[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines metallischen Bauteils,
bei dem ein Grundkörper mit einer Aluminiumbeschichtung versehen und der beschichtete
Grundkörper mit einer Aluminiumlegierung umgossen wird, sowie ein Bauteil mit einem
Grundkörper, auf dessen äußerer Oberfläche eine Aluminiumschicht ausgebildet ist,
wobei der Grundkörper mit einer Aluminiumlegierung umgossen ist.
[0002] Derartige Bauteile und Verfahren sind bekannt. Die Beschichtungen der einzugießenden
Grundkörper dienen dabei einer besseren Haftung des Grundkörpers am umgebenden Guss.
Insbesondere beim Aluminiumguss ist es häufig notwendig, an hochbelasteten Flächen
einzugießende Teile vorzusehen, um Oberflächen zu schaffen, durch deren Härte eine
zu große Abnutzung durch die Bewegung entlang der Oberfläche vermieden wird. So ist
es beispielsweise bekannt, Zylinderbuchsen, die die Laufflächen für die Zylinder bilden
oder Gleitlager in Zylinderkurbelgehäuse aus Aluminium einzugießen. Die Zylinderlaufbuchsen
sind beispielsweise aus einer hoch belastbaren Eisenbasislegierung, wie lamellarem
Grauguss, hergestellt. Das Aufbringen der Schichten kann beispielsweise durch Alfinieren
oder thermisches Spritzen erfolgen.
[0003] Um die Anbindung solcher Zylinderlaufbuchsen an den umgebenden Guss zu verbessern,
wird in der
JP 59-030465 vorgeschlagen, eine Gusseisenbuchse zunächst mit Nickel oder Kupfer zu beschichten
und anschließend in ein Aluminiumkurbelgehäuse einzugießen. Hierbei soll eine Verschmelzung
der Oberflächenbeschichtung mit der Aluminiumlegierung entstehen.
[0004] Aus der
EP 1 124 660 B1 ist es bekannt, eine Zylinderlaufbuchse durch thermisches Spritzen mit einer Aluminium-Silizium-Legierung
zu beschichten. Durch diese Beschichtung der Laufbuchse wird eine poröse Oberfläche
geschaffen, welche beim Umgießen dazu führen soll, dass die Oxidhaut immer wieder
aufreißt, so dass ein direkter Kontakt zwischen Schmelze und Oberfläche der Anbindeschicht
stattfindet. Die Schmelze infiltriert daraufhin die Anbindeschicht und schmilzt diese
an der Oberfläche auf, wodurch eine stoffschlüssige Verbindung erreicht werden soll.
Somit wird eine hohe Festigkeit zwischen der Anbindeschicht und dem Umgusswerkstoff
erreicht.
[0005] Bei den bekannten Verfahren wird zwar die Bindung zwischen Anbindeschicht und dem
Gusswerkstoff im Vergleich zu einer rein mechanischen Verklammerung verbessert, jedoch
bleibt das Problem der Anbindung zwischen der Zylinderbuchse und der Anbindeschicht,
da in diesem Bereich keine metallurgische Bindung erzeugt wird, sondern weiterhin
lediglich eine mechanische Verklammerung besteht.
[0006] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Herstellung eines
metallischen Bauteils sowie ein derartig hergestelltes Bauteil bereitzustellen, bei
denen die Anbindung zwischen der Beschichtung und der Zylinderbuchse und damit die
Haltbarkeit des Grundkörpers im Gussteil verbessert wird.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren gelöst, bei dem die Aluminiumbeschichtung
galvanisch auf den Grundkörper aufgebracht wird, sowie durch ein derartig hergestelltes
Bauteil. Hierdurch wird erreicht, dass die auf dem Grundkörper abgeschiedene Aluminiumbeschichtung
mit der Aluminium-Gusslegierung eine starke metallurgische Bindung eingeht und eine
gute Bindung der Aluminiumbeschichtung zum Grundkörper hergestellt wird. Diese wird
neben der stärkeren Bindung beim Beschichten durch Galvanisieren auch dadurch erreicht,
dass auch Hinterschnittstrukturen gleichmäßig und vollständig beschichtet werden können,
zum Beispiel Grundkörper mit Verklammerungsstrukturen oder Raugussbuchsen, welche
in Spritzverfahren schwer zugänglich sind.
[0008] Die Aluminiumbeschichtung kann dabei vorteilhafterweise eine Aluminium-Basis-Legierungsbeschichtung
sein. Dies ermöglicht die Verringerung des Schmelzpunktes der Aluminiumschicht beim
anschließenden Umgießen, so dass die Bindung erneut verbessert wird.
[0009] Gemäß einer ersten Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, die Aluminiumbeschichtung
mit einer Dicke im Bereich von 5 bis 100 µm, bevorzugt von 10 bis 60 µm und insbesondere
von 20 bis 40 µm aufzubringen. Derartige Schichtdicken haben sich in Versuchen als
ausreichend zur Verbesserung der Bindung sowohl zum Umgusswerkstoff als auch zum Grundkörper
erwiesen.
[0010] In Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass der beschichtete Grundkörper
mit einer Aluminium-Basis-Legierung umgegossen wird. Hier kann insbesondere eine AlSi9CU3-Legierung
verwendet werden.
[0011] Vorteilhafterweise kann der Grundkörper vor dem galvanischen Aufbringen der Aluminiumbeschichtung
auf den Grundkörper gereinigt werden. Dies kann mechanisch, insbesondere durch Strahlen
und/oder chemisch, insbesondere durch Auftragen eines Flussmittels erfolgen. Hierdurch
wird die Haftung der Beschichtung am Grundkörper zusätzlich verbessert.
[0012] Ein weiterer signifikanter Vorteil der galvanischen Schichtabscheidung gegenüber
Spritzverfahren liegt darin, dass Hinterschnittstrukturen gleichmäßig und vollständig
beschichtet werden können, zum Beispiel Grundkörper mit Verklammerungsstrukturen oder
Raugussbuchsen.
[0013] Vorzugsweise wird der Grundkörper aus einer Eisenbasislegierung, insbesondere aus
lamellarem Grauguss (GGL), hergestellt. Dieser weist eine mechanisch hoch belastbare
Oberfläche auf, die beispielsweise als Zylinderlauffläche in einem Verbrennungsmotor
geeignet ist.
[0014] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, auf den Grundkörper
vor dem galvanischen Aufbringen der Aluminiumbeschichtung galvanisch eine Nickelbeschichtung
aufzubringen. Insbesondere kann die Nickelbeschichtung mit einer Dicke > 5 µm insbesondere
im Bereich zwischen 1 bis 2 µm auf den Grundkörper aufgebracht werden. Es hat sich
herausgestellt, dass die Bindung von Nickel beispielsweise zum Grauguss beständiger
ist als die Bindung zwischen Aluminium und Grauguss. Zusätzlich ist auch die Bindung
zwischen der Aluminiumbeschichtung und der Nickelschicht beständiger und besser, so
dass insgesamt die Festigkeit der Verbindung zur Buchse erhöht wird.
[0015] In Weiterbildung des erfindungsgemäßen Bauteils weist die Oberfläche des Grundkörpers
eine Verklammerungsstruktur mit starker Profilierung oder Hinterschnitten auf. Hierdurch
wird eine zusätzliche formschlüssige Verklammerung zwischen Grundkörper und Beschichtung
erreicht, die die Festigkeit und Haltbarkeit zusätzlich erhöht.
[0016] Vorzugsweise ist das Bauteil ein Zylinderkurbelgehäuse oder ein Zylinderkurbelgehäuseunterteil,
welches auch als Lagertraverse oder Bedplate bezeichnet wird. Für diese Bauteile lässt
sich das erfindungsgemäße Verfahren besonders vorteilhaft einsetzen.
[0017] Insbesondere ist der Grundkörper eine Zylinderlaufbuchse. So wird es möglich, hoch
belastbare Zylinderlaufflächen in Aluminiumkurbelgehäusen, die ein geringes Gewicht
aufweisen, zu schaffen und die Buchse so zu befestigen, dass ein Lösen zuverlässig
unterbunden wird.
[0018] Ein Schliffbild eines nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Bauteils
ist in der Figur dargestellt.
[0019] Das dargestellte Bauteil 1 besteht aus einem Grundkörper 2 in Form einer Grauguss-Zylinderbuchse,
welche zunächst chemisch mittels eines Flussmittels gereinigt wurde. Auf die gereinigte
Oberfläche wurde anschließend galvanisch eine Nickelschicht 3 aufgetragen. Die Dicke
dieser Nickelschicht 3 beträgt etwa 5µm. Auf diese Nickelschicht 3 wurde anschließend
wiederum galvanisch in einem Galvanikbad eine Aluminiumschicht 4 in einer Dicke von
etwa 25µm aufgebracht. Die so vorbereitete Zylinderbuchse 2 wurde anschließend mit
einer Aluminium-Silizium-Legierung 5 aus AlSi9CU3 im Druckgussverfahren zur Herstellung
eines Zylinderkurbelgehäuses 1 umgossen.
[0020] Es zeigte sich zwischen allen Schichten eine sehr gute Haftung. Fehlstellen durch
Oxidbildung oder dergleichen sind durch die Verwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens
fast vollständig unterbunden worden.
[0021] Entsprechend wurde ein Bauteil geschaffen, welches auch für den Einsatz in Hochleistungsmotoren
mit hohen thermischen und mechanischen Belastungen geeignet ist. Ein Lösen der Buchse
im Umguss kann ausgeschlossen werden.
1. Verfahren zur Herstellung eines metallischen Bauteils (1), bei dem ein Grundkörper
(2) mit einer Aluminiumbeschichtung (4) versehen und der beschichtete Grundkörper
(2) mit einer Aluminiumlegierung umgossen wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Aluminiumbeschichtung (4) galvanisch auf den Grundkörper (2) aufgebracht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Aluminiumbeschichtung (4) eine Aluminium-Basis-Legierungsbeschichtung ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Aluminiumbeschichtung (4) mit einer Dicke im Bereich von 5 bis 100 µm, bevorzugt
von 10 bis 60 µm und insbesondere von 20 bis 40 µm aufgebracht wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der beschichtete Grundkörper (2) mit einer Aluminium-Basis-Legierung (5) umgossen
wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundkörper (2) vor dem galvanischen Aufbringen der Aluminiumbeschichtung (4)
auf den Grundkörper (2) gereinigt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundkörper (2) mechanisch insbesondere durch Strahlen und/oder chemisch insbesondere
durch Auftragen eines Flussmittels gereinigt wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundkörper (2) aus einer Eisenbasislegierung insbesondere aus lamellarem Grauguss
(GGL) hergestellt wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass auf den Grundkörper (2) vor dem galvanischen Aufbringen der Aluminiumbeschichtung
(4) galvanisch eine Nickelbeschichtung (3) aufgebracht wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Nickelbeschichtung (3) mit einer Dicke > 5 µm insbesondere im Bereich zwischen
1 bis 2 µm auf den Grundkörper (2) aufgebracht wird.
10. Bauteil mit einem Grundkörper (2), auf dessen äußerer Oberfläche eine Aluminiumschicht
(4) ausgebildet ist, wobei der Grundkörper (2) mit einer Aluminiumlegierung umgossen
ist, dadurch gekennzeichnet, dass das Bauteil (1) nach einem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8 hergestellt
ist.
11. Bauteil nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche des Grundkörpers (2) eine Verklammerungsstruktur mit starker Profilierung
oder Hinterschnitten aufweist.
12. Bauteil nach einem der Ansprüche 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Bauteil (1) ein Zylinderkurbelgehäuse oder ein Zylinderkurbelgehäuseunterteil
ist.
13. Bauteil nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundkörper (2) eine Zylinderlaufbuchse ist.