[0001] Die Erfindung betrifft einen Stuhl bzw. Sessel, insbesondere einen Bürostuhl bzw.
-sessel mit neigbarer Rückenlehne.
[0002] Bei herkömmlichen Stühlen mit neigbarer Rückenlehne erfolgt während des Neigens der
Rückenlehne eine nach oben oder unten gerichtete Bewegung relativ zur Sitzfläche.
Daraus resultierend tritt ebenfalls eine Relativbewegung zwischen der sich neigenden
Rückenlehne und dem Rücken eines Benutzers des Stuhles auf. Die dadurch auftretende
Reibung ist unerwünscht, da sie einerseits ein unangenehmes Gefühl beim Benutzer des
Stuhles verursachen kann und andererseits dazu führt, daß Oberteile der Kleidung des
Benutzers verlagert werden, beispielsweise, daß ein Oberhemd aus der Hose gezogen
wird. Diese Eigenschaft von herkömmlichen Stühlen mit neigbarer Rückenlehne führt
zu einem eingeschränkten Benutzungskomfort dieser Stühle.
[0003] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, eine Stuhl bzw. Sessel bereitzustellen, welcher
einerseits einen erhöhten Benutzungskomfort aufweist und andererseits einfach und
kostengünstig herzustellen ist.
[0004] Die Aufgabe wird durch einen Stuhl gemäß Anspruch 1 gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen
sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
Stuhl gemäß der Erfindung
[0005] Die vorliegenden Erfindung betrifft einen Stuhl bzw. Sessel, insbesondere einen drehbaren
Bürostuhl, umfassend:
zumindest zwei Sitzträger, jeweils weiter umfassend eine obere Bogenführung und eine
untere Bogenführung;
zumindest zwei Rückenlehnenträger, jeweils weiter umfassend einen zwangsgeführten
Bereich;
eine an die Rückenlehnenträger angeordnete Rückenlehne, wobei der zwangsgeführte Bereich
der Rückenlehnenträger jeweils zwischen der oberen Bogenführung und der unteren Bogenführung
der entsprechenden Sitzträger geführt wird, so daß die Rückenlehnenträger gegenüber
den Sitzträgern neigbar sind, wobei die obere Bogenführung und die untere Bogenführung
zumindest bereichsweise als Kreisbogenabschnitt ausgebildet sind und wobei der Kreisbogenabschnitt
der oberen Bogenführung und der Kreisbogenabschnitt der unteren Bogenführung den selben
Kreismittelpunkt H aufweisen.
Weiter umfaßt der Bürostuhl einen Basisträger;
zumindest ein Zugfederhebel, welcher mittels einer hinteren Sitzkoppelachse mit dem
Sitzträger gelenkig verbunden ist;
zumindest zwei Koppelhebel, welche mittels einer vorderen Sitzkoppelachse mit dem
Sitzträger gelenkig verbunden sind, wobei der zumindest eine Zugfederhebel mittels
einer Hauptachse gelenkig verbunden ist und die zumindest zwei Koppelhebel mittels
einer Basiskoppelachse mit dem Basisträger gelenkig verbunden sind;
zumindest zwei Zugstangen, welche gelenkig an dem zumindest einen Rückenlehnenträger
angeordnet sind und
zumindest zwei Zughebel, welche auf der Hauptachse angeordnet sind und welche mit
den zumindest zwei Zugstangen jeweils gelenkig verbunden sind.
Begriffsbestimmungen
[0006] Zum einfacheren Verständnis der Erfindung wird nachfolgend eine Vielzahl von Begriffen
beispielhaft definiert.
[0007] Der Stuhl ist auf einer ebenen Bodenfläche anordenbar. Zur eindeutigen Beschreibung
von Richtungen und geometrischen Relationen wird in der folgenden Beschreibung davon
ausgegangen, daß die ebene Bodenfläche durch die zwei orthogonalen Richtungsvektoren
der x- und y-Richtung eines kartesischen Koordinatensystems aufgespannt sind. Insbesondere
fällt die x-Richtung im wesentlichen mit der Blickrichtung eines Benutzers des Stuhles
zusammen, d.h. die x-Richtung zeigt nach vorne. Die y-Richtung steht senkrecht auf
der x-Richtung und zeigt im wesentlichen vom Benutzer aus gesehen nach links. Senkrecht
dazu, also senkrecht zur Bodenfläche, erstreckt sich die z-Richtung nach oben, d.h.
entgegen der Schwerkraftrichtung.
[0008] Erstreckungs- und/oder Verlagerungsrichtung(en) kann/können in bezug auf das so definierte
orthogonale kartesische Koordinatensystem angegeben werden. Wird in der folgenden
Beschreibung in Zusammenhang mit einer Richtungsangabe der Begriff "im wesentlichen"
verwendet, so bedeutet dies insbesondere, daß die Anzugebende Richtung von der genannten
Bezugsrichtung um weniger als etwa ±20 Grad, vorzugsweise um weniger als etwa ±15
Grad, weiter bevorzugt um weniger als etwa ±10 Grad, und besonders bevorzugt um weniger
als etwa ±5 Grad, insbesondere um weniger als etwa ±2 Grad abweicht. Der Begriff "im
wesentlichen" kann insbesondere eine geringfügige Abweichung von einem Sollwert beschreiben,
insbesondere eine Abweichung im Rahmen der Herstellungsgenauigkeit und/oder im Rahmen
der notwendigen Genauigkeit, so daß ein Effekt beibehalten wird, wie er bei dem Sollwert
vorhanden ist. Der Begriff "im wesentlichen" kann daher eine Abweichung von weniger
als etwa 30%, weniger als etwa 20%, weniger als etwa 10%, weniger als etwa 5%, weniger
als etwa 2%, bevorzugt weniger als etwa 1 % von einem Sollwert bzw. Sollposition,
usw. beinhalten. Der Begriff "im wesentlichen" umfaßt den Begriff "identisch", d.h.
ohne Abweichung von einem Sollwert, einer Sollposition usw. sein.
[0009] Wird in der folgenden Beschreibung in Zusammenhang mit einer Angabe in der Maßeinheit
Grad der Begriff "etwa" verwendet, so bedeutet dies insbesondere, daß die anzugebende
Richtung von der genannten Bezugsrichtung um weniger als ±15 Grad, und bevorzugt um
weniger als ±10 Grad, weiter bevorzugt um weniger als ±5 Grad, besonders bevorzugt
um weniger als ±2 Grad, insbesondere um weniger als ±1 Grad abweicht.
[0010] Die vorgenannten Positionen und Richtungen sind beispielhaft und dienen insbesondere
als Referenz zur Beschreibung z.B. von Seiten und Erstreckungen des Stuhles und/oder
zur Bestimmung von Richtungen, um beispielsweise eindeutig definierbare bzw. bestimmbare
Koordinaten anzugeben. Gegebenenfalls können auch andere Positionen verwendet werden
bzw. ein anderes Koordinatensystem.
[0011] In dem oben beschriebenen kartesischen Koordinatensystem erstreckt sich ein Sitzträger
im wesentlichen parallel zur Bodenfläche. Die Längserstreckung S eines Sitzträgers
sei dabei im wesentlichen die räumliche Erstreckung in Blickrichtung des Stuhlbenutzers,
also im wesentlichen entlang der x-Richtung orientiert. Im wesentlichen senkrecht
zur Längserstreckung S eines Sitzträgers ist die Quererstreckung orientiert, welche
sich im wesentlichen vom Stuhlbenutzer aus gesehen von recht nach links, also im wesentlichen
entlang der y-Richtung erstreckt. Eine an den Sitzträgern angeordnete Sitzfläche erstreckt
sich im wesentlichen parallel zur Bodenfläche. Insbesondere erstreckt sich die Sitzfläche
im wesentlichen zwischen zwei Sitzträgern, wobei die Sitzträger entlang der Blickrichtung
des Stuhlbenutzers am rechten und linken Randbereich der Sitzfläche angeordnet sein
können. Vorzugsweise ist die Sitzfläche eine dehnbare bzw. nachgiebige Bespannung
zwischen zwei Sitzträgern.
[0012] Die Rückenlehne erstreckt sich in einer aufrecht gestellten Position im wesentlichen
senkrecht zur Bodenfläche und im wesentlichen parallel zur einer durch die y- und
z-Richtung aufgespannten Fläche. Die Längserstreckung R der Rückenlehne sei dabei
im wesentlichen die räumliche Erstreckung entlang der Wirbelsäule des Stuhlbenutzers,
d.h. im wesentlichen entlang der z-Richtung, orientiert. Im wesentlichen senkrecht
zur Längserstreckung R der Rückenlehne ist die Quererstreckung der Rückenlehne orientiert,
welche sich im wesentlichen vom Stuhlbenutzer aus gesehen von recht nach links, also
im wesentlichen entlang der y-Richtung erstreckt.
[0013] Der Begriff "erste Position", wie er im Sinne der vorliegenden Erfindung verwendet
wird, beschreibt beispielsweise den Zustand bzw. die Position eines oder mehrerer
Bauteile insbesondere des Sitzträgers und der Rückenlehne. Der Begriff "erste Position"
beschreibt insbesondere diejenige Position, wenn die Rückenlehne sich in einer aufrechten
Position befindet. In anderen Worten entspricht die ersten Position derjenigen Position
in der sich der Stuhl befindet, wenn ein Benutzer aufrecht auf ihm sitzen möchte.
[0014] Der Begriff "zweite Position", wie er im Sinne der vorliegenden Erfindung verwendet
wird, beschreibt beispielsweise einen von dem vorgenannten Zustand bzw. der vorgenannten
Position verschiedenen Zustand bzw. Position der vorgenannten Bauteile, insbesondere
der Rückenlehne. Im Gegensatz zu der ersten Position ist in der zweiten Position die
Rückenlehne weiter nach hinten geneigt, d.h. entgegen der x-Richtung geneigt. Der
Begriff "zweite Position", wie er im Sinne der vorliegenden Erfindung verwendet wird,
beschreibt somit insbesondere eine Position mit maximal geneigter Rückenlehne. Beispielsweise
kann die zweite Position durch Anlegen einer Kraft entgegen der x-Richtung an der
Rückenlehne erreicht werden. Aufgrund der angelegten Kraft bewegt sich insbesondere
die Rückenlehne, beispielsweise von der ersten in die zweiten Position. Hierbei können
die Bauteile, insbesondere die Rückenlehne, in jede Zwischenposition zwischen der
ersten und der zweiten Position gebracht werden und vorzugsweise in dieser Zwischenposition
fixiert werden. Besonders bevorzugt ist der Stuhl rückstellfähig ausgebildet, d.h.
er ist derart ausgelegt, daß er nach Einwirken einer Kraft entgegen der x-Richtung
auf die Rückenlehne im wesentlichen wieder in die erste Position zurückkehrt.
[0015] Vorteilhafterweise findet während der Neigungsbewegung der Rückenlehne relativ zum
Sitzträger keine nach oben oder unten gerichtete Bewegung relativ zur Sitzfläche statt.
Daraus resultierend tritt ebenfalls keine Relativbewegung zwischen der sich neigenden
Rückenlehne und dem Rücken Stuhlbenutzers auf, weshalb das Zurückneigen der Rückenlehne
nicht zu einer Verlagerung von einzelnen Oberbekleidungsstücken des Stuhlbenutzers
relativ zueinander führt. Vorteilhafterweise ist daher der Benutzungskomfort eines
erfindungsgemäßen Stuhles gegenüber herkömmlichen Stühlen erhöht.
[0016] Vorteilhafterweise ist der Sitzträger relativ zu dem Basisträger neigbar, wobei die
Kippachse des Sitzträgers insbesondere im wesentlichen mit der y-Richtung zusammenfällt.
Besonders bevorzugt ist der Basisträger an einem Stuhlfuß angeordnet und insbesondere
relativ zu der Bodenfläche nicht neigbar.
[0017] Besonders bevorzugt kann der Stuhl zwei oder mehrere Zugfederhebel und drei oder
mehrere Koppelhebel umfassen, wobei insbesondere die Zugfederhebel und die Koppelhebel
jeweils an der rechten und linken Seite des Sitzträgers angeordnet sind. Dadurch bleibt
vorteilhafterweise der zentrale Raum unterhalb des Sitzträgers frei. Insbesondere
ist der Mindestabstand bzw. die Höhe des Freiraums zwischen der Unterkante des Sitzträgers
und der Oberkante des Basisträgers größer als etwa 1 cm, größer als etwa 2 cm, besonders
bevorzugt größer als etwa 5 cm und insbesondere größer als etwa 10 cm.
[0018] Im weiteren sind die Zugstangen dazu ausgelegt sowohl Zug- als auch Druckbelastungen
aufzunehmen, um die Rückenlehne durch ziehen bzw. drücken in zwei Richtungen zu aktuieren
bzw. zu verlagern. Insbesondere sind die Zugstangen im wesentlichen starr. Alternativ
könnten die Zugstangen ebenfalls als Druckstangen oder als Zug-/Druckstangen bezeichnet
werden. Besonders bevorzugt kann der Stuhl drei, vier, fünf, sechs oder mehr Zugstangen
und drei, vier, fünf, sechs oder mehr Zughebel aufweisen, wobei die Zugstangen und
Zughebel jeweils an der rechten und linken Seite des Sitzträgers angeordnet sind.
Insbesondere können die Zugstangen im wesentlichen entlang der Längserstreckung S
des Sitzträgers an den Außenseiten des Sitzträgers oder in Zugstangenkanälen angeordnet
sein, so daß die Zugstangen eine geschlossen Kontur des Sitzträgers nicht beeinflussen.
Bevorzugte Ausführungsformen des Stuhles
[0019] Vorzugsweise sind die obere Bogenführung, die untere Bogenführung und der Rückenlehnenträger
derart ausgelegt, daß der Rückenlehnenträger und die Rückenlehne ausschließlich entlang
einer kreisförmigen Bahn um den Kreismittelpunkt H bewegbar sind.
[0020] Vorteilhafterweise bleibt während der Drehbewegung der Rückenlehne der Abstand einzelner
Bereiche der Rückenlehne zum Kreismittelpunkt H konstant, d.h. es findet keine translatorische
Bewegung der Rückenlehne oder einzelner Bereiche davon in einer vom Kreismittelpunkt
H ausgehenden radialen Richtung statt, wodurch sich die Position des Beckens des Stuhlbenutzers
nicht von der Rückenlehne entfernt. Deshalb wird das Becken und die Kreuzwirbel des
Stuhlbenutzers vorteilhafterweise bei unterschiedlichen Neigungen der Rückenlehne
gestützt. Insbesondere da sich der untere Bereich der Rückenlehne im wesentlichen
nicht vom Becken entfernt, wird eine Rotation des Beckens nach hinten vermieden. Die
Folge einer Beckenrotation ist eine "Rundrückenhaltung", die insbesondere die Bandscheiben
der Lendenwirbel belastet. Folglich ist diese bevorzugte Ausführungsform des Stuhles
besonders rückenschonend.
[0021] Vorzugsweise sind der Sitzträger und die Rückenlehne derart ausgelegt, daß der Drehpunkt
D des Hüftgelenkes eines Benutzers des Stuhles in etwa mit der räumlichen Lage des
Kreismittelpunktes H zusammenfällt. Bevorzugt ist der Abstand zwischen H und D kleiner
als etwa 5 cm, besonders bevorzugt kleiner als etwa 3 cm und insbesondere kleiner
als 2 cm. Vorteilhafterweise sind in diesem Falle alle Bereiche des Beckens und der
Wirbelsäule in allen Neigungspositionen und während der Neigungsbewegung der Rückenlehne
gestützt.
[0022] Vorzugsweise ist der Abstand zwischen der Bodenfläche, auf welcher der Stuhl steht,
und der vorderen Sitzkoppelachse bei Neigung der Rückenlehnenträger und/oder der Sitzträger
veränderlich bzw. veränderbar. Insbesondere ist die vordere Sitzkoppelachse derart
an den Koppelhebeln angeordnet, daß sich der Abstand bei Drehung der Koppelhebel verändert.
Besonders bevorzugt wird der Abstand der Sitzkoppelachse zur Bodenfläche verringert,
wenn die Sitzträger bzw. die Sitzfläche und/oder die Rückenlehne nach hinten geneigt
wird.
[0023] Vorteilhafterweise bleibt dadurch der Abstand zwischen der Sitzflächenvorderkante
und der Bodenfläche im wesentlichen konstant, so daß beim Zurücklehnen des Stuhlbenutzers
der Bereich des unteren Oberschenkel bzw. der Kniebereich im wesentlichen nicht durch
die vordere Sitzfläche angehoben wird. Vorteilhafterweise wird dadurch ein Druck auf
den unteren Oberschenkel vermieden und die Blutversorgung der Unterschenkel nicht
beeinträchtigt, so daß der Sitzkomfort erhöht wird.
[0024] Vorzugsweise ist die Stuhlmechanik im wesentlichen spiegelsymmetrisch zur einer Ebene
in x-z-Richtung ausgebildet, die durch die Mittelachse des Stuhlfußes verläuft. Dabei
umfaßt die Stuhlmechanik insbesondere die Sitzträger, den zumindest einen Zugfederhebel
und die Koppelhebel. Weiter bevorzugt umfaßt die Stuhlmechanik die Zughebel und die
Zugstangen sowie insbesondere die Rückenlehnenträger. Vorteilhafterweise führt die
spiegelsymmetrische Ausbildung der Stuhlmechanik zu einer erhöhten verwindungsfreiheit
der einzelnen Bauteile, da die wirkenden Kräfte symmetrisch verteilt werden und Verwindungs-
bzw. Torsionskräfte sich in erster Näherung kompensieren. Dadurch ist die gesamte
Stuhlmechanik vorteilhafterweise mit geringerem Materialverbrauch herzustellen und
ein schlankeres Design wird ermöglicht.
[0025] Vorzugsweise weisen die zumindest zwei Koppelhebel jeweils ein erstes Kupplungsmittel
auf, welches ausgelegt ist mit einem zweiten Kupplungsmittel eines der zumindest zwei
Zughebel in Eingriff zu gelangen und/oder kraftschlüssig miteinander verbunden zu
sein.
[0026] Vorzugsweise ist das erste Kupplungsmittel als Reihe äquidistanter Vorsprünge oder
als Reihe äquidistanter Ausnehmungen ausgebildet. Insbesondere sind die Vorsprünge
des ersten Kupplungsmittels ausgelegt, um in entsprechende Ausnehmungen des zweiten
Kupplungsmittels einzugreifen. Alternativ sind die Ausnehmungen des ersten Kupplungsmittels
ausgelegt, so daß Vorsprünge des zweiten Kupplungsmittels in diese eingreifen können.
[0027] Vorzugsweise ist das erste Kupplungsmittel als Zahnreihe oder als Kreisbogenabschnitt
eines Zahnrades ausgebildet. Insbesondere ist das zweite Kupplungsmittel in diesem
Fall als entsprechende gegenstückige Zahnreihe oder Zahnradabschnitt ausgebildet,
so daß insbesondere beide Kupplungsmittel kraftschlüssig miteinander verbunden sind.
[0028] Vorzugsweise ist der Sitzträger um eine Kippachse neigbar, so daß zwischen der z-Richtung
und der Längserstreckung S des Sitzträgers ein Sitzwinkel β von etwa 70° bis etwa
110° Grad, weiter vorzugsweise von etwa 80° bis etwa 100° Grad, eingeschlossen ist.
Besonders vorzugsweise liegt der Sitzwinkel β in einem Bereich von etwa 85° bis etwa
95° Grad. Mit anderen Worten verläuft die Längserstreckung S des Sitzträgers im wesentlichen
entlang der x-Richtung und ist in begrenztem Maße gegenüber der x-Richtung neigbar.
[0029] Vorzugsweise ist die Rückenlehne um eine Kippachse neigbar, so daß zwischen der z-Richtung
und der Längserstreckung R der Rückenlehne ein Rückenlehnenwinkel γ von etwa 0° bis
etwa 55° Grad eingeschlossen ist. Besonders vorzugsweise liegt der Rückenlehnenwinkel
γ in einem Bereich von etwa 5° bis etwa 40° Grad.
[0030] Vorzugsweise stehen die Änderungen des Sitzwinkels Δβ und die Änderungen des Rückenlehnenwinkels
Δγ in einem konstanten Verhältnis zueinander, wobei das Verhältnis Δγ/Δβ zwischen
etwa 2 und etwa 4 liegt. Daß heißt, daß die Neigung der Rückenlehne zusammen mit der
Neigung des Sitzträgers erfolgt. Wir beispielsweise die Rückenlehne von einer ersten
Position mit einem Rückenlehnenwinkel von 5 Grad in eine zweite Position mit einem
Rückenlehnenwinkel von 35 Grad gebracht, so ist Δγ gleich 30 Grad. Bei einem beispielhaften
Verhältnis Δγ/Δβ von 3 beträgt die Änderungen des Sitzwinkels γβ folglich 10 Grad.
Dadurch werden die Oberschenkel und der Beckenboden ebenfalls um 10 Grad nach hinten
geneigt und der Öffnungswinkel α=β+γ zwischen dem Sitzträger und der Rückenlehne wird
um 20 Grad vergrößert. Besonders bevorzugt liegt das Verhältnis Δγ/Δβ zwischen etwa
2,2 und etwa 3,7, zwischen etwa 2,5 und etwa 3,5, zwischen etwa 2,7 und etwa 3,3 und
insbesondere bei etwa 3.
[0031] Die vorliegende Erfindung ist nicht auf die obigen, beispielhaft beschriebenen Ausführungsformen
beschränkt. Vielmehr können einzelne Elemente und/oder Merkmale eines jeden beschriebenen
Aspekts und/oder einer jeden beschriebenen Ausführungsform mit einzelnen Elementen
und/oder Merkmalen der weiteren Aspekte und/oder weiteren Ausführungsformen in beliebiger
Weise miteinander kombiniert werden und somit weitere Aspekte und/oder Ausführungsformen
gebildet werden.
Figurenbeschreibung
[0032]
- Fig. 1
- zeigt eine perspektivische Ansicht der Mechanik einer ersten Ausführungsform eines
Stuhls.
- Fig. 2
- zeigt eine Seitenansicht der Mechanik der Ausführungsform des Stuhls in einer ersten
Position.
- Fig. 3
- zeigt eine Seitenansicht der Mechanik der ersten Ausführungsform des Stuhls in einer
zweiten Position.
- Fig. 4
- zeigt eine Detailseitenansicht der Mechanik gemäß Fig. 2.
- Fig. 5
- zeigt eine Detailseitenansicht der Mechanik gemäß Fig. 3.
- Fig. 6
- zeigt eine Detailseitenansicht der Mechanik einer zweiten Ausführungsform des Stuhls
in einer ersten Position.
- Fig. 7
- zeigt eine Detailseitenansicht der Mechanik der zweiten Ausführungsform des Stuhls
in einer zweiten Position.
[0033] Figur 1 zeigt eine perspektivische Ansicht der Mechanik einer ersten Ausführungsform eines
Stuhls 1. Der Stuhl 1 umfaßt einen Stuhlfuß 2, welcher vorzugsweise höhenverstellbar
ist, einen Basisträger 3, zwei Sitzträger 4, zwei Rückenlehnenträger 5 und eine Rückenlehne
6.
[0034] An den Sitzträgern 4 sind in dieser Ausführungsform zum einen zwei an einer hinteren
Sitzkoppelachse 18 angeordnete Zugfederhebel 10 und zum anderen zwei an einer vorderen
Sitzkoppelachse 22 angeordnete Koppelhebel 20 gelenkig angeordnet. Die Zugfederhebel
10 sind über die Hauptachse 14 und die Koppelhebel 20 sind über die Basiskoppelachse
24 mit dem Basisträger 3 gelenkig verbunden. Somit ist der Sitzträger 4 mit dem Basisträger
3 verbunden, welcher wiederum mit dem Stuhlfuß 2 verbunden ist.
[0035] Die Rückenlehnenträger 5 bzw. die Rückenlehne 6 weisen bzw. weist in der gezeigten
Ausführungsform insbesondere ein Versteifungselement 7 auf, um die zwei Rückenlehnenträger
miteinander zu verbinden und die Formstabilität der Rückenlehne 6 zu erhöhen. Die
Rückenlehne 6 kann vorzugsweise mit den Rückenlehnenträgern 5 und insbesondere mit
dem Versteifungselement 7 einstückig ausgebildet sein.
[0036] Zwischen einer oberen Bogenführung 45 und einer unteren Bogenführung 46, die jeweils
an einem Sitzträger 4 angeordnet sind, ist jeweils ein Rückenlehnenträger 5 bewegbar
gelagert. Eine Zugstange 50 ist jeweils gelenkig an einem Rückenlehnenträger 5 angeordnet
und gelenkig mit einem Zughebel 30 verbunden. Die zwei Zughebel 30 sind auf der Hauptachse
14 angeordnet und mit den Koppelhebeln 20 gekoppelt.
[0037] Figur 2 zeigt eine Seitenansicht der Mechanik der ersten Ausführungsform des Stuhls 1 in
einer ersten Position, wie in Figur 1 gezeigt. In der ersten Position befindet sich
die Stuhlmechanik in solch einer Position, daß ein Benutzer in einer aufrechten Sitzposition
auf dem Stuhl 1 sitzen kann.
[0038] Der Sitzträger 4 weist eine Längserstreckung S auf, die sich in etwa parallel zur
x-Richtung und im wesentlichen senkrecht zur z-Richtung erstreckt und eine zweite
Erstreckung entlang der y-Richtung, so daß sich eine durch die Oberkante des Sitzträgers
4 aufgespannte Ebene im wesentlichen horizontal erstreckt. Der Sitzträger 4 ist um
eine Kippachse, die entlang der y-Richtung verläuft, neigbar, so daß zwischen der
z-Richtung und der Längserstreckung S des Sitzträgers 4 ein Sitzwinkel β
1 eingeschlossen wird, wobei der Winkel β
1 in der ersten Position im Bereich von etwa 80° bis etwa 110° Grad, insbesondere etwa
90° Grad, liegt.
[0039] Die Rückenlehne 6 weist eine Längserstreckung R auf, die sich in etwa parallel zur
z-Richtung und im wesentlichen senkrecht zur x-Richtung erstreckt und eine zweite
Erstreckung entlang der y-Richtung, so daß sich eine durch die Rückenlehne 6 aufgespannte
Ebene im wesentlichen vertikal erstreckt. Die Rückenlehne 6 ist um eine Kippachse
bzw. Drehachse, die entlang der y-Richtung verläuft, neigbar. Insbesondere ist der
Rückenlehnenträger 5 zumindest bereichsweise durch die obere und untere Bogenführung
45, 46 kreisförmig geführt. Der gemeinsame Kreismittelpunkt H der Kreisbogenabschnitte
der oberen und unteren Bogenführung 45, 46 ist dabei mit einem Radius R
H von der oberen Bogenführung 45 beabstandet angeordnet. Die Rückenlehne 6 ist folglich
um den Kreismittelpunkt H drehbar gelagert. Insbesondere erfolgt keine translatorische
Relativbewegung zwischen dem Kreismittelpunkt H und der Rückenlehne 6.
[0040] Zwischen der z-Richtung und der Längserstreckung R der Rückenlehne 6 wird in der
ersten Position ein Rückenlehnenwinkel γ
1 eingeschlossen wird, wobei der Winkel γ
1 in der ersten Position im Bereich von etwa 0° bis etwa 25° Grad, insbesondere etwa
6° Grad, liegt. Folglich wird zwischen der Längserstreckung R der Rückenlehne 4 und
der Längserstreckung S des Sitzträgers 4 ein Öffnungswinkel α
1 eingeschlossen, der in der ersten Position im Bereich von etwa 80° bis etwa 135°
Grad, insbesondere etwa 96° Grad, liegt.
[0041] Der minimale Rückenlehnenwinkel γ
1 von kleiner als 25° Grad wird erreicht, wenn sich die Zugstange 50 in einer extremalen
Position entgegen der x-Richtung, also hinten, befindet. In dieser Position befindet
sich der Kreismittelpunkt H der Bogenführungen 45, 46 des Sitzträgers 4 in einer räumlichen
Position nahe zur z-Achse des Stuhlfußes 2. Insbesondere ist vom Kreismittelpunkt
H der Abstand entgegen der z-Richtung zum Sitzträger 4 und der Abstand entgegen der
x-Richtung zur Rückenlehne 6 bzw. zum Rückenlehnenträger 5 in etwa gleich groß.
[0042] Figur 3 zeigt eine Seitenansicht der Mechanik der ersten Ausführungsform des Stuhls 1 in
einer zweiten Position. In der zweiten Position befindet sich die Stuhlmechanik in
solch einer Position, daß ein Benutzer in einer zurückgelehnten Sitzposition auf dem
Stuhl 1 sitzen kann.
[0043] In der zweiten Position schließt die Längserstreckung S des Sitzträgers 4 mit der
z-Richtung einen Sitzwinkel β
2 von etwa 70° bis etwa 90° Grad, insbesondere etwa 80° Grad, ein.
[0044] Die Längserstreckung R der Rückenlehne 6 schließt in der zweiten Position mit der
z-Richtung einen Rückenlehnenwinkel γ
2 von etwa 20° bis etwa 55° Grad, insbesondere etwa 36° Grad, ein.
[0045] Folglich wird zwischen der Längserstreckung R der Rückenlehne 4 und der Längserstreckung
S des Sitzträgers 4 in der zweiten Position ein Öffnungswinkel α
2 von etwa 100° bis etwa 155° Grad, insbesondere etwa 116° Grad, eingeschlossen.
[0046] Der maximale Rückenlehnenwinkel γ
2 wird erreicht, wenn sich die Zugstange 50 in einer extremalen Position in x-Richtung,
also vorne, befindet. In dieser Position befindet sich der Kreismittelpunkt H in einer
räumlichen Position, die im Vergleich zur ersten Position weiter entgegen der x-Richtung
von der z-Achse des Stuhlfußes 2 entfernt ist. Insbesondere ist vom Kreismittelpunkt
H der Abstand entgegen der z-Richtung zum Sitzträger und der Abstand entgegen der
x-Richtung zur Rückenlehne 6 bzw. zum Rückenlehnenträger 5 auch in der zweiten Position
in etwa gleich groß.
[0047] Beim Übergang des Stuhles 1 von der ersten Position in die zweite Position stehen
die Änderungen des Sitzwinkels Δβ = β
2 - β
1 und des Rückenlehnenwinkels Δγ = γ
2 - γ
1 vorzugsweise in einem konstanten Verhältnis zueinander. Dabei liegt das Verhältnis
der Winkeländerungen Δγ/Δβ insbesondere zwischen etwa 2 und etwa 4, weiter bevorzugt
zwischen etwa 2,5 und etwa 3,5 und besonders bevorzugt bei etwa 3.
[0048] Ferner verlagert sich der Kreismittelpunkt H beim Übergang von der ersten in die
zweite Position entgegen der x-Richtung, so daß sich sein Abstand zur Rückenlehne
6 nicht vergrößert.
[0049] Vorzugsweise ist der Kreismittelpunkt H so angeordnet, daß er in etwa mit der räumlichen
Lage des Drehpunktes D des Hüftgelenkes eines Benutzers des Stuhls 1 zusammenfällt.
Bevorzugt ist der Abstand zwischen H und D kleiner als etwa 5 cm, besonders bevorzugt
kleiner als etwa 3 cm und insbesondere kleiner als 2 cm. Vorzugsweise ist der Radius
R
H der oberen Bogenführung 45, d.h. der Abstand des Kreismittelpunktes H zum Sitzträger
bzw. zum Rückenlehnenträger, in einem Bereich von etwa 6 cm bis etwa 20 cm, weiter
bevorzugt in einem Bereich von etwa 8 cm bis etwa 18 cm, besonders bevorzugt in einem
Bereich von etwa 10 cm bis etwa 15 cm, insbesondere in einem Bereich von etwa 11 cm
bis etwa 13 cm.
[0050] Figur 4 zeigt eine detaillierte Seitenansicht der Mechanik der ersten Ausführungsform des
Stuhls 1 in einer ersten Position, wie in Figur 2 gezeigt.
[0051] Der Sitzträger 4 ist zum einen über zwei Zugfederhebel 10 und zum anderen über zwei
Koppelhebel 20 mit dem Basisträger 3 gelenkig verbunden. Jeder Zugfederhebel 10 weist
an einem Ende einen Sitzkoppelachsenlagerbereich 11 auf, an dem davon entgegengesetzten
Ende einen Zugfederachsenlagerbereich 12 und dazwischenliegend einen Hauptachsenlagerbereich
13. Jeder Zugfederhebel 10 ist über die im Hauptachsenlagerbereich 13 gelagerte Hauptachse
14 mit dem Basisträger 3 drehbar verbunden. Ferner ist der Zugfederhebel 10 über die
im Zugfederachsenlagerbereich 12 gelagerte Zugfederachse 15, die Zugfeder 16 und die
Zugfederaufhängung 17 mit dem Basisträger 3 verbunden. Der Sitzkoppelachsenlagerbereich
11 des Zugfederhebels 10 ist über die Sitzkoppelachse 18 und dem hinteren Sitzkoppellager
41 mit dem Sitzträger 4 gelenkig verbunden.
[0052] Jeder Koppelhebel weist vorzugsweise eine im wesentlichen winkelförmige Gestalt mit
zwei Schenkeln auf. Der Koppelhebel 20 weist ferner an einem Ende eines Schenkels
einen Sitzkoppelachsenlagerbereich 21 auf, mit dem er über die vordere Sitzkoppelachse
22 und dem vorderen Sitzkoppellager 42 mit dem Sitzträger 4 gelenkig verbunden ist.
Ferner weist der zumindest eine Koppelhebel 20 einen Basiskoppelachsenlagerbereich
23 auf, welcher die Basiskoppelachse 24 aufnimmt, so daß der zumindest eine Koppelhebel
20 über die Basiskoppelachse 24 drehbar mit dem Basisträger 3 verbunden ist.
[0053] An einem Ende des anderen Schenkels weist der zumindest eine Koppelhebel 20 ein erstes
Kupplungsmittel 25 auf, welches ausgelegt ist mit einem zweiten Kupplungsmittel 35
eines Zughebels 30 in Eingriff zu gelangen.
[0054] Der zumindest eine Zughebel 30 weist vorzugsweise eine winkelförmige Gestalt mit
zwei Schenkeln auf. Der zumindest eine Zughebel 30 weist an einem Ende eines Schenkels
einen Zugstangenlagerbereich 31 auf, an dem eine Zugstange 50 gelenkig mit dem Zughebel
30 verbunden ist. Ferner weist der zumindest eine Zughebel 30 einen Hauptachsenlagerbereich
33 auf, welcher die Hauptachse 14 aufnimmt, so daß der Zughebel 30 über die Hauptachse
14 drehbar mit dem Basisträger 3 verbunden ist.
[0055] An einem Ende des anderen Schenkels weist der zumindest eine Zughebel 30 das zweite
Kupplungsmittel 35 auf, welches ausgelegt ist um mit dem ersten Kupplungsmittel 25
des zumindest einen Koppelhebels 20 in Eingriff zu gelangen.
[0056] In der ersten Ausführungsform ist das erste Kupplungsmittel 25 als Reihe äquidistanter
Vorsprünge oder einer Zahnung bzw. Zahnreihe oder als Kreisbogenabschnitt eines Zahnrades
ausgebildet. Das zweite Kupplungsmittel 35 kann in der ersten Ausführungsform als
eine zum ersten Kupplungsmittel gegenstückig ausgebildete äquidistante Reihe von Ausnehmung
oder als Zahnung bzw. Zahnreihe oder ebenfalls als Kreisbogenabschnitt eines Zahnrades
ausgebildet sein, wobei das erste Kupplungsmittel 25 in Eingriff mit dem zweiten Kupplungsmittel
35 ist.
[0057] Durch Drehung des zumindest einen Zughebels 30 ist die damit gelenkig verbundene
Zugstange 50 im wesentlichen in oder entgegen der x-Richtung bewegbar. Die Zugstange
50 ist über eine gelenkige Verbindung 51 mit der Rückenlehne 5 verbunden.
[0058] Der Rückenlehnenträger 5 weist einen zwangsgeführten Bereich 52 mit geführten Elementen
53 auf, welcher innerhalb einer oberen Bogenführung 45 und einer unteren Bogenführung
46 des Sitzträgers 4 bewegbar ist, insbesondere um dem Kreismittelpunkt H drehbar
ist. Die geführten Elemente 53 können insbesondere als Rollen ausgeführt sein, welche
auf Achsstummeln bzw. Achsen angeordnet sind, die im zwangsgeführten Bereich 52 angeordnet
sind. Die Rollen können insbesondere durch rollen oder gleiten zwischen der oberen
Bogenführung 45 und der unteren Bogenführung 46 verlagert werden. Wird der Durchmesser
der Rollen kleiner gewählt als der Abstand zwischen der oberen und unteren Bogenführung
45, 46, beispielsweise um 1/10 bis 1/2 Millimeter, so wird die Verlagerung vorteilhafterweise
im wesentlichen durch Rollen erfolgen und somit besonders reibungsfrei sein.
[0059] In der ersten Position ist die Zugfeder 16 kontrahiert und entspannt, wobei die zumindest
eine Zugstange 50 sich in einer extremalen räumlichen Position in x-Richtung befindet
und sich der Sitzträger im wesentlichen horizontal, d.h. im wesentlichen parallel
zur x-y-Ebene, erstreckt.
[0060] Figur 5 zeigt eine detaillierte Seitenansicht der Mechanik der ersten Ausführungsform des
Stuhls 1 in einer zweiten Position, wie in Figur 3 gezeigt.
[0061] Wie aus der Figur ersichtlich wird bleibt der stetige Übergang des Sitzträgers 4
über die obere Bogenführung 45 hin zum Rückenlehnenträger 5 bei dem Übergang von der
ersten Position aus Fig. 4 in die zweite Position erhalten. D.h., daß durch die Bogenführungen
45, 46 eine translatorische Bewegung des Rückenlehnenträgers 5 bzw. der Rückenlehne
6 entlang der Richtung des Radiusvektors R
H verhindert wird. Dadurch entsteht vorteilhafterweise im Bereich des Übergangs zwischen
Sitzträger und Rückenlehne keine Unstetigkeit bzw. eine Kante in der Stuhlbespannung,
die nachteilig zu einer Verminderung des Sitzkomfort führen würde.
[0062] Ferner ist anhand der Figuren 4 und 5 gezeigt, daß sich die Vorderkante 43 des Sitzträgers
4 relativ zur vorderen Sitzkoppelachse 22 in z-Richtung, d.h. nach oben verlagert.
Um ein Anheben des unteren Oberschenkels bzw. des Knies des Stuhlbenutzers beim Zurücklehnen
zu vermeiden, wird die vordere Sitzkoppelachse 22 durch das Drehen des Koppelhebels
20 entsprechend entgegen der z-Richtung, d.h. nach unten, verlagert. Vorzugsweise
bleibt die Lage der Vorderkante 43 des Sitzträgers im wesentlichen konstant, d.h.
sie wird betragsmäßig entlang der z-Richtung weniger als etwa 2 cm, weiter bevorzugt
weniger als etwa 1 cm und besonders bevorzugt weniger als etwa 5 mm, verlagert.
[0063] Figur 6 zeigt eine Seitenansicht der Mechanik einer zweiten Ausführungsform des Stuhls 1
in einer ersten Position. Der Stuhl 1 ist dabei im wesentlichen entsprechend der ersten
Ausführungsform ausgebildet, wie sie insbesondere in Figur 4 gezeigt ist. Die zur
Figur 4 entsprechenden Teile sind daher mit gleichen Bezugszeichen versehen.
[0064] In der zweiten Ausführungsform weist der zumindest eine Koppelhebel 20 ein bevorzugtes
erstes Kupplungsmittel 25 und der zumindest eine Zughebel 30 ein bevorzugtes zweites
Kupplungsmittel 35 auf, wobei die Kupplungsmittel 25, 35 welche ausgelegt sind miteinander
in Eingriff zu gelangen.
[0065] In der zweiten Ausführungsform ist das erste Kupplungsmittel 25 als Zapfen 26 oder
Achsstummel 26 ausgebildet. Vorzugsweise schließen die Verbindungslinie zwischen dem
Zapfen 26 und dem Basiskoppelachsenlagerbereich 23 sowie die Verbindungslinie zwischen
dem Sitzkoppelachsenlagerbereich 21 und dem Basiskoppelachsenlagerbereich 23 einen
Winkel δ ein, welcher von 180 Grad verschieden ist. Besonders bevorzugt liegt δ zwischen
etwa 30 und etwa 150 Grad und besonders bevorzugt zwischen etwa 80 und etwa 110 Grad.
[0066] Das zweite Kupplungsmittel 35 ist in der ersten Ausführungsform als Ausnehmung 36
in dem Zughebel 30 ausgebildet, in welche der Zapfen 26 eingreift. Die Ausnehmung
36 ist vorzugsweise länglich, insbesondere im wesentlichen rechteckig, ausgebildet,
so daß die Erstreckung in Richtung K der kurzen Seite der Ausnehmung 36 etwa gleich
dem Durchmesser des Zapfens 26 ist. Die Ausnehmung 36 ist derart angeordnet, daß die
Richtung L der Längserstreckung, d.h. der Erstreckung in Richtung der langen Seite,
der Ausnehmung 36 mit einem von der Hauptachse 14 ausgehenden Radiusvektor der Hauptachse
14 zusammenfällt. Dadurch ist der Zapfen 26 im wesentlichen nur in oder entgegen Richtung
L der Längserstreckung der Ausnehmung 36 bewegbar, also radial von der Hauptachse
14 weg oder zu dieser hin. Daher kann durch den Zapfen 26 eine Kraft auf den Rand
der Ausnehmung 36 in oder entgegen der Richtung K übertragen werden oder von dem Rand
der Ausnehmung 36 auf den Zapfen 26. Durch Wirken dieser Kraft ist der Zughebel 30
um die Hauptachse 14 drehbar, da diese Kraft tangential, d.h. senkrecht zu einem Radiusvektor,
zur Hauptachse 14 auf den Zughebel 30 wirkt.
[0067] Figur 7 zeigt eine Seitenansicht der Mechanik einer zweiten Ausführungsform des Stuhls 1
in einer zweiten Position ähnlich zu der in den Figuren 3 und 5 gezeigten Position.
Auch in der in den Figuren 6 und 7 gezeigten Ausführungsform wird die Sitzkoppelachse
22 beim Zurückneigen der Rückenlehnenträger 5 entgegen z-Richtung, d.h. nach unten
verlagert, um ein Anheben des unteren Oberschenkels bzw. des Knies des Stuhlbenutzers
durch die Vorderkante 43 des Sitzträgers beim Zurücklehnen zu vermeiden.
[0068] Die vorliegende Beschreibung der bevorzugten Ausführungsformen ist nicht auf die
oben beschriebenen jeweiligen Figuren beschränkt. Vielmehr gelten die Ausführungen
zu den jeweiligen Figuren sinngemäß auch für die weiteren Figuren. Ebenso gelten die
zu den Figuren gemachten Ausführungen auch für die vorangegangenen Aspekte und Ausführungsformen.
Somit können mittels der zu den (jeweiligen) Figuren beschrieben Einzelmerkmale und/oder
mittels der Einzelmerkmale der Aspekte und/der (Einzelmerkmale) Ausführungsformen
weitere bevorzugte Ausführungsformen gebildet werden, wobei die Einzelmerkmale beliebig
miteinander kombiniert werden können.
Bezugszeichenliste
[0069]
- 1
- Stuhl
- 2
- Stuhlfuß
- 3
- Basisträger
- 4
- Sitzträger
- 5
- Rückenlehnenträger
- 6
- Rückenlehne
- 7
- Versteifungselement
- 10
- Zugfederhebel
- 11
- Sitzkoppelachsenlagerbereich
- 12
- Zugfederachsenlagerbereich
- 13
- Hauptachsenlagerbereich
- 14
- Hauptachse
- 15
- Zugfederachse
- 16
- Zugfeder
- 17
- Zugfederaufhängung
- 18
- hintere Sitzkoppelachse
- 20
- Koppelhebel
- 21
- Sitzkoppelachsenlagerbereich
- 22
- vordere Sitzkoppelachse
- 23
- Basiskoppelachsenlagerbereich
- 24
- Basiskoppelachse
- 25
- erstes Kupplungsmittel
- 26
- Zapfen
- 30
- Zughebel
- 31
- Zugstangenlagerbereich
- 33
- Hauptachsenlagerbereich
- 35
- zweites Kupplungsmittel
- 36
- Ausnehmung
- 41
- hinteres Sitzkoppellager
- 42
- vorderes Sitzkoppellager
- 43
- Vorderkante des Sitzträgers 4
- 45
- obere Bogenführung
- 46
- untere Bogenführung
- 50
- Zugstange
- 51
- gelenkige Verbindung
- 52
- zwangsgeführter Bereich
- 53
- geführte Elemente
- D
- Drehpunkt des Hüftgelenkes
- H
- Kreismittelpunkt
- K
- Richtung der kurzen Seite der Ausnehmung
- L
- Richtung der langen Seite der Ausnehmung
- R
- Längserstreckung der Rückenlehne 6
- RH
- Radiusvektor
- S
- Längserstreckung des Sitzträgers 4
1. Stuhl, insbesondere ein drehbarer Bürostuhl, umfassend:
- zumindest zwei Sitzträger (4), jeweils weiter umfassend eine obere Bogenführung
(45) und eine untere Bogenführung (46);
- zumindest zwei Rückenlehnenträger (5), jeweils weiter umfassend einen zwangsgeführten
Bereich (52);
- eine an die Rückenlehnenträger (5) angeordnete Rückenlehne (6), wobei
- der zwangsgeführte Bereich (52) der Rückenlehnenträger (5) jeweils zwischen der
oberen Bogenführung (45) und der unteren Bogenführung (46) der entsprechenden Sitzträger
(4) geführt wird, so daß die Rückenlehnenträger (5) gegenüber den Sitzträgern (4)
neigbar sind, wobei
- die obere Bogenführung (45) und die untere Bogenführung (46) zumindest bereichsweise
als Kreisbogenabschnitt ausgebildet sind und wobei
- der Kreisbogenabschnitt der oberen Bogenführung (45) und der Kreisbogenabschnitt
der unteren Bogenführung (46) den selben Kreismittelpunkt H aufweisen;
- einen Basisträger (3);
- zumindest einen Zugfederhebel (10), welcher mittels einer hinteren Sitzkoppelachse
(18) mit dem Sitzträger (4) gelenkig verbunden ist;
- zumindest zwei Koppelhebel (20), welche mittels einer vorderen Sitzkoppelachse (22)
mit dem Sitzträger (4) gelenkig verbunden sind, wobei
- der zumindest eine Zugfederhebel (10) mittels einer Hauptachse (14) gelenkig verbunden
ist und die zumindest zwei Koppelhebel (20) mittels einer Basiskoppelachse (24) mit
dem Basisträger (3) gelenkig verbunden sind;
- zumindest zwei Zugstangen (50), welche gelenkig an dem zumindest einen Rückenlehnenträger
(5) angeordnet sind und
- zumindest zwei Zughebel (30), welche auf der Hauptachse (14) angeordnet sind und
welche mit den zumindest zwei Zugstangen (50) jeweils gelenkig verbunden sind.
2. Stuhl nach Anspruch 1, wobei die obere Bogenführung (45), die untere Bogenführung
(46) und der Rückenlehnenträger (5) derart ausgelegt sind, so daß der Rückenlehnenträger
(5) und die Rückenlehne (6) ausschließlich entlang einer kreisförmigen Bahn um den
Kreismittelpunkt (H) bewegbar sind.
3. Stuhl nach einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei der Sitzträger (4) und die Rückenlehne
(6) derart ausgelegt sind, daß der Drehpunkt (D) des Hüftgelenkes eines Benutzers
des Stuhles (1) in etwa mit der räumlichen Lage des Kreismittelpunktes (H) zusammenfällt.
4. Stuhl nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei der Abstand zwischen einer Bodenfläche,
auf welcher der Stuhl (1) steht, und der vorderen Sitzkoppelachse (22) bei Neigung
der Rückenlehnenträger (5) und/oder der Sitzträger (4) veränderlich ist.
5. Stuhl nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die Stuhlmechanik im wesentlichen
spiegelsymmetrisch zur einer Ebene in x-z-Richtung, die durch die Mittelachse des
Stuhlfußes (2) verläuft, ausgebildet ist.
6. Stuhl nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die zumindest zwei Koppelhebel (20)
jeweils ein erstes Kupplungsmittel (25) aufweisen, welches ausgelegt ist mit einem
zweiten Kupplungsmittel (35) eines der zumindest zwei Zughebel (30) in Eingriff zu
gelangen.
7. Stuhl nach Anspruch 6, wobei das erste Kupplungsmittel (25) als Reihe äquidistanter
Vorsprünge oder als Reihe äquidistanter Ausnehmungen ausgebildet ist.
8. Stuhl nach Anspruch 6, wobei das erste Kupplungsmittel (25) als Zahnreihe oder als
Kreisbogenabschnitt eines Zahnrades ausgebildet ist.
9. Stuhl nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Sitzträger (4) um eine Kippachse
neigbar ist, so daß zwischen der z-Richtung und der Längserstreckung (S) des Sitzträgers
(4) ein Sitzwinkel (β) von etwa 70° bis etwa 110° Grad eingeschlossen ist.
10. Stuhl nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Rückenlehne (6) um eine Kippachse
neigbar ist, so daß zwischen der z-Richtung und der Längserstreckung (R) der Rückenlehne
(6) ein Rückenlehnenwinkel (γ) von etwa 0° bis etwa 55° Grad eingeschlossen ist.
11. Stuhl nach Anspruch 10, wobei die Änderungen des Sitzwinkels (Δβ=β2-β1) und die Änderungen
des Rückenlehnenwinkels (Δγ=-γ2-γ1) in einem konstanten Verhältnis zueinander stehen,
wobei das Verhältnis Δγ/Δβ zwischen etwa 2 und etwa 4 liegt.