Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft einen Sensor zum Erfassen von Radkräften und/oder -Momenten
an Reifenprüfständen im Labor und auf mobilen Versuchsfahrzeugen basierend auf dem
piezoelektrischen Messprinzip.
Stand der Technik
[0002] Radkräfte werden an Reifenprüfständen im Labor und auf mobilen Versuchsfahrzeugen
gemessen, um Pneus und Felgen aber auch Radaufhängungen und Stossdämpfer zu testen
und zu optimieren. Dazu dienen in der Regel zweierlei Versuchsanordnungen. In der
ersten werden die Kraftsensoren im feststehenden Bereich der Räder an Prüfständen
oder Versuchsfahrzeugen, in sogenannten Messnaben, angebracht, in der zweiten in den
beweglichen Bereichen der Räder, beispielsweise in den Felgen von Versuchsfahrzeugen.
In beiden Anordnungen sind in den entsprechenden Applikationen mehrere Sensoren um
die Radachse herum gleichmässig in einem Kreis angeordnet. Beispiele bilden die Messnabe
vom Typ 9295 oder das Messrad vom Typ 9296, beide von der Firma Kistler.
[0003] Probleme ergeben sich bei Applikationen für LKW Räder, da in diesen Fällen viel höhere
Kräfte übertragen werden. Herkömmliche Applikationen halten in Rad-Normalrichtung
Gesamtkräfte von bis 30 kN, in den anderen Richtungen bis 20 kN aus. Da diese gesamten
Kräfte über die Kraftmessdosen geführt werden, müssen diese entsprechend ausgelegt
werden. Zu schwache Messdosen können bei einer Testfahrt zerbrechen und den Fahrer
dadurch in Gefahr bringen.
[0004] Um solch hohe Kräfte messen zu können, müssen entweder grössere Quarzscheiben oder
mehrere Messdosen herkömmlicher Grösse verwendet werden. Für grössere Quarzscheiben
fehlt oft der Platz, da der frei zur Verfügung stehende Bereich durch den Felgenradius
nach aussen und durch die grossen Wellen nach innen begrenzt ist. Bei der Verwendung
einer grösseren Anzahl von Quarzscheiben wird die grosse Anzahl von Ladungskanälen,
die von jeder Quarzscheibe her geführt werden muss, problematisch. Andererseits ist
die Montage und Demontage der Räder dadurch komplizierter, weil jede Quarzscheibe
separat vorgespannt werden muss.
Darstellung der Erfindung
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen Messaufbau oder einen Sensor zum
Erfassen von Radkräften und/oder - Momenten an Reifenprüfständen im Labor und auf
mobilen Versuchsfahrzeugen basierend auf dem piezoelektrischen Messprinzip zu beschreiben,
der sich auch für hohe Lasten, bei hoher Dynamik und hohen Eigenfrequenzen, insbesondere
für LKW Räder eignet.
[0006] Die Aufgabe wird gelöst durch die Kennzeichen der unabhängigen Patentansprüche.
[0007] Die der Erfindung zugrunde liegende Idee besteht darin, dass als eingangs erwähnter
Sensor eine Kraftmessdose verwendet wird, welche eine Grundplatte und eine der Grundplatte
gegenüber liegende Deckplatte umfasst sowie zwei oder mehr zwischen diesen Platten
flächig angeordnete, plattenförmige Quarzsensoren. Erfindungsgemäss sind die Grundplatte
und die Deckplatte länglich ausgestaltet und die Quarzsensoren sind bezüglich der
Längsausrichtung der Platten in einer Reihe angeordnet. Zudem sind die Quarzsensoren
durch die Platten vorgespannt.
[0008] Durch die längliche Form lassen sich beispielsweise vier, fünf oder sechs solche
Kraftmessdosen auf einer Kreislinie in dem zur Verfügung stehenden Bereich eines Rades
anordnen. Andererseits ist der Ein- uns Ausbau sehr einfach, da die Kraftmessdosen
bereits vorgespannt sind.
[0009] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen beschrieben.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0010] Im Folgenden wird die Erfindung unter Beizug der Zeichnungen näher erklärt. Es zeigen
- Fig. 1
- eine schematische perspektivische Darstellung einer erfindungsgemässen Kraftmessdose
mit zwei Quarzsensoren;
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung eines Querschnitts der Kraftmessdose nach Fig. 1;
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung einer Aufsicht auf eine Einbausituation eines Messrades
mit vier erfindungsgemässen Messdosen.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0011] Fig. 1 zeigt eine erfindungsgemässe Kraftmessdose 1 zum Erfassen von Radkräften und/oder
Momenten an Reifenprüfständen im Labor und auf mobilen Versuchsfahrzeugen. Sie umfasst
eine Grundplatte 2 und eine der Grundplatte gegenüber liegende Deckplatte 3. Zwischen
diesen Platten 2, 3 sind, wie in Fig. 2 ersichtlich, zwei plattenförmige Quarzsensoren
5 flächig angeordnet. In Fig. 1 sind zudem zwei Vorspannmuttern 4 ersichtlich, welche
die dahinterliegenden, hier nicht sichtbaren Quarzsensoren 5 unter die gewünschte
Vorspannung bringen können.
[0012] Umliegend um die Vorspannmuttern 4 sind Montagebohrungen 8 angebracht. Diese befinden
sich in der Grundplatte 2, in Fig. 1 nicht ersichtlich, sowie in der Deckplatte 3.
An diesen können radseitig sowie fahrzeugseitig resp. prüfstandseitig Befestigungsschrauben
eingreifen und die Kraftmessdose 1 damit fixieren. Die Montage ist im Gegensatz zu
herkömmlichen Messelementen für diese Zwecke daher einfacher, weil die Quarzsensoren
5 in dieser erfindungsgemässen Ausgestaltung bereits vorgespannt sind. Dadurch muss
nur noch die Anbindung an die Radkomponenten vorgenommen werden. Ein Austauschen der
Kraftmessdose 1 ist somit auch stark vereinfacht.
[0013] Erfindungsgemäss sind Grundplatte 2 und Deckplatte 3 länglich ausgestaltet. Insbesondere
ist die Kraftmessdose 1 mindestens doppelt so lang wie breit. In dieser Anordnung
sind zwei Quarzsensoren 5 in der Kraftmessdose 1 angeordnet, es können auch drei oder
mehr sein. Diese Quarzsensoren 5 sollen jedenfalls bezüglich der Längsausrichtung
der Platten in einer Reihe angeordnet sein, wobei die Reihe auch auf einem Kreissegment
verlaufen kann, dessen Radius allerdings grösser sein muss als die Breite der Kraftmessdose
1.
[0014] Wie in den Figuren 1 und 3 dargestellt kann die Kraftmessdose 1 mit abgeschrägten
oder abgerundeten Ecken, insbesondere oval-ähnlich ausgestaltet sein. Durch diese
Form lassen sich Kraftmessdosen 1 mit grossen Quarzsensoren 5 auf eine Felge 11 bringen,
die insgesamt mehr Kraft aufnehmen können als die selbe Anzahl runder oder auch rechteckiger
Kraftmessdosen 1.
[0015] Vorzugsweise sind keine Kraftnebenschlüsse zwischen der Grundplatte 2 und der Deckplatte
3 vorhanden, welche einen Kraftfluss zwischen diesen Platten 2, 3 zulassen, welche
nicht über die Quarzsensoren 5 verlaufen. Der einzige mögliche Kraftnebenschluss verläuft
über die die Vorspannmuttern 4.
[0016] Die Messleitungen und Nullleiter der Quarzsensoren 5 sind alle in der Kraftmessdose
1 gebündelt zusammengeführt zu einem gemeinsamen Stecker 6. Dadurch muss bei der Montage
und beim Austausch einer Kraftmessdose 1 nur ein Stecker 6 verbunden werden und nicht
vier einzelne Leitungen, wie es der Fall wäre, wenn zwei einzelne Messelemente anstelle
der Kraftmessdose 1 eingesetzt wären. Zudem kann ein Vorverstärker 7 in der Kraftmessdose
1 untergebracht sein, was die weitere Verarbeitung der Messsignale vereinfacht.
[0017] Solche erfindungsgemässe Kraftmessdosen 1 können im Bereich von LKW Rädern eingesetzt
werden, wie in Fig. 3 dargestellt. Sie werden um eine Welle 10 herum gleichmässig
verteilt im Bereich der Felge 11, an welcher schliesslich ein Reifen 12 angebracht
ist.
[0018] Dadurch, dass mehrere Quarzsensoren 5 in der Kraftmessdose 1 untergebracht sind und
mehrere Kraftmessdosen, in der Regel 3 bis 8, in einer Kreisform um die Radachse angeordnet
werden, können diese so bemessen sein, dass die gesamte Anordnung der Kraftmessdosen
in mindestens einer Richtung eine Last von mehr als 30 kN, insbesondere eine Last
von mehr als 40 kN aufnehmen und messen kann, ohne dass dafür verwendeten Kraftmessdosen
1 dabei beschädigt werden.
[0019] Insbesondere können solche Kraftmessdosen 1 im feststehenden Bereich oder im rotierenden
Bereich von Prüfständen oder von Versuchsfahrzeugen eingesetzt werden.
Bezugszeichenliste
[0020]
- 1
- Kraftmessdose
- 2
- Grundplatte
- 3
- Deckplatte
- 4
- Vorspannmutter vor einem Quarzsensor
- 5
- Quarzsensor
- 6
- Stecker
- 7
- Vorverstärker
- 8
- Montagevorrichtungen
- 9
- Rad
- 10
- Welle
- 11
- Felge
- 12
- Reifen
1. Kraftmessdose zum Erfassen von Radkräften und/oder - Momenten an Reifenprüfständen
im Labor und auf mobilen Versuchsfahrzeugen basierend auf dem piezoelektrischen Messprinzip
umfassend eine Grundplatte (2) und eine der Grundplatte gegenüber liegende Deckplatte
(3) sowie einen zwischen diesen Platten flächig angeordneten, plattenförmigen Quarzsensor
(5), dadurch gekennzeichnet, dass die Grundplatte (2) und die Deckplatte (3) länglich ausgestaltet sind und zwei oder
mehr solche plattenförmige Quarzsensoren (5) dazwischen einschliessen, die bezüglich
der Längsausrichtung der Platten (2), (3) in einer Reihe angeordnet und durch die
Platten (2), (3) vorgespannt sind.
2. Kraftmessdose nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Grundplatte (2) und die Deckplatte (3) mit abgeschrägten oder abgerundeten Ecken,
insbesondere oval-ähnlich ausgestaltet sind.
3. Kraftmessdose nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorspannung mittels Vorspannbolzen (4) erreicht wird.
4. Kraftmessdose nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass alle Messleitungen und Nullleiter der Quarzsensoren (5) zu einem gemeinsamen Stecker
(6) geführt sind.
5. Kraftmessdose nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass Quarzsensoren (5) umgehende Kraftnebenschlüsse zwischen der Grundplatte (2) und der
Deckplatte (3) höchstens durch Vorspannbolzen (4) verlaufen.
6. Kraftmessdose nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Vorverstärker (7) in der Kraftmessdose integriert ist.
7. Kraftmessdose nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kraftmessdose an der Grundplatte (2) und an der Deckplatte (3) Montagevorrichtungen
(8), insbesondere Montagebohrungen aufweist.
8. Kraftmessdose nach einem der vorhergehenden Ansprüche, eingesetzt im Bereich von LKW
Rädern.
9. Kraftmessdose nach einem der vorhergehenden Ansprüche, eingesetzt im feststehenden
Bereich von Prüfständen oder Versuchsfahrzeugen.
10. Kraftmessdose nach einem der vorhergehenden Ansprüche, eingesetzt im rotierenden Bereich
von Prüfständen oder Versuchsfahrzeugen.