Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft eine Abbrandkontaktanordnung für einen Leistungsschalter sowie
einen Leistungsschalter, der eine solche Abbrandkontaktanordnung umfasst. Leistungsschalter
der beschriebenen Art werden im Hoch- und Mittelspannungsbereich von Stromverteilungsanlagen
eingesetzt.
Stand der Technik
[0002] Bekannte Abbrandkontaktanordnungen zeigen oft beim kapazitiven Schalten vor allem
von kleinen Strömen, also etwa beim Abschalten einer Kondensatorbank, ein unbefriedigendes
Schaltverhalten. Wegen der Phasenverschiebung von 90° zwischen Strom und Spannung
tritt ca. eine halbe Periode nach Unterbrechung des Stromes im Stromnulldurchgang
eine dem Doppelten der Netzspannung entsprechende Spannung zwischen den Kontaktstücken
auf. Zu diesem Zeitpunkt ist gewöhnlich der Abstand zwischen den Kontaktstücken noch
verhältnismässig klein und, da sich im Lichtbogenraum ein Überdruck aufgebaut hat,
der eine sehr schnelle Strömung um die Spitze des Kontaktstiftes erzeugt, ist auch
die dielektrische Festigkeit in diesem Bereich wegen der verminderten Gasdichte stark
herabgesetzt. Dies kann leicht zu Rückzündung führen.
[0003] Es sind verschiedene Abbrandkontaktanordnungen bekannt, bei denen versucht wurde,
dem entgegenzuwirken. So ist etwa in
EP 1 306 868 A1 eine Abbrandkontaktanordnung beschrieben, bei welcher ein Kontaktrohr mit einer dünneren
Spitze eines Kontaktstiftes zusammenwirkt, die von einem das Engnis einer Düse im
wesentlichen ausfüllenden dickeren Schaft getragen wird. Dadurch wird ein sofortiges
Abfliessen von unter Überdruck stehendem Gas aus einem das Ende des Kontaktrohres
umgebenden Lichtbogenraum durch die Düse hindurch verhindert. Doch muss die Düse ziemlich
lang sein, damit das Engnis erst frei wird, wenn der Abstand zwischen der Spitze des
Kontaktstiftes und dem Kontaktrohr so gross ist, dass eine Rückzündung nicht mehr
zu befürchten ist.
[0004] Aus
US 4 939 322 A, Fig. 10 ist eine gattungsgemässe Kontaktanordnung bekannt, bei welcher der Schaltstift
eine kreisringförmige Platte trägt, die in der Einschaltstellung knapp hinter dem
Engnis der Düse liegt und einen Anschlussraum, der auf das Engnis folgt, zylindrisch
ist und am dem Engnis abgewandten Ende offen ist, verdämmt. Die Platte staut das Gas
zurück und verhindert dadurch, dass das unter Überdruck stehende Gas schlagartig am
Schaltstift vorbei aus dem Lichtbogenraum abfliesst, sobald der Schaltstift das Engnis
freigibt. Das Gas kann erst abströmen, wenn die Platte ganz aus dem Anschlussraum
zurückgezogen ist. Zu diesem Zeitpunkt ist der Abstand zwischen den Kontaktstücken
bereits so gross, dass keine Gefahr einer Rückzündung mehr besteht.
[0005] Diese Abbrandkontaktanordnung hat jedoch den Nachteil, dass der Anschlussraum und
damit wiederum die Düse, die sowohl diesen als auch das Engnis bildet, verhältnismässig
lang sein muss, damit die Abströmung des Gases nicht zu früh einsetzt. Ausserdem ist
der zwischen dem Engnis und der Platte liegende Teil des Anschlussraums schon bei
der Trennung des Kontaktstiftes vom Kontaktrohr verhältnismässig gross und vergrössert
sich zwangsläufig linear mit dem Abstand zwischen den Kontaktstücken, sodass eine
zwar verminderte, aber doch noch recht starke und nicht weiter beeinflussbare Strömung
vom Lichtbogenraum in den Anschlussraum austritt.
[0006] In der gleichen Schrift werden Lösungen vorgeschlagen, welche die gleichen Nachteile
haben. Insbesondere wird ein Schaltstift mit dünner Spitze und verdicktem Schaft offenbart,
der durch eine Düse mit ein oder mehreren Engnissen oder Engnisbereichen geführt wird,
wobei die Querschnitte der Engnisse und von Spitze bzw. Schaft so aufeinander abgestimmt
sind, dass innerhalb der Düse Löschgas zurückgestaut werden kann, bis der Kontaktstift
eine ausreichende Entfernung vom Kontaktrohr erreicht hat.
Darstellung der Erfindung
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, eine gattungsgemässe Abbrandkontaktanordnung
anzugeben, welche so gesteuert werden kann, dass sie vor allem beim kapazitiven Schalten
verhältnismässig kleiner Ströme ein besseres Schaltverhalten hat. Ausserdem soll ein
Leistungsschalter angegeben werden, der die gleichen Vorteile aufweist.
[0008] Diese Aufgaben werden durch die Merkmale der unabhängigen Ansprüche gelöst. Die Abbrandkontaktanordnung
für einen Leistungsschalter ist zwischen einer Einschaltstellung und einer Ausschaltstellung
umstellbar und weist erfindungsgemäss auf: ein erstes Kontaktstück und ein zweites
Kontaktstück, welche in der Einschaltstellung miteinander in Kontakt sind, einen Lichtbogenraum,
eine Düse aus Isolierstoff, welche ein Engnis bildet, das bevorzugt das zweite Kontaktstück
in der Einschaltstellung umgibt, und mit einem auf das Engnis folgenden, an einem
dem Engnis abgewandten Ende offenen Anschlussraum, wobei ein gegenüber dem Anschlussraum
oder der Düse verschiebbares Gasrückstauelement vorhanden ist, welches in der Einschaltstellung
den Querschnitt des Anschlussraums einengt, und welches in der Ausschaltstellung den
Querschnitt des Anschlussraums weitgehend und bevorzugt vollständig freigibt, und
wobei eine Position des Gasrückstauelements im Anschlussraum unabhängig vom zweiten
Kontaktstück steuerbar ist.
[0009] Das erfindungsgemässe Gasrückstauelement verhindert, dass um die Spitze des Kontaktstiftes
eine schnelle Strömung mit Geschwindigkeiten einsetzt, die im Überschallbereich liegen
können, sobald der Kontaktstift zurückgezogen wird. Durch die unabhängig steuerbare
Positionierung des Gasrückstauelements im an das Düsenengnis anschliessenden Anschlussraum
wird dem Löschgas ein gewisses, einstellbares Volumen zur Verfügung gestellt und eine
massvolle, steuerbare Löschgasströmung zugelassen und zugleich ein zu grosser Druckabfall
und Dichteabfall des Löschgases verhindert.
[0010] Bevorzugt kann das Gasrückstauelement in der Einschaltstellung den Querschnitt des
Anschlussraums weitgehend und insbesondere vollständig blockieren oder verdämmen,
und/oder das Gasrückstauelement kann in der Ausschaltstellung den Querschnitt des
Anschlussraums vollständig freigeben.
[0011] In bevorzugten Ausführungsbeispielen ist das zweite Kontaktstück unabhängig vom Gasrückstauelement
verschiebbar, und/oder das Gasrückstauelement ist unabhängig vom zweiten Kontaktstück,
insbesondere gleich- oder entgegengerichtet zu diesem, verschiebbar. Auch kann eine
Position des Gasrückstauelements unabhängig von der Düse, insbesondere gleichgerichtet
und/oder entgegengerichtet zur Düse, bewegbar sein. Desweiteren kann das Gasrückstauelement
fest mit einem Gehäuse des Leistungsschalters verbunden sein.
[0012] Dadurch, dass die Bewegung des Gasrückstauelements oder Blockierelements nicht an
die des Kontaktstiftes gebunden ist, ist es auch möglich, den Anteil des Anschlussraums,
der zu einem bestimmten Zeitpunkt des Ausschaltvorganges - entsprechend einer bestimmten
Position des Kontaktstiftes gegenüber dem Kontaktrohr und der Düse - frei und welcher
durch das Blockierteil abgetrennt sein soll, zu steuern. Damit kann die Strömung vom
Lichtbogenraum in den Anschlussraum derart in Abhängigkeit vom Abstand zwischen den
Kontaktstücken beeinflusst werden, dass die Spannungsfestigkeit nie so weit sinkt,
dass eine Rückzündung eintreten könnte. Dies ist vor allem beim kapazitiven Schalten
ein entscheidender Vorteil, doch wirkt es sich auch beim Schalten grosser Ströme günstig
aus, bei dem sich wegen starker Rückheizung besonders schnelle Strömungen ausbilden
können.
[0013] Bevorzugt kann zur Begrenzung der Strömung das Volumen des freien Teils des Anschlussraums
später oder langsamer vergrössert werden als dies bei einer starren Kopplung des Blockierelements
an den Kontaktstift möglich wäre. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass der Anschlussraum
kürzer sein kann, was wiederum die Baulänge der Abbrandkontaktanordnung und des Leistungsschalters
verringert und Platz und Kosten spart.
[0014] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Leistungsschalter mit einer solchen
Abbrandkontaktanordung sowie ein Verfahren zur Stromunterbrechung mit einer solchen
Abbrandkontaktanordung, wobei ein Gasrückstau- oder Blockierelement im Anschlussraum
zwischen Düsenengnis und Auspuff vorhanden ist und während eines Schaltvorganges zumindest
zeitweise die Gasabströmung aus dem Düsenengnis behindert und dadurch die Dichte des
Löschgases in der Lichtbogenzone hochhält.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0015] Im folgenden wird die Erfindung anhand von Figuren näher erläutert, welche lediglich
Ausführungsbeispiele darstellen.
Es zeigen
- Fig. 1
- schematisch einen Längsschnitt durch einen Teil eines erfindungsgemässen Leistungsschalters
gemäss einer ersten Ausführungsform, oben in Einschaltstellung, unten in Ausschaltstellung,
- Fig. 2
- schematisch einen Längsschnitt durch einen Teil eines erfindungsgemässen Leistungsschalter
gemäss einer zweiten Ausführungsform in Ausschaltstellung,
- Fig. 3a-f
- mehrere aufeinanderfolgende bei einer Ausschaltung des Leistungsschalters gemäss Fig.
1 durchlaufene Stellungen desselben und
- Fig. 4
- zeitliche Verläufe mehrerer bei einer Ausschaltung wesentlicher Spannungen.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0016] Die Abbrandkontaktanordnung gemäß unabhängigem Anspruch 1 weist erfindungsgemäss
ein gegenüber dem Anschlussraum 7 oder der Düse 2 verschiebbares Gasrückstauelement
19 auf, welches den Querschnitt des Anschlussraums 7 einengt, z. B. indem es im Anschlussraum
eine flächenhafte Querschnittsverengung bildet, und welches in der Ausschaltstellung
den Querschnitt des Anschlussraums 7 freigibt, z. B. indem es ausserhalb des Anschlussraums
7 liegt. Die Merkmale aus den abhängigen Ansprüchen sind optional und kennzeichnen
in beliebiger Kombination bevorzugte Ausführungsbeispiele.
[0017] In Fig. 1 ist beispielhaft ein Teil eines Leistungsschalters dargestellt, welcher
eine zentrale Abbrandkontaktanordnung und eine mit dieser zusammenwirkende Druckerzeugungsvorrichtung
umfasst sowie eine äussere Nennstromkontaktanordnung. Teile des Leistungsschalters
sind nur soweit dargestellt, als sie für die Funktion der Abbrandkontaktanordnung
wesentlich sind.
[0018] Die Abbrandkontaktanordnung umfasst ein als im Endbereich geschlitztes Kontaktrohr
1 ausgebildetes erstes Kontaktstück, eine fest mit demselben verbundene Düse 2, welche
aus einem Isolierstoff besteht, sowie ein als Kontaktstift 3 ausgebildetes zweites
Kontaktstück. Ein Endbereich des Kontaktrohres 1 ist von einer Hülse 4 umgeben, welche
ebenfalls aus einem Isolierstoff besteht. Die Düse 2 bildet eine durchgehende zentrale
Öffnung, die einen Lichtbogenraum 5 umfasst, welcher sich beim Ausschalten zwischen
dem ersten Kontaktstück 1 und dem zweiten Kontaktstück 3 erstreckt und an welchen
ein zylindrisches Engnis 6 anschliesst. Auf der dem Lichtbogenraum 5 abgewandten Seite
des Engnisses 6 erweitert sich die Öffnung, eine typischerweise konische Übergangszone
bzw. Diffusor bildend, zu einem bevorzugt zylindrischen Anschlussraum 7 von grösserem
Durchmesser, der an dem entgegengesetzten, dem Engnis 6 abgewandten Ende offen ist,
indem die den Anschlussraum 7 umschliessende Wand wie dargestellt abbricht oder sich
ein weiterer Raum grösseren Querschnitts anschliesst.
[0019] Prinzipiell kann die Düse auch mehrere Engnisse aufweisen, wobei die Düse endseitig
wiederum in eine sich erweiternde Öffnung übergeht, welche eine Übergangszone bzw.
einen Enddiffusor oder Hauptdiffusor bildet, an den sich der Anschlussraum anschliesst.
Die Übergangszone ist typischerweise konisch ausgebildet, kann aber auch eine andere
Kontur aufweisen. Die Verdämmung durch das erfindungsgemässe Rückstauelement 19 zur
Rückstauung von Löschgas findet dabei hauptsächlich oder bevorzugt im Anschlussraum
7 statt, der vom Düsenengnis 6 durch den endseitigen Diffusor getrennt ist. Bauseitig
können Engnis 6 und Anschlussraum 7 aus dem selben Material und insbesondere einstückig
sein. Insbesondere kann die Düse 2 das Engnis 6 und den Anschlussraum 7 umfassen,
wobei der Anschlussraum 7 gegenüber dem Engnis 6 erweitert und bevorzugt durchgängig
erweitert ist. Durch eine durchgängige Erweiterung kann der Anschlussraum 7 beim Zurückziehen
des Rückstauelements 19 bei einem Ausschaltvorgang kontinuierlich oder sukzessive
freigegeben werden, so dass eine harmonische Abströmung von Löschgas erreicht wird.
[0020] Der Kontaktstift 3 ragt in der Einschaltstellung (oben) durch den Anschlussraum 7
und mit geringem seitlichen Abstand zur Düse 2 durch das Engnis 6 und weiter durch
den Lichtbogenraum 5. Die Spitze des Kontaktstifts 3 liegt im Inneren des Kontaktrohrs
1 und füllt dessen Querschnitt knapp hinter dessen Ende, wo der Querschnitt am geringsten
ist, aus, sodass das Kontaktrohr 1 den Kontaktstift 3 etwas hinter der Spitze von
aussen berührt und damit kontaktiert. In der Ausschaltstellung (unten) liegt die Spitze
des Kontaktstiftes 3 etwa im hinteren Bereich des Anschlussraums 7.
[0021] An der Aussenseite der Düse 2 schliesst ein erster rohrförmiger Nennstromkontakt
8 an, der das Kontaktrohr 1 mit Abstand umgibt, sodass zwischen diesen Teilen ein
Heizraum 9 einer Druckerzeugungsvorrichtung liegt, welcher über einen Ringkanal 10
in der Düse 2 mit dem Lichtbogenraum 5 verbunden ist. Der Heizraum 9 ist durch eine
das Kontaktrohr 1 mit dem ersten Nennstromkontakt 8 verbindende Zwischenwand 11, welche
mit Rückschlagventilen versehene Öffnungen aufweist, von einem Kompressionsraum 12
getrennt. Die Druckerzeugungsvorrichtung umfasst ferner einen fest mit dem Gehäuse
des Leistungsschalters verbundenen kreisringförmigen Kolben 13, der den Kompressionsraum
12 an seinem der Zwischenwand 11 abgewandten Ende begrenzt.
[0022] Ebenfalls fest mit dem Gehäuse verbunden ist ein zweiter rohrförmiger Nennstromkontakt
14, der die Düse 2 mit Abstand umgibt und in der Einschaltstellung mit dem ersten
Nennstromkontakt 8 überlappt und ihn von aussen berührt und kontaktiert. Der zweite
Nennstromkontakt 14 trägt innen eine Querwand 15 mit einer zentralen Öffnung, durch
welche der Kontaktstift 3 geführt ist. Durch eine weitere Öffnung ragt eine Stange
16, die über einen Ring 17 mit der Düse 2 fest verbunden ist.
[0023] Die Querwand 15, die vom Ende des Anschlussraums 7 und somit der Düse 2 beabstandet
ist, trägt ausserdem einen als gegen das Engnis 6 vorstehendes, den Kontaktstift 3
umgebendes Rohr ausgebildeten Träger 18, an dessen Ende ein kreisringförmiges Gasrückstauelement
oder Blockierelement 19 befestigt ist. Es liegt in der Einschaltstellung nahe dem
vorderen, dem Engnis 6 zugewandten Ende des Anschlussraums 7, also knapp hinter dem
Engnis 6 und füllt den Querschnitt des Anschlussraums 7, vom Schaltstift 3 abgesehen,
weitgehend vollständig aus. In der Ausschaltstellung liegt es mit Abstand hinter dem
dem Engnis 6 abgewandten offenen Ende des Anschlussraums 7.
[0024] Der dargestellte Teil des Leistungsschalters ist von einem nicht dargestellten rohrförmigen
Gehäuse mit Abstand umgeben. Das Gehäuse enthält einen Auspuffraum, mit dem der Lichtbogenraum
5 durch das Innere des Kontaktrohrs 1 verbunden ist und auch über das Engnis 6 und
den Anschlussraum 7. Weiter enthält es einen Antrieb, mit dem das Kontaktrohr 1 verbunden
ist sowie der erste Nennstromkontakt 8 und die an dme Kontaktrohr befestigte Düse
2. Über die mittels des Rings 17 starr mit der Düse 2 verbundene Stange 16 ist der
Antrieb weiter mit einem Getriebe wirkverbunden, das den Kontaktstift 3 antreibt.
Bei einer Ausschaltung, die den Leistungsschalter und insbesondere die Abbrandkontaktanordnung
aus dem Einschaltzustand in den Ausschaltzustand überführt, prägt der Antrieb dem
Kontaktrohr 1 und den mit ihm verbundenen Teilen einerseits und, über das Getriebe,
dem Kontaktstift 3 andererseits gegenläufige Bewegungen auf.
[0025] Fig. 2 zeigt eine Ausführungsform, welche von der oben beschriebenen nur insofern
geringfügig abweicht, als das Gasrückstauelement 19 nicht fest mit dem Gehäuse des
Leistungsschalters verbunden ist, sondern über einen durch die Querwand 15 durchgeführten
stabfömigen Träger 18' mit einem weiteren, ebenfalls mit dem Antrieb wirkverbundenen
Getriebe. Dadurch kann die Position des Gasrückstauelements 19 unabhängig von der
Düse 2 und/oder vom zweiten Kontaktstück 3 gesteuert werden, was einen insgesamt etwas
aufwendigeren Aufbau bedingt.
[0026] Unter Bezugnahme auf Fig. 3a-f wird im folgenden eine Ausschaltung des Leistungsschalters
gemäss der in Fig. 1 dargestellten ersten Ausführungsform erläutert, bei der eine
Kondensatorbank vom Netz getrennt wird. Dabei wird auch die einige Spannungsverläufe
zeigende Fig. 4 herangezogen, die auf der Zeitachse auch Verweise auf einige der Figuren
3a-f enthält, welche jeweils den Leistungsschalter in einer dem Zeitpunkt entsprechenden
Stellung zeigen.
[0027] Aus der Einschaltstellung (Fig. 3a) wird durch den Antrieb das Kontaktrohr 1 nach
links verschoben, zusammen mit den mit ihm verbundenen Teilen, sodass der erste Nennstromkontakt
8 vom zweiten Nennstromkontakt 14 getrennt, also der Nennstrompfad unterbrochen wird.
Der Strom kommutiert vollständig auf den Abbrandpfad und fliesst über das Kontaktrohr
1 und den Kontaktstift 3, die nach wie vor einander überlappen. Gleichzeitig beginnt
die Verkleinerung des Kompressionsraums 12, welche eine Kompression des in demselben
enthaltenen Löschgases, z.B. SF
6, zur Folge hat (Fig. 3b).
[0028] Im Lauf der weiteren Bewegung des Kontaktrohrs 1 und der einsetzenden entgegengesetzten
Bewegung des Kontaktstiftes 3 wird der Kontaktstift 3 vollständig aus dem Kontaktrohr
1 herausgezogen und unter Bildung eines Lichtbogens vom Kontaktrohr 2 getrennt (Fig.
3c). Der Lichtbogen erlischt beim nächsten Stromnulldurchgang unter der Einwirkung
des aus dem Kompressionsraum 12 über den Heizraum 9 und den Ringkanal 10 in den Lichtbogenraum
5 und durch das Kontaktrohr 1 in den Auspuffraum strömenden Löschgases. Dadurch behält
jedoch die Kondensatorbank ihre Spannung bei, die wegen der Phasenverschiebung von
90° zwischen Strom und Spannung beim Stromnulldurchgang der vollen Netzspannung entspricht.
[0029] Während der Kontaktstift 3 sich weiter vom Ende des Kontaktrohrs 1 entfernt, steigt
die zwischen diesen Kontaktstücken liegende Kontaktspannung U
K damit binnen einer Halbperiode T/2 auf das Doppelte der Netzspannung (durchgezogene
Linie in Fig. 4) an. Doch gleichzeitig steigt mit dem Abstand zwischen den Kontaktstücken
und auch unter der Einwirkung der weitergehenden Löschgasströmung in den Lichtbogenraum
5 auch die Durchbruchsspannnung U
D (strichpunktierte Linie), und zwar derart, dass sie stets höher ist als die Kontaktspannung
U
K und somit keine Rückzündung eintritt.
[0030] Auch zum Zeitpunkt, zu dem der Kontaktstift 3 vollständig aus dem Engnis 6 zurückgezogen
wird (Fig. 3d), treten keine hohen, insbesondere keine im Überschallbereich liegenden
Strömungen im Bereich der Spitze des Kontaktstiftes 3 auf, da das Gasrückstauelement
19 bis zu diesem Zeitpunkt nur ein verhältnismässig kleines Volumen freigegeben hat
und die Verbindung des Anschlussraums 7 mit dem Auspuffraum fast vollständig blockiert.
Die Länge des freigegebenen Volumens entspricht lediglich dem Hub des Kontaktrohrs
1 gegenüber dem Gehäuse bis zu diesem Zeitpunkt, während der Hub des Kontaktstiftes
3 das besagte Volumen nicht beeinflusst. Die Strömung vom Lichtbogenraum 5 durch das
Engnis 6 in den Anschlussraum 7 ist daher so geringfügig, dass die dielektrische Festigkeit
nicht merklich abfällt und die Durchbruchsspannnung U
D ungebremst weiter zunimmt. Die zum Vergleich eingezeichnete Spannung U
V (gestrichelte Linie), die den Verlauf der Durchbruchsspannung bei Abwesenheit des
Gasrückstauelements 19, aber bei im übrigen gleichen Aufbau des Leistungsschalters
zeigt und die schon von Beginn an etwas langsamer zunahm, da die Strömung durch das
Engnis 6 in diesem Fall grösser wäre, knickt zu diesem Zeitpunkt deutlich ab, d.h.
sie wächst langsamer mit dem Abstand der Kontaktstücke bzw. der Zeit t, sodass sie
schliesslich von der Kontaktspannung U
K übertroffen wird und Rückzündung eintritt.
[0031] Sobald das Gasrückstauelement 19 den Anschlussraum 7 vollständig verlassen hat (Fig.
3e), nimmt die Gasströmung vom Lichtbogenraum 5 über das Engnis 6 und den Anschlussraum
7 in den Auspuffraum schlagartig zu. Dies führt zu einem kurzzeitigen Rückgang der
Durchbruchsspannnung U
D, die auf den Wert der Vergleichsspannung U
V abfällt und sich im folgenden nicht von diesem unterscheidet. Doch ist zu diesem
Zeitpunkt t = 3e der Abstand zwischen dem Kontaktstift 3 und dem Kontaktrohr 1 bereits
so gross, dass die dielektrische Festigkeit weiterhin ausreicht und die Durchbruchsspannnung
U
D stets grösser bleibt als die Kontaktspannung U
K. Die weitere Entfernung des Kontakstiftes 3 vom Kontaktrohr 1 und die Löschgasströmung
aus dem Kompressionsraum 12 und dem Heizraum 9, die weitergehen, bis schliesslich
die Ausschaltstellung (Fig. 3f) erreicht ist, führen zu einer weiteren Erhöhung der
Durchbruchsspannung U
D derart, dass eine Rückzündung ausgeschlossen ist.
[0032] Die in Fig. 2 dargestellte Ausführungsform bietet wie erwähnt die Möglichkeit, die
Position des Gasrückstauelements 19 unabhängig von der Düse 2 und/oder unabhängig
vom zweiten Kontaktstück 3 zu steuern. So kann das Gasrückstauelement 19 zuerst in
die gleiche Richtung verschoben werden wie die Düse 2, entweder so, dass sie deren
Bewegung vollständig folgt oder etwas zurückbleibt, sodass der freigegebene Teil des
Anschlussraums 7 sich zuerst gar nicht bzw. nur langsam vergrössert und kaum Strömung
vom Lichtbogenraum 5 in den Anschlussraum 7 auftritt. Sobald der Abstand zwischen
den Kontaktstücken gross genug ist, um eine ausreichend hohe Durchbruchsspannung zu
gewährleisten, kann die Bewegung des Gasrückstauelements 19 angehalten werden oder
das Gasrückstauelement 19 in Gegenrichtung - also in die gleiche Richtung wie der
Kontaktstift 3 - bewegt und aus dem Anschlussraum 7 zurückgezogen werden.
[0033] Es kann weitgehend von den beschriebenen Ausführungsformen abgewichen werden, ohne
dass der Bereich der Erfindung verlassen würde. So kommt es insbesondere nicht darauf
an, welche Teile des Leistungsschalters ortsfest sind und welche nicht. Entscheidend
sind die Relativbewegungen der Teile, vor allem von Düse, Kontaktstift und Gasrückstauelement.
Der Leistungsschalter kann z. B. ein Blaskolbenschalter, ein Selbstblasschalter, desweiteren
ein Hoch- oder Mittelspannungsschalter, sowie ein Schalter mit Einfachbewegung eines
Kontaktstücks oder mit Doppelantrieb für beide Kontaktstücke sein.
Bezugszeichenliste
[0034]
- 1
- Kontaktrohr
- 2
- Düse
- 3
- Kontaktstift
- 4
- Hülse
- 5
- Lichtbogenraum
- 6
- Engnis
- 7
- Anschlussraum
- 8
- erster Nennstromkontakt
- 9
- Heizraum
- 10
- Ringkanal
- 11
- Zwischenwand
- 12
- Kompressionsraum
- 13
- Kolben
- 14
- zweiter Nennstromkontakt
- 15
- Querwand
- 16
- Stange
- 17
- Ring
- 18, 18'
- Träger
- 19
- Blockierelement, Rückstauelement für Löschgas
1. Abbrandkontaktanordnung für einen Leistungsschalter, welche zwischen einer Einschaltstellung
und einer Ausschaltstellung umstellbar ist, mit einem ersten Kontaktstück (1) und
einem zweiten Kontaktstück (3), welche in der Einschaltstellung miteinander in Kontakt
sind und relativ zueinander bewegbar sind, mit einem Lichtbogenraum (5), sowie mit
einer Düse (2) aus Isolierstoff, welche ein Engnis (6) bildet, das in der Einschaltstellung
das zweite Kontaktstück (3) umgibt, und mit einem auf das Engnis (6) folgenden, an
einem dem Engnis (6) abgewandten Ende offenen Anschlussraum (7), dadurch gekennzeichnet, dass ein gegenüber dem Anschlussraum (7) oder der Düse (2) verschiebbares Gasrückstauelement
(19) vorhanden ist, welches in der Einschaltstellung den Querschnitt des Anschlussraums
(7) einengt, und welches in der Ausschaltstellung den Querschnitt des Anschlussraums
(7) weitgehend freigibt, und dass eine Position des Gasrückstauelements (19) im Anschlussraum
(7) unabhängig vom zweiten Kontaktstück (3) steuerbar ist.
2. Abbrandkontaktanordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das zweite Kontaktstück (3) unabhängig vom Gasrückstauelement (19) verschiebbar ist.
3. Abbrandkontaktanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Gasrückstauelement (19) unabhängig vom zweiten Kontaktstück (3) verschiebbar
ist, insbesondere dass das Gasrückstauelement (19) gleichgerichtet und/oder entgegengerichtet
zum zweiten Kontaktstück (3) bewegbar ist.
4. Abbrandkontaktanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine Position des Gasrückstauelements (19) unabhängig von der Düse (2) steuerbar
ist, insbesondere dass das Gasrückstauelement (19) gleichgerichtet und/oder entgegengerichtet
zur Düse (2) bewegbar ist.
5. Abbrandkontaktanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Gasrückstauelement (19) fest mit einem Gehäuse des Leistungsschalters verbunden
ist.
6. Abbrandkontaktanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Gasrückstauelement (19) in der Einschaltstellung den Querschnitt des Anschlussraums
(7) weitgehend blockiert und insbesondere vollständig blockiert, und/oder dass das
Gasrückstauelement (19) in der Ausschaltstellung den Querschnitt des Anschlussraums
(7) vollständig freigibt.
7. Abbrandkontaktanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
a) das Gasrückstauelement (19) in der Einschaltstellung im Anschlussraum (7) liegt,
und/oder
b) das Gasrückstauelement (19) in der Ausschaltstellung ausserhalb des Anschlussraums
(7) liegt.
8. Abbrandkontaktanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Gasrückstauelement (19) in der Einschaltstellung nahe beim dem Engnis (6) zugewandten
Ende des Anschlussraums (7) steht und in der Ausschaltstellung nahe dem oder hinter
dem entgegensetzten, dem Engnis (6) abgewandten Ende des Anschlussraums (7).
9. Abbrandkontaktanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Spitze des zweiten Kontaktstücks (3) in der Ausschaltstellung hinter das Engnis
(6) zurückgezogen ist.
10. Abbrandkontaktanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Anschlussraum (7) gegenüber dem Engnis (6) erweitert, bevorzugt durchgängig erweitert,
besonders bevorzugt kontinuierlich erweitert, ist, und/oder dass der Anschlussraum
(7) einen konstanten Querschnitt aufweist.
11. Abbrandkontaktanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Engnis (6) der Düse (2) und/oder der Anschlussraum (7) von zylindrischer Form
sind, und/oder dass das Engnis (6) und der Anschlussraum (7) durch eine konische Übergangszone
miteinander verbunden sind, und/oder dass die Düse (2) das Engnis (6) und den Anschlussraum
(7) bildet.
12. Leistungsschalter mit einer Abbrandkontaktanordnung gemäss einem der vorangehenden
Ansprüche sowie mit einem Antrieb, welcher geeignet ist, eine Ausschaltung zu bewirken,
bei welcher die Abbrandkontaktanordnung aus der Einschaltstellung in die Ausschaltstellung
übergeführt wird, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb derart mit der Abbrandkontaktanordnung wirkverbunden ist, dass bei einer
Kontakttrennung das Gasrückstauelement (19) gegenüber dem zweiten Kontaktstück (3)
zumindest zeitweise verzögert und/oder verlangsamt und/oder entgegengerichtet aus
dem Anschlussraum (7) zurückziehbar ist.
13. Leistungsschalter nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass er eine Druckerzeugungseinrichtung umfasst mit einem mit dem Lichtbogenraum (5) verbundenen
Kompressionsraum (12) und mit einem Kolben (13), der den Kompressionsraum (12) derart
begrenzt, dass er bei der Kontakttrennung gegenüber der Düse (2) gegen den Lichtbogenraum
(5) hin verschiebbar ist.
14. Leistungsschalter nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass der Kompressionsraum (12) das erste Kontaktstück (1) umgibt, und dass der Kolben
(13) den Kompressionsraum (12) einseitig begrenzt.
15. Leistungsschalter nach einem der Ansprüche 12-14, dadurch gekennzeichnet, dass er ein Gehäuse umfasst und dass das zweite Kontaktstück (3) und die Düse (2) derart
mit dem Antrieb wirkverbunden sind, dass sie bei der Kontakttrennung gegenüber dem
Gehäuse gegenläufige Bewegungen ausführen, während das Gasrückstauelement (19) fest
mit dem Gehäuse verbunden ist.
16. Leistungsschalter nach einem der Ansprüche 12-14, dadurch gekennzeichnet, dass er ein Gehäuse umfasst und das zweite Kontaktstück (3), die Düse (2) und das Gasrückstauelement
(19) derart mit dem Antrieb wirkverbunden sind, dass bei der Kontakttrennung das zweite
Kontaktstück (3) und die Düse (2) gegenüber dem Gehäuse gegenläufige Bewegungen ausführen
und das Gasrückstauelement (19) zuerst eine mit der Bewegung der Düse (2) gleichgerichtete
Bewegung und dann eine entgegengesetzte Bewegung ausführt.
17. Leistungsschalter nach einem der Ansprüche 12-16, dadurch gekennzeichnet, dass er mindestens einen Auspuffraum enthält, in welchen mindestens in der Ausschaltstellung
der Anschlussraum (7) mündet.
18. Leistungsschalter nach einem der Ansprüche 12-17, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Kontaktstück (1) als Kontaktrohr (1) ausgebildet ist und das zweite Kontaktstück
(3) als Kontaktstift (3), der in der Einschaltstellung vom Kontaktrohr (1) von aussen
kontaktierbar ist.
19. Leistungsschalter nach einem der Ansprüche 12-18, dadurch gekennzeichnet, dass der Lichtbogenraum (5) über die Öffnung im Kontaktrohr (1) mit dem mindestens einen
Auspuffraum verbunden ist.