[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Führen von rotierenden Dornstangen und
Hohlblöcken im Bereich von Schrägwalzwerken, insbesondere von Lochschrägwalzgerüsten
in Nahtlosrohranlagen, mit mehreren in Walzrichtung hintereinander angeordneten Führungseinheiten,
von denen jede mindestens drei, die Walzachse umgebende, anstellbare Führungsrollen
besitzt, deren Drehachsen sich parallel zur Walzachse erstrecken und wobei den einzelnen
Führungseinheiten jeweils in Walzrichtung rotierende, separat angetriebene Transportrollen
zugeordnet sind, wie durch die
DE 10 22 540 B bekanntgeworden.
[0002] Bei einem Schrägwalzwerk bzw. Lochschrägwalzwerk ist es nämlich erforderlich, den
durch die Walzung rotierenden Hohlblock und die ebenfalls rotierende, den Walzdorn
tragende Dornstange zu führen. Das wird mit den drei anstellbaren Führungsrollen erreicht,
wobei die Führungsrollen im wesentlichen zylindrisch ausgebildet sind und mit ihren
glatten Mantelflächen abwechselnd die Dornstange und den Hohlblock in radialer Richtung
abstützen, so dass diese im Bereich der Walzachse gehalten werden, ohne dass ihre
Rotationsbewegung behindert wird.
[0003] Um diese Führungsaufgabe zuverlässig erfüllen zu können, müssen die Führungsrollen
in radialer Richtung entsprechend dem Durchmesser der Dornstange und des Hohlblockes
verstellt werden. Dies erfolgt durch eine Änderung des Anstellwinkels der dazu an
Schwenkarmen gelagerten Führungsrollen. So erreicht man ein möglichst geringes Spiel
zwischen den Mantelflächen von Dornstangen bzw.
[0004] Hohlblöcken und den Führungsrollen. Die Schwenkarme erfordern allerdings einen zusätzlichen
Bauraum und Bewegungs-Freiraum.
[0005] Nach der Walzung, bei welcher die Führungseinheiten im Auslauf zunächst die Dornstange
und dann den Hohlblock führen, wird der Hohlblock axial in Auslaufrichtung transportiert
und anschließend quer zur Auslaufrichtung abtransportiert. Der Lineartransport erfolgt
durch in Walzrichtung angetriebene Transport- bzw. Treibrollen, die bei der eingangs
genannten, gattungsbildenden Druckschrift zwischen den Führungseinheiten auf Schwenkhebeln
vorgesehen sind, während sogenannte Auswerfer bzw. Schwenkhebel den Hohlblock aus
dem Auslauf heben und zum Abtransport an eine Quertransporteinrichtung überleiten.
Diese Transport- und Entnahmeeinrichtungen sind beabstandet von den Führungseinheiten
angeordnet. Aufgrund des konstruktiv notwendigen, relativ großen Abstandes der Führungseinheiten
voneinander im Auslauf, ist eine weite Distanz zwischen den Transport- und Entnahmeeinrichtungen
im Auslauf unvermeidlich, so dass die Dornstange bzw. der Hohlblock nicht optimal
geführt werden kann, was mit einer erhöhten und nicht wünschenswerten Wanddickentoleranz
des Walzgutes einhergeht.
[0006] Eine aus der
EP 0868947 A2 bekannte Führungsvorrichtung anderer Art besitzt anstelle von mehreren hintereinander
angeordneten Führungseinheiten zwei über die maximal zu walzende Luppenlänge als durchgehende
Rohre ausgebildete Führungsrollen, die jeweils strinseitig in Radiallagerungen drehbar
aufgenommen sind. Die dimensionsabhängige Einstellung der rohrförmigen Führungsrollen
erfolgt zentral zur Walzmitte einzeln über geneigte Führungsschlitten oder gemeinsam
um einen außerhalb angeordneten Drehpunkt. Diese Führungsvorrichtung erfordert zudem
mehrere kurze Führungsrollen, die von oben gegen die langen Führungsrollen einschwenkbar
sind, um ein seitliches Ausbrechen der auslaufenden Luppe zu verhindern. Nach dem
Walzen werden die oberen kurzen Führungsrollen ausgeschwenkt und zwischen den langen
Führungsrollen angeordnete, angetriebene Scheibenrollen werden zum Längstransport
der Luppe eingeschwenkt
[0007] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Führungsvorrichtung der eingangs
genannten Art zu schaffen, die eine Walzung mit deutlich geringeren Walzguttoleranzen
und dementsprechend weniger Ausschuss beim Fertigrohr ermöglicht.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Transportrollen innerhalb
der Führungseinheiten jeweils zwischen zwei unteren, in Bezug auf die Walzachse vertikal
anstellbaren Führungsrollen und mit diesen eine triangelförmige Dreirollenführung
bildend angeordnet und ebenfalls in Bezug auf die Walzachse vertikal anstellbar sind.
Die Integration der ansonsten entfernt von Führungseinheiten angeordneten Transportrollen
in einer Führungseinheit ermöglicht es, dass der Abstand zwischen zwei Führungseinheiten
deutlich verkürzt und einhergehend damit die Führungsqualität von Dornstange und Hohlblock
erheblich verbessert werden kann.
[0009] Sowohl die integrierten Transportrollen als auch die beiden unteren Führungsrollen
sind in Bezug auf die Walzachse vertikal anstellbar. Die obere Führungsrolle kann
wie bei bekannten Vorrichtungen durch einen um eine feste Schwenkachse verstellbaren
Schwenkarm zur Walzachse hin bzw. von dieser weg geschwenkt werden, während auf jeden
Fall die beiden unteren Führungsrollen vertikal, d.h. in einer linearen Bewegung zur
Walzachse hin bzw. von dieser wegbewegt werden. Durch die erfindungsgemäße lineare
Anstellung der unteren Führungsrollen kann die Transportrolle im Freiraum zwischen
den unteren Führungsrollen angeordnet werden.
[0010] Nach der Walzung werden die Transportrollen über eine geeignete Hubeinrichtung zur
Walzachse hin angehoben bzw. verstellt. Sobald ein für das jeweilige Kaliber des Hohlblockes
voreingestelltes Transportmaß erreicht ist, kann der gewalzte Hohlblock mittels der
jeweils einzeln angetriebenen Transportrollen in Auslaufrichtung des Schrägwalz- bzw.
Lochschrägwalzwerkes allseitig geführt transportiert werden.
[0011] Die vertikale Anstellbewegung ermöglicht, dass der Anstellwinkel der unteren Führungsrollen
zueinander nicht mehr verändert wird, also keine Schwenkbewegung der unteren Führungsrollen
aufeinander zu bzw. voneinander weg stattfindet. Der konstruktiv einmal festgelegte
Freiraum zwischen den beiden unteren Führungsrollen kann daher uneingeschränkt zur
Aufnahme der vertikal anstellbaren Transportrolle genutzt werden. Abhängig von den
Abmessungen des zu führenden Gegenstandes (Dornstange oder Hohlblock) ändert sich
mit dem vertikalen Hub der Führungsrollen lediglich der Anstellwinkel zu dem zu führenden
Gegenstand, und zwar im Bereich eines kleinsten (bei Führung der Dornstange) bis zu
einem größten (bei Führung des Walzgutes bzw. Hohlblocks) Winkels bzw. Winkel.
[0012] Weitere Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus den Ansprüchen und
der nachfolgenden Beschreibung eines in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiels
der Erfindung. Es zeigen:
- Fig. 1
- in der Draufsicht ein Schrägwalzgerüst mit im Auslauf mehreren hintereinander angeordneten
Führungseinheiten, schematisch dargestellt;
- Fig. 2
- in stark schematisierter Darstellung als Einzelheit eine Führungseinheit mit darin
zentrierter Dornstange, in Walzrichtung gesehen; und
- Fig. 3
- in stark schematisierter Darstellung als Einzelheit die Führungseinheit gemäß Fig.
2 mit demgegenüber darin zentriertem Hohlblock, in Walzrichtung gesehen.
[0013] In Fig. 1 ist mit 1 eine Querfördereinrichtung bezeichnet, über die auf Walztemperatur
erwärmte Blöcke einer Einlegerinne 2 eines Lochschrägwalzgerüstes 3 zugeführt werden.
[0014] Auf der Auslaufseite des Schrägwalzgerüstes 3 befindet sich eine Dornstange 4, die
in axialer Richtung von einem nicht dargestellten Widerlager gehalten wird und auf
welcher im Schrägwalzgerüst 3 ein Hohlblock 5 ausgewalzt wird.
[0015] Die Dornstange 4 und später der gewalzte Hohlblock 5 müssen radial abgestützt geführt
werden, da sie mit beachtlicher Drehzahl umlaufen. Zur Führung der Dornstange 4 und
in der Folge des Hohlblockes 5 dienen mehrere in Walzrichtung hintereinander angeordnete
Führungseinheiten 6.
[0016] Die Fig. 2 und 3 zeigen am Beispiel einer einzelnen Führungseinheit 6, dass diese
als triangelförmige Dreirollenführung ausgebildet ist und jeweils drei Führungsrollen
7a, 7b, 7c besitzt, welche in Fig. 2 die Dornstange 4 und in Fig. 3 den Hohlblock
5 zentrieren. Die Führungsrolle 7a kann vertikal angestellt oder mit Hilfe von hier
nicht dargestellten Schwenkhebeln und Zylindern durch einen Schwenkvorgang zur Dornstange
4 bzw. zum Hohlblock 5 hin respektive weg bewegt werden. Die Führungsrollen 7b und
7c werden mittels hier ebenfalls nicht dargestellten Hubeinrichtungen durch eine vertikale
bzw. lineare Verstellung 8 zur Dornstange 4 bzw. zum Hohlblock 5 hin respektive weg
verfahren.
[0017] Die Führungsrollen 7a, 7b, 7c sind mit Hilfe von nicht dargestellten Wälzlagern auf
Achsen drehbar gelagert, jedoch nicht angetrieben.
[0018] Zwischen den unteren beiden Führungsrollen 7b und 7c ist eine in Richtung des Doppelpfeils
13 vertikal verstellbare Transportrolle 9 angeordnet, welche in einer hier nicht dargestellten
Hubeinrichtung gelagert ist und separat angetrieben wird.
[0019] In Fig. 2 ist eine Dornstange 4 in die Walzlinie eingelegt bzw. eingefahren worden
und die Führungsrollen 7a, 7b, 7c - deren Schließ- bzw. Öffnungsbewegungen über eine
entsprechende Steuerungseinrichtung miteinander gekoppelt sind - liegen mit ihren
Mantelflächen 10 auf der Dornstange 4 auf, so dass diese zu Beginn des Walzvorgangs
in radialer Richtung geführt wird. Die Führungsrollen 7 a sowie 7 b und 7 c nehmen
einen geringsten Abstand zueinander ein mit einem entsprechend kleinsten Anstellwinkel
α 1 der beiden vertikal anstellbaren unteren Führungsrollen 7 b, 7 c zur Dornstange
4. Sowohl zu Beginn als auch während des Walzvorgangs befindet sich die Transportrolle
9 in ihrer unteren Grundstellung, ohne Kontakt zur Dornstange 4 zu haben.
[0020] Mit fortschreitendem Walzvorgang schiebt sich der Hohlblock 5 über die Dornstange
4. Erreicht die in Walzrichtung voreilende Stirnseite des Hohlblocks 5 die Führungseinheiten
6, vollziehen die Führungsrollen 7a, 7b, 7c eine gleichmäßige Öffnungs- bzw. Anstellbewegung,
die obere Führungsrolle 7a dabei ggf. durch eine Schwenkbewegung und die beiden unteren
Führungsrollen 7b und 7c durch eine vertikale Hubbewegung von der Dornstange 4 weg.
[0021] Somit wird zwischen den Führungsrollen 7a, 7b, 7c ein kreisförmiger Durchlass gebildet,
der zunächst geringfügig größer ist als der Aussendruchmesser des entstehenden Hohlblockes
5. Sobald der Hohlblock 5 sich innerhalb der Führungseinheit 6 befindet, vollziehen
die Führungsrollen 7a, 7b, 7c eine gleichmäßige Schließbewegung zu dem Hohlblock 5
hin. Die Mantelflächen 10 der Führungsrollen 7a, 7b, 7c kommen umfangsverteilt zur
Anlage an der Oberfläche des Hohlblockes 5, wodurch dieser während des Walzvorgangs
sicher zentriert wird. Zu dieser Hohlblockführung nehmen die Führungsrollen 7 a sowie
7 b und 7 c einen weitesten Abstand zueinander ein mit einem entsprechend größten
Anstellwinkel α 2 der beiden vertikal anstellbaren unteren Führungsrollen 7 b, 7 c
zum Hohlblock 5.
[0022] Am Ende eines jeden Walzvorgangs wird die Transportrolle 9 vertikal in ihre Transportstellung
gefahren, so dass der Hohlblock 5 auf ihrer dem Radius des Hohlblockes 5 angepaßten
Mantelfläche 11 aufliegt (vgl. Fig. 3). Nachfolgend wird der Hohlblock 5 mittels der
in den Führungseinheiten 6 integrierten Transportrollen 9 axial aus der Walzlinie
heraus in den nachgeschalteten Auslaufbereich transportiert, wo er dann durch beispielsweise
eine Schwenkhebel aufweisende Vorrichtung zum Abfördern auf eine Quertransporteinrichtung
12 abgelegt wird.
Bezugszeichenliste:
[0023]
- 1
- Querfördereinrichtung
- 2
- Einlegerinne
- 3
- Schrägwalzgerüst
- 4
- Dornstange
- 5
- Hohlblock
- 6
- Führungseinheiten
- 7a,b,c
- Führungsrollen
- 8
- vertikale Verstellung
- 9
- Transportrolle
- 10
- Mantelfläche Führungsrollen
- 11
- Mantelfläche Transportrolle
- 12
- Quertransporteinrichtung
- 13
- Doppelpfeil (vertikale Verstellung der Transportrolle)
- α 1
- kleinster Anstellwinkel
- α 2
- größter Anstellwinkel
1. Vorrichtung zum Führen von rotierenden Dornstangen (4) und Hohlblöcken (5) im Bereich
von Schrägwalzwerken, insbesondere von Lochschrägwalzgerüsten in Nahtlosrohranlagen,
mit mehreren in Walzrichtung hintereinander angeordneten Führungseinheiten (6), von
denen jede mindestens drei, die Walzachse umgebende, anstellbare Führungsrollen (7
a, 7 b, 7 c) besitzt, deren Drehachsen sich parallel zur Walzachse erstrecken, und
wobei den einzelnen Führungseinheiten jeweils in Walzrichtung rotierende, separat
angetriebene Transportrollen (9) zugeordnet sind,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Transportrollen (9) innerhalb der Führungseinheiten (6) jeweils zwischen zwei
unteren, in Bezug auf die Walzachse vertikal anstellbaren Führungsrollen (7b, 7c)
und mit diesen eine triangelförmige Dreirollenführung bildend angeordnet und ebenfalls
in Bezug auf die Walzachse vertikal anstellbar sind.