[0001] Die Erfindung geht aus von einer Vorrichtung zur Bearbeitung von Festkörpern, insbesondere
zum Schleifen und Trennen von Werkstücken, sowie von einem Verfahren zum Betrieb einer
derartigen Vorrichtung.
[0002] Derartige Vorrichtungen und Verfahren sind aus vielen Bereichen der Werkstoffbearbeitung
wie z.B. beim Schleifen, Polieren, Fräsen etc. bekannt.
[0003] Nachteilig an den bekannten Vorrichtungen ist dabei insbesondere, dass die heutigen
Materialien sowohl der zu bearbeitenden Werkstücke als auch der Werkzeuge hohe Anforderungen
an die Umgebungsparameter wie Temperatur und Kühlung stellen, da sonst Beschädigungen
und damit wirtschaftliche Verluste und Unrentabilität durch hohe Ausschussraten drohen.
Dies trifft insbesondere für Hochgeschwindigkeits-Schleiftechniken zu.
[0004] Es ist demzufolge Aufgabe der Erfindung, eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Werkstoffbearbeitung
anzugeben, welche werkstoffschonend sowohl für das Werkzeug als auch für das Werkstück
betrieben werden können.
[0005] Eine derartige Vorrichtung umfasst erfindungsgemäß ein Gehäuse, einen Arbeitsraum,
welcher gegebenenfalls durch eine Abdeckung abdeckbar ist, und eine in dem Arbeitsraum
angeordnete Schleifscheibe, wobei der Arbeitsraum gegebenenfalls durch die Abdeckung
gegenüber einer Umgebung abgedichtet und evakuierbar ist, und wobei zumindest ein
Teil der Schleifscheibe, gesondert vom Arbeitsraum, zusätzlich evakuierbar ist.
[0006] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zur Bearbeitung von Werkstoffen, insbesondere zum
Schleifen, umfasst ein Gehäuse, einen Arbeitsraum, welcher gegebenenfalls durch eine
Abdeckung abdeckbar ist, und eine in dem Arbeitsraum angeordnete Schleifscheibe. Es
ist vorgesehen, dass
- entweder ein Teil der Schleifscheibe mittels einer Absaugvorrichtung gegenüber einer
Umgebung im Wesentlichen abgedichtet und durch zumindest eine Vakuumquelle evakuierbar
ist,
und/oder
- ein Schleifscheibengehäuse, in dem die Schleifscheibe und das Werkstück zumindest
teilweise angeordnet sind, gegenüber einer Umgebung abgedichtet und durch zumindest
eine Vakuumquelle evakuierbar ist.
[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Betrieb einer Vorrichtung zur Bearbeitung von
Werkstoffen, insbesondere zum Schleifen, wobei die Vorrichtung ein Gehäuse, einen
Arbeitsraum und eine in dem Arbeitsraum angeordnete Schleifscheibe umfasst, wobei
der Arbeitsraum gegebenenfalls durch die Abdeckung gegenüber einer Umgebung abdichtbar
und durch zumindest eine Vakuumquelle evakuierbar ist, weist die folgenden Verfahrensschritte
auf:
- Einbringen eines Werkstückes und einer Schleifscheibe in den offenen Arbeitsraum,
oder in ein im Arbeitsraum angeordnetes Schleifscheibengehäuse, das abdichtbar und
mittels zumindest einer Vakuumquelle evakuierbar ist,
- Evakuieren zumindest eines Teils der Schleifscheibe durch Evakuieren einer den Teil
der Schleifscheibe aufnehmenden Absaugvorrichtung und/oder durch Evakuieren des Schleifscheibengehäuses,
- Bearbeiten des Werkstücks,
- Einstellen des Umgebungsdrucks an jenem Teil der Schleifscheibe, der evakuiert ist,
und/oder im Schleifscheibengehäuses
- Entnehmen des Werkstücks, gegebenenfalls nach Öffnung des Schleifscheibengehäuses
und gegebenenfalls nach Öffnen der Abdeckung.
[0008] Vorteilhaft ist dabei, dass sich ein höherer Wirkungsrad des gesamten Kühlprozesses
ergibt, da die Kühlmittelzufuhr zur Schleifscheibe aufgrund des Vakuums wesentlich
verbessert wird im Vergleich zu Werkstückbearbeitungsvorrichtungen nach dem Stand
der Technik, wo sich aufgrund der Drehung der Schleifscheibe ein Umfangsluftpolster
um die Schleifscheibe bildet, der die Benetzung mit Kühlmittel verhindert bzw. zumindest
deutlich erschwert.
[0009] Weiterhin ist von Vorteil, dass dadurch die Betriebskosten gesenkt werden können,
da der Betrieb und die Wartung eines Kühlsystems deutlich reduziert werden können
und so zumindest eine Minimalmengen- bzw. Mindermengenschmierung ermöglicht wird,
z.B. in Form eines Kühl- und Schmierstoffnebels.
[0010] Weitere Vorteile der erfindungsgemäß ausgestalteten Vorrichtung sind aus den Unteransprüchen
ersichtlich.
[0011] Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Vorrichtung umfasst eine Schleuse, welche die
Einbringung und Entnahme von Werkstücken und Werkzeugen in bzw. aus dem Arbeitsraum
ermöglicht, ohne dass dieser jedes Mal evakuiert werden muss.
[0012] Die Schleifscheibe besteht vorteilhafterweise zumindest teilweise aus einem Verbundwerkstoff,
vorzugsweise einem CFK-Werkstoff, da das dadurch erzielte geringere Gewicht höhere
Drehzahlen erlaubt.
[0013] Besonders vorteilhaft ist, wenn eine Welle, auf der die Schleifscheibe gelagert ist,
durch eine geeignete Antriebsvorrichtung so antreibbar ist, dass die Umfangsgeschwindigkeit
der Schleifscheibe über 200 m/s, insbesondere über 330 m/s, vorzugsweise über 450
m/s, also im Überschallbereich, liegt. Dadurch kann eine kostenintensive Kühlung mittels
Kühlmittelzufuhr im günstigsten Fall entfallen, denn bei sehr hohen Schneide- und
Schleifgeschwindigkeiten wird ein Großteil der in den Bearbeitungsprozess eingebrachten
Wärme über abgetragene Späne abgeführt. Weiters wird die Luftreibung und dadurch bedingte
Erwärmung aller bewegten Elemente, insbesondere des im Allgemeinen großflächigen Schleifscheiben-Trägerkörpers
reduziert. Aufgrund der verringerten Reibung kann auch die Antriebsleistung reduziert
werden. Schließlich wird auch die Luftverwirbelung im Arbeitsraum deutlich reduziert
oder entfällt zur Gänze.
[0014] Weiterhin kann durch die Bearbeitung im Vakuum bei Überschallgeschwindigkeit der
Schleifscheibe vorteilhafterweise die Geräuschentwicklung beim Überfahren des Schallgrenze
vermieden werden.
[0015] Eine vorteilhafte Ausgestaltungsvariante sieht vor, dass die Evakuierung des Schleifscheibengehäuses,
und/oder jenes Teils der Schleifscheibe, der evakuiert werden kann, und gegebenenfalls
des Arbeitsraumes erst dann beginnt, wenn die Schleifscheibe eine Umfangsgeschwindigkeit
von ca. 200m/s überschritten hat. Je höher die Umfangsgeschwindigkeit, desto stärker
wird evakuiert. Dies hat den Vorteil, dass im unteren Drehzahlbereich noch keine Vakuumquelle,
insbesondere Vakuumpumpe, in Betrieb gehen muss und die zur Verfügung stehende Energie
genutzt werden kann, die Schleifscheibe schneller auf Arbeitsdrehzahl zu beschleunigen.
[0016] Ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäß ausgestalteten Vorrichtung ist im Folgenden
dargestellt und in der zugehörigen Beschreibung näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine stark schematisierte Ansicht eines Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäß
ausgestalteten Vorrichtung zur Werkstoffbearbeitung;
- Fig. 2A
- und Fig. 2B eine Schleifscheibe mit Absaugvorrichtung gemäß der Erfindung in der Perspektive
und in teilweise geschnittener Seitenansicht
[0017] Vorrichtungen zur Bearbeitung von Werkstücken durch Schleifen, Fräsen, Bohren und
andere Bearbeitungsverfahren sind seit langem in vielen Bereichen der Industrie und
des Handwerks etabliert. Die zunehmende Diversifizierung von Werkstoffen und die daraus
resultierenden breit streuenden Materialeigenschaften von Werkstücken und Werkzeugen
macht teilweise eine Umgestaltung, Anpassung und/oder vollkommene Neukonzeptionierung
von Prüfständen, Werkzeugmaschinen und Anlagen zur Bearbeitung von Werkstücken notwendig.
[0018] Neue Werkstoffe wie beispielsweise CFK (kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff) bieten
z.B. bei der Herstellung von Schleif- und Trennscheiben durch ihre leichtere Ausführung
und die dadurch ermöglichten höheren Drehzahlen die Möglichkeit, auch spröde Werkstoffe
präzise zu bearbeiten. Die Drehzahlen können dabei so hoch sein, dass Umfangsgeschwindigkeiten
der Schleifscheiben bis in den Überschallbereich reichen können. Jedoch ergeben sich
durch die höheren Drehzahlen auch thermische Probleme, die eine hohe Kühlleistung
des Systems und des Werkzeugs erfordern, sowie die Geräuschentwicklung beim Überschreiten
der Schallgrenze. Thermische Probleme entstehen insbesondere durch die Luftreibung
und dadurch bedingte Erwärmung aller bewegten Elemente der Werkstückbearbeitungsvorrichtung
sowie aufgrund von Luftverwirbelungen im Arbeitsraum.
[0019] Das Kühlen sowie die gesamte Kühlperipherie verursacht dabei einen immens hohen Prozesskostenanteil.
Das Anlagenkonzept eines Schleifcenters beispielsweise verteuert sich durch die Kühlung
um ca. 20-30%. Im laufenden Prozess verschlingt das Kühlaggregat bis zu 30% und mehr
der elektrischen Anschlussleistung. Weiters verursacht das Handling der Kühlmedien,
seien es Kühlschmierstoffe oder auch Öle, laufend hohe Prozesskosten für Anschaffung,
Reinigung, Filterentsorgung und Entsorgung des jeweiligen Kühlschmierstoffes. Zudem
erwärmen sich die Schleifscheiben ab Umfangsgeschwindigkeiten über 200m/s aufgrund
der Luftreibung sehr stark.
[0020] Das Hauptproblem der Kühlung liegt dabei darin, dass sich bei hohen Umfangsgeschwindigkeiten
an der Außen-Oberfläche ein wenige Mikrometer dicker Luftpolster bildet, der von einem
zur Kühlung vorgesehenen Flüssigkeitsstrahl selbst bei hohen Drücken kaum mehr durchstoßen
werden kann. Selbst bei bereits bekannten innen gekühlten Schleifscheiben tritt der
von innen nach außen geleitete Kühlflüssigkeitsstrahl aufgrund des Luftfilms nicht
in die Atmosphäre, sondern pendelt zumindest im unteren Geschwindigkeitsbereich bis
ca. 100 m/s zwischen Schleifbelag und Luftfilm hin und her.
[0021] Erfindungsgemäß ist daher vorgesehen, dass ein Schleifscheibengehäuse, und/oder ein
Teil der Schleifscheibe und gegebenenfalls gekapselte Schleifmaschinen, sowie gegebenenfalls
geschlossene Schleifcenter zum Hochgeschwindigkeitsschleifen mit zumindest einer,
zwei oder drei Vakuumquellen, die gesondert betrieben werden können, ausgestattet
werden, der Schleifvorgang somit zumindest teilweise oder nahezu vollständig im Vakuum
durchzuführen ist. Aufgrund der Vakuumerzeugung wird eine Minimalmengenschmierung
ermöglicht, bis hin zur Trockenbearbeitung bei sehr hohen Umfangsgeschwindigkeiten
der Schleifscheibe über 330 m/s, vorzugsweise über 450 m/s. Bei diesen Geschwindigkeiten
wird die Wärme vollständig über die abgetragenen Späne abgeführt.
[0022] Ein Vakuum wird vorzugsweise erst dann erzeugt, wenn die Umfangsgeschwindigkeit der
Schleifscheibe 5 bereits über einem Schwellenwert von beispielsweise 200 m/s liegt.
Mit zunehmender Umfangsgeschwindigkeit wird dann der Druck weiter gesenkt bzw. das
Schleifscheibengehäuse 5a und/oder jener Teil der Schleifscheibe 5b, der evakuierbar
ist und gegebenenfalls der Arbeitsraum 4 weiter evakuiert. Dadurch kann die für die
Vorrichtung 1 zur Verfügung stehende Energie zur Beschleunigung der Schleifscheibe
5 genutzt werden. Eine Evakuierung beginnt erst dann, wenn sich die Schleifscheibe
5 im Arbeitsdrehzahlbereich dreht.
[0023] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in Fig. 1 in einer stark schematisierten
Ansicht dargestellt und wird im Folgenden erläutert.
[0024] Die Vorrichtung 1 umfasst ein an sich bekanntes, ein- oder mehrteiliges Gehäuse 2,
in welchem Antriebsaggregate und andere für den Betrieb der Vorrichtung notwendige
Elemente untergebracht sein können. Weiterhin weist die Vorrichtung 1 gegebenenfalls
eine dicht schließende Abdeckung 3 eines Arbeitsbereichs 4 auf. Die Abdeckung 3 kann
dabei beispielsweise aus Plexiglas gefertigt sein, um der die Anlage bedienenden Person
die Möglichkeit zu geben, den Bearbeitungsprozess zu überwachen. Die Abdeckung 3 ist
aus Vorsichtsgründen so fest ausgelegt, dass sie auch bei Bersten einer schnell drehenden
Schleifscheibe nicht durchschlagen wird.
[0025] Im Arbeitsbereich 4 kann beispielsweise eine CFK-Schleifscheibe 5 auf einer Welle
6 drehbar gelagert sein. Mit der Schleifscheibe ist ein ebenfalls im Arbeitsbereich
4 angeordnetes Werkstück 7 bearbeitbar. Durch das Dichtschließen des Schleifscheibengehäuses
5a, das die Schleifscheibe 5 und das Werkstück 7 aufnimmt, ist es möglich, in der
Umgebung der Schleifscheibe 5 und des Werkstücks 7 durch entsprechende Anordnung zumindest
einer Vakuumquelle 8a einen Unterdruck zu erzeugen. Der Vorteil gegenüber einer bloßen
Evakuierung des Arbeitsraums 4 mittels der Vakuumquelle 8 besteht darin, dass das
Volumen des Schleifscheibengehäuses 5a wesentlich kleiner ist als jenes des Arbeitsraums
4 und somit eine geringere Vakuumleistung erforderlich ist. Die Antriebseinheit der
Schleifscheibe 5 umfasst üblicherweise eine Spindel mit einem Spindelstock und kann
längs und quer verfahrbar ausgebildet sein; fallweise ist die Spindel nicht verfahrbar,
sondern die Werkstücke werden bewegt, wobei ein Durchschleusen der Werkstücke durch
den Arbeitsraum 4 vorgesehen sein kann.
[0026] Ein Teil des Umfangs der Schleifscheibe 5 ist von einer Absaugvorrichtung 10 umgeben,
die eng am Umfang und den Seitenwänden der Schleifscheibe anliegt, ohne diese jedoch
zu berühren. Die Abstände zwischen den Wänden der Absaugvorrichtung 10 und der Schleifscheibe
sind möglichst knapp zu halten und liegen bevorzugt deutlich unter 1 mm. Die Kammer
innerhalb der Absaugvorrichtung, in die sich ein Umfangsbereich 5b der Schleifscheibe
5 erstreckt, wird mittels einer Vakuumquelle 8b evakuiert. Die Absaugvorrichtung 10
mit angeschlossener Vakuumquelle 8b kann alternativ oder zusätzlich zum Schleifscheibengehäuses
5a mit der Vakuumquelle 8a vorgesehen sein, um nur im Bereich der Berührung S des
Werkstückes 7 mit der Schleifscheibe 5 ein (zusätzliches) Vakuum anzulegen. Durch
das Dichtschließen der Abdeckung 3 ist es möglich, im Arbeitsbereich 4 beispielsweise
durch entsprechende Anordnung zumindest einer Vakuumquelle 8 zusätzlich einen Unterdruck
zu erzeugen. Durch diese Maßnahmen kann ein mehrstufiges Vakuum erzeugt werden, wobei
das Vakuum umso stärker ausgeprägt ist, je kleiner der zu evakuierende Raum ist. D.h.
in der Absaugvorrichtung 10 wird der geringste Druck herrschen, gefolgt vom Schleifscheibengehäuse
5a (falls vorgesehen), gefolgt vom Arbeitsraum 4.
[0027] Das am Umfangsbereich 5b der Schleifscheibe 5 erzeugte Vakuum kann unterhalb von
1 bar liegen, bzw. annähernd ein Vakuum sein und bietet mehrere Vorteile: einerseits
entfällt bei Außen-Kühlung das Problem des Luftfilms, wodurch sich ein höherer Wirkungsrad
des gesamten Kühlprozesses ergibt.
[0028] Für die Evakuierung des Arbeitsraums 4 und das optionale Vorsehen des Schleifscheibengehäuses
5a sprechen, dass damit eine Verpuffung beim Bersten des CFK-Grundkörpers der Schleifscheibe
5 verhindert werden kann und allgemein die Erwärmung von Werkstück und Schleifscheibe
aufgrund der Luftreibung wesentlich reduziert wird. Die Geräuschentwicklung beim Überfahren
der Schallgrenze bei einer entsprechenden Umfangsgeschwindigkeit der Schleifscheibe
5 entfällt ebenfalls. Insgesamt kann sogar der gesamte Kühlvorgang bis hin zum Entfall
der Kühlung bei extrem hohen Umfangsgeschwindigkeiten (≈ 500m/s) reduziert werden.
[0029] Die Schleifscheibe 5 mit aufgesetzter Absaugvorrichtung 10 ist in den Figuren 2A
und 2B in einer stark schematisierten Ansicht dargestellt und wird im folgenden erläutert:
Die perspektivische Darstellung von Fig. 2A zeigt am besten, dass die Absaugvorrichtung
10 in der Art eines Schuhs auf die Schleifscheibe 5 aufgesetzt ist, wobei die Absaugvorrichtung
einen Stutzen zur Verbindung mit einer Vakuumquelle 8b aufweist. Die Absaugvorrichtung
10 kann auch als Schuhkammer oder Kammerdüse bezeichnet werden. Aus der geschnittenen
Seitenansicht von Fig. 2B wird deutlich, dass die Absaugvorrichtung im Inneren eine
evakuierbare Kammer aufweist, in die der Umfangsbereich 5b der Schleifscheibe 5 ragt.
Weiters erfolgt durch die Kammer eine Zufuhr von Kühlmittel K auf den Schleifscheibenumfang
5b am kammerausgangsseitigen Bereich. Im Evakuierungszustand sorgt die Absaugvorrichtung
10 dafür, dass sich ein Luftmantel L, der sich um die Schleifscheibe im Betriebszustand
aufbaut, bis zur Berührungsstelle S mit dem Werkstück 7 fortsetzt. Vielmehr wird der
Luftrmantel L einerseits von der Außenwand der Absaugvorrichtung abgelenkt und zusätzlich
im Kammerinneren von der Absaugvorrichtung 10 weggesaugt, wodurch auch das Kühlmittel
K unter Vakuumbedingungen auf die Schleifscheibe 5 kontinuierlich aufgebracht wird.
[0030] Die Bearbeitung eines Werkstückes erfolgt dabei vorzugsweise folgendermaßen:
Es werden entweder
- ein zu bearbeitendes Werkstück 7 und eine Schleifscheibe 5, von der ein Teil 5b mittels
der Absaugvorrichtung 10 evakuierbar ist,
oder
- ein zu bearbeitendes Werkstück 7 und eine Schleifscheibe 5 in das Schleifscheibengehäuse
5a eingebracht, in dem mittels der zumindest einen Vakuumquelle 8a ein Unterdruck
bis zum Vakuum hergestellt wird,
oder
- ein zu bearbeitendes Werkstück 7 und eine Schleifscheibe 5, von der ein Teil 5b mittels
der Absaugvorrichtung 10 evakuierbar ist, in das Schleifscheibengehäuse 5a eingebracht,
in dem mittels der zumindest einen Vakuumquelle 8a ein Unterdruck bis zum Vakuum hergestellt
wird,
in den offenen Arbeitsraum 4 der Vorrichtung 1 eingebracht. Dann wird der Arbeitsraum
4 gegebenenfalls mittels der Abdeckung 3 geschlossen und gegebenenfalls mittels der
zumindest einen Vakuumquelle 8 ein Unterdruck bis zum Vakuum hergestellt. Nun kann
das Werkstück 7 in gewünschter Weise bearbeitet werden. Nach Beendigung der Bearbeitung
wird im Teil 5b der Schleifscheibe 5, der evakuierbar ist, und/oder im Schleifscheibengehäuse
5a und gegebenenfalls im Arbeitsraum 4 wieder der Umgebungsdruck hergestellt und nach
Öffnen der Abdeckung 3 das Werkstück 7 entnommen.
[0031] Alternativ und gegebenenfalls kann die Werkstückbearbeitungsvorrichtung 1 auch eine
zusätzliche Schleuse 9 umfassen, welche von außen zugänglich und mit dem Arbeitsraum
4 so verbunden ist, dass Werkstücke 7 ohne Aufhebung des Vakuums und erneutes Herstellen
eines Vakuums im Arbeitsraum 4 in diesen eingebracht und aus diesem entnommen werden
können.
[0032] Dies bietet sich vor allem für kleinere Werkstücke 7 in hohen Stückzahlen an. Das
Werkstück 7 wird dabei in die Schleuse 9 eingebracht und diese gegenüber der Umgebung
dicht verschlossen. Nach Öffnen einer Verbindung zum Arbeitsraum 4 wird das Werkstück
7 in diesen umgesetzt. Die Entnahme eines Werkstücks 7 aus dem Arbeitsraum 4 durch
die Schleuse 9 erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Es ist auch ein kontinuierliches
Durchlaufen mehrerer Werkstücke 7 hintereinander, beispielsweise auf einem Zuführband,
durch die Schleuse 9 möglich.
1. Vorrichtung (1) zur Bearbeitung von Werkstoffen, insbesondere zum Schleifen, umfassend
ein Gehäuse (2), einen Arbeitsraum (4), welcher gegebenenfalls durch eine Abdeckung
(3) abdeckbar ist, und eine in dem Arbeitsraum (4) angeordnete Schleifscheibe (5),
dadurch gekennzeichnet, dass
- entweder ein Teil (5b) der Schleifscheibe mittels einer Absaugvorrichtung (10) gegenüber
einer Umgebung im Wesentlichen abgedichtet und durch zumindest eine Vakuumquelle (8b)
evakuierbar ist,
und/oder
- ein Schleifscheibengehäuse (5a), in dem die Schleifscheibe (5) und das Werkstück
(7) zumindest teilweise angeordnet sind, gegenüber einer Umgebung abgedichtet und
durch zumindest eine Vakuumquelle (8a) evakuierbar ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Arbeitsraum (4) durch die Abdeckung (3) gegenüber einer Umgebung abdichtbar und
durch zumindest eine Vakuumquelle (8) evakuierbar ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine mit dem Arbeitsraum (4) verbindbare von außen zugängliche, dicht verschließbare
Schleuse (9) vorgesehen ist.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Schleifscheibe (5) zumindest teilweise aus einem Verbundwerkstoff, z.B. CFK-Werkstoff,
besteht.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Schleifscheibe (5) drehbar auf einer Welle (6) gelagert ist, wobei die Welle
(6) durch eine Antriebsvorrichtung so antreibbar ist, dass die Umfangsgeschwindigkeit
der Schleifscheibe (5) über 200 m/s, insbesondere über 330 m/s, vorzugsweise über
450 m/s liegt.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck am evakuierten Teil (5b) der Schleifscheibe (5), und/oder im Schleifscheibengehäuse
(5a) und gegebenenfalls im Arbeitsraum (4) zwischen p < 1 bar und p ≈ 0 bar beträgt.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck ab einer Umfangsgeschwindigkeit der Schleifscheibe (5) von über 200 m/s
dergestalt reduzierbar ist, dass mit steigender Umfangsgeschwindigkeit der Schleifscheibe
(5) der Druck sinkt.
8. Verfahren zum Betrieb einer Vorrichtung (1) zur Bearbeitung von Werkstoffen, insbesondere
zum Schleifen, wobei die Vorrichtung (1) ein Gehäuse (2), einen Arbeitsraum (4) und
eine in dem Arbeitsraum (4) angeordnete Schleifscheibe (5) umfasst, wobei der Arbeitsraum
(4) gegebenenfalls durch die Abdeckung (3) gegenüber einer Umgebung abdichtbar und
durch zumindest eine Vakuumquelle (8) evakuierbar ist,
dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren die folgenden Verfahrensschritte umfasst:
- Einbringen eines Werkstückes (7) und einer Schleifscheibe (5) in den offenen Arbeitsraum
(4), oder in ein im Arbeitsraum (4) angeordnetes Schleifscheibengehäuse (5a), das
abdichtbar und mittels zumindest einer Vakuumquelle (8a) evakuierbar ist,
- Evakuieren zumindest eines Teils (5b) der Schleifscheibe (5) durch Evakuieren einer
den Teil (5) der Schleifscheibe (5) aufnehmenden Absaugvorrichtung (10) und/oder durch
Evakuieren des Schleifscheibengehäuses (5a),
- Bearbeiten des Werkstücks (7),
- Einstellen des Umgebungsdrucks an jenem Teil (5b) der Schleifscheibe (5), der evakuiert
ist, und/oder im Schleifscheibengehäuses (5a)
- Entnehmen des Werkstücks (7), gegebenenfalls nach Öffnung des Schleifscheibengehäuses
(5a) und gegebenenfalls nach Öffnen der Abdeckung (3).
9. Verfahren nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren zusätzlich die folgenden Verfahrensschritte umfasst:
- Schließen der Abdeckung (3) und Evakuieren des Arbeitsraums (4) vor der Bearbeitung
des Werkstücks (7), und
- Einstellen des Umgebungsdrucks im Arbeitsraum (4) nach der Bearbeitung des Werkstücks
(4).
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren weiters die folgenden Verfahrensschritte umfasst:
- Einbringen eines Werkstücks (4) in die Schleuse (9) statt in den Arbeitsraum (4),
- Umsetzen des Werkstücks (4) aus der Schleuse (9) in den teilweise oder ganz evakuierten
Arbeitsraum (4),
- Bearbeiten des Werkstücks (4),
- Umsetzen des Werkstücks (4) nach erfolgter Bearbeitung aus dem Arbeitsraum (4) in
die Schleuse (9), und
- Entnehmen des Werkstücks (4) aus der Schleuse (9).
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Evakuieren des Arbeitsraumes (4) ab einer Umfangsgeschwindigkeit der Schleifscheibe
(5) von mehr als 200 m/s beginnt.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Schleifscheibe mit einer Umfangsgeschwindigkeit von mehr als 200 m/s, insbesondere
330 m/s, vorzugsweise mehr als 450 m/s gedreht wird.