Gebiet der Erfindung
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Ausrüsten von Fasern und textilen Flächengebilden
mit beladbaren Mikrosphären.
Stand der Technik
[0002] Unter dem Begriff "Tragekomfort" werden gestiegene Anforderungen des Verbrauchers
zusammengefasst, der sich nicht mehr allein damit zufrieden geben will, dass die von
ihm unmittelbar auf der Haut getragene Wäsche, wie beispielsweise Dessous oder Strumpfhosen
weder kratzen noch Hautrötungen verursachen, sondern vielmehr erwartet, dass sie sich
positiv auf den Zustand seiner Haut auswirkt. Dabei kann es sich sowohl darum handeln,
Ermüdungserscheinungen abzuhelfen, als auch einen frischen Duft zu vermitteln oder
Hautrauhigkeiten zu vermeiden. Es hat daher nicht an Bemühungen gefehlt, Textilien,
beispielsweise Damenstrumpflhosen, mit kosmetischen Wirkstoffen auszurüsten, die beim
Tragen auf die Haut übergehen und dort die gewünschten Effekte hervorrufen.
[0003] Eine wichtige technische Aufgabenstellung besteht vor diesem Hintergrund darin, Textilien
mit Wirkstoffen auszurüsten; von Bedeutung sind hierbei insbesondere:
Wirkstoffe werden in Mikrokapseln eingebracht und die beladenen Mikrokapseln auf Textilien
aufgebracht. Durch mechanische Zerstörung der Mikrokapseln, z.B. durch Reibung auf
der Haut, werden die Wirkstoffe freigesetzt. Nachteilig an dieser Lösung ist, dass
die Mikrokapseln, also gewissermaßen die "Behälter" der Wirkstoffe, zerstört werden.
[0004] EP 1,600,210 A1 beschreibt beladene Mikrosphären. Es handelt sich darum, Mikrosphären mit Wirkstoffen
zu beladen und die beladenen Mikrosphären dann ohne die Verwendung von Bindemitteln
auf Textiloberflächen aufzubringen, wo sie physikalisch adsorbiert werden. Zwar ist
bei dieser technischen Lösung eine gewisse Waschresistenz gegeben, diese genügt jedoch
nicht höchsten Anforderungen.
[0005] WO 2006/015718 A1 beschreibt Fasern und textile Flächengebilde, die sich dadurch auszeichnen, dass
sie mit Mischungen aus (a) hydrophoben Wirkstoffen und (b) Bindemitteln. Hierbei werden
Wirkstoffe ohne die Vermittlung von Mikrokapseln oder dergleichen auf Textiloberflächen
aufgebracht, jedoch nicht direkt, sondern mittels filmbildenden Polymeren (Bindemitteln).
Bei dieser technischen Lösung fehlt es an einer kontrollierten Freisetzung der Wirkstoffe.
Beschreibung der Erfindung
[0006] Es war die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine technische Lösung dafür bereitzustellen,
die gewährleistet, dass Textilien vom Anwender mit an sich beliebigen Wirkstoffen
geladen und auch nachgeladen (reload) werden können. Dabei sollte eine kontrollierte
Freisetzung der Wirkstoffe gegeben sein. Ferner sollte eine gegenüber dem bekannten
Stand der Technik verbesserte Waschpermanenz gegeben sein. Unter Waschpermanenz ist
zu verstehen, dass die oben genannten erwünschten Eigenschaften der Textilien, durch
Waschen in nur mäßigem Umfang gemindert werden. Insbesondere galt es in diesem Zusammenhang,
ein Verfahren bereitzustellen, das eine zuverlässige Aufbringung von Wirkstoffen auf
Textilien ermöglicht.
[0007] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Ausrüsten von Fasern und textilen
Flächengebilden mit (a) absorbierenden Mikrosphären und (b) filmbildenden Polymeren
(Bindemittel), wobei die Komponente (a) mittels der Komponente (b) auf der Textiloberfläche
fixiert ist, wobei man
- (1) eine wässrige Dispersion der Mikrosphären (a) unter Verwendung von Alkali-und/oder
Erdalkaliseifen von Fettsäuren mit 6 bis 24 C-Atomen als Dispergatoren herstellt,
wobei man diese Fettsäureseifen entweder als solche einsetzt oder in situ aus Fettsäuren
und Alkalihydroxiden herstellt,
- (2) in die so hergestellten Dispersionen Fasern oder textile Flächengebilde einbringt,
wobei gewünschtenfalls eine weitere Verdünnung mit Wasser erfolgt,
- (3) den pH-Wert der wässrigen Flotte durch Zugabe von organischen und/oder anorganischen
Säuren langsam in der Weise absenkt, dass dass die in der Flotte vorhandenen Alkali-
und/oder Erdalkaliseifen in die entsprechenden Fettsäuren umgewandelt werden, und
- (4) Bindemittel (b) zugibt, die im sauren pH-Bereich auf das sphärenbeladene Textil
aufziehen.
[0008] In einer Ausführungsform wird die in Schritt (1) hergestellt Dispersion in Schritt
(2) mit Wasser verdünnt.
[0009] Das erfindungsgemäße Verfahren hat mehrere Schritte, diese sind jedoch nicht isoliert,
sondern in ihrem Zusammenwirken zu verstehen. Schritt (1) hat den Zweck, eine wäßrige
Dispersion der Mikrosphären (a) herzustellen, wobei festzuhalten ist, dass es sich
um eine Feststoff-Dispersion handelt. In Schritt (2) wird in die so hergestellte Dispersion
Textil eingebracht. In Schritt (3) wird durch Absenkung des pH-Wertes erreicht, dass
die Dispergatoren in die saure Form überführt werden; dadurch verlieren sie ihre dispergierende
Wirksamkeit mit der Folge, dass die Mikrosphären (a) quasi "ausfallen", was sie in
einer Weise tun, dass sie sich auf dem Textil ablagern. Schritt (4) hat den Zweck,
die Mikrosphären (a), die in Schritt (3) auf das Textil aufgebracht wurden, waschpermanent
an das Textil zu binden.
[0010] Als wesentliche Vorteile der beschriebenen Erfindung sind zu nennen:
- Herstellung einer Dispersion von Mikrosphären (a), die feste Teilchen darstellen,
in Schritt (1) unter Verwendung von preisgünstigen, gut verfügbaren und ökologisch
vorteilhaften Fettsäureseifen;
- einfache Prozessführung durch Steuerung der Aufziehrate über den pH-Wert in Schritt
(3);
- sehr hohe Aufziehraten der Mikrosphären (a) auf die damit auszurüstenden Textilien,
da die als Dispergatoren eingesetzten Seifen nach Absenkung des pH-Wertes in nicht
emulgierende Fettsäure gespalten wird;
- und schließlich eine deutliche Verbesserung der Waschpermanenz, indem in Schritt (4)
die Mikrosphären (a) an das textil gebunden werden.
[0011] In einer Ausführungsform wählt man die in Schritt (1) zur Anwendung kommenden Alkali-
und/oder Erdalkaliseifen von Fettsäuren mit 6 bis 24 C-Atomen so, dass sie einen HLB-Wert
im Bereich von 8 bis 25 aufweisen.
[0012] In einer bevorzugten Ausführungsform stellt man in Schritt (1) die Alkali- und/oder
Erdalkaliseifen von Fettsäuren mit 6 bis 24 C-Atomen in situ her, indem man die gewünschten
Mikrosphären (a) mit ein oder mehreren Fettsäuren mit 6 bis 24 C-Atomen vermischt,
dann Wasser hinzufügt und die Fettsäuren durch Zugabe von Alkali-und/oder Erdalkalihydroxiden
in die entsprechenden Seifen überführt.
[0013] In einer Ausführungsform enthält die in Schritt (1) hergestellte Dispersion 1 bis
90 Gew.-% - bezogen auf die gesamte Dispersion - an Mikrosphären (a). Vorzugsweise
enthält die in Schritt (1) hergestellte Dispersion 10 bis 70 Gew.-% und insbesondere
30 bis 60 Gew.-% - jeweils bezogen auf die gesamte Dispersion - an Mikrosphären (a).
[0014] Die in Schritt (2) eingestellten Flottenverhältnisse sind an sich nicht kritisch.
In einer bevorzugten Ausführungsform stellt man in Schritt (2) Flottenverhältnisse
im Bereich von 1 : 10 und 1: 15 ein. Der Begriff Flottenverhältnis ist dem Fachmann
bekannt. Man versteht darunter das Verhältnis von Textilmenge zum Wasservolumen in
der zur Ausrüstung verwendeten Maschine.
[0015] Die Erfindung unterliegt im Hinblick auf die in Schritt 3 einzusetzenden Säuren an
sich keinen besonderen Einschränkungen, sofern gewährleistet ist, dass diese Säuren
die als Dispergatoren eingesetzten Alkali- und/oder Erdalkaliseifen der genannten
Fettsäuren in die freien Fettsäuren zu überführen vermögen. In einer bevorzugten Ausführungsform
wählt man in Schritt (3) die Säure aus der Gruppe Essigsäure, Milchsäure und Glykolsäure.
[0016] Die in Schritt (3) stattfindende Absenkung des pH-Wertes erfolgt vorzugsweise langsam.
Hierdurch wird sichergestellt, dass das Aufziehen der Mikrosphären (a) auf dem Textil
in sehr hohen Mengen erfolgt. Vorzugsweise erfolgt die in Schritt (3) stattfindende
Absenkung des pH-Wertes in einer Geschwindigkeit, dass das Aufziehen der Mikrosphären
(a) auf dem Textil in Mengen von mindestens 70% und insbesondere von mindestens 80%
- bezogen auf die Gesamtmenge der in der Flotte vorhandenen Mikrosphären (a) - erfolgt.
Zu den absorbierenden Mikrosphären (a)
[0017] Die Mikrosphären (a) können unbeladen oder mit Wirkstoffen teilbeladen oder vollbeladen
sein. Sie erfüllen die Funktion, dass sie vom Anwender je nach Wunsch beladen und
nach Freisetzung der Wirkstoffe auch je nach Wunsch wieder neu beladen werden können.
[0018] Bei absorbierenden Mikrosphären handelt es sich um Gebilde, die eine weitgehend homogene
Struktur aufweisen. Die im Rahmen der vorliegenden Erfindung zum Einsatz kommenden
absorbierenden Mikrosphären haben die Eigenschaft, Wirkstoffe aufnehmen und auch wieder
freisetzen zu können, wobei beides mehrfach geschehen kann, d.h. Wirkstoffe können
durch Beladen oder Wiederbeladen aufgenommen und im Laufe der Zeit wieder freigesetzt
werden. Wegen dieser Eigenschaft werden diese Mikrosphären als absorbierende Mikrosphären
bezeichnet. Der Einfachheit halber wird jedoch an zahlreichen Stellen der Beschreibung
der vorliegenden Anmeldung der Zusatz "absorbierend" (= zur Aufnahme von Wirkstoffen
fähig) weggelassen und einfach von Mikrosphären gesprochen. Die Wirkstoffe können
an der Oberfläche der Mikrosphären adsorbiert und/oder in den Mikrosphären gelöst
und/oder in den Mikrosphären z.B. in feinen Kanälen eingelagert sein. Mikrosphären
sind formstabil, d.h. sie werden bei der Freisetzung der Wirkstoffe nicht zerstört.
Ausdrücklich sei festgestellt, dass Mikrokapseln, die ja bei der Freisetzung der Wirkstoffe
zerstört werden, nicht unter die Definition von Mikrosphären fallen.
[0019] Der zentrale Punkt der durch die vorliegende Erfindung vorgeschlagenen technischen
Lösung besteht in einer Kombination mehrerer Faktoren:
- Die Mikrosphären wirken als Container für Wirkstoffe.
- Die Mikrosphären sind formstabil und werden durch Freisetzung der Wirkstoffe nicht
zerstört.
- Die Mikrosphären können mehrfach - auch mit unterschiedlichen Wirkstoffen - nachbeladen
werden (reload).
[0020] Die Mikrosphären werden durch - ein oder mehrere - filmbildende Polymere auf der
Textiloberfläche fixiert, wodurch sich eine im Vergleich zum Stand der Technik relative
Verbesserung der Waschpermanenz ergibt.
[0021] Die Mikrosphären weisen vorzugsweise Kugelform auf, sind jedoch hinsichtlich ihrer
Geometrie nicht auf Kugelform beschränkt, sondern können auch andere Raumformen aufweisen,
beispielsweise können sie Rotatiosellipsoide darstellen oder Stäbchenform aufweisen.
[0022] Die Mikrosphären weisen bevorzugt eine mittlere Teilchengröße im Bereich von 1 bis
15 Mikrometern und insbesondere von 5 bis 10 Mikrometern auf.
[0023] In einer Ausführungsform setzt man Mikrosphären auf Basis von Polymethylmethacrylat
(PMMA) ein. Beispiele sind etwa Covabead LH 85 oder LH 170 der Fa. LCW oder Cosmedia
PMMA V8, Cosmedia PMMA V 12 oder Cosmedia SILC der Fa. Cognis.
[0024] In einer Ausführungsform setzt man Mikrosphären auf Silikon- oder SiO
2-Basis ein. Beispiel sind "Dow Corning 9509 Silicone Elastomer Suspension" der Fa.
Dow Coming.
[0025] In einer bevorzugten Ausführungsform setzt man Mikrosphären auf Basis von Polymethylmethacrylat
(PMMA) ein.
Zu den filmbildenden Polymeren (b)
(Bindemittel)
[0026] Die im Sinne der Erfindung in Betracht kommenden filmbildenden Polymeren (b), die
auch als Bindemittel bezeichnet werden können, können an sich beliebiger Natur sein.
Vorzugsweise werden sie ausgewählt aus der Gruppe, die gebildet wird von
- Polyurethanen (PU),
- Polyethylvinylacetaten (EVA),
- polymeren Melaminverbindungen,
- polymeren Glyoxalverbindungen,
- polymeren Siliconverbindungen,
- epichlorhydrinvernetzten Polyamidoaminen und
- Poly(meth)acrylaten
[0027] Geeignete
Polyurethane (PU) und Polyethylvinylacetate (EVA) stellen etwa die im Handel erhältlichen Produkte aus der Reihe Cognis 3011-A oder
Cognis 3009-A der Firma Cognis.
[0028] Polymere Melaminverbindungen: Melamin (synonym: 2,4,6-triamino-1,3,5-triazin) entsteht üblicherweise durch Trimerisierung
von Dicyandiamid oder durch Cyclisierung von Harnstoff unter Abspaltung von Kohlendioxid
und Ammoniak. Im Sinne der Erfindung werden unter Melaminen oligomere oder polymere
Kondensationsprodukte des Melamins mit Formaldehyd, Harnstoff, Phenol oder deren Gemischen
verstanden.
Polymere Glyoxalverbindungen: Glyoxal (synonym: Oxaldehyd, Ethandial) entsteht bei der Dampfphasenoxidation von
Ethylenglycol mit Luft in Gegenwart von Silberkatalysatoren. Im Sinne der Erfindung
werden unter Glyoxalen die Eigenkondensationsprodukte des Glyoxals ("Polyglyoxale")
verstanden.
[0029] Polymere Siliconverbindungen: Geeignete Siliconverbindungen sind beispielsweise Dimethylpolysiloxane, Methylphenylpolysiloxane,
cyclische Silicone sowie amino-, fettsäure-, alkohol-, polyether-, epoxy-, fluor-,
glykosid- und/oder alkylmodifizierte Siliconverbindungen, die bei Raumtemperatur vorzugsweise
fest oder harzförmig vorliegen. Weiterhin geeignet sind Simethicone, bei denen es
sich um Mischungen aus Dimethiconen mit einer durchschnittlichen Kettenlänge von 200
bis 300 Dimethylsiloxan-Einheiten und hydrierten Silicaten handelt. Besonders bevorzugt
ist der Einsatz von Aminosiloxanen, z.B Cognis 3001 der Fa. Cognis. Deren weiteren
Vernetzung mit H-Siloxanen, z.B. Cognis 3002 der Fa. Cognis kann die Leistung als
Bindemittel noch weiter steigern.
[0030] Epichlorhydrinvernetzte Polyamidoamin: Epichlorhydrinvernetzte Polyamidoamine, die auch als
"Fibrabones" oder "Wet strength resins" bezeichnet werden, sind aus der Textil- und Papiertechnologie hinreichend bekannt.
Zu ihrer Herstellung geht man vorzugsweise von zwei Verfahren aus:
i) Polyaminoamide werden (a) zunächst mit einer Menge von 5 bis 30 Mol-% - bezogen
auf den zur Quaternierung zur Verfügung stehenden Stickstoff - eines Quaternierungsmittels
umgesetzt, und (b) anschließend die resultierenden quatemierten Polyaminoamide mit
einer dem Gehalt an nicht quaterniertem Stickstoff entsprechenden molaren Menge Epichlorhydrin
vernetzt, oder
ii) Polyaminoamide werden (a) zunächst bei 10 bis 35°C mit einer Menge von 5 bis 40
Mol-% - bezogen auf den für die Vernetzung zur Verfügung stehenden Stickstoff - Epichlorhydrin
umgesetzt, und (b) das Zwischenprodukt auf einen pH-Wert im Bereich von 8 bis 11 einstellt
und bei einer Temperatur im Bereich von 20 bis 45°C mit einer weiteren Menge Epichlorhydrin
vernetzt, so dass das molare Einsatzverhältnis in Summe 90 bis 125 Mol-% - bezogen
auf den für die Vernetzung zur Verfügung stehenden Stickstoff - beträgt.
[0031] Poly(meth)acrylate: Unter dem Begriff Poly(meth)acrylate sind Homo- und Copolymerisationsprodukte der
Acrylsäure, Methacrylsäure sowie gegebenenfalls deren Ester, speziell deren Ester
mit niederen Alkoholen, wie z.B. Methanol, Ethanol, Isopropylalkohol, den isomeren
Butanolen, Cyclohexanol und dergleichen zu verstehen, welche in an sich bekannter
Weise, beispielsweise durch radikalische Polymerisation unter UV-Bestrahlung erhalten
werden. Typischerweise liegt das mittlere Molekulargewicht der Polymeren zwischen
100 und 10.000, vorzugsweise bei 200 und 5.000 und insbesondere 400 bis 2.000 Dalton.
[0032] Üblicherweise werden die Bindemittel (b) - bezogen auf die Komponente (a) - in Mengen
von 0,5 bis 15, vorzugsweise 1 bis 10 und insbesondere 1 bis 5 Gew.-% auf die Fasern
aufgebracht. Dabei sind unter Komponente (a) die Mikrosphären in unbeladener Form
zu verstehen.
Wirkstoffe
[0033] Die Auswahl der Wirkstoffe, die zur Beladung der Mikrosphären bestimmt sind, ist
an sich unkritisch und richtet sich ausschließlich danach, welcher Effekt auf der
Haut bewirkt werden soll. Für die textile Ausrüstung, aber auch für die kosmetische
Anwendungen, sind solche Wirkstoffe bevorzugt, die feuchtigkeitsspendende Eigenschaften
aufweisen oder Cellulite entgegenwirken sind. Typische Beispiele sind Tocopherol,
Tocopherolacetat, Tocopherolpalmitat, Carotine, Koffein, Ascorbinsäure, (Desoxy)Ribonukleinsäure
und deren Fragmentierungsprodukte, β-Glucane, Retinol, Bisabolol, Allantoin, Phytantriol,
Panthenol, AHA-Säuren, Aminosäuren, Ceramide, Pseudoceramide, Chitosan, Dihydroxyaceton,
Menthol, Squalan, ätherische Öle (z.B. Lavendelöl, Zitronenöl, Eukalytusöl oder Pfefferminzöl),
pflanzliche Öle (z.B. Monoi de Tahiti, Shea Butter, Mandelöl, Passionsfruchtöl, Hagebuttenkernöl
oder Aprikosenöl), pflanzliche Proteine und deren Hydrolyseprodukte, Pflanzenextrakte,
wie z.B. Extrakte von Ginkgo biloba, Camellia sinensis, Trifolium pratensis, Oleacea
europensis, Litchi sinensis, Valeriana oficinalis, Medicago sativa, Vitis vinifera,
Passiflora incamata und dergleichen sowie Vitaminkomplexe zu verstehen.
[0034] Besonders bevorzugt wählt man die Wirkstoffe aus der Gruppe, die gebildet wird von
ätherischen Ölen, pflanzlichen Ölen, Squalan, Chitosan, Menthol, Retinol (bzw. Vitamin
A), Koffein, pflanzlichen oder tierischen Proteinen und deren Hydrolyseprodukten,
Carotinen und Jojobaöl. Diese verfügen über ein sehr breites Eigenschaftsprofil und
tragen einzeln bzw. in Kombination zum Gleichgewicht der cutanen Hydrolipidschicht
bei, beugen dem Wasserverlust und damit der Faltenbildung vor, erfrischen die Haut
und wirken Ermüdungserscheinungen entgegen, verleihen der Haut ein weiches und elastisches
Gefühl, verbessern die Hautdrainage, die Zufuhr von Nährstoffen und die Blutzirkulation,
wirken gegen oxidativen Stress, Umweltgifte, Hautalterung und freie Radikale, gleichen
den durch Wasser und Sonne bewirkten Verlust an Fetten aus, verbessern die Wasserbeständigkeit
von UV-Filtern, gewährleisten eine homogene Bräunung und besitzen schließlich zudem
auch antimikrobielle Eigenschaften.
[0035] Üblicherweise beträgt das Gewichtsverhältnis zwischen der Komponente (a) - etwa dem
feinverteilten PMMA - und den Wirkstoffen 10 : 90 bis 99 : 1, vorzugsweise 3 : 1 bis
1 : 1 und besonders bevorzugt ca. 2 : 1.
Beispiele
Eingesetzte Substanzen
[0036]
Phenonip: Konservierungsmittel in Dispersion
Cutina GMS-V: zusätzlicher Emulgator in Dispersion
Cosmedia SP: Verdicker zur Stabilisierung der Dispersion
Edenor PK 1805: Ölsäure, Fa. Cognis
Cosmedia PMMA V8: Mikrosphären auf Basis Polymethylmethacrylat (Fa. Cognis)
Cognis 6003-A: Netzmittel im Applikationsprozeß
Cognis 6006-A: Ausziehhilfe im Applikationsprozeß (cat Chitosan "fällt" die anionische Seife)
Cognis 3001-A: Binder im Applikationsprozeß
Cognis 3002-A: Vernetzer für Binder im Applikationsprozeß
Beispiel 1: Herstellung einer Mikrosphären-Dispersion:
[0037] 705 g vollentsalztes Wasser, 10 g Phenonip, 15 g Cutina GMS-V und 66 g Edenor PK
1805 wurden in einem Rührbehälter vorgelegt und gemischt. Anschließend wurden 100
g Cosmedia PMMA V8 eingerührt und die Mischung homogenisiert. Nun wurden 100 g einer
10%i-gen Kalilauge eingerührt, gefolgt von 4 g Cosmedia SP. Der Ansatz wurde auf 80°C
erhitzt. Nach 30 Minuten wurde auf eine Temperatur unterhalb von 40 °C abgekühlt und
schließlich bei 25°C über 250µ Sieb abgefüllt. Der pH-Wert der Dispersion betrug 8,7.
Die erhaltene Dispersion wurde im nachfolgenden Beispiel 2 eingesetzt.
Beispiel 2: Applikation
[0038] 1 kg Kompressionsstrümpfe (Venotrain Micro, Kompressionsstrümpfe aus 55 %/45% Polyamid/Elastan;
Fa. Bauerfeind) wurden in eine Trommelfärbemaschine gegeben. Anschließend wurde die
Maschine mit 10 I Weichwasser befüllt und 10 g Cognis 6003-A plus 10 g Essigsäure
60 %ig, zugegeben. Die Maschine wurde auf 50 °C aufgeheizt, die Trommelgeschwindigkeit
wurde auf 25 - 30 Umdrehungen pro Minute eingestellt. Anschließend wurden 200 g der
gemäß dem obigen Beispiel 1 erhaltenen Mikrosphärendispersion abgewogen, in Weichwasser
vorgelöst und zugegeben. Danach wurde 2 Minuten bei 50°C behandelt. Es wurde der pH-Wert
kontrolliert; er betrug 4,6. Anschließend wurden 20 g Cognis 6006-A abgewogen, in
Weichwasser vorgelöst, und zugegeben. Danach wurde 10 min bei 50°C behandelt. Anschließend
wurden 20 g Cognis 3001-A abgewogen, in Weichwasser vorgelöst und zugegeben. Danach
wurde 5 Minuten bei 50°C behandelt. Anschließend wurden 1 g Cognis 3002-A abgewogen,
in Weichwasser vorgelöst und zugegeben. Danach wurde 5 min. bei 50°C behandelt. Danach
wurde die Flotte abgelassen und es wurde abgeschleudert. Schließlich erfolgte Trocknen/Kondensieren
bei 120°C