[0001] Die Erfindung bezieht sich auf die Gebiete der Chemie und des Maschinenbaus, betrifft
die Verwendung einer permanenten Beschichtung zur Be- und/oder Verhinderung des Vereisens,
die eine Funktionalisierung der Oberflächen zur Vermeidung oder Verminderung von Eiswachstum
auf dieser Oberfläche aufweisen, die beispielsweise eine Beschichtung auf der Oberfläche
von Wärmetauschern, Klimageräten, Eismaschinen, Flugzeugtragflächen sein kann.
[0002] Das Ausrüsten von Oberflächen mit Beschichtungen, die bei einer Abkühlung der feuchten
Umgebungsluft unter 0 °C ein Vereisen be- und/oder verhindern, ist nach dem Stand
der Technik bekannt. In Anlehnung an bekannte Beispiele aus der Natur werden so genannte
Anti-Freeze-Proteine zur Beeinflussung der Kristallbildung eingesetzt, damit ein Festsetzen
von Eiskristallen an der Oberfläche unterbunden wird (
K.V. Ewart, u.a.: Cell. Mol. Life Sci. 55 [1999] 271-283;
M.M. Harding, u.a.: Eur. J. Biochem. 264 [1999] 653-665). Dieses Naturprinzip ist auch für technische Anwendungen einsetzbar, ist jedoch
aufgrund seiner hohen Kosten für diese Proteine wenig praktikabel. Gemäß der
WO 02 090 459 wird versucht, einen Aspekt der Wirkungsweise von Anti-Freeze-Proteinen durch eine
heterogene Oberfläche mit mindestens zwei chemisch und physikalisch unterschiedlichen
Komponenten, die regelmäßig oder statistisch verteilt sind, nachzustellen. Die entstehenden
polaren Gebiete (Keimstellen für Eisbildung) mit hoher Oberflächenenergie werden von
unpolaren Inseln niedrigerer Oberflächenenergie umgeben, wodurch das Ausbilden einer
kompakten Eisschicht verhindert werden soll. Durch dieses Konzept wird das Enteisen
der Oberfläche erleichtert, aber nicht verhindert.
[0003] Weiterhin bekannt ist das Prinzip der Gefrierpunkterniedrigung, bei dem Stoffe in
einer Flüssigkeit gelöst werden und dadurch der Gefrierpunkt der Flüssigkeit abgesenkt
wird (Tausalz-Effekt). Dabei kommt es nicht auf die Art der gelösten Stoffe an, sondern
im Wesentlichen auf die in Lösung gebrachte Menge dieser Stoffe (
K. Schwabe: Physikalische Chemie, Band 1, Akademie-Verlag, Berlin [1986] S. 341 ff).
[0004] Bekannt ist auch, dass geringe Anteile von gelösten Polymeren, wie z.B. Polyvinylalkohol
(
T. Inada, S.S. Lu: Cryst. Growth Des. 3 [2003] 747-752) oder niedermolekulare organische Verbindungen, wie z.B. Glycerol oder Diethylenglycolmonomethylether
(A. Zeman:
Chemie der Kraft- und Schmierstoffe unter http://www.unibw-muenchen.de/campus/MB/we6/zeman/kraftstoffe/zeman_kraf tstoffe.htm)
den Gefrierpunkt von Wasser erheblich herabsetzen können. Die Anwendung von Diethylenglycolmonomethylether
als gelöster Vereisungshemmstoff in Otto- und Flugturbinenkraftstoffen ist bekannt
und wird vielfältig genutzt.
[0005] Weiterhin bekannt ist nach
D. Popescu et al; Adv. Mater. 2005, 17, 2324-2329 eine Beschichtung auf einem teilweise mit Gold beschichteten Glassubstrat. Die Beschichtung
besteht aus einem ABA-Block-Copolymer, welches Haupt- und Seitenketten in einer Kammstruktur
aufweist, wobei sich die Seitenketten in Richtung von der Oberfläche weg organisieren.
Dieses so beschichtete Glassubstrat wird mit einer Zelllösung in Kontakt gebracht
und Zellen haften und wachsen an den nicht mit dem ABA-Block-Copolymer beschichteten
Oberflächen.
[0006] Nach der
US 2002/139956 ist eine Anti-Vereisungs-Zusammensetzung aus einer glasartigen Matrix aus einem Polymernetzwerk
aus Glas und Silikon, die durch Vernetzen einer Mischung aus einem funktionalisierten
Silikon und einem Alkoxyfunktionalisierten Siloxan durch Mikrophasentrennung hergestellt
worden ist, bekannt.
[0007] Gemäß der
EP 0 339 583 ist eine Anti-Vereisungs-Zusammensetzung bekannt, Diese Zusammensetzung besteht aus
(a) einem Hydroxylgruppen enthaltendem Copolymer oder einem Copolymer, das neben Hydroxylgruppen
eine andere reaktive Gruppe enthält, (b) eine Siliconverbindung, und (c) eine Polyisocyanatverbindung.
[0008] Nachteilig bei den bekannten Lösungen zur Be- und/oder Verhinderung des Vereisens
von Oberflächen ist, dass bisher keine permanenten Beschichtungen erreicht werden
konnten, die dauerhaft ein Be- und/oder Vereisen der Oberfläche verhindern.
[0009] Die Aufgabe der vorliegenden Lösung ist es, die Verwendung einer permanenten Beschichtung
von Oberflächen zur Be- und/oder Verhinderung des Vereisens anzugeben, die dauerhaft
ist und zuverlässig ein Vereisen der Oberfläche be- und/oder verhindert.
[0010] Die Aufgabe wird durch die in den Ansprüchen angegebene Erfindung gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0011] Bei den erfindungsgemäßen Verwendung einer permanenten Beschichtung aus Polymeren
mit Haupt- und Seitenketten, wobei die Polymerhauptketten hydrophob und die Seitenketten
hydrophil sind und die Polymerhauptketten mit der zu beschichtenden Oberfläche eine
chemische und/oder chemisch-koordinative und/oder physikalische Wechselwirkung eingegangen
sind und die Seitenketten im Wesentlichen in Richtung von der Oberfläche weg an der
Polymerhauptkette angeordnet sind und miteinander zumindest keine dauerhafte Wechselwirkung
eingehen, wobei die hydrophobe Polymerhauptkette die Kammrückseite und die hydrophilen
Seitenketten die Kammzinken einer kammartigen Struktur bilden, zur Be- und/oder Verhinderung
des Vereisens der beschichteten Oberflächen bis Umgebungstemperaturen von -10 °C.
[0012] Vorteilhafterweise wird die Beschichtung zum Beschichten von Metalloberflächen oder
Glasoberflächen verwendet.
[0013] Weiterhin vorteilhafterweise erfolgt die Verwendung einer Beschichtung aus Methacrylatcopolymeren
mit Poly-(ethylenglycol)-Seitenketten, deren mittlere Molmasse M
n zwischen 100 und 10000 beträgt, besteht.
[0014] Mit der erfindungsgemäßen Lösung ist die Verwendung einer einfachen und kostengünstigen
Beschichtung von Oberflächen möglich, die dauerhaft und zuverlässig das Vereisen der
Oberflächen be- und/oder verhindert.
Dies erfolgt durch die spezielle Struktur der Polymere, die die Beschichtung bilden.
Die partiell wasserlöslichen Polymere haben eine Polymerhauptkette, an die eine Vielzahl
von hydrophilen Seitenketten gebunden ist. Dabei weisen die Seitenketten nach Applikation
des Polymers auf einer Oberfläche alle im Wesentlichen in eine Richtung weg von der
Hauptkette und weg von der Oberfläche. Es liegt eine kammartige Struktur der Polymere
vor. Bei der Beschichtung erfolgt eine Anbindung der Polymerhauptketten über chemische
und/oder chemisch-koordinative und/oder physikalische Wechselwirkungen an die Oberfläche.
Dadurch werden die Polymermoleküle dauerhaft an der Oberfläche fixiert. Die in Analogie
zu den Kammzinken angeordneten Seitenketten weisen - wie oben beschrieben - alle von
der Oberfläche weg und sind im Wesentlichen im Raum nahe der Oberfläche frei beweglich.
Dabei gehen sie keine dauerhafte Wechselwirkung mit den benachbarten Seitenketten
ein.
Sobald die beschichtete Oberfläche mit Wasser oder feuchter Luft in Kontakt kommt,
werden die freistehenden hydrophilen Seitenketten solvatisiert, so dass direkt oberhalb
der Polymerhauptketten, d.h. im Bereich des Grenzschichtbereichs fest/flüssig oder
fest/gasförmig das Wasser auch nach Unterschreiten einer Temperatur von 0 °C bis -
10 °C noch flüssig bleibt oder eine Luftschicht vorhanden ist, während im Bereich
weiter weg von der Oberfläche eine Eisbildung stattfinden kann. Aufgrund dieses geringen
Flüssigkeits- oder Luftfilmes im Grenzschichtbereich fest/flüssig oder fest/gasförmig
kann auch bereits gebildetes Eis nicht auf der Oberfläche haften, wird abfallen oder
kann leicht entfernt werden, beispielsweise mit der strömenden Flüssigkeit oder strömender
Luft.
[0015] Das erfindungsgemäße Prinzip funktioniert nur, wenn die Umgebungstemperatur -10 °C
nicht unterschreitet, da sonst auch die länger flüssig bleibende Wasserschicht oder
die noch vorhandene Feuchtigkeit in der Luftschicht direkt über den Polymerhauptketten,
d.h. im Grenzschichtbereich fest/flüssig oder fest/gasförmig gefriert und damit nicht
mehr die erfindungsgemäße Funktion erfüllen kann.
[0016] Die erfindungsgemäße Beschichtung kann qualitativ noch durch den Einsatz von kristallisationsbeeinflussenden
funktionellen Gruppen verbessert werden, die an der Polymerhauptkette oder den Seitenketten
gebunden vorliegen, und das Eiskristallwachstum erschweren.
[0017] Der Unterscheid der vorliegenden Lösung zu Lösungen des Standes der Technik besteht
im Wesentlichen darin, dass die Nutzung der bekannten Effekte in einem anderen chemisch/physikalischen
Umfeld realisiert wird, was bisher nach dem Stand der Technik nicht realisiert ist.
Nach dem Stand der Technik liegt das den jeweiligen gefrierpunkterniedrigenden Effekt
bewirkende Agens immer in gelöster Form vor.
Nach der erfindungsgemäßen Lösung ist das Agens, welches die Gefrierpunkterniedrigung
auslöst, in Form von Molekülen oder Molekülionen fest an eine feste Oberfläche gebunden.
Eine freie Beweglichkeit der Moleküle oder Molekülionen weg von dieser ist demnach
nicht gegeben.
[0018] Nachfolgend wird die Erfindung an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert.
Beispiel 1
[0019] Kupferfolie (Probenstücke 50 x 80 x 0,5 mm
3) wird mit Wasserstoffperoxidlösung im Ultraschallbad (10 min) gereinigt, anschließend
mit Ethanol gespült und im Argonstrom getrocknet. Für die Beschichtung wird ein statistisches
Copolymer aus Dimethylaminoethylmethacrylat (DMEMA) und Poly[(ethylen-glycolmonomethylether)]methacrylat
verwendet (PDMAEMA-graft-PEG-2.080, 5:1). Das Beschichten erfolgt mittels Aufschleudern
(Spin-coating) einer Polymerlösung in einer 10-%igen Ethanollösung. Nicht an der Metalloberfläche
gebundenes Polymer wird durch Extraktion mit destilliertem Wasser (4 Tage) entfernt.
Die über Nacht im Vakuum getrockneten Proben werden einem Bereifungstest unterzogen
[Thermostat -15 °C, 88 % relative Luftfeuchte, Lufttemperatur +1 °C, Substrattemperatur
-10 bis -12 °C, 20 min Bereifung bei 9 m/s (32,4 km/h), 5 min Ablösen bei 23 m/s (82,8
km/h)]. Es bildete sich eine Reifschicht von ca. 250 µm Dicke aus, während eine unbeschichtete
Vergleichsprobe eine Reifschicht von ca. 650 µm aufweist.
Die 250 µm dicke Reifschicht lässt sich per Hand einfach entfernen. Die Beschichtung
der Kupferfolie ist stabil. Auch bei einer Lagerung der Proben unter Feuchteeinwirkung
über mehrere Wochen wurde kein Abklingen des Effekts beobachtet.
1. Verwendung einer permanenten Beschichtung von Oberflächen, bei der die Beschichtung
aus Polymeren mit Haupt- und Seitenketten besteht, wobei die Polymerhauptketten hydrophob
und die Seitenketten hydrophil sind und die Polymerhauptketten mit der zu beschichtenden
Oberfläche eine chemische und/oder chemisch-koordinative und/oder physikalische Wechselwirkung
eingegangen sind und die Seitenketten im Wesentlichen in Richtung von der Oberfläche
weg an der Polymerhauptkette angeordnet sind und miteinander zumindest keine dauerhafte
Wechselwirkung eingehen, wobei die hydrophobe Polymerhauptkette die Kammrückseite
und die hydrophilen Seitenketten die Kammzinken einer kammartigen Struktur bilden,
zur Be- und/oder Verhinderung des Vereisens der beschichteten Oberflächen bis Umgebungstemperaturen
von - 10 °C.
2. Verwendung nach Anspruch 1, zur Beschichtung von Metalloberflächen oder Glasoberflächen.
3. Verwendung nach Anspruch 1, einer Beschichtung aus Methacrylatcopolymeren mit Poly-(ethylenglycol)-Seitenketten,
deren mittlere Molmasse Mn zwischen 100 und 10000 beträgt..
1. Utilisation d'un revêtement permanent de surfaces, le revêtement étant constitué par
des polymères contenant des chaînes principales et latérales, les chaînes principales
des polymères étant hydrophobes et les chaînes latérales étant hydrophiles, et les
chaînes principales des polymères entrant en interaction chimique et/ou chimique coordinative
et/ou physique avec la surface à revêtir, et les chaînes latérales étant agencées
sur la chaîne principale des polymères, essentiellement dans une direction qui s'éloigne
de la surface, et n'entrant au moins pas en interaction durable les unes avec les
autres, la chaîne principale hydrophobe des polymères formant le côté arrière d'un
peigne et les chaînes latérales hydrophiles formant les dents d'une structure en peigne,
pour empêcher et/ou éviter le givrage des surfaces revêtues jusqu'à des températures
ambiantes de -10 °C.
2. Utilisation selon la revendication 1, pour le revêtement de surfaces métalliques ou
de surfaces en verre.
3. Utilisation selon la revendication 1, d'un revêtement en copolymères de méthacrylate
contenant des chaînes latérales poly(éthylène glycol), dont la masse molaire moyenne
Mn est comprise entre 100 et 10 000.