[0001] Die Erfindung betrifft ein organisches Material, insbesondere ein Material das als
Halbleitermaterial oder leitfähiges Material in der organischen Elektronik eingesetzt
werden kann.
[0002] Organische Halbleitermaterialien werden in Loch- und Elektronentransportmaterialien
unterteilt. Diese werden zur Fertigung organischer elektronischer Bauelemente, wie
beispielsweise Organische Leuchtdioden (OLEDs), Organische Feldeffekttransistoren
(OFETs) und/oder Organische Solarzellen benötigt.
[0003] Auf der Seite der Lochtransportmaterialien wurden in den letzten 15 Jahren sehr effiziente
und stabile Strukturen entwickelt, die je nach Anwendung mit unterschiedlichsten Lochinjektionseigenschaften
zur Verfügung stehen und im lochtransportierenden, oxidierten Zustand stabile Radikalkationen
bilden.
[0004] Auf der Seite der Elektronentransportmaterialien gibt es bisher nur sehr wenige Vertreter
die den hohen Anforderungen, die an Elektronentransportmaterialien für die organische
Elektronik genügen. Als gute Elektronenleiter gelten zurzeit die Derivate des Phenanthrolin
(BCP und BPhen) sowie Derivate des Oxadiazols. Die radikalanionschen Spezies, die
während des Betriebes dieser Bauelemente gebildet werden, führen in den heterocyclischen
Strukturen eine Geometrieänderung herbei, so dass die Elektonentransporteigenschaft
als Folge der Ausbildung von Konjugationsunterbrechungen abnimmt.
[0005] Defizite weisen die bekannten Materialien sowohl in der Bandbreite der Elektroneninjektion
als auch in ihrer Stabilität im elektronentransportierenden, reduzierten Zustand auf,
so dass insbesondere die Radikalanionen über einen längeren Zeitraum nicht reversibel
gebildet werden können.
[0006] In der Regel werden die halbleitenden Eigenschaften der Materialien durch Dotierung
erreicht, weil die Basismaterialien allein nie leitfähig genug sind.
[0007] Das Dokument
EP 0 690 052 offenbart Elektrolumineszenzmaterialien, die aus konjugierten Verbindungen bestehen,
die mindestens zwei oder mehr Pyrimidin-ringe enthalten. Diese konjugierten Verbindungen
können entweder als lichtemittierende Materialien oder als Transportmaterialien in
organischen lichtemittierenden Dioden eingesetzt werden
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, ein organisches Elektronentransportmaterial
zu schaffen, bei dem die Bandbreite der Elektroneninjektion und auch die Stabilität
im elektronentransportierenden, reduzierten Zustand gegenüber den bekannten Materialien
verbessert ist. Insbesondere ist es Aufgabe der Erfindung, ein Material zu schaffen,
das Radikalanionen über einen längeren Zeitraum reversibel bilden kann.
[0009] Zur Lösung der Aufgabe wurde ein effizienterer Elektronenleiter entwickelt, der sich
durch eine größere Injektionsbandbreite und vor allem durch die Fähigkeit zur Bildung
reversibler Radikalanionen hoher Stabilität auszeichnet.
[0010] Gegenstand der Erfindung ist ein Organisches Ladungsträgertransportmaterial, mit
dem Elektronen und Löcher gleichermaßen gut transportiert werden können, wobei in
einer 150nm dicken Schicht des undotierten Materials bereits bei 0,25V eine messbare
Stromdichte von größer/gleich 0,5 A/cm
2 erhalten wird, und das Ladungsträgertransportmaterial Oligophenylene der heterocyclischen
Stammverbindung der folgenden Struktur umfasst:

[0011] Ein BPyPyP-Material mit der oben gezeigten Struktur eines Oligophenylens, das im
ursprünglichsten Sinn organisch ist, also nur Kohlenstoff, Stickstoff und Wasserstoff
enthält, zeigt eine für rein organische Materialien (also nur C, H und N enthaltende
Strukturen) ungewöhnliche Eigenschaft mit einer bisher um mehrere Größenordnungen
unerreichten Leitfähigkeit bei der Elektronen und Löcher gleichermaßen transportiert
werden.
[0012] Insbesondere werden bei einer 150nm dicken Schicht bereits bei 0,25V Stromdichten
von 0,6A/cm
2 in positive und negative Richtung erreicht.
[0013] Nach einer besonders vorteilhaften Ausführungsform ist die Schicht dabei transparent,
insbesondere bevorzugt im gesamten sichtbaren Spektralbereich transparent.
[0014] Die hier bei dem undotierten Material erreichte Stromdichte entspricht einer Stromdichte,
die bisher nur durch so genannte dotierte Systeme erreicht wird.
[0015] Dabei ist neben den aufwendigen Prozessschritten zur Dotierung noch nachteilig an
den dotierten Materialien, dass sie durch die Dotierung gewöhnlich einen Charge-Tranfer-Komplex
bilden und im langwelligen Bereich des sichtbaren Spektrums absorbieren, also nicht
transparent sind. Beide Nachteile werden erfindungsgemäß durch den Einsatz dieser
einzigen Komponente, des BPyPyP im Material überwunden.
[0016] Daher kann dieses BPyPyP-Material direkt anstelle einer n-gedopten Elektonentransportmatrix
zur Verbesserung der Injektion von Elektronen aus der Kathode in einem organischen
elektronischen Bauelement eingesetzt werden.
[0017] Nach einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung wird das BPyPyP Material durch
Coverdampfen mit n-Dopingmaterialien oder N-Dotierungsmitteln als noch höher leitfähige
Schicht abgeschieden.
[0018] Da das BPyPyP-Material ein hervorragender Elektonentransporter ist, lässt es sich
in allen organischen elektronischen Bauelementen und Anordnungen in dieser Funktion
einsetzten.
[0019] Darüber hinaus kann das Material ebenso in OLED-Anordnungen als ambipolare Matrix
allein und in beliebigen Mischungen (blends) für beliebige Emittermaterialien eingesetzt
werden.
[0020] Andererseits können aus dem Material und aus Mischungen mit diesem Material auch
transparente Elektroden auf beliebigen Substraten erzeugt werden, die anodische und/oder
kathodische Funktion haben.
[0021] Der hervorragende Stromtransport scheint durch eine selbstorganisierende geordnete
Abscheidung der Moleküle durch den Aufdampfprozess zustande zu kommen.
[0022] Im Folgenden wird die Erfindung noch anhand von drei Figuren näher erläutert:
Figur 1 zeigt die Strom-Spannungs-Kennlinie, aus der hervorgeht, wie sich die Leitfähigkeit
des Materials im positiven und negativen Spannungsfeld zeigt.
Figur 2 zeigt im UV/VIS-Spektrum die Transparenz des Materials und
Figur 3 schließlich zeigt ein Photoluminsezenz-Spektrum der Verbindung.
[0023] Ein typischer Aufbau eines organischen elektronischen Bauelements umfasst ein Substrat,
eine untere Elektrode, die halbleitende organische Schicht und eine obere Anode. Mit
einem entsprechenden Aufbau wurden die in den Figuren enthaltenen Messdaten erhalten.
Im gezeigten Beispiel war das Substrat aus Glas, die untere Elektrode aus Indium-Tin-Oxide
(ITO), die halbleitende organische Schicht war eine 150 nm-dicke Schicht aus BPyPyP
mit oben einer zweiten Elektrode aus einer 100 nm dicken Aluminium Schicht.
Ausführungsbeispiele:
Darstellung von Bis-2-(4-pyridyl)-pyrimid-5-yl-1,4-phenylen 1) 4-Pyridincarboxamidin
Hydrochlorid 1
[0024] In einem 500 ml Kolben wird 4-Cyanopyridin (50,0 g, 470 mmol, 1 Äquiv.) zusammen
mit Natriummethanolat (3,0 g, 53 mmol, 0,11 Äquiv.) in ca. 230 ml trockenem Methanol
für 1,5 h bei RT gerührt. Zu der weißlichen Suspension wird Ammoniumchlorid (27,7
g, 52 mmol, 1,1 Äquiv.) gegeben und man lässt für mind. 24 h weiterrühren. Der schöne,
fein verteilte, weiße Niederschlag wird abgesaugt und die Mutterlauge bis zur Trockene
am Rotationsverdampfer eingeengt. Der Filterkuchen wird mit dem Rückstand aus der
Mutterlauge vereinigt und aus Wasser umkristallisiert. Nach dem Absaugen und Waschen
mit Ether wird das Produkt im Vakuum bei RT getrocknet.
Ausbeute: 70,5 g (95 % d.Th.), weiße Kristalle, M = 157,6 g·mol
-1; Schmelzpunkt: 250 °C
2) Bis(1,4- phenylen)-2-(3-dimethylamino-2-propen-dimethyliminium)-di-perchlorat 2
[0025] In einem 1000 ml Dreihalskolben mit Thermometer, Tropftrichter und Rückflusskühler
mit aufgesetztem Trockenrohr wird DMF (200 ml, 2,5 mol, 30 Äquiv.) vorgelegt und mittels
einer Eis/Salz-Kühlmischung auf ca. 0°C abgekühlt. Unter Rühren wird langsam Phosphoroxychlorid
(46 ml, 0,5 mol, 6 Äquiv.) zugetropft, wobei die Temperatur nicht über 0°C steigen
darf. Man lässt 10 min. nachrühren und gibt 1,4-Phenylendiessigsäure (16,3 g, 0,08
mol, 1 Äquiv.) zum Reaktionsgemisch. Anschließend wird die Lösung für 6 h auf 90°C
erhitzt, abgekühlt und auf 1 kg Eis gegossen. Zur Fällung des Produktes wird Natriumperchlorat
(30,8 g, 0,25 mol, 3 Äquiv.), gelöst in etwas Wasser, unter Rühren zur wässrigen Lösung
gegeben. Der Niederschlag wird abgesaugt, mit Methanol/Ether und reinem Ether gewaschen
und anschließend im Vakuum getrocknet.
Ausbeute: 31,5 g (71 % d.Th.), weiße Kristalle
M = 527,4 g·mol
-1; Schmelzpunkt: 292-296 °C
3) Bis-2-(4-pyridyl)-pyrimid-5-yl-1,4-phenylen
[0026] In einem 250 ml Kolben wird 4-Pyridincarboxamidin Hydrochlorid
1 (5,5 g, 35 mmol, 2,2 Äquiv.) zusammen mit dem Phenylenbisvinamidiniumsalz
2 (8,3 g, 18 mmol, 1 Äquiv.) in Pyridin für 8 h am RF erhitzt. Der entstandene braun-gelbe
Niederschlag wird abgesaugt, mit Methanol, Methanol/Ether und reinem Ether gewaschen
und im Vakuum bei RT getrocknet. Eine Umkristallisation kann aus DMSO erfolgen.
Danach wird das Produkt bei 320°C sublimiert.
Ausbeute: 4,5 g (74 % d.Th.), blassgelbe, nadelförmige Kristalle M = 388,4 g·mol
-1; Schmelzpunkt: >310°C;
DC: Kieselgel/THF, R
F = 0,81
Analytik:
1H-NMR,
1H-NMR
3
[D] TFA |

|
a'+b') 9,42 (s, 8H)
e') 9,98 (s, 4H)
h') 8,44 (s, 4H) |
[0027] Die Erfindung betrifft ein organisches halbleitendes Material, insbesondere ein Material
das als Halbleitermaterial oder leitendes Material in der organischen Elektronik eingesetzt
werden kann. Dabei umfasst eine Komponente des Materials das Oligophenylen aus heterocyclischen
Stammverbindungen der folgenden Struktur:

1. Organisches Ladungsträgertransportmaterial, mit dem Elektronen und Löcher gleichermaßen
gut transportiert werden können, wobei in einer 150nm dicken Schicht des undotierten
Materials bereits bei 0,25V eine messbare Stromdichte von größer/gleich 0,5 A/cm
2 erhalten wird, und das Ladungsträgertransportmaterial Oligophenylene der heterocyclischen
Stammverbindung der folgenden Struktur umfasst:
2. Ladungsträgertransportmaterial nach Anspruch 1, wobei das Material in dünnen Filmen
transparent ist.
3. Ladungsträgertransportmaterial nach einem der vorstehenden Ansprüche, das als Mischung
vorliegt.
4. Ladungsträgertransportmaterial nach einem der vorstehenden Ansprüche, das n- oder
p-dotiert vorliegt.
5. Verwendung eines Ladungsträgertransportmaterials nach einem der vorstehenden Ansprüche
in einem organischen elektronischen Bauelement.
6. Organisches elektronisches Bauelement mit einer halbleitenden Schicht und/oder leitfähigen
Schicht auf der Basis eines Ladungsträgertransportmaterials nach einem der Ansprüche
1 bis 4.
1. Organic charge carrier transport material with which electrons and holes can be transported
equally well, wherein a measurable current density of greater than/equal to 0.5 A/cm
2 is already obtained in a 150 nm thick layer of the undoped material at 0.25 V, and
the charge carrier transport material comprises oligophenylenes of the heterocyclic
parent compound having the following structure:
2. Charge carrier transport material according to Claim 1, wherein the material is transparent
in thin films.
3. Charge carrier transport material according to either of the preceding claims, which
is present as a mixture.
4. Charge carrier transport material according to any of the preceding claims, which
is present in n- or p-doped fashion.
5. Use of a charge carrier transport material according to any of the preceding claims
in an organic electronic component.
6. Organic electronic component comprising a semiconducting layer and/or conductive layer
on the basis of a charge carrier transport material according to any of Claims 1 to
4.
1. Matériau de transport porteur de charge organique, qui permet de bien transporter,
de la même manière, des électrons et des trous, où on obtient, dans une couche d'une
épaisseur de 150 nm du matériau non dopé déjà à 0,25 V une densité de courant mesurable
supérieure/égale à 0,5 A/cm
2, et le matériau de transport porteur de charge comprend des oligophénylènes du composé
souche hétérocyclique présentant la structure suivante :
2. Matériau de transport porteur de charge selon la revendication 1, où le matériau en
films minces est transparent.
3. Matériau de transport porteur de charge selon l'une quelconque des revendications
précédentes, qui se trouve sous forme de mélange.
4. Matériau de transport porteur de charge selon l'une quelconque des revendications
précédentes, qui se trouve sous forme n-dopée ou p-dopée.
5. Utilisation d'un matériau de transport porteur de charge selon l'une quelconque des
revendications précédentes, dans une pièce électronique organique.
6. Pièce électronique organique présentant une couche semi-conductrice et/ou une couche
conductible à base d'un matériau de transport porteur de charge selon l'une quelconque
des revendications 1 à 4.