[0001] Die Erfindung betrifft eine Bahnbehandlungsvorrichtung, insbesondere einen Kalander,
mit
- a) wenigstens einer Biegeeinstellwalze mit einem umlaufenden Mantel, dessen äußere
Oberfläche zur Behandlung einer Faserstoffbahn dient, wobei
aa) der Mantel der Länge nach von einer, einen Abstand zur Innenfläche des Mantels
belassenden Achse durchsetzt ist, so dass ein Walzeninnenraum geschaffen ist, und
wobei
ab) an der Achse wenigstens ein hydraulisch auf den Mantel wirkendes Hydraulikzylinder-Kolben-System
angebracht ist und wobei
ac) an jedem Ende des Mantels Lager zur Abstützung des Mantels auf der Achse vorgesehen
sind, und
- b) wenigstens einem Hydrauliköltank und einer an eine Zuleitung zwischen Hydrauliköltank
und Biegeeinstellwalze angeschlossenen Förderpumpe zur Versorgung des hydraulisch
auf den Mantel wirkenden Hydraulikzylinder-Kolben-Systems und/oder einer Lagerschmierung
mit Hydrauliköl.
[0002] In der folgenden Beschreibung der Erfindung wird ein erfindungsgemäßer Kalander beschrieben.
Das soll aber nicht ausschließen, dass die Erfindung sich auch auf eine andere Bahnbehandlungsmaschine
wie beispielsweise eine Pressvorrichtung beziehen kann.
[0003] In einem Kalander sind in der Regel sogenannte Biegeeinstellwalzen (Walzen mit Stützelementen
oder Breitnip-Stützschuhen) vorhanden, die eine feststehende Achse besitzen. Auf dieser
Achse stützt sich mindestens ein hydrostatisches oder hydrodynamisches Stützelement
ab - und zwar radial verstellbar, im Folgenden Hydraulikzylinder-Kolben-System genannt.
Dabei übt das Hydraulikzylinder-Kolben-System mittels eines Druckschuhs einen Druck
auf den rotierenden Mantel aus, der wiederum gegen eine zu behandelnde Faserstoffbahn
eine Kraft aufbringt. Als Gegendruckelement ist in der Regel entweder eine Gegenwalze
oder ein umlaufendes Band eingesetzt.
[0004] Diese Walzen laufen bei der Anmelderin unter der Bezeichnung "Nipco" oder "NipcoFlex".
Der Innenraum dieser Walzen zwischen Achse und Mantel ist so weit abgedichtet, dass
kein Druckfluid, was in der Regel ein Hydrauliköl ist, austreten kann. Im Folgenden
wird zur Vereinfachung des Sachverhaltes der Begriff "Hydrauliköl" stellvertretend
für alle einsetzbaren Druck- und Schmierfluide gewählt. In einigen Fällen wird auch
Hydrauliköl in die Biegeeinstellwalze gespeist, um den Mantel oder eine Dichtung zu
kühlen.
[0005] Da die Reibung des Hydrauliköls an der Mantelinnenfläche aber eine nicht unerhebliche
Rolle für die benötigte Antriebsleistung besitzt, sind in der Regel Absaugvorrichtungen
vorgesehen, die das Hydrauliköl zurück in den Hydrauliköltank fördern, indem sie beispielsweise
rüsselartig die mit dem Walzenmantel umlaufende Flüssigkeit kurz oberhalb der Innenfläche
des Mantels aufnehmen und über Rohrleitungen oder Kanäle in den Tank leiten. Es sind
auch bekannte Schöpfsysteme im Einsatz. Der Tank steht bei Kalandern oft im Kellergeschoss,
so dass man das Gefälle nutzen kann.
[0006] In der Walze verbleibt neben den Hydraulikölresten ein Gasgemisch aus Luft mit einem
Ölnebel. Von einem solchen Gemisch kann eine Gefahr ausgehen, da es oberhalb einer
gemischabhängigen Zündtemperatur bzw. eines Zünddruckes zu Verpuffungen oder gar zu
Explosionen kommen kann. Beispielsweise ist es vorstellbar, dass der Schaden an einem
Wälzlager durch eine erhöhte Reibung zu einem derart gefährlichen Temperaturanstieg
mit Druckaufbau in der Walze führt.
[0007] Es ist deshalb die Aufgabe der Erfindung, eine Bahnbehandlungsvorrichtung mit einer
Biegeeinstellwalze, die aus einem Hydrauliköltank mit Hydrauliköl versorgt wird, zu
schaffen, bei der die oben beschriebene Gefahr weitestgehend vermieden wird.
[0008] Die Aufgabe wird dadurch gelöst, dass eine Gasdruckausgleichsleitung zwischen dem
Walzeninnenraum und dem Hydrauliköltank vorhanden ist.
[0009] Die Gasdruckausgleichsleitung bewirkt, dass sich aufgrund der Ableitung in den Hydrauliköltank
innerhalb des Walzeninnenraumes kein überhöhter Druck aufbauen kann. Für Ölnebel-Luft-Gemische
wird auch bei höherer Temperatur der Zündtemperatur- bzw. Zünddruckpunkt nicht erreicht.
Die im Stand der Technik vorhandenen ölführenden Leitungen zwischen Biegeeinstellwalze
und Hydrauliköltank sind mit Hydrauliköl zumindest teilweise gefüllt, so dass ein
Gasdruckausgleich hierüber nicht stattfinden kann.
[0010] Es ist zudem vorteilhaft, wenn ein schaltbares Einlassventil für ein unter Druck
stehendes Inertgas in die Biegeeinstellwalze und/oder in den Hydrauliktank vorhanden
ist. Inertgase wie beispielsweise die gut geeigneten Gase Stickstoff, Kohlendioxid,
Argon, Warexen, FM200 oder Inergen sind ideale Zusätze oder Ersatz für sauerstoffreiche
Gase in explosionsgefährdeter Umgebung. Man wird also die Luft in der Walze weitgehend
durch ein Inertgas ersetzen, um Verbrennungsreaktionen weiter zu minimieren. Dieses
Inertgas wird beispielsweise handelsüblichen, an der Inertgasleitung für das Inertgas
angeschlossenen Druckflaschen entnommen.
[0011] Vorzugsweise bilden die Biegeeinstellwalze und der Hydrauliktank ein gasdichtes geschlossenes
System. Bislang war es immer üblich, den Ölhydrauliktank gegenüber der Umgebung nicht
gasdicht zu verschließen. Für die Erfindung wäre dies jedoch unvorteilhaft, da ständig
neue Inertgasmengen, die sehr kostspielig sind, zugeführt werden müssten. Durch das
gasdichte Verschließen des Systems Walze-Tank sind kaum Verluste des Inertgases mehr
zu befürchten.
[0012] Es ist von Vorteil, wenn in einer Inertgasleitung des Inertgases ein Druckregelventil
vorgesehen ist. Auf diese Weise ist der Druck in der Walze auf einem konstanten Niveau
einstellbar. Dies ist insbesondere bei flexiblen Walzenmänteln ein wesentliches Merkmal.
In der Regel laufen diese Walzenmäntel nahe der Gegenwalze über einen konkav geformten,
hydraulisch wirkenden Anpressschuh. Ein zu hoher Innendruck im Walzeninnenraum würde
den Wechsel von einem konvexen in einen konkaven Verlauf des Mantels zu stark beeinträchtigen.
[0013] Bevorzugt liegt der Druck im Walzeninnenraum und im Hydrauliktank zwischen 30 und
200 mbar, und hier vorzugsweise zwischen 50 und 80 mbar. Diese Druckwerte kennzeichnen
die Überdruckwerte gegenüber dem Atmosphärendruck. Versuche haben gezeigt, dass dieser
Druckbereich ein Optimum zwischen Flexibilität zu konkavem Verlauf und Mantelrundheit
im nicht belasteten Bereich bietet.
[0014] Überhaupt ist es sinnvoll, an verschiedenen Orten Druckmesseinrichtungen vorzusehen.
Die Installation eines Sauerstoff-Partialdruck-Messgerätes an der Biegeeinstellwalze
und Regelung des SauerstoffPartialdrucks bzw. die Installation eines Inertgas-Partialdruck-Messgerätes
an der Biegeeinstellwalze und Regelung des Inertgas-Partialdrucks ist besonders vorteilhaft.
Der Partialdruck des Inertgases im Inneren der Walze wird so eingestellt, dass die
Sauerstoffmenge zwischen 4-6% beträgt, da dann üblicherweise Hydrauliköle nicht mehr
brennen und damit keine explosionsfähige Atmosphäre bilden können.
[0015] Es ist günstig, wenn der Mantel diesen Zielen angepasst wird und zumindest teilweise
aus Kunststoff gefertigt ist und eine Wandstärke unter 20 mm hat. Dieser Mantel ist
ausreichend flexibel, um eine relativ lange Behandlungsstrecke (Nip) für die Faserstoffbahn
zu ermöglichen.
[0016] Es ist von Vorteil, wenn eine vorzugsweise pumpenunterstützte Abflussleitung für
Öl aus dem Walzeninnenraum in den Hydrauliktank vorgesehen ist. Die Versorgung des
hydraulisch auf den Mantel wirkenden Hydraulikzylinder-Kolben-Systems und/oder einer
Lagerschmierung mit Hydrauliköl wird die Walze mit der Zeit immer mehr füllen. Das
hat einerseits einen sehr negativen Einfluss auf die erforderliche Antriebsleistung
und das Formverhalten der Walze. Andererseits verkleinert sich das Volumen, das mit
Inertgas gefüllt ist.
[0017] Zusätzlich sind weitere Maßnahmen zur Vermeidung einer Explosionsgefährdung zu empfehlen.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn eine Ölkühlvorrichtung vorgesehen ist. Diese wird
in der Regel am Hydrauliköltank installiert und pumpt das Hydrauliköl des Tanks, das
sich durch den Rücklauf des warmen Hydrauliköls aus der Walze ebenfalls erwärmen kann,
umlaufend durch einen kühlenden Wärmetauscher. Auf diese Weise ist sichergestellt,
dass die Temperaturen des Hydrauliköls zur Versorgung des hydraulisch auf den Mantel
wirkenden Hydraulikzylinder-Kolben-Systems und/oder einer Lagerschmierung ebenfalls
nicht übermäßig hoch sind.
[0018] Vorzugsweise ist ein Druckspeicher für das Inertgas oder ein Luft-Inertgas-Gemisch
vorgesehen. Durch Einsatz einer solchen Booster-Speicherstation können die Systemverluste
an Inertgas minimiert werden. Hierzu wird aus dem Hydrauliköltank über einen Kompressor
das Inertgas in einen Zwischenspeicher mit Druckmessung eingespeist. Über ein Magnetventil
kann die Zuführung über die Druckflaschen abgeschaltet werden und das Inertgas aus
dem Zwischenspeicher zum Ausgleich von Leckagen etc. genutzt werden. Wenn der Zwischenspeicher
nicht mehr genügend Druck liefert, wird wieder auf die Druckversorgung mittels Druckflaschen
umgeschaltet.
[0019] Die Erfindung wird im Folgenden anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme
auf die Zeichnungen näher erläutert. In dieser zeigt Figur 1 einen Hydraulikplan mit
einer schematischen, längsgeschnittenen Darstellung einer Biegeeinstellwalze einer
Bahnbehandlungsvorrichtung. In Fig. 2 ist ein Querschnitt der Bahnbehandlungsvorrichtung
mit angedeuteten Hydraulikleitungen dargestellt.
[0020] In Fig. 1 kann man erkennen, dass die Bahnbehandlungsvorrichtung 1 beispielsweise
aus zwei Walzen besteht.
[0021] Eine Walze ist eine vorzugsweise beheizbare Gegenwalze 2 und die andere Walze ist
eine Biegeeinstellwalze 4, die von der Erfindung besonders betroffen ist. Eine solche
Biegeeinstellwalze 4 besitzt eine feststehende Achse 8. Auf dieser ist über Lager
11 ein Mantel 3 an beiden Enden gelagert. Hierzu werden ggf. Lagerringe 12 hinzugefügt.
[0022] Zwischen Achse und Mantel in radialer Richtung und den Lagerringen bzw. Lagern in
axialer Richtung ist ein ringförmiger Walzeninnenraum 16 gebildet, der üblicherweise
mit Hydrauliköl und Luft gefüllt ist.
[0023] Der Mantel 3 kann aus den unterschiedlichsten Materialien bestehen, wie beispielsweise
Stahl, Guss oder Kunststoff oder einer Kombination der Materialien. In dem Ausführungsbeispiel
ist ein flexibler Mantel aus etwa 5 mm starkem faserverstärktem Polyurethan vorgesehen.
Entsprechend wird die Abstützung zwischen Mantel 3 und Achse 8 im Bereich des Nips
5, also der Kontaktstelle mit der Gegenwalze 2, durch einen, in seiner konkaven Oberfläche
10 der Gegenwalze 2 angepassten Druckschuh 7 realisiert. Diese Form ersieht man am
besten in Figur 2. Die Andruckkraft wird durch wenigstens ein Hydraulikzylinder-Kolben-System
9 erzeugt. In bekannter Weise kann - wie in Figur 1 dargestellt - eine gedrosselte
Leitung 23 aus dem Zylinderraum durch den Kolben an die Oberfläche 10 des Druckschuhs
7 geführt sein, um dort in einer nicht dargestellten Tasche einen hydrostatischen
Druck auf den Mantel 3 auszuüben. Diese Technik ist durch jede herkömmliche Biegeeinstellwalze
mit Stützelementen oder auch jede herkömmliche Schuhwalze, beide Walzentypen also
mit Hydraulikzylinder-Kolben-Systemen ausgestattet, bekannt und muss hier nicht weiter
erläutert werden. Die Erfindung gilt gleichermaßen für jeden dieser Walzentypen, ist
aber besonders bei einer Schuhwalze mit konkav geformten Druckschuhen zwischen Hydraulikzylinder-Kolben-System
und Mantel geeignet.
[0024] Im Nip 5, der Kontaktfläche der beiden Walzen 2, 4, wird eine Faserstoffbahn 6 behandelt.
Für den Fall, dass die Bahnbehandlungsvorrichtung 1, wie im angeführten Beispiel,
einem Kalander entspricht, wird die Faserstoffbahn 6 in erster Linie geglättet, verdichtet
oder mit Glanz versehen.
[0025] Zu einer Biegeeinstellwalze führen zahlreiche Leitungen. Die Zuleitung 24 führt vom
Hydrauliköltank 20 über eine Förderpumpe 21 durch die Achse 8 zu dem wenigstens einen
Hydraulikzylinder-Kolben-System 9 und weiter durch eine gedrosselte Leitung 23 im
Hydraulikzylinder-Kolben-System zur Oberfläche 10 des Druckschuhs 7, um den notwendigen
Druck des Mantels 3 in Richtung Gegenwalze 2 bzw. Faserstoffbahn 6 zu bewirken und
gleichzeitig die Kontaktfläche zwischen Druckschuh 7 und Mantel (3) zu schmieren.
Die Drossel 37 im Hydraulikzylinder-Kolben-System 9 wird üblicherweise durch eine
Kapillare realisiert. Alternativ kann die Förderleitung aber auch an jeder anderen
Stelle der Biegeeinstellwalze 4 oder dem Druckschuh 7 zugeführt werden, wo das geförderte
Hydrauliköl einen hydrostatischen oder hydrodynamischen Druck zwischen der Oberfläche
10 des Druckschuhs 7 und dem Mantel 3 aufbauen kann. Eine mögliche Belieferung des
Lagers 11 mit Hydrauliköl als Schmierstoff ist durch die gestrichelte Line 38 in Figur
1 angedeutet. Die ständige Versorgung des Walzeninnenraums 16 über die Zuleitung 24
bedingt, dass das Hydrauliköl auch wieder abgeführt werden muss. Dazu dient die Ableitung
25, die ebenfalls von einer Förderpumpe 22 unterstützt sein kann. Die Förderpumpe
22 kann als Saugpumpe in der Nähe des Hydrauliköltankes 20 vorgesehen sein, wohin
das Hydrauliköl zurückgepumpt wird. Sie kann aber auch in der Biegeeinstellwalze 4
angeordnet sein, wo sie Hydrauliköl, das aufgrund der Zentrifugalkraft am Mantel anliegt
und dort beispielsweise über einen schaberartigen Auffangbehälter 13 aufgenommen wird
von dort als Druckpumpe zurück in den Hydrauliköltank 20 zurückfördert. Es kann aber
auch einfach das Gefälle zwischen Biegeeinstellwalze 4 und Hydrauliköltank 20 genutzt
werden. Mit nicht dargestellten, aber bekannten geeigneten Gasabscheidern kann dafür
gesorgt werden, dass das mit dem Hydrauliköl aus der Biegeeinstellwalze geförderte
Gas abgetrennt und über einen Kompressor zurück in die Biegeeinstellwalze 4 geführt
wird.
[0026] Die beschriebenen Bahnbehandlungsvorrichtungen 1 werden heutzutage in ihrer Geschwindigkeit
ständig gesteigert. Das hat negative Auswirkungen auf den Verschleiß der Lager 11.
Eine beispielsweise durch Verunreinigungen im Schmiermittel verursachte Fehlstelle
kann zu derart hohen Reibungen führen, dass sich das Lager stark erhitzt. Die Wärme
überträgt sich dann in den Walzeninnenraum 16. Dies kann gefährliche Auswirkungen
haben. Denn neben dem Hydrauliköl ist der Walzeninnenraum 11 in der Regel mit einem
Gemisch aus einem Ölnebel und Luft gefüllt. Dieses Gemisch kann sich unter einer gewissen
Temperatur und unter einem gewissen Druck entzünden und zu Verpuffungen oder sogar
Explosionen führen. Deshalb ist erfindungsgemäß eine Gasdruckausgleichsleitung 26
zwischen Walzeninnenraum 16 und dem Ölhydrauliktank 20 vorgesehen. Mit dieser Maßnahme
kann sich der Druck im Walzeninnenraum 16 nicht in unzulässiger Größe aufbauen, sondern
wird in den Hydrauliköltank abgeleitet. Dort kann hilfsweise noch ein Überdruckventil
34 oder eine Berstscheibe 18 installiert sein.
[0027] Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn das ganze System aus Biegeinstellwalze
4 und Hydrauliköltank 20 ein geschlossenes gasdichtes System darstellt. Der Gasdruck
im Walzeninnenraum 16 und der im Hydrauliköltank 20 sind in diesem Fall annähernd
gleich. Wird der Druck aufgrund einer Temperaturerhöhung gefährlich hoch, so wird
zunächst das vorgesehene Überdruckventil 34 reagieren und bei noch höherem Druck die
Berstscheibe 18.
[0028] Besonders vorteilhaft für die Erfindung ist es, wenn über ein Druckregelventil 32
ein Inertgas, wie beispielsweise Stickstoff, Kohlendioxid, Argon, Warexen, FM200 oder
Inergen in die Biegeeinstellwalze 4 über die Inertgasleitung 27 eingeleitet wird.
Alternativ wäre auch die Einleitung des Inertgases in den Hydrauliköltank 20 möglich.
Das Druckregelventil 32 wird mittels eines Druckmessgerätes 35 und einer elektronischen
Steuerung 14 geregelt. An der Inertgasleitung 27 werden handelsübliche Inertgas-Druckflaschen
15 angeschlossen. In der Leitung sind weiterhin ein schaltbares Magnetventil 33 und
eine Druckreduzierstation 28 vorgesehen. Der Partialdruck des Inertgases im Walzeninnenraum
16 wird so eingestellt, dass die Sauerstoffmenge zwischen 4- 6 % beträgt. Das vermindert
die Erstickungsgefahr bei einem Notfall. Weiterhin sind typische Hydrauliköle bei
dieser Sauerstoffmenge nicht mehr brennbar.
[0029] Insgesamt sollte der Gasdruck im Walzeninnenraum 16 und somit auch im Ölhydrauliktank
20 zwischen 30 und 200 mbar betragen, vorzugsweise zwischen 50 und 80 mbar. Dadurch
wird die Formgebung bei besonders schlaffen Walzenmänteln 3 der Biegeeinstellwalze
4 gewährleistet. Der Mantel 3 bleibt aber auch flexibel genug, wenn er die Biegungen
rund um einen konvexen Druckschuh 7 mitmachen muss. Deshalb ist in dem Ausführungsbeispiel
ein Walzenmantel mit etwa 5 mm Wandstärke aus faserverstärktem Polyurethan gewählt
worden.
[0030] Um die Temperaturen des Hydrauliköls in Hydrauliköltank 20 und Biegeeinstellwalze
4 besser kontrollieren zu können und einen unerlaubten Anstieg zu vermeiden, ist eine
Ölkühlvorrichtung 29 vorgesehen. Sie besteht aus einem Umlaufsystem aus und in den
Hydrauliköltank 20, einer Pumpe 30 und einem wassergekühlten Wärmetauscher 31. Ohne
dargestellt zu sein, ist möglich, die Temperatur des Öls über Temperaturfühler zu
überwachen und zu regulieren.
[0031] Mit zusätzlichem Nutzen kann auch ein Druckspeicher 17 für das Inertgas bzw. das
Gemisch aus Inertgas und verbliebener Luft vorgesehen sein. Dadurch können die Systemverluste
an Inertgas minimiert werden, weil die Zuleitung des Inertgases aus den Druckflaschen
15 für längere Zeit abgeschaltet werden kann, wenn der Druckspeicher 17 einmal mit
dem gewünschten Druck gefüllt ist. Gespeist wird der Druckspeicher 17 entweder von
den Druckflaschen 15 oder über den Kompressor 19 aus dem Gasraum des Hydrauliköltanks
20.
[0032] Nach einem Mantelwechsel ist eine erneute Inertisierung der Biegeeinstellwalze 4
erforderlich. Die Inertgasmenge zum Spülen wird durch die Messung beispielsweise an
einem Durchflussmessgerät 36 in der Gasdruckausgleichsleitung 26 vorgenommen. Sobald
der Gasanteil der Luft genügend gering ist, wird die Zufuhr des Inertgases abgestellt.
[0033] Von den dargestellten Ausführungsformen kann in vielfacher Hinsicht abgewichen werden,
ohne den Grundgedanken der Erfindung zu verlassen. Insbesondere kann das Hydraulikschema
entsprechend den Gegebenheiten angepasst werden. Verschiedene Messgeräte und Ventile
können an unterschiedlichen Stellen zusätzlich mit entsprechendem Nutzen installiert
sein.
[0034] Der Vollständigkeit halber seien zusätzliche nicht dargestellte Alarm gebende Sicherungssysteme
zum Schutz vor Entzündungen in der Biegeeinstellwalze 4 beispielhaft genannt:
- a) Installation und Betrieb einer Online-Schwingungsmessung an jeder Lagerstelle.
Das Konzept sieht dann eine Not-Inertisierung der Biegeeinstellwalze 4 und des Hydrauliköltanks
20 vor, wenn ein Lagerschaden mit der Online-Schwingungsmessung detektiert wird,
- b) Temperaturmessung(en) im Inneren der Biegeeinstellwalze 4 zur Erkennung von unerwünschten
Temperaturerhöhungen,
- c) Installation eines Rauchmeldesensors im Walzeninnenraum 16 der Biegeeinstellwalze
4,
- d) Einsatz eines Flammendetektors/ Rauchmelders/ Partialdrucksensors/ Drucktransmitters
und
- e) Installation von Pulverlöschbehältern, die bei einer beginnenden Explosion die
Löschbehälter im Inneren der Biegeeinstellwalze 4 freigeben, so dass die beginnende
Explosion unterdrückt wird.
Bezugszeichenliste
[0035]
- 1
- Bahnbehandlungsvorrichtung
- 2
- Gegenwalze
- 3
- Mantel
- 4
- Biegeeinstellwalze
- 5
- Nip
- 6
- Faserstoffbahn
- 7
- Druckschuh
- 8
- Achse
- 9
- Hydraulikzylinder-Kolben-System
- 10
- konkave Oberfläche
- 11
- Lager
- 12
- Lagerring
- 13
- Auffangbehälter
- 14
- Steuerung
- 15
- Inertgas-Druckflasche
- 16
- Walzeninnenraum
- 17
- Druckspeicher
- 18
- Berstscheibe
- 19
- Kompressor
- 20
- Hydrauliköltank
- 21
- Förderpumpe
- 22
- Förderpumpe
- 23
- Gedrosselte Leitung im Hydraulikzylinder-Kolben-System
- 24
- Zuleitung
- 25
- Ableitung
- 26
- Gasdruckausgleichsleitung
- 27
- Inertgasleitung
- 28
- Druckreduzierstation
- 29
- Ölkühlvorrichtung
- 30
- Pumpe
- 31
- Wärmetauscher
- 32
- Druckregelventil
- 33
- Magnetventil
- 34
- Überdruckventil
- 35
- Druckmessgerät
- 36
- Durchflussmessgerät
- 37
- Drossel
- 38
- Lagerschmierung
1. Bahnbehandlungsvorrichtung, insbesondere Kalander, mit
a) wenigstens einer Biegeeinstellwalze (4) mit einem umlaufenden Mantel (3), dessen
äußere Oberfläche zur Behandlung einer Faserstoffbahn (6) dient, wobei
aa) der Mantel (3) der Länge nach von einer, einen Abstand zur Innenfläche des Mantels
(3) belassenden Achse (8) durchsetzt ist, so dass ein Walzeninnenraum (16) geschaffen
ist, und wobei
ab) an der Achse (8) wenigstens ein hydraulisch auf den Mantel wirkendes Hydraulikzylinder-Kolben-System
(9) angebracht ist und wobei
ac) an jedem Ende des Mantels (3) Lager (11) zur Abstützung des Mantels (3) auf der
Achse (8) vorgesehen sind, und
b) wenigstens einem Hydrauliköltank (20) und einer an eine Zuleitung (24) zwischen
Hydrauliköltank (20) und Biegeeinstellwalze (4) angeschlossenen Förderpumpe (21) zur
Versorgung des hydraulisch auf den Mantel (3) wirkenden Hydraulikzylinder-Kolben-Systems
(9) und/oder einer Lagerschmierung (38) mit Hydrauliköl,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Gasdruckausgleichsleitung (26) zwischen dem Walzeninnenraum (16) und dem Hydrauliköltank
(20) vorhanden ist.
2. Bahnbehandlungsvorrichtung gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein schaltbares Einlassventil (32, 33) für ein unter Druck stehendes Inertgas in die
Biegeeinstellwalze (4) und/oder in den Hydrauliktank (20) vorhanden ist.
3. Bahnbehandlungsvorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Biegeeinstellwalze (4) und der Hydrauliktank (20) ein gasdichtes geschlossenes
System bilden.
4. Bahnbehandlungsvorrichtung nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
in einer Inertgasleitung (27) des Inertgases ein Druckregelventil (32) vorgesehen
ist.
5. Bahnbehandlungsvorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Druck im Walzeninnenraum (16) und im Hydrauliktank (20) zwischen 30 und 200 mbar,
vorzugsweise zwischen 50 und 80 mbar liegt.
6. Bahnbehandlungsvorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
am Hydrauliktank (20) und/oder dem Walzeninnenraum (16) wenigstens eine Druckmesseinrichtung
(35) vorhanden ist.
7. Bahnbehandlungsvorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Walze einen Mantel (3) besitzt, der zumindest teilweise aus Kunststoff gefertigt
ist und eine Wandstärke unter 20 mm hat.
8. Bahnbehandlungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine vorzugsweise pumpenunterstützte Abflussleitung (25) für Öl aus dem Walzeninnenraum
(16) in den Hydrauliktank (20) vorgesehen ist.
9. Bahnbehandlungsvorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Ölkühlvorrichtung (29) vorgesehen ist.
10. Bahnbehandlungsvorrichtung gemäß einem der Ansprüche 2 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein Druckspeicher (17) für das Inertgas oder ein Luft-Inertgas-Gemisch vorgesehen
ist.