[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Trink- oder Brauchwassersystem mit einer Übergabestelle
aus einem öffentlichen Versorgungsnetz und wenigstens einer Versorgungsleitung für
die Zuleitung von Wasser und wenigstens einer Ringleitung, die zu wenigstens einem
Verbraucher führt. Diese Ringleitung ist über Ein- bzw. Ausfädelöffnungen an die Versorgungsleitung
angeschlossen, wobei in der Versorgungsleitung zwischen der Aus- und Einfädelöffnung
eine Querschnittsverengung vorgesehen ist. Die Querschnittsverengung ist derart ausgestaltet,
dass bei Durchströmung der Versorgungsleitung in der Ringleitung eine Durchströmung
bewirkt wird, und zwar aufgrund des Venturi-Effekts.
[0002] Das Trink- oder Brauchwassersystem nach der vorliegenden Erfindung kann ein Kalt-
oder ein Warmwassersystem sein. Moderne Warmwassersysteme werden mit einer Zirkulation
ausgebildet, die dafür Sorge trägt, dass von einer Heizvorrichtung erwärmtes Brauchwasser
kontinuierlich in den zu dem Verbraucher führenden Leitungen umgewälzt wird, so dass
bei einer Wasserentnahme am Verbraucher umgehend Warmwasser abgegeben wird und eine
Verkeimung des Systems zum Beispiel durch Legionellen vermieden wird. Die Zirkulation
verhindert ein Erkalten von in der Leitung stehendem Brauchwasser. Bei Warmwasserzirkulationssystemen
ist die von dem Verbraucher wegführende und diese mit der Heizvorrichtung bzw. einem
Boiler der Heizvorrichtung verbindende Zirkulationsleitung mit einem kleineren Durchmesser
als die Zuführleitung ausgebildet. Der Grund hierfür liegt darin begrün-. det, dass
durch die Zuführleitung als Verbrauchsleitung ein hoher Volumenstrom bei Wasserentnahme
hindurchfließen muss, wohingegen in der Zirkulationsleitung lediglich eine solche
Strömung geführt werden muss, die einen ständigen Austausch des Warmwassers in den
Leitungen des Warmwassersystems gewährleistet.
[0003] Ein gattungsgemäßes Trink- oder Brauchwassersystem ist beispielsweise aus der
DE 10 2006 017 807 der vorliegenden Anmelderin bekannt. Bei diesem Stand der Technik gehen mehrere Ringleitungen
von einer Versorgungsleitung ab, die unter Zwischenschaltung eines motorgetriebenen
Ventils mit einer Spülleitung kommuniziert, die zu einer Abgabestelle an die Schmutzwasserleitung
führt. Durch diese Ausgestaltung ist es möglich, eine Versorgungsleitung zu spülen,
um dort stehendes Wasser abzuführen.
[0004] Auch bei diesem vorbekannten Trink- oder Brauchwassersystem sind die zu der Einfädelöffnung
führenden Leitungsabschnitte der Ringleitung mit geringerem Durchmesser ausgebildet,
so dass bei einer Strömung in der Versorgungsleitung sich jeweils eine wenn auch geringe
Durchströmung in den daran angeschlossenen Ringleitungen ergibt.
[0005] Davon ausgehend ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Trink- oder Brauchwassersystem
der eingangs genannten Art anzugeben, welche sich wirtschaftlicher herstellen lässt.
[0006] Zur Lösung dieses Problems wird mit der vorliegenden Erfindung ein Trink- oder Brauchwassersystem
mit den Merkmalen von Anspruch 1 vorgeschlagen. Dieses unterscheidet sich dadurch
von dem gattungsbildenden Stand der Technik, dass ein der Ausfädelöffnung nachgeordneter
und zu einem Verbraucher führender Ringleitungsabschnitt sowie ein von einem Verbraucher
abgehender und zu der Einfädelöffnung führender Ringleitungsabschnitt der Ringleitung
als Zuführleitung ausgelegt sind.
[0007] Die vorliegende Erfindung schafft die Möglichkeit, sowohl über die Einfädelöffnung
als auch über die Ausfädelöffnung eine Verbrauchsströmung zu dem entsprechenden Verbraucher
zu bewirken. Auf eine gesonderte Spül- bzw. Rückführleitung mit geringerem Durchmesser
wird verzichtet. Beide von der Versorgungsleitung abgehenden und zu einem Versorger
führende Ringleitungsabschnitte sind als Zuführleitungen ausgelegt und erlauben daher
eine Zufuhr der erforderlichen Brauchwassermenge bei Entnahme an dem Verbraucher.
Die auf die Anmelderin ebenfalls zurückgehende
DE 20 2008 003 044 offenbart zwar eine Armatur, die einen Rohrleitungsabschnitt der Versorgungsleitung
bildet und die eine Durchströmung einer daran angeschlossenen Ringleitung unabhängig
von der Durchströmungsrichtung in der Versorgungsleitung bewirkt. Gegenstand dieser
früheren Anmeldung der vorliegenden Anmelderin ist aber nicht die Dimensionierung
der Ringleitungsabschnitte der Ringleitung dahingehend, dass von der aus hydrodynamischer
Sicht zu bevorzugenden Auslegung der Ringleitung mit einer Zuführleitung mit einem
relativ großen Durchmesser und einer Rückführleitung mit kleinem Durchmesser abgesehen
werden kann.
[0008] Im Gegensatz zum Stand der Technik, bei dem zwischen der Zuführleitung und der Rückführleitung
wenigstens zwei Rohrleitungsdimensionssprünge verwirklicht sind und bei der die Zuführleitung
beispielsweise mit DN20 relativ groß ausgestaltet ist, können mit der vorliegenden
Erfindung die Ringleitung aus Rohrleitungsabschnitten identischer Nenndurchmesser
oder nahezu identischer und relativ kleinem Nenndurchmesser gebildet werden. Eine
nahezu identischer Nenndurchmesser liegt vorliegend vor, wenn sich die Leitungen lediglich
um einen Sprung der Rohrleitungsdimension unterscheiden.
[0009] Durch die Wahl unterschiedlicher Nenndurchmesser kann dem Umstand Rechnung getragen
werden, dass ein Ringleitungsabschnitt, nämlich üblicherweise der von der Ausfädelöffnung
abgehende Rohrleitungsabschnitt, üblicherweise als Zuführleitung wirkt, wohingegen
der zu der Einfädelöffnung führende Ringleitungsabschnitt mit einem nur geringfügig
kleineren Nenndurchmesser ausgebildet werden kann, da dieser in der Regel als Rückführung
der Strömung in der Ringleitung in die Versorgungsleitung dient.
[0010] Bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0011] Die vorliegende Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen in Verbindung
mit der Zeichnung näher erläutert. In dieser zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung eines ersten Ausführungsbeispiels;
- Figur 2
- eine schematische Darstellung einer Ringleitung;
- Figur 3
- eine schematische Darstellung eines Kaltwassersystems;
- Figur 4
- eine weitere schematische Darstellung eines Kaltwassersystems;
- Figur 5
- eine schematische Darstellung einer Warmwasserleitung;
- Figur 6
- eine schematische Darstellung eines Warmwassersystems mit einer Warm- wasserhauptleitung;
- Figur 7
- einen schematischen Aufbau gemäß Figur 5 und
- Figur 8
- eine schematische Darstellung eines Warmwassersystems.
[0012] Figur 1 zeigt eine schematische Ansicht eines ersten Ausführungsbeispiels eines Trink-
und Brauchwassersystems mit einer Versorgungsleitung 1, die an eine nicht dargestellte
Übergabestelle für Brauchwasser aus einem öffentlichen Versorgungsnetz angeschlossen
ist, gegebenenfalls unter Zwischenschaltung einer Einrichtung zum Erwärmen des Brauchwassers.
Hierbei kann es sich um einen Wärmetauscher einer Heizung handeln. In einem Warmwassemetz
kann auch ein Boiler in an sich bekannter Weise integriert sein.
[0013] Bei dem in Figur 1 gezeigten Ausführungsbeispiel handelt es sich um Kaltwassemetz.
Dementsprechend kommuniziert die Versorgungsleitung 1 unter Zwischenschaltung eines
üblichen Wasserzählers und eines Filters mit der Übergabestelle für Kaltwasser aus
dem öffentlichen Versorgungsnetz. An die Versorgungsleitung 1 können eine Vielzahl
von Ringleitungen angeschlossen sein, wobei sich der in Figur 1 gezeigte Ausschnitt
auf die Darstellung einer Ringleitung 2 beschränkt. Diese Ringleitung 2 ist über eine
Anschlussarmatur 3 an die Versorgungsleitung angeschlossen. Die Anschlussarmatur 3
umfasst eine Ausfädelöffnung 3a und eine Einfädelöffnung 3b und einen dazwischen angeordneten
Strömungswiderstand. Diese Anordnung von Einfädelöffnung 3b und Ausfädelöffnung 3a
mit dazwischen angeordneten Strömungswiderstand ist derart ausgebildet, dass bei einer
Durchströmung der Versorgungsleitung 1 in der Ringleitung 2 eine Durchströmung nach
dem Venturi-Effekt bewirkt wird. Eine Strömung in der Versorgungsleitung 1 führt damit
zu einem Austausch des in der Ringleitung 2 stehenden Wassers.
[0014] An der Ringleitung 2 sind mehrere Verbraucher 4 angeschlossen. Zwischen der Ringleitung
2 und der Anschlussarmatur 3 befinden sich Absperrventile 5, über welche die jeweilige
Ringleitung 2 zu Wartungszwecken von der Versorgungsleitung 1 getrennt werden kann.
[0015] Bei dem in Figur 1 gezeigten Ausführungsbeispiel lässt sich die Ringleitung in verschiedene
Ringleitungsabschnitte unterteilen. So gibt es einen Ringleitungsabschnitt 6, der
der Ausfädelöffnung 3a nachgelagert ist und zu einem fernen Verbraucher 4d führt.
Der durch den ersten Ringleitungsabschnitt 6 gebildete Strömungsweg ist der längste
Strömungsweg zwischen einem Verbraucher, einem Absperrventil 5 respektive zwischen
der Versorgungsleitung 1 und dem entsprechenden Verbraucher 4d. Ein zweiter und mit
Bezugszeichen 7 gekennzeichneter Ringleitungsabschnitt verbindet das der Einfädelöffnung
3b zugeordnete Absperrventil 5 mit einem nahen Verbraucher 4a. Dieser zweite Ringleitungsabschnitt
7 bildet den kürzesten Strömungsweg innerhalb der Ringleitung 2 zwischen dem Absperrventil
5 respektive der Versorgungsleitung 1 und einem Verbraucher 4a. Weitere Ringleitungsabschnitte
8 verbinden die zuvor genannten Verbraucher 4a bzw. 4d mit weiteren Verbrauchern 4b,
4c.
[0016] Der erste Ringleitungsabschnitt 6 ist bei dem gezeigten Ausführungsbeispiel mit einem
Nenndurchmesser von DN15 ausgebildet. Die weiteren Ringleitungsabschnitte 8 und der
zweite Ringleitungsabschnitt 7 sind mit einem Nenndurchmesser DN 12 ausgebildet. Bei
dieser Fallgestaltung wird davon ausgegangen, dass Rohrleitungen zwischen einer Nenngröße
von DN 12 und einer Nenngröße von DN 15 nicht vorhanden sind. Beide Nenndurchmesser
sind geeignet, einen hinreichenden Volumenstrom an Brauchwasser zu den einzelnen Verbrauchern
4a bis 4d zu führen, sofern an den entsprechenden Verbrauchern 4a bis 4d Wasser entnommen
wird.
[0017] Bei der Anschlussarmatur 3 handelt es sich vorzugsweise um eine Anschlussarmatur,
welche Mittel zum variieren der Durchtrittsfläche in der Querschnittsverengung aufweist,
wodurch sich die über die Querschnittsverengung erreichbare Druckdifferenz dynamisch
verändern lässt, wie dies in der auf die Anmelderin zurückgehende
DE 20 2007 009 832 U1 offenbart ist, deren Offenbarungsgehalt insofern durch Bezugnahme in diese Anmeldung
einbezogen wird. Die dort offenbarte Anschlussarmatur soll im Folgenden als "dynamische
Anschlussarmatur" bezeichnet werden, da sich mit dieser das Verhältnis von Druckdifferenz
zu Durchflussmenge durch die Versorgungsleitung dahingehend verändern lässt, dass
auch bei relativ kleinen Durchflussmengen eine relativ hohe Druckdifferenz bewirkt
wird, welche zu einer Durchströmung der Ringleitung 2 führt.
[0018] Bei dem in Figur 1 gezeigten Ausführungsbeispiel wird beispielsweise bei Entnahme
von Brauchwasser an dem Verbraucher 4a das entsprechende Brauchwasser im Wesentlichen
über die Einfadelöffnung 3b zugeführt, wohingegen bei Entnahme an dem Verbraucher
4d das dort entnommene Wasser im Wesentlichen Ober die Ausfädelöffnung 3a zugeführt
wird. Üblicherweise wird bei einer Entnahme beidseitig durch die Ringleitung 2 Wasser
zu dem entsprechenden Verbraucher geführt. Substantielle Volumenströme durch beide
Ringleitungsabschnitte 6 bzw. 7, 8 stellen sich insbesondere bei einer Entnahme von
Wasser an dem Verbraucher 4b bzw. dem Verbraucher 4c ein. In diesem Fall wird das
Brauchwasser sowohl über die Ausfädelöffnung 3a als auch über die Einfädelöffnung
3b zugeführt. Durch entsprechende hydrodynamische Auslegung können die Leitungsquerschnitte
gegenüber einer konventionellen Ausgestaltung, bei der die Zuführung ausschließlich
über die Einfädelöffnung 3a erfolgt und die Einfädelöffnung 3b lediglich der Rückführung
der Durchströmung der Ringleitung 2 dient und daher die rückführende Leitung mit kleinerem
Durchmesser ausgebildet ist, verkleinert werden. Auch ist es möglich, die gesamte
Ringleitung 3 aus Leitungsabschnitten mit identischem oder nahezu identischem Nenndurchmesser
auszugestalten. Dadurch wird die Montage des Trink- bzw. Brauchwassersystems vereinfacht.
Des Weiteren werden Montagefehler weitestgehend ausgeschlossen. Insgesamt ist das
Rohrleitungsvolumen geringer als bei der konventionellen Installation. Dadurch ergeben
sich insbesondere auch bessere hygienische Verhältnisse.
[0019] Bei dem gemäß Figur 1 gezeigten Ausführungsbeispiel kann davon ausgegangen werden,
dass die Versorgungsleitung als Steigleitung mehrere Stockwerke eines Gebäudes durchsetzend
vorgesehen ist, wohingegen die in Figur 1 gezeigte Ringleitung die Nasszelle einer
Wohneinheit oder einer Wohneinheit insgesamt abbildet.
[0020] Dem gegenüber zeigt das in Figur 2 gezeigte Ausführungsbeispiel eine schematische
Ansicht einer Ringleitung 10, die als Steigrohrstrang ausgebildet ist und zwei sich
im Wesentlichen parallele Ringleitungsabschnitte umfasst, die als Steigrohre im Wesentlichen
parallel zueinander verlaufend ausgebildet und beispielsweise in einem Versorgungsschacht
eines Gebäudes vorgesehen sind. Jeder der Ringleitungsabschnitte 11, 12 hat mehrere
Anschlüsse 13 für nicht dargestellte Verbraucher, wobei zwischen den Verbrauchern
und den jeweiligen Anschlüssen 13 nahe an den Anschlüssen 13 Absperrventile 14 vorgesehen
sind. Die Ringleitung 10 geht auch bei diesem Ausführungsbeispiel von einer Anschlussarmatur
3 einer Versorgungsleitung 1 ab und ist über Absperrventile 5 an den jeweiligen Ein-
bzw. Ausfädelöffnungen 3b, 3a angeschlossen. Die Anschlüsse 13 sind jeweils in Höhenrichtung
abwechselnd an dem Abschnitt 11 und dem Abschnitt 12 ausgebildet.
[0021] Bei diesem Ausführungsbeispiel ist die übliche Hauptströmung in der Versorgungsleitung
mit einem Pfeil H gekennzeichnet. Bei dieser Durchströmung ergibt sich eine Zirkulation
der Ringleitung 10, wobei die Zirkulation an der Ausfädelöffnung 3a beginnt und über
die Rohrleitungsabschnitte 12, 11 zu der Einfädelöffnung 3b führt. Im Falle einer
Wasserentnahme durch den untersten Verbraucher an dem untersten Anschluss 13.1 wird
das entnommene Wasser fast überwiegend über die Ausfädelöffnung 3a zugeführt. Bei
einer Entnahme über dem darüberliegenden Anschluss 13.2 wird zumindest der Hauptteil
der Strömung über die Einfädelöffnung 3b zugeführt.
[0022] Die Figur 3 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Kaltwassersystems mit einer
Hauptleitung 20, die an einem Verteiler 21 mündet. Von dort gehen über Zwischenschaltung
von Ventilen 22, 23 Steigrohrstränge 24, 25 ab. Das Ventil 22 ist ein manuell zu betätigendes
Ventil zum Absperren des Steigrohrstranges 24; das Ventil 23 ist ein motorbetriebenes
Ventil zum Absperren des Steigrohrstranges 25 und zur Betätigung des Spülbetriebes
in Verbindung mit einem motorgesteuerten Spülventil 26, auf dessen Funktion später
eingegangen wird.
[0023] Bei dem in Figur 3 gezeigten Ausführungsbeispiel sei ein Gebäude mit drei Stockwerken
mit entsprechenden Stockwerkssträngen 27.1 bis 27.3 gezeigt. Die jeweiligen Stockwerksstränge
27 durchsetzen als Versorgungsleitung mehrere dynamische Anschlussarmaturen 3. In
jedem der Stockwerksstränge 27.1 bis 27.3 befindet sich ein motorgetriebenes Absperrventil
28.1 bis 28.3. Die jeweiligen Ringleitungen 2 sind lediglich mit ihren zugeordneten
Absperrventilen 5 dargestellt, wobei auf die Darstellung der Verbraucher zu diesen
Ringleitungen 2 verzichtet wurde. Es mag davon ausgegangen werden, dass jede der Ringleitungen
2 zu einer Nasszelle in einem Hotel oder einem Krankenhaus mit mehreren Kaltwasserverbrauchem
führt.
[0024] Die Stockwerksstränge 27.1 und 27.3 kommunizieren mit den beiden Steigrohrsträngen
24 und 25, wodurch eine Ringleitung gebildet ist, die in dem Verteiler 21 mündet.
[0025] Auf der dem Verteiler 21 abgewandten Seite des Strömungsweges in Bezug auf das Ventil
23 befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem motorgetriebenen Ventil 23
ein Abzweig 29, der zu einer Spülleitung 30 mit kleinerem Nenndurchmesser führt, die
über das motorgetriebene Spülventil 26 geöffnet und geschlossen werden kann. Diese
Spülleitung 30 mündet in ein Abwassersystem.
[0026] Beim üblichen Betrieb sind die jeweiligen motorgetriebenen Absperrventile 28 geöffnet.
Für den Fall, dass beispielsweise an der Ringleitung 2.1.1 ein Verbraucher geöffnet
wird, erfolgt die Versorgung dieses Verbrauchers mit Brauchwasser im Wesentlichen
über den Steigrohrstrang 24. Wird ein der Ringleitung 2.1.8 zugeordneter Verbraucher
geöffnet, erfolgt die Zufuhr von Brauchwasser über den Steigrohrstrang 25. Wird ein
Verbraucher, der den mittleren Ringleitungen 2.1.4 bzw. 2.1.5 zugeordnet ist, zur
Entnahme von Wasser genutzt, so fließt dieses nahezu zu gleichen Teilen durch die
Steigrohrstränge 24 und 25. Das entsprechende Mengenverhältnis der einzelnen Wasserströme
ändert sich mit zunehmendem Abstand von den entsprechenden Steigrohrsträngen. So wird
bei Entnahme aus der Ringleitung 2.1.2 der überwiegende Anteil des Brauchwassers über
den Steigrohrstrang 24 zugeführt, wogegen ein geringfügiger Anteil des Volumenstroms
aus dem Steigrohrstrang 25 gespeist wird.
[0027] Bei dem in Figur 3 dargestellten Ausführungsbeispiel sei davon ausgegangen, dass
wegen geringfügiger Belegung des Gebäudes ein Austausch von Wasser gewünscht ist,
welches in dem oberen Stockwerkstrang 27.3 und den zugehörigen Ringleitungen 2.3 steht.
In diesem Fall werden die motorgetriebenen Absperrventile 28.1 und 28.2 geschlossen.
Ebenfalls wird das Ventil 23 geschlossen. Durch Öffnen des Spülventils 26 wird Spülwasser
über den Steigrohrstrang 24 lediglich in den oberen Stockwerksstrang 27.3 gefördert
und fließt über den Abzweig 29 in die Spülleitung 30 und ins Abwasser. Eine Durchströmung
und damit ein unnötiger Verbrauch von Wasser in den anderen Stockwerkssträngen 27.1
und 27.2 wird vermieden.
[0028] Die Figur 4 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung anhand
eines Kaltwassersystems. Auch bei diesem Ausführungsbeispiel ist eine Hauptleitung
20 strömungsmäßig mit einem Verteiler 21 und über die bereits unter Bezugnahme auf
Figur 3 beschriebenen Ventile 22, 23 und 26 zum Absperren und Durchspülen von Strängen
24, 25 ausgestaltet. Der über das Ventil 22 angeschlossene Strang 24 weist eine Anschlussarmatur
3.1 in Form einer dynamischen Anschlussarmatur auf, der eine Ringleitung 2.1 mit dem
Strang 24 verbindet Der an das Ventil 23 angeschlossene Strang 25 kommuniziert mit
einer anderen Anschlussarmatur 3.2, die zu einer weiteren Ringleitung 2.2 führt. Die
Ringleitung 2.2 ist als Rohr-in-Rohr-System ausgebildet, bei welchem die hin- und
rückführenden Rohre der Ringleitung coaxial zueinander angeordnet sind. Die Stränge
24, 25 bilden eine Versorgungsleitung 1 in Form einer Ringleitung aus und treffen
sind an einem Wendepunkt W.
[0029] Bei Entnahme an einem Verbraucher der Ringleitung 2.2 erfolgt die Zufuhr von Wasser
überwiegend durch den Strang 25, bei einer Entnahme durch einen Verbraucher in der
Ringleitung 2.1 erfolgt die Zufuhr von Brauchwasser überwiegend über den Strang 24.
Auch hier kann durch Absperren des motorgetriebenen Ventils 23 und Öffnen des Spülventils
eine Spülströmung erzeugt werden. Die Spülleitung 30 hat auch bei diesem Ausführungsbeispiel
einen geringeren Nenndurchmesser als der Strang 24 bzw. der Strang 25. Beide Stränge
haben bei dem gezeigten Ausführungsbeispiel identische Nenndurchmesser.
[0030] Die Figur 5 zeigt ein Ausführungsbeispiel am Beispiel einer Warmwasserleitung. Das
Ausführungsbeispiel entspricht im Wesentlichen dem in Figur 2 gezeigten, lediglich
mit dem Unterschied, dass die Versorgungsleitung 1 mit einer schematisch dargestellten
Pumpe 31 versehen ist, um in dieser Versorgungsleitung eine Zwangsströmung zu erreichen.
[0031] Hinsichtlich der Funktion und der Ausgestaltung des in Figur 5 gezeigten Ausführungsbeispiels
kann ansonsten auf Figur 2 verwiesen werden. Ergänzend sei noch darauf verwiesen,
dass aufgrund der Pumpe 31 eine Zwangsströmung in der Versorgungsleitung 1 von rechts
nach links bewirkt wird, die zu einer Zwangsdurchströmung der Ringleitung 10 führt.
Bei einer Entnahme an einem Verbraucher, der über den Anschluss 13.2 angeschlossen
ist, kehrt sich diese Strömung um. Das an dem Verbraucher entnommene Wasser wird überwiegend
über die Einfädelöffnung 3e von der Versorgungsleitung 1 entnommen.
[0032] Die Figur 6 zeigt ein Ausführungsbeispiel eines Warmwassersystems mit einer Warmwasserhauptleitung
40 und einem Warmwasserverteiler 41, von dem über entsprechende Absperrventile 42,
43 Warmwasserstränge 44, 45 abgehen. Der Anschluss von Ringleitungen 2 an diese Stränge
44, 45 entspricht dem unter Bezugnahme auf Figur 4 beschriebenen Ausführungsbeispiel.
Auch dort sind als Anschlussarmatur drei dynamische Anschlussarmaturen gemäß
DE 20 2007 009 823 U1 verwirklicht.
[0033] Allerdings hat das in Figur 6 gezeigte Ausführungsbeispiel als Warmwassersystem eine
über ein Zirkulationszuflussventil 46 an den Verteiler 41 angeschlossene Pumpe 31,
die eine Zirkulationszuflussleitung 47 speist, die in den Strang 44 mündet. Die Zirkulationszuflussleitung
50 sowie die beiden Stränge 44, 45 sind jeweils mit Rückflussverhinderem 48 ausgestattet,
die einen Rückfluss von Wasser in Richtung auf den Verteiler 41 verhindern. Ein entsprechender
Rückflussverhinderer 48 ist in einer Zirkulationsrückflussleitung 50 eingebaut, die
unter Zwischenschaltung eines Ventils 51 zu einer Heizvorrichtung bzw. einem Boiler
führt.
[0034] Wird bei dem in Figur 6 gezeigten Ausführungsbeispiel kein Warmwasser entnommen,
so fördert die Zirkulationspumpe 31 Warmwasser in den Strang 44, welches zunächst
über den Strang 45 zurückgeführt wird. Aufgrund des Rückflussverhinderers 48 wird
dieser Zirkulationsstrom über den Abzweig 49 in die Zirkulationsrückflussleitung 50
überfährt. Diese Zirkulation führt auch zu einer Durchströmung der Ringleitungen 2.
[0035] Bei Entnahme von Brauchwasser, beispielsweise über die Ringleitung 2.1, wird Wasser
über den Strang 44 zugeführt. Bei Entnahme an einem Verbraucher der Ringleitung 2.2
erfolgt die überwiegende Entnahme über den Strang 45.
[0036] Die Figur 7 zeigt einen Aufbau im Wesentlichen entsprechend dem in Figur 6 gezeigten
Aufbau mit jeweils zwei Verteilern 21 und 22 und zwei Ästen mit Strängen 24, 25. Zur
Vermeidung von unerwünschtem Rückfluss sind des Weiteren Rückflussverhinderer 48 benachbart
zu den Ventilen 22, 23, 26 vorgesehen. Die in den Strängen 24, 25 vorgesehenen Rückflussverhinderer
48 verhindern einen Rückfluss in den Verteiler 21; der dem Spülventil 26 zugeordnete
Rückflussverhinderer verhindert einen Rückfluss in den Strang 25. In jedem der Stränge
24 bzw. 25 sind jeweils mehrere Anschlussarmaturen 3 mit zugeordneten Ringleitungen
2 angeschlossen.
[0037] Ein dem Ausführungsbeispiel 7 entsprechendes Ausführungsbeispiel für ein Warmwassersystem
ist in Figur 8 gezeigt. Das gezeigte Ausführungsbeispiel entspricht im Wesentlichen
der Darstellung in Figur 6. Insofern kann auf die dortige Beschreibung verwiesen werden.
Identische Bauteile sind mit identischen Bezugszeichen gekennzeichnet.
[0038] Bei den in den Figuren 7 und 8 gezeigten Ausführungsbeispielen wird beispielsweise
eine Entnahme über die Ringleitung 2.1 zu einer Zufuhr von Brauchwasser nahezu ausschließlich
oder ausschließlich über den Strang 24 bzw. 44, wohingegen bei einer Entnahme an der
Ringleitung 2.2 das entsprechende Brauchwasser nahezu ausschließlich über den Strang
25 bzw. 45 erfolgt.
Bezugszeichenliste
[0039]
- 1
- Versorgungsleitung
- 2
- Ringleitung
- 3
- Anschlussarmatur
- 3a
- Einfädelöffnung
- 3b
- Ausfädelöffnung
- 4
- Verbraucher
- 5
- Absperrventil
- 6
- erster Ringleitungsabschnitt
- 7
- zweiter Ringleitungsabschnitt
- 8
- weitere Ringleitungsabschnitte
- 10
- Ringleitung
- 11
- Ringleitungsabschnitt
- 12
- Ringleitungsabschnitt
- 13
- Anschluss
- 14
- Absperrventil
- 20
- Hauptleitung (Kaltwasser)
- 21
- Verteiler
- 22
- Ventil
- 23
- Ventil
- 24
- Steigrohrstrang/Strang
- 25
- Steigrohrstrang/Strang
- 26
- Spülventil
- 27.1 - 27.3
- Stockwerksstränge
- 28.1 - 28.3
- Absperrventile
- 29
- Abzweig
- 30
- Spülleitung
- 31
- Pumpe
- 40
- Hauptleitung (Warmwasser)
- 41
- Verteiler
- 42
- Ventil
- 43
- Ventil
- 44
- Strang
- 45
- Strang
- 46
- Zirkulationszuflussventil
- 47
- Zirkulationszuflussleitung
- 48
- Rückflussverhinderer
- 49
- Abzweig
- 50
- Zirkulationsrückflussleitung
- 51
- Ventil
- H
- Hauptströmungsrichtung
- W
- Wendepunkt
1. Trink- oder Brauchwassersystem mit einer Übergabestelle aus einem öffentlichen Versorgungsnetz
und wenigstens einer Versorgungsleitung (1) für die Zuleitung von Wasser und wenigstens
einer zu wenigstens einem Verbraucher (4) führenden Ringleitung (2), die über eine
Ausfädelöffnung (3a) und eine Einfädelöffnung (3b) an die Versorgungsleitung (1) angeschlossen
ist, wobei zwischen der Ausfädelöffnung (3a) und der Einfädelöffnung (3b) in der Versorgungsleitung
(1) eine Querschnittsverengung vorgesehen ist, so das bei Durchströmung des Versorgungsleitung
(1) in der Ringleitung (2) eine Durchströmung bewirkt wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein von der Ausfädelöffnung (3a) nachgeordneter und zu einem Verbraucher (4) führender
Ringleitungsabschnitt (6) und ein zu der Einfädelöffnung (3b) führender Ringleitungsabschnitt
(7, 8) der Ringleitung (2; 10) und von einem Verbraucher (4) abgehender Ringleitungsabschnitt
(7, 9) der Ringleitung (2, 10) als Zuführleitung ausgelegt sind.
2. Trink- oder Brauchwassersystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein zu einem am weitesten von der Versorgungsleitung (1) entfernt angeordneten Verbraucher
(4) führender längerer Ringleitungsabschnitt (6) eine größere Nennweite hat, als ein
kürzerer Ringleitungsabschnitt (7), der einen dem Versorgungsstrang (1) nahen Verbraucher
(4a) mit der Versorgungsleitung (1) verbindet.
3. Trink- oder Brauchwassersystem nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der längere Ringleitungsabschnitt (6) eine um einen Durchmessersprung größere Nennweite
als der kürzere Ringleitungsabschnitt (7, 8) hat.
4. Trink- oder Brauchwassersystem nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass in der Ringleitung 2 zwischen dem der Versorgungsleitung (1) nahen Verbraucher (4a)
und dem der Versorgungsleitung (1) fernen Verbraucher (4d) weitere Verbraucher (4b,
4c) zwischengeschaltet sind, wobei ein die zwischengeschalteten Verbraucher (4b, 4c)
verbindender Ringleitungsabschnitt (8) eine dem kürzeren Ringleitungsabschnitt (7)
entsprechende Nennweite hat.
5. Trink- oder Brauchwassersystem nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Ringleitung als Stockwerks- oder Steigrohrstrang (10) ausgebildet ist, wobei
die zu dem einen Wendepunkt der Ringleitung ausmachende Strangabschnitt führende Ringleitungsabschnitte
(10, 11) in wechselnder Reihenfolge zueinander einen den Verbraucher mit der Ringleitung
verbindenden Anschluss (13) aufweisen.
6. Trink- oder Brauchwassersystem nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Versorgungsleitung (24, 25) als Ringleitung ausgebildet, wobei die die Versorgungsleitung
ausmachenden Ringleitungsabschnitte als Trink- oder Brauchwasserzuführleitung ausgelegt
sind und eine Spül oder Zirkulationsleitung (30) von der Versorgungsleitung (1, 24,
25) abzweigt.
7. Trink- oder Brauchwassersystem nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass an die Versorgungsleitung (1) wenigstens zwei über jeweils eine Anschlussarmatur
(3) angeschlossene Ringleitungen (2) vorgesehen sind, und dass sich die Ringleitungsabschnitte
(1, 24, 25) der Versorgungsleitung (1) in einem Wendepunkt (W) treffen, wobei jeder
Ringleitungsabschnitt wenigstens eine Anschlussarmatur (3) mit der Versorgungsleitung
(1) verbindet
8. Trink- oder Brauchwassersystem nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass an jeden Ringleitungsabschnitt (24, 25) der Versorgungsleitung (1) mehrere zu jeweils
einer Ringleitung (2) mit Verbraucher führende Anschlussarmaturen (3) vorgesehen sind,
wobei die Anschlussarmaturen (3) in vertikaler oder horizontaler Erstreckungsrichtung
der Ringleitungsabschnitte (24, 25) der Versorgungsleitung in wechselnder Reihenfolge
angeordnet sind.
9. Trink- oder Brauchwassersystem nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine über die Anschlussarmatur an die Versorgungsleitung angeschlossene
Ringleitung (2.2) als Rohr-in-Rohr-System ausgebildet ist.