[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung einer Gießform für den Leichtmetallguss erhalten
nach einem Verfahren und unter Verwendung einer Formstoffmischung nach Anspruch 1.
[0002] Gießformen für die Herstellung von Metallkörpern werden im Wesentlichen in zwei Ausführungen
hergestellt. Eine erste Gruppe bilden die so genannten Kerne oder Formen. Aus diesen
wird die Gießform zusammengesetzt, welche im Wesentlichen die Negativform des herzustellenden
Gussstücks darstellt. Eine zweite Gruppe bilden Hohlkörper, sog. Speiser, welche als
Ausgleichsreservoir wirken. Diese nehmen flüssiges Metall auf, wobei durch entsprechende
Maßnahmen dafür gesorgt wird, dass das Metall länger in der flüssigen Phase verbleibt,
als das Metall, das sich in der die Negativform bildenden Gießform befindet. Erstarrt
das Metall in der Negativform, kann flüssiges Metall aus dem Ausgleichsreservoir nachfließen,
um die beim Erstarren des Metalls auftretende Volumenkontraktion auszugleichen.
[0003] Gießformen bestehen aus einem feuerfesten Material, beispielsweise Quarzsand, dessen
Körner nach dem Ausformen der Gießform durch ein geeignetes Bindemittel verbunden
werden, um eine ausreichende mechanische Festigkeit der Gießform zu gewährleisten.
Für die Herstellung von Gießformen verwendet man also einen feuerfesten Formgrundstoff,
welcher mit einem geeigneten Bindemittel behandelt wurde. Der feuerfeste Formgrundstoff
liegt bevorzugt in einer rieselfähigen Form vor, so dass er in eine geeignete Hohlform
eingefüllt und dort verdichtet werden kann. Durch das Bindemittel wird ein fester
Zusammenhalt zwischen den Partikeln des Formgrundstoffs erzeugt, so dass die Gießform
die erforderliche mechanische Stabilität erhält.
[0004] Gießformen müssen verschiedene Anforderungen erfüllen. Beim Gießvorgang selbst müssen
sie zunächst eine ausreichende Stabilität und Temperaturbeständigkeit aufweisen, um
das flüssige Metall in die aus einem oder mehreren Gieß(teil)formen gebildete Hohlform
aufzunehmen. Nach Beginn des Erstarrungsvorgangs wird die mechanische Stabilität der
Gießform durch eine erstarrte Metallschicht gewährleistet, die sich entlang der Wände
der Hohlform ausbildet. Das Material der Gießform muss sich nun unter dem Einfluss
der vom Metall abgegebenen Hitze in der Weise zersetzen, dass es seine mechanische
Festigkeit verliert, also der Zusammenhalt zwischen einzelnen Partikeln des feuerfesten
Materials aufgehoben wird. Dies wird erreicht, indem sich beispielsweise das Bindemittel
unter Hitzeeinwirkung zersetzt. Nach dem Abkühlen wird das erstarrte Gussstück gerüttelt,
wobei im Idealfall das Material der Gießformen wieder zu einem feinen Sand zerfällt,
der sich aus den Hohlräumen der Metallform ausgießen lässt.
[0005] Zur Herstellung der Gießformen können sowohl organische als auch anorganische Bindemittel
eingesetzt werden, deren Aushärtung jeweils durch kalte oder heiße Verfahren erfolgen
kann. Als kalte Verfahren bezeichnet man dabei Verfahren, welche im Wesentlichen bei
Raumtemperatur ohne Erhitzen der Gießform durchgeführt werden. Die Aushärtung erfolgt
dabei meist durch eine chemische Reaktion, die beispielsweise dadurch ausgelöst wird,
dass ein Gas als Katalysator durch die zu härtende Form geleitet wird. Bei heißen
Verfahren wird die Formstoffmischung nach der Formgebung auf eine ausreichend hohe
Temperatur erhitzt, um beispielsweise das im Bindemittel enthaltene Lösungsmittel
auszutreiben oder um eine chemische Reaktion zu initiieren, durch welche das Bindemittel
beispielsweise durch Vernetzen ausgehärtet wird.
[0006] Gegenwärtig werden für die Herstellung von Gießformen vielfach solche organischen
Bindemittel eingesetzt, bei denen die Härtungsreaktion durch einen gasförmigen Katalysator
beschleunigt wird oder die durch Reaktion mit einem gasförmigen Härter ausgehärtet
werden. Diese Verfahren werden als "Cold-Box"-Verfahren bezeichnet.
[0007] Ein Beispiel für die Herstellung von Gießformen unter Verwendung organischer Bindemittel
ist das so genannte Ashland-Cold-Box-Verfahren. Es handelt sich dabei um ein Zweikomponenten-System.
Die erste Komponente besteht aus der Lösung eines Polyols, meistens eines Phenolharzes.
Die zweite Komponente ist die Lösung eines Polyisocyanates. So werden gemäß der
US 3,409,579 A die beiden Komponenten des Polyurethanbinders zur Reaktion gebracht, indem nach der
Formgebung ein gasförmiges tertiäres Amin durch das Gemisch aus Formgrundstoff und
Bindemittel geleitet wird. Bei der Aushärtereaktion von Polyurethanbindern handelt
es sich um eine Polyaddition, d.h. eine Reaktion ohne Abspaltung von Nebenprodukten,
wie z.B. Wasser. Zu den weiteren Vorteilen dieses Cold-Box-Verfahrens gehören gute
Produktivität, Maßgenauigkeit der Gießformen sowie gute technische Eigenschaften,
wie die Festigkeit der Gießformen, die Verarbeitungszeit des Gemisches aus Formgrundstoff
und Bindemittel, usw.
[0008] Zu den heißhärtenden organischen Verfahren gehört das Hot-Box-Verfahren auf Basis
von Phenol- oder Furanharzen, das Warm-Box-Verfahren auf Basis von Furanharzen und
das Croning-Verfahren auf Basis von Phenol-Novolak-Harzen. Beim Hot-Box- sowie beim
Warm-Box-Verfahren werden flüssige Harze mit einem latenten, erst bei erhöhter Temperatur
wirksamen Härter zu einer Formstoffmischung verarbeitet. Beim Croning-Verfahren werden
Formgrundstoffe, wie Quarz, Chromerz-, Zirkonsande, etc. bei einer Temperatur von
ca. 100 bis 160°C mit einem bei dieser Temperatur flüssigen Phenol-Novolak-Harz umhüllt.
Als Reaktionspartner für die spätere Aushärtung wird Hexamethylentetramin zugegeben.
Bei den oben genannten heißhärtenden Technologien findet die Formgebung und Aushärtung
in beheizbaren Werkzeugen statt, die auf eine Temperatur von bis zu 300°C aufgeheizt
werden.
[0009] Unabhängig vom Aushärtemechanismus ist allen organischen Systemen gemeinsam, dass
sie sich beim Einfüllen des flüssigen Metalls in die Gießform thermisch zersetzen
und dabei Schadstoffe, wie z.B. Benzol, Toluol, Xylole, Phenol, Formaldehyd und höhere,
teilweise nicht identifizierte Crackprodukte freisetzen können. Es ist zwar durch
verschiedene Maßnahmen gelungen, diese Emissionen zu minimieren, völlig vermeiden
lassen sie sich bei organischen Bindemitteln jedoch nicht. Auch bei anorganischorganischen
Hybridsystemen, die, wie die z.B. beim Resol-CO
2-Verfahren eingesetzten Bindemittel, einen Anteil an organischen Verbindungen enthalten,
treten solche unerwünschten Emissionen beim Gießen der Metalle auf.
[0010] Um die Emission von Zersetzungsprodukten während des Gießvorgangs zu vermeiden, müssen
Bindemittel verwendet werden, die auf anorganischen Materialien beruhen bzw. die höchstens
einen sehr geringen Anteil an organischen Verbindungen enthalten. Solche Bindemittelsysteme
sind bereits seit längerem bekannt. Es sind Bindemittelsysteme entwickelt worden,
welche sich durch Einleitung von Gasen aushärten lassen. Ein derartiges System ist
beispielsweise in der
GB 782 205 beschrieben, in welchem ein Alkaliwasserglas als Bindemittel verwendet wird, das
durch Einleitung von CO
2 ausgehärtet werden kann. In der
DE 199 25 167 wird eine exotherme Speisermasse beschreiben, die ein Alkalisilikat als Bindemittel
enthält. Ferner sind Bindemittelsysteme entwickelt worden, welche bei Raumtemperatur
selbsthärtend sind. Ein solches, auf Phosphorsäure und Metalloxiden beruhendes System
ist z.B. in der
US 5,582,232 beschrieben. Schließlich sind noch anorganische Bindemittelsysteme bekannt, die bei
höheren Temperaturen ausgehärtet werden, beispielsweise in einem heißen Werkzeug.
Solche heißhärtenden Bindemittelsysteme sind beispielsweise aus der
US 5,474,606 bekannt, in welcher ein aus Alkaliwasserglas und Aluminiumsilikat bestehendes Bindemittelsystem
beschrieben wird.
[0011] Anorganische Bindemittel weisen im Vergleich zu organischen Bindemitteln jedoch auch
Nachteile auf. Beispielsweise besitzen die mit Wasserglas als Bindemittel hergestellten
Gießformen eine relativ geringe Festigkeit. Dies führt insbesondere bei der Entnahme
der Gießform aus dem Werkzeug zu Problemen, da die Gießform zerbrechen kann. Gute
Festigkeiten zu diesem Zeitpunkt sind besonders wichtig für die Produktion komplizierter,
dünnwandiger Formteile und deren sichere Handhabung. Der Grund für die niedrigen Festigkeiten
besteht in erster Linie darin, dass die Gießformen noch Restwasser aus dem Bindemittel
enthalten. Längere Verweilzeiten im heißen geschlossenen Werkzeug helfen nur bedingt,
da der Wasserdampf nicht in ausreichendem Maß entweichen kann. Um eine möglichst vollständige
Trocknung der Gießformen zu erreichen, wird in der
WO 98/06522 vorgeschlagen, die Formstoffmischung nach dem Ausformen nur solange in einem temperierten
Kernkasten zu belassen, dass sich eine formstabile und tragfähige Randschale ausbildet.
Nach dem Öffnen des Kernkastens wird die Form entnommen und anschließend unter Einwirkung
von Mikrowellen vollständig getrocknet. Die zusätzliche Trocknung ist jedoch aufwändig,
verlängert die Produktionszeit der Gießformen und trägt, nicht zuletzt auch durch
die Energiekosten, erheblich zur Verteuerung des Herstellungsprozesses bei.
[0012] Eine weitere Schwachstelle der bisher bekannten anorganischen Bindemittel ist die
geringe Stabilität der damit hergestellten Gießformen gegen hohe Luftfeuchtigkeit.
Damit ist eine Lagerung der Formkörper über einen längeren Zeitraum, wie bei organischen
Bindemitteln üblich, nicht gesichert möglich.
[0013] In der
EP 1 122 002 wird ein Verfahren beschrieben, das sich zur Herstellung von Gießformen für den Metallguss
eignet. Zur Herstellung des Bindemittels wird ein Alkalihydroxid, insbesondere Natronlauge,
mit einem teilchenförmigen Metalloxid vermischt, welches in Gegenwart der Alkalilauge
ein Metallat ausbilden kann. Die Teilchen werden getrocknet, nachdem sich am Rand
der Teilchen eine Schicht aus dem Metallat ausgebildet hat. Im Kern der Teilchen verbleibt
ein Abschnitt, in welchem das Metalloxid nicht umgesetzt wurde. Als Metalloxid wird
vorzugsweise ein disperses Siliciumdioxid oder auch feinteiliges Titanoxid oder Zinkoxid
verwendet.
[0014] In der
WO 94/14555 wird eine Formstoffmischung beschrieben, welche auch zur Herstellung von Gießformen
geeignet ist und die neben einem feuerfesten Formgrundstoff ein Bindemittel enthält,
welches aus einem Phosphat- oder Boratglas besteht, wobei die Mischung weiter ein
feinteiliges feuerfestes Material enthält. Als feuerfestes Material kann beispielsweise
auch Siliciumdioxid verwendet werden.
[0015] In der
EP 1 095 719 A2 wird ein Bindemittelsystem für Formsande zur Herstellung von Kernen beschrieben.
Das Bindemittelsystem auf Wasserglasbasis besteht aus einer wässrigen Alkalisilikatlösung
und einer hygroskopischen Base, wie beispielsweise Natriumhydroxid, die im Verhältnis
1:4 bis 1:6 zugesetzt wird. Das Wasserglas weist ein Modul SiO
2/M
2O von 2,5 bis 3,5 und einen Feststoffanteil von 20 bis 40 % auf. Um eine rieselfähige
Formstoffmischung zu erhalten, welche auch in komplizierte Kernformen eingefüllt werden
kann, sowie zur Steuerung der hygroskopischen Eigenschaften, enthält das Bindemittelsystem
noch einen oberflächenaktiven Stoff, wie Silikonöl, das einen Siedepunkt ≥ 250°C aufweist.
Das Bindemittelsystem wird mit einem geeigneten Feuerfeststoff, wie Quarzsand, vermischt
und kann dann mit einer Kernschießmaschine in einen Kernkasten eingeschossen werden.
Die Aushärtung der Formstoffmischung erfolgt durch Entzug des noch enthaltenen Wassers.
Die Trocknung bzw. Aushärtung der Gießform kann auch unter Einwirkung von Mikrowellen
erfolgen.
[0016] Um höhere Anfangsfestigkeiten, eine bessere Beständigkeit der Gießform gegen Luftfeuchtigkeit
und beim Guss ein besseres Ergebnis bei der Oberfläche des Gusstücks zu erhalten,
wird in der
WO 2006/024540 A2 eine Formstoffmischung vorgeschlagen, welche neben einem feuerfesten Formgrundstoff
ein auf Wasserglas basierendes Bindemittel enthält. Der Formstoffmischung ist ein
Anteil eines teilchenförmigen Metalloxids zugesetzt. Bevorzugt wird als teilchenförmiges
Metalloxid Fällungskieselsäure oder pyrogene Kieselsäure verwendet.
[0017] In der
EP 0 796 681 A2 wird ein anorganisches Bindemittel für die Herstellung von Gießformen beschrieben,
welches in gelöster Form ein Silikat sowie ein Phosphat enthält. Als Phosphate werden
bevorzugt Polyphosphate der Formel ((PO
3)
n) verwendet, wobei n der mittleren Kettenlänge entspricht und Werte von 3 bis 32 annehmen
kann. Das Bindemittel wird mit einem feuerfesten Formgrundstoff vermischt und dann
zu einer Gießform geformt. Das Aushärten der Gießform erfolgt durch Erhitzen der Form
auf Temperaturen von etwa 120 °C unter Durchblasen von Luft. Die auf diese Weise hergestellten
Testformen zeigen eine hohe Heißfestigkeit nach der Entnahme aus der Form wie auch
eine hohe Kaltfestigkeit. Ein Nachteil sind hierbei jedoch die Anfangsfestigkeiten,
mit denen eine prozesssichere Serienkernfertigung nicht gewährleistet werden kann.
Auch die thermische Stabilität ist für die Anwendung bei Temperaturen oberhalb 500°C,
insbesondere bei thermisch stark beanspruchten Formen, unzureichend.
[0018] Wegen des oben diskutierten Problems der beim Gießen auftretenden gesundheitsschädlichen
Emissionen ist man bemüht, bei der Herstellung von Gießformen auch bei komplizierten
Geometrien die organischen Bindemittel durch anorganische Bindemittel zu ersetzen.
Werden jedoch Gießformen hergestellt, die sehr dünnwandige Segmente umfassen, wird
beim Gießvorgang oft eine Deformation dieser dünnwandigen Abschnitte beobachtet. Dies
kann zu Abweichungen in den Abmessungen des Gusstücks führen, die durch nachträgliche
Bearbeitung nicht mehr ausgeglichen werden können. Das Gusstück wird damit unbrauchbar.
Dünnwandige Abschnitte der Gießform werden beim Guss thermisch stärker belastet als
dickwandige Abschnitte und neigen daher eher zur Deformation. Dieses Problem tritt
bereits beim Aluminiumguss auf, wobei hier im Vergleich zum Eisen- oder Stahlguss
mit etwa 650 - 750 °C relativ niedrige Temperaturen herrschen. Besonders problematisch
wird dies, wenn das flüssige Metall beim Einfüllen in die Gießform unter einem Neigungswinkel
auf die thermisch hoch belasteten dünnwandigen Abschnitte trifft und durch den metallostatischen
Druck hohe mechanische Kräfte auf die dünnwandigen Abschnitte einwirken.
[0019] Der Erfindung lag daher die Aufgabe zugrunde, eine Formstoffmischung zur Herstellung
von Gießformen für den Leichtmetallguss zur Verfügung zu stellen, welche mindestens
einen feuerfesten Formgrundstoff sowie ein auf Wasserglas basierendes Bindemittelsystem
umfasst, wobei die Formstoffmischung einen Anteil eines teilchenförmigen Metalloxids
enthält, welches ausgewählt ist aus der Gruppe von Siliciumdioxid, Aluminiumoxid,
Titanoxid und Zinkoxid, welche die Herstellung von Gießformen ermöglicht, die dünnwandige
Abschnitte umfassen, wobei beim Metallguss die dünnwandigen Abschnitte keine Deformation
zeigen.
[0020] Diese Aufgabe wird durch die Verwendung mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst.
Vorteilhafte Weiterbildungen der erfindungsgemäßen Verwendung sind Gegenstand der
abhängigen Patentansprüche.
[0021] Überraschend wurde gefunden, dass durch den Zusatz einer phosphorhaltigen Verbindung
nach Anspruch 1 die Festigkeit der Gießform soweit erhöht werden kann, dass auch dünnwandige
Abschnitte verwirklicht werden können, die beim Metallguss keine Deformation erfahren.
Dies gilt auch dann, wenn das flüssige Metall beim Guss unter einem Winkel auf die
Oberfläche der dünnwandigen Abschnitte der Gießform trifft und daher starke mechanische
Kräfte auf den dünnwandigen Abschnitt der Gießform einwirken. Dadurch können auch
Gießformen mit sehr komplexer Geometrie unter Verwendung anorganischer Bindemittel
hergestellt werden, sodass auch für diese Anwendungen auf die Verwendung organischer
Bindemittel verzichtet werden kann.
[0022] Die erfindungsgemäße Verwendung ist durch Anspruch 1 gekennzeichnet.
[0023] Die Formstoffmischung enthält als weiteren Bestandteil eine phosphorhaltige Verbindung,
wobei der Anteil der phosphorhaltigen Verbindung, bezogen auf den feuerfesten Formgrundstoff,
zwischen 0,05 und 0,5 Gew.-% gewählt ist, und die phosphorhaltige Verbindung ein Natrium-Metaphosphat
oder ein Natrium-Polyphosphat ist.
[0024] Als feuerfester Formgrundstoff können für die Herstellung von Gießformen übliche
Materialien verwendet werden. Der feuerfeste Formgrundstoff muss bei den beim Metallguss
herrschenden Temperaturen eine ausreichende Formbeständigkeit aufweisen. Ein geeigneter
feuerfester Formgrundstoff zeichnet sich daher durch einen hohen Schmelzpunkt aus.
Der Schmelzpunkt des feuerfesten Formgrundstoffs liegt vorzugsweise höher als 700°C,
bevorzugt höher als 800 °C, besonders bevorzugt höher als 900 °C und insbesondere
bevorzugt höher als 1000 °C. Als feuerfester Formgrundstoffe sind beispielsweise Quarz-
oder Zirkonsand geeignet. Weiter sind auch faserförmige feuerfeste Formgrundstoffe
geeignet, wie beispielsweise Schamottefasern. Weitere geeignete feuerfeste Formgrundstoffe
sind beispielsweise Olivin, Chromerzsand, Vermiculit.
[0025] Weiter können als feuerfeste Formgrundstoffe auch künstliche feuerfeste Formgrundstoffe
verwendet werden, wie z.B. Aluminiumsilikathohlkugeln (sog. Microspheres), Glasperlen,
Glasgranulat oder unter der Bezeichnung "Cerabeads
®" bzw. "Carboaccucast
®" bekannte kugelförmige keramische Formgrundstoffe. Diese künstlichen feuerfesten
Formgrundstoffe werden synthetisch hergestellt oder fallen beispielsweise als Abfall
in industriellen Prozessen an. Diese kugelförmigen keramischen Formgrundstoffe enthalten
als Mineralien beispielsweise Mullit, Korund, β-Cristobalit in unterschiedlichen Anteilen.
Sie enthalten als wesentliche Anteile Aluminiumoxid und Siliciumdioxid. Typische Zusammensetzungen
enthalten beispielsweise Al
2O
3 und SiO
2 in etwa gleichen Anteilen. Daneben können noch weitere Bestandteile in Anteilen von
< 10 % enthalten sein, wie TiO
2, Fe
2O
3. Der Durchmesser der kugelförmigen feuerfesten Formgrundstoffe beträgt vorzugsweise
weniger als 1000 µm, insbesondere weniger als 600 µm. Geeignet sind auch synthetisch
hergestellte feuerfeste Formgrundstoffe, wie beispielsweise Mullit (x Al
2O
3 · y SiO
2, mit x = 2 bis 3, y = 1 bis 2; ideale Formel: Al
2SiO
5). Diese künstlichen Formgrundstoffe gehen nicht auf einen natürlichen Ursprung zurück
und können auch einem besonderen Formgebungsverfahren unterworfen worden sein, wie
beispielsweise bei der Herstellung von Aluminiumsilikatmikrohohlkugeln, Glasperlen
oder kugelförmigen keramischen Formgrundstoffen. Aluminiumsilikatmikrohohlkugeln entstehen
beispielsweise bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe oder anderer brennbarer Materialien
und werden aus der bei der Verbrennung entstehenden Asche abgetrennt. Mikrohohlkugeln
als künstlicher feuerfester Formgrundstoff zeichnen sich durch ein niedriges spezifisches
Gewicht aus. Dies geht zurück auf die Struktur dieser künstlichen feuerfesten Formgrundstoffe,
welche gasgefüllte Poren umfassen. Diese Poren können offen oder geschlossen sein.
Bevorzugt werden geschlossenporige künstliche feuerfeste Formgrundstoffe verwendet.
Bei Verwendung offenporiger künstlicher feuerfester Formgrundstoffe wird ein Teil
des auf Wasserglas basierenden Bindemittels in den Poren aufgenommen und kann dann
keine Bindewirkung mehr entfalten.
[0026] Gemäß einer Ausführungsform werden als künstliche Formgrundstoffe Glasmaterialien
verwendet. Diese werden insbesondere entweder als Glaskugeln oder als Glasgranulat
eingesetzt. Als Glas können übliche Gläser verwendet werden, wobei Gläser, die einen
hohen Schmelzpunkt zeigen, bevorzugt sind. Geeignet sind beispielsweise Glasperlen
und/oder Glasgranulat, das aus Glasbruch hergestellt wird. Ebenfalls geeignet sind
Boratgläser. Die Zusammensetzung derartiger Gläser ist beispielhaft in der nachfolgenden
Tabelle angegeben.
Tabelle: Zusammensetzung von Gläsern
| Bestandteil |
Glasbruch |
Boratglas |
| SiO2 |
50 - 80 % |
50 - 80 % |
| Al2O3 |
0 -15 % |
0 - 15 % |
| Fe2O3 |
< 2 % |
< 2 % |
| MIIO |
0 - 25 % |
0 - 25 % |
| MI2O |
5 - 25 % |
1 - 10 % |
| B2O3 |
|
< 15 % |
| Sonst. |
< 10 % |
< 10 % |
| MII : Erdalkalimetall, z.B. Mg, Ca, Ba |
| MI : Alkalimetall, z.B. Na, K |
[0027] Neben den in der Tabelle aufgeführten Gläsern können jedoch auch andere Gläser verwendet
werden, deren Gehalt an den oben genannten Verbindungen außerhalb der genannten Bereiche
liegt. Ebenso können auch Spezialgläser verwendet werden, die neben den genannten
Oxiden auch andere Elemente bzw. deren Oxide enthalten.
[0028] Der Durchmesser der Glaskugeln beträgt vorzugsweise 1 bis 1000 µm, bevorzugt 5 bis
500 µm und besonders bevorzugt 10 bis 400 µm.
[0029] Bevorzugt wird lediglich ein Teil des feuerfesten Formgrundstoffs durch Glasmaterialien
gebildet. Der Anteil des Glasmaterials am feuerfesten Formgrundstoff wird bevorzugt
geringer als 35 Gew.-%, besonders bevorzugt geringer als 25 Gew.-%, insbesondere bevorzugt
geringer als 15 Gew.-% gewählt.
[0030] In Gießversuchen mit Aluminium wurde gefunden, dass bei Verwendung künstlicher Formgrundstoffe,
vor allem bei Glasperlen, Glasgranulat bzw. Microspheres aus Glas, nach dem Gießen
weniger Formsand an der Metalloberfläche haften bleibt als bei Verwendung von reinem
Quarzsand. Der Einsatz derartiger künstlicher Formgrundstoffe auf Basis von Glasmaterialien
ermöglicht daher die Erzeugung glatter Gussoberflächen, wobei eine aufwändige Nachbehandlung
durch Strahlen nicht oder zumindest in erheblich geringerem Ausmaß erforderlich ist.
[0031] Um den beschriebenen Effekt der Erzeugung glatter Gussoberflächen zu erhalten, wird
der Anteil des Glasmaterials am feuerfesten Formgrundstoff vorzugsweise größer als
0,5 Gew.-%, bevorzugt größer als 1 Gew.-%, besonders bevorzugt größer als 1,5 Gew.-%,
insbesondere bevorzugt größer als 2 Gew.-% gewählt.
[0032] Es ist nicht notwendig, den gesamten feuerfesten Formgrundstoff aus den künstlichen
feuerfesten Formgrundstoffen zu bilden. Der bevorzugte Anteil der künstlichen Formgrundstoffe
liegt bei mindestens etwa 3 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 5 Gew.-%, insbesondere
bevorzugt mindestens 10 Gew.-%, vorzugsweise bei mindestens etwa 15 Gew.-%, besonders
bevorzugt bei mindestens etwa 20 Gew.-%, bezogen auf die gesamte Menge des feuerfesten
Formgrundstoffs. Der feuerfeste Formgrundstoff weist vorzugsweise einen rieselfähigen
Zustand auf, so dass die Formstoffmischung in üblichen Kernschießmaschinen verarbeitet
werden kann.
[0033] Aus Kostengründen wird der Anteil der künstlichen feuerfesten Formgrundstoffe gering
gehalten. Bevorzugt beträgt der Anteil der künstlichen feuerfesten Formgrundstoffe
am feuerfesten Formgrundstoff weniger als 80 Gew.-%, vorzugsweise weniger als 75 Gew.-%,
besonders bevorzugt weniger als 65 Gew.-%.
[0034] Als weitere Komponente umfasst die Formstoffmischung ein auf Wasserglas basierendes
Bindemittel. Als Wasserglas können dabei übliche Wassergläser verwendet werden, wie
sie bereits bisher als Bindemittel in Formstoffmischungen verwendet werden. Diese
Wassergläser enthalten gelöste Natrium- oder Kaliumsilikate und können durch Lösen
von glasartigen Kalium- und Natriumsilikaten in Wasser hergestellt werden. Das Wasserglas
weist vorzugsweise ein Modul SiO
2/M
2O im Bereich von 1,6 bis 4,0, insbesondere 2,0 bis 3,5, auf, wobei M für Natrium und/oder
Kalium steht. Die Wassergläser weisen vorzugsweise einen Feststoffanteil im Bereich
von 30 bis 60 Gew.-% auf. Der Feststoffanteil bezieht sich auf die im Wasserglas enthaltene
Menge an SiO
2 und M
2O.
[0035] Weiter enthält die Formstoffmischung einen Anteil eines teilchenförmigen Metalloxids,
welches synthetisch hergestelltes amorphes Siliciumdioxid ist. Die durchschnittliche
Primärpartikelgröße des teilchenförmigen Metalloxids kann zwischen 0,10 µm und 1 µm
betragen. Wegen der Agglomeration der Primärpartikel beträgt jedoch die Teilchengröße
der Metalloxide vorzugsweise weniger als 300 µm, bevorzugt weniger als 200 µm, insbesondere
bevorzugt weniger als 100 µm. Sie liegt bevorzugt im Bereich von 5 bis 90 µm, insbesondere
bevorzugt 10 bis 80 µm und ganz besonders bevorzugt im Bereich von 15 bis 50 µm. Die
Teilchengröße lässt sich beispielsweise durch Siebanalyse bestimmen. Besonders bevorzugt
beträgt der Siebrückstand auf einem Sieb mit einer Maschenweite von 63 µm weniger
als 10 Gew.-%, vorzugsweise weniger als 8 Gew.-%.
[0036] Als teilchenförmiges Siliciumdioxid wird vorzugsweise Fällungskieselsäure und/oder
pyrogene Kieselsäure verwendet. Fällungskieselsäure wird durch Reaktion einer wässrigen
Alkalisilikatlösung mit Mineralsäuren erhalten. Der dabei anfallende Niederschlag
wird anschließend abgetrennt, getrocknet und vermahlen. Unter pyrogenen Kieselsäuren
werden Kieselsäuren verstanden, die bei hohen Temperaturen durch Koagulation aus der
Gasphase gewonnen werden. Die Herstellung pyrogener Kieselsäure kann beispielsweise
durch Flammhydrolyse von Siliciumtetrachlorid oder im Lichtbogenofen durch Reduktion
von Quarzsand mit Koks oder Anthrazit zu Siliciummonoxidgas mit anschließender Oxidation
zu Siliciumdioxid erfolgen. Die nach dem Lichtbogenofen-Verfahren hergestellten pyrogenen
Kieselsäuren können noch Kohlenstoff enthalten. Fällungskieselsäure und pyrogene Kieselsäure
sind für die Formstoffmischung gleich gut geeignet. Diese Kieselsäuren werden im Weiteren
als "synthetisches amorphes Siliciumdioxid" bezeichnet.
[0037] Die Erfinder nehmen an, dass das stark alkalische Wasserglas mit den an der Oberfläche
des synthetisch hergestellten amorphen Siliciumdioxids angeordneten Silanolgruppen
reagieren kann und dass beim Verdampfen des Wassers eine intensive Verbindung zwischen
dem Siliciumdioxid und dem dann festen Wasserglas hergestellt wird.
[0038] Als wesentliche weitere Komponente enthält die Formstoffmischung eine phosphorhaltige
Verbindung und der Anteil der phosphorhaltigen Verbindung, bezogen auf den feuerfesten
Formgrundstoff, zwischen 0,05 und 0,5 Gew.-% gewählt ist, und die phosphorhaltige
Verbindung ein Natrium-Metaphosphat oder ein Natrium-Polyphosphat ist, nachfolgend
auch nur kurz das Phosphat.
[0039] Unter Polyphosphaten werden insbesondere lineare Phosphate verstanden, die mehr als
ein Phosphoratom umfassen, wobei die Phosphoratome jeweils über Sauerstoffbrücken
verbunden sind. Polyphosphate werden durch Kondensation von Orthophosphationen unter
Wasserabspaltung erhalten, sodass eine lineare Kette von PO
4-Tetraedern erhalten wird, die jeweils über Ecken verbunden sind. Polyphosphate weisen
die allgemeine Formel (O(PO
3)
n)
(n+2)- auf, wobei n der Kettenlänge entspricht. Ein Polyphosphat kann bis zu mehreren hundert
PO
4-Tetraeder umfassen. Bevorzugt werden jedoch Polyphosphate mit kürzeren Kettenlängen
eingesetzt. Bevorzugt weist n Werte von 2 bis 100, insbesondere bevorzugt 5 bis 50
auf. Es können auch höher kondensierte Polyphosphate verwendet werden, d.h. Polyphosphate,
in welchen die PO
4-Tetraeder über mehr als zwei Ecken miteinander verbunden sind und daher eine Polymerisation
in zwei bzw. drei Dimensionen zeigen.
[0040] Unter Metaphosphaten werden zyklische Strukturen verstanden, die aus PO
4-Tetraedern aufgebaut sind, die jeweils über Ecken verbunden sind. Metaphosphate weisen
die allgemeine Formel ((PO
3)
n)
n- auf, wobei n mindestens 3 beträgt. Bevorzugt weist n Werte von 3 bis 10 auf.
[0041] Es können sowohl einzelne Phosphate verwendet werden als auch Gemische aus verschiedenen
Phosphaten.
[0042] Der Anteil der phosphorhaltigen Verbindung, bezogen auf den feuerfesten Formgrundstoff,
beträgt zwischen 0,05 und 0,5 Gew.-%. Bei einem Anteil von weniger als 0,05 Gew.-%
ist kein deutlicher Einfluss auf die Formbeständigkeit der Gießform festzustellen.
Übersteigt der Anteil des Phosphats 1,0 Gew.-%, nimmt die Heißfestigkeit der Gießform
stark ab.
[0043] Die phosphorhaltige Verbindung kann an sich in fester oder gelöster Form der Formstoffmischung
zugesetzt sein. Bevorzugt ist die phosphorhaltige Verbindung der Formstoffmischung
als Feststoff zugesetzt. Wird die phosphorhaltige Verbindung in gelöster Form zugegeben,
ist Wasser als Lösungsmittel bevorzugt.
[0044] Als weiterer Vorteil eines Zusatzes phosphorhaltiger Verbindungen zu Formstoffmischungen
zur Herstellung von Gießformen wurde gefunden, dass die Formen nach dem Metallguss
einen sehr guten Zerfall zeigen. Dies trifft für Metalle zu, die niedrigere Gießtemperaturen
benötigen, wie Leichtmetalle, insbesondere Aluminium. Beim Eisenguss wirken höhere
Temperaturen von mehr als 1200°C auf die Gießform ein, sodass eine erhöhte Gefahr
eines Verglasens der Gießform und damit einer Verschlechterung der Zerfallseigenschaften
besteht.
[0045] Im Rahmen der von den Erfindern durchgeführten Untersuchungen zur Stabilität und
zum Zerfall von Gießformen wurde auch Eisenoxid als mögliches Additiv in Betracht
gezogen. Bei Zusatz von Eisenoxid zur Formstoffmischung wird ebenfalls eine Steigerung
der Stabilität der Gießform beim Metallguss beobachtet. Durch den Zusatz von Eisenoxid
lässt sich also potentiell ebenfalls die Stabilität dünnwandiger Abschnitte der Gießform
verbessern. Der Zusatz von Eisenoxid bewirkt jedoch nicht die beim Zusatz phosphorhaltiger
Verbindungen beobachtete Verbesserung der Zerfallseigenschaften der Gießform nach
dem Metallguss.
[0046] Die Formstoffmischung stellt eine intensive Mischung aus zumindest den genannten
Bestandteilen dar. Dabei sind die Teilchen des feuerfesten Formgrundstoffs vorzugsweise
mit einer Schicht des Bindemittels überzogen. Durch Verdampfen des im Bindemittel
vorhandenen Wassers (ca. 40 - 70 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht des Bindemittels)
kann dann ein fester Zusammenhalt zwischen den Teilchen des feuerfesten Formgrundstoffs
erreicht werden.
[0047] Das Bindemittel, d.h. das Wasserglas sowie das teilchenförmige Metalloxid, nämlich
synthetisches amorphes Siliciumdioxid, und das Phosphat ist in der Formstoffmischung
bevorzugt in einem Anteil von weniger als 20 Gew.-% enthalten. Der Anteil des Bindemittels
bezieht sich dabei auf den Feststoffanteil des Bindemittels. Werden massive feuerfeste
Formgrundstoffe verwendet, wie beispielsweise Quarzsand, ist das Bindemittel vorzugsweise
in einem Anteil von weniger als 10 Gew.-%, bevorzugt weniger als 8 Gew.-%, insbesondere
bevorzugt weniger als 5 Gew.-% enthalten. Werden feuerfeste Formgrundstoffe verwendet,
welche eine geringe Dichte aufweisen, wie beispielsweise die oben beschriebenen Mikrohohlkugeln,
erhöht sich der Anteil des Bindemittels entsprechend.
[0048] Das teilchenförmige Metalloxid, nämlich das synthetische amorphe Siliciumdioxid,
ist, bezogen auf das Gesamtgewicht des Bindemittels, vorzugsweise in einem Anteil
von 2 bis 80 Gew.-% enthalten, vorzugsweise zwischen 3 und 60 Gew.-%, insbesondere
bevorzugt zwischen 4 und 50 Gew.-%.
[0049] Das Verhältnis von Wasserglas zu teilchenförmigem Metalloxid, nämlich synthetischem
amorphem Siliciumdioxid, kann innerhalb weiter Bereiche variiert werden. Dies bietet
den Vorteil, die Anfangsfestigkeit der Gießform, d.h. die Festigkeit unmittelbar nach
Entnahme aus dem heißen Werkzeug, und die Feuchtigkeitsbeständigkeit zu verbessern,
ohne die Endfestigkeiten, d.h. die Festigkeiten nach dem Erkalten der Gießform, gegenüber
einem Wasserglasbindemittel ohne amorphes Siliciumdioxid wesentlich zu beeinflussen.
Dies ist vor allem im Leichtmetallguss von großem Interesse. Auf der einen Seite sind
hohe Anfangsfestigkeiten erwünscht, um nach der Herstellung der Gießform diese problemlos
transportieren oder mit anderen Gießformen zusammensetzen zu können. Auf der anderen
Seite sollte die Endfestigkeit nach dem Aushärten nicht zu hoch sein, um Schwierigkeiten
beim Binderzerfall nach dem Abguss zu vermeiden, d.h. der Formgrundstoff sollte nach
dem Gießen problemlos aus Hohlräumen der Gussform entfernt werden können.
[0050] Der in der Formstoffmischung enthaltene Formgrundstoff kann in einer Ausführungsform
der Erfindung zumindest einen Anteil von Mikrohohlkugeln enthalten. Der Durchmesser
der Mikrohohlkugeln liegt normalerweise im Bereich von 5 bis 500 µm, vorzugsweise
im Bereich von 10 bis 350 µm und die Dicke der Schale liegt gewöhnlich im Bereich
von 5 bis 15 % des Durchmessers der Mikrokugeln. Diese Mikrokugeln weisen ein sehr
geringes spezifisches Gewicht auf, so dass die unter Verwendung von Mikrohohlkugeln
hergestellten Gießformen ein niedriges Gewicht aufweisen. Besonders vorteilhaft ist
die Isolierwirkung der Mikrohohlkugeln. Die Mikrohohlkugeln werden daher insbesondere
dann für die Herstellung von Gießformen verwendet, wenn diese eine erhöhte Isolierwirkung
aufweisen sollen. Solche Gießformen sind beispielsweise die bereits in der Einleitung
beschriebenen Speiser, welche als Ausgleichsreservoir wirken und flüssiges Metall
enthalten, wobei das Metall solange in einem flüssigen Zustand gehalten werden soll,
bis das in die Hohlform eingefüllte Metall erstarrt ist. Ein anderes Anwendungsgebiet
von Gießformen, welche Mikrohohlkugeln enthalten, sind beispielsweise Abschnitte einer
Gießform, welche besonders dünnwandigen Abschnitten der fertigen Gussform entsprechen.
Durch die isolierende Wirkung der Mikrohohlkugeln wird sichergestellt, dass das Metall
in den dünnwandigen Abschnitten nicht vorzeitig erstarrt und damit die Wege innerhalb
der Gießform verstopft.
[0051] Werden Mikrohohlkugeln verwendet, wird das Bindemittel, bedingt durch die geringe
Dichte dieser Mikrohohlkugeln, vorzugsweise in einem Anteil im Bereich von vorzugsweise
weniger als 20 Gew.-%, insbesondere bevorzugt im Bereich von 10 bis 18 Gew.-% verwendet.
Die Werte beziehen sich auf den Feststoffanteil des Bindemittels.
[0052] Die Mikrohohlkugeln weisen bevorzugt eine ausreichende Temperaturstabilität auf,
sodass sie beim Metallguss nicht vorzeitig erweichen und ihre Form verlieren. Die
Mikrohohlkugeln bestehen vorzugsweise aus einem Aluminiumsilikat. Diese Aluminiumsilikatmikrohohlkugeln
weisen vorzugsweise einen Gehalt an Aluminiumoxid von mehr als 20 Gew.-% auf, können
jedoch auch einen Gehalt von mehr als 40 Gew.-% aufweisen. Solche Mikrohohlkugeln
werden beispielsweise von der Omega Minerals Germany GmbH, Norderstedt, unter den
Bezeichnungen Omega-Spheres
® SG mit einem Aluminiumoxidgehalt von ca. 28 - 33 %, Omega-Spheres
® WSG mit einem Aluminiumoxidgehalt von ca. 35 - 39 % und E-Spheres
® mit einem Aluminiumoxidgehalt von ca. 43 % in den Handel gebracht. Entsprechende
Produkte sind bei der PQ Corporation (USA) unter der Bezeichnung "Extendospheres
®" erhältlich.
[0053] Gemäß einer weiteren Ausführungsform werden Mikrohohlkugeln als feuerfester Formgrundstoff
verwendet, welche aus Glas aufgebaut sind.
[0054] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform bestehen die Mikrohohlkugeln aus einem Borsilikatglas.
Das Borsilikatglas weist dabei einen Anteil an Bor, berechnet als B
2O
3, von mehr als 3 Gew.-% auf. Der Anteil der Mikrohohlkugeln wird vorzugsweise kleiner
als 20 Gew.-% gewählt, bezogen auf die Formstoffmischung. Bei Verwendung von Borsilikatglas-Mikrohohlkugeln
wird bevorzugt ein geringer Anteil gewählt. Dieser beträgt vorzugsweise weniger als
5 Gew.-%, bevorzugt weniger als 3 Gew.-%, und liegt insbesondere bevorzugt im Bereich
von 0,01 bis 2 Gew.-%.
[0055] Wie bereits erläutert, enthält die Formstoffmischung in einer bevorzugten Ausführungsform
zumindest einen Anteil an Glasgranulat und/oder Glasperlen als feuerfesten Formgrundstoff.
[0056] Es ist auch möglich, die Formstoffmischung als exotherme Formstoffmischung auszubilden,
die beispielsweise für die Herstellung exothermer Speiser geeignet ist. Dazu enthält
die Formstoffmischung ein oxidierbares Metall und ein geeignetes Oxidationsmittel.
Bezogen auf die Gesamtmasse der Formstoffmischung bilden die oxidierbaren Metalle
bevorzugt einen Anteil von 15 bis 35 Gew.-%. Das Oxidationsmittel wird bevorzugt in
einem Anteil von 20 bis 30 Gew.-%, bezogen auf die Formstoffmischung zugesetzt. Geeignete
oxidierbare Metalle sind beispielsweise Aluminium oder Magnesium. Geeignete Oxidationsmittel
sind beispielsweise Eisenoxid oder Kaliumnitrat.
[0057] Bindemittel, welche Wasser enthalten, weisen im Vergleich zu Bindemitteln auf Basis
organischer Lösungsmittel eine schlechtere Fließfähigkeit auf. Die Fließfähigkeit
der Formstoffmischung kann sich durch den Zusatz des teilchenförmigen Metalloxids
weiter verschlechtern. Dies bedeutet, dass sich Formwerkzeuge mit engen Durchgängen
und mehreren Umlenkungen schlechter füllen lassen. Als Folge davon besitzen die Gießformen
Abschnitte mit ungenügender Verdichtung, was wiederum beim Abguss zu Gussfehlern führen
kann. Gemäß einer vorteilhaften Ausführungsform enthält die Formstoffmischung einen
Anteil eines Schmiermittels, bevorzugt eines plättchenförmigen Schmiermittels, insbesondere
Grafit, MoS
2, Talkum und/oder Pyrophillit. Überraschend hat sich gezeigt, dass bei einem Zusatz
derartiger Schmiermittel, insbesondere von Grafit, auch komplexe Formen mit dünnwandigen
Abschnitten hergestellt werden können, wobei die Gießformen durchgängig eine gleichmäßig
hohe Dichte und Festigkeit aufweisen, so dass beim Gießen im Wesentlichen keine Gussfehler
beobachtet werden. Die Menge des zugesetzten plättchenförmigen Schmiermittels, insbesondere
Grafits, beträgt vorzugsweise 0,05 Gew.-% bis 1 Gew.-%, bezogen auf den feuerfesten
Formgrundstoff.
[0058] Neben den genannten Bestandteilen kann die Formstoffmischung noch weitere Zusätze
umfassen. Beispielsweise können interne Trennmittel zugesetzt werden, welche die Ablösung
der Gießformen aus dem Formwerkzeug erleichtern. Geeignete interne Trennmittel sind
z.B. Calciumstearat, Fettsäureester, Wachse, Naturharze oder spezielle Alkydharze.
Weiter können auch Silane zur Formstoffmischung gegeben werden.
[0059] So enthält die Formstoffmischung in einer bevorzugten Ausführungsform ein organisches
Additiv, welches einen Schmelzpunkt im Bereich von 40 bis 180 °C, vorzugsweise 50
bis 175 °C aufweist, also bei Raumtemperatur fest ist. Unter organischen Additiven
werden dabei Verbindungen verstanden, deren Molekülgerüst überwiegend aus Kohlenstoffatomen
aufgebaut ist, also beispielsweise organische Polymere. Durch die Zugabe der organischen
Additive kann die Güte der Oberfläche des Gussstücks weiter verbessert werden. Der
Wirkmechanismus der organischen Additive ist nicht geklärt. Ohne an diese Theorie
gebunden sein zu wollen nehmen die Erfinder jedoch an, dass zumindest ein Teil der
organischen Additive beim Gießvorgang verbrennt und dabei ein dünnes Gaspolster zwischen
flüssigem Metall und dem die Wand der Gießform bildenden Formgrundstoff entsteht und
so eine Reaktion zwischen flüssigem Metall und Formgrundstoff verhindert wird. Ferner
nehmen die Erfinder an, dass ein Teil der organischen Additive unter der beim Gießen
herrschenden reduzierenden Atmosphäre eine dünne Schicht von so genanntem Glanzkohlenstoff
bildet, der ebenfalls eine Reaktion zwischen Metall und Formgrundstoff verhindert.
Als weitere vorteilhafte Wirkung kann durch die Zugabe der organischen Additive eine
Steigerung der Festigkeit der Gießform nach dem Aushärten erreicht werden.
[0060] Die organischen Additive werden bevorzugt in einer Menge von 0,01 bis 1,5 Gew.-%,
insbesondere bevorzugt 0,05 bis 1,3 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,1 bis 1,0 Gew.-%,
jeweils bezogen auf den feuerfesten Formgrundstoff, zugegeben. Um eine starke Rauchentwicklung
während des Metallgusses zu vermeiden, wird der Anteil an organischen Additiven meist
geringer als 0,5 Gew.-% gewählt.
[0061] Überraschend wurde gefunden, dass eine Verbesserung der Oberfläche des Gussstücks
mit sehr unterschiedlichen organischen Additiven erreicht werden kann. Geeignete organische
Additive sind beispielsweise Phenol-Formaldehydharze, wie z.B. Novolake, Epoxidharze,
wie beispielsweise Bisphenol-A-Epoxidharze, Bisphenol-F-Epoxidharze oder epoxidierte
Novolake, Polyole, wie beispielsweise Polyethylenglykole oder Polypropylenglykole,
Polyolefine, wie beispielsweise Polyethylen oder Polypropylen, Copolymere aus Olefinen,
wie Ethylen oder Propylen, und weiteren Comonomeren, wie Vinylacetat, Polyamide, wie
beispielsweise Polyamid-6, Polyamid-12 oder Polyamid-6,6, natürliche Harze, wie beispielsweise
Balsamharz, Fettsäuren, wie beispielsweise Stearinsäure, Fettsäureester, wie beispielsweise
Cetylpalmitat, Fettsäureamide, wie beispielsweise Ethylendiaminbisstearamid, monomere
oder polymere Kohlenhydratverbindungen, wie etwa Glucose oder Cellulose, und deren
Derivate, wie etwa Methyl-, Ethyl- oder Carboxymethylcellulose, sowie Metallseifen,
wie beispielsweise Stearate oder Oleate'ein- bis dreiwertiger Metalle. Die organischen
Additive können sowohl als reiner Stoff enthalten sein, als auch als Gemisch verschiedener
organischer Verbindungen.
[0062] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform enthält die Formstoffmischung einen
Anteil zumindest eines Silans. Geeignete Silane sind beispielsweise Aminosilane, Epoxysilane,
Mercaptosilane, Hydroxysilane, Methacrylsilane, Ureidosilane und Polysiloxane. Beispiele
für geeignete Silane sind γ-Aminopropyltrimethoxysilan, γ-Hydroxypropyltrimethoxysilan,
3-Ureidopropyltriethoxysilan, γ-Mercaptopropyltrimethoxysilan, γ-Glycidoxypropyltrimethoxysilan,
β-(3,4-Epoxycyclohexyl)-trimethoxysilan, 3-Methacryloxypropyltrimethoxysilan und N-β(Aminoethyl)-γ-aminopropyltrimethoxysilan.
[0063] Bezogen auf das teilchenförmige Metalloxid werden typischerweise ca. 5 - 50 Gew.-%
Silan eingesetzt, vorzugsweise ca. 7 - 45 Gew.-%, besonders bevorzugt ca. 10 - 40
Gew.-%.
[0064] Trotz der mit dem Bindemittel erreichbaren hohen Festigkeiten zeigen die mit der
Formstoffmischung hergestellten Gießformen, insbesondere Kerne und Formen, nach dem
Abguss überraschenderweise einen guten Zerfall, insbesondere beim Aluminiumguss. Wie
bereits erläutert, wurde auch gefunden, dass mit der Formstoffmischung Gießformen
hergestellt werden können sodass sich die Formstoffmischung nach dem Guss ohne weiteres
auch aus engen und verwinkelten Abschnitten der Gießform wieder ausgießen lässt.
[0065] Bei der Herstellung der Formstoffmischung wird im Allgemeinen so vorgegangen, dass
zunächst der feuerfeste Formgrundstoff vorgelegt und dann unter Rühren das Bindemittel
zugegeben wird. Dabei kann das Wasserglas sowie das teilchenförmige Metalloxid, nämlich
das synthetische amorphe Siliciumdioxid, und das Phosphat an sich in beliebiger Reihenfolge
zugegeben werden. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird das Bindemittel als
Zwei-Komponenten-System bereitgestellt, wobei eine erste flüssige Komponente das Wasserglas
enthält und eine zweite feste Komponente das teilchenförmige Metalloxid, das Phosphat
sowie ggf. einen, bevorzugt plättchenförmigen, Schmierstoff und/oder eine organische
Komponente. Bei der Herstellung der Formstoffmischung wird der feuerfeste Formgrundstoff
in einem Mischer vorgelegt und dann bevorzugt zunächst die feste Komponente des Bindemittels
zugegeben und mit dem feuerfesten Formgrundstoff vermischt. Die Mischdauer wird so
gewählt, dass eine innige Durchmischung von feuerfestem Formgrundstoff und fester
Bindemittelkomponente erfolgt. Die Mischdauer ist abhängig von der Menge der herzustellenden
Formstoffmischung sowie vom verwendeten Mischaggregat. Bevorzugt wird die Mischdauer
zwischen 1 und 5 Minuten gewählt. Unter bevorzugt weiterem Bewegen der Mischung wird
dann die flüssige Komponente des Bindemittels zugegeben und dann die Mischung solange
weiter vermischt, bis sich auf den Körnern des feuerfesten Formgrundstoffs eine gleichmäßige
Schicht des Bindemittels ausgebildet hat. Auch hier ist die Mischdauer von der Menge
der herzustellenden Formstoffmischung sowie vom verwendeten Mischaggregat abhängig.
Bevorzugt wird die Dauer für den Mischvorgang zwischen 1 und 5 Minuten gewählt.
[0066] Gemäß einer anderen Ausführungsform kann aber auch zunächst die flüssige Komponente
des Bindemittels zum feuerfesten Formgrundstoff gegeben werden und erst dann die feste
Komponente der Mischung zugeführt werden. Gemäß einer weiteren Ausführungsform wird
zunächst 0,05 bis 0,3 % Wasser, bezogen auf das Gewicht des Formgrundstoffes, zum
feuerfesten Formgrundstoff gegeben und erst anschließend die festen und flüssige Komponenten
des Bindemittels zugegeben. Bei dieser Ausführungsform kann ein überraschender positiver
Effekt auf die Verarbeitungszeit der Formstoffmischung erzielt werden. Die Erfinder
nehmen an, dass die wasserentziehende Wirkung der festen Komponenten des Bindemittels
auf diese Weise reduziert und der Aushärtevorgang dadurch verzögert wird.
[0067] Die Formstoffmischung wird anschließend in die gewünschte Form gebracht. Dabei werden
für die Formgebung übliche Verfahren verwendet. Beispielsweise kann die Formstoffmischung
mittels einer Kernschießmaschine mit Hilfe von Druckluft in das Formwerkzeug geschossen
werden. Die Formstoffmischung wird anschließend durch Wärmezufuhr ausgehärtet, um
das im Bindemittel enthaltene Wasser zu verdampfen. Beim Erwärmen wird der Formstoffmischung
Wasser entzogen. Durch den Wasserentzug werden vermutlich auch Kondensationsreaktionen
zwischen Silanolgruppen initiiert, sodass eine Vernetzung des Wasserglases eintritt.
Bei im Stand der Technik beschriebenen kalten Aushärtungsverfahren wird beispielsweise
durch Einleiten von Kohlendioxid oder durch mehrwertige Metallkationen ein Ausfällen
schwerlöslicher Verbindungen und damit eine Verfestigung der Gießform bewirkt.
[0068] Das Erwärmen der Formstoffmischung kann beispielsweise im Formwerkzeug erfolgen.
Es ist möglich, die Gießform bereits im Formwerkzeug vollständig auszuhärten. Es ist
aber auch möglich, die Gießform nur in ihrem Randbereich auszuhärten, so dass sie
eine ausreichende Festigkeit aufweist, um aus dem Formwerkzeug entnommen werden zu
können. Die Gießform kann dann anschließend vollständig ausgehärtet werden, indem
ihr weiteres Wasser entzogen wird. Dies kann beispielsweise in einem Ofen erfolgen.
Der Wasserentzug kann beispielsweise auch erfolgen, indem das Wasser bei vermindertem
Druck verdampft wird.
[0069] Die Aushärtung der Gießformen kann durch Einblasen von erhitzter Luft in das Formwerkzeug
beschleunigt werden. Bei dieser Ausführungsform des Verfahrens wird ein rascher Abtransport
des im Bindemittel enthaltenen Wassers erreicht, wodurch die Gießform in für eine
industrielle Anwendung geeigneten Zeiträumen verfestigt wird. Die Temperatur der eingeblasenen
Luft beträgt vorzugsweise 100 °C bis 180 °C, insbesondere bevorzugt 120 °C bis 150
°C. Die Strömungsgeschwindigkeit der erhitzten Luft wird vorzugsweise so eingestellt,
dass eine Aushärtung der Gießform in für eine industrielle Anwendung geeigneten Zeiträumen
erfolgt. Die Zeiträume hängen von der Größe der hergestellten Gießformen ab. Angestrebt
wird eine Aushärtung im Zeitraum von weniger als 5 Minuten, vorzugsweise weniger als
2 Minuten. Bei sehr großen Gießformen können jedoch auch längere Zeiträume erforderlich
sein.
[0070] Die Entfernung des Wassers aus der Formstoffmischung kann auch in der Weise erfolgen,
dass das Erwärmen der Formstoffmischung durch Einstrahlen von Mikrowellen bewirkt
wird. Die Einstrahlung der Mikrowellen wird aber bevorzugt vorgenommen, nachdem die
Gießform aus dem Formwerkzeug entnommen wurde. Dazu muss die Gießform jedoch bereits
eine ausreichende Festigkeit aufweisen. Wie bereits erläutert, kann dies beispielsweise
dadurch bewirkt werden, dass zumindest eine äußere Schale der Gießform bereits im
Formwerkzeug ausgehärtet wird.
[0071] Durch die thermische Aushärtung der Formstoffmischung unter Wasserentzug wird das
Problem einer Nachverfestigung der Gießform während des Metallgusses vermieden. Bei
dem im Stand der Technik beschriebenen kalten Aushärteverfahren, bei welchem Kohlendioxid
durch die Formstoffmischung geleitet wird, werden aus dem Wasserglas Carbonate ausgefällt.
In der ausgehärteten Gießform bleibt jedoch relativ viel Wasser gebunden, welches
dann beim Metallguss ausgetrieben wird und zu einer sehr hohen Verfestigung der Gießform
führt. Ferner erreichen Gießformen, die durch Einleiten von Kohlendioxid verfestigt
wurden, nicht die Stabilität von Gießformen, die thermisch durch Wasserentzug ausgehärtet
wurden. Durch die Ausbildung von Carbonaten wird das Gefüge des Bindemittels gestört,
weshalb dieses an Festigkeit verliert. Mit kalt ausgehärteten Gießformen auf Wasserglasbasis
lassen sich daher dünne Abschnitte einer Gießform, die ggf. auch noch eine komplexe
Geometrie aufweisen, nicht herstellen. Gießformen, die kalt durch Einleiten von Kohlendioxid
ausgehärtet werden, sind daher nicht zur Darstellung von Gussteilen mit sehr komplizierter
Geometrie und engen Durchgängen mit mehreren Umlenkungen, wie Ölkanälen in Verbrennungsmotoren,
geeignet, da die Gießform nicht die erforderliche Stabilität erreicht und sich die
Gießform nach dem Metallguss nur mit sehr hohem Aufwand vollständig vom Gussstück
entfernen lässt. Bei der thermischen Aushärtung wird das Wasser weitgehend aus der
Gießform entfernt und beim Metallguss wird eine deutlich geringere Nachhärtung der
Gießform beobachtet. Nach dem Metallguss zeigt die Gießform einen wesentlich besseren
Zerfall als Gießformen, die durch Einleiten von Kohlendioxid ausgehärtet wurden. Durch
das thermische Aushärten lassen sich auch Gießformen herstellen, die für die Fertigung
von Gussstücken mit sehr komplexer Geometrie und engen Durchgängen geeignet sind.
[0072] Wie bereits weiter oben erläutert, kann durch den Zusatz von, bevorzugt plättchenförmigen,
Schmiermitteln, insbesondere Grafit und/oder MoS
2 und/oder Talkum, die Fließfähigkeit der Formstoffmischung verbessert werden. Auch
talkähnliche Minerale, wie etwa Pyrophyllit, können die Fließfähigkeit der Formstoffmischung
verbessern. Bei der Herstellung kann das plättchenförmige Schmiermittel, insbesondere
Grafit und/oder Talkum, dabei getrennt von den beiden Binderkomponenten der Formstoffmischung
zugesetzt werden. Es ist aber genauso gut möglich, das plättchenförmige Schmiermittel,
insbesondere Grafit, mit dem teilchenförmigen Metalloxid, insbesondere dem synthetischen
amorphen Siliciumdioxid, vorzumischen und erst dann mit dem Wasserglas und dem feuerfesten
Formgrundstoff zu vermengen.
[0073] Umfasst die Formstoffmischung ein organisches Additiv, so kann die Zugabe des organischen
Additivs an sich zu jedem Zeitpunkt der Herstellung der Formstoffmischung erfolgen.
Die Zugabe des organischen Additivs kann dabei in Substanz oder auch in Form einer
Lösung erfolgen.
[0074] Wasserlösliche organische Additive können in Form einer wässrigen Lösung eingesetzt
werden. Sofern die organischen Additive im Bindemittel löslich und darin unzersetzt
über mehrere Monate lagerstabil sind, können sie auch im Bindemittel gelöst und so
gemeinsam mit diesem dem Formgrundstoff zugegeben werden. Wasserunlösliche Additive
können in Form einer Dispersion oder einer Paste verwendet werden. Die Dispersionen
oder Pasten enthalten bevorzugt Wasser als Dispergiermedium. An sich können Lösungen
oder Pasten der organischen Additive auch in organischen Lösemitteln hergestellt werden.
Wird für die Zugabe der organischen Additive jedoch ein Lösungsmittel verwendet, so
wird vorzugsweise Wasser eingesetzt.
[0075] Vorzugsweise erfolgt die Zugabe der organischen Additive als Pulver oder als Kurzfaser,
wobei die mittlere Teilchengröße bzw. die Faserlänge bevorzugt so gewählt wird, dass
sie die Größe der feuerfesten Formgrundstoffpartikel nicht übersteigt. Besonders bevorzugt
lassen sich die organischen Additive durch ein Sieb mit der Maschenweite von ca. 0,3
mm sieben. Um die Anzahl der dem feuerfesten Formgrundstoff zugegebenen Komponenten
zu reduzieren, werden das teilchenförmige Metalloxid und das bzw. die organischen
Additive dem Formsand vorzugsweise nicht getrennt zugesetzt, sondern vorab gemischt.
[0076] Enthält die Formstoffmischung Silane oder Siloxane, so erfolgt die Zugabe der Silane
üblicherweise in der Form, dass sie vorab in das Bindemittel eingearbeitet werden.
Die Silane oder Siloxane können dem Formgrundstoff aber auch als getrennte Komponente
zugegeben werden. Besonders vorteilhaft ist es jedoch, das teilchenförmige Metalloxid
zu silanisieren, d.h. das Metalloxid mit dem Silan oder Siloxan zu mischen, so dass
seine Oberfläche mit einer dünnen Silan- oder Siloxanschicht versehen ist. Setzt man
das so vorbehandelte teilchenförmige Metalloxid ein, so findet man gegenüber dem unbehandelten
Metalloxid erhöhte Festigkeiten sowie eine verbesserte Resistenz gegen hohe Luftfeuchtigkeit.
Setzt man, wie beschrieben, der Formstoffmischung bzw. dem teilchenförmigen Metalloxid
ein organisches Additiv zu, ist es zweckmäßig, dies vor der Silanisierung zu tun.
[0077] Das Verfahren eignet sich an sich für die Herstellung aller für den Metallguss üblicher
Gießformen, also beispielsweise von Kernen und Formen. Besonders vorteilhaft können
dabei auch Gießformen hergestellt werden, die sehr dünnwandige Abschnitte umfassen.
Insbesondere bei Zusatz von isolierendem feuerfestem Formgrundstoff oder bei Zusatz
von exothermen Materialien zur Formstoffmischung eignet sich das Verfahren zur Herstellung
von Speisern.
[0078] Die aus der Formstoffmischung bzw. mit dem Verfahren hergestellten Gießformen weisen
eine hohe Festigkeit unmittelbar nach der Herstellung auf, ohne dass die Festigkeit
der Gießformen nach dem Aushärten so hoch ist, dass Schwierigkeiten nach der Herstellung
des Gussstücks beim Entfernen der Gießform auftreten. Hier wurde gefunden, dass die
Gießform beim Leichtmetallguss, insbesondere Aluminiumguss sehr gute Zerfallseigenschaften
aufweist. Weiterhin weisen diese Gießformen eine hohe Stabilität bei erhöhter Luftfeuchtigkeit
auf, d.h. die Gießformen können überraschenderweise auch über längere Zeit hinweg
problemlos gelagert werden. Als besonderer Vorteil weist die Gießform eine sehr hohe
Stabilität bei mechanischer Belastung auf, sodass auch dünnwandige Abschnitte der
Gießform verwirklicht werden können, ohne dass diese durch den metallostatischen Druck
beim Gießvorgang deformiert werden.
[0079] Die Gießform eignet sich für den Leichtmetallguss. Besonders vorteilhafte Ergebnisse
werden beim Aluminiumguss erhalten.
[0080] Die Erfindung wird im Weiteren anhand von Beispielen sowie unter Bezugnahme auf die
beigefügten Figuren näher erläutert. Dabei zeigt:
- Fig. 1:
- einen schematischen Aufbau einer BCIRA Hot Distortion Apparatur (G.C. Fountaine, K.B. Horton, "Heißverformung von Cold-Box-Sanden", Giesserei-Praxis,
Nr.6, S. 85-93, 1992)
- Fig. 2:
- ein Diagramm des BCIRA Hot Distortion Tests eines phosphathaltigen Prüfkörpers und
eines Prüfkörpers ohne Phosphatanteil (Morgan, A.D., Fasham E.W., "The BCIRA Hot Distortion Tester for Quality Control in
Production of Chemically Bonded Sands, AFS Transactions, vol. 83, S. 73 - 80 (1975);
- Fig. 3:
- eine schematische Wiedergabe eines Gussstückauschnittes, wobei die Gießform einmal
ohne (a) und einmal mit (b) Zusatz von Phosphaten hergestellt worden ist.
Beispiel 1
[0081] Einfluss von synthetisch hergestelltem amorphem Siliciumdioxid und phosphorhaltigen
Komponenten auf die Festigkeit von Formkörpern mit Quarzsand als Formgrundstoff.
1. Herstellung und Prüfung der Formstoffmischung
[0082] Für die Prüfung der Formstoffmischung wurden sog. Georg-Fischer-Prüfriegel hergestellt.
Unter Georg-Fischer-Prüfriegeln werden quaderförmige Prüfriegel mit den Abmessungen
150 mm x 22,36 mm x 22,36 mm verstanden.
[0083] Die Zusammensetzung der Formstoffmischung ist in Tabelle 1 angegeben. Zur Herstellung
der Georg-Fischer-Prüfriegel wurde wie folgt vorgegangen:
Die in Tabelle 1 aufgeführten Komponenten wurden in einem Laborflügelmischer (Firma
Vogel & Schemmann AG, Hagen, DE) gemischt.
[0084] Dazu wurde zunächst der Quarzsand vorgelegt und unter Rühren das Wasserglas zugegeben.
Als Wasserglas wurde ein Natriumwasserglas verwendet, das Anteile an Kalium aufwies.
In den nachfolgenden Tabellen ist das Modul daher mit SiO
2 : M
2O angegeben, wobei M die Summe aus Natrium und Kalium angibt. Nachdem die Mischung
für eine Minute gerührt worden war, wurden ggf. das amorphe Siliciumdioxid und/oder
die phosphorhaltige Komponente unter weiterem Rühren zugegeben. Die Mischung wurde
anschließend noch für eine weitere Minute gerührt;
[0085] Die Formstoffmischungen wurden in den Vorratsbunker einer H 2,5 Hot-Box-Kernschießmaschine
der Firma Röperwerk - Gießereimaschinen GmbH, Viersen, DE, überführt, deren Formwerkzeug
auf 200°C erwärmt war;
Die Formstoffmischungen wurden mittels Druckluft (5 bar) in das Formwerkzeug eingebracht
und verblieben für weitere 35 Sekunden im Formwerkzeug;
Zur Beschleunigung der Aushärtung der Mischungen wurde während der letzten 20 Sekunden
Heißluft (2 bar, 120°C beim Eintritt in das Werkzeug) durch das Formwerkzeug geleitet;
Das Formwerkzeug wurde geöffnet und die Prüfriegel entnommen.
[0086] Zur Bestimmung der Biegefestigkeiten wurden die Prüfriegel in ein Georg-Fischer-Festigkeitsprüfgerät,
ausgerüstet mit einer 3-Punkt-Biegevorrichtung (DISA Industrie AG, Schaffhausen, CH)
eingelegt und die Kraft gemessen, welche zum Bruch der Prüfriegel führte.
[0087] Die Biegefestigkeiten wurden nach folgendem Schema gemessen:
- 10 Sekunden nach der Entnahme (Heißfestigkeiten)
- 1 Stunde nach der Entnahme (Kaltfestigkeiten)
- 3 Stunden Lagerung der erkalteten Kerne im Klimaschrank bei 25 °C und 75 % relativer
Luftfeuchte.
Tabelle 1
| Zusammensetzung der Formstoffmischungen |
| |
Quarzsand H32 |
Alkaliwasserglas |
Amorphes Siliciumdioxid |
Phosphat |
|
| 1.1 |
100 GT |
2,0 a) |
|
|
Vergleich, nicht erfindungsgemäß |
| 1.2 |
100 GT |
2,0 a) |
0,5 b) |
|
Vergleich, nicht erfingdungsgemäß |
| 1.3 |
100 GT |
2,0 a) |
|
0,3 c) |
Vergleich, nicht erfindungsgemäß |
| 1.4 |
100 GT |
2,0 a) |
0,5 b) |
0,3 c) |
Erfindungsgemäße Verwendung |
| 1.5 |
100 GT |
2,0 a) |
0,5 b) |
0,1 c) |
Erfindungsgemäße Verwendung |
| 1.6 |
100 GT |
2,0 a) |
0,5 b) |
0,5 c) |
erfindungsgemäße Verwendung |
| 1.7 |
100 GT |
2,0 a) |
|
0,3 d) |
Vergleich, nicht erfindungsgemäß |
| 1.8 |
100 GT |
2,0 a) |
0,5 b) |
0,3 d) |
Erfindungsgemäße Verwendung |
| a) Alkaliwasserglas mit Modul SiO2:M2O von ca. 2,3 |
| b) Elkem Microsilica 971 (pyrogene Kieselsäure; Herstellung im Lichtbogenofen) |
| c) Natriumhexametaphosphat (Fa. Fluka), als Feststoff zugesetzt |
| d) Metakorin® TWP 15 (Polyphosphatlösung der Fa. Metakorin Wasser-Chemie GmbH) |
Tabelle 2 Biegefestigkeiten
| |
Heißfestigke iten [N/cm2] |
Kaltfestigk eiten [N/cm2] |
Nach Lagerung im Klimaschrank [N/cm2] |
|
| 1.1 |
70 |
420 |
20 |
Vergleich, nicht erfindungsgemäß |
| 1.2 |
170 |
500 |
400 |
Vergleich, nicht erfindungsgemäß |
| 1.3 |
60 |
410 |
20 |
Vergleich, nicht erfindungsgemäß |
| 1.4 |
160 |
490 |
390 |
Erfindungsgemäße Verwendung |
| 1.5 |
170 |
500 |
400 |
Erfindungsgemäße Verwendung |
| 1.6 |
150 |
460 |
350 |
Erfindungsgemäße Verwendung |
| 1.7 |
80 |
430 |
30 |
Vergleich, nicht erfindungsgemäß |
| 1.8 |
160 |
450 |
380 |
Erfindungsgemäße Verwendung |
2. Ergebnis
Einfluss der zugesetzten Menge an amorphen Siliciumdioxid und Phosphat
[0088] Alle Formstoffmischungen wurden mit konstanter Formstoff- und Wasserglasmenge hergestellt.
Die Beispiele 1.3 und 1.7 zeigen, dass durch den alleinigen Zusatz von Phosphat keine
lagerfähigen Kerne hergestellt werden können. In den Beispielen 1.2, 1.4, 1.5, 1.6
und 1.8 wurden Formstoffmischungen mit amorphem Siliciumoxid hergestellt. Die Heißfestigkeiten
und Festigkeiten nach Lagerung im Klimaschrank sind gegenüber den anderen Beispielen
deutlich erhöht. Die Beispiele 1.4, 1.5 und 1.8 zeigen, dass die Heiß- und Kaltfestigkeiten
sowie die Festigkeiten nach Lagerung im Klimaschrank von Formstoffmischungen, die
amorphes Siliciumdioxid als Bestandteil enthalten, durch den Zusatz einer phosphathaltigen
Komponente nicht negativ beeinflusst werden. Das bedeutet, dass die mit der Formstoffmischung
hergestellten Prüfriegel auch nach längerer Lagerung ihre Festigkeiten im Wesentlichen
beibehalten. Beispiel 1.6 deutet an, dass ab einem gewissen Gehalt an Phosphat in
der Formstoffmischung ein negativer Einfluss auf die Festigkeiten zu erwarten ist.
Beispiel 2
1. Messung der Deformation
[0090] Bei der BCIRA-Heißverformungs-Prüfung, die in Fig. 1 dargestellt ist, wird ein Probekörper
aus chemisch gebundenem Sand mit den Maßen 25 x 6 x 114 mm als Kragarm eingespannt
und auf der flachen Seite von unten erhitzt (
G.C. Fountaine, K.B. Horton, "Heißverformung von Cold-Box-Sanden", Giesserei-Praxis,
Nr.6, S. 85-93, 1992). Diese einseitige Erhitzung führt dazu, dass sich der Probekörper infolge der thermischen
Ausdehnung der heißen Seite nach oben zur kalten Seite hin biegt. Diese Bewegung des
Probekörpers wird als "Maximale Ausdehnung" in der Kurve bezeichnet. In dem Maße,
wie der Probekörper sich insgesamt erwärmt, beginnt der Binder zu zerfallen und in
den thermoplastischen Zustand überzugehen. Aufgrund der thermoplastischen Eigenschaften
der verschiedenen Bindersysteme drückt die Belastung durch den Lastarm den Probekörper
wieder nach unten. Diese Abwärtsbewegung entlang der Ordinate in 0-Linie bis zum Bruch
wird als "Heißverformung" bezeichnet. Die zwischen dem Beginn der maximalen Ausdehnung
auf der Kurve und dem Bruch verflossene Zeit wird als "Zeit bis zum Bruch" bezeichnet
und stellt eine weitere Kenngröße-dar. Die in dieser Versuchsanordnung auftretende
Bewegung kann man in der Tat bei Formen und Kernen beobachten.
[0091] Die Herstellung der Formstoffmischungen erfolgte entsprechend dem in Beispiel 1 dargestellten
Verfahren mit dem Unterschied, dass die Prüfriegel die Abmessungen 25 mm x 6 mm x
114 mm aufwiesen.
Tabelle 3 Zusammensetzung der Formstoffmischungen
| |
Quarzsand H32 |
Alkaliwasserglas |
Amorphes Siliciumdioxid |
Phosphat |
|
| 2.1 |
100 GT |
2,0 a) |
0,5 b) |
|
Vergleich, nicht erfindungsgemäß |
| 2.2 |
100 GT |
2,0 a) |
0,5 b) |
0,3 c) |
Vergleich, nicht erfindungsgemäß |
| a) Alkaliwasserglas mit Modul SiO2:M2O von ca. 2,3 |
| b) Elkem Microsilica 971 (pyrogene Kieselsäure; Herstellung im Lichtbogenofen) |
| c) Natriumhexametaphosphat (Fa. Fluka), als Feststoff zugesetzt |
2. Ergebnisse
[0092] Die Messwerte für die Deformation unter thermischer Belastung sind in Fig. 2 dargestellt.
Ohne Zusatz von Phosphat (Formstoffmischung 2.1) wird der Prüfkörper bereits nach
einer kurzen thermischen Belastung deformiert. Gemäß Formstoffmischung 2.2 hergestellte
Prüfkörper zeigen hingegen eine deutlich verbesserte thermische Stabilität. Durch
den Zusatz von Phosphat lässt sich die Zeit bis zur "Heißverformung" und somit die
"Zeit bis zum Bruch" hinauszögern.
Beispiel 3
Herstellung von Gießformen unter Verwendung von phosphatfreien und phosphathaltigen
Formkörpern
[0093] Zur Überprüfung der in Beispiel 2 gezeigten verbesserten thermischen Beständigkeit
von Formkörpern, wurden Kerne gemäß der Formstoffmischungen 2.1 und 2.2 hergestellt.
Diese Kerne wurden in einem Gießprozess (Aluminium-Legierung, ca. 735°C) hinsichtlich
ihrer thermischen Beständigkeit getestet. Hierbei zeigte sich, dass ein kreisrundes
Segment des Formkörpers nur im Fall der Formstoffmischung 2.2 in der entsprechenden
Gießform korrekt abgebildet werden konnte (Fig. 3b). Ohne Zusatz des Phosphatkomponente
konnten an der Gießform elliptische Verformungen festgestellt werden, schematisiert
in Fig. 3a dargestellt.
[0094] Daraus ergibt sich, dass durch die erfindungsgemäße Verwendung der Formstoffmischung,
die Deformationsneigung von Formkörpern während des Gießprozesses erniedrigt und damit
die Gussqualität entsprechender Gießformen verbessert werden kann.