[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Richten eines Metallbandes, insbesondere
eines dünnen Metallbandes mit einer Dicke bis zu 1 mm, wobei in dem Metallband zwischen
einem Bremsrollensatz und einem Zugrollensatz eine Zugspannung von zumindest 70% der
Streckgrenze erzeugt wird, und wobei das Band zwischen dem Bremsrollensatz und dem
Zugrollensatz in einer Richtrollengruppe mit mehreren Richtrollen gerichtet wird.
- Metallband meint im Rahmen der Erfindung insbesondere ein dünnes Metallband mit
einer Dicke von 0,02 mm bis 1,0 mm, vorzugsweise 0,05 mm bis 0,5 mm.
[0002] Ziel des Richtens eines Metallbandes ist die Herstellung eines möglichst planen Bandes.
Dabei unterscheidet man in der Praxis grundsätzlich zwischen verschiedenen Arten von
Bandunebenheiten. Neben Bandwelligkeiten und Bandsäbeligkeiten, welche auf Längenunterschiede
über die Bandbreite zurückzuführen sind, treten häufig Bandkrümmungen auf, wobei zwischen
Längskrümmungen (Coilset) und Querkrümmungen (Crossbow) unterschieden wird. Das Richten
von Bändern erfolgt häufig unter Einsatz von Bandzug, z. B. beim Zugrecken oder beim
Streckbiegerichten.
[0003] So kennt man Zugreckanlagen, bei welchen zwischen einem Bremsrollensatz und einem
Zugrollensatz ein hoher Bandzug erzeugt wird, sodass schließlich der für die gewünschte
Reckung erforderliche Streckzug erreicht wird. Im Zuge des Reckvorgangs wird die plastische
Längung des betreffenden Bandes aus der Reduzierung der Banddicke und Bandbreite bezogen.
So kennt man beispielsweise ein Verfahren zum kontinuierlichen Zugrecken von dünnen
Bändern, insbesondere von metallischen Bändern aus Stahl, Aluminium oder dergleichen
mit einer Banddicke zwischen 0,05 und 0,5 mm, wonach das Band in einem zwischen dem
Bremsrollensatz und dem Zugrollensatz zwischengeschalteten Zugreckrollenpaar dem zu
seiner Reckung im plastischen Bereich erforderlichen Streckzug unterworfen wird. Mit
dem Zugreckrollenpaar werden dabei etwa 5% bis 25% des Streckzuges für die plastische
Reckung und mit dem Bremsrollensatz und dem Zugrollensatz 75% bis 95% des Streckzuges
für die elastische bzw. teilplastische Reckung des Bandes erzeugt. Der Durchmesser
der Zugreckrollen ist dabei 1500 mal größer als die maximale Banddicke (vgl.
DE 39 12 676 C2).
[0004] Mit dem Zugrecken lassen sich in der Praxis hohe Planheiten erzeugen und insbesondere
Welligkeiten und Bandsäbel beseitigen. Da das Band jedoch beim Zugrecken in der Regel
im plastischen Bereich auf die letzte Spannrolle aufläuft, verbleiben im Band beim
Zugrecken häufig nicht unerhebliche Längskrümmungen, welche dem Spannrollendurchmesser
abzüglich der elastischen Rückfederung entsprechen. Es besteht zwar die Möglichkeit,
diese Längsrestkrümmung in z. B. einem Bereich niedriger Zugspannung durch eine einstellbare
Korrekturrolle zu Beseitigen. Für dünne Bänder wird der erforderliche Durchmesser
der Korrekturrolle allerdings sehr klein, um noch eine teilplastische Gegenbiegung
zu ermöglichen. Daher ist häufig die Abstützung einer solchen Streckbiegerichtrolle
in einer Kassette mit Stützrollen gegen Durchbiegung erforderlich. Bei schnelllaufenden
Anlagen neigen solche Rollen zu Vibrationen und können unerwünschte Rattermarken auf
der Bandoberfläche verursachen. Die Vibrationen können durch den Einsatz einer Sprühflüssigkeit
hinreichend abgedämpft werden, jedoch ist dann die Sprühflüssigkeit wieder im Wege
einer Bandreinigung zu entfernen, was mit erhöhten Anlagen- und Betriebskosten verbunden
ist. Ferner muss die Position der Korrekturrolle für jede Banddicke/Bandwerkstoffkombination
neu eingestellt werden.
[0005] Alternativ werden Bänder in der Praxis häufig im Wege des Streckbiegerichtens planiert.
Dabei wird das Band um eine Anzahl von Richtrollen mit kleinem Durchmesser gebogen
und durch Überlagerung von Biegung und Bandzug plastisch um den Streckgrad gelängt,
sodass Welligkeiten (näherungsweise) beseitigt werden.
[0006] Während an den ersten Richtrollen im Wesentlichen der Streckgrad erzeugt wird, dienen
die letzten Richtrollen hauptsächlich der Krümmungskorrektur. An den ersten Richtrollen
nimmt das Band je nach Bandzug, Rollendurchmesser und Umschlingungswinkel den Rollendurchmesser
an oder nicht. An den letzten Richtrollen werden jedoch die Rollendurchmesser nicht
angenommen, da für unterschiedliche Bänder jeweils optimale Krümmungsradien über die
Umschlingungswinkel eingestellt werden müssen. Aus diesem Grunde werden für unterschiedliche
Bänder zumindest die letzten Richtrollen unterschiedlich angestellt. Daraus ergibt
sich in der Praxis häufig ein hoher Inbetriebnahmeaufwand. Nachteilig ist im Übrigen
wieder der Einsatz verhältnismäßig kleiner Rollendurchmesser. Im Übrigen verbleiben
aufgrund der Biegung und der kleinen Rollendurchmesser im Band relativ hohe Restspannungen
über die Banddicke, die in der Weiterverarbeitung der Bänder unerwünscht sein können.
Bei dünnen Bändern sind im Übrigen eine Vielzahl von Richtrollen erforderlich, damit
Längsrestkrümmungen in dem gewünschten Maße beseitigt werden.
[0007] Aus der
EP 0 790 870 B1 kennt man eine Vorrichtung zum Richten von Metallbändern, bei welcher zwischen einem
Bremsrollensatz und einem Zugrollensatz ein Streckbiegegerüst, eine Korrekturrollenanordnung
sowie eine Vielrollenrichteinheit angeordnet sind. Die Vielrollenrichteinheit weist
eine Vielzahl von Arbeitsrollen auf, welche an Stützrollen abgestützt sind. Sämtliche
Arbeitsrollen des Streckbiegegerüsts, der Korrekturrollenanordnung und der Vielrollenrichteinheit
werden über Reibung zwischen Band und Rollen bewegt, sie sind folglich nicht angetrieben.
In der Vielrollenrichteinheit können die Durchmesser der Arbeitsrollen von Rolle zu
Rolle größer werden. Die Durchmesser sind jedoch - wie beim Vielrollenrichten bzw.
Streckbiegerichten üblich - verhältnismäßig klein. Bei dieser bekannten Anlage ist
es vorgesehen, die Position der Richtrollen und folglich die Eintauchtiefe in Abhängigkeit
von den Bandeigenschaften einzustellen.
[0008] Die bekannten Verfahren (z. B. Streckbiegerichten einerseits und Zugrecken andererseits)
werden auch kombiniert. So kennt man ein Verfahren zum kontinuierlichen Richten von
dünnen Metallbändern, welches einerseits ein Zugrecken und andererseits ein Streckbiegerichten
vorsieht (vgl.
DE 195 09 067 A1).
[0009] Aus der
US 6 240 762 B1 kennt man ein Verfahren zum Planieren eines Metallbandes im Wege des Streckbiegerichtens
oder Zugreckens, welchem ein Richtvorgang in einer Rollenrichteinheit bei niedrigen
Bandzug nachgeschaltet ist.
[0010] Schließlich beschreibt die
EP 1 311 354 B1 ein Verfahren sowie eine Vorrichtung zum Streckrichten eines Metallbandes, wobei
das Metallband einen Bremsrollensatz und einen Zugrollensatz durchläuft und zwischen
beiden Rollensätzen im Zuge seiner Reckung einem Streckzug unterworfen wird und in
einem zwischen dem Bremsrollensatz und dem Zugrollensatz angeordneten weiteren Rollensatz
zur Erhöhung des Streckgrades einer Biegung unter Zug unterworfen wird. Mit diesem
weiteren Rollensatz wird dabei der Hauptteil des Streckzuges erzeugt. Die Zugrollen
des zwischengeschalteten Rollensatzes können dabei einen anderen Durchmesser als die
Rollen des Bremsrollensatzes und des Zugrollensatzes besitzen. Dabei können die inneren
Zugrollen dieses zentralen Rollensatzes einen gegenüber den Rollen des Bremsrollensatzes
und des Zugrollensatzes kleineren Durchmesser besitzen.
[0011] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Richten eines Metallbandes
und insbesondere eines dünnen Metallbandes zu schaffen, mit welchem sich restspannungsarme
Bänder hoher Planheit und darüber hinaus geringerer Längskrümmungen in wirtschaftlicher
Weise erzeugen lassen. Außerdem soll eine geeignete Anlage zur Durchführung eines
solchen Verfahrens angegeben werden.
[0012] Zur Lösung dieser Aufgabe lehrt die Erfindung ein Verfahren zum Richten eines Metallbandes,
insbesondere eines dünnen Metallbandes mit einer Dicke ≤ 1 mm,
wobei in dem Metallband zwischen einem Bremsrollensatz und einem Zugrollensatz eine
Zugspannung unterhalb der Streckgrenze von zumindest 70% der Streckgrenze erzeugt
und das Band im Wege des Streckbiegerichtens und/oder Zugreckens gerichtet wird,
wobei zwischen dem Bremsrollensatz und dem Zugrollensatz in zumindest einer Richtrollengruppe
mit mehreren Richtrollen Längskrümmungen durch Biegung und vorzugsweise Wechselbiegung
korrigiert bzw. eliminiert werden,
wobei der Durchmesser der Richtrollen und auch der Umschlingungswinkel so groß ist,
dass das Band bei dem gewählten Bandzug der Krümmung der Richtrollen folgt bzw. die
Krümmung der Richtrollen annimmt und
wobei der Durchmesser in Bandlaufrichtung von Richtrolle zu Richtrolle zunimmt.
[0013] Die Längskrümmungen werden dabei in der zwischengeschalteten Richtrollengruppe vorzugsweise
durch Wechselbiegung des Bandes ausschließlich um Richtrollen ausreichend großen Durchmessers
und mit ausreichend großer Umschlingung korrigiert, sodass das Band die Krümmung der
Rollen annimmt. Da das Band der Krümmung der Rollen folgt, hat eine Variation der
Eintauchtiefe auf das Richtergebnis keinen Einfluss. Es kommt im Rahmen der Erfindung
folglich besonders darauf an, dass die Position der Richtrollen und folglich die Eintauchtiefe
einer Richtrolle zwischen zwei benachbarten Richtrollen der Richtrollengruppe fest
vorgegeben ist und während des Richtens eines Bandes und/oder beim Richten von Bändern
unterschiedlicher Dicke nicht verändert wird.
[0014] Überraschenderweise lassen sich mit dem erfindungsgemäßen Verfahren plane und restspannungsarme
Bänder mit minimalen Längsrestkrümmungen in wirtschaftlicher Weise erzeugen. Das Risiko
von Rattermarken wird vermieden, ohne dass der Einsatz von Sprühflüssigkeiten erforderlich
ist. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Tatsache, dass eine Mehrzahl von Richtrollen
innerhalb einer Richtrollengruppe zwischen Zugrollensatz und Bremsrollensatz vorgesehen
ist, wobei diese Richtrollen einen verhältnismäßig großen Durchmesser aufweisen, und
zwar so groß, dass das Band bei dem gewählten Bandzug der Krümmung der Richtrollen
folgt, und zwar ohne dass eine Änderung der Rollenanstellung in Abhängigkeit von Banddicken
und Festigkeitsbereichen erforderlich ist. Bei geeigneter Anzahl von Richtrollen und
folglich Krümmungskorrekturrollen mit geeigneten Durchmessern und insbesondere einer
geeigneten Durchmesserabstufung lassen sich Bänder mit sehr geringen Längsrestkrümmungen
herstellen. Die Auswahl der Anzahl der Richtrollen und deren Durchmesser sowie Durchmesserabstufung
kann dabei in Abhängigkeit von einer vorgegebenen Toleranz der Längskrümmungen von
zum Beispiel k = 1/R = ±0,001 erfolgen. Die erforderliche Anzahl der Richtrollen und
die optimale Staffelung der vorzugsweise sukzessive anwachsenden Rollendurchmesser
richtet sich nach der geringsten Banddicke bei höchster Streckgrenze. Die Richtrollengruppe
weist dabei z. B. drei Richtrollen, vorzugsweise zumindest vier Richtrollen, besonders
bevorzugt fünf oder mehr Richtrollen auf, wobei der Durchmesser innerhalb einer solchen
Richtrollengruppe von Rolle zu Rolle zunimmt. Dieses führt dazu, dass die Krümmung
des Bandes von Rolle zu Rolle abnimmt, sodass die Längskrümmungen sukzessive abgebaut
werden. Sämtliche Richtrollen weisen vorzugsweise einen Durchmesser auf, der zumindest
das 500-fache, z. B. zumindest das 1000-fache der Dicke des zu richtenden Bandes und
vorzugsweise auch der maximalen Dicke eines in einer solchen Anlage zu richtenden
Bandes beträgt. Die Zugspannung zwischen Bremsrollensatz und Zugrollensatz wird dabei
vorzugsweise auf zumindest 75%, besonders bevorzugt zumindest 85% der Streckgrenze
eingestellt. Dabei kann es zweckmäßig sein, die Zugspannung auf einen Wert von 90%
der Streckgrenze oder mehr einzustellen. Die Zugspannung kann dabei unterhalb der
Streckgrenze, aber auch im Bereich der Streckgrenze oder oberhalb der Streckgrenze
liegen. Streckgrenze meint im Rahmen der Erfindung die Streckgrenze bzw. plastische
Dehngrenze R
p 0,2, das heißt die Spannung im reinen Zugversuch, bei welcher die plastische Dehnung
0,2% beträgt. Es liegt folglich im Rahmen der Erfindung, dass zwischen dem Bremsrollensatz
und Zugrollensatz ein Richten des Bandes durch plastische Dehnung, z. B. durch Zugrecken
und/oder Streckbiegen erfolgt, wobei die Krümmungskorrektur jedoch durch Wechselbiegung
um die Richtrollen der Richtrollengruppe erfolgt.
[0015] Der Durchmesser der Richtrollen der Richtrollengruppe nimmt von Rolle zu Rolle vorzugsweise
um einen Faktor von 1,05 bis 1,5, besonders bevorzugt um einen Faktor von 1,15 bis
1,3 zu. Dabei kann innerhalb einer Richtrollengruppe mit einem festen Faktor oder
auch mit einem variablen Faktor gearbeitet werden.
[0016] Stets werden gegenüber dem herkömmlichen Zugrecken Bänder mit wesentlich geringeren
Längskrümmungen geschaffen. Die resultierenden Restspannungen liegen über die Banddicke
deutlich unterhalb den Restspannungen, welche mit dem Streckbiegerichten erreicht
werden können.
[0017] Die Anzahl der Richtrollen bzw. Krümmungskorrekturrollen und Ihre Durchmesserabstufung
wird besonders bevorzugt nach einem mathematischen Modell errechnet, welches als Eingangsparameter
die Banddicke bzw. den Banddickenbereich, den Elastizitätsmodul, die Querkontraktionszahl,
die Spannungs-Dehnungskurven, den erforderlichen Streckgrad zur Beseitigung der Welligkeit,
die zu erwartenden Bandzug- bzw. Streckgradschwankungen, die zu erwartenden Festigkeitsschwankungen
(innerhalb eines Produktes), die zu erwartenden Banddickenschwankungen (innerhalb
eines Produktes) und/oder den Betrag der maximal zulässigen Längsrestkrümmung berücksichtigt.
Das mathematische Modell berechnet dann für verschiedene Bänder ausgehend von einer
Rollenkonfiguration die notwendigen Bandzugspannungen und die resultierenden Längsrestkrümmungen.
Dabei richtet sich die notwendige Anzahl an Krümmungskorrekturrollen und die optimale
Abstufung der Rollendurchmesser nach der geringsten Banddicke, bei der eine bestimmte
Längsrestkrümmung noch innerhalb der Toleranz liegen muss. Von besonderer Bedeutung
ist nun die Tatsache, dass eine solche Berechnung aufgrund eines mathematischen Models
für bestimmte Bereiche durchgeführt werden kann und dass anschließend im Zuge der
Inbetriebnahme und insbesondere auch im Zuge des Betriebes keine Variation der Parameter
und insbesondere keine Variation der Eintauchtiefe der Richtrollen mehr erforderlich
ist. Vielmehr schlägt die Erfindung vor, dass die Position der Richtrollen und folglich
die Eintauchtiefe der Richtrollen zwischen zwei benachbarten Richtrollen innerhalb
der Richtrollengruppe in der Anlage fest vorgegeben ist und insbesondere während des
Richtens, aber auch beim Wechsel des Bandmaterials und/oder der Banddicke nicht verändert
wird. Durch die geeignete Abstimmung der verhältnismäßig großen Rollendurchmesser,
wobei das Metallband die Krümmung dieser Rollen annimmt, lassen sich mit einer einzigen
fest montierten Konfiguration Bänder über einen bestimmten Dickenbereich und folglich
auch unterschiedlich dicke Bänder mit hervorragenden Ergebnissen richten. Auch wenn
die Position der Richtrollen und folglich die Eintauchtiefe fest vorgegeben ist und
folglich mit einer festmontierten Konfiguration gearbeitet wird, so schließt dieses
im Rahmen der Erfindung nicht aus, dass anlagentechnisch die Möglichkeit vorgesehen
wird, die Richtrollengruppe "zu öffnen" und folglich die Rollen auseinander zu fahren,
um (vorübergehend) das Band ohne Biegung durch die Richtrollengruppe hindurchführen
zu können, z. B. wenn eine Verbindungsstelle zwischen einem Bandanfang und einem Bandende
(z. B. eine Schweißnaht) durch die Anlage hindurch gefahren wird. Anschließend werden
sämtliche Richtrollen dann wieder in die fest vorgegebene bzw. fest montierte Konfiguration
gebracht, in welcher dann die Bänder über den gewünschten Dickenbereich ohne weitere
Anpassung bearbeitet werden.
[0018] Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass zwischen Bremsrollensatz und Zugrollensatz
lediglich eine einzige Richtrollengruppe vorgesehen ist, bei welcher der Durchmesser
von Rolle zu Rolle ansteigt, sodass folglich sämtliche Rollen der Richtrollengruppe
einen unterschiedlichen Durchmesser aufweisen. Die Erfindung umfasst jedoch auch Ausführungsformen,
bei welchen innerhalb einer solchen Richtrollengruppe mit insgesamt ansteigendem Rollenmesser
(jeweils) zwei benachbarte Rollen einen identischen Rollendurchmesser aufweisen. Außerdem
liegt es im Rahmen der Erfindung, dass der Richtrollengruppe eine oder mehrere weitere
Zusatzrichtrollen vorgeordnet und/oder nachgeordnet sind. So kann es beispielsweise
zweckmäßig sein, wenn der Richtrollengruppe eine oder mehrere Zusatz-Richtrollen vorgeschaltet
werden, wobei der Durchmesser dieser vorgeschalteten Richtrollen vorzugsweise kleiner
oder gleich dem Durchmesser der ersten Richtrolle der Richtrollengruppe ist. Bevorzugt
wird jedoch auch bei diesen Zusatz-Richtrollen ein Durchmesser gewählt, welcher zumindest
der 500-fachen (minimalen) Banddicke entspricht. Diese vorgeschalteten Zusatzrichtrollen
können ebenfalls zwischen Bremsrollensatz und Zugrollensatz angeordnet sein. Die Erfindung
umfasst jedoch auch Ausführungsformen, bei denen eine Bandbehandlung in mehreren Behandlungszonen,
z. B. mehreren Zugreckzonen, erfolgt, wobei folglich mehrere Spannrollensätze unter
Bildung mehrerer Behandlungszonen, z. B. Zugreckzonen, hintereinander geschaltet sind.
Die erfindungsgemäße Richtrollengruppe zur Beseitigung von Längskrümmungen ist dann
stets in der letzten Behandlungszone, z. B. letzten Zugreckzone, angeordnet. Nach
erfolgter Krümmungskorrektur durch die Richtrollen erfolgt dann folglich keine plastische
Verformung mehr, sodass das Endergebnis des gerichteten und außerdem längskrümmungsfreien
Bandes erhalten bleibt.
[0019] Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass sämtliche Richtrollen der Richtrollengruppe
nicht angetrieben werden. Die Erfindung umfasst jedoch auch Ausführungsformen, bei
welchen eine, mehrere oder sämtliche Richtrollen der Richtrollengruppe angetrieben
werden. Eine solche Möglichkeit bietet sich beispielsweise dann an, wenn (sehr) große
Richtrollen mit großen Trägheitsmomenten eingesetzt werden. Durch den Antrieb einer
oder mehrerer Richtrollen lässt sich dann insbesondere ein Schlupf beim Anfahren der
Anlage vermeiden.
[0020] Gegenstand der Erfindung ist auch eine Anlage zum Richten eines Metallbandes, insbesondere
eines dünnen Metallbandes mit einer Dicke ≤ 1 mm, nach einem Verfahren der beschriebenen
Art. Eine solche Anlage weist zumindest einen Bremsrollensatz und einen Zugrollensatz
zum Aufbau der gewünschten Zugspannung sowie zumindest eine zwischen Bremsrollensatz
und Zugrollensatz angeordnete Richtrollengruppe mit mehreren Richtrollen auf. Der
Durchmesser der Richtrollen innerhalb der Richtrollengruppe nimmt in Bandlaufrichtung
von Rolle zu Rolle zu. Dabei weist eine solche Richtrollengruppe zumindest drei Rollen,
vorzugsweise zumindest vier Rollen, besonders bevorzugt zumindest fünf Rollen auf.
Der Durchmesser der Richtrollen beträgt zumindest das 500-fache der (minimalen) Banddicke
und vorzugsweise zumindest das 1000-fache der (minimalen) Banddicke. Der Durchmesser
der Richtrollengruppe nimmt von Rolle zu Rolle um einen Faktor von 1,05 bis 1,5, vorzugsweise
1,15 bis 1,3 zu. In der Praxis können z. B. Richtrollen in der Richtrollengruppe mit
einem Durchmesser von 100 mm bis 2000 mm, z. B. 200 mm bis 1600 mm, bevorzugt 300
mm bis 1500 mm zum Einsatz kommen.
[0021] Im Folgenden wird die Erfindung anhand einer lediglich ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine erfindungsgemäße Anlage zum Richten eines Metallbandes mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren,
- Fig. 2
- eine abgewandelte Ausführungsform des Gegenstandes nach Fig. 1 und
- Fig. 3
- ausschnittsweise eine weitere Ausführungsform der Erfindung.
[0022] In den Figuren ist eine Anlage zum Richten eines Metallbandes, insbesondere eines
dünnen Metallbandes 1 mit einer Dicke d ≤ 1 mm dargestellt. Eine solche Anlage weist
in ihrem grundsätzlichen Aufbau einen Bremsrollensatz 2 und einen Zugrollensatz 3
auf. Im Ausführungsbeispiel weist der Bremsrollensatz 2 lediglich ein Rollenpaar und
folglich zwei Bremsrollen 2.1 und 2.2 auf, während der Zugrollensatz 3 ebenfalls lediglich
ein Rollenpaar und folglich zwei Zugrollen 3.1 und 3.2 aufweist. Die Erfindung umfasst
selbstverständlich auch Ausführungsformen mit Spannrollensätzen mit mehr Rollen, z.
B. jeweils vier Rollen oder sechs Rollen. Mit Hilfe dieser Spannrollenssätze (Bremsrollensatz
2 und Zugrollensatz 3) wird in dem Metallband 1 ein Bandzug bzw. eine Zugspannung
erzeugt, welche zumindest 75% der Streckgrenze, vorzugsweise zumindest 90% der Streckgrenze
beträgt. Zwischen dem Bremsrollensatz 2 und dem Zugrollensatz 3 ist nun im Rahmen
der Erfindung eine Richtrollengruppe 4 mit einer Mehrzahl von Richtrollen 4.1, 4.2,
4.3, 4.4, 4.5, 4.6 und 4.7 angeordnet. In dieser Richtrollengruppe 4 werden durch
Wechselbiegung Längskrümmungen des Bandes beseitigt. Der Durchmesser D1 - D7 der Rollen
dieser Richtrollengruppe 4 ist dabei verhältnismäßig groß und zwar so groß, dass das
Band 1 bei dem gewählten Bandzug der Krümmung sämtlicher dieser Richtrollen innerhalb
der Richtrollengruppe 4 folgt. Dabei ist in Fig. 1 erkennbar, dass der Durchmesser
D1, D2, D3, D4, D5, D6, D7 der Richtrollen 4.1 bis 4.7 der Richtrollengruppe 4 in
Bandlaufrichtung R von Rolle zu Rolle zunimmt und folglich größer wird. Im Ausführungsbeispiel
weist die Richtrollengruppe 4 sieben Richtrollen auf, wobei der Rollendurchmesser
D1 bis D7 von Rolle zu Rolle um einen Faktor von etwa 1,25 zunimmt. Die Position der
Richtrollen 4.1 bis 4.7 ist dabei innerhalb der Anlage fest vorgegeben. Eine Einstellung
der Position bzw. Eintauchtiefe ist im Rahmen der Erfindung nicht vorgesehen. Vielmehr
gelingt durch einmalige Auslegung der Parameter ein einwandfreies Richten und bei
geringen Restlängskrümmungen für verschiedene Banddicken ohne dass eine Einstellung
der Eintauchtiefe der einzelnen Rollen erforderlich ist.
[0023] Während Fig. 1 eine erste Ausführungsform zeigt, bei welcher zwischen dem Bremsrollensatz
2 und dem Zugrollensatz 3 lediglich die Richtrollengruppe 4 angeordnet ist, zeigt
Fig. 2 eine abgewandelte Ausführungsform, bei welcher der Richtrollengruppe 4 mit
den Richtrollen 4.1 bis 4.6 weitere Zusatzrollen 5.1, 5.2 und 5.3 vorgeordnet sind.
Der Durchmesser D' dieser zusätzlichen Rollen 5.1 bis 5.3 entspricht dem Durchmesser
D1 der ersten Richtrolle der Richtrollengruppe 4.
[0024] Fig. 3 zeigt eine Ausführungsform, bei welcher den Richtrollen 4.1 bis 4.7 der Richtrollengruppe
4 vier weitere Zusatzrichtrollen 5.1 bis 5.4 vorgeordnet sind. Diese zusätzlichen
Richtrollen 5.1 bis 5.4 weisen einen verhältnismäßig kleinen Durchmesser D' auf und
bilden gleichsam Streckbiegerollen. Aus diesem Grunde wird jede dieser Richtrollen
5.1 bis 5.4 von Stützrollen 6 abgestützt. Bei dieser Ausführungsform ist der erfindungsgemäßen
Richtrollengruppe folglich eine Streckbiegerollengruppe 5.1 bis 5.4 vorgeordnet. Bremsrollensatz
und Zugrollensatz sind in Fig. 3 nicht dargestellt.
[0025] Die Umschlingungswinkel können in der Praxis ggf. (wesentlich) größer eingerichtet
werden, als in den Figuren angedeutet. Es sind Umschlingungswinkel von bis zu 180°
oder auch mehr denkbar. Insofern kann die erste Rolle 3.1 des Zugrollensatzes 3 (zugleich)
Bestandteil der Richtrollengruppe 4 sein und folglich ebenfalls an der plastischen
Verformung des Bandes durch Biegung mitwirken.
1. Verfahren zum Richten eines Metallbandes, insbesondere eines dünnen Metallbandes mit
einer Dicke ≤ 1 mm,
wobei in dem Metallband zwischen einem Bremsrollensatz und einem Zugrollensatz eine
Zugspannung von zumindest 70% der Streckgrenze erzeugt und das Metallband z. B. im
Wege des Streckbiegerichtens und/oder des Zugreckens gerichtet wird,
wobei zwischen dem Bremsrollensatz und dem Zugrollensatz in zumindest einer Richtrollengruppe
mit mehreren Richtrollen Längskrümmungen durch Biegung korrigiert werden,
wobei der Durchmesser der Richtrollen so groß ist, dass das Band bei dem gewählten
Bandzug der Krümmung der Richtrollen folgt und
wobei der Durchmesser der Richtrollen innerhalb der Richtrollengruppe in Bandlaufrichtung
von Rolle zu Rolle zunimmt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Position der Richtrollen und folglich die Eintauchtiefe einer Richtrolle zwischen
zwei benachbarte Richtrollen der Richtrollengruppe fest vorgegeben ist, und während
des Richtens eines Bandes und/oder beim Richten von Bändern unterschiedlicher Dicke
nicht verändert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Richtrollengruppe zumindest drei Richtrollen, vorzugsweise zumindest vier Richtrollen,
besonders bevorzugt zumindest fünf Richtrollen mit von Rolle zu Rolle zunehmenden
Durchmesser aufweist.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Durchmesser der Richtrollen zumindest das 500-fache, vorzugsweise zumindest das
1000-fache der Dicke des zu richtenden Bandes beträgt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Zugspannung zumindest 75%, vorzugsweise zumindest 85%, z. B. zumindest 90% der
Streckgrenze beträgt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Durchmesser der Richtrollengruppe von Rolle zu Rolle um einen Faktor von 1,05
bis 1,5 ansteigt, vorzugsweise um einen Faktor von 1,15 bis 1,3 ansteigt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Anzahl der Richtrollen der Richtrollengruppe und ihre Durchmesserabstufung nach
einem mathematischen Model errechnet wird, welches als Eingangsparameter die Banddicke
bzw. den Banddickenbereich, den Elastizitätsmodul, die Querkontraktionszahl, die Spannungs-Dehnungskurven,
den erforderlichen Streckgrad zur Beseitigung der Welligkeit, die zu erwartenden Bandzug-
bzw. Streckgradschwankungen, die zu erwartenden Festigkeitsschwankungen, die zu erwartenden
Banddickenschwankungen und/oder den Betrag der maximal zulässigen Längsrestkrümmung
berücksichtigt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Dicke des zu richtenden Bandes 0,02 mm bis 1,0 mm, z. B. 0,05 mm bis 0,5 mm beträgt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Richtrollengruppe eine oder mehrere weitere Zusatzrichtrollen vorgeordnet und/oder
nachgeordnet sind, wobei der Durchmesser der zusätzlichen Richtrollen vorzugsweise
kleiner oder gleich dem Durchmesser der ersten Richtrolle der Richtrollengruppe ist.
10. Anlage zum Richten eines Metallbandes (1), insbesondere eines dünnen Metallbandes
mit einer Dicke d ≤ 1 mm, nach einem Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis
9, mit zumindest einem Bremsrollensatz (2) und einem Zugrollensatz (3) sowie zumindest
einer zwischen dem Bremsrollensatz 2) und dem Zugrollensatz (3) angeordneten Richtrollengruppe
(4) mit mehreren Richtrollen (4.1 bis 4.7), wobei der Durchmesser (D1 bis D7) der
Richtrollen (4.1 bis 4.7) so groß ist, dass das Band (1) bei dem gewählten Bandzug
der Krümmung der Richtrollen (4.1 bis 4.7) folgt und wobei der Durchmesser (D1 bis
D7) der Richtrollen (4.1 bis 4.7) in Bandlaufrichtung (R) von Rolle zu Rolle zunimmt.
11. Anlage nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Position der Richtrollen (4.1 bis 4.7) und folglich die Eintauchtiefe einer Richtrolle
zwischen zwei benachbarten Richtrollen der Richtrollengruppe (4) fest vorgegeben ist.
12. Anlage nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Richtrollengruppe (4) zumindest drei Rollen, vorzugsweise zumindest vier Rollen,
besonders bevorzugt zumindest fünf Rollen mit von Rolle zu Rolle zunehmendem Durchmesser
(D1 bis D7) aufweist.
13. Anlage nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass der Durchmesser (D1 bis D7) der Richtrollen der Richtrollengruppe (4) zumindest das
500-fache, vorzugsweise zumindest das 1000-fache der Dicke (d) des zu richtenden Bandes
beträgt.
14. Anlage nach einem der Ansprüche 10 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass der Durchmesser D1 bis D7) der Richtrollen (4.1 bis 4.7) der Richtrollengruppe 4
von Rolle zu Rolle um einen Faktor von 1,05 bis 1,5, vorzugsweise von 1,15 bis 1,3
ansteigt.
15. Anlage nach einem der Ansprüche 10 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass der Richtrollengruppe (4) eine oder mehrere weitere Zusatzrichtrollen (5.1 bis 5.3)
vorgeordnet und/oder nachgeordnet sind.
16. Anlage nach einem der Ansprüche 10 bis 15, mit mehreren Bandbehandlungszonen, z. B.
einer oder mehreren Zugreckzonen und/oder einer oder mehreren Streckbiegezonen, dadurch gekennzeichnet, dass die Richtrollengruppe (4) in der letzten Bandbehandlungszone, z. B. in der letzten
Zugreckzone, angeordnet ist oder die letzte Bandbehandlungszone bildet.