftmittel enthält,

    wobei das organische Haftmittel (d) unter Alkylenhomopolymeren und -copolymeren ausgewählt ist.
     
    3. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der Ansprüche 1 oder 2, welcher weiterhin

    (e) 2 bis 15 Gew.-% anorganischen oder organischen Stabilisator enthält,

    wobei der Stabilisator unter Polysachariden, Alkylcellulosen, Hydroxycellulosen und Tonmineralien ausgewählt ist.
     
    4. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Hochtemperaturschmierstoff Graphit (a) in einer Menge von 50 bis 80 Gew.-% enthält.
     
    5. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Graphit (a) kristalliner oder makrokristalliner Graphit, vorzugsweise kristalliner oder makrokristalliner Naturgraphit ist.
     
    6. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Graphit (a) eine Reinheit > 90 %, vorzugsweise > 95, bezogen auf den Kohlenstoffgehalt des Graphits, aufweist.
     
    7. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Graphit (a) eine mittlere Teilchengröße (d50) von 5 bis 40 µm, vorzugsweise 10 bis 25 µm aufweist.
     
    8. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Graphit (a) Silizium als Verunreinigung oder Beimengung in einer Menge von nicht mehr als 2,0 Gew.-%, vorzugsweise nicht mehr als 1,5 Gew.-%, besonders bevorzugt nicht mehr als 0,2 Gew.-% enthält.
     
    9. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Hochtemperaturschmierstoff organisches Treibmittel (b) in einer Menge von 3 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise 4 bis 6 Gew.-% enthält.
     
    10. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das organische Treibmittel (b) mehr als 70 Gew.-%, vorzugsweise mehr als 80 Gew.-%, besonders bevorzugt mehr als 90 Gew.-% Melaminisocyanurat enthält und ganz besonders bevorzugt zu 100 Gew.-% aus Melaminisocyanurat besteht.
     
    11. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Hochtemperaturschmierstoff anorganisches Trennmittel (c) in einer Menge von 10 bis 40 Gew.-%, vorzugsweise 15 bis 30 Gew.-% enthält.
     
    12. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das anorganische Trennmittel (c) unter alkalifreien wasserhaltigen Schichtsilikaten ausgewählt ist.
     
    13. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das anorganische Trennmittel (c) unter Kaolinit, Antigorit, Hydrohalloysit, Serpentin, Greenalith, Pyrophyllit, Talk, Margarit, Vermiculit, Sudoit und Chlorit, vorzugsweise Kaolinit und/oder Antigorit ausgewählt ist.
     
    14. Hochtemperaturschmierstoff nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das anorganische Trennmittel (c) aus der Gruppe der alkalifreien wasserhaltigen Schichtsilikate mit Zweier-Einfachschicht ausgewählt ist.
     
    15. Verwendung des Hochtemperaturschmierstoffs nach einem der vorausgehenden Ansprüche bei der Heißverformung von Edel- und/oder Kohlenstoffstählen, vorzugsweise bei der Herstellung von nahtlosen Rohren.
     


    Claims

    1. A high-temperature lubricant for the hot shaping of high-grade and carbon steels, which contains at least the following constituents in percent by weight with respect to the solids content:

    (a) 40 to 90% by weight graphite,

    (b) 2 to 10% by weight organic blowing agent, and

    (c) 5 to 50% by weight inorganic separation agent,

    wherein the organic blowing agent (b) is selected from the group consisting of melamine, melam, melem, melon,
    phosphate salts and polyphosphate salts of the aforesaid compounds with phosphate chain lengths in the region of n = 1 to 1000,
    reaction products and adducts of the aforesaid compounds with cyanuric acid or isocyanuric acid, and
    mixtures of the aforesaid,
    and the inorganic separation agent (c) is a sheet silicate or a mixture of sheet silicates.
     
    2. A high-temperature lubricant according to claim 1 which further contains

    (d) 1 to 20% by weight organic adhesive,

    wherein the organic adhesive (d) is selected from alkylene homopolymers and copolymers.
     
    3. A high-temperature lubricant according to one of claims 1 and 2 which further contains

    (e) 2 to 15% by weight inorganic or organic stabiliser,

    wherein the stabiliser is selected from polysaccharides, alkyl celluloses, hydroxy celluloses and clay minerals.
     
    4. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the high-temperature lubricant contains graphite (a) in an amount of 50 to 80% by weight.
     
    5. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the graphite (a) is crystalline or macrocrystalline graphite, preferably crystalline or macrocrystalline natural graphite.
     
    6. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the graphite (a) has a purity >90%, preferably >95%, with respect to the carbon content of the graphite.
     
    7. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the graphite (a) has a mean particle size (d50) of 5 to 40 µm, preferably 10 to 25 µm.
     
    8. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the graphite (a) contains silicon as an impurity or admixture in an amount of not more than 2.0% by weight, preferably not more than 1.5% by weight, particularly preferably not more than 0.2% by weight.
     
    9. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the high-temperature lubricant contains organic blowing agent (b) in an amount of 3 to 10% by weight, preferably 4 to 6% by weight.
     
    10. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the organic blowing agent (b) contains more than 70% by weight, preferably more than 80% by weight, particularly preferably more than 90% by weight, melamine isocyanurate and quite particularly preferably comprises 100% by weight of melamine isocyanurate.
     
    11. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the high-temperature lubricant contains inorganic separation agent (c) in an amount of 10 to 40% by weight, preferably 15 to 30% by weight.
     
    12. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the inorganic separation agent (c) is selected from alkali-free aqueous sheet silicates.
     
    13. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the inorganic separation agent (c) is selected from kaolinite, antigorite, hydrohalloysite, serpentine, greenalite, pyrophyllite, talc, margarite, vermiculite, sudoite and chlorite, preferably kaolinite and/or antigorite.
     
    14. A high-temperature lubricant according to one of the preceding claims characterised in that the inorganic separation agent (c) is selected from the group of alkali-free aqueous sheet silicates with a double-single sheet.
     
    15. Use of the high-temperature lubricant according to one of the preceding claims in the hot shaping of high-grade and/or carbon steels, preferably in the production of seamless pipes.
     


    Revendications

    1. Lubrifiant à haute température pour le formage à chaud d'aciers fins et d'aciers au carbone, qui contient au moins les composants suivants en pourcentage en poids, rapportés à la teneur en matière solide :

    (a) 40 à 90% en poids de graphite,

    (b) 2 à 10% en poids d'agent propulseur organique,

    (c) 5 à 50% en poids d'agent séparateur inorganique,

    l'agent organique (b) étant choisi dans le groupe constitué de
    mélamine, de mélam, de mélem, de mélon,
    de sels de phosphate et de sels de polyphosphate des composés susmentionnés ayant une longueur de chaîne phosphatée de l'ordre de n = 1 à 1000,
    de produits de transformation et de produits d'addition des composés susmentionnés avec de l'acide cyanurique ou de l'acide isocyanurique et
    des mélanges de ceux-ci,
    et l'agent séparateur inorganique (c) étant un phyllosilicate ou un mélange de phyllosilicates.
     
    2. Lubrifiant à haute température selon la revendication 1, lequel contient en outre

    (d) 1 à 20% en poids d'agent adhésif organique,

    l'agent adhésif organique (d) étant choisis parmi les homopolymères et copolymères d'alkylène.
     
    3. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications 1 ou 2, lequel contient en outre

    (e) 2 à 15% en poids de stabilisateur inorganique ou organique, le stabilisateur étant choisi parmi les polysaccharides, les alkylcelluloses, les hydroxycelluloses et les minéraux argileux.


     
    4. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le lubrifiant à haute température contient du graphite (a) dans une quantité de 50 à 80% en poids.
     
    5. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le graphite (a) est un graphite cristallin ou macrocristallin, avantageusement du graphite naturel cristallin ou macrocristallin.
     
    6. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le graphite (a) présente une pureté supérieure à 90%, avantageusement supérieure à 95%, rapportée à la teneur en carbone du graphite.
     
    7. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le graphite (a) a une taille de particule moyenne (d50) de 5 à 40 µm, avantageusement de 10 à 25 µm.
     
    8. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le graphite (a) contient du silicium comme contaminant ou impureté dans une quantité qui n'est pas supérieure à 2,0% en poids, avantageusement pas supérieure à 1,5% en poids, de façon particulièrement préférée pas supérieure à 0,2% en poids.
     
    9. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le lubrifiant à haute température contient un agent propulseur organique (b) dans une quantité de 3 à 10% en poids, avantageusement de 4 à 6% en poids.
     
    10. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'agent propulseur organique (b) contient plus de 70% en poids, avantageusement plus de 80% en poids, de façon particulièrement préférée plus de 90% en poids d'isocyanurate de mélamine et de façon tout particulièrement préférée jusqu'à 100% en poids d'isocyanurate de mélamine.
     
    11. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le lubrifiant à haute température contient un agent séparateur inorganique (c) dans une quantité de 10 à 40% en poids, avantageusement 15 à 30% en poids.
     
    12. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'agent séparateur inorganique (c) est choisi parmi les phyllosilicates hydratés non alcalins.
     
    13. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'agent séparateur inorganique (c) est choisi parmi la kaolinite, l'antigorite, l'hydrohalloysite, la serpentine, la greenalite, la pyrophyllite, le talc, la margarite, la vermiculite, la sudoite, et la chlorite, avantageusement la kaolinite et/ou l'antigorite.
     
    14. Lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'agent séparateur inorganique (c) est choisi dans le groupe des phyllosilicates hydratés non alcalins comportant deux couches simples.
     
    15. Utilisation du lubrifiant à haute température selon l'une des revendications précédentes pour le formage à chaud d'aciers fins et/ou d'aciers au carbone, avantageusement pour la fabrication de tubes sans soudure.
     






    Angeführte Verweise

    IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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    In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente