[0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen elektrischen Leiter, der einen zentralen Kern
und mindestens zwei über demselben angeordnete Lagen aus elektrisch leitenden Einzeldrähten
aufweist, die in einer ersten Lage um den Kern und in einer zweiten Lage um die erste
Lage herumverseilt sind (
DE 10 2004 041 452 A1).
[0002] Ein derartiger Leiter wird beispielsweise in Kraftfahrzeugen eingesetzt, beispielsweise
in Verdrahtungs- oder Sensorleitungen. Er ist aber grundsätzlich überall dort verwendbar,
wo elektrischer Strom oder Daten zu übertragen sind. Für den Einsatz in Kraftfahrzeugen
muß der Leiter gut biegbar, flexibel und zugfest sein und in besonderen Einsatzbereichen
auch kombinierte mechanische Belastungen aushalten können, weil mit einem derartigen
Leiter ausgerüstete Leitungen im Kraftfahrzeug bei laufendem Betrieb dauernd Schwingungen
und Erschütterungen ausgesetzt sind.
[0003] Der bekannte Leiter nach der eingangs erwähnten
DE 10 2004 041 452 A1 hat einen als zugfestes Element ausgebildeten, nicht metallischen Kern. Um den Kern
sind in einer ersten Lage aus Kupfer bestehende Drähte mit kreisrundem Querschnitt
dicht an dicht liegend herum verseilt und über der ersten Lage ist eine zweite Lage
von ebenfalls aus Kupfer bestehenden Drähten mit kreisrundem Querschnitt aufgeseilt,
deren Durchmesser und Anzahl so bemessen sind, daß sich bei dicht an dicht liegenden
Drähten eine nahezu glatte äußere Oberfläche des Leiters als Unterlage für eine auf
denselben aufzubringende Isolierung ergibt. Dieser Leiter hat sich in der Praxis bewährt.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den eingangs geschilderten Leiter bezüglich
Zugfestigkeit und Vibrationsfestigkeit weiter zu verbessern.
[0005] Diese Aufgabe wird gemäß der Erfindung dadurch gelöst,
- daß als Kern ein aus einem weichgeglühten Kupfer bestehender Draht mit einer Bruchfestigkeit
von mindestens 210 N/mm2 eingesetzt ist,
- daß die Einzeldrähte der ersten Lage Stahldrähte mit einer zwischen 800 N/mm2 und 2200 N/mm2 liegenden Bruchfestigkeit sind und
- daß die Einzeldrähte der zweiten Lage Kupferdrähte mit einer zwischen 250 N/mm2 und 400 N/mm2 liegenden Bruchfestigkeit sind, deren Schlaglänge zwischen 8 x D und 18 x D liegt,
wobei D der Durchmesser des Leiters über der zweiten Lage ist.
[0006] Dieser Leiter genügt allen mechanischen Anforderungen, wie sie beispielsweise für
seinen Einsatz in Kraftfahrzeugen gestellt werden, auf Dauer. Er ist durch die Stahldrähte
auch ohne zugfestes Kernelement zugfest und außerdem bei Verwendung von hochfesten
Stahldrähten auch biege-, torsions- und vibrationsbeständig. Die gute Biegbarkeit
des Leiters ist einerseits durch den formstabilen konzentrischen Aufbau der beiden
aufgeseilten Lagen und andererseits durch deren kurze Verseilschlaglänge gewährleistet.
Der Leiter ist durch seinen speziellen Aufbau außerdem gut für den elektrisch leitenden
Anschluß von Kontaktelementen durch Crimpen geeignet.
[0007] Wenn die erste Lage des Leiters in bevorzugter Ausführungsform aus hochfesten Stahldrähten
besteht, können dieselben durch einen in der Stahlseilfertigung bekannten Vorformprozeß
der einzelnen Stahldrähte oder in einem Nachformprozeß der aufgeseilten Lage durch
Rollen mechanisch so geformt werden, daß im fertigen Leiter mechanische Spannungen
abgebaut werden, wodurch neben der guten Biegbarkeit des Leiters auch eine Drallfreiheit
desselben gegeben ist.
[0008] Ein Ausführungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes ist in den Zeichnungen dargestellt.
Es zeigen:
[0009] Fig. 1 eine Seitenansicht des Leiters nach der Erfindung mit abschnittsweise entfernten
Schichten.
Fig. 2 einen Schnitt durch Fig. 1 längs der Linie II - II in vergrößerter Darstellung.
[0010] Der Leiter L hat einen zentralen Kern 1, um den herum in einer ersten Lage 2 Stahldrähte
3 herumverseilt sind. Über der ersten Lage 2 ist eine zweite Lage 4 angeordnet, die
aus Kupferdrähten 5 besteht, welche um die Stahldrähte 3 herumverseilt sind. Der Leiter
L kann von einer beispielsweise durch Extrusion und/oder Bewicklung erzeugten Isolierung
6 umgeben sein. Er kann aber auch mit mindestens zwei weiteren, gleich aufgebauten
Leitern zu einem vieldrähtigen Leiterseil weiterverseilt werden.
[0011] Der Kern 1 ist ein aus während eines Ziehprozesses weichgeglühtem, vorzugsweise sauerstofffreiem
Kupfer bestehender Draht. Er hat eine Bruchfestigkeit von mindestens 210 N/mm
2. Der Kern 1 kann als blanker Kupferdraht ausgeführt sein. Er kann aber auch verzinnt,
versilbert oder vernickelt sein.
[0012] Die Stahldrähte 3 haben eine Bruchfestigkeit, die zwischen 800 N/mm
2 und 2200 N/mm
2 liegt. Sie können mit Vorteil verzinnt sein. Vorzugsweise bestehen die Stahldrähte
3 aus Edelstahl.
[0013] Die Kupferdrähte 5 haben eine Bruchfestigkeit, die zwischen 250 N/mm
2 und 400 N/mm
2 liegt. Sie können ebenso wie der Draht des Kerns 1 als blanke Drähte ausgeführt bzw.
verzinnt, versilbert oder vernickelt sein.
[0014] Stahldrähte 3 und Kupferdrähte 5 können mit gleicher Schlagrichtung, aber auch mit
entgegengesetzter Schlagrichtung auf ihre jeweilige Unterlage aufgeseilt sein. Sie
können mit Vorteil auch unter dem gleichen Verseilwinkel aufgebracht sein. Die Schlaglänge
der Kupferdrähte 5 in der zweiten Lage 4 liegt zwischen 8 x D und 18 x D. Dabei ist
D der Durchmesser des Leiters L über der zweiten Lage 4.
Der Leiter L wird beispielsweise wie folgt hergestellt:
[0015] Ein Draht aus weichgeglühtem Kupfer wird als Kern 1 von einer Spule abgezogen und
einer Verseileinheit zugeführt, in welcher die Stahldrähte 3 der ersten Lage 2 um
den Kern 1 herumverseilt werden. Im gleichen Arbeitsgang können die Kupferdrähte 5
der zweiten Lage 4 in einer zweiten Verseileinheit auf dieselbe aufgeseilt werden.
Der fertige Leiter L kann dann auf eine Spule aufgewickelt oder einer Weiterverarbeitung
zugeführt werden.
[0016] Ein Verseilprozeß, bei dem die Stahldrähte 3 und die Kupferdrähte 5 von einzelnen
Spulen ablaufen, wird beispielsweise auf einer Rohrverseilmaschine durchgeführt. Die
Drähte werden dabei mit einer Rückdrehung von etwa 90 % aufgeseilt. Die beiden Lagen
2 und 4 und damit auch der Leiter L sind durch eine derartige Vorformung schon weitgehendst
frei von mechanischen Spannungen. Ein solcher Verseilprozeß wird mit Vorteil für Leiter
L eingesetzt, die im Betrieb hohen mechanischen Beanspruchungen bezüglich Biegung,
Torsion und Vibration ausgesetzt werden.
[0017] Zur weiteren Reduzierung von mechanischen Spannungen kann der Leiter L nach dem Aufseilen
von in bevorzugter Ausführungsform hochfesten Stahldrähten 3 als erste Lage 2 zunächst
noch einem mechanischen Nachformprozeß zugeführt werden, in welchem die Stahldrähte
3 in aus der Seilherstellung bekannter Technik beispielsweise über mehrere Rollenpaare
mechanisch verformt bzw. umgeformt werden.
[0018] Bei Leitern L die nur eine im Vergleich zu Kupfer deutlich höhere Bruchfestigkeit
haben sollen, für die aber keine zusätzlichen mechanischen Anforderungen bestehen,
können vorzugsweise Stahldrähte 3 mit einer Bruchfestigkeit zwischen 800 N/mm
2 und 1200 N/mm
2 eingesetzt werden. Derartige Stahldrähte 3 können auf Mehrfachdraht -ziehanlagen
gleichzeitig heruntergezogen und gemeinsam parallel aufgewickelt werden. Sie können
verzinnt werden oder bei thermisch hoch beanspruchten Leitern L vorzugsweise aus Edelstahl
bestehen. Das Ausgangsmaterial für diese Stahldrähte können jeweils Stangen aus Weichstahl
sein, welche in einem Grobziehprozeß jeweils zu einem Vorziehdraht heruntergezogen
und anschließend in einem galvanischen Prozeß oder auch in einem Feuerverzinnprozeß
verzinnt werden. Nach einem Feinziehprozeß weisen die verzinnten Stahldrähte 3 noch
eine verbleibende Zinnschichtdicke von mindestens 0,5 µm auf. Die Bruchfestigkeit
der Stahldrähte wird durch den Ziehprozeß selbst auf den gewünschten Endwert von 800
N/mm
2 bis 1200 N/mm
2 erhöht.
[0019] Der Verseilprozeß für einen derartigen Leiters L kann in einem einzigen Arbeitsprozeß
mit beispielsweise drei Tangential-Ablaufspulen über eine Hochgeschwindigkeits-Bügelverseilmaschine
in bekannter Doppelschlagverseiltechnik erfolgen. Auf einer der Spulen ist der Kupferdraht
1 aufgewickelt, eine zweite Spule hat beispielsweise sechs parallel aufgewickelte
Stahldrähte 3 und die dritte Spule hat beispielsweise zwölf parallel aufgewickelte
Kupferdrähte 5. Ein so gefertigter Leiter L kann ohne anschließende mechanische Bearbeitung
direkt einer Weiterverarbeitung zugeführt werden, also beispielsweise mit der Isolierung
6 versehen werden.
[0020] Ein Leiter L kann beispielsweise in der Verdrahtungstechnik von Kraftfahrzeugen als
einadrige oder auch als mehradrige Leitung im Leiterquerschnittsbereich zwischen 0,25
mm
2 und 2,5 mm
2 verwendet werden. Durch den Einsatz von sechs Stahldrähten 3 in einem 19-drähtigen
Leiter L wird zwar die elektrische Leitfähigkeit desselben im Vergleich zu einen dimensionsgleichen
Kupferleiter reduziert, die Bruchfestigkeit des Leiters L kann jedoch gegenüber einem
Kupferleiter gleichen Querschnitts verdoppelt werden. Das macht sich vorteilhaft bei
den in diesem Anwendungsfall kurzen Leitern bemerkbar, bei denen ein erhöhter Gleichstromwiderstand
beispielsweise für eine Signalübertragung unbedeutend ist.
1. Elektrischer Leiter, der einen zentralen Kern und mindestens zwei über demselben angeordnete
Lagen aus elektrisch leitenden Einzeldrähten aufweist, die in einer ersten Lage um
den Kern und in einer zweiten Lage um die erste Lage herumverseilt sind,
dadurch gekennzeichnet,
- daß als Kern (1) ein aus einem weichgeglühten Kupfer bestehender Draht mit einer Bruchfestigkeit
von mindestens 210 N/mm2 eingesetzt ist,
- daß die Einzeldrähte der ersten Lage (2) Stahldrähte (3) mit einer zwischen 800 N/mm2 und 2200 N/mm2 liegenden Bruchfestigkeit sind und
- daß die Einzeldrähte der zweiten Lage (4) Kupferdrähte (5) mit einer zwischen 250 N/mm2 und 400 N/mm2 liegenden Bruchfestigkeit sind, deren Schlaglänge zwischen 8 x D und 18 x D liegt,
wobei D der Durchmesser des Leiters (L) über der zweiten Lage ist.
2. Leiter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Kern (1) ein blanker Kupferdraht eingesetzt ist.
3. Leiter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Kern (1) verzinnt, versilbert oder vernickelt ist.
4. Leiter nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Stahldrähte (3) verzinnt sind oder aus Edelstahl bestehen.
5. Leiter nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die erste, aus Stahldrähten (3) bestehende Lage (4) durch mechanische Bearbeitung
frei von mechanischen Spannungen ist.
6. Leiter nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß Kupferdrähte (5) blanke Drähte sind.
7. Leiter nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Kupferdrähte (5) verzinnt, versilbert oder vernickelt sind.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 137(2) EPÜ.
1. Elektrischer Leiter, der einen zentralen Kern (1) und mindestens zwei über demselben
angeordnete Lagen (2,4) aus elektrisch leitenden Einzeldrähten aufweist, die in einer
ersten Lage (2) um den Kern (1) und in einer zweiten Lage (4) um die erste Lage (2)
herumverseilt sind, bei welchem die Einzeldrähte der ersten Lage (2) Stahldrähte (3)
mit einer über 800 N/mm
2 liegenden Bruchfestigkeit sind und bei welcher die Einzeldrähte der zweiten Lage
(4) Kupferdrähte (5) mit einer über 220 N/mm
2 liegenden Bruchfestigkeit sind,
dadurch gekennzeichnet,
- daß als Kern (1) ein aus einem weichgeglühten Kupfer bestehender Draht mit einer Bruchfestigkeit
von mindestens 210 N/mm2 eingesetzt ist,
- daß die Bruchfestigkeit der Stahldrähte (3) zwischen 800 N/mm2 und 2200 N/mm2 liegt,
- daß die Bruchfestigkeit der Kupferdrähte (5) zwischen 250 N/mm2 und 400 N/mm2 liegt und
- daß die Schlaglänge der Kupferdrähte (5) zwischen 8 x D und 18 x D liegt, wobei D der
Durchmesser des Leiters (L) über der zweiten Lage (2) ist.
2. Leiter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Kern (1) ein blanker Kupferdraht eingesetzt ist.
3. Leiter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Kern (1) verzinnt, versilbert oder vernickelt ist.
4. Leiter nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Stahldrähte (3) verzinnt sind oder aus Edelstahl bestehen.
5. Leiter nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die erste, aus Stahldrähten (3) bestehende Lage (4) durch mechanische Bearbeitung
frei von mechanischen Spannungen ist.
6. Leiter nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß Kupferdrähte (5) blanke Drähte sind.
7. Leiter nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Kupferdrähte (5) verzinnt, versilbert oder vernickelt sind.