[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Umschalten eines Hörgeräts von
einem ersten Betriebszustand in einen zweiten Betriebszustand. Darüber hinaus betrifft
die vorliegende Erfindung ein entsprechendes Hörgerät, das zwischen diesen beiden
Betriebszuständen umschaltbar ist.
[0002] Hörgeräte sind tragbare Hörvorrichtungen, die zur Versorgung von Schwerhörenden dienen.
Um den zahlreichen individuellen Bedürfnissen entgegenzukommen, werden unterschiedliche
Bauformen von Hörgeräten wie Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO), Hörgerät mit externem
Hörer (RIC: receiver in the canal) und Indem-Ohr-Hörgeräte (IdO), z.B. auch Concha-Hörgeräte
oder Kanal-Hörgeräte (ITE, CIC), bereitgestellt. Die beispielhaft aufgeführten Hörgeräte
werden am Außenohr oder im Gehörgang getragen. Darüber hinaus stehen auf dem Markt
aber auch Knochenleitungshörhilfen, implantierbare oder vibrotaktile Hörhilfen zur
Verfügung. Dabei erfolgt die Stimulation des geschädigten Gehörs entweder mechanisch
oder elektrisch.
[0003] Hörgeräte besitzen prinzipiell als wesentliche Komponenten einen Eingangswandler,
einen Verstärker und einen Ausgangswandler. Der Eingangswandler ist in der Regel ein
Schallempfänger, z. B. ein Mikrofon, und/oder ein elektromagnetischer Empfänger, z.
B. eine Induktionsspule. Der Ausgangswandler ist meist als elektroakustischer Wandler,
z. B. Miniaturlautsprecher, oder als elektromechanischer Wandler, z. B. Knochenleitungshörer,
realisiert. Der Verstärker ist üblicherweise in eine Signalverarbeitungseinheit integriert.
Dieser prinzipielle Aufbau ist in FIG 1 am Beispiel eines Hinter-dem-Ohr-Hörgeräts
dargestellt. In ein Hörgerätegehäuse 1 zum Tragen hinter dem Ohr sind ein oder mehrere
Mikrofone 2 zur Aufnahme des Schalls aus der Umgebung eingebaut. Eine Signalverarbeitungseinheit
3, die ebenfalls in das Hörgerätegehäuse 1 integriert ist, verarbeitet die Mikrofonsignale
und verstärkt sie. Das Ausgangssignal der Signalverarbeitungseinheit 3 wird an einen
Lautsprecher bzw. Hörer 4 übertragen, der ein akustisches Signal ausgibt. Der Schall
wird gegebenenfalls über einen Schallschlauch, der mit einer Otoplastik im Gehörgang
fixiert ist, zum Trommelfell des Geräteträgers übertragen. Die Energieversorgung des
Hörgeräts und insbesondere die der Signalverarbeitungseinheit 3 erfolgt durch eine
ebenfalls ins Hörgerätegehäuse 1 integrierte Batterie 5.
[0004] In Hörgeräten sind häufig eine Vielzahl an Funktionen realisiert, die entweder jede
für sich oder mehrere in Verbund alternative Audiodatenströme berechnen. Je nach Betriebszustand
und Einstellung des Hörgeräts wird aus diesen Datenströmen der gewünschte ausgewählt
und an den elektro-akustischen Wandler weitergeleitet.
[0005] Während des Betriebs besteht öfters der Bedarf, dass zwischen den Betriebszuständen
umgeschaltet werden muss oder soll, was zur Folge hat, dass ein anderer Audiodatenstrom
ausgewählt wird. Dieser Umschaltprozess soll dabei nicht hart durchgeführt werden,
sondern muss als langsame Überblendung (englisch: fading) realisiert werden. Je nach
Häufigkeit des Überblendens sollte dieser Prozess so unauffällig wie möglich sein
und darf somit möglichst keine merklichen Lautheitsschwankungen bedingen.
[0006] Aus der Druckschrift
DE 103 27 890 A1 ist eine Realisierung zum Überblenden bekannt. Sie basiert auf einer gewichteten
Summe der beteiligten "Datenströme" oder auch "Signale" wie sie im Weiteren genannt
werden sollen. Jedes der
n Signale
xi mit
i∈{1;2;...;
n} wird mit einem Gewichtungsfaktor
ai multipliziert und danach werden alle n Signale aufaddiert. Im eingeschwungenen Fall
ist also ein einziger Gewichtungsfaktor, z. B.
a1, exakt 1 und alle anderen Null. Soll nun zu einem anderen Zustand, beispielsweise
a2, umgeblendet werden, so wird
a1 üblicherweise gemäß einer fallenden Exponentialkurve (um einen konstanten Lautstärkeabfall
zu realisieren) allmählich zu Null gesetzt, während sich
a2 im Gegenzug allmählich 1 nähert. Dabei gilt bisher der Zusammenhang, dass alle Gewichtungsfaktoren
addiert 1 ergeben sollen. Die Summenbildung mit Gewichtung der einzelnen Signale
xi in einem Summensignal
y ist in FIG 2 schematisch angedeutet. Zum Umschalten zwischen Betriebszuständen werden
üblicherweise alle Signale mit Ausnahme eines einzigen (hier
xk) ausgeblendet, indem die Gewichtungsfaktoren
ai mit
i≠
k gegen Null gehen. Ein Triggersignal löst den Umschaltprozess aus. Dabei ist es auch
problemlos möglich, von einem beliebigen Mischzustand zum Zustand
k zu faden, indem alle
ai mit
i≠
k ausgeblendet werden (gegen Null laufen) und nur der
k-te Gewichtungsfaktor nach Gleichung (1) berechnet wird.

[0007] Weiterhin beschreibt die Druckschrift
EP 1 307 072 A2 ein Verfahren zum Betrieb eines Hörgeräts, wobei störende akustische Effekte bei
Umschaltvorgängen vermieden werden sollen. Dabei werden ein Signal, das aus einem
ersten Betriebszustand resultiert, und ein Signal, das aus einem zweiten Betriebszustand
resultiert, in wechselnder Gewichtung addiert. Dies führt in Einzelfällen jedoch zu
störenden Artefakten.
[0008] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht somit darin, das Umschalten zwischen
Betriebszuständen eines Hörgeräts akustisch komfortabler zu gestalten.
[0009] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch ein Verfahren zum Umschalten eines
Hörgeräts von einem ersten Betriebszustand in einen zweiten Betriebszustand durch
Bestimmen einer ersten Ausgangssignalleistung eines ersten Audiodatenstroms für den
ersten Betriebszustand, Bestimmen einer zweiten Ausgangssignalleistung eines zweiten
Audiodatenstroms für den zweiten Betriebszustand, Festlegen einer Überblendfunktion,
die die gesamte Ausgangsleistung während eines Überblendvorgangs darstellt, und deren
Anfangswert der ersten Ausgangssignalleistung und deren Endwert der zweiten Ausgangssignalleistung
entspricht, und Durchführen des Überblendvorgangs durch Mischen der beiden Audiodatenströme
derart, dass die gesamte Soll-Ausgangsleistung zumindest passagenweise der Überblendfunktion
und/oder einer korrespondierenden Näherungsfunktion entspricht.
[0010] Darüber hinaus wird erfindungsgemäß bereitgestellt ein Hörgerät, das von einem ersten
Betriebszustand in einen zweiten Betriebszustand umschaltbar ist, umfassend eine Messeinrichtung
zum Bestimmen einer ersten Ausgangssignalleistung eines ersten Audiodatenstroms für
den ersten Betriebszustand und zum Bestimmen einer zweiten Ausgangssignalleistung
eines zweiten Audiodatenstroms für den zweiten Betriebszustand sowie einer Steuereinrichtung
zum Durchführen eines Überblendvorgangs durch Mischen der beiden Audiodatenströme
derart, dass die gesamte Ausgangsleistung zumindest passagenweise während eines Überblendvorgangs
einer vorgegebenen Überblendfunktion und/oder einer korrespondierenden Näherungsfunktion
entspricht, deren Anfangswert gleich der ersten Ausgangssignalleistung und deren Endwert
gleich der zweiten Ausgangssignalleistung ist.
[0011] In vorteilhafter Weise ist es so möglich, sowohl bei korrelierten als auch bei unkorrelierten
Signalen ein Überblenden zu bewerkstelligen, das sich durch kaum merkliche Lautheitsschwankungen
auszeichnet.
[0012] In einem Spezialfall können die beiden Ausgangssignalleistungen der Betriebszuständen,
zwischen denen umgeschaltet werden soll, gleich hoch sein. In diesem Fall wird die
Überblendfunktion konstant gewählt, so dass der Hörgeräteträger keine Lautheitsschwankung
zwischen beiden Betriebszuständen wahrnehmen kann.
[0013] Sind die beiden Ausgangssignalleistungen der beiden Betriebszustände unterschiedlich,
so kann eine einfache Lautstärken-Überblendfunktion dadurch realisiert werden, dass
ein linearer Übergang zwischen beiden Ausgangssignalleistungen verwendet wird. Auf
diese Weise lassen sich Lautheitssprünge vermeiden.
[0014] Der während des Überblendvorgangs die gesamte Ausgangsleistung bestimmende Datenstrom
kann als eine Linearkombination mindestens des ersten und des zweiten Audiodatenstroms
angesehen werden, wobei jeder Audiodatenstrom mit einem Gewichtungsfaktor gewichtet
wird. Dadurch ist es leicht möglich, mit Hilfe des Erwartungswerts die Ausgangsleistung
aus den Gewichtungsfaktoren zu berechnen.
[0015] Die Gewichtungsfaktoren können ein exponentielles Ausblenden (Näherungsfunktion)
des ersten Audiodatenstroms mit einer vorbestimmten Zeitkonstante und ein Einblenden
des zweiten Audiodatenstroms gemäß der vorher definierten (Lautstärke)Überblendfunktion
bewirken. Dabei kann die vorbestimmte Zeitkonstante der Näherungsfunktion für das
Ausblenden unabhängig von einer Zeitkonstante der Überblendfunktion (
P(
y)) für das Einblenden sein. Durch das Nutzen einer Näherungsfunktion bei einem Teil
des Überblendvorgangs kann bereits Rechenaufwand eingespart werden.
[0016] Besonders vorteilhaft ist ein aufwandsreduzierter Ansatz, gemäß dem die Gewichtungsfaktoren
ausschließlich mit einer oder mehreren Additionen und/oder Multiplikationen iterativ
berechnet werden. Multiplikationen können dabei oft auch durch bit-shifting Operationen
und eventuelle weitere Additionen angenähert werden. Auf diese Weise lassen sich Exponentialfunktionen,
die einen hohen Rechenaufwand bedeuten, vermeiden.
[0017] Eine weitere Aufwandsreduzierung lässt sich dadurch erreichen, dass der Gewichtungsfaktor
zum Einblenden des zweiten Audiodatenstroms durch eine Differenz zwischen einem durch
die Überblendfunktion bestimmten Zielgewichtungsfaktor und einer weiteren exponentiellen
Ausblendfunktion mit einer zweiten Zeitkonstante angenähert wird. Insbesondere lässt
sich dadurch mit sehr geringem Aufwand eine sehr geringe Lautheitsschwankung bei der
Überblendung von einem Betriebszustand zu einem anderen erreichen.
[0018] Die vorliegende Erfindung wird anhand der beigefügten Zeichnungen näher erläutert,
in denen zeigen:
- FIG 1
- den prinzipiellen Aufbau eines Hörgeräts gemäß dem Stand der Technik;
- FIG 2
- ein Schaltbild zur gewichteten Summenbildung von Einzelsignalen;
- FIG 3
- den Verlauf der Ausgangsleistung bei zwei verschie- denen Überblendfunktionen;
- FIG 4
- den zeitlichen Verlauf von Gewichtungsfaktoren bei mehreren Überblendungen;
- FIG 5
- den zeitlichen Verlauf von Ausgangsleistungen bei unterschiedlichen Überblendstrategien
und
- FIG 6
- ein Blockschaltdiagramm zum Umblenden zwischen in- stationären Signalen.
[0019] Die nachfolgend näher geschilderten Ausführungsbeispiele stellen bevorzugte Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung dar.
[0020] Die erfindungsgemäße Lösung zielt darauf ab, dass die Lautheitsschwankungen des Summensignals
y während des Umschaltprozesses minimiert werden. Die Lautheit sollte streng monoton,
im Idealfall sogar mit konstanter Geschwindigkeit vom Ist-Wert zum Soll-Wert steigen
bzw. fallen. Für gleichlaute Signal
xl bis
xn bedeutet dies, dass keinerlei Schwankungen der Lautheit auftreten soll. Im Prinzip
ist jedoch jeder beliebige Verlauf der Lautheit, d. h. jede gewünschte Überblendfunktion
der Leistung möglich.
[0021] Die prinzipielle Idee, um oben gestecktes Ziel zu erreichen, ist es, alle Signale
als Zufallsprozesse aufzufassen, und die Gewichtungskoeffizienten so einzustellen,
dass die Leistung des Ausgangssignals
P(
y) zumindest im stochastischen Mittel einem gewünschten beispielsweise möglichst glattem
Verlauf folgt.
[0022] Beispiel 1: Zwischen zwei Signalen (
n=2)
x1 und
x2 soll umgeschaltet werden. Das zugehörige Um-faden soll zum Zeitpunkt
t1 starten und zum Zeitpunkt
t2 beendet sein. Dieser Überblendvorgang ist in FIG 3 dargestellt. Da beide Signale
unterschiedlich laut sind, lässt sich eine Änderung der Lautstärke nicht vermeiden.
Es soll daher ein möglichst unmerklicher Übergang zwischen beiden Zuständen stattfinden

[0023] FIG 3 stellt beispielhaft zwei Möglichkeiten für den Übergang von
P(
x1) zu
P(
x2) dar. Jeder von beiden hat spezifische Vorteile, die es im Einzelfall zu nutzen gilt.
Im Folgenden bleibt also der tatsächliche Verlauf der Ausgangsleistung, d.h. der Leistung
des Mischsignals, variabel und wird mit
P(
y) bezeichnet.
[0024] Die Leistung des Ausgangssignals kann mit Hilfe des Erwartungswerts berechnet werden.
Prinzipiell ist die Leistung eines Zufallsprozesses der Erwartungswert des Quadrats

[0025] Gemäß FIG 2 ist der Zufallsprozess
Y eine Linearkombination der Eingangsprozesse
Xi,
i∈{1;2;...;
n},

[0026] Im folgenden nehmen wir ohne Einschränkung der Allgemeinheit an, dass zum ersten
Betriebszustand gefadet werden soll, dass also
y(
t)|
t>
t2=
x1(
t). Gleichung (3) kann mit Hilfe eines Skalarprodukts vereinfacht werden zu

[0028] Dabei werden sowohl die Autokorrelierten (also die Leistungen) der Signale, als auch
die Kreuzkorrelierten zwischen den Signalen benötigt. Diese stochastischen Kenngrößen
können entweder durch beobachten der Signale geschätzt/gemessen werden, oder sie ergeben
sich zwangsläufig aufgrund der Erzeugung der Eingangssignale
x1 bis
xn.
[0029] Gemäß Gleichung (2) soll der Erwartungswert des Quadrats einer vorgegebenen Funktion
P(
y) folgen. Betrachtet man alle Gewichtungsfaktoren
ai=
ai(
t),
i∈{2;3;...;
n} als gegeben (die Signale
x2 bis
xn sollen "ausgefadet" werden, die dazu gehörigen Gewichtungsfaktoren müssen also gemäß
einer gegebenen Funktion gegen Null streben), dann berechnet sich der Gewichtungsfaktor
a1=
a1(
t) zu

wobei üblicherweise rein positive Gewichtungsfaktoren bevorzugt werden, man nimmt
also meist die Summe der beiden Terme und nicht deren Differenz.
[0030] Beispiel 2: Es seien
x1,
x2 und
x3 drei gleichlaute, mittelwertfreie und untereinander unkorrelierte Signale mit der
Leistung
P(
xi)=1,
i∈{1;2;3}. Die benötigten stochastischen Kenngrößen sind somit

[0031] Da alle Eingangssignale gleiche Leistung haben und vorzugsweise stationär sind, soll
das Ausgangssignal keinerlei Schwankungen aufweisen. Es gilt
P(
y)≡1. Gleichung (6) vereinfacht sich somit zu

[0032] Die empfundene Lautheit der nicht ausgewählten Signale soll mit konstanter Geschwindigkeit
sinken.
a2(
t) und
a3(
t) haben somit einen exponentiellen Verlauf. Es gilt:

wobei
t1 der Startzeitpunkt des Fading-Prozesses ist und τ die Zeitkonstante des Ausfadens.
Gleichung (7) vereinfacht sich weiter zu

[0033] FIG 4 zeigt die resultierenden Gewichtungsfaktoren
a1 bis
a3. Zum Startzeitpunkt befindet sich das System im Betriebszustand 3, d.h. der Gewichtungsfaktor
a3 = 1 und
a1 =
a2= 0. Der Betriebszustand wird zum Zeitpunkt
t = 1 vom Betriebszustand 3 zum Betriebszustand 1 gewechselt, d.h.
a3 wird zu 0 ausgeblendet,
a1 wird eingeblendet und
a2 bleibt 0. Zum Zeitpunkt
t2 erfolgt ein Wechsel in den Betriebszustand 2 und zum Zeitpunkt
t3 wieder ein Wechsel in den Betriebszustand 3. Die einzelnen Gewichtungsfaktoren folgen
den Verläufen der Gleichungen (8) und (9).
[0034] Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel beschrieben, das einen aufwandsreduzierten
Ansatz repräsentiert. Ausgangspunkt ist, dass bei Hörgeräten komplizierte mathematische
Funktionen wie Exponentialfunktionen und Wurzelfunktionen vermieden werden müssen,
da diese zuviel Chipfläche und zuviel Strom verbrauchen würden. Weiterhin gilt es,
echte Multiplikationen zu vermeiden. Aus eben diesen Gründen werden die abklingenden
Exponentialfunktionen, die für das Ausfaden benötigt werden, durch eine Serie von
Multiplikationen mit sehr einfachen Koeffizienten beschränkt. Die Gewichtungsfaktoren
für das Ausfaden werden folgendermaßen berechnet (hier exemplarisch für
a2)

bzw. in zeit-diskreter Schreibweise

[0035] Die Variable ν ∈ □
0 ist dabei eine natürliche Zahl, wodurch nur noch bestimmte Zeitkonstanten

realisiert werden können, was aber üblicherweise nicht stört. Zur Implementierung
gemäß der Offenlegungsschrift
DE 103 27 890 A1 (mit einfacher Subtraktion nach Gleichung (1)) werden demnach gerade einmal zwei
Additionen und ein Bit-Shifting zur Bildung von n =2 Gewichtungsfaktoren benötigt.
[0036] Der Nachteil von Gleichung (6) besteht in der aufwändigen Wurzelberechnung. Im Vergleich
zur einfachen Variante nach Offenlegungsschrift
DE 103 27 890 A1 ist der Mehraufwand für Hörgeräte meist nicht zu rechtfertigen. Deshalb wird hier
ein deutlich recheneffizienterer Ansatz vorgestellt, der sich dennoch an Gleichung
(6) anlehnt.
[0037] Sei τ
a die Zeitkonstante zum Ausblenden, die gemäß Gleichung (11) realisiert werden kann
(korrespondierend zur natürlichen Zahl ν
a). Dann sollen alle Ausblend-Gewichtungsfaktoren folgendermaßen gebildet werden (diskreter
Startzeitpunkt sei
k=0)

[0038] Es erfolgt also ein exponentielles Ausklingen der Signalanteile, wodurch die Lautstärke
konstant abnimmt. Der Einblend-Gewichtungsfaktor soll nun derartig gebildet werden,
dass

[0039] Dabei ist 1 quasi der Zielwert für den Gewichtungsfaktor
a1 und die Differenz zwischen Zielwert und aktuellem Wert wird mit einer exponentiellen
Funktion ausgeblendet. Die Zeitkonstante τ
e dieser exponentiellen Ausblendfunktion ist jedoch eine andere als die Zeitkonstante
τ
a und muss gemäß Gleichung (6) optimiert werden. Sie passt nicht unbedingt in das Implementierungsschema
nach Gleichung (11). Üblicherweise ist folgende Approximation aber vollkommen ausreichend

[0040] Der Aufwand für diese Implementierung wäre somit vier Additionen und zwei Bit-Shifting-Operationen
für
n = 2 Gewichtungsfaktoren, was bezüglich des zu erwartenden Vorteils (kaum Lautstärkeschwankungen
beim Fading) vollkommen vertretbar ist. Die Einblend-Zeitkonstante τ
e wird derart optimiert, dass Gleichung (11) möglichst gut approximiert wird, wobei
aber das Optimierungskriterium diversen Randbedingungen unterworfen sein kann. Beispielsweise
kann man fordern, dass es während des Umblendens auf keinen Fall lauter werden darf.
[0041] Beispiel 3: Es soll zwischen zwei gleichlauten unkorrelierten Signalen
x1 und
x2 umgeblendet werden. Die Leistung der beiden Signale sei 1. Es werden drei Umblend-Varianten
getestet:
- 1. die aus dem Stand der Technik bekannte Variante gemäß DE 103 27 890 A1 mit a1=1-a2,
- 2. eine stark rechenreduzierte Variante gemäß Gleichung (13) mit e

bei der die Differenz zum Zielwert mit einer anderen Zeitkonstante ausgeblendet wird
als die anderen Signale,
- 3. und die weitere rechenreduzierte Version gemäß Gleichung (14) mit

[0042] Die Ausblend-Zeitkonstante sei ν
a =5. FIG 5 zeigt das Verhalten der Ausgangsleistung
P(
y) über der Zeit für alle drei Varianten. Bei der ersten Methode nach dem Stand der
Technik ergibt sich ein Lautstärkeabfall von 3dB. Mit der dritten Lösung schwankt
die Lautstärke bzw. die Ausgangsleistung nur noch um 0,8dB. Die beiden Varianten 2
und 3 stellen also praktikable Lösungen bei der Realisierung einer idealen konstant
bleibenden Überblendfunktion dar. Die Näherungsfunktionen von FIG 5 führen kaum zu
einem Komfortverlust, aber zu einer deutlichen Recheneinsparung gegenüber dem idealen,
geraden Verlauf.
[0043] Die Kerngedanken der erfindungsgemäßen Lösung lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Zunächst wurde erkannt, dass beim Umblenden von einem Betriebszustand zu einem anderen
in der Regel Lautstärkeschwankungen auftreten. Um diese Lautstärkeschwankungen zu
quantifizieren wurden stochastische Hilfsmittel (beispielsweise Kreuzkorrelation und
Autokorrelation) eingesetzt. Die stochastischen Kenngrößen können entweder aus den
Signalen geschätzt, gemessen oder aus den Systemeigenschaften abgeleitet werden. Zur
Aufwandsreduktion genügt es, nicht die tatsächlichen stochastischen Größen (beispielsweise
die Korrelation) zu nehmen, sondern je nach Problemstellung ähnliche oder abgewandelte
Größen. In jedem Fall ist es dadurch möglich, für den Überblendvorgang einen gewünschten
Verlauf der Lautstärke zu erzielen. Ebenfalls ist es möglich, von einem beliebigen
Mischverhältnis zu einem anderen beliebigen Mischverhältnis (beispielsweise von

zu

) mit diesen Methoden zu faden.
[0044] Der obige allgemeine bzw. ideale Ansatz kann, wie in dem zweiten Ausführungsbeispiel
ausführlich erläutert wurde, durch einen aufwandsreduzierten Ansatz angenähert werden.
Dabei kann das Einblenden durch ein Ausblenden der Differenz zum Endwert (welcher
beliebig sein kann) realisiert werden. Darüber hinaus können für das Ein- und Ausblenden
unterschiedliche bzw. voneinander unabhängige Zeitkonstanten gewählt werden, denn
das Herleiten und Optimieren der Zeitkonstanten aus dem idealen Ansatz ist verhältnismäßig
komplex.
[0045] Nachfolgend seien noch zwei Realisierungsbeispiele dargestellt:
Realisierungsbeispiel 1: Umblenden bei Richtmikrofonie
[0046] Aus den Mikrofonen eines Hörgeräts können verschiedene Richtcharakteristiken (vorne,
hinten, omni, etc.) gebildet werden. Aufgrund von Änderungen der akustischen Bedingungen
ist es oft gewünscht, zwischen diesen Zuständen umzuschalten. Um die üblicherweise
dabei auftretenden "Knacks-Geräusche" zu vermeiden, muss ein Umblendprozess erfolgen,
der möglichst keine Lautheitsschwankungen bedingen sollte.
[0047] Ein Umblendvorgang, bei dem die Lautheit des Hintergrundgeräusches konstant ist,
muss gemäß Gleichung (6) realisiert werden. Vereinfachend kann man beispielsweise
annehmen, dass die Kreuzkorrelation der Signale Null ist. Alle benötigten Variablen
lassen sich somit im Vorfeld bestimmen. Ist der Implementierungsaufwand für Gleichung
(6) zu hoch, kann man den Ansatz nach Gleichung (13) verfolgen. Die Zeitkonstante
τ
e, die gemäß der gewünschten Kriterien optimiert wurde, kann dabei stark quantisiert
werden.
Realisierungsbeispiel 2: Umblenden zwischen instationären Signalen
[0048] Soll unmerklich zwischen instationären Signalen umgeblendet werden, bei denen man
die stochastischen Kenngrößen nicht im Vorfeld bestimmen kann, so empfiehlt sich ein
Schaltungsaufbau nach FIG 6. Ein Gewichtungsblock 10 schätzt die aktuellen stochastischen
Eigenschaften der Signale
x1 und
x2 und bildet daraus zwei entsprechende Gewichtungsfaktoren. Gegebenenfalls besitzt
der Gewichtungsblock 10 einen weiteren Eingang, um die Überblend- bzw. Fadingfunktion
zu steuern. Zwei Multiplizierer 11 und 12 multiplizieren die Signale
x1 und
x2 mit den korrespondierenden Gewichtungsfaktoren. Die gewichteten Signale werden in
ein Addierer 13 zu dem Summensignal
y summiert. Die notwendigen aktuellen stochastischen Größen werden also online berechnet
und für die Gewichtungsfaktoren benutzt.
1. Verfahren zum Umschalten eines Hörgeräts von einem ersten Betriebszustand in einen
zweiten Betriebszustand
gekennzeichnet durch
- Bestimmen einer ersten Ausgangssignalleistung (P(x1))eines ersten Audiodatenstroms für den ersten Betriebszustand,
- Bestimmen einer zweiten Ausgangssignalleistung (P(x2))eines zweiten Audiodatenstroms für den zweiten Betriebszustand,
- Festlegen einer Überblendfunktion (P(y)), die die gesamte Soll-Ausgangsleistung während eines Überblendvorgangs darstellt,
und deren Anfangswert der ersten Ausgangssignalleistung (P(x1))und deren Endwert der zweiten Ausgangssignalleistung (P(x2)) entspricht, und
- Durchführen des Überblendvorgangs durch Mischen der beiden Audiodatenströme derart, dass die gesamte Ausgangsleistung zumindest
passagenweise der Überblendfunktion und/oder einer korrespondierenden Näherungsfunktion
entspricht.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die beiden Ausgangssignalleistungen (P(x1), P(x2)) gleich hoch sind und die Überblendfunktion (P(y)) konstant ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Überblendfunktion (P(y)) linear ist.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der während des Überblendvorgangs
die gesamte Ausgangsleistung bestimmende Datenstrom eine Linearkombination mindestens
des ersten und des zweiten Audiodatenstroms ist, und dabei jeder Audiodatenstrom mit
einem jeweiligen Gewichtungsfaktor (a1,a2,a3) gewichtet wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, wobei die Gewichtungsfaktoren (a1,a2,a3) ein exponentielles Ausblenden des ersten Audiodatenstroms mit einer vorbestimmten
Zeitkonstante gemäß der Näherungsfunktion und ein Einblenden des zweiten Audiodatenstroms
gemäß der Überblendfunktion (P(y)) bewirken.
6. Verfahren nach Anspruch 5, wobei die vorbestimmte Zeitkonstante der Näherungsfunktion
für das Ausblenden unabhängig von einer Zeitkonstante der Überblendfunktion (P(y)) für das Einblenden ist.
7. Verfahren nach Anspruch 4, wobei die Näherungsfunktion für den Überblendvorgang genutzt
wird und dabei die Gewichtungsfaktoren (a1,a2,a3) ausschließlich mit einer oder mehreren Additionen und/oder Multiplikationen näherungsweise
berechnet werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 7, wobei der Gewichtungsfaktor zum Einblenden
des zweiten Audiodatenstroms durch eine Differenz zwischen einem durch die Überblendfunktion
bestimmten Zielgewichtungsfaktor und einer weiteren exponentiellen Ausblendfunktion
mit einer zweiten Zeitkonstante angenähert wird.
9. Hörgerät, das von einem ersten Betriebszustand in einen zweiten Betriebszustand umschaltbar
ist,
gekennzeichnet durch
- eine Messeinrichtung zum Bestimmen einer ersten Ausgangssignalleistung (P(x1)) eines ersten Audiodatenstroms für den ersten Betriebszustand und zum Bestimmen
einer zweiten Ausgangssignalleistung (P(x2)) eines zweiten Audiodatenstroms für den zweiten Betriebszustand sowie
- einer Steuereinrichtung zum Durchführen eines Überblendvorgangs durch Mischen der beiden Audiodatenströme derart, dass die gesamte Ausgangsleistung zumindest
passagenweise während eines Überblendvorgangs einer vorgegebenen Überblendfunktion
(P(y)) und/oder einer korrespondierenden Näherungsfunktion entspricht, deren Anfangswert
gleich der ersten Ausgangssignalleistung und deren Endwert gleich der zweiten Ausgangssignalleistung
ist.
1. Method for switching a hearing device from a first operating state to a second operating
state,
characterised by
- determining a first output signal power (P(x1)) of a first audio data stream for the first operating state,
- determining a second output signal power (P(x2)) of a second audio data stream for the second operating state,
- defining a fading function (P(y)), which represents the overall target output power during a fading process and the
initial value of which corresponds to the first output signal power (P(x1)) and the end value of which corresponds to the second output signal power (P(x2)) and
- performing the fading process by mixing the two audio data streams such that the
overall output power corresponds to the fading function and/or a corresponding approximation
function at least in passages.
2. Method according to claim 1, with the two output signal powers (P(x1), P(x2)) being equally high and the fading function (P(y)) being constant.
3. Method according to claim 1, with the fading function (P(y)) being linear.
4. Method according to one of the preceding claims, with the data stream determining
the overall output power during the fading process being a linear combination of at
least the first and the second audio data stream and each audio data stream being
weighted here with a respective weighting factor (a1,a2,a3).
5. Method according to claim 4, with the weighting factors (a1,a2,a3) effecting an exponential fading-out of the first audio data stream with a predetermined
time constant according to the approximation function and a fading-in of the second
audio data stream in accordance with the fading function (P(y)).
6. Method according to claim 5, with the predetermined time constant of the approximation
function for the fading-out being independent of a time constant of the fading function
(P(y)).
7. Method according to claim 4, with the approximation function being used for the fading
process and the weighting factors (a1,a2,a3) being exclusively approximately calculated here with one or several additions and/or
multiplications.
8. Method according to one of claims 4 to 7, with the weight factor for fading in the
second audio data stream being approached by a difference between a target weighting
factor determined by the fading function and a further exponential fading-out function
with a second time constant.
9. Hearing device, which can be switched from a first operating state into a second operating
state,
characterised by
- a measuring device for determining a first output signal power (P(x1)) of a first audio data stream for the first operating state and for determining
a second output signal power (P(x2)) of a second audio data stream for the second operating state as well as
- a control device for implementing a fading process by mixing the two audio data
streams such that the overall output power corresponds to a predetermined fading function
(P(y)) and/or a corresponding approximation function at least in passages during a fading
function, the initial value of which is identical to the first output signal power
and the final value of which is identical to the second output signal power.
1. Procédé de commutation d'une prothèse auditive d'un premier état de fonctionnement
à un deuxième état de fonctionnement
caractérisé par
- une détermination d'une première puissance ( P( x1 ) ) de signal de sortie d'un
premier flux de données audio pour le premier état de fonctionnement,
- une détermination d'une deuxième puissance ( P( x2 ) ) de signal de sortie d'un
deuxième flux de données audio pour le deuxième état de fonctionnement,
- une fixation d'une fonction ( P( y ) ) de mélange qui correspond à toute la puissance
de sortie de consigne pendant une opération de mélange et dont la valeur initiale
correspond à la première puissance ( P( x1 ) ) du signal de sortie et dont la valeur
finale correspond à la deuxième puissance ( P( x1 ) ) du signal de sortie, et
- on effectue l'opération de mélange en mélangeant les deux flux de données audio
de façon à ce que toute la puissance de sortie corresponde au moins par passage à
la fonction de mélange et/ou à une fonction d'approximation correspondante.
2. Procédé suivant la revendication 1, dans lequel les deux puissances ( P( x1 ), ( P(
x2 ) ) du signal de sortie sont de même amplitude et la fonction ( P( y ) ) de mélange
est constante.
3. Procédé suivant la revendication 1, dans lequel la fonction ( P( y ) ) de mélange
est linéaire.
4. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, dans lequel le flux de données
déterminant toute la puissance de sortie pendant l'opération de mélange est une combinaison
linéaire d'au moins le premier et le deuxième flux de données audio et chaque flux
de données audio est pondéré par un facteur ( a1, a2, a3 ) respectif de pondération.
5. Procédé suivant la revendication 4, dans lequel le facteur ( a1, a2, a3 ) de pondération
provoque un mélange exponentiel du premier flux de données audio avec une constante
de temps déterminé à l'avance suivant la fonction d'approximation et une injection
du deuxième flux de données audio suivant la fonction ( P( y ) ) de mélange.
6. Procédé suivant la revendication 5, dans lequel la constante de temps déterminée à
l'avance de la fonction d'approximation pour le mélange est indépendante d'une constante
de temps de la fonction ( P( y ) ) de mélange pour l'injection.
7. Procédé suivant la revendication 4, dans lequel la fonction d'approximation pour l'opération
de mélange est utilisée et les facteurs ( a1, a2, a3 ) de pondération sont calculés
approximativement exclusivement par une ou plusieurs additions et/ou multiplications.
8. Procédé suivant l'une des revendications 4 à 7, dans lequel on fait pour l'injection
du deuxième flux de données audio une approximation du facteur de pondération par
une différence entre un facteur de pondération visé déterminé par la fonction de mélange
et une autre fonction de mélange exponentiel ayant une deuxième constante de temps.
9. Prothèse auditive qui peut passer d'un premier état de fonctionnement à un état de
deuxième état de fonctionnement,
caractérisée par
- un dispositif de mesure pour déterminer une première puissance ( P( x1 ) ) de signal
de sortie d'un premier flux de données audio pour le premier état de fonctionnement
et pour déterminer une deuxième puissance ( P( x2 ) ) de signal de sortie d'un deuxième
flux de données audio pour le deuxième état de fonctionnement, ainsi que par
- un dispositif de commande pour effectuer une opération de mélange en mélangeant
les deux flux de données audio de manière à ce que toute la puissance de sortie corresponde
au moins par passage pendant une opération de mélange à une fonction ( P( y ) ) de
mélange donnée à l'avance et/ou à une fonction d'approximation correspondante, dont
la valeur initiale est égale à la première puissance du signal de sortie et dont la
valeur finale est égale à la deuxième puissance au signal de sortie.